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Der neue Stabsunteroffizierslehrgang

Im Jahre 1995 hat das Bundesheer im Zuge einer großen Ausbildungsreform eine neue Unteroffiziersausbildung geschaffen. Dabei wurden die Ausbildungsinhalte von einem gegenüber den 70er und 80er Jahren geänderten Einsatzkonzept des BH abgeleitet und an ein zeitgemäßes Leitbild des Unteroffiziers angepasst. Die neue Unteroffiziersausbildung wurde mit den Durchführungsbestimmungen für die Ausbildung zum Unteroffizier (DBUO’95) geregelt.
In konsequenter Weiterverfolgung der angesprochenen Ausbildungsreform ist nun auch die Unteroffiziersweiterbildung einer Neuregelung zu unterziehen, sodass Unteroffiziere, welche bereits nach den Regelungen der DBUO’95 ausgebildet wurden, ihre Weiterbildung im Rahmen des Gesamtkonzeptes einer modernisierten Kaderaus-, Fort- und Weiterbildung absolvieren können.

Unteroffiziersleitbild

Der neue Stabsunteroffizierslehrgang baut inhaltlich auf den Unteroffizierslehrgang auf. Bei der Festlegung der Ausbildungsinhalte war folgendes Unteroffiziersleitbild maßgeblich: Der Unteroffizier ist Führer und Experte in seiner Führungsebene. Er ist Ausbilder und Erzieher der ihm anvertrauten Soldaten, ein vorbildlicher Soldat und eine Persönlichkeit, die den Anforderungen unserer Gesellschaft hinsichtlich Charakter, Intelligenz und Bildung gerecht wird.
Sein hohes Maß an fachlicher und sozialer Kompetenz sowie professioneller Einstellung bestimmen maßgeblich die Einsatz- und Leistungsbereitschaft der Truppe.
Die Stellung und Bedeutung des Unteroffiziers im personellen Gefüge und in der Kaderstruktur der Streitkräfte eines demokratischen Staates sind besonders heute, am Ausgang des 20. Jahrhunderts, einem erheblichen Wandel unterworfen. Gerade in einer Armee mit allgemeiner Wehrpflicht, bei der durch die präsenzdienstleistende Jugend vielfältige gesellschaftliche und soziale Strömungen, Tendenzen und Wertvorstellungen direkt in den militärischen Bereich hineingetragen werden, ist der Unteroffizier - als Bezugsperson und "Anlaufstelle" der Wehrpflichtigen, aber auch als Vorbild und Erzieher und Kommandant seiner jungen Unteroffizierskameraden - in besonderem Maße gefordert.
Aus seinem Verhalten und seinen Fähigkeiten ziehen nicht nur die Präsenzdiener, sondern auch eine zunehmend sensibilisierte kritische Öffentlichkeit unmittelbare Rückschlüsse auf die Qualität und die Effizienz des gesamten Heeres!

Integration in internationale Organisationen

Durch die Mitgliedschaft Österreichs in regionalen und internationalen Vereinigungen und Organisationen, wie der Europäischen Union, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSCE), des Euro-Atlantischen Kooperationsrats (EAPC) oder der Partnerschaft für den Frieden (PfP) steigt die Notwendigkeit, die Unteroffiziere des Bundesheer auf internationale Anforderungen vorzubereiten, damit sie im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit die in sie gesetzten hohen Erwartungen auch erfüllen können.

Berufsspezifische Fähigkeiten

Aus den genannten im Leitbild angesprochenen Grundanforderungen an den Stabsunteroffizier und seiner Aufgabenstellung im Bundesheer lassen sich folgende waffengattungs- bzw. fachrichtungsunabhängige Ausbildungsziele ableiten, welche in der reformierten Unteroffiziersweiterbildung zu erreichen sind:

Fachkompetenz

* Auf Grund eines Kompaniebefehles in den relevanten Einsatz- und Aktionsarten eine Beurteilung der Lage anstellen, einen Kampfplan erstellen, sowie den Zugsbefehl geben und die Umsetzung überwachen.
* Als Kommandogruppenkommandant, Leiter der Meldesammelstelle am Kompaniegefechtsstand bzw. als Gefechtsschreib-Unteroffizier im Stab eines kleinen Verbandes Meldungen und Befehle entgegennehmen und weitergeben, Lagekarte und Einsatzjournal/Kommandotagebuch führen sowie Lageeinweisungen durchführen.
* Als Position Commander eine Lageeinweisung geben.
* Militärisches Allgemeinwissen über Aufgaben, Gliederung und Ausstattung des Bundesheeres und benachbarter Streitkräfte sowie neue Entwicklungen aufweisen.
* Die Grundsätze für die Menschenführung im Friedensbetrieb und im Einsatz unter belastenden Bedingungen und vor dem Hintergrund des ständigen Wertewandels in Jugend und Gesellschaft anwenden.
* Die Kenntnis der Infrastruktur und der Versorgungsabläufe eines modernen Dienstbetriebes aufweisen.
* Die Kenntnis der relevanten Bestimmungen des Verwaltungsverfahrensrechts aufweisen.
* Die dem Alter entsprechende und der Dienststellung angepasste körperliche Leistungsfähigkeit aufweisen.
* Englischkenntnisse der Leistungsstufe B anwenden.

Führungskompetenz und soziale Kompetenz

* In Diskussionen über die militärische Landesverteidigung und deren wesentliche geschichtliche Einflussfaktoren den eigenen Standpunkt sachlich fundiert und wirkungsvoll vertreten.
* Beim eigenen Führungsverhalten den Auftrag und die gegebenen Rahmenbedingungen berücksichtigen, sodass das angestrebte Ziel möglichst rasch und effektiv erreicht wird.
* Fähigkeit, mit anderen offen und fair umzugehen und sich in ein Team einzuordnen aufweisen.
* Methoden zur Reduzierung der eigenen psychischen Belastung anwenden.
* Ein Mitarbeitergespräch führen.
* Die ihm anvertrauten Soldaten bei der Ausbildung anleiten.
* Junge Gruppenkommandanten zur erwachsenengerechten Ausbildung anleiten und dabei unterstützen.
* Sich für die Bedürfnisse der Untergebenen einsetzen und in seinem Handeln vorbildlich und beispielgebend sein.
* Fähigkeit zur konstruktiven Konfliktbearbeitung aufweisen.

Methodisch-didaktische Kompetenz

* Die Ausbildung in zeitlicher, personeller, materieller, methodischer und infrastruktureller Hinsicht planen, vorbereiten, durchführen und kontrollieren.
* Ausbildungsziele formulieren und festlegen.
* Aktivierende Ausbildungsmethoden einsetzen.
* Die Gruppenkommandanten zu kreativem und innovativem Handeln ermutigen.
* Während und nach der Ausbildung Zielabweichungen erkennen und adäquate Maßnahmen zur Korrektur setzen.

Persönlichkeitsmerkmale

* Leistungsfähigkeit und Leistungswille.
* Initiative und Engagement
* Kritikfähigkeit
* Offenheit gegenüber Neuem
* Realitätsbezogenheit
* Fähigkeit zur strukturierten Problemlösung

Verbesserung zur bisherigen Ausbildung durch:

Persönlichkeitsbildung
Die Weiterbildung zum Unteroffizier enthält neben der einsatz- und praxisnahen Vermittlung fachlichen Könnens, vermehrt persönlichkeitsbildende Elemente.
Diese schlagen sich vor allem in den Ausbildungsgegenständen
* Politische Bildung,
* Persönlichkeitsbildung sowie
* Ausbildungs- und Arbeitsmethodik
nieder.

Fremdsprachenausbildung
Eine wesentliche Veränderung zum bisherigen Stabsunteroffizierslehrgang stellt die Einführung der Fremdsprachenausbildung (Englisch) dar. Damit wird der zunehmenden Integration Österreichs in internationale Organisationen Rechnung getragen und eine völlig neue Qualität in die Unteroffiziersweiterbildung gebracht.

Ausbildung im Stabsdienst
Besonderer Wert wird auf die Ausbildung im Stabsdienst gelegt. Sie soll den Stabsunteroffizier befähigen, in nationalen und internationalen Kommanden und Stäben bis zur Ebene kleiner Verband als Kommandogruppenkommandant den Gefechtsstandbetrieb bzw. als Gefechtsschreib-Unteroffizier die laufende Stabsarbeit zu unterstützen.
Dies erfordert das Verständnis der Aufbau- und Ablauforganisation von Kompanie- und Bataillonsgefechtsständen und die Übernahme von Routineaufgaben am Kompaniegefechtsstand und im Bataillonsstab.

Erwachsenengerechte Ausbildung
Der Ablauf der Ausbildung wird wesentlich mehr als bisher den Forderungen einer erwachsenengerechten Bildung entsprechen, was unter anderem durch mehr Freiraum für selbständiges Lernen sowie Erziehung zur Eigenverantwortlichkeit verwirklicht werden soll.

Ausbildungsablauf


Die neue Unteroffiziersweiterbildung wurde als zweisemstriger Lehrgang in der Gesamtdauer von 28 Wochen konzipiert.

1. Semester
Das 1. Semester wird an der Heeresunteroffiziersakademie in der Dauer von 22 Wochen durchgeführt. Ziel ist es, dem Stabsunteroffiziersanwärter durch Vertiefung und Erweiterung seines allgemeinen Ausbildungsstandes, der dienstrechtlichen Grundlagen, der funktions- und waffengattungsunabhängigen Kommandantenaufgaben auf Teileinheitsebene die erforderlichen allgemeinen Grundlagen zu verschaffen, die ihn zur Aufgabenerfüllung in seiner Verwendung als Stabsunteroffizier befähigen.

2. Semester
Das zweite Semester dauert 17 Ausbildungswochen und wird an den Waffen- und Fachschulen bzw. an besonders festgelegten Ausbildungsstätten durchgeführt.
Ziel des zweiten Semesters ist es, dem Stabsunteroffiziersanwärter jene Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die ihn unter Anwendung ausbildungs- und führungsmethodischer Grundsätze der Erwachsenenbildung zur Wahrnehmung der Aufgaben als Kommandant einer Teileinheit seiner Waffengattung bzw. als Fachunteroffizier der Verwendungsgruppe M BUO 1 / M ZUO 1 sowie als Planer und Leiter der Ausbildung seiner Waffengattung auf Ebene Teileinheit befähigen.

Praktische Verwendung
Das zweite Semester beinhaltet auch eine praktische Verwendung, um die vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten in einer dem künftigen Arbeitsplatz entsprechenden Verwendung unter Anleitung eines voll ausgebildeten und erfahrenen Unteroffiziers zu vertiefen und zu festigen und dadurch einen reibungslosen Einstieg in die neue Funktion zu ermöglichen.
Die praktische Verwendung wird bei einer Dienststelle durchgeführt, die über einen dem Ausbildungsziel entsprechenden erfahrenen "Lehrunteroffizier" verfügt und nicht die "Heimatdienststelle" des Lehrgangsteilnehmers ist.

Fremdsprachenausbildung
Ziel der Englischausbildung ist es, dem Lehrgangsteilnehmer aufbauend die Kenntnisse und Fertigkeiten zumindest der Leistungsstufe B zu vermitteln, die ihn zur Wahrnehmung der Aufgaben als Mitglied in oder unter einem multinationalen bzw. internationalen Kommando befähigen. Der Abschluss der Leistungsstufe A ist für die Aufnahme in Stabsunteroffizierslehrgang Vorausset-zung.
Die Englischausbildung dauert 300 Unterrichtsstunden und wird in 3 Blöcken durchgeführt:
Block 1: 120 Ausbildungsstunden, dem 1. Semester vorgestaffelt
Block 2: 100 Ausbildungsstunden im 1. Semester
Block 3: 80 Ausbildungsstunden, dem 2. Semester vorgestaffelt
Praktische Anwendung
Zur Vertiefung des bereits Erlernten wird in den beiden Semestern sowohl an der HUAk als auch an Waffen- und Fachschulen sowie den sonstigen Ausbildungsstätten in den waffen- und fachspezifischen Schwergewichtsgegenständen die Fremdsprache auch als Unterrichts- bzw. Ausbildungssprache verwendet

Beginn und Auswahl der Teilnehmer

Der Stabsunteroffizierslehrgang „NEU“ wird erstmalig als „Pilotprojekt“ im Herbst 1999 mit 30 freiwilligen Teilnehmern an der HUAk durchgeführt.
Ab dem Jahr 2000 wird die neue Stabsunteroffiziersausbildung offiziell eingeführt. Die Stabsunteroffizierslehrgänge alter Art einschließlich ZgKdt-Kurse und FachUO-Kurse werden ab 2000 nicht mehr durchgeführt. Auch Stabsunteroffiziersanwärter, welche bereits den StbUOLG alter Art an der HUAk absolviert haben, setzen mit dem 2. Semester der "neuen" Stabsunteroffiziersausbildung fort.

Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt nach Maßgabe der vorgesehenen Verwendung. Mit Priorität 1 werden jene Unteroffiziere der Ausbildung zugeführt, die bereits einen Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe M BUO1 besetzen.
Über die allgemeinen Zulassungsvoraussetzungen hinaus ( 4-jährige Verwendung als Unteroffizier) ist in der Fremdsprache Englisch die Leistungsstufe A zu erfüllen.
Die Ausbildung wird jeweils mit etwa 150 Unteroffizieren geführt werden. Die Zulassung zum Stabsunteroffizierslehrgang erfolgt durch BMLV/S III mittels Bescheid.

Abschluss und Perspektiven

Die neue Stabsunteroffiziersausbildung wird den Unteroffizier der Verwendungsgruppe
M BUO1 noch mehr als bisher befähigen, den täglichen Dienstbetrieb bei der Truppe vor allem auf den Ebenen der Einheit und des kleinen Verbandes als Zugskommandant oder Fachunteroffizier entscheidend mitzugestalten.
Darüber hinaus werden die Voraussetzungen zur Bewältigung der Aufgaben eines Stabsunteroffiziers in Stäben bis zur Brigadeebene im Frieden sowie bei nationalen und internationalen Einsätzen geschaffen.

Obstlt Walter Strohmann, Ausb A

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