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Leopold Graf Daun (1705-1766)

Leopold Graf Daun gilt neben Gideon von Laudon und Franz Moritz von Lacy als einer der bedeutendsten Feldherren und Reformer in der Regierungszeit Maria Theresias. Durch seine Veränderung der Heeresstruktur traten Österreichs Streitkräfte in eine neue Ära ein. In seine Zeit fällt auch die Gründung der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt am 14. Dezember 1751.

Leopold Graf Daun erwies sich als einer der erfolgreichsten Feldherrn der Epoche Maria Theresias. Seine Siege gegen Friedrich den Großen bei Kolin (18. Juni 1757) und Hochkirch (14. Oktober 1758) trugen neben den Leistungen Khevenhüllers und Laudons maßgeblich dazu bei, dass die Tochter Kaiser Karls VI., Königin und Erzherzogin Maria Theresia, ihre Erblande gegen die Machtgelüste Bayerns, Frankreichs und Preußens verteidigen konnte. Graf Daun konnte sich der persönlichen Gunst des Herrscherpaares Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen erfreuen. Er galt wie Emanuel Graf Silva-Tarouca, Gerard van Swieten und Wenzel Anton Fürst Kaunitz als Vertrauter der Herrscherin.

Sohn eines Feldmarschalls

Leopold Daun kam am 24. September 1705 in Wien als Mitglied einer einflussreichen Adelsfamilie, die seit dem Hochmittelalter in Daun (Landkreis Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz) ansässig war, zur Welt. Sein Großvater Wilhelm Johann Graf Daun trat 1657 in österreichische Dienste. Leopolds Vater, Wirich Philipp Lorenz Graf Daun, stieg bis zum Feldmarschall und Statthalter der Niederlande auf.

Die Familie sah für den jungen Mann die geistliche Laufbahn vor. Leopold trat jedoch mit 13 Jahren in die kaiserliche Armee als "Aspirant" in das Regiment seines Vaters ein. Anders als heute musste Daun als künftiger Offizier keineswegs die unteren Ränge durchlaufen, sondern stieg rasch auf. Das harte Kriegshandwerk lernte er vermutlich erstmals 1718 bei Kampfhandlungen gegen Spanien auf Sizilien kennen. Bereits mit 21 Jahren erreichte der junge Daun 1726 den Rang eines Majors im 1684 gegründeten Infanterieregiment "Wirich Graf Daun", dem späteren Infanterieregiment 56 "Graf Daun". 1727 wurde er in den Listen bereits als "Oberst" geführt, 1731 wird er schließlich Regimentskommandant. Diese rasche Beförderung hatte den Hintergrund, dass sein Vater als Regimentsinhaber die Offiziersstellen nach seinem Gutdünken besetzen durfte.

Bei der Rheinarmee und im Türkenkrieg

Im Verlauf des Polnischen Thronfolgekrieges (1733 - 1738) um die Nachfolge August des Starken erklärte Frankreich 1733 Österreich und Russland den Krieg. Kaiser Karl VI. schickte den schon greisen Prinzen Eugen zum Kampf gegen die Franzosen an den Rhein. Doch der "edle Ritter" vermochte nicht mehr wie einst große Siege zu erringen. Der junge Daun begleitete ihn auf diesem für Österreich so ungünstig verlaufenden Feldzug. Im Lager des Savoyers befand sich auch der junge preußische Kronprinz Friedrich, später der größte Widersacher Dauns und dessen zukünftiger Landesherrin.

In den letzten Jahren seiner Regierung stürzte sich Kaiser Karl VI. als Verbündeter des russischen Zarenreichs in einen Krieg gegen das Osmanische Reich. 1739 musste Österreich im Frieden von Belgrad fast alle Eroberungen der Türkenkriege Prinz Eugens wieder abtreten. Auch die Stadt Belgrad ging verloren. Leopold Graf Daun, seit 1737 bereits als Generalfeldwachtmeister im Generalsrang, zeichnete sich vor allem in der Schlacht bei Krotzka (Grocka - Vorort von Belgrad, Serbien) am 22. Juli 1739 aus, in der er schwer verwundet wurde.

Der Österreichische Erbfolgekrieg

Am 20. Oktober 1740 verstarb Kaiser Karl VI. in Wien ohne männlichen Nachkommen. Seine Tochter Maria Theresia trat ein schwieriges Erbe an. Obwohl ihr Vater durch die "Pragmatische Sanktion" von 1713 (regelt die Thronberechtigung der weiblichen Nachkommen nach Aussterben des Hauses im Mannesstamm) und deren völkerrechtliche Anerkennung versucht hatte, den Machtübergang zu sichern, sah sich die junge Herrscherin nach seinem Tod einer breiten Front von Feinden gegenüber, die in die österreichischen Erblande eindrangen. Den Anfang machte der junge preußische Herrscher Friedrich II., der in Schlesien einfiel und die Österreicher in mehreren Schlachten besiegte (Mollwitz, Chotusitz, Soor, Hohenfriedberg). 1745 wurde Leopold Daun bei Hohenfriedberg abermals schwer verwundet. In der Folge kam er auf den bayerischen Kriegsschauplatz unter dem Grafen Khevenhüller. Die "Pragmatische Armee" konnte Franzosen und Bayern bis in das Elsass zurückdrängen. Daun zeichnete sich auf diesem Kriegsschauplatz (Braunau, Dingelfingen, Landau) unter dem Prinzen Karl sowie unter Feldmarschall Traun erneut aus.

1745 heiratete Daun die verwitwete Maria Josefa Gräfin Nostitz, die Tochter der Vertrauten Maria Theresias, der Gräfin Fuchs-Mollard ("Füchsin"). Damit sicherte sich Daun beste Kontakte in das Zentrum der Macht.

Der Reformer

Nach dem Friedensschluss 1748 begann die Reform der österreichischen Streitkräfte unter der Führung Dauns. Er hatte bereits 1739 ein Reglement für sein Regiment eingeführt und sich dadurch als Reformer empfohlen. Maria Theresia schrieb 1740 über ihre Armee, dass "[…] nicht das Mindeste eingeführet in Regul. Ein jeder machte ein anderes Manöver im Marsch, im Exercitio und in allem; einer schoß geschwind, der andere langsam, die nämlichen Wort und Befehle wurden bei einem also, bei dem anderen wiederum anders ausgedeutet […]". Im Krieg hatten sich die streng gedrillten preußischen Regimenter den Österreichern als überlegen erwiesen. Diesen Nachteil gedachte man nun auszumerzen. Unter der Leitung Leopold Graf Dauns erarbeitete eine Kommission das "Regulament und Ordnung Des Gesamten Kaiserlich-Königlichen Fuss-Volkes".

Statt dem hölzernen kam jetzt der eiserne Ladestock zur Truppe. Die kaiserlichen Einheiten unterzog man einer intensiven Ausbildung und ausgedehnten Manövern. Auch die Kavallerie und die Artillerie erfuhren eine Verbesserung, letztere durch das Werk des Fürsten Wenzel Liechtenstein. Eine einheitliche Uniformierung wurde ebenso angestrebt, wie neue Disziplinarvorschriften.

Um den Offiziersnachwuchs zu sichern, gründete Maria Theresia auf Anraten Leopold Graf Dauns die älteste, heute noch bestehende Offiziersausbildungsstätte, die "Theresianische Militärakademie" in Wiener Neustadt. Ihrem ersten Direktor erteilte sie den richtungweisenden Auftrag: "Mach er mir tüchtige Officirs und rechtschaffene Männer darauß".

Der Vertraute von Erzherzogin Maria Theresia stieg gesellschaftlich immer weiter auf und wurde mit Ehren überhäuft (Ritter vom Goldenen Vlies, Stadtkommandant von Wien). Am 19. Juni 1754 erhob ihn seine Landesherrin zum Generalfeldmarschall.

Daun tat sich auch bei der Versorgung von Kriegsversehrten und alten Soldaten hervor. Durch das "Generalsystem" errichtete man Invalidenhäuser, da bis dahin die Versehrten bedenkenlos ihrem Schicksal überlassen wurden. Diese bedauernswerten Menschen waren daher oft dazu gezwungen, ihren Lebensunterhalt durch Betteln und Kleinkriminalität zu erwirtschaften. Ganz uneigennützig darf dieses System aber nicht gesehen werden, da nach jedem Krieg die "Bettlerplage" in den Erblanden anstieg.

Der Siebenjährige Krieg

Nach dem "Friedensschluss von Aachen" 1748 war Europa eine kurze Periode des Friedens gegönnt. Doch der britisch-französische Gegensatz - vor allem in den Kolonien in der Neuen Welt - bestand weiter. Auch die österreichische Monarchin wollte den Verlust fast ganz Schlesiens nicht hinnehmen. Österreichs führender Außenpolitiker, Wenzel Graf Kaunitz, leitete deshalb die Isolierung Preußens ein. Es gelang ihm, die führenden kontinentaleuropäischen Mächte Frankreich und Russland auf die Seite Österreichs zu ziehen (Vertrag von Versailles, "Umkehr der Bündnisse"). Das bis dahin traditionell mit Österreich verbundene Großbritannien näherte sich Preußen an ("Konvention von Reichenbach"). Im August 1756 versuchte König Friedrich der Große seiner systematischen Einkreisung durch einen Präventivschlag zu entgehen, indem er in Sachsen einmarschierte.

In weiterer Folge eroberte er Sachsen, wehrte eine Rückeroberung ab und marschierte in Böhmen ein. Vor Prag besiegte Friedrich der Große die Österreicher und begann mit der Belagerung der Stadt an der Moldau. Daun rückte zum Entsatz der Stadt an und es gelang ihm, den Preußen bei Kolin eine schwere Niederlage zuzufügen. Nach der Schlacht stiftete die Landesherrin den "Militär-Maria-Theresien-Orden", dessen Großkreuz Daun als erster am 7. März 1758 erhielt. In Erinnerung an den Sieg bei Kolin erhielt auch der Ausmusterungsjahrgang 1993 der Theresianischen Militärakademie diesen Namen.

Nach der verheerenden Niederlage bei Leuthen trat Karl Alexander von Lothringen, der Bruder des Kaisers, von der militärischen Bühne ab. Feldmarschall Daun übernahm das Kommando und es gelang ihm, im Oktober 1758 die Preußen bei Hochkirch erneut zu besiegen. Durch diese Niederlage drängte man die Preußen in die Defensive. Ein Jahr später zwang Leopold Graf Daun den preußischen General Finck bei Maxen zur Kapitulation.

Preußens Situation wurde immer verzweifelter, als Friedrichs Armee von den vereinten Russen und Österreichern bei Kunersdorf vernichtend geschlagen wurde. Allerdings gelang es dem preußischen König durch ein rücksichtsloses Zusammentreiben der letzten Kräfte neue Truppen ins Feld zu werfen und die Österreicher zweimal zu besiegen (Liegnitz, Torgau). Bei der Niederlage von Torgau am 3. November 1760 wurde Feldmarschall Daun erneut so schwer verwundet, dass er erst 1762 wieder ein Feldkommando übernehmen konnte. Doch beide Seiten schienen erschöpft. 1763 wurde der Friede zu Hubertusburg geschlossen. Das heiß umkämpfte Schlesien blieb aber bei Preußen.

Der Staatsmann

Schon im Jahr 1760 erfolgte die Ernennung Dauns neben Haugwitz und Kaunitz zum Staatsminister im "Staatsrat", dem höchsten Beratungsgremium der Landesherrin. Zwei Jahre später rückte Daun in das Amt des Hofkriegsratspräsidenten vor, wo er mit Elan begann, Österreichs Streitkräfte nach dem Siebenjährigen Krieg wieder aufzubauen ("2. Reorganisation des Heeres"). Hier band er auch seinen Vertrauten Franz Moritz Graf von Lacy ein.

Doch die schwere Verwundung von Torgau plagte den Feldherrn. Zum Jahreswechsel 1765/66 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Am 5. Februar 1766 schloss der große Reformer der österreichischen Armee im Alter von 61 Jahren für immer seine Augen.


Autor: Mag. Martin Prieschl, Jahrgang 1976. 2004 Wehrdienst im Panzergrenadierbataillon 13, Angehöriger des Milizbataillons Oberösterreich. Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte an der Universität Salzburg. Abschluss in Geschichte 2003 mit Auszeichnung; Auszeichnung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für die besten Studierenden 2003/2004; Ausbildung zum Archivar am Institut für Österreichische Geschichtsforschung und an der Fachhochschule Potsdam (Archiv, Bibliothekswesen, Dokumentation); Dissertation an der Universität Wien. Nach dem Studium neben zahlreichen Publikationen u. a. Tätigkeiten im Verlagswesen; Hospitant im Kriegsarchiv; im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und im Parlamentsarchiv sowie als Koordinator und Mitgestalter der Ausstellung "Liberale Politik in Österreich" (Parlament, 2006). Seit März 2007 Archivbeauftragter der Evangelischen Kirche A und HB sowie Archivar der Diözesen Niederösterreich und Salzburg-Tirol. Seit 2009 Geschäftsführer der Firma Archivtechnik&Systeme.

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