Österreichs Bundesheer

Ich werde Soldatin

Die Tanklöschfahrzeug-
Truppkommandantin von Suva Reka

Wachtmeister Heidemarie Zvolanek
Wachtmeister Heidemarie Zvolanek

Wachtmeister Heidemarie Zvolanek im Gespräch mit Diana Carmen Albu.
Im Gespräch mit Diana Carmen Albu.

Gemeinsam mit Schweizern und Deutschen war Heidemarie Zvolanek, Wachtmeister im Österreichischen Bundesheer, sechs Monate lang im Camp Casablanca/Kosovo in der Camp-Feuerwehr tätig. Um eine „nette Abwechslung“ zum Dienstbetrieb in der Heimat zu erleben, meldete sie sich im Oktober vorigen Jahres zu ihrem ersten Auslandseinsatz im ehemaligen Jugoslawien.

Die meiste Zeit über sei es ruhig gewesen, erzählte sie im Gespräch; doch der Aufenthalt im Kosovo sei dennoch eine Bereicherung für ihre militärische Laufbahn gewesen. Außerdem habe sie neue Erfahrungen sammeln können. Die Kameradschaft und der Zusammenhalt im Camp erstaunte und erfreute die ausgebildete Heeresfahrlehrerin zugleich; diese seien nichts selbstverständliches, sondern gerade in einem solchen Einsatz etwas einzigartiges.

Das KFOR-Kontingent umfasste etwa 700 Soldaten und Soldatinnen dreier verschiedener Nationen - Österreich, Deutschland und der Schweiz. Nicht nur die gute Atmosphäre und das Arbeitsklima gehörten zu den angenehmen Erlebnissen, sondern auch die Akzeptanz seitens der Bevölkerung. Im Camp leisteten Einheimische diverse Hilfsdienste. Obwohl es den KFOR-Einheiten untersagt war, inmitten von Ortschaften Halt zu machen, konnte man beim Durchfahren das Wohlwollen der Albaner wahr nehmen. Die Kinder liefen hinter den Wagen her und wunken, was Zvolanek als „relativ gutes Zeichen“ interpretierte: „Wenn sie nicht mehr winken, weiß man, wie die Eltern uns gegenüber eingestellt sind, und inwieweit unsere Präsenz erwünscht ist.

Nach der Pflichtschule absolvierte die 27-Jährige die Lehre als Einzelhandelskauffrau. Ihr Traum war jedoch der Beruf als Kfz-Mechanikerin. Als im Jahre 1998 auch Frauen die Möglichkeit eröffnet wurde, eine Karriere im Österreichischen Bundesheer anzustreben, gehörte Heidemarie Zvolanek zu den ersten Frauen, die dies wagten. Von Freunden, die damals an der Theresianischen Militärakademie waren, erhielt sie Informationen über den Zugang von Frauen zum Bundesheer. Im Sommer 1998 absolvierte Zvolanek die Eignungsprüfung; im Jänner 1999 rückte sie ein.

Seit nun mehr fünfeinhalb Jahren versieht sie Dienst in der Aufklärungskompanie des Panzerstabsbataillons 4 in Wels. Ihre dortigen Anfänge schilderte sie mit folgenden Worten:

Am Anfang war ich vielleicht etwas in der Rolle des Außenseiters; die Kaderleute waren es nicht gewohnt, mit einer Frau zusammen zu arbeiten. Es lag aber natürlich auch an mir, an jener Situation etwas zu ändern: Wenn man beim Bundesheer ist, sollte man nicht auf einer Sonderbehandlung beharren oder sonstige außergewöhnlichen Wünsche äußern. Man bleibt immer eine Frau - das ist gar keine Frage. Doch muss man es gewohnt sein, im Dreck zu liegen und mit der Gemeinschaft mitzuhalten. Wenn man sich nicht anpassen kann, ist man im Österreichischen Bundesheer fehl am Platz.

Als einzige Soldatin fühlt sie sich in der Aufklärungskompanie wohl und kommt sowohl mit Vorgesetzten als auch mit Kameraden bestens aus. Die Erzählungen ihrer Kameraden über den Auslandseinsatz im Kosovo entfachten ihre Neugier und brachten sie auf den Geschmack, in den Kosovo zu fliegen und mit zu helfen. Die Vorbereitung für den Kosovo-Einsatz fand teils in Straß teils in Klosterneuburg statt. In Götzendorf absolvierte Frau Wachtmeister Heidemarie Zvolanek schließlich das so genannte Force Integration Training - eine größere Übung, bei der alle Teile, die in weiterer Folge im Kosovo stationiert waren, über die dortige Situation informiert wurden und das Teamwork erprobten.

Der Dienst im Kosovo verlief relativ ruhig. Nach der Befehlsausgabe konnte man die diversen Sportmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Abends saß man in einem der Camp-Lokale gemütlich beisammen und plauderte über den vergangenen Tag.

H. Zvolanek hatte ursprünglich beabsichtigt, nach absolvierter Grundausbildung in St. Pölten Fuß zu fassen. Da sie sich aber mit den Kameraden der Aufklärungskompanie rasch anfreundete, beschloss sie, doch in Wels zu bleiben. Ihre Zukunft beim Österreichischen Bundesheer stellt sie sich als Fahrlehrer vor. An einen weiteren Auslandseinsatz denkt sie auch wieder: Ein UNO-Einsatz¹ soll es dieses Mal werden.

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¹ Sowohl einem UNO- als auch einem NATO-Einsatz liegt das Mandat der UN-Organisation als völkerrechtliche Basis zugrunde. Während ein UNO-Engagement den Raum des Nahen Ostens umfasst und in völkerrechtlicher sowie militärischer Hinsicht eine ausschließliche Angelegenheit der UNO darstellt, erfolgt der militärische Einsatz der NATO, in deren Zuständigkeitsbereich beispielsweise der Kosovo fällt, hingegen unter dem Kommando eines NATO-Mitgliedsstaates als "Leading nation".

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