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Informationstechnologie

Ein Überblick über den gegenwärtigen Stand und die zukünftigen Vorhaben im Bereich der IKT-Ausstattung beim Bundesheer.

Informationstechnologie unterstützt und bestimmt mittlerweile alle Bereiche des täglichen Lebens. Einsatz von Informationstechnologie bedeutet aber auch ein ständiges Beobachten der Entwicklungen und ein permanentes Abwägen zwischen: "Welche Neuigkeiten und Verbesserungen gibt es und was davon kann, will und muss ich mir leisten?".
Das österreichische Bundesheer verfügt über Systeme im EDV-Bereich, die einem internationalen Vergleich durchaus standhalten. Der immer wieder auf den neuesten Stand gebrachte Host bietet eine Rechnerleistung, die international gesehen im Spitzenfeld liegt.

Vorhaben

Folgende Vorhaben im Bereich der IKT-Dion sind derzeit im Laufen und in der Phase der Realisierung:

Ortsfestes Richtverbindungsnetz (of RVN)

Ziel ist es, ein österreichweites Netz von Richtverbindungsstrecken aufzubauen, um dem Bundesheer eine Autonomie im Bereich Sprech- und Datenfunk zu gewährleisten. Beginnend ab September 2003 werden die ersten Teilstrecken in Betrieb genommen. Mit diesen RV-Strecken können bestehende Standleitungen aufgelöst werden. Damit werden Einsparungen in Millionenhöhe erzielt, die für den weiteren Ausbau von RV-Strecken zur Verfügung stehen. Die Fertigstellung ist bis 2005 vorgesehen.

IT-Infrastruktur

Die IT-Infrastruktur besteht aus einer drei-Ebenen-Architektur. Erste Ebene ist der Host, auf dem die Masse der Applikationen läuft. Zweite und dritte Verarbeitungsebene haben eine Client Server-Architektur. Die unterste Ebene, die sogenannte 3.VE ist der PC am Arbeitsplatz. Mit der Errichtung des of RVN werden derzeit auch für den Einsatz der verschiedenen Applikationen, wie PS-NT, LOGIS, KIS 3.VE Backbone, die Bandbreiten für die Übertragung erhöht.
Fertiggestellt und demnächst an das Kommando Luftraumüberwachung übergeben wird eine Radarstation mit einem Long Range Radar zur Verbesserung der Luftraumüberwachung.
Im Planungsstadium befindet sich das Projekt: "Combat Net Radio". Damit soll ein Großteil der bestehenden Truppenfunkgeräte ersetzt werden. Mit einem Zulauf der neuen Geräte ist ab 2006 zu rechnen.

Applikationen

Im Folgenden werden große Applikationen dargestellt, die es bereits gibt, oder die in Einführung begriffen sind:

Personalinformationssystem-Neue Technologie (PS-NT)
PS-NT ersetzt seit heuer PERSIS. Mit diesem System, mit dem Ergänzungsinformationssystem (ERGIS-NT) und dem UN-Informationssystem (UNIS-NT) wird die gesamte Personalverwaltung für alle im Bundesheer erfassten Personengruppen auf eine neue, moderne Basis gestellt.
Über das System Haushaltsverrechnung (HV-SAP) wird in Hinkunft die gesamte Besoldung des Personals über das Finanzministerium direkt abgewickelt werden. Bei der Einführung des PS-NT wurde erstmals ein neuer Weg zur Schulung der Benutzer beschritten. Mit Hilfe eines elearning Programms wird versucht, die Einschulung der Benutzer kurz und effizient zu halten.

Logistisches Informationssystem (LOGIS)
Dieses System wird hinkünftig die gesamte materielle Ausstattung des Bundesheeres managen. Damit soll eine effiziente Verwaltung, Beschaffung und Distribution gewährleistet sein. Derzeit wird das System getestet und soll im Oktober in den Echtzeitbetrieb gehen.

Kanzleiinformationssystem (KIS)
KIS ermöglicht die Abwicklung jeglichen "Papierkrams" auf elektronischem Weg. Der elektronische Akt (ELAK) existiert bereits in der Zentralstelle und bei den unmittelbar nachgeordneten Dienststellen und Kommanden. Über Schnittstellen sollen künftig auch Verbindungen zum ELAK im Bund hergestellt werden, um auch mit anderen Ministerien Schriftstücke austauschen zu können.

Finanzinformationssystem (FIS)
FIS bildet alle Haushalts- und Budgetdaten ab. Damit können Finanzplanungs- und Verbrauchsdaten einem SOLL- und IST-Vergleich unterzogen werden und das Budget kann ordnungsgemäß verwaltet werden. Auch hier erfolgt in den nächsten Jahren eine Ankoppelung and das SAP System des Finanzministeriums, um der Budgetabwicklung mehr Effizienz zu verleihen. Eine zentrale Lösung im Bundesrechenzentrum ist im Entstehen und wird bis Mitte des Jahres 2004 im BMLV realisiert werden.

Softwareprogramm "Phönix"
Zur Lagedarstellung gibt es bereits das Softwareprogramm "Phönix". Damit können auch Befehle und Meldungen graphisch übermittelt werden. Das Projekt "Phönix" stellt die Grundlage für ein umfassendes Führungsinformationssystem dar. Phönix, als reines Softwareprodukt, nützt bereits vorhandene Infrastruktur friedens- und einsatzbezogen. Die Ausgestaltung der Gefechtsstände, gehärtet oder nicht gehärtet, mit oder ohne Shelterausführung, steht aber in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit Phönix.

Weitere Vorhaben

Wichtige Vorhaben, die sich derzeit in der Phase der Realisierung befinden, sind:
* der verbesserte Zugang zum Internet über ADSL und die Schaffung eines Modempools;
* die Beschaffung eines neuen Managements für IFMIN;
* die Verbesserung der VSat-Verbindung von WIEN in den Einsatzraum Kosovo;
* die Erneuerung des Kopier- und Druckwesens;
* die Umstellung der Server auf neue Betriebssysteme;

Im Planungsstadium befinden sich weitere Projekte, wie zum Beispiel:
* Ersatz der Feldvermittlungen und Feldtelefone;
* Aufklärungs- und Artillerie-Schießradar;
* Gefahrenmelde- und Fernwirksystem;
* Gefechtsfeld-Aufklärungs-System (GEFAS);
* e-Learning;
* Upgrade Tiefflieger-Erfassungsradar und Zielzuweisungsradar;
* Erneuerung des Flugfunknetzes;
* Erneuerung der Freund-Feind-Kennung;
* Ersatz der "Goldhaube" im Bereich des Kdo LRÜ;
* Gefechtsstandausrüstung, verlegbares LAN;
* Wireless LAN;
* Umstellung der Nebenstellenanlagen auf Ethernet.

Vernetzungen

Die Sicherheitsarchitektur des Bundesheeres bringt es mit sich, dass es keine direkte Verbindung zu anderen staatlichen und zivilen Systemen gibt. Damit kann kein Datenaustausch mit dem Intranet des BH erfolgen. Datenaustausch zu anderen Stellen über das Internet ist nur mit eigens dafür installierten offenen PC möglich. Der Betrieb über offene PCs verhindert aber auch, dass Viren jeglicher Art in das System des Bundesheeres durchdringen.

Innovation, Forschung und Entwicklung

Das Kdo Führungsunterstützung arbeitet im internationalen Bereich mit den entsprechenden Gremien der EU und der NATO (PfP) intensiv zusammen, um die Interoperabilität und die Kompatibilität bei gemeinsamen Einsätzen zu gewährleisten.
Im Rahmen der alljährlichen stattfindenden Übungsserie "Combined Endeavour" werden dabei technische Bedingungen ausgearbeitet und getestet.

"Network Centric Warfare"

In letzter Zeit hat ein Schlagwort die Entwicklung der Informationstechnologie am Gefechtsfeld bewegt: "Network Centric Warfare". Dabei sollen Internetgestützte Sensoren und Aufklärungssysteme dem Soldaten im Feld in idealer Weise maßgeschneidert die gerade benötigten Informationen servieren.
Bei dieser amerikanischen Erfindung bestimmen bislang in diesem jungen, erstmals in Afghanistan und im Irak-Krieg eingesetzten Bereich der Informationstechnologie, amerikanische Konzerne wie Boeing mit untergeordneten Systemintegratoren oder Microsoft die Gangart und die Software. Gefordert ist Interoperabilität auf der Truppenebene sowie auch die Interoperabilität der Sensor-, Informations- und Waffensysteme.

Damit die vernetzte Einsatzführung aber überhaupt Sinn macht, müssen alle maßgeblichen Teilnehmer am Netzwerk teilnehmen können. Dies erfordert einen freien Zugang und eine gemeinsame Definition von Schnittstellen.

Die geforderte Interoperabilität und Koalitionsfähigkeit einer künftigen netzwerkzentrierten Einsatzplanung braucht unbedingt einheitliche Standards. Selbstorganisierende Netze, Datensicherheit, verteilte Datenspeicher in Netzwerken, Agentenumgebungen und Logistiksysteme sind Bereiche, in denen die Forschung und Entwicklung vermehrt Aktivitäten setzen sollte.

Auch der Einsatz von Content-Management-Systemen und Filtertechnologien ist in diesem Zusammenhang behilflich. Ein wichtiger Punkt wäre, die europäischen militärischen Forschungsanstrengungen zunächst zu vernetzen und im Verbund der europäischen Staaten intensiv zusammenzuarbeiten.

Investitionsbedarf

Die Beschaffung des Luftraumüberwachungsflugzeuges stellt die IKT-Direktion vor neue Herausforderungen. Im Bereich des Flugfunknetzes, der Goldhaube, des Datenverkehrs zwischen dem Flugzeug und den Bodenstationen sowie der IT-Unterstützung der Logistik kann nur durch den Einsatz modernster Informationstechnologie ein sicherer und auftragsgemäßer Betrieb gewährleistet werden. Diese Vorhaben bedürfen neben einer intensiven Planung auch einer entsprechenden finanziellen Bedeckung.

e-Government

"Die e-Government-Offensive versteht sich als Motor und Drehscheibe für eine zielgerichtete und dynamische Entwicklung von e-Government für Österreichs Bürger und Wirtschaft auf Basis von nachvollziehbaren und allgemein anerkannten technologischen Standards. Die Offensive setzt sich zusammen aus Vertretern von Bund, Ländern, Städten, Gemeinden und der Wirtschaft." Gemäss diesen Vorgaben des Bundeskanzleramtes wird sich auch das BMLV an den Aktivitäten des e-Government beteiligen. Dies bedeutet, dass die Verwaltung Breitbandanschlüsse ans Internet besitzen soll. Damit können zum Beispiel Einberufungsbefehle über das Internet empfangen werden, oder Aufschübe über das Internet beantragt werden. Des Weiteren sollen in absehbarer Zeit öffentliche Beschaffungsmaßnahmen elektronisch durchgeführt werden.

Damit diese Aktivitäten reibungslos und sicher funktionieren, muss aber eine entsprechende Computer- und Netzsicherheit installiert werden. Dies betrifft nicht nur das BMLV sondern auch die gesamte Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Städten, Gemeinden und anderen öffentlichen Institutionen. Es müssen gemäß der e-Government-Offensive "moderne Regeln der Zusammenarbeit ausgearbeitet werden, welche
- schnelles Arbeiten und Entscheiden ermöglichen,
- Informations- und Kommunikationspflichten definieren,
- Finanzierungsfragen beantworten und Verantwortlichkeiten definieren sowie
- die einzelnen Projektziele zeitlich und inhaltlich messbar regeln.

e-Government als einer der Motoren der Verwaltungsreform verlangt, dass die internen Prozesse einer Prüfung unterzogen werden, um sie zu vereinfachen und elektronisch abzubilden. Personalintensive Medienbrüche sollten vermieden werden. Mit diesen Prinzipien des New Public Management (NPM) sollen die leistungsorientierte Steuerung der Bundesverwaltung und die dezentrale Ressourcenverantwortung umgesetzt werden.

Vision der IKT-Dion

Generell ist die IKT-Infrastruktur des Bundesheeres als sehr gut zu bezeichnen. Die völlige Einbindung der Ebene Einheit in den Datenverbund der 3. Verarbeitungsebene wird aber aus budgetären Gründen noch einige Zeit auf sich warten lassen. Zunächst geht es einmal darum, die vorhanden Übertragungsbandbreiten zu erhöhen und das Weitverkehrsnetz auszubauen.

Besonderes Augenmerk werden wir auch dem Truppenfunk widmen. Im Zuge zunehmender internationaler Einsätze und Aufgaben ist das Aufnehmen und Halten von Verbindungen zu den Truppen der Partnerländer von besonderer Bedeutung.
Die vorhandenen Truppenfunkgeräte müssen daher in naher Zukunft durch moderne Software-Radios ersetzt werden. Auch die Verbindung aus dem Ausland nach Österreich ist enorm wichtig. Satellitenkommunikation und IFMIN spielen dabei eine bedeutende Rolle.

In der nun folgenden Evaluierungsphase wird die IKT-Dion die vorhandene IKT-Struktur verbessern. Wir werden Vorschriften und Regelungen überprüfen und alles, was einem Optimierungsprozess entgegensteht, herausnehmen.

Bgdr Hermann K. Loidolt, IKT-Direktor

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