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Unsere Luftstreitkräfte

Unsere Luftstreitkräfte verfügen gegenwärtig über Flugzeuge und Hubschrauber zur folgenden Auftragserfüllung:
SAAB 35: Luftraumüberwachung
SAAB 105: Schul- und unbewaffnetes Identifizierungsflugzeug
Pilatus PC 7: Schulflugzeug zur taktischen Ausbildung
Pilatus PC 6: leichter Lufttransport, Verbindung, Luftbild
SC 7: Lufttransport
Alouette III: leichter taktischer Lufttransport, Sanitätslufttransport,
Hubschrauberrettungsdienst
AB 206: Hubschrauberführer-Grundschulung, Verbindung
OH 58: bewaffneter Verbindungshubschrauber
AB 204: taktischer Lufttransport
AB 212: taktischer Lufttransport

Technischer Zustand

Von diesen Luftfahrzeugtypen sind PC 7 (Pilatus Turbo Trainer), PC 6 (Pilatus Porter) und AB 206 (Jet Ranger) auf dem Stand der Technik. Eine technische Notwendigkeit für ihre Ausserdienststellung ist derzeit nicht absehbar.
Die Hubschrauberflotten Alouette III und OH 58 wurden großteils avionikmäßig modernisiert. Es erfolgte der Einbau von GPS und Kartenlesegerät, Radarhöhenmesser und Wärmebildgerät, wodurch eine wesentliche Verbesserung ihrer Navigations- und Nachtsichtfähigkeit - bestimmt durch die Notwendigkeit der Grenzüberwachungsassistenz - erreicht wird. Die Modernisierung der AB 212-Flotte befindet sich derzeit im Planungsstadium.
Das Düsenflugzeug SAAB 105 Ö und das leichte Transportflugzeug SC 7 (Shorts Skyvan) sind nicht nur technologisch überaltert, sondern auch für das zukünftige militärische Einsatzprofil obsolet.
Das Düsenflugzeug SAAB 35 (Draken) und der Hubschrauber AB 204 sind mangels Versorg- und Erhaltbarkeit am Ende ihrer Verfügbarkeit angelangt.
Es ist daher absehbar, dass diese vier Typen innerhalb der nächsten Jahre sukzessive außer Betrieb genommen werden müssen.

Mit Ausscheidung dieses Gerätes gehen die Kapazitäten für
* die aktive Luftraumüberwachung
* die Feuerunterstützung aus der Luft,
* die Düsengrund- und Fortgeschrittenenschulung,
* rund ein Viertel der HS-Transportleistung sowie
* das ohnedies kaum nennenswerte Flächentransportvolumen
verloren.

Der neue Bedarf

Geänderte Bedrohungsformen und ein Umdenken in sicherheitspolitischen Aspekten haben zu einem neuen Aufgabenspektrum von Streitkräften geführt. Selbstverständlich bleibt die Erhaltung der nationalen Souveränität und Integrität des Staatsgebietes vorrangiger Auftrag. Kapazitäten für gemeinsames sicherheitspolitisches Handeln und humanitäre Einsätze gewinnen an Bedeutung. Diesem Trend hat sich die Materialstrukturplanung anzupassen, gleichzeitig wird diese von sinkenden Budgets beeinflusst.
Die derzeit überhaupt nicht vorhandene Feuerunterstützungs-Komponente aus der Luft hat im sicherheitspolitischen Denken Österreichs an Bedeutung verloren. Ganz ausser Acht zu lassen ist ein kleines Offensiv-Element allerdings nicht. Subkonventionelle Bedrohungen, der Sicherungseinsatz, Peace Support Operations (PSO) sowie der Selbstschutz verlangen ein Mindestmaß an Vorkehrungen zur Abdeckung des Sicherheitsbedürfnisses der eingesetzten eigenen Kräfte. Ein kostenwirksamer Kompromiss sollte jedoch möglich sein. Wegen Unwirtschaftlichkeit auszuschließen sind auf jeden Fall etwaige Überlegungen, in die technologisch kampfwertmäßig überalterte SAAB 105 OE noch weiter zu investieren oder diese zu ersetzen.

Wahrung der Lufthoheit

Die Wahrung der Lufthoheit durch aktive Luftraumüberwachung und -sicherung ist nach wie vor Primäraufgabe aller Luftstreitkräfte der Welt. Mit dem System GOLD-HAUBE verfügt Österreich über eine der besten und modernsten Passiv-Komponenten Europas, aber Radar kann Luftraumverletzungen nur aufzeigen, die Identifizierung und Gegenmaßnahmen sind im Bedarfsfall Angelegenheit des bemannten Flugzeuges.
Die DRAKEN-Nachfolge muss daher von jeglichen Überlegungen hinsichtlich Bedarf und Prioritäten ausgenommen bleiben. Sie bedeutet generellabstrakt die Existenzfrage und -berechtigung der österreichischen Fliegertruppen im Sinne der Bundesverfassung und des Wehrgesetzes, individuellkonkret den Weiterbestand der Düsenfliegerei in Österreich überhaupt.

Zu geringe Transportleistung

Zu füllen wird auch die Lücke in der Hubschrauber-Transportleistung sein. Die im Zivil- und Militärbereich bereits derzeit völlig ausgelastete Flotte wird, wie bereits erwähnt, in den nächsten beiden Jahren rund ein Viertel ihrer Kapazität verlieren. Damit wird die Bedarfsabdeckung weiter auf unter 50 % reduziert.
Die Erfahrungen des Katastropheneinsatzes im vergangenen Winter in Tirol und Vorarlberg haben dieses Problem und die damit in Zusammenhang stehenden bisherigen Planungen aktualisiert.
Dieser Einsatz ließ - obwohl rund 50 % des Evakuierungsaufkommens durch österreichische Hubschrauber durchgeführt werden konnten - quantitative und qualitative Mängel der Hubschrauberflotte erkennen. Klar zu Tage trat ein höherer Bedarf sowohl an Transportgesamtvolumen als auch an höherer Leistungsfähigkeit.
Rechengröße hiebei sind die Forderungen aus dem Einsatzkonzept des österreichischen Bundesheeres hinsichtlich Lufttransport- bzw. Luftlandekapazität (1 Jägerbataillon in 2 Lifts) sowie die bisherigen Erfahrungen bei Assistenzeinsätzen und der Zusammenarbeit im zivilen Hilfsorganisationen (NGOs).
In diesem Zusammenhang scheint auch die Verfolgung des „Mehrzweck-Gedankens“ am kostenwirksamsten zu sein. Dadurch sollte eine Flottenoptimierung unter gleichmäßiger Bedeckung militärischer und ziviler Bedürfnisse ermöglicht und parallel dazu eine den neuen Bedrohungs- und Bedarfsformen angepasste Feuerunterstützungs-Komponente gewährleistet werden.
Die Verfügbarkeit eigener Transportflugzeuge gewinnt zunehmende Bedeutung für die österreichische Beteilung an internationalen friedenserhaltenden und humanitären Operationen, weil der militärische Transportraum durch den steigenden Eigenbedarf der „expeditionary forces“ aller befreundeten Länder einfach nicht mehr vorhanden ist. Zwar sind „Poolungen“ vorgesehen und werden zum Teil auch bereits wirksam, sie ermöglichen jedoch keine Sofortreaktionen und sind insgesamt für Nutzer problematisch, die nichts „einzubringen“ haben.

Beschaffungsplanungen bis 2010

Aus dem dargelegten Zustand der Flotte und den künftigen Aufgaben der österreichischen Luftstreitkräfte zeichnen sich daher drei vorrangige Beschaffungsnotwendigkeiten ab:
- der DRAKEN ist durch ein Luftraumüberwachungsflugzeug der 4. Generation zu ersetzen; diese an sich seit 1985 bestehende Empfehlung des Landesverteidigungsrates ist nunmehr dringend zu realisieren, da der DRAKEN spätestens 2005 auszuscheiden sein wird, und für die Implementierung eines Nachfolgemusters ein Zeitbedarf von rund 6 Jahren angesetzt werden muss. Die im Einsatzkonzept ermittelte Stückzahl liegt bei 24 Ein- und 6 Doppelsitzern.

- der Ersatz der Hubschrauber AB 204 bei gleichzeitiger Erreichung der Sollwerte in der Transportleistung und einer derzeit bedrohungsgerechten Feuerunterstützungs-Kapazität wäre durch 24 bewaffnete (bzw. bewaffenbare) Mehrzweckhubschrauber vorzunehmen. Aufgrund der Gegebenheiten erscheint derzeit die Beschaffung von neun, mit der Option von drei weiteren Hubschraubern realistisch. Die von politischer Seite beschlossene Zahl neun ist hierorts weder taktisch noch organisatorisch noch transportvolumenmäßig nachvollziehbar.

- die SKYVAN wäre planmäßig auszuscheiden und durch ein den neuen Einsatzprofilen angepasstes Lufttransportsystem zu ersetzen. Für sinnvolle Sofortreaktionen im Aufgabenspektrum dieses Einsatzmittels sieht das Einsatzkonzept 4 Flugzeuge vor. Mit Wirksamwerden eines multilateralen Mechanismus wäre ein derartiger Beitrag Österreichs zwar noch nicht „internationaler Standard“, aber zweifellos Nachweis von Mitwirkungswillen und -kompetenz mit adäquatem Anspruch auf Gegenleistungen. Die Realisierung könnte Stück für Stück erfolgen, wobei von einer Lieferzeit von zwei Jahren pro Flugzeug auszugehen ist.
Die koordinierte Beschaffung und Implementierung dieser in einem „Luftpaket“ zusammenzufassenden Komponenten ist im Wesentlichen der Ersatz vorhandenen Gerätes, der mit den vorhandenen Strukturen und personellen Kapazitäten abzudecken ist.

Zustand der Infrastruktur

Die Infrastruktur für das Luftraumüberwachungsflugzeug wurde im Zuge der SAAB 35-Beschaffung weitgehend modernisiert. Bei Beschaffung des Nachfolgemusters sind systemspezifische Adaptierungen wie z. B. Werkstätten und Prüfstände erforderlich.
Arbeiten oder Verbesserungen an der Infrastruktur für das Transportflugzeug und den Mehrzweckhubschrauber sind abhängig von Beschaffung, Typenentscheidung und Dislozierung. Unabhängig davon wird die Generalsanierung der Flugzeughallen weitergeführt. Um mittelfristig die Erfordernisse in wirtschaftlicher und zweckmäßiger Form realisieren zu können, wären in den nächsten Jahren gebundene Budgetansätze von ca. 40 - 50 Mio Schilling und Jahr erforderlich.

Flottenplanung nach 2010

Um das „Luftpaket“ im richtigen Rahmen zu sehen, ist neben der Bedarfsbegründung für die nächsten Jahre zweifellos auch ein kurzer Ausblick auf die Zeit danach angebracht. Gemäß natürlichem Alterungsprozess ist zu schließen, dass die Hubschrauber AB 206 und Alouette III ab 2010 auszuscheiden sein werden.
Militärisch geht damit die Verbindungs-, Beobachtungs- und Überwachungskapazität verloren; assistenzseitig wird es vor allem im Rettungswesen zu starken Einschränkungen kommen. Ein Ersatz wird daher unabdingbar werden, wobei Überlegungen hinsichtlich Spezifikationen und Stückzahlen allerdings verfrüht wären.

Zusammenfassung

Wie aus den bisherigen Darstellungen ersichtlich ist, enthält das „Luftpaket“ jene Flottenelemente, die im nächsten Jahrzehnt durch Beschaffungen ersetzt werden müssen. Es umfasst die drei Komponenten DRAKEN-Nachfolge, bewaffneter Mehrzweckhubschrauber und SKYVAN-Ersatz. Neben der technisch notwendigen Erneuerung optimiert das „Luftpaket“ vor allem die Bedarfsdeckung für die zeitgemäßen Bedrohungs- und Aufgabenformen und gewährleistet die einschlägigen Grundlagen sowohl für die nationale Sicherheitspolitik als auch für eine Mitwirkung im internationalen Sicherheitsmechanismus. Es ist struktur- und personalneutral, Einsatzkonzepte und militärische Pflichtenhefte liegen vor.
Das Beschaffungsvolumen des „Luftpaketes“ wird bei der heutigen Marktsituation im Bereich zwischen 20 - 25 Mrd Schilling liegen. Es ist auszuschließen, dass diese Beträge aus dem laufenden Verteidigungsbudget finanziert werden können, wenn dieses in gegenwärtiger Höhe verbleibt. Wenn das „Luftpaket“ realisiert werden soll, wäre dafür eine Jahrestangente von rund 2 Mrd Schilling aufzustocken.

Obst Peter Michel, Luft

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