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Zeit für eine erste Zwischenbilanz

26. Jänner 2005 - 

Längst hat Außenministerin Plassnik das Österreichercamp "Elephant Lodge" wieder verlassen. Ruhe ist eingekehrt. Das Routine-Business von Ronnys Wassermachern läuft "as usual". Die Wasserproduktion geht unvermindert weiter. Die "Pinzetten", unsere Pinzgauer, gehören bereits zum Alltagsbild im Katastrophengebiet.

Österreichische Firmen unterstützen unsere Soldaten

Seit etwa einer Woche stehen den Österreichern im Regenwald Sri Lankas zwei Satellitentelefone der Firma mobilkom zur uneingeschränkten Verfügung. Mehr als 100 Stunden konnten die Kontingentsmitglieder mit den Telefonen schon mit der Heimat sprechen. Auch die Firma telering hat sich etwas einfallen lassen: Jedem telering-Kunden unter unseren Soldaten werden die Roaming-Gebühren bei Telefonaten mit den Lieben daheim erlassen. Ein Dankeschön den beiden Telekommunikationsfirmen. Sie haben nicht auf das österreichische Hilfskontingent in Sri Lanka vergessen!!!

Kurz vor meiner Abreise aus Galle habe ich im Internet-Cafe eine Dame aus Bayern getroffen, die schon seit zwanzig Jahren in Talpe, einige Kilometer südöstlich von Galle lebt. Sabine gelang es, Touristen und Einheimische gerade noch rechtzeitig in den ersten Stock ihrer kleinen Pension zu evakuieren. Durch den Tsunami wurden sowohl die Gartenanlagen mit dem kleinen Pool als auch das Erdgeschoß ihres Lebenstraumes völlig zerstört. Im Moment sammelt sie Gelder und Hilfsgüter aus Deutschland und versucht das Geld sinnvoll in Hilfsprojekte zu investieren. Wenn auch nur die Hälfte ihrer Erzählungen annähernd stimmt, ist es wirklich sehr schlimm um die Menschen im Katastrophengebiet bestellt.

Vergewaltigungen und Plünderungen

So soll es nach der Flutkatastrophe zu zahlreichen Ausschreitungen in der Bevölkerung gekommen sein. Mädchen und Frauen sollen Opfer von Vergewaltigungen geworden sein. Ganze Waffenlager der Marine Sri Lankas sind durch die Flut weggespült worden. Fazit: Es befinden sich zahlreiche Waffen im Umlauf. Eine Nacht vor unserem Gespräch mit Sabine haben sieben bewaffnete Männer den Juwelier in Talpe überfallen und ihn seiner letzten Besitztümer beraubt.

Ein Fischer erzählte uns, dass immer wieder skrupellose Banditen "Tsunami, Tsunami" rufend durch die Dörfer laufen und dann warten, bis die Bewohner in Panik ihre Häuser oder besser gesagt, dass was davon übrig geblieben ist, verlassen haben, um diese dann ungestört plündern zu können. Auch das ist Sri Lanka. Das erklärt mir, warum vor meiner Abreise verstärkt schwer bewaffnete Polizei in den Straßen zu sehen war.

Von den Streitkräften des Landes ist nach einem Monat nach wie vor kaum etwas zu sehen in Galle und Umgebung. Vereinzelt sieht man Tankwagen der singhalesischen Luftwaffe und hin und wieder einzelne Soldaten des Heeres herumstehen. So etwas ist bei uns in Österreich völlig undenkbar. Im Falle einer Katastrophe wäre jeder verfügbare Mann im Einsatz.

Immer mehr Schaulustige

Auch der Katastrophen-Tourismus nimmt zu. Immer mehr Menschen strömen aus Colombo in die betroffenen Gebiete und gaffen. Besonders schlimm ist es im Bereich des verunglückten Zuges. Ja, auch mich hat diese "Katastrophe in der Katastrophe" in den Bann gezogen. Auch ich bin dort immer wieder stehen geblieben und habe dabei an die zahllosen kleinen Tragödien gedacht, die sich abgespielt haben müssen.

Aber der Unterschied ist, ich bin niemals vorsätzlich dort hingefahren, sondern im Rahmen von routinemäßigen Patrouillen dort vorbeigefahren. Als ich bei meiner Heimreise wieder am Zug vorbeikam, es war am Wochenende, habe ich an die zweihundert Minivans gezählt, die dort am Strand und auf der Straße geparkt waren, während ihre Insassen durch den Dschungel flanierten.

Ein ernüchterndes Bild, wenn man die erwartungsvollen Gesichter der "einheimischen Katastrophen-Touristen" zu den Blicken der vom Leid schwer gezeichneten Bevölkerung im Flutgebiet in Relation setzt.

Auch in Colombo ein ähnliches Bild bei der Rückreise: Eine laute und geschäftige Stadt, deren Bewohner mit der Katastrophe längst abgeschlossen haben. "Tsunami? - Ja, aber nicht bei uns, im Süden", lautet die Antwort.

Ein weiteres Problem sind die zahlreichen Hilfsorganisationen, die aus völlig unterschiedlichen Motiven ins Katastrophengebiet einfließen. Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich morgen berichten werde ...

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