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Baron Gottfried von Banfield

Der "Adler von Triest"

Von der Kriegspropaganda erfolgreich zu "Rittern der Lüfte" hochstilisiert erreichten erfolgreiche Flieger des Ersten Weltkriegs eine bis heute andauernde große Popularität. Neben bekannten deutschen, britischen und U.S.-amerikanischen Fliegern zählt dazu auch ein Vertreter Österreich-Ungarns: Linienschiffsleutnant Gottfried Freiherr von Banfield, der "Adler von Triest".

Junge deutsche Offiziere wie Richthofen, Boelcke, Immelmann und Udet oder auf der Gegenseite Ball, Bishop, Nungessner, Fonck - nicht zu vergessen den amerikanischen Draufgänger Rickenbacker - wurden von der Kriegspropaganda erfolgreich zu "Rittern der Lüfte" hochstilisiert und verehrt.

Noch heute tragen viele Geschwader der Deutschen Luftwaffe ihre Namen, wie z. B. das Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" oder das Jagdgeschwader 71 "Richthofen" .

An die Flieger Österreich-Ungarns erinnern nur mehr Ausstellungsstücke im Heeresgeschichtlichen Museum, die Akten im Kriegsarchiv oder die Namen von Flugfeldern und Kasernen des Österreichischen Bundesheeres (z. B. die Fliegerhorste "Brumowski" in Langenlebarn und "Fiala-Fernbrugg" in Aigen im Ennstal). Unter den seit 1966 vergebenen Namen der Jahrgangspaten an der Theresianischen Militärakademie ist bis heute nur ein einziger Fliegeroffizier zu finden, Linienschiffsleutnant Gottfried Freiherr von Banfield (1890-1986).

Irische Wurzeln

Seit dem 17. Jahrhundert dienten Iren in den Streitkräften des Kaiserstaates, unter ihnen viele, die nach dem Vertrag von Limerick 1691 mit ihrem Kommandanten Patrick Sarsfield auf das Festland ("Flight of the Wild Geese") emigrierten. Einige gründeten Dynastien von kaiserlichen Offizieren wie O´Donnell, Browne oder Lacy. Bei der Familie Banfield verhielt es sich anders. Dieses im Süden der "Grünen Insel" ansässige Geschlecht stammte von normannischen Einwanderern des Hochmittelalters ab, bekannte sich zum protestantischen Glauben und diente in den britischen Streitkräften. Der Großvater Gottfried von Banfields, Thomas Banfield aus der Grafschaft Cork, kam 1830 als Sprachlehrer an den Hof der Wittelsbacher in München. Er machte später als Militärattaché Karriere und heiratete die österreichische Adelige Josepha von Frech. Ihr Sohn, Richard Mitis Banfield, diente als Brite bis 1892 in der k. (u.) k. Marine, zuletzt als Linienschiffskapitän.

Zur Seefahrt bestimmt

Richard Banfields Sohn Gottfried kam 1890 in Castelnuovo (Herceg Novi, Montenegro) zur Welt. Als er zwei Jahre alt war, übersiedelte die Familie Banfield nach Pola (Pula, Kroatien), wo der kleine Gottfried später die Marinevolksschule besuchte. Wie viele Jungen aus Offiziersfamilien wurde Gottfried in die Militärausbildung geschickt (Militär-Unterrealschule in St. Pölten). Seit 1903 österreichischer Staatsbürger beschloss er, dem Vorbild des Vaters zu folgen, und wechselte an die Marineakademie nach Fiume (Rijeka, Kroatien), wo er 1909 als Seekadett ausmusterte.

Seine ersten Erfahrungen als Offizier sammelte Gottfried von Banfield auf den Schlachtschiffen "SMS Arpad" und "SMS Erzherzog Friedrich". Im Herbst 1910 absolvierte er den Seeoffizierskurs auf dem alten Kasemattschiff "SMS Custoza" und wechselte dann auf das moderne Schlachtschiff "SMS Erzherzog Franz Ferdinand" (Radetzky-Klasse). Laut eigenen Aussagen begann sich der junge Seefähnrich immer stärker für die aufkommende Fliegerei zu interessieren. Ein Kamerad auf diesem Schiff, ein Sohn des Admirals Rudolf Graf Montecuccoli, dürfte diesem von Banfields Interessen erzählt haben. Bereits kurz nach seiner Ernennung zum Fregattenleutnant und Kommandanten des Schlepptenders "SMS Hippos" wurde Banfield zur Fliegerausbildung versetzt.

Marineflieger

1910 hatte die Marinesektion im Kriegsministerium beschlossen, im Verband der Flotte Luftstreitkräfte aufzustellen. Banfield kam 1911 nach Wiener Neustadt, wo er die Fliegerausbildung bei der Motorfluggesellschaft absolvierte. Einer seiner Lehrer war der berühmte Karl Illner. Mit angekauften Flugbooten (Hydroplane) absolvierte Banfield von der Seeflugstation Santa Catarina in Pola aus seine Trainingsflüge. Bei einem Schauflug anlässlich des Besuchs des Thronfolgers 1913 wurde er schwer verletzt. Nach der Genesung versuchte Gottfried von Banfield ins Zivilleben zu wechseln. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte der junge Flieger jedoch zur Marine zurück.

Im Einsatz

Zugeteilt als Seeflieger der "SMS Zrinyi" absolvierte Fregattenleutnant Banfield Aufklärungsflüge über dem Lovcen-Massiv in Montenegro. Er verlegte aber bald auf die Station Kumbor bei Kotor. Daneben flog er neue Maschinen in Pola ein. Bombenangriffe auf französische Nachschublieferungen nach Montenegro zählten ebenfalls zu seinen Aufgaben. Nach dem Kriegseintritt des südlichen Nachbarn Italien kamen Angriffe gegen die Italiener dazu. Ziele waren vor allem Eisenbahnlinien, Straßen und Kanäle an der Adria. Der erste Luftkampf fand im Juli 1915 statt. Seit 22. Mai 1916 attackierten die österreichischen Flugboote Ziele auch bei Nacht. Die italienische Antwort blieb nicht aus - die k. u. k. Hydroplane mussten nun als Jäger agieren. Dabei erfocht Banfield einige Luftsiege gegen einfliegende feindliche Maschinen. Am 23. August 1916 zeichnete der greise Monarch Franz Joseph I. den jungen Piloten mit der "Goldenen Militär-Verdienstmedaille des Militärverdienstkreuzes am Bande" aus. Im Herbst des Jahres reichte Banfield den Antrag auf die Verleihung des Militär-Maria-Theresien-Ordens ein, den er gemeinsam mit Feldmarschallleutnant Guido Novak von Arienti am 17. August 1917 in der Villa Wartholz erhielt.

Probleme mit seinen Vorgesetzten bekam Baron Banfield durch seine Aussagen, die Karl Kraus in der Zeitschrift "Die Fackel" (vom 9. Oktober 1917) aus dem Zusammenhang gerissen - zitierte (… sehr ergriffen war der Korrespondent über die Worte Banfields: "Wann wird endlich ein Ende sein? Es ist schon genug. Schade um die vielen Menschenleben. Was jetzt geschieht, ist nur reine Vernichtung, nur mehr ein Morden, kein Krieg mehr").

Bei Kriegsende konnte Freiherr Gottfried von Banfield auf 20 Luftsiege verweisen. Er war damit der erfolgreichste Marinepilot der Monarchie.

Nach dem Krieg

Nach Kriegsende blieb Gottfried Freiherr von Banfield in Triest und wurde prompt von den einmarschierenden Italienern verhaftet. Mit der Hilfe des Gefängnisdirektors gelang es ihm freizukommen. Er musste Triest verlassen und wandte sich nach Wien. Seine Verlobte, die Tochter des Reeders Diodato Tripcovich ließ Banfield an der Adria zurück. Nach kurzer Arbeit bei Austro-Daimler in Wien sowie bei ©koda in Prag bekam der nunmehrige Zivilist Gottfried Banfield die Möglichkeit, in einer schottischen Werft zu arbeiten. Nach langwierigen Verhandlungen erwarb er die italienische Staatsbürgerschaft und kehrte in die Adriastadt zurück, wo er eine erfolgreiche Bergungsreederei aufbaute.

Der letzte überlebende Träger des Militär-Maria-Theresien-Ordens verstarb im Jahr 1986 im Alter von 97 Jahren in Triest. 1990 benannte die Theresianische Militärakademie einen Jahrgang nach Banfield.


Autor: Mag. Martin Prieschl, Jahrgang 1976. 2004 Wehrdienst im Panzergre-nadierbataillon 13, Angehöriger des Milizbataillons Oberösterreich. Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte an der Universität Salzburg. Abschluss in Geschichte 2003 mit Auszeichnung; Auszeichnung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für die besten Studierenden 2003/2004; Ausbildung zum Archivar am Institut für Österreichische Geschichtsforschung und der Fachhochschule Potsdam (Archiv, Bibliothekswesen, Dokumentation); Dissertation an der Universität Wien. Nach dem Studium neben zahlreichen Publikationen u. a. Tätigkeiten im Verlagswesen; Hospitant im Kriegsarchiv; im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und im Parlamentsarchiv sowie als Koordinator und Mitgestalter der Ausstellung "Liberale Politik in Österreich" (Parlament, 2006). Seit März 2007 Archivbeauftragter der Evangelischen Kirche AB und HB sowie Archivar der Diözesen Niederösterreich und Salzburg-Tirol. Seit 2009 Geschäftsführer der Firma HC-Archivtechnik.

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