Bundesheer Bundesheer Hoheitszeichen

Instagram
flickr
YouTube
facebook-button
Bundesheer auf Twitter

Mission beendet - Gerät zurück

Von November 2009 bis November 2010 führte das Panzerstabsbataillon 4, der Logistikverband der 4. Panzergrenadierbrigade, erstmals die komplette Rückorganisation der Tschad-Mission MINURCAT (United Nations Mission in Central African Republic and Chad) durch.

Dreimal wurde das Panzerstabsbataillon 4 bereits federführend für die logistische Unterstützung von Aufmärschen bei Auslandsmissionen eingesetzt:

  • Erstmals 2004 für die Zusammenstellung des Gerätes für die Wach- und Sicherungskompanie AUTCON "Althea" bei EUFOR, die von Wels (Oberösterreich) nach Bosnien und Herzegowina ins bis zu diesem Zeitpunkt amerikanische Camp "Eagle-Base" nahe der bosnischen Stadt Tuzla verlegte.
  • Das zweite Mal 2005 im Zuge der Aufstockung der Verstärkungskräfte ORF (Operational Response Force) bei AUTCON/KFOR im österreichischen Camp "Casablanca" in Suva Reka. Dabei hatte das Bataillon für die Zusammenstellung des Gerätes und den Antransport von Jagdpanzern "Kürassier" im Eisenbahntransport von Wels nach Grlica zu sorgen.
  • Das dritte Mal 2007 im Zuge einer Aufstockung der ORF-Kräfte im österreichischen Camp "Casablanca" im Kosovo für den Antransport von gepanzertem Gerät "Pandur" für die Ausrüstung einer Infanteriekompanie verstärkt mit Transport- und Instandsetzungselementen im Eisenbahntransport von Hörsching nach Grlica.

Auftrag

Für die Rückorganisation der Tschad-Mission hatte das Panzerstabsbataillon 4 folgende Aufgaben:

  • Übernahme aller Versorgungsgüter (vom Notebook bis zum Allschutzfahrzeug "Dingo") in der Gütersammelbasis/Inland auf dem Fliegerhorst Vogler in Hörsching;Zustandskontrolle des Einsatzgerätes;
  • Feststellen von Schäden;
  • Materialverwaltung inklusive einer Inventur;
  • Materialerhaltungsmaßnahmen wie Herstellung der Fahrbereitschaft durch Nachrüsten der Starterbatterien, Auffüllen der erforderlichen Öle und Betriebsmittel, Reinigung der Fahrzeuge nach veterinärdienstlichen Vorgaben;
  • Weitergabe des Gerätes an Folgenutzer.

Diese Aufgaben zogen ein hohes Maß an Koordinierung und Nutzung von speziellem Material und Personal nach sich. Alleine für die Manipulation des Gerätes inklusive der Container mussten militärische Kräne und Stapler aus dem gesamten Bundesgebiet sowie angemietetes Gerät aus der Privatwirtschaft genutzt werden.

Zeitlicher Ablauf

Mit Ende September 2009 erhielt das Panzerstabsbataillon 4 das Aviso zur Durchführung der Reorganisation der Tschad-Mission. Mit Ende Oktober 2009 erfolgte der erste schriftliche Befehl mit anschließenden ersten Absprachen bezüglich der erforderlichen Maßnahmen seitens des Panzerstabsbataillons 4. Diese beinhalteten in erster Linie
  • die Zuordnung der erforderlichen Infrastruktur,
  • den geplanten Personaleinsatz,
  • den Gerätebedarf,
  • das Kennenlernen der Ansprechpersonen im Einsatzraum sowie der verantwortlichen vorgesetzten Kommanden sowie
  • die speziellen Erfordernisse für die Einfuhr von Gerät aus dem Ausland.

Die Rückführung der ersten Tranche begann Ende November 2009 mit der Übernahme von medizinischem Gerät (und Medikamenten) aus dem Einsatzraum.

In weiterer Folge wurden von November bis Dezember 2009 sieben Flüge mit dem österreichischen Transportflugzeug C-130 "Hercules" durchgeführt. So kamen auf dem Luftweg 30 Tonnen an Waffen, Munition, Fernmeldegerät sowie sensiblem Spezialgerät nach Hörsching, die dort gelagert und überprüft werden konnten. Erst Ende Februar 2010 erfolgte die Anlieferung der zweiten Tranche des Gerätes aus dem Einsatzraum.

Diese kam auf dem Seeweg über Douala/Kamerun nach Dakar, weiter nach Triest und dann nach Hörsching. 70 Container unterschiedlichster Bauart und Beladung, sowie 60 verschiedene Fahrzeugtypen wurden dann von Triest bis zum Fliegerhorst Vogler vor die Halle 54 transportiert und entladen. Insgesamt wurden rund 800 Tonnen durch eine von den Vereinten Nationen (VN) beauftragte Spedition/Reederei transportiert, wobei innerhalb von sechs Tagen der Transfer von Triest nach Hörsching abgeschlossen und täglich bis zu zwölf Sattelzüge entladen werden mussten.

Die Übergabe der Geräte an die Folgenutzer nach Disposition durch das Streitkräfteführungskommando konnte mit November 2010 abgeschlossen werden.

Eingesetzte Mittel/Ressourcen

Nachdem die Rückorganisation von Gerät einer Auslandsmission kein alltägliches Unterfangen ist, wurde auf eine gediegene Vorbereitung besonderer Wert gelegt, um nicht von einer Überraschung zur nächsten zu stolpern. Eine Freigabe zu Direktabsprachen mit allen erforderlichen vorgesetzten Dienststellen war dabei unabdingbar, um ein klares Lagebild und eine rasche Abarbeitung der Aufträge sicherzustellen. Das Motto lautete: "T E A M" (Totaler Einsatz Aller Mittel). So wurden in der Zeit der Anlieferungen bis zu 40 Personen eingesetzt, damit der notwendige Manipulationsraum möglichst rasch wieder frei werden konnte.

Eingesetzt wurden Feldzeug- und Mechanikerpersonal, Pionierfachkräfte, Containerpacker, die auch im Einsatzraum tätig waren, sowie Zollfachorgane, eine Veterinärärztin sowie Fachpersonal aus der 4. Panzergrenadierbrigade und dem Pionierbataillon 3, technisches Fachpersonal des Amtes für Rüstung und Wehrtechnik sowie auch kurzfristig beantragtes Personal anderer Dienststellen des Bundesheeres.

Die Infrastruktur in Hörsching wurde wie folgt genutzt:

  • Ca. 200 m2 für sensibles Gerät, Waffen, IKT-Gerät, Verschluss-Sachen, (klimatisiert und den Bestimmungen für Waffenkammern und Verschluss-Sachen entsprechend);
  • Ca. 3 000 m2 als Abstellfläche für Fahrzeuge, teilweise eingezäunt;
  • Ca. 600 m2 beheizte Garagen für Spezialfahrzeuge (Puch G "Sandviper");
  • Ca. 2 500 m2 als Manipulationsraum für das Zusammenführen der einzelnen Ausrüstungssätze und für Inventuren;
  • Ein Container als Aufenthaltsraum bzw. ein Container als Büroraum;
  • Ca. 4 000 m2 als Manipulationsraum und Abstellfläche für die sonstigen Container;
  • Zwei Waschplätze, einer davon wintertauglich.

Abarbeitung von Lieferungen

Im Beisein von Zollorganen und eines Veterinärs begann der Rücknahmeablauf mit der papiermäßigen Übernahme des Versorgungsgutes von der Spedition. Hier wurde die Richtigkeit der Lieferung bzw. die Möglichkeit der Einschleppung von gefährlichen Krankheiten, Tieren oder andere hygienische Bedenken festgestellt. Danach erfolgte die Entladung und Sichtprüfung sowie - soweit möglich - eine Funktionsprobe (Fahrzeuge und Container wurden zusätzlich auf Transportschäden überprüft), die teilweise durch zivile Firmen bzw. bei militärischen Prüfstellen durchgeführt wurde.

Die Prüfung der Fahrzeuge erfolgte auf dem Fliegerhorst Vogler nach einer Grob- und Feinreinigung in zwei Teilen:

  • einer Sichtprüfung durch Personal der letzten Rotation des Kontingentes MINURCAT, sowie
  • einer technischen Überprüfung nach dem Kraftfahrgesetz durch das Amt für Wehrtechnik.

Für jedes Fahrzeug wurde eine Dokumentationsmappe angelegt. Im Anschluss wurden alle Bestände zusammengefasst und eine Inventur durchgeführt. Nach Abschluss der Inventur bekam das Streitkräfteführungskommando die Meldung, dass das Versorgungsgut zur Disposition bereitsteht und an den Folgenutzer übergeben werden kann.

Auf einen Blick

Die Rückorganisation der Mission MINURCAT wurde am 25. November 2010 (Übergabe der Bestandslisten an die Auslandseinsatzbasis Götzendorf) abgeschlossen. Mit der Zuordnung dieses Auftrages, der Rückorganisation der Tschad-Mission, konnte die hohe Logistik-Kompetenz des Panzerstabsbataillons 4 unter Beweis gestellt werden, da dieser Auftrag nicht zu den ursächlichen Aufgaben eines Panzerstabsbataillons einer mechanisierten Brigade zählt. Das Panzerstabsbataillon 4 bewies bei dieser Aufgabe Flexibilität, Effektivität und Organisationsvermögen. Frei nach dem Motto: "Yes we can!"

Autor: Major Heinz Kreuzer, Jahrgang 1971. 1991 bis 1994 Theresianische Militärakademie Jahrgang "Kinsky", Waffengattung Fliegerabwehr; Ausmusterung zum Panzerstabsbataillon 4, 1994 bis 1995 Zugskommandant und stellvertretender Batteriekommandant/Fliegerabwehrbatterie, 1995 bis 2001 Batteriekommandant der leichten Fliegerabwehrlenkwaffenbatterie gepanzert, 2001 bis 2005 Kommandant der Stabskompanie, 2005 bis 2008 Wirtschaftsoffizier und Kosten- und Leistungsrechner, seit 2008 S4 des Panzerstabsbataillons 4. Auslandseinsätze: 2002 bis 2003 als Kommandant der Stabskompanie bei AUTCON7/KFOR.

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
Impressum | Kontakt | Datenschutz | Barrierefreiheit