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"Die CSSR-Krise 1968 und Österreich" – ein Rückblick

Wien, 11. Oktober 2003  - Das große Landesverteidigungsakademie-Symposion 2003, das vom 7.-9. Oktober unter der wissenschaftlichen Leitung des Instituts für Strategie und Sicherheitspolitik (ISS) im Festsaal der Wiener Roßauerkaserne veranstaltet wurde, widmete sich aus gegebenen Anlaß der gewaltsamen Niederschlagung des „Prager Frühlings“ durch den Einmarsch von Warschauer Pakt-Truppen in die CSSR vor nunmehr 35 Jahren. Die Invasion bedeutete das jähe Ende des politischen Reformkurses des Alexander Dubcek, der in der CSSR einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ hatte schaffen wollen.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen strategische und politische Überlegungen, die von insgesamt 16 Historikerinnen und Historikern - aus dem ehemaligen „Ostblock“ wie auch westlichen Fachleuten - angestellt wurden. Daneben kamen 9 Zeitzeugen aus der ehemaligen Tschechoslowakei sowie Österreich zu Wort.

Die Ergebnisse der Konferenz kurz zusammengefaßt:

Für das Bundesheer bedeutete die politische Entscheidung, keinen Grenzsicherungseinsatz durchzuführen sondern – bei gleichzeitiger Verstärkung der Garnisonen nördlich der Donau - 30 km von der Grenze entfernt Stellung zu beziehen, einen katastrophalen Imageverlust bei der Bevölkerung, die nicht verstand, warum das Bundesheer den für den Krisenfall CSSR erst kurz zuvor ausgearbeiteten Plan „Urgestein“ nun nicht umsetzte (bzw. umsetzen durfte).

Einer der prominentesten Zeitzeugen, General Alexander Buschek, während des „Prager Frühlings“ Chef des Heeresnachrichtenamtes (HNA), sah seine damaligen Analysen glücklicherweise bestätigt: Die Sowjets betrachteten die Aktion, bei der sich auch Truppen Polens, Ungarns und Bulgariens (jedoch keine Großverbände der DDR) beteiligten, ausschließlich als eine „block-interne Bereinigung“ der - nach Auffassung Moskaus - außer Kontrolle geratenen Lage. Ein Ausbrechen der Tschechoslowakei aus dem Warschauer Pakt sollte mit allen Mitteln verhindert werden.

Und wie reagierte der Westen? Die westliche Führungsmacht USA hatte an einer Eskalation der ohnehin angespannten Situation ebenfalls nicht das geringste Interesse. Entspannung und Abrüstung waren die Primärziele der damaligen US-Außenpolitik, auch hoffte man auf bessere Zusammenarbeit mit den Sowjets in den Fragen Vietnam und Naher Osten. Gleichzeitig hatte man im Wahljahr 1968 mit eigenen großen Problemen zu kämpfen: Rassen- und Studentenunruhen, die tödlichen Attentate auf den Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Martin Luther King und den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Robert Kennedy sowie die Frage der Nachfolge des selbst nicht mehr kandidierenden amtierenden Präsidenten Lyndon B. Johnson hielten die amerikanische Öffentlichkeit in Atem. Die CSSR-Krise hatte demnach für die Führung der USA nicht jene politische Gewichtung, die ihr von vielen europäischen Staaten beigemessen wurde.

Das viertägige Symposion der LVAk war die bislang größte wissenschaftliche Konferenz zum Thema „Tschechoslowakei 1968“ in Österreich.

Dr. Felix Schneider

Ein Bericht der Redaktion Landesverteidigungsakademie

Zeitzeugen im Gespräch

Zeitzeugen im Gespräch

1968 aus dem Blickwinkel zweier Staaten

1968 aus dem Blickwinkel zweier Staaten

Angeregte Diskussionen nach den Vortägen

Angeregte Diskussionen nach den Vortägen

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