Bundesheer Bundesheer Hoheitszeichen

Instagram
flickr
YouTube
facebook-button

Der neue Kampfanzug

Entwicklung, Vorteile und Tipps aus der Praxis

Die ersten Kampfverbände, die Jägerbataillone 17 und 25, haben ihn bereits erhalten. Nun folgt die zügige Ausstattung des gesamten Österreichischen Bundesheeres mit dem neuen Kampfanzug. Bald werden also alle Soldaten von diesem Kampfanzug profitieren. Die wesentlichsten Verbesserungen sind das neue Tragesystem sowie der hervorragende Witterungsschutz durch die Nässe- und Kälteschutzbekleidung in Verbindung mit der Funktionsunterwäsche.

Vor allem die Soldaten der Jägerbataillone und der Panzergrenadierbataillone bleiben dadurch auch bei extremen Wetterbedingungen abseits jeder leistungsfähigen Infrastruktur über längere Zeit einsatzbereit. Eine höhere Durchhaltefähigkeit bedeutet aber auch eine höhere Kampfkraft.

Ein brauchbarer neuer Kampfanzug entsteht nicht spontan am Designertisch. Wesentliche Teile des neuen Kampfanzuges wurden deshalb durch Praktiker entwickelt, über Jahre erprobt und so bis zur Einführungsreife gebracht.

Gründliche Vorbereitung

Vor über zwanzig Jahren - im Sommer 1983 - informierte das Ausbildungspersonal eines Heeresbergführerkurses den damaligen Alpininspektor von einem neuen Feldjackenstoff der Amerikaner: dieser Stoff wäre wasserdicht und gleichzeitig atmungsaktiv. 1984 wurde in diesem Zusammenhang ein Alpinunterausschuss der Arbeitsgruppe Truppenausstattung und Mannesausrüstung (AlpUA/AGTAM; später Arbeitsgruppe Truppenausstattung und persönliche Ausrüstung - AlpUA/AGTAPA) eingesetzt.

Bereits ein Jahr später erhielt das Alpinausbildungskader die ersten "Goretex-Anzüge" zur Erprobung. Damit begann die Verbesserung des Anzuges 75.

Das enorme Interesse der Gebirgssoldaten an der Verbesserung der Bekleidung und Ausrüstung ist naheliegend, sind doch kaum andere dem Wetter stärker ausgesetzt - in der Ausbildung und im Einsatz. Im Gebirge fehlt eben eine leistungsfähige Infrastruktur mit Verkehrswegen und Unterkünften. Der Gebirgssoldat muss deshalb oftmals mit der Ausrüstung und Bekleidung, die er mit sich trägt, das Auslangen finden.

Der oben erwähnte Alpinunterausschuss, bestehend aus Vertretern des Bundesministeriums für Landesverteidigung (BMLV), der Heeresbekleidungsanstalt (HBA), der Jägerschule (JgS) und der Gebirgsverbände, erreichte eine entscheidende Verbesserung der Bekleidung und Ausrüstung der Gebirgstruppe. Eine Entwicklung und Erprobung ohne die intensive Einbindung von Praktikern der Jägerschule und der Truppe wäre wenig Erfolg versprechend gewesen. Auch dem engagiertesten Reformer "hinter dem Schreibtisch" fehlt einfach die persönliche Erfahrung für die tatsächlichen Bedürfnisse der Truppe "draußen".

Von den Entwicklungen der Gebirgstruppe bzw. des Alpinunterausschusses finden sich im neuen Kampfanzug folgende Teile:

- das gesamte Tragesystem; - die Funktionsunterwäsche einschließlich Rollkragenpullover; - die Fleecejacke und die Thermohose; - der Nässeschutzanzug mit den Nässeschutzsocken; - die Überfäustlinge und das Stirnband; - der Wintertarnanzug; - der Schlafsack sowie der Schlafsacküberzug für das Infanteriemodell.

Die an der Jägerschule ursprünglich nur für die Gebirgstruppe geleistete Entwicklungs- und Erprobungsarbeit der vergangenen Jahre kommt somit nun dem gesamten Bundesheer zugute.

Geeignet für In- und Ausland

Der neue Kampfanzug erhöht die Kampfkraft vor allem der infanteristischen Kampftruppen, aber auch der Pioniere und Aufklärer. Für alle anderen Soldaten ist der neue Kampfanzug eine zweckmäßige und angenehme Verbesserung. Damit steigt die Durchhaltefähigkeit der Soldaten besonders bei dem in unserer Klimazone typischen, häufig wechselnden Wetter.

Der Anzug schützt seinen Träger vor Witterungseinflüssen wie Nässe, Kälte und Wind wesentlich besser als jeder bisherige Kampfanzug. Die Soldaten können somit Aufträge bei sich rasch ändernden Wetterlagen sowie bei extremen Wetterverhältnissen besser erfüllen. Die Nässe- und Kälteschutzbekleidung ist leichter als zuvor, ihr Volumen geringer. Reservebekleidung "am Mann" bzw. nun auch "an der Frau" ist kaum noch erforderlich. Stattdessen können z. B. mehr Kampf- und Führungsmittel mitgetragen werden, und das bewirkt eine Steigerung der Kampfkraft.

Der neue Kampfanzug hat sich auch bei der Erprobung im Ausland bestens bewährt. Bei AUCON/KFOR erhielt das österreichische Bataillon u. a. den Auftrag, den "Bootleg" auch im Winter zu überwachen. (Der "Bootleg" ist der gebirgige Grenzraum im Süden des Kosovo; siehe auch TRUPPENDIENST 3/2003, "Einsatzerfahrungen im alpinen Gelände".) Ohne diesen neuen Kampfanzug wäre die Auftragserfüllung für die österreichischen Soldaten - die Überwachung von Gebirgsübergängen in über 2 000 m Höhe - schwieriger und vor allem wesentlich härter gewesen. Besonders bewährt haben sich dabei die Funktionsunterwäsche, die Fleecejacke, der Thermoanzug, das Stirnband und der Schlafsacküberzug.

Doch nun zu den wesentlichen Verbesserungen und Merkmalen der einzelnen Teile des neuen Kampfanzuges und zu einigen nützlichen Tipps aus der Praxis:

Ein "Qualitätssprung": Funktionsunterwäsche

Die bisherige Baumwollunterwäsche einschließlich der Wollsocken wird durch eine kurze Unterhose ergänzt. Der "Qualitätssprung" ist jedoch die zusätzliche Ausstattung der Soldaten mit Funktionsunterwäsche.

Diese hat eine herausragende Eigenschaft: Ihre Fasern nehmen nahezu keine Feuchtigkeit auf, sondern transportieren diese vom Körper weg nach außen. Damit fühlt sich selbst stark verschwitzte Funktionsunterwäsche nach kurzer Zeit wieder trocken an. Der Soldat kühlt nicht aus und verliert weniger Energie. Vor allem die Soldaten der Kampftruppe, die einem häufigen Wechsel zwischen schweißtreibenden Tätigkeiten und längeren "Stehzeiten" - bzw. "Liegezeiten" in der Stellung - ausgesetzt sind, werden dies bei Kälte sehr schätzen. Das Mitführen von Reservewäsche ist damit nicht unbedingt erforderlich. Das reduziert Volumen und Gewicht der mitzutragenden Ausrüstung.

Die Funktionsunterwäsche soll relativ eng am Körper anliegen und muss direkt auf der Haut getragen werden. Nur so wirkt sie optimal. Das Rollkragenleibchen sollte über dem Funktionsleibchen getragen werden. Bei extremer Kälte kann darüber zusätzlich die Baumwollunterwäsche angezogen werden.

Einen Nachteil der Funktionsunterwäsche müssen unsere Soldaten gerade im Einsatz berücksichtigen. Bedingt durch das Kunstfasermaterial schmilzt die Funktionsunterwäsche bei deutlich niedereren Temperaturen als z. B. die Baumwollunterwäsche "Feuer fängt". Bei hoher Brandgefahr (in einem exponierten Panzerfahrzeug, beim Ortskampf) sollte daher keine Funktionsunterwäsche verwendet werden. Die Kommandanten der verschiedenen Ebenen haben das zu beurteilen und rechtzeitig entsprechende Entscheidungen zu treffen.

Ein Kampfanzug für jede Jahreszeit

Der Kampfanzug ist äußerst funktionell geschnitten. Mit der leichten (Sommer-) und der schweren (Winter-)Ausführung ist eine flexiblere Anpassung an Auftrag und Wetter möglich. Alle Teile können beliebig kombiniert werden. Schwere und leichte Hosen sowie die Kappen unterscheiden sich im Aussehen nur minimal. Reißverschlüsse an allen Taschen verhindern darüber hinaus das Verlieren von Ausrüstungsgegenständen und anderen Dingen - selbst in ungewöhnlichen Körperlagen.

Nie wieder nass bis auf die Haut, ...

Der neue Kampfanzug bietet den Soldaten erstmals einen umfassenden Nässeschutz. Sowohl der Soldat als auch die Ausrüstung im Tragesystem bleiben trocken! Der Regenschutzüberzug des Tragesystems ist in einem Bodenfach des Rucksackes rasch verfügbar und verliersicher verstaut.

Die Nässeschutzbekleidung umfasst neben der Jacke und der Hose auch den Regenhut, Überfäustlinge und Nässeschutzsocken. Die in die Nässeschutzbekleidung eingearbeiteten Membranen lassen kein Wasser von außen eindringen, ermöglichen aber den Austritt von Wasserdampf. Natürlich darf man sich davon keine Wunder erwarten. Bei starkem Regen, bzw. bei einer Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent, kann die Feuchtigkeit praktisch nicht nach außen "verdampfen"! Das rasche Trocknen der unter der Nässeschutzbekleidung getragenen Wäsche funktioniert leider nur bei relativ trockener Luft.

Bei Regen sollte man daher nach Möglichkeit unter der Nässeschutzbekleidung so wenig Bekleidung wie möglich tragen. Wenn es der Auftrag zeitlich erlaubt, sollten daher vor dem Anziehen der Nässeschutzbekleidung andere Kleidungsstücke ausgezogen werden. Bei der Gebirgskampfausbildung tragen die Soldaten unter dem Alpinüberanzug bzw. Nässeschutzanzug oft nur die Funktionsunterwäsche.

Eine nützliche und wichtige Ergänzung der Nässeschutzbekleidung ist der Regenhut. "Im Gelände", bei Übungen und auch im Auslandseinsatz hatten unsere Soldaten bei Regen bisher die Wahl: Entweder wurden sie trotz modernem Nässeschutz mit Kapuze nass, weil die Kapuze nicht aufgesetzt wurde und ihnen daher das Wasser in den Kragen rann oder sie hörten nichts, weil die Kapuze ihre Ohren bedeckte. Beides ist schlecht. Nass werden ist zumindest unangenehm, etwas nicht hören kann im Einsatz tödlich sein!

Mit den Überfäustlingen und den Nässeschutzsocken sollten Erfrierungen an Füßen und Händen, aber auch der "Grabenfuß" (Krankheit, hervorgerufen durch die ständig feuchte Fußbekleidung der Soldaten in den nasskalten Schützengräben) der Vergangenheit angehören. Nässeschutzsocken halten die Füße auch bei durchnässten Schuhen trocken und damit warm.

Dabei sind unter den Nässeschutzsocken trockene Wollsocken anzuziehen. In der Bewegung und bei Märschen ist das Tragen der Nässeschutzsocken allerdings nicht sinnvoll und auch nicht notwendig. Denn beim Marschieren friert man nicht, zumindest nicht lange. Und danach würde man die trockenen Socken unter den Nässeschutzsocken verschwitzen. Hat der Soldat beim Marsch nur ein Paar Reservesocken, sollte er beim Weitermarsch die nassen Socken weiter verwenden. Ein Paar Socken - für "danach" - muss trocken bleiben!

Weil die wasserdampfdurchlässige Membrane winddicht ist, schützen der Nässeschutzanzug und die Überfäustlinge auch hervorragend vor Wind.

... nicht mehr frieren ...

Das bewährte Zwiebelschalenprinzip wurde auch beim neuen Kampfanzug beibehalten. Viele dünne Kleidungsschichten mit den dazwischen liegenden, vom Körper erwärmten Luftschichten schützen den Soldaten optimal vor Kälte. Angepasst an Lufttemperatur, Wind und Tätigkeit können jederzeit Bekleidungsstücke darüber angezogen oder ausgezogen werden. Die als oberstes Bekleidungsstück getragene Nässeschutzbekleidung verhindert den Verlust der durch den Körper angewärmten, isolierenden Luftschichten. Die Bekleidung kann damit rasch und wirksam an Auftrag und Wetter angepasst werden.

Die wärmende Fleecejacke überzeugt nicht nur durch ihren funktionellen Schnitt, sie sieht auch gut aus. Die Erprobung hat gezeigt, dass sie bei allen Soldaten ein sehr beliebtes Bekleidungsstück ist.

Für den Kälteschutz der Hände gilt ähnliches wie für die Füße: Auch die Feldfäustlinge müssen trocken bleiben, denn nur so schützen sie, unter den Überfäustlingen getragen, vor extremer Kälte.

Lederhandschuhe verhindern - zusätzlich zu einem gewissen Schutz vor Kälte - Verletzungen der Haut und somit Infektionen. Die Erfahrungen während des Auslandseinsatzes im Kosovo zeigen, dass sie deshalb immer getragen werden sollten, auch bei hohen Temperaturen. Dem müsste in der Ausbildung mehr Bedeutung beigemessen werden: Der Soldat sollte demnach alle erforderlichen Handgriffe auch mit Handschuhen beherrschen.

Bei den Kopfbedeckungen ergänzen einander die Kampfanzugkappen, die schwer entflammbare Unterziehhaube, die Thermomütze und das Stirnband optimal. Der Kopf ist nicht nur sehr empfindlich gegen Kälte, er fungiert auch als Wärmeregulator. Das bedeutet, dass man am Kopf rasch schwitzt. Bei häufigem Wechsel von Bewegung und Ruhe ist darum vor allem bei kaltem Wetter ein Kälte- und Windschutz des Kopfes sehr wichtig. In Stirnband und Thermomütze sind auch deshalb im Stirnbereich wasserdampfdurchlässige Membranen als Windschutz eingearbeitet.

Alle Teile der Kopfbekleidung lassen sich gut kombinieren. Auch die Verwendung mit dem Kampfhelm ist mit allen Teilen möglich und sinnvoll.

... und tragen, ohne sich extrem zu plagen

Mit dem neuen Tragesystem verfügen die Soldaten des Österreichischen Bundesheeres über ein sehr modernes und funktionelles System. Das Herzstück des Tragesystems ist der bequeme Hüftgurt: in Verwendung mit dem Rucksack wird die Last auf Schultern und Hüften verteilt. Diese Lastverteilung kann auch während des Tragens verändert werden. Damit ist das Tragesystem hinsichtlich Tragekomfort endlich mit modernen, heute üblichen "zivilen" Rucksäcken vergleichbar.

Der entscheidende Vorteil des neuen Tragesystems und die technische Innovation ist die Möglichkeit, den Rucksack mit nur zwei Handgriffen abzuwerfen. Der Hüftgurt bleibt dabei am Mann bzw. an der Frau. Das "Andock-" bzw. Abwurfsystem ist bestechend einfach und effizient. Nach dem Abwerfen des Rucksackes verfügt der Soldat weiterhin über alle für den Kampf notwendigen Mittel, die er an der Kampfweste und/oder am Hüftgurt trägt. Er wird aber in Gefechtssituationen, die sich z. B. während eines Marsches ergeben, nicht mehr durch den schweren Rucksack behindert, kann rascher reagieren und ist in seiner Beweglichkeit nicht eingeschränkt. Das Verbinden des Hüftgurtes mit dem Rucksack ist nicht unbedingt erforderlich, ein rasches Wiederaufnehmen des Rucksackes ist somit auch unter Zeitdruck jederzeit möglich.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist die optimale Anpassungsmöglichkeit des Systems an den Auftrag. Alle Ausrüstungstaschen, aber auch die Außentaschen für den Rucksack können einfach und rasch - am Hüftgurt, - an der Kampfweste oder - am Rucksack selbst befestigt werden. Für neue Ausrüstungsgegenstände können an diesem Tragesystem daher ohne Abänderung des Systems auch zusätzliche, neu angefertigte Taschen befestigt werden.

Natürlich ist das Tragesystem sowohl mit der Splitterschutzweste als auch mit der Kugelschutzweste und der ABC-Schutzausrüstung verwendbar und kompatibel. Alle Teile der ballistischen Schutzausrüstung, der ABC-Schutzbekleidung und des Tragesystems können dem Auftrag entsprechend kombiniert werden. Abhängig von der Einsatzdauer und der mitzuführenden Ausrüstung hat der Soldat dabei verschiedene Kombinationsmöglichkeiten:

- Hüftgurt mit Hüftgurtträger; - Hüftgurt mit Hüftgurtträger und große Außentaschen am Rücken; - Hüftgurt mit Hüftgurtträger und Rucksack; - Hüftgurt mit Rucksack; - Rucksack alleine; - Kampfweste; - Kampfweste mit großer Außentasche am Rücken; - Kampfweste mit Rucksack; - Kampfweste mit Hüftgurt; - Kampfweste mit Hüftgurt und großer Außentasche am Rücken; - Kampfweste mit Hüftgurt und Rucksack.

Das Packvolumen der großen Außentaschen beträgt ca. 7,5 Liter, das des Rucksackes ca. 40 Liter.

Zusätzlich zu den drei Außentaschen können am Rucksack weitere Ausrüstungsgegenstände wie Rollmatte, Schlafsack, Spaten usw. befestigt werden. So kann die erforderliche Ausrüstung - einschließlich der Kampfmittel - für zwei volle Kampftage mitgetragen werden. Ein größerer Rucksack ist für die Masse der infanteristischen Kräfte weder notwendig noch sinnvoll, dürfen doch die abgesessen eingesetzten Soldaten nicht überladen werden. Kommandanten und Stäbe haben die mitzutragende Ausrüstung konsequent zu beurteilen und festzulegen. Nur der kampfkräftig am Einsatzort eintreffende Soldat kann seinen Auftrag erfüllen.

Größere Rucksäcke sind nur für die Gebirgstruppe und die Sondereinsatzkräfte zielführend. Teile dieser Kräfte können damit fallweise über längere Zeiträume ohne eine Abstützung auf Infrastruktur und Anschlussversorgung eingesetzt werden.

Zum Tragen von schweren Lasten steht der Gebirgstruppe zusätzlich eine Kraxe zur Verfügung. Diese passt ebenfalls zum Tragesystem und wird auch mit dem Hüftgurt des Tragesystems verbunden. Ihr Packvolumen beträgt ca. 65 Liter.

Weitere sehr nützliche Details finden sich an der Kampfweste. Die vielen kleineren Ausrüstungsgegenstände wie Schreibzeug, Papier, Karte, Bussole, Signalmunition und Feldstecher, welche die Soldaten, vor allem aber Kommandanten mitführen, können funktionell und griffbereit verstaut werden. Eine am Rücken angebrachte Bergeschlaufe erleichtert das Bergen von verletzten Kameraden aus Gefahrenzonen.

Weil das Tragesystem ursprünglich für die Gebirgstruppe konzipiert war, besitzt es einige diesbezügliche Besonderheiten. Am Rucksack und an der Kraxe können z. B. Schier, Eispickel, aber auch die Handfeuerwaffe einfach und rasch aufgeschnallt werden.

Wintertarnung - erstmals "serienmäßig"

Erstmals werden Österreichs Soldaten mit einem Wintertarnanzug einschließlich Wintertarnüberzug für das Tragesystem und den Kampfhelm ausgestattet. Damit haben viele aufwändige, aber dennoch nur behelfsmäßige Wintertarnmaßnahmen ein Ende. Der Wintertarnüberzug des Rucksackes ist gemeinsam mit dem Regenschutzüberzug in einem Fach im Rucksack befestigt.

Weitere Verbesserungen

Alle Soldaten erhalten jetzt z. B. einen Trosssack, eine Toilettentasche und ein Nähset. Auch die Sportbekleidung und die Hygieneartikel der Ausrüstung wurden verbessert. Die ballistische Schutzausrüstung bleibt vorerst unverändert, allerdings befindet sich eine Schutzbrille bereits in Erprobung.

Auf einen Blick

Der neue Kampfanzug stellt für die damit beteilten Soldaten eine wesentliche Verbesserung dar. Die Akzeptanz für ihn ist hoch und auch eine gute Motivation für jeden einzelnen Soldaten.

Er ist jedoch auch eine neue Herausforderung in der Ausbildung: Seine richtige Handhabung sowie die Vorteile und Schwächen der neuen Materialien müssen jedem Benutzer bekannt sein. Nur dann können die zahlreichen Vorteile des neuen Bekleidungs- und Tragesystems optimal genutzt werden! Für diese Ausbildung müssen wir uns die dafür notwendige Zeit nehmen bzw. schaffen.

Zielführend wären auch die ständige Betreuung und weitere Verbesserung des neuen Kampfanzuges durch eine Fachgruppe unter ständiger Einbindung der Truppe. Dies würde kaum Geld kosten und könnte dennoch zu notwendigen und sinnvollen Verbesserungen (z. B. bei ohnedies zu beschaffenden neuen Lieferlosen) führen. Der neue Kampfanzug bliebe damit wahrscheinlich über Jahrzehnte modern und funktionell!

___________________________________ ___________________________________

Erprobung und Entwicklung am Beispiel des Tragesystems

Der Verfasser arbeitete an der Jägerschule als Mitglied des Alpinunterausschusses seit 1995 am neuen Tragesystem. Nach dem Ringen um die Genehmigung, mit der Verbesserung der Rüstung überhaupt beginnen zu dürfen, waren aufgrund der geringen zur Verfügung stehenden budgetären Mittel die Fortschritte anfangs eher gering. Die Entwicklung erfolgte gemeinsam mit mehreren Firmen. Die Experten des Bundesheeres stellten diesen dabei - mehr oder weniger als Gegenleistung für das Anfertigen von Prototypen - ihre Erfahrungen und ihr Wissen zur Verfügung. Diese Prototypen entstanden so nach den Vorgaben der Experten und wurden danach an der Jägerschule erprobt. Einige Verbesserungen dieser Modelle erfolgten in der (damals noch) jägerschuleigenen Werkstätte.

Die Forderungen der Experten für das Tragesystem waren:

- ein guter Tragekomfort; - eine möglichst geringe Behinderung im Kampf; - die Möglichkeit des Mitführens der Kampf- und Führungsmittel sowie der ABC-Schutzausrüstung; - die rasche Anpassungsfähigkeit an den Auftrag und an unterschiedlichste Gefechtssituationen; - die Kompatibilität mit der eingeführten Splitterschutzweste und ABC-Schutzausrüstung.

Besonders wertvolle Erkenntnisse brachte der Besuch eines Entwicklungszentrums der US Army. Zusammen mit dem Leiter der Leistungsmedizin und Wehrergonomie des Heeresspitals testete der Verfasser im September 1997 einige Prototypen des Tragesystems am US Army Research Institut of Environmental Medicine in Natick/USA. Dort setzte man damals gerade die Erfahrungen des Zweiten Golf-Krieges um und arbeitete intensiv am "Land Warrior", der Ausrüstung des zukünftigen US-Soldaten. Die Traglasten der Infanteristen hatten im Golf-Krieg bis zu 100 kg betragen, auch der vergleichbare Kampfanzug 3 der U.S. Army bzw. der U.S. Marines wog einschließlich Ausrüstung ca. 61 kg.

Die Tests der Prototypen in den USA zeigten, dass die Jägerschule trotz geringster Budgetmittel auf dem richtigen Weg war. Die österreichischen Soldaten wussten jedenfalls aus Erfahrung vieles, was sich die Forscher in den USA oft erst mit viel Aufwand wissenschaftlich erarbeiten mussten.

1998 wurden die Prototypen des Tragesystems der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Jahr 2000 erfolgte die Entscheidung zur Einführung des neuen Kampfanzuges, die Beschaffung sollte ab 2002 erfolgen. Das Projekt Kampfanzug musste damit plötzlich unter sehr großem Zeitdruck abgewickelt werden. Dafür gab es erstmals auch ausreichende Budgetmittel für die weitere Entwicklung und Erprobung.

Ab dem Frühjahr 2001 befasste sich eine weitere Arbeitsgruppe (Leitung: Intendanzabteilung/BMLV; Mitarbeit: vor allem Heeresbekleidungsanstalt, Jägerschule, Truppe) sehr engagiert und erfolgreich mit dem Projekt des neuen Kampfanzuges. Erprobt wurde dieser in den Jahren 2001 und 2002 bei zwölf Truppenkörpern von jeweils einem Zug. Während der Erprobung wurden die Zwischenergebnisse regelmäßig abgefragt und laufend Verbesserungen eingearbeitet. Die Farbwahl (RAL 7013) hatte der Bundesminister schon vor der Erprobung durch die Truppe getroffen.

___________________________________ ___________________________________ Autor: Oberstleutnant Michael Lasser, Jahrgang 1958. Nach der Offiziersausbildung von 1980 bis 1988 Verwendungen als Zugskommandant, Ausbildungsoffizier und Kompaniekommandant in den Landwehrstammregimentern 33 und 91; Absolvent des 19. Truppenkommandantenkurses; Ausbildung zum Heeresbergführer und Heeresschilehrer; staatlich geprüfter Berg- und Schiführer. 1988 Versetzung an die Jägerschule als Hauptlehroffizier/Alpin und Gebirgskampf, seit 2001 deren stellvertretender Schulkommandant. Der Autor war wesentlich an der Entwicklung und Erprobung des neuen Kampfanzuges beteiligt.

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
Impressum | Kontakt