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Die Wahrheit stirbt zuerst

Kriege oder bewaffnete Konflikte zwischen Staaten bzw. Interessengruppen werden immer öfter unter unser aller Augen ausgefochten. Das ist beinahe schon Gewohnheit. Der Konsument kann jede kriegerische Handlung an jedem beliebigen Punkt der Welt vom Fernsehsessel aus mit verfolgen. Die moderne Technik und die heutige Medienlandschaft machen dies möglich.

Es entspricht im Allgemeinen nicht den Vorstellungen des Militärs, dass strategische, operative oder zum Teil auch taktische Überlegungen durch die Medien veröffentlicht oder in der Öffentlichkeit kommentiert werden. Diese Einstellung ist einer der Gründe für das immer wieder neue Wechselspiel zwischen Soldaten und Medienvertretern.

Seit dem Krim-Krieg 1854, in dem sich der britische Journalist William Howard Russel erstmals als Kriegsberichterstatter betätigte, bis herauf in das dritte Jahrtausend, zum Golf-Krieg von 2003, versuchen Militärs, ihre Absichten geheim zu halten, versuchen Journalisten, diese Geheimnisse aufzudecken, und werden Journalisten wissentlich oder unwissentlich, mit oder gegen ihren Willen zu Handlangern der Generale oder zu deren gefürchteten Gegenspielern.

Dass die Medien hautnah am jeweiligen Schauplatz vertreten sind, kann natürlich auch positiv ausgelegt werden. Vor den Objektiven unzähliger Kameras werden die Konfliktparteien es tunlichst vermeiden, Handlungen zu setzen, die vielleicht später als Kriegsgräuel oder Kriegsverbrechen ausgelegt werden könnten. Bilddokumente könnten jedoch ebenfalls dazu dienen, ein korrektes Verhalten zu dokumentieren.

Bagdad 2003 und die Medien

Die USA und Großbritannien gingen diesmal einen neuen Weg der Betreuung der Medienvertreter. Sie erfanden den "Embedded Journalist"; den rundum und rund um die Uhr betreuten Journalisten, der mit Informationen gefüttert wurde, dem Transportmittel zur Verfügung gestellt wurden, der Interviewpartner bereitgestellt bekam und der Gefechtstätigkeiten "hautnah" miterleben durfte. Der Vorteil für die Militärs lag darin, dass die Presseleute permanent unter Kontrolle gehalten werden konnten und beinahe ausschließlich Informationen erhielten, die den militärischen und politischen Entscheidungsträgern genehm waren; sie wurden an einer sehr kurzen Leine geführt. Lesen Sie dazu den Kommentar in diesem Heft.

Wer sich diesen Spielregeln widersetzte, wurde von den Amerikanern "des Spielfeldes verwiesen", d. h. unter fadenscheinigen Vorwänden aus dem unmittelbaren Einsatzraum verbannt.

Der Irak stellte relativ rasch jegliche kritische Berichterstattung ab, indem nicht genehme Medien und deren Vertreter ausgewiesen wurden. Die Öffentlichkeitsarbeit oblag dann einerseits dem heute beinahe legendären Informationsminister Saeed al-Sahhaf und andererseits dem arabischen Fernsehsender Al-Jazeera. Sowohl die Aufgabe des Ministers als auch die Rolle des Fernsehsenders werden im Beitragsblock über den Journalismus im Golf-Krieg auf den folgenden Seiten behandelt.

Die Hauptbeiträge beleuchten kritisch die Medienarbeit bzw. die Arbeit der Medien im Zusammenhang mit der Intervention im Irak. Ein deutscher Gastautor analysiert die Berichterstattung von der Seite des westlichen Bündnisses. Der Chefredakteur einer arabischsprachigen Tageszeitung kritisiert die zum Teil äußerst einseitigen Reportagen der arabischen Medien.

Ergänzend dazu erfahren Sie auch die Möglichkeiten zur Manipulation der Medien am Beispiel der in den USA als Volksheldin gefeierten Jessica Lynch, ihrer Verwundung und der höchst spektakulären Rettung.

Fazit

Eine österreichische Tageszeitung hat die tägliche Berichterstattung über den Golf-Krieg unter den Titel "Liebe Leserin, lieber Leser, da im Krieg als Erstes die Wahrheit stirbt ..." zusammengefasst. Und das traf den Kern der Sache recht gut. Dem Konsumenten wurde eine Vielfalt an Informationen vorgegaukelt, die ihm in Wahrheit nicht geboten wurde. Die Fernsehberichte kamen im Grunde nur aus zwei Quellen, nämlich aus jener von der westlichen Allianz gefilterten und der dem irakischen Regime genehmen. Die Inhalte der Printmedien unterschieden sich eigentlich nur durch die Kommentare einzelner Journalisten. Die Mehrzahl der Fakten kam ebenso nur aus den zwei bereits genannten Quellen.

Was bleibt also für den Leser, Hörer, Seher dann noch übrig? Ein kritisches Hinterfragen aller Informationsbrocken, die er von allen möglichen Seiten hingeworfen bekommt und nicht zuletzt: sich auf den Hausverstand bzw. vorhandenes Fachwissen verlassen und sich daraus eine eigene Meinung bilden ...

-KL-

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