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Die Uniformen des Bundes­heeres der Zweiten Republik

Uniform M 56, Kampfanzug M 57, Drillich M 59, Anzug 65

Was tragen österreichische Soldaten im täglichen Dienst und im Einsatz? Natürlich praktische, pflegeleichte, strapazfähige und relativ modern geschnittene Uniformen. Doch das war nicht immer so. Dies zeigt ein Blick auf die Uniformen, die in den Anfangsjahren des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik getragen wurden.

Am 15. Oktober 1956 rückte der erste gemusterte Jahrgang (1937) des Öster­reichischen Bundesheeres der Zweiten Republik ein. Für ihn galt die erste (vorläufige) Anzugsordnung für das Bun­desheer vom 10. Oktober 1956, die folgende Anzugsarten vorsah:

  • Ausgangsanzug;
  • Paradeanzug;
  • Übungsanzug;
  • Dienstanzug;
  • Sportanzug;
  • Kampfanzug.

"Die Uniform kennzeichnet den Soldaten als Verteidiger von Volk und Vaterland. Er hat seiner äußeren Erscheinung jene Sorgfalt zu widmen, die das Ansehen der Republik Österreich erfordert." Das verlangte die Adjus­tie­rungs­ord­nung vom 3. Juni 1959, in der be­reits folgende Anzugsarten festgelegt waren:

  • Feldanzug;
  • Dienstanzug;
  • Wachanzug;
  • Meldeanzug;
  • Ausgangsanzug;
  • Gesellschaftsanzug für Offiziere;
  • Sportanzug;
  • Arbeitsanzug;
  • Paradeanzug für das Gardebataillon;
  • Flugdienstanzug.

Die Besonderheiten für die Hochgebirgstruppe, Panzertruppe und Luftstreitkräfte waren in mehreren Beilagen geregelt.

Mit der Einführung neuer Uniformen erfolgte am 1. Juli 1965 eine Änderung der Adjustierungsverordnung. Nun gab es folgende Anzugsarten:

  • Kampfanzug;
  • Feldanzug (Wachanzug);
  • großer Dienstanzug (Meldeanzug D);
  • kleiner Dienstanzug;
  • Ausgangsanzug (Meldeanzug A);
  • Gesellschaftsanzug;
  • Sportanzug;
  • Arbeitsanzug;
  • Paradeanzug für das Gardebataillon;
  • Flugdienstanzug.

Doch diese Anzugsarten sagen nur wenig über die "äußere Erscheinung" der Soldaten in den Anfangsjahren des Bun­desheeres der Zweiten Republik aus. Dazu muss man sich mit den da­mals eingeführten Uniformen genauer befassen:

Die Uniform M 56

Die Uniform M 56 wurde im Jahre 1956 als erste Uniform des Österreichi­schen Bundesheeres der Zweiten Republik eingeführt und zunächst bei allen Anlässen getragen. Der Tuchrock M 56 bestand aus feldgrauem Tuch (die als "Feldgrau" bezeichnete Farbe ist eher ein dunkles Graugrün). Sie verfügte über einen Fassonkragen mit Dienst­gradabzeichen, über aufgesteppte Brust- und Seitentaschen mit Falten und gezackten Patten sowie über vier graue Knöpfe. Auf beiden Schultern befanden sich Schulterklappen ("Achselspan­gen", "Achselklappen") mit je einem grauen Knopf.

Die Tuchhose M 56 bestand aus ei­sen­grauem Hosenstoff mit feldgrauem Baumwollfutter. Offiziere durften statt der Tuchhose auch die Stiefelhose M 57 ("Breeches") tragen. Für Offiziere aller Waffengattungen gab es für den Ausgang die Kammgarnuniform M 56 (Som­meruniform). Unteroffiziere erhielten in weiterer Folge für den Ausgang die Halbkammgarnuniform M 59, Chargen und Wehrmänner - mit Ausnahme der Panzertruppe - die Streich­garnuniform M 59.

Gleichzeitig wurde auch die Schulterspange auf der linken Schulter des Rockes eingeführt. Die alten, beidseitigen Schulterklappen entfielen damit auf diesem Kleidungsstück. Im Dienst - für Chargen und Wehrmänner auch zum Ausgang - war zur Uniform das feldgraue Uniformhemd M 56 zu tragen. Offiziere durften generell (außer beim Gefechtsdienst) hellgraue Hemden tragen, Unteroffiziere hingegen nur zum Ausgang. Im April 1957 wurde verfügt, dass Offiziere bei allen Ausrückungen mit der Truppe das feldgraue Hemd ("Feldhemd") mit Schulterklappen und Brusttaschen zu tragen haben. Das neue hellgraue Hemd ohne Schulterklappen und Brusttaschen gehörte ab diesem Zeitpunkt nur mehr zum Ausgangsanzug. Für besondere Anlässe (Hochzeit, Begräbnis, Empfang ...) war ein weißes Hemd mit schwarzer Krawatte vorgeschrieben. Die schwarze Krawatte wurde im März 1957 durch eine graue ersetzt und diese 1959 wiederum durch eine silbergraue Seidenkrawatte. Das Tragen der Krawatte zum Uniformrock, sogar beim Gefechtsdienst (!), dürfte eine österreichische Eigenart gewesen sein. Für die kalte Jahreszeit wurde 1959 ein grauer Wollpullover ein­ge­führt; dieser war unter dem Uniformrock zu tragen (also nicht als oberstes Bekleidungsstück).

Eine österreichische Besonderheit stellte die Feldbinde dar. Sie wurde 1956 für Offiziere eingeführt und 1971 wieder abgeschafft. Die Feldbinde durfte nur bei repräsentativen Veranstaltungen über dem Uniformrock getragen werden.

Der Ledergürtel (Leibriemen) wurde zum Mantel immer getragen, zum Rock aber nur im Dienst. Der Ledergürtel für Offiziere war hellbraun mit zweidor­ni­ger Rollschnalle, der für alle anderen Soldaten schwarz mit eindorniger Rollschnalle. Zum Kammgarnrock und zum Trenchcoat gehörten hingegen Stoffgürtel, die am 1. Juli 1965 abgeschafft wurden.

Als Kopfbedeckung war die Feldkappe M 56 vorgeschrieben. Die Kappe aus feldgrauem Kappenstoff mit feldgrauem Futter bestand aus Kopfteil, Nackenschutz, Kappenschirm und Schweißleder.

Den ebenfalls feldgrauen Mantel M 56/M 57, zweireihig, mit offener Fasson und fünf Knopfpaaren, trug man bei entsprechender Witterung über dem Uniformrock. Für Offiziere wurde der Trenchcoat eingeführt. (Letzterer war gemäß Anzugsordnung 1977 bis zum 30. Juni 1978 auszutragen, erfreute sich aber noch Jahrzehnte später großer Beliebtheit.) Außerdem durften Offiziere auch den Gummimantel und einen im eigenen Besitz befindlichen grauen Le­dermantel tragen (Voraussetzung: der Schnitt musste dem Tuchmantel entsprechen). Das Tragen des Gummimantels wurde 1959 auch Unteroffizieren und zeitverpflichteten Soldaten gestattet.

Für den täglichen Dienst gab es die schwarzen Strapazschuhe M 56 ("Ne­gerpatscherln"), für den Ausgang durften schwarze Halbschuhe getragen werden. Den Hosenabschluss zu den Stra­pazschuhen bildeten Hosengamaschen ("Flohdackerln") aus Segeltuch. Für den Gefechtsdienst wurden die Bergschuhe ("Berghammerln") mit halbhohem Schaft M 59 eingeführt. Offiziere trugen zur Reithose Reitstiefel. Zur Berghose mussten allerdings Bergschuhe getragen werden.

Ein besonderes Problem - auch heute noch - ist es, den Soldaten mit seinem Namen anzusprechen. Zunächst wurde deshalb ein weißes Stoffband auf die Uniform genäht und auf dieses der Name geschrieben - meist mit der Hand. In weiterer Folge wurde ein offizielles Etui für Namensstreifen eingeführt, aufwändig ausgeführt, aber praktisch unbrauchbar: Die einzuschiebenden Namensstreifen waren zu klein und auch aufgrund der Plastikfolie kaum lesbar. Manche Verbände behalfen sich, indem sie mit Handprägemaschinen Namensstreifen herstellten und diese außen auf die Folie klebten.

Die Wollhandschuhe M 60 waren ebenfalls feldgrau, für feierliche Anlässe gab es sie auch aus weißer Wolle. Für den Gefechtsdienst bei extremer Kälte gab es den Wollfäustling mit Zeigefinger. Zum Mantel mussten von Offizieren und Unteroffizieren graue Raulederhandschuhe getragen werden.

Auch Wollsocken wurden eingeführt. Ihre Größe war an der Zahl der weißen Streifen ersichtlich. Für die kalte Jahreszeit gab es auch einen Kopfschutz. Dieser passte sogar unter den Helm und sollte vor allem die Ohren warm halten, diente aber aufgrund des noch fehlenden Schals oft auch als Halsschutz. 1957 wurde für spezielle Funktionen ein Übermantel eingeführt.

Bis 1957 wurden bei Paraden - ähnlich wie in der B-Gendarmerie - fall­weise noch Stahlhelme deutschen Musters getragen. Allerdings waren für die neue Wehrpflichtigenarmee zu wenig deutsche Stahlhelme vorhanden. Hingegen existierten 30 000 Stahl­hel­me M1 aus US-Beständen. Diese bildeten im Wesentlichen die Erstausstattung des Bundesheeres. Auch war der deutsche Stahlhelm politisch unerwünscht, galt doch dessen typische Form gleichsam als Inbegriff deutschen Soldatentums - und davon sollte sich das Bundesheer deutlich abgrenzen. Darüber hinaus erschien es vorteilhafter, den Sieger- als den Verliererhelm aufzuhaben.

Der Kampfanzug M 57 (Tarnanzug)

Spätestens nach dem Ungarn-Einsatz 1956 war klar, dass die Uniform M 56 für einen Einsatz denkbar ungeeignet war. 1957 wurde daher der Kampfanzug M 57 eingeführt. Aufgrund der hohen Kosten war aber vorerst nur das Tragen im Einsatzfall gemäß § 2a des Wehrgesetzes bzw. in weiterer Folge auch bei größeren Übungen oder auf besondere Weisung gestattet. Erst ab 1960 war es Besatzungen von Kleinfahrzeugen, deren Fahrzeuge nur mit einer Plane versehen waren, erlaubt, zum Schutz gegen Nässe und Kälte den Tarnanzug zu tragen, aber auch nur auf besonderen Befehl und unter der Voraussetzung, dass "die ununterbrochene Fahrzeit mehr als eine Stunde beträgt und nach dem Absitzen eine körperliche Beweglichkeit verlangt werden muss". Der Kampfanzug bestand aus dem Tarn­anzug ("Fleckerlteppich", "Fle­ckerl­pyjama") und der entsprechenden Rüstung.

Der Tarnanzug bestand aus der Tarnjacke und der Tarnhose. Die Tarnjacke verfügte über zwei aufgesetzte Brusttaschen und Hüfttaschen, eine Kapuze, sechs Lüftungsösen unter den Ärmelansätzen, eine Verbandspäckchentasche an der Innenseite unter den Brusttaschen und, ab dem Nachfolgemuster M 59, auch über Schulterklappen. Der individuellen Anpassung dienten Durch­züge bei Kapuze, Taille und Saum. Weiters befand sich neben der rechten Hüfttasche ein Durchgriff, der es ermöglichte, in die Hosentasche zu greifen. Die Tarnhose verfügte über eine Seitentasche mit Durchgriff, zwei Schen­keltaschen und Gürtelschlaufen. Knie- und Gesäßbereich waren verstärkt. Unter dem Tarnanzug wurde anfangs noch der Anzug 56 getragen. In der warmen Jahreszeit war es auch gestattet, nur das Feldhemd als oberstes Bekleidungsstück zur Tarnhose zu tragen. Auf Befehl konnte darunter auch der Trainingsanzug oder der Drillichanzug angezogen werden. Als Kälteschutz wurde 1958 ein abgesteppter Zwischenanzug eingeführt.

Dieser bestand aus Zwischenweste und Zwischenhose und war bei den Soldaten ziemlich unbeliebt, da er sehr unbequem war. Bei feierlichen Anlässen (Angelobung, Fahnenübergabe etc.) wurde anfangs auch zum Tarnanzug die Krawatte getragen. Ein Namensstreifen in einem Etui sollte die persönliche Anrede von Soldaten ermöglichen.

Der Drillichanzug M 59

Um bei der Ausbildung die Uniform M 56 und den Tarnanzug zu schonen, wurde 1958 der Drillichanzug ("Drillich") eingeführt. Dieser häufig getragene Anzug bestand aus Jacke, Hose und Kappe aus grauem Drillichstoff. Die Drillichjacke hatte zwei aufgesetzte Brusttaschen mit Patten und Schulterklappen. Bei den Knö­pfen handelte es sich um große graue Hosenknöpfe. Die Drillichhose mit zwei Vordertaschen und einer Schen­keltasche war zunächst nur mit Zugbändern versehen. Erst 1967 erhielt sie auch Knöpfe. Durch die Schlaufen der Drillichhose wurde je nach Dienstart der Hosengurt mit Klemmschnalle oder der Ledergürtel (siehe unten) gezogen.

Der Trainingsanzug M 57

Der graue Trainingsanzug 57 kam 1957 erstmals zur Truppe (mit Einführung des Feldanzuges wurde seine Farbe auf RAL 7013 - braungrau - geändert). Die Trainingsanzüge waren zu­nächst aus reiner Baumwolle, ab 1975 auch aus Helanca, das ist ein elastisches Kräuselgarn aus Polyamid. Darunter wurden das Unterleibchen und die Sport­hose ("Dynamo Moskau") getragen. Für nationale und internationale Wettkämpfe wurden eigene Dressen beschafft.

Mit dem Sport-Schuhwerk gab es besondere Probleme. Zunächst wurden billige schwarze Turnschuhe angekauft (die bei der Truppe den abwertenden Spitznamen "Semperitpatschen" erhielten), doch bald gestattete man den Soldaten das Tragen privater Turnschuhe. Für die Schwimmausbildung wurde die Badehose M 58 eingeführt.

Für den Sport in der kalten Jahreszeit gab es ab 1961 einen Kopfschützer, der bis heute mehrmals die Form gewechselt hat.

Die Leibwäsche

Die Unterwäsche bestand aus dem grauen Unterleibchen M 57 und der grauen Unterhose M 57. 1963 wurde ein Unterleibchen ohne Ärmel eingeführt. Mit Einführung des Feldanzuges 75 wurde die Farbe der Unterwäsche auf moosgrau geändert. Zu den Halbschuhen waren und sind schwarze Socken oder Stutzen, zu allen anderen Schuhen Wollsocken zu tragen. 1969 wurden als weiterer Kälteschutz Plüsch­socken eingeführt. Diese Socken verfügten über ein Wollfrotteefutter.

Aber auch in der Nacht ist der Soldat schließlich Soldat. Es gab auch ein (weißes) Nachthemd M 56 - war doch bis in die siebziger Jahre das Tragen von privaten Nachthemden oder Pyjamas verboten.

Die Rüstung

Bei der Aufstellung des Bundeshee­res standen zunächst nur jene Rüstungsge­gen­stände zu Verfügung, die von den Alliierten zurückgelassen worden waren. Im Wesentlichen handelte es sich um ameri­kanisches Gerät. Einige Verbände verfügten vereinzelt auch über Ausrüstungsgegenstände der französischen und britischen Armee. Besonders beim Ungarn-Einsatz 1956 fiel dies auf und machte eine entsprechende Kennzeichnung der öster­reichischen Soldaten erforderlich.

Die US-Rüstung
Der US-Feldgurt ("T-Gurt") bestand aus starkem Leinen mit einer Metallschließe in T-Form. Der Gurt hatte am oberen und unteren Rand Ösen, die eine Verstellung der Länge ermöglichten. Sie dienten auch zum Einhängen verschiedener Ausrüstungsgegenstände bzw. der Gurte des Traggerüstes. Der khakifarbene US-Spaten bestand aus dem Blatt und dem Holzstiel. Das Blatt war klappbar und mittels Verstellschra­u­be in drei Stellungen feststellbar. Die Spatentasche war aus Leinen und an den Rändern verstärkt. An der Rückseite waren Haken zum Befestigen am Feldgurt oder am Sturmgepäck angebracht.

Das "flache" US-Feldgeschirr aus Edelstahl bestand aus dem Unterteil mit klappbarem Stiel und dem zweigeteilten Oberteil. Dazu gehörte das dreiteilige US-Feldessbesteck. Die US-Feldflasche war aus Aluminium - ebenso der dazugehörige Trinkbecher. Ihr Stoffüberzug war aus starkem Leinen, hatte zwei Druckknöpfe und auf der Rückseite einen Haken zum Befestigen am Feldgurt oder Sturmgepäck.

Der Stahlhelm (der "Knitterfreie", "Stahlpepi") war feldgrau gestrichen. Das Sturmband war aus Leinen.

Die Rüstung M 57
Weil mit den amerikanischen Ausrüstungsgegenständen nicht das Auslangen gefunden werden konnte, ging man bald daran, eine österreichische Rüstung zu entwerfen und einzuführen. Da die meisten damit befassten Offiziere zuvor in der Wehrmacht gedient hatten, diente die deutsche Rüstung als Vorbild.

Zwei Aufschiebeschlaufen verbanden den Leibriemen mit den verschiedenen Ausrüstungsgegenständen. Sie hatten einen - später zwei - Halbringe, in die die Gegenstände mittels Haken bzw. Karabiner eingehängt wurden.

Das Traggerüst M 57 war wie der Leibriemen aus schwarzem Leder gefertigt. Es bestand aus dem Traghakenstück, den beiden Tragriemen mit je einem Hilfstragriemen und der mit Se­gelstoff überzogenen Filzunterlage der Tragriemen. Die Schnallhaken wurden entweder in die Halbringe der Patronentaschen oder in die der Aufschiebeschlaufen eingehängt, der Traghaken am Rücken hingegen in den Leibriemen.

Die kleinste Packtasche war der Brotsack. Er diente zur Aufnahme diverser Gegenstände des täglichen Bedarfes, wie Essgeschirr, Essbesteck, Butterdose, Waschzeug sowie weiterer Magazine für das Sturmgewehr 58 (StG 58). Der Brotsack bestand aus feldgrauem Baumwollsegeltuch, der Deckel war mit Tarnanzugstoff dubliert. Er hatte einen Traggriff und Ösen zum Einhängen eines eigens für den Brotsack vorgesehenen Traggurtes. Der Brotsack hatte innen eine Zwischenwand und an den schmalen Außenseiten je eine aufgenähte Patronentasche. Er konnte mittels zweier Karabiner am Traggerüst angehängt werden. Zwei Leibriemenschlaufen mit Knopflöchern dienten zum Einhängen im Leibriemen.

Die Wäsche und weitere zusätzliche Bekleidungsgegenstände wurden im Sturmgepäck, ab 1966 Kleinrucksack bzw. ab 1971 Rucksack 1 verpackt. Der Kleinrucksack bestand aus Leinen und hatte einen Deckel sowie ein Wäschefach. Spaten und Feldflasche wurden mit Öse und Schlaufen an den Seitenwänden befestigt. Der Deckel war aus Tarnanzugstoff. Der Kleinrucksack wurde mit zwei Karabinern am Traggerüst eingehängt.

Für all die Gegenstände, die nicht immer am Mann sein mussten, gab es eine Anzahl von Großrucksäcken und Trosssäcken. Der Großrucksack - ab 1971 als Rucksack 2 bezeichnet - war ebenfalls aus Segelleinen und konnte wie das Sturmgepäck am Traggerüst eingehängt werden. Der Großrucksack verfügte über zwei Außentaschen und mehrere Schlaufen, an die mittels Riemen (Mantelriemen) weitere Ausrüs­tungsgegenstände angehängt werden konnten. 1971 wurde eine verbesserte Version - der Rucksack 3 - eingeführt. Dieser hatte ein Verlängerungsstück als Schneeschutz, Spanngurte in Hüfthö­he - zur besseren Anpassung an den Träger - und eine größere Außentasche.

Der Trosssack ähnelte dem Seesack der Matrosen. Er war aus feldgrauem Segel­stoff gefertigt und bestand aus dem Sack mit ovalem Boden, der Ver­schlusskappe und dem Traggurt mit Griff.

Als persönlicher Schutz für den Soldaten wurde das Zeltblatt M 58 eingeführt. Dieses war als behelfsmäßiger Regenschutz sowie als Einmannzelt ebenso verwendbar wie als Teil eines größeren Zeltes - mit bis zu acht Zeltblättern. Als behelfsmäßiger Regenschutz wurde das Zeltblatt durch den Durchschlupf über den Kopf gezogen (Kapuze gab es keine) und um die Ober­schenkel hosenähnlich zusammenge­knöpft. Pro Mann gehörten als Zubehör zum Zeltblatt: zwei Zeltstöcke, vier Zeltpflöcke und eine Spannschnur mit Spanner. Jedes Zeltblatt trug auf den beiden Seiten verschiedene Tarnmuster, eines ähnelte dem Tarnanzug, das andere war wesentlich heller. Vor der Kälte der Nacht schützte den schlafenden Soldaten eine braune Felddecke.

Das dreiteilige Feldessgeschirr ist dem der Deutschen Wehrmacht nachempfunden. Dazu gehörte ein vier­teiliges Feldessbesteck, bestehend aus Messer, Gabel, Löffel und Dosenöffner (zugleich Fixierung). Es wurde in der Feldessbestecktasche verstaut. Für die Mitnahme von Trinkwasser diente die Feldflasche mit Trinkbecher aus Alublech. Der Trinkbecher fasste einen halben Liter und hatte an der Körperseite zwei klappbare Griffe aus Aludraht. Der Feldflaschenüberzug bestand aus Tarnanzugstoff mit Innenfutter. Er wurde mit einem Karabiner an einer der Ösen am Sturmgepäck oder an einer Aufschiebeschlaufe befestigt.

Praktisch unverändert blieb der Stahlhelm, der in der Zwischenzeit aber in Österreich hergestellt wurde. Zum Stahl­helm wurde ein Stahlhelmtarnnetz mit Gummiband eingeführt. Es wurde aus oliv gefärbtem Leinenzwirn gefertigt und bestand aus "546 gleichseitigen Maschen mit einer Maschengröße von 20 x 20 mm”.

Weiters gehörten zur Ausrüstung ein Spaten mit Spatentasche und ein grüner, ponchoartiger Regenschutz. Dieser war beidseitig gummiert und deshalb sehr strapazfähig. Er bewährte sich daher oft auch als Schutz vor der Bodenfeuch­tig­keit, als Überdachung für Ausrüstungsgegenstände sowie - mit dem Zubehör der Zeltausrüstung - als Windschutz.

Sonderbekleidung

Alpinausrüstung
Für den Dienst im Gebirge wurde der Alpindienstanzug geschaffen. Charakteristisch für diesen war die Berghose, zu Beginn als Berghose M 59 bezeichnet. Dazu gehörten die hellgrauen Wa­den­stutzen aus Schafwolle und die Berg-, Schi- und Kletterschuhe M 61 und M 66. Um das Eindringen von Schnee in den Schuh zu verhindern, wurde 1960 ein Schuhabschluss mit Gummizug eingeführt.

1959 wurde auch ein hellgrüner Schipullover für Gebirgstruppen eingeführt, der Vorläufer des Feldpullovers. In Ermangelung einer wetterfesten Oberbekleidung wurde viele Jahre der alte Gendarmerieanorak getragen. Ab 1964 stand die Alpinkappe zur Verfügung. Für den Kampf im verschneiten Gelände waren ein eigener Schneeanzug sowie ein Überzug für den Gebirgsruck­sack vorgesehen.

Die Uniform für mechanisierte Truppen
Diese Uniform unterschied sich von Anfang an von den Uniformen anderer Waffengattungen. Die Panzertruppe wurde zu Beginn des Bundesheeres zur Gänze aus Beständen der ameri­kani­schen Besatzungstruppen ausgestattet. Die Uniform bestand aus einer oliv- bzw. khakifarbenen Tuchbluse und Tuch­hose. Bei entsprechender Witterung war ein ebenfalls olivfarbiger Mantel mit einem Leibriemen aus braunem Leder zu tragen.

Als Kopfbedeckung diente die Panzer-Pullmankappe, beim Dienst in der Kaserne die Feldmütze ohne Schirm.

Zum Ausgang und im Innendienst trugen die Soldaten braune Schnür- oder Halbschuhe, bei Paraden, in der Kaserne oder im Gelände die Panzermarschstiefel. 1957 wurde die Panzeruniform M 57 eingeführt. Im Wesentlichen handelt es sich um die alte US-Panzeruniform, die nun aus öster­rei­chischem Tuchstoff hergestellt wurde. Auch die Pullmankappe und die Feldkappe ohne Schirm (Lagerkappe) waren nun feldgrau. Somit entsprach die Panzeruniform farblich der Uniform der anderen Waffengattungen. Die neue Panzeruniform war auch zum Ausgang zu tragen.

Die Pullmankappe wurde Ende der fünfziger Jahre abgeschafft, die Uniformjacke und Uniformhose für die Panzertruppe erst 1966 nach der flä­chen­de­ckenden Einführung des Drillichs.

1957 wurde die Pelzmütze M 57 aus feldgrauem Segelstoff mit feldgrauem Plüsch an den Außenseiten eingeführt, ebenso der Panzer-Kampfanzug M 57. Der Unterschied zum Kampfanzug M 57 bestand darin, dass die Jacke kurz war und in die Hose gesteckt wurde.

Uniformen für die Fliegertruppen
Flugdienstanzug: Dieser bestand gemäß Adjustierungsvorschrift 59 aus der Feldkappe ohne Schirm (Fliegermütze, "Schifferl"), dem Tuchrock und der Tuchhose M 56, dem Uniformhemd grau, der Wollkrawatte grau, den Stra­pazschuhen und dem Leibriemen. Be­reits 1957 wurde für die Angehörigen der Luftstreitkräfte auch die Tellerkappe eingeführt.

Fliegertellerkappe: Die Fliegertellerkappe besteht aus feldgrauem Kammgarn für Offiziere und Halbkammgarn für Unteroffiziere und Chargen. Kokarde, Emblem und Kordel sind für Offiziere golden, für Unteroffiziere silbern und für Chargen und Wehrmänner grau. Das Kappenband ist grau anstatt schwarz. Das Emblem zeigt einen fliegenden Adler (nicht den Bundesadler!), umschlungen von einem nach oben geöffneten Lorbeerkranz.

Fliegersonderbekleidung: Die Flie­gersonderbekleidung (in der Folge als Flugdienstanzug bezeichnet) gab es nur für im Flugdienst eingesetzte Personen. Der Flugdienstanzug unterschied sich je nach Art des Luftfahrzeuges. Zum Flugdienstanzug gehörten die Fliegerkombination, die Schuhe für Flugzeugführer, die Lederhandschuhe und die entsprechende Kopfbedeckung (Haube oder Fliegerhelm).

Fliegerkombination: In der ersten Zeit nach der Aufstellung des Öster­reichischen Bundesheeres musste man sich oft mit einfachen Bekleidungsstücken behelfen. So wurde zunächst über der Uniform M 56 nur eine Flie­gerjacke getragen. In weiterer Folge entstanden eine einteilige und eine zweiteilige Fliegerkombination.

Die einteilige Fliegerkombination war zunächst nur für Flugzeugführer von Flächenflugzeugen vorgesehen, die zweiteilige für Hubschrauberpiloten. Später wurden nur noch einteilige Flie­gerkombinationen beschafft.

Bereits 1958 wurden mit den ersten Hubschraubern aus italienischer Produktion zweiteilige Fliegerkombi­na­tio­nen mitgeliefert. Die Jacken waren blau und verfügten über ein einknöpfbares Futter. 1963 wurde die Fliegerkom­bi­na­tion für Hubschrauberführer - beige Jacke und beige Hose, beide mit einknöpfbarem Futter - eingeführt. Die Fliegerjacke verfügte über zwei Brusttaschen mit Reißverschluss und einer Bleistifttasche am linken Oberarm. Die Fliegerhose hatte zwei Seitendurchgriffe, zwei Seitentaschen, zwei Kartentaschen auf den Unterschenkeln und eine Kappmessertasche. Auch die erste einteilige Fliegerkombination wurde in Italien beschafft.

Bereits 1959 begann man mit der eigenen Fertigung. Die erste Fliegerkom­bination 59 verfügte über vier Taschen mit Reißverschluss. Die Taille umspannte ein 5 cm breiter Gummizug mit Lasche, am rechten Schenkel befand sich eine Halteklemme für Blocks und Karten. Die Fliegerkombination 63 (einteilig) unterschied sich vor allem durch die Anzahl der Taschen und Sei­tendurchgriffe. Neu war auch der Tail­lendurchzug mit Gürtel und Schnalle. Charakteristisch für die Fliegerkom­bi­na­tion 67 (einteilig) waren hingegen die beiden schrägen Schenkeltaschen, der neue Gürtel mit Gürtelschnalle und Schlaufe sowie die Bleistifttasche auf der rechten Kartentasche. Die Fliegerkombination 69 (ein­teilig) hatte keine Schulterklappen mehr, verfügte aber zusätzlich über eine Stab­lampentasche am linken Oberarm und einen neuen Gürtel.

(wird fortgesetzt)


Autoren: Stabswachtmeister Reinhard Gruber (Projektleiter), Stabswachtmeister Johannes Astl (Teamleiter Uniform M 56 bis Anzug 65). Beide waren Lehrgangsteilnehmer des 3. Stabsunteroffizierslehrganges/II. Semester Wirtschaftsdienst an der Heeresversorgungsschule.

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