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"Ulan" - Der neue Schützenpanzer des Österreichischen Bundesheeres

Die Modernisierung der Ausrüstung des Bundesheeres ist überfällig und in Fachkreisen unbestritten. Das Problem liegt jedoch in der unzureichenden Gewährung der finanziellen Mittel: Lediglich die dringendsten Beschaffungen können so getätigt werden. Die veralteten Saurer-Schützenpanzer wurden nun ersetzt, nachdem in den letzten Jahren bei Kampfpanzern, Jagdpanzern und Panzerhaubitzen entsprechende Käufe oder Nachrüstungen erfolgten.

Die Entwicklung

Obwohl TRUPPENDIENST schon mehrfach über die verschiedenen Entwicklungsstufen berichtet hat, soll hier eine kurze Zusammenfassung geboten werden: der Werdegang des nunmehrigen "Ulan" in geraffter Form. Die umfangreichen Innovationen bei der Elektronik bleiben einem kommenden Artikel vorbehalten.

Die ursprüngliche Steyr-Daimler-Puch AG, nunmehr Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug AG & Co. KG, hatte sich bereits ab 1982 mit der Entwicklung eines neuen Schützenpanzers befasst. Es folgten Kontakte mit den Streit­­kräften Griechenlands, Norwegens und der Schweiz, um die Anforderungen an ein derartiges Fahrzeug festzulegen. Den endgültigen Anstoß gab dann das 1985 vom Bundesheer erstellte militärische Pflichtenheft über den Kampfschützenpanzer 90 (KSPz 90). Aufbauend darauf wurde das technische Konzept des KSPz 90 erstellt; der Bericht darüber ist in TRUPPENDIENST, Heft 5/1988, Seite 542 ff. nachzulesen. Zwei­erlei war jedoch bald klar: Eine öster­reichische Bestellung würde in absehbarer Zeit nicht erfolgen, und die Ent­wicklungskosten lägen über den finanziellen Möglichkeiten der Firma.

Die Folge war ein 1988 unterzeichneter Kooperationsvertrag mit der spa­ni­­schen Firma Empresa National Santa Barbara S. A., worauf die weitere Entwicklung unter der Bezeichnung ASCOD (Austrian Spa­nish Cooperative Develop­ment) lief.

Die Arbeiten zum Bau des ersten Prototyps schritten nunmehr zügig voran. Die Wanne wurde in Spanien gefertigt, der Turm in Österreich, als Weiterentwicklung des SP 3-Turmes, der bereits auf der Aufklärungsversion des "Pandur" Verwendung gefunden hatte. Der erste Prototyp wurde 1991 in Sevilla vorgeführt.

Die technischen Daten befinden sich in der Beschreibung der einzelnen Baugruppen.

Die Tabelle zeigt, dass laufend technische Änderungen auf Wunsch der beteiligten Staaten vorgenommen wurden. Die Folge war, wie bei nahezu allen Panzerfahrzeugen: Die Gefechtsmasse stieg an - von den ursprünglichen 18,8 t über 25,2 t auf nunmehr 29,0 t.

Interessant für den weiteren Werdegang des "Ulan" ist vor allem die Erprobung des ersten Prototyps in Norwegen 1993/94. Ihr Ergebnis floss in die öster­reichisch-spanische Entwicklung ein. Norwegen entschied sich, nicht zuletzt aufgrund seiner politischen Bindungen, schließlich für den schwedischen FV 9030 (siehe auch TRUPPENDIENST, Heft 2/1995, Seite 147 ff.). Der auf­grund der in Norwegen gewonnenen Erkenntnisse gebaute dritte Prototyp entsprach dann im Wesentlichen der für Kunden endgültig als ASCOD angebotenen Version.

Nach Erprobungen in den folgenden Jahren in Österreich und Spanien entschloss sich Spanien schon 1994 zur Bestellung von vier Vorserienexemplaren zur weiteren Erprobung. Im Jahr 1996 erteilte Spanien den Auftrag zur Lieferung eines ersten Bauloses von 144 Fahrzeugen unter der Bezeichnung "Pizarro". Das derzeitige Programm umfasst 463 Fahrzeuge, die bis 2010 ausgeliefert werden sollen. Insgesamt wird für die spanischen Streitkräfte vom Hersteller ein Bedarf von 900 Stück, allerdings in verschiedenen Versionen, erwartet.

In Österreich dauerte es aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel bis Mai 1999, ehe der Auftrag über 112 der nunmehr als "Ulan" bezeichneten Fahrzeuge erteilt wurde. Vier Vorserienfahrzeuge gingen im April 2001 zur Typprüfung an das Bundesheer. Die offizielle Übergabe erfolgte im Mai 2001. Für 2002 war die Fertigung von 28 Fahrzeugen vorgesehen, 36 sollen heuer und der Rest dann 2004 folgen.

Abweichend von den ersten Prototypen, wird der "Ulan", abgesehen von verschiedenen Einbauteilen, nunmehr komplett in Österreich hergestellt. Der Zuschnitt der einzelnen Platten der Panzerung erfolgt mit einer CNC-Laserschneidmaschine (von Computerized Numeric Control - die Arbeitsparameter der Maschine werden digital über ein Terminal eingegeben). Die fertig geschweißte Wanne wird dann in einem Bohrwerk in Liezen mechanisch bearbeitet. Die Vor- und Endmontage der Kompletteinheiten erfolgt in Wien, wobei nach modernen arbeitstechnischen Gesichtspunkten vorgegangen wird; die früher übliche Bandmontage wurde auf eine Einzelplatzmontage umgestellt.

Technische Beschreibung des "Ulan"

Wanne

Bereits in den früheren Beschreibungen (KSPz 90, ASCOD) wurde immer wieder auf die hervorragende Formgebung, insbesondere des Fahrzeugbugs, hingewiesen. Überdies wurde von vorn­­­­herein die Option einer Zusatzpanzerung für den Bug und die Turmfront angeboten. Diese Zusatzpanze­rung wurde auch vom Bundesheer bestellt. Mit ihr ergibt sich eine Beschuss­sicherheit gegen 30-mm-Pfeilgeschosse auf Entfernungen ab 1 000 m in einem Winkelbereich von +/-15° zur Fahr­zeugachse. Der Rest der Wanne bietet Schutz gegen 14,5-mm-Geschosse ab einer Entfernung von 500 m und gegen Granatsplitter. Zusätzlich wird dieser Schutz noch durch Spall-Liner (Kunst­stoffmatten, um die Besatzung gegen die sekundäre Trefferwirkung zu schützen, z. B. Geschossteile, die die Wanne durchschlagen) verbessert. Gegen die Wirkung von Panzerminen sind die Sitze der Grenadiergruppe von acht Mann an der Wannenseite befestigt und am Wan­n­en­dach aufgehängt. Die Pan­zer­­besatzung selbst besteht aus dem Fahrer, der links neben dem Triebwerksraum sitzt, sowie dem Panzerkomman­danten und seinem Richtschützen, der sich im Turm befindet.

Beim spanischen "Pizarro" wurden auch bereits Versuche mit Reaktivpanzerung an der Wannen- und Turmfront durchgeführt.

Zwei weitere Änderungen fallen schon rein äußerlich auf: Während beim Kampfschützenpanzer 90 noch schräge Seitenwände mit zwei seitlichen Schießluken vorgesehen waren, sind die Seitenwände ab dem ASCOD senkrecht und ohne Schießluken ausgebildet. Ins Auge fallen überdies die beiden an der Rückwand angebrachten Behälter (Staukasten rechts und Zusatztank links).

Im Wannendach sind drei Luken, im Heck ist eine große seitlich angeschlagene Tür vorgesehen, welche ein rasches Auf- und Absitzen der Grenadiergruppe von acht Mann ermöglicht. Bei dem in Norwegen erprobten ersten Prototyp war ursprünglich eine Heckrampe anstelle der Tür eingebaut.

Antriebsanlage

Das Triebwerk ist wartungsfreundlich rechts im Fahrzeugbug untergebracht: Ein hydraulisch bewegter Triebwerksraumdeckel erleichtert Reparaturen bzw. den Motortausch.

Die größten Unterschiede im Vergleich zum KSPz 90 sind beim Motor zu verzeichnen, bedingt vor allem durch das Anwachsen der Gefechtsmasse. Beim KSPz 90 war noch der Steyr WD 618.79, ein Sechszylinder-Reihen-Dieselmotor mit Direkteinspritzung, Aufladung und Ladeluftkühlung eingebaut. Er leistete 330 kW und lieferte ein maximales Drehmoment von 1 600 Nm. Dies ergab ein Leistungs-/Masseverhältnis von 17,6 kW/t.

Der Motor des ASCOD erbrachte eine Leistung von 441 kW und ein Drehmoment von 2 200 Nm für 17,5 kW/t.

Beim "Ulan" wird nunmehr der MTU 8V-199-TE20-Motor verwendet. Er leistet 530 kW und liefert ein Drehmoment von 2 700 Nm. Damit ergibt sich ein Leistungs-/Masseverhältnis von nicht weniger als 18,08 kW/t. Dazu weist er ein vollelektronisches Motor- und Getriebemanagement auf.

Relativ gering sind die Unterschiede beim Getriebe, das mit dem Motor verblockt ist, sie liegen in der zu übertragenden Motorleistung. War es beim KSPz 90 das von der Firma Renk gelieferte Modell HSWL 106, so ist es nunmehr das Modell HSWL 106C3. Beide sind vollautomatische, hydromechanische, kombinierte Schalt-, Wende- und Lenkgetriebe mit Drehmomentwandler, Überbrückungskupplung und integriertem Zweikreisbremssystem und Retarder. Das Schaltgetriebe weist sechs Vorwärts- und vier Rückwärtsgänge auf, gelenkt wird über das hydrostatische Überlagerungslenkgetriebe.

Laufwerk

Hier gab es große Fortschritte: Von fünf Laufrollen mit drei Stützrollen über die sechs Laufrollen bei den ersten bei­den Prototypen verfügt der dritte Prototyp nunmehr über sieben Laufrollen mit drei Stützrollen. Dadurch ergab sich trotz deutlich höherer Fahrzeugmasse eine bessere Druckverteilung auf den Boden.

Die Laufrollen sind an drehstabgefederten Schwingarmen gelagert. Änderungen ergaben sich auch bei den Stoßdämpfern: Waren beim Kampfschützenpanzer 90 noch Kolbenstoßdämpfer für die 1. und 5. Laufrolle vorgesehen, sind es nun Rotationsstoßdämpfer für die 1. und 6. Rolle. Diese ermöglichen in Verbindung mit hydraulischen Endanschlägen einen Einfederweg von 250 mm. Damit erreicht der "Ulan" ein ausgezeichnetes Geländefahrverhalten.

Auch die Kette wurde geändert: Ursprünglich war es eine Diehl-Kette, Modell 224A1, mit einer Breite von 380 mm und einer Teilung von 145,5 mm. Das führte zu einem mittleren Bodendruck von 69 kPa. Nun kommt die Diehl 129C3 mit einer Breite von 500 mm und einer Teilung von 152,4 mm zum Einsatz.

Mit ihr ergibt sich mit 71 kPa ein annähernd gleicher Bodendruck. Bei beiden Ketten handelt es sich um Endverbinderketten mit gummigelagerten Kettenbol­zen und zwei auswechselbaren Gummipolstern je Glied.

Während aber bei der alten Kette die Zähne des vorne liegenden Triebrades an den Endverbindern angriffen, tun sie das nunmehr direkt am Körper der Glieder. Dadurch ergibt sich eine geringere Ab­nützung bei gleichzeitig verringerter Kettenmasse.

Das Leitrad mit seiner Kettenspannvorrichtung liegt im Heck. Auch hier hat der "Ulan" eine Besonderheit vorzuweisen: Der Panzerfahrer kann die Kette während der Fahrt hydraulisch spannen und auch wieder entspannen. So werden Geländeabschnitte sicherer befahrbar, in denen der Panzer ansonst stecken bleiben oder die Kette werfen könnte.

Elektrische Anlage

Das Bordnetz arbeitet mit 24 Volt Gleichstrom. Vier der Batterien mit einer Gesamtkapazität von 400 Amperestunden sind für den Turm, vier weitere für die Wanne vorgesehen.

Bei tiefen Temperaturen können aber wahlweise alle acht Batterien zum Starten zusammengeschaltet werden. Gespeist wird die Anlage durch eine Dreiphasenlichtmaschine, die bei einer Spannung von 28 Volt 240 Ampere liefert.

Elektronische Anlage

In der Wanne ist ein CAN (Control Area Network)-BUS-System eingebaut. Dieses überwacht und steuert teilweise die Geräte in der Wanne. Defekte werden dem Fahrer auf einem LCD-Schirm angezeigt.

Ziel- und Beobachtungseinrichtungen

Für den Fahrer steht ein zentraler Winkelspiegel im Fahrerlukendeckel zur Verfügung, der gegen ein passives Nachtsichtgerät AN-VVS2 (Standardgerät des ÖBH) ausgetauscht werden kann. Weitere sieben Winkelspiegel befinden sich in der Kuppel des Gruppenkommandanten. Dazu kommen noch einer für den hinter dem Fahrer sitzenden Grenadier und einer in der Hecktüre oberhalb der Sturmgewehr-Kugelblende.

Weitere technische Anlagen

Die ABC-Schutzanlage mit einem zentralen Filter arbeitet mit Überdruck im Fahrzeuginneren und ist mit einer Ventilationsanlage kombiniert. Ausgelöst wird die Feuerwarn- und Löschanlage automatisch bei einem Feuer im Triebwerksraum (befüllt mit dem Halon-Nachfolger Deugen), die Brandunterdrückungsanlage bei einem Feuer im Kampf- oder Mannschaftsraum (befüllt mit Halon).

Der Fahrer-, Kampf- und Mannschaftsraum werden über ein eingebautes Heizgerät oder durch die Kühlflüssigkeit des Motors geheizt.

In der Wanne befindet sich auch die zentrale hydraulische Anlage. Sie versorgt die Kettenspannzylinder und die Betätigungszylinder vom Triebwerksraumdeckel und der Hecktüre.

Das Kommunikationssystem Vehicle Intercom 3 (VIC 3-0) ermöglicht allen Soldaten eine Teilnahme an der Kommunikation - die Grenadiere können aber nur mithören.

Turm

Bewaffnung
Die Bewaffnung hat sich seit dem ersten Entwurf kaum geändert. Der exzentrisch hinter dem Triebwerksraum gelagerte Zweimann-Turm trägt als Hauptwaffe nunmehr die 30-mm-Maschi­nen­kanone Mauser Mk 30-2 (ursprünglich Modell F), die auch zum Verschießen der extrem leistungsfähigen Stahlhülsenmunition geeignet ist. Die Waffe besitzt eine Doppelgurtzuführung für die Munition 30 mm x 173. So kann jederzeit zwischen KE (Kinetische Energie) und MZ (Mehrzweckmunition) umgeschaltet werden, wobei letztere auf eine Entfernung von 1 000 m Panzerungen von 90 mm Stärke durchschlagen kann. Die Feuergeschwindigkeit beträgt bis zu 770 Schuss/min. Der Munitionsvorrat im Turm liegt bei 200 Schuss, in der Wanne können bis zu 205 weitere Schuss mitgeführt werden.

Als Sekundärwaffe ist ein koaxiales 7,62-mm-Maschinengewehr FN MAG vorgesehen. Der Munitionsvorrat an der Waffe beträgt 600 Schuss im Turm, weitere MG-Munition ist in der Wanne untergebracht (bis zu 1 290 Schuss).

Der Höhenrichtbereich der Waffen reicht von -10 bis +50°. Damit ist auch der Einsatz gegen Luftziele, insbesondere gegen Hubschrauber, möglich.

Die Waffensteuerung und Überwachung erfolgt über das CAN-BUS-System der Turm- und Waffenkontrolle. Die Funktion der Anlage und etwaige Fehler werden auf einem LCD-Display im Turm angezeigt.

Der SPz verfügt auch über eine 76-mm-Mehrfachwurfanlage der Fa. Wegmann, mit der nicht nur Nebel- sondern auch Sprengmunition (Reichweite ca. 50 m, Splitterwirkung gegen weiche Ziele) verschossen werden kann. Waren es beim Kampfschützenpanzer 90 noch je drei Rohre an den Turmseitenwänden, sind es seit dem ASCOD je sechs.

Richt- und Stabilisierungsanlage
Bei der Waffenrichtanlage ist man von der ursprünglich vorgesehenen elektrohydraulischen zu einer elektromechanischen übergegangen. Ohne Hydraulikflüssigkeit ist die Brandgefahr jetzt geringer - die Richtgenauigkeit und Richtgeschwindigkeit hingegen höher.

Die Zweiachs-Stabilisierungsanlage führt primär die Hauptwaffe. Sie verfügt über eine Kreiseleinheit mit einem Lichtfaserkreisel. Überwacht und gesteuert wird auch hier über den CAN-BUS der Turm- und Waffenkontrolle. Der Richtschütze verfügt über einen Doppelrichtgriff, der Kommandant über einen Kommandantenrichtgriff wobei beide Richtgriffe über idente Bedie­nungselemente verfügen. Im Notfall können der Turm und die Waffe auch manuell bewegt werden.

Feuerleitanlage
Die digitale Feuerleitanlage ist teilweise baugleich mit der des Jagdpanzers "Kürassier" A2. Novum beim "Ulan" ist das Zielfolgesystem, das die Arbeit des Richtschützen wesentlich erleichtert. Die Kommunikation mit der Richt- und Stabilisierungsanlage und der Waffensteuerung erfolgt ebenfalls über den CAN-BUS der Turm- und Waffenkontrolle.

Ziel- und Beobachtungseinrichtungen
Dem Richtschützen steht eine Hauptzieleinrichtung der Firma ELBIT mit einem Tagkanal (8fache Vergrößerung), einem Beobachtungsfenster und einem integrierten Wärmebildgerät (2,8- oder 8,4fache Vergrößerung) zur Verfügung. Letzteres besitzt einen Monitor für den Richtschützen und einen für den Kommandanten. Die Hauptzieleinrichtung wird der Waffe elektronisch nachge­führt. Zusätzlich ist neben der Hauptzieleinrichtung ein Winkelspiegel eingebaut. Für den Kommandanten ist eine Kommandantenzieleinrichtung mit einem Tagkanal (8fache Vergrößerung), einem Beobachtungsfenster und einer eingeblendeten Zielmarke vorgesehen. Die Kommandantenzieleinrichtung wird der Waffe mechanisch nachgeführt. Rund um die Kommandantenluke sind fünf Winkelspiegel eingebaut.

Insgesamt wurde durch die Kombination der beschriebenen Anlagen und Einrichtungen und durch das leistungsfähige Laufwerk ein Schießen aus der Bewegung auf stehende und fahrende Ziele mit hoher Treffwahrscheinlichkeit ermöglicht.

Zusammenfassung

Das Österreichische Bundesheer erhält mit dem "Ulan" das derzeit wohl modernste Kampffahrzeug für seine Panzergrenadiere. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist, dass das Fahrzeug einen österreichischen Wertschöpfungsanteil von etwa 50 Prozent aufweist. Lediglich Bauteile, deren Eigenentwicklung aufgrund der geringen Stückzahl zu einer übermäßigen Kostensteigerung geführt hätte, werden aus dem Ausland bezogen.

Die Firma hat schon vom Beginn der Entwicklung an eine ganze Panzerfamilie ins Auge gefasst. An erster Stelle steht hier natürlich ein leichter Kampfpanzer. Auf dem Fahrgestell des ASCOD wurden bereits drei verschiedene Türme mit 105-mm-Panzerkanonen erprobt. In diese Richtung geht man auch in anderen Ländern. Schon vor Jahren hat man in den Vereinigten Staaten an derartigen leichten Panzerfahr­zeugen gearbeitet. Besonders für frie­dens­er­haltende Missionen haben sich normale Kampfpanzer als zu schwer erwiesen. Sie wären vor allem für den schnellen Lufttransport, aber auch für das Wegenetz solcher Länder nicht geeignet gewesen. Dazu kommt, dass derartige Kampfpanzer aufgrund der zu erwartenden feindlichen Gegenwirkung einen "Overkill" darstellen, also eine Kampfkraft aufweisen, die weit über die jeweiligen Erfordernisse hinausgeht. Eine Darstellung der drei erprobten Fahrzeuge, welche mit den 105-mm-Panzerkanonen ausgerüstet sind, bleibt einem gesonderten Beitrag vorbehalten.


Autor: Dipl.-Ing. Franz Kosar, Jahrgang 1931. Studium der Fachrichtung Maschinenbau an der Technischen Universität in Wien, Diplomprüfung 1954. Anschließend als Konstrukteur in der Industrie und ab 1956 im In- und Ausland als Sachverständiger beschäftigt. Seit 1962 freier Mitarbeiter der Redaktion TRUPPENDIENST, Mitverfasser zahlreicher Fachpublikationen (z. B. TRUPPENDIENST-Taschenbücher, Jane’s usw.) sowie Verfasser von mehreren Büchern (Fachgebiet Artillerie) und zahlreichen Beiträgen für militärische Zeitschriften in sieben Ländern.

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