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Infanteriekampf

Die Infanterie ist keine Ansammlung von "Heugabelsoldaten". Sie ist auch nicht das letzte Aufgebot, das dem Moloch Krieg geopfert wird. Um das zu verhindern, hat sich der Jäger - unter Abstützung auf alle erdenklichen technischen und elektronischen Mittel - seiner ureigensten Tugenden zu besinnen.

Mit diesem Beitrag sollen die Kampfweise und die Einsatzführung der Jägertruppe untersucht werden, und zwar mit Hilfe des Vergleiches der derzeitigen Vorschriften mit den realen Anforderungen auf den Gefechtsfeldern der letzten 10 Jahre. Die Zielvorstellung dabei ist, mit überholten Anschauungen aufzuräumen und zeitgemäße Wege in der Gefechtstechnik, Einsatztechnik und Ausbildung zu gehen.

Der britische Militärschriftsteller Lid­dell Hart schrieb 1933: "Die Zukunft der Infanterie kann nur der voraussehen, der ihre Vergangenheit kennt!" Seine Mahnung war vergeblich; sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch im Korea-Krieg wurde die Infanterie weiter "verheizt", und jene Staaten, denen das Schicksal Kriege oder die Teilnahme an bewaffneten Konflikten seit 1945 ersparte, verharrten in Struktur und Ausbildung ihrer Infanteriekräfte mit Ausnahme einiger Modernisierungen im Sachstand von 1945.

General i. R. Hessel, selbst Jägeroffizier, schloss seine militärwissen­schaftliche Arbeit im Rahmen der Ge­ne­ralstabsausbildung 1972 mit einem bemerkenswerten Zitat von Brigadegeneral Schultzendorff, Kommandeur der Kampftruppenschule der Deutschen Bundeswehr: "Wir müssen davon loskommen, dass die Kräfte des Infanteristen nur deswegen verschlissen werden, weil es der Technik nicht gelingt, ihm das richtige Handwerkszeug für seine Aufträge zu geben oder weil eine falsche Organisation ihm nicht den Rückgriff auf technische und elektronische Mittel im richtigen Augenblick ermöglicht".

Mehr als 30 Jahre sind seither vergangen. Die Technik stellt der Infanterie heute ein sehr brauchbares Handwerkszeug zur Verfügung, so auch die Elektronik. Der Kalte Krieg ist vorbei. Alle demokratischen Nationen rücken zusammen, helfen einander und ergänzen dort, wo der andere Mängel hat. Sie verstärken vor allem ihre Infanterie und denken über neue Einsatzszenarien nach.

Die Technik und Elektronik können dem Infanteristen zwar helfen bzw. seine Aufgabenerfüllung erleichtern. Im Augenblick der Entscheidung aber, bei Sturm­abwehr, Stoß, Panzerabwehr, Häu­­serkampf, Hausdurchsuchung, Beherrschung von Demonstration und Aufruhr, Kontrollen usw. geht es um das Können des Infanteristen. Der Jäger, die Jägergruppe und der Jägerzug müssen in der Aufgabenerfüllung immer die Distanz zum Gegner, zum Unbekannten, überwinden. Dieser Umstand prägt die Jägertruppe und macht sie "einmalig". Ob "interpersonelle Kontakt­nah­me" oder Nahkampf - das ist die Spezialität des Infanteristen, sein Wesen, seine Kampfweise.

Der Jäger beherrscht den Nahkampf, er führt ihn und muss ihn auch oft führen, aber er sucht ihn nicht. Das ist entscheidend!

Das Wesen des Infanteriekampfes

Folgende Faktoren prägen den Infan­teriekampf: Die Jägergruppe und der Jägerzug sind fähig, den Nahkampf in allen Facetten zu führen. Die Jägerkompanie, das Jägerbataillon und die Jägerbrigaden müssen aber über Waf­fen­systeme und Aufklärungssysteme verfügen, mit denen sie außerhalb der Nahkampfentfernung punktgenau aufklären, zerschlagen, lähmen, "behindern" und vernichten können. Unabhängig hievon greifen schwere Waffensysteme, Luftwaffe und unbemannte Waffensysteme bereits vorher in das Geschehen ein und zermürben und zerschlagen den Feind in der Tiefe.

An und für sich sollen der Jägerzug bzw. die Jägergruppe es nur mehr mit "feindlichen Fragmenten", die nur mehr bedingt kampffähig sind, zu tun bekommen. Der Stoß soll einen bereits erschütterten Feind treffen, die Sturmabwehr soll einen Gegner niederwerfen, der in einer letzten Verzweiflungstat stürmt. Dies bedeutet, dass die Jägerkompanie, das Jägerbataillon und die Jägerbrigade ihre Einsatzführung nicht auf den Mut der im Nahkampf stehenden Jägerzüge abstützt, sondern dass jede Führungsebene ihren Kampf führt. Für die Jägerbrigaden muss der Kampf 30 bis 40 Kilometer vor den Stellungen der Jägerzüge stattfinden, und das Jä­ger­bataillon muss 8 bis 10 Kilometer vor den Mündungen der Sturmgewehre der Jägergruppe die Entscheidung suchen. Nach diesen Erfordernissen sind diese Ebenen zu bewaffnen und zu strukturieren, und danach sind sie auch auszubilden.

Brauchen wir dann die Jägergruppe bzw. den Jägerzug eigentlich noch?
Ja natürlich! Für den Nahkampf! Der Nahkampf ist jedoch nicht das unkon­trollierte Handgemenge mit Spaten, Fäusten, Äxten, Zähnen und Klauen. Im Nahkampf, den wir meinen, sieht man auch das "Weiße" im Auge des Gegners und spürt seinen Atem; dieser Nahkampf wird auch geführt, um letzt­endlich den "Gipfelsieg", die Entscheidung herbeizuführen. Er wird aber unter Wahrung der eigenen Handlungsfreiheit, auf der Basis eigener Feuerüberlegenheit geführt. Die Initiative geht zwar vom Gegner aus, aber wir schlagen mit Überlegung (organisierter und koordinierter Kampftechnik) und nachhaltiger Kraft zu (nicht zurück). Das Wiedererlangen der Führungs- und Bewegungsüber­legenheit steht im Vordergrund.

Der Nahkampf ist der Kampf auf nächste Entfernung und beginnt schlagartig, erreicht relativ rasch den Höhepunkt, und wer dann nochmals "nachlegen" kann, der gewinnt diesen Part.

Automatische Waffen verleihen bei­den Kontrahenten eine enorme Feuerkraft. Wer die geringere Signatur abgibt, besser trifft und schneller schießt, kaltblütiger ist und wer darüber hinaus noch von Elektronik (Remote/Sensing and Firing) und moderner Waffen- und Kampfmitteltechnik ("Fire and Forget" bei Panzerabwehrwaffen) unterstützt wird, der wird mit geringeren Verlusten als Sieger aus dem Gefecht hervorgehen.

Für diesen Kampf ist nicht jedes Orga­nisationselement geeignet. Die Jägerkompanie ist zu groß und im Nahkampf nicht mehr führbar, die Jägergruppe ist zu klein, hat daher zu wenig Durchhalte- und Durchsetzungskraft. Der Träger dieser besonderen Form des Kampfes ist der Jägerzug. Er ist die kleinste selbstständige Kampfeinheit, im Nahkampf noch führbar, und er ist stark genug, Feuer und Bewegung zu organisieren.

Vier Voraussetzungen müssen gegeben sein:

  • Die Ausbildung des Jägers muss immer vom Einzelkämpfer zum Vorkämpfer weiterentwickelt werden. Seine Selbstständigkeit ist zu erhöhen.
  • Der Jägerzug wird mit Auftragstaktik geführt. Hiebei ist Auftragstaktik nicht als formelles Verfahren, sondern als Führungsmodell für verantwortungsbewusste und initiative Persönlichkeiten zu verstehen. Der Jägerzugskom­mandant muss daher eine "gestandene" Persönlichkeit sein.
  • Der Jägerzug muss "leicht" bewaffnet sein. Schwere Waffen nehmen ihm die Beweglichkeit und Stoßkraft.
  • Der Jägerzug braucht eine hohe Durchhaltefähigkeit im Nahkampf, das heißt, der Jägerzug benötigt eine bestimmte Anzahl an Kämpfern, organisiert in Kampfgemeinschaften. Die Primärgruppenkohäsion ist ausschlaggebend.

Der Jägerzug ist also der wichtigste Baustein der Jägertruppe. Er muss nahkampftauglich, überschaubar und führbar bleiben.

Warum nicht die Jägergruppe oder die Kompanie?
Die Jägergruppe kann in Anbetracht ihrer Stärke nur eine Aufgabe erfüllen. Sie feuert oder sie stürmt. Sie kann aufgrund ihrer Gesamtstärke nicht bei­des gleichzeitig tun. Sie ist daher auf die Zusammenarbeit mit den anderen Grup­pen des Zuges angewiesen. Ihre Durchsetzungskraft wird durch die "Absitzstärke" bestimmt. Acht Mann sind ein guter internationaler Wert. Alles darunter hat zuwenig Durchhalte- und Durchsetzungskraft, was da­rüber geht, ist durch den Gruppenkom­mandanten nur noch schwer führbar, zumal er darüber hinaus auch ein gepanzertes Gefechtsfahrzeug zu führen hat.

Die Jägerkompanie ist mit drei Kampfzügen und zumindest einem Kampfunterstützungszug/Panzerabwehrzug sowie den Scharfschützen und Beobachtern schwerer Waffen für den Nahkampf schon zu schwerfällig. Die Kompanie kann im "dogfight" nicht mehr überblickt werden. Die Reaktionszeiten sind darüber hinaus viel zu lang. Deswegen nützt es auch nichts, der Jägerkompanie noch einen vierten Jägerzug "aufzuzwingen".

Fehler, die in der Struktur der Jägertruppe gemacht werden, sind im Einsatz irreparabel; zu viele Kämpfer oder Gruppen machen schwerfällig, zu wenige Kämpfer oder Gruppen machen unselbstständig; jede Führungsebene hat das ihr zugeordnete Gefecht zu führen, daher muss sie über ihre Waffensysteme verfügen.

Die Gefechtsaufklärung infanteristischer Kampftruppen

Für die Infanterie zählen Gefechtsaufklärung und Gefechtssicherung zu den wichtigsten Aufgaben zur Sicherstellung des Gefechts bzw. zur Erfüllung eines Auftrages in einem sicherheitspolizei­lichen Assistenzeinsatz oder einem Mandat im Rahmen des Einsatzes zur Frie­densunterstützung.

Der Zweck der Gefechtsaufklärung ist es,

  • Führungseinrichtungen, Objekte und Einsatzmittel aufzuklären,
  • Feind aufzuspüren und Fühlung mit ihm zu halten,
  • Feind zu überwachen und sich an seine Fersen zu "heften",
  • subkonventionellen Feind aufzustöbern und zu stellen,
  • Feuer von Steilfeuerwaffen zu leiten,
  • Lücken zu überwachen und vorgehenden Feind mit weitreichendem Steilfeuer niederzuhalten,
  • Feind zu täuschen (Signatur, Geräusche, Feuer),
  • feindfreie Räume und sperrfreie Flächen festzustellen (Pioniererkundung),
  • Geräte, Führungsmittel und Führungsunterlagen zu erbeuten (Stoßtrupp, Überfall),
  • Gefangene einzubringen (kampfkräf­tige Aufklärung) sowie
  • Informationen mit Hilfe der Zivilbevölkerung zu sammeln (Gesprächsaufklärung).

Von all dem soll die Jägertruppe in erster Linie spähen, das Steilfeuer leiten und den Kampf nur auf Befehl führen. Beim Spähen stützen sich die Jäger zur Zeit ausschließlich auf die "Augenaufklärung" (Augen und Fernglas) ab. In einem Zeitalter, in dem sich bereits Schlepperbanden elektronischer Mittel bedienen, ist das ziemlich wenig. Der Jäger sieht daher (besonders bei Nacht und "Infanteriewetter") sehr wenig und hört noch weniger. Was tut er? Er beginnt das "Feuer herauszulocken". Das kann fatal enden und außer Verlusten nichts einbringen.

Dieses Szenario bietet sich in einer Zeit dar, in der die Gefechtsaufklärung teilweise zur Hauptaufgabe werden kann, wie z. B. im Raumschutz, bei der Überwachung der Staatsgrenze, im Assistenzeinsatz oder bei friedensunterstützenden Einsätzen.

Die Gefechtsaufklärung ist äußerst zeitaufwändig und erfordert neben der richtigen personellen Zusammensetzung ergänzende technische Hilfsmittel. Be­son­ders erfolgreich scheint hier die Kom­bi­nation von Spähtrupp, Scharfschützen und Beobachtungstrupp zu sein. Diese Aufklärungsteile stützen sich dabei auf Gefechtsfeldradarsysteme, Wärmebildgeräte, Sensoren, Laserschranken, computerunterstützte Digitalkameras und vielleicht in 10 bis 15 Jahren sogar auf Minidrohnen (auf Kompanie- und Ba­taillonsebene) ab. Mit dieser Aufklärung, ergänzt durch Informationen, die von den übergeordneten Ebenen in Echtzeit, z. B. über die 3. Verarbeitungsebene, zum Bedarfsträger kommen, kann für die eigenen Kräfte in der Tiefe die Handlungsfreiheit erhalten werden.

Ziel der Aufklärung muss es sein, eine flächendeckende und ununterbrochene "Allwetter/24-Stunden-Aufkärung" sicherzustellen, mit der Fähigkeit, zu spähen und die Grundlagen dafür zu schaffen, dass mit Abstandswaffen der Gegner an der Verwirklichung seiner Absicht behindert wird.

Die Sicherung

Als ein besonderes Problem kann sich die Sicherung während der Ruhe darstellen. Zu unterscheiden ist dabei, ob sich eine Truppe in einem einsatznahen Verfügungsraum bereit hält oder sich in einem einsatzfernen Raum nach Mobilmachung für eine Verwendung vorbereitet.

Also, wie sichert sich eine Truppe, wenn sie nicht an vorderster Front steht, sondern in der Tiefe in einem Verfü­gungsraum? - Ganz einfach. Sie sichert sich wie die Truppe vorne. Ein Teil ist gefechtsbereit (steht Wache, beobachtet, sichert, gibt Befehle, arbeitet an Plänen, baut Schutzdeckungen usw.), der andere Teil ruht. Alarmstellungen gibt es für alle, Sicherungsposten und Horchposten sind vorgestaffelt, schwere Waffen sind teilbesetzt, Gefechtsaufklärung ist in den Flanken eingesetzt, Alarmminen sind ausgelegt und Richtsplitterladungen sind vorbereitet.

Befindet sich eine Truppe in der Tiefe, muss sie trotzdem mit subkon­ven­tionellem Feind und dergleichen rechnen. Dies erfordert eine sehr elastische und aktive Sicherung mit intensiver Überwachung aller verdeckten Annäherungsmöglichkeiten, ortsfesten und beweglichen Kontrollpunkten an Zufahrtslinien, motorisierten oder gepanzerten Spähtrupps im Vorgelände, Wachen und taktisch richtigen Alarmstellungen im Verfügungsraum (Feldlager oder Feldunterkunft) und zusätzlichem Bereithalten von Reserven als "Gegenjagdkräfte".

Das bloße Abstützen auf das bisherige System der Vorpostengruppen, Verbin­dungsspähtrupps usw. ist zu wenig beweglich und zu wenig effektiv gegen einen subkonventionellen Feind, wie die Zustände z. B. in Israel zeigen. Die Zeit der Einteilung in "Front und Etappe" ist vorbei, die Front als Trennungslinie gibt es nicht mehr.

Ähnliches trifft auch auf die Sicherung während der Bewegung zu. Gegen einen zurückgehenden oder noch nicht aufgeklärten Feind, wenn also ein Be­geg­nungsgefecht möglich erscheint, ist es notwendig, Aufklärung vor der Marschspitze und seitlich davon einzusetzen, um nicht überrascht zu werden. Außerdem bietet sie die Gelegenheit, selbst das Überraschungsmoment auszunutzen, aus der Bewegung anzugreifen und wichtiges Gelände oder wichtige Objekte im Handstreich dem Feind zu entreißen.

Zwei Nahsicherer und ein Spitzenzug vorneweg sind nicht mehr zeitgemäß.

Ein wesentlicher Faktor im Rahmen der Marschsicherung ist das Erkennen von Hinterhalten, Heckenschützen, Minenfallen und dergleichen. Grundsatz muss sein: "Nur kein Schema!" Der Kommandant muss sich in die Lage des Feindes versetzen.

Die Sicherung während des Gefechtes ist ein Selbstschutz der Truppe gegen Überraschungen aller Art und besteht aus dem Netz von Gefechtsvorposten, Ge­fechtsaufklärung, Beobachtern des Ge­fechtsfeldes, Horchposten, Luftspä­hern, Nahsicherern und Alarmposten. Hier soll besonders auf den Gefechtsvorposten eingegangen werden: Gefechtsvorposten können es mit starker Aufklärung, Umfassungskräften, durchgebrochenen Feind­teilen und Spezialkräften zu tun bekommen. Das frühzeitige Erkennen und das Zerschlagen auf Distanz hat im Vordergrund zu stehen. Wenn das Gelände dies nicht zulässt, muss vom Verfahren "Kampf um Sperren" Gebrauch gemacht werden. Schnellsperren (Wurfminensperren) sowie Spreng­sper­ren, die im letzten Augenblick aktiviert werden, bremsen den Feind bis zum Stillstand ab. Jägerkräfte vernichten mit Feuerschlag aus dem Hinterhalt Teile des Feindes.

Scharfschützen im Verbund mit Feu­er­leittrupps überwachen die Flanken und erfassen Feind erneut mit ihren Waffen. Scharfschützen zwingen den Feind in die Deckung, Steilfeuer bekämpft ihn in und hinter Deckungen. Maschinengewehre und gepanzerte Gefechtsfahrzeuge mit Maschinengra­natwerfern erfassen den Feind in der Flanke und zwingen ihn zu Boden.

Jedes schematische, lineare Verhalten der Gefechtssicherung führt zum Misserfolg. Nur ein Netz von Feuer und Sperren kann den Feind auffangen wie ein Spinnennetz die Fliegen.

Die Verteidigung

"Angesichts heutiger Aufklärungsmöglichkeit und Waffenwirkung gelten planmäßige Geländeverstärkungen viel­fach schlicht als ‚Aufforderung zur Vernichtung‘", schrieb vor Jahren ein Kenner der Infanterie. Der Kampf in Afghanistan 2001 scheint ihm Recht zu geben. Alles, was aufgeklärt wird, wird bis zur Vernichtung bekämpft. Dagegen hilft nur Bewegung. Bewegung muss aber unter Panzerschutz erfolgen. Auch hie­zu schrieb der oben genannte Fachmann: "Wer für seine Infanterie kämpft, nagelt sie nicht in Schützenlöchern fest. Er setzt sie in gepanzerte Gefechtsfahrzeuge!" Um erfolgreich zu sein, muss die Verteidigung dem heutigen Bedrohungsbild gerecht werden. Das System unserer Verteidigung baut noch teilweise auf den Stützpunkt auf. Stützpunkte bedingen die Verzahnung. Verzahnt sich die Jägertruppe, verliert sie ihre Beweglichkeit, und die Verluste steigen. Daher ist anderen Stellungsformen der Vorzug zu geben, wie z. B. der "schachbrettartigen Stellungsform" bzw. der Riegelstellung.

In der Verteidigung bedeutet Zusammenhang der Kräfte nicht Schulterschluss der Kämpfer, sondern "Zusammenhang des Feuers" auf jedem Punkt im Vorgelände. Trotzdem hat der Stützpunkt nicht ausgedient. Als Stellungsform im Objektschutz, zur Verteidigung von Ver­kehrseinrichtungen, Brücken sowie im Sicherungseinsatz an der Staatsgrenze zur Verteidigung von Grenzübertrittsstellen hat er nach wie vor seine uneingeschränkte Bedeutung und Richtigkeit.

Verteidigung im modernen Sinn ist kein starres Halten von Stellungen, sondern ein initiatives und - vor allem - dynamisches Verfahren. Bewegung ist in der Verteidigung von gleicher Bedeutung wie Feuer. Nur durch Bewegung kann dem gegnerischen Feuer elastisch ausgewichen werden, durch Bewegung können die Waffen überraschend und wirkungsvoll gegen einen Angreifer eingesetzt werden.

Verteidigung ist eine Art Verzö­ge­rungskampf in einem bestimmten und zu haltenden Raum. Damit ist nicht die berühmte bewegliche Verteidigung gemeint, die von der mechanisierten Kampf­truppe geführt wird. Die Jägertruppe verteidigt aktiv in einem Raum. Die Tatsache, dass der Kampf aus einer Zahl von Wechselstellungen und Ergän­zungsstellungen zu führen ist, verlangt entsprechenden Raum. Wenn ein Infanterist seine Wech­selstellung bezieht, hat diese einen Abstand von 10 bis 20 Metern. Bei acht Jägern in der Gruppe ergibt dies, die Er­gänzungsstellungen eingerechnet, einen Raumbedarf von etwa 100 Metern, beim Jägerzug von etwa 800 x 800 Metern, bei der Jägerkom­panie von rund 1 500 x 1 500 Metern. Ohne dieses Raumangebot ist eine vernünftige Einsatzführung nicht möglich. Sollte der Kampf auch taktisch beweglich geführt werden, um einer Vernichtung durch Feuer zu entgehen, so benötigen der Jägerzug und die Jägerkom­panie mehrere Riegelstellungen in einem Raum, die wieder 1 000 bis 2 000 Meter voneinander entfernt liegen müssen.

Die Verzögerung

Der nächste Blick richtet sich auf den Verzögerungskampf. Selbst wenn ein­mal das Gelände dem Infanteristen das Führen eines Verzögerungskampfes ermöglicht, so läuft dieser Kampf fast schematisch wie folgt ab:

Stellung beziehen - Feind auf große Entfernung anschießen - absetzen - sich aufnehmen lassen - nächste Stellung beziehen usw. Dies bewirkt, dass die Waffen des Jägers fast nie zur Geltung kommen und wenn doch, so nicht mit Absicht; denn der Waffeneinsatz kommt meist nur in einer durch den Feind diktierten Krise zum Tragen. Diese Art von Verzö­ge­rungskampf ist daher auch eher einem Marsch vor dem Feind ("Flucht"?) ähnlicher als einer "Verzögerung" des Feindes.

Warum nützt der Jäger in solchen Fällen nicht seine Stärke in der "Jägertaktik", im ideenreichen Wechsel der Methoden, in Form von verschiedenartig dem Gelände angepassten Hinterhalten, mit dem Ziel, jedes Mal den Feind auflaufen zu lassen und seine Spitze zu vernichten oder auch mit Teilen ihn in der tiefen Flanke zu überraschen?

Mit dieser letzten Überlegung soll nun übergeleitet werden vom bisher noch eher konventionellen Bild der infanteristischen Einsatzführung der Erfordernisse der Raumverteidigung und des Jagdkampfes zu den neuen Erfordernissen.

Die Jägertruppe muss sofort umdenken und die Vorschriften dem modernen Gefechtsbild entsprechend auslegen: bei der Ausbildung der Jäger im Feuerüberfall, Hinterhalt, in der Riegelstellung, im Begegnungsgefecht, für den Stoßtrupp, die Gegenjagd, die Säuberung mit einer hohen Fähigkeit zum dynamischen Gefecht sowie dem richtigen Verhalten gegen einen zur Jagd übergehenden. Das höchste Ziel ist es, der Bedeutung des Begriffes "Jäger" wieder gerecht zu werden - in einer Einsatzführung, bei der eben der Jäger das ihn unmittelbar betreffende Geschehen in voller Handlungsfreiheit bestimmt.

So weit aber sind wir noch nicht. Jetzt ist es notwendig, die Voraussetzungen zu dieser Art der Einsatzführung zu schaffen, indem wir in der Ausbildung unserer Jäger umzudenken beginnen und den infanteristischen Kampf dem modernen Gefechtsgeschehen anpassen. Diese Vorschriften sind zu erstellen.

Das aber heißt: Wir müssen das Schwer­gewicht unserer Ausbildung verlagern, und zwar vom eher formalen, geleiteten, schematisierten Kampf (s. Sturmlauf, geleitetes Feuer) zum selbstständigen, freien Kampf, der auf dem geschulten, sich seiner Selbstständigkeit bewussten und diese Selbstständigkeit in die Kampfge­mein­schaft einfügenden Vorkämpfer aufbaut! Der Jäger muss wieder aktiv, aggressiv werden. Er muss sich seiner Überlegenheit bewusst sein und muss den Kampf dort suchen, wo er ihn bestimmen kann. Damit kann jener Einstellung entgegengewirkt werden, die unter dem Eindruck des massiven Vernichtungsfeuers des Feindes den Jäger nur noch als Maulwurf sah, der noch zusätzlich seiner Beweglichkeit beraubt war und früher oder später seine Vernichtung auf sich zukommen sah - hypnotisiert auf seinen Untergang starrend, bar jeglicher aktiven Reaktion.

Der Angriff

Der Angriff beruht auf den folgenden allgemeinen Grundsätzen:

  • Breiter Ansatz der Gefechtsaufklä­rung im ganzen Verantwortungsraum bis zu 4 km in der Breite und bis zu 4 km hinter dem Angriffsziel.
  • Der Angriff hat meist mit einem begrenzten Ziel zu erfolgen.
  • Enge Abstimmung von Feuer und Bewegung, meist Verzicht auf ein Vorbereitungsfeuer (Überraschung).
  • Vermeiden des Feuers durch den angreifenden Teil so lange als möglich; die Feuerunterstützung hat bis zum Einbruch die übergeordnete Ebene sicherzustellen.
  • Die vorgesetzte Stelle befiehlt das Angriffsziel und hält es nieder; der durchführende "Angriffsführer" befiehlt die Einbruchstelle und überwacht diese mit seinem Feuer.
  • Wenn es der Feind, das Gelände sowie die Zeit erlauben, sickern die Jäger ein und greifen den Feind von hinten an.
  • Die Feuerunterstützung hat frontal, der Stoß von der Flanke zu erfolgen.
  • Beim Stoß in die Flanke wird eine schmale und tiefe Gruppierung der Kräfte gewählt, beim Einsickern meist ein breiter Ansatz.
  • Reserven werde nahe bereitgehalten, um sie in einem günstigen Moment unverzüglich einsetzen zu können.
  • Im Kampf gilt: kein Feuer ohne Bewegung, keine Bewegung ohne Feuerunterstützung.
  • Koordination des Feuers: Während das Steilfeuer wirkt, gehen Flachfeuerwaffen in Stellung, und wenn das Steilfeuer aussetzt, setzen Flachfeu­erwaffen ein. Die Dauer der Unterstützung durch Flachfeuer muss mit der Dauer des Sturmes bis zum Einbruch zeitlich genau abgestimmt sein.

Um einen Angriff mit Erfolg abschließen zu können, sollten die in der Folge erwähnten Kriterien berücksichtigt werden bzw. erfüllt sein:

  • Möglichst keine Bereitstellung! Die Truppe verbleibt in ihrem (meist weit abliegenden) Verfügungsraum. Dort werden alle Tätigkeiten für den Angriff abgeschlossen. Dann geht die Truppe so rasch wie nur möglich vor zur Ablauflinie. Mit deren Überschreiten beginnt der Angriff. Infanteristische Angriffskräfte müssen ihren Verfügungsraum außerhalb der Reichweite der gegnerischen Artillerie haben. Dort graben sie sich ein und tarnen sich. Treten sie aus dem Verfügungsraum heraus, müssen sie trachten, stets in Bewegung zu bleiben.
  • Anwendung einer einfachen, klaren und "treffsicheren" Befehlsführung. "Ge­fechtslyrik" muss vermieden werden!
  • Kommandanten führen weit vorne. Ein Angriff kann nicht von "Großmeistern der Administration" durchgeführt werden. Die Führung eines Angriffes verlangt neben Wissen und Können und allen taktischen Fertigkeiten natürlich auch eine gediegene körperliche Leistungsfähigkeit und viel persönlichen Mut!
  • Die drei Verbündeten des Infanteristen sind die Nacht, das Infanteriewetter und das Infanteriegelände.
  • Ein Umgehen der Feindstellung ist besser als frontal anzugreifen.
  • Der Schlag soll immer gegen die Struktur des Feindes und nicht gegen das nächstbeste Feindziel geführt werden.
  • Jägerzüge und Jägerkompanien greifen - wenn möglich - stoßtruppartig an. Die Stoßkraft ist immer abhängig von der verfügbaren Feuerkraft.
  • Breitflächige Aufklärung schützt vor dem Begegnungsgefecht und damit vor Verlusten.
  • Aktion geht vor Reaktion, Handeln vor Abwarten!

Schlusswort

Vor einigen Jahren schrieb ein Jägeroffizier und Generalstabsoffizier in der Zeitschrift TRUPPENDIENST: "... (mit) Infanterie meint (man) ja nicht Heu­gabelsoldaten, letztes Aufgebot, bloße Menschenmassen. Die Infanterie hat modernen Gegebenheiten gerecht zu werden und muss die an sie gestellten Aufgaben der Organisation, Ausrüstung und Ausbildung bewältigen können"! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Auf einen Blick:

Truppen, die zu Fuß kämpfen, müssen sich im Kampf so weit auflockern, dass sie schwer aufklärbar sind, sich nicht verzahnen müssen und kein lohnendes Ziel mehr bieten.

Aus der Sicht des Verteidigers ist nicht eine durchgehende Besetzung einer Linie, sondern eine durchgehende Feuerwirkung notwendig. Um diese Feuerwirkung zu erreichen, muss die Jägerkompanie in der Verteidigung ein "Feuernetz" mit einer Breite von bis zu 1 200 Metern bilden, das Jägerbataillon bis zu etwa 8 000 Metern. Die Jägerzüge kämpfen ab einer Entfernung von 600 Metern bis zum Nahkampf.

Panzerabwehr

Die Panzerabwehr des Jägers entspricht in ihrer Durchführung - bedingt durch die relativ geringe Reichweite - einer Sturmabwehr und muss daher, wie der ganze Feuerkampf, vorgeplant sein. Hier entscheiden oft Sekunden. Das vorrangige Ziel der infanteristischen Panzerabwehr muss die Vernichtung der Schützenpanzer sein.

Das Üben auf der Panzernahkampfbahn und der unmittelbare Kontakt mit dem Panzer bringen psychologische Vorteile für das Verhalten gegenüber diesen Gefechtsfahrzeugen. Es ist richtig, dem Infanteristen die verschiedensten Möglichkeiten zur Ausschaltung eines Panzers vor Augen zu führen, aber der Kernpunkt in der Panzerabwehrausbildung muss auf den Einsatz der Panzerabwehrrohre und Panzerminen sowie auf die Zusammenarbeit in der Gruppe gelegt werden.

Auch auf der Ebene des Bataillons muss eindringlich darauf hingewiesen werden, dass die Panzerabwehr durch die Panzerabwehrlenkwaffen und Panzerabwehrrohre nichts anderes als eine Sturmabwehr sein kann und daher auch ihr Einsatz möglichst vorgeplant sein muss. Dies gilt für alle PAL und PAR mit einer Reichweite bis zu 2 000 Metern. Es ist illusorisch zu glauben, man könne während des Kampfes eine einwandfreie Feuerleitung aufrecht erhalten. Gänzlich falsch ist es, zu glauben, man könne während eines Gefechtes mit der PAL einen Stellungswechsel durchführen. Ein Sturm muss mit allen verfügbaren Mitteln abgewehrt werden. Er stellt eine Krise dar - und dieser kann nur mit der höchsten Feuerdichte begegnet werden, nicht aber mit Herumfahren. Es gilt daher: den Feind niederkämpfen bzw. abwehren, und erst dann Stellungswechsel.

Gefechtsvorposten

Betrachten wir den Einsatz von Gefechtssicherungen vorwärts des VRV: Selbst wenn die Masse der Riegelstellungen im In­fanteriegelände liegt, wird in der Regel die Linie der Gefechtsvorposten zumindest teilweise über Panzerlinien hinweg führen. Bei den dort eingesetzten Kräften handelt es sich oft nur um einen Jägerzug, vielleicht verstärkt durch PAL. Die Kampfführung sieht dementsprechend aus. Beim ersten Auftauchen von gepanzerten Feindfahrzeugen eröffnen die PAL das Feuer. Vielleicht schießen einzelne Maschinengewehre mit. Dann setzt sich alles ab. Es handelt sich im Wesentlichen also um eine Marschübung, nicht um eine "Kampfführung". Sofern nicht wirklich eigene Panzer bzw. Jagdpanzer als GVP zur Verfügung stehen - und diese brauchen nur bei Nacht eine entsprechende infanteristische Sicherung - ist es nahezu sinnlos, von infanteristischen GVP eine Einsatzführung gegen den Panzerfeind zu verlangen. Klüger wäre es in diesem Fall, die Linie der GVP durch stehende Spähtrupps zu besetzen, die frühzeitig und über einen längeren Zeitraum den Ansatz des Feindes melden und das Feuer der eigenen Steilfeuer­waffen leiten. Es ist jedenfalls besser, als ihnen eine Einsatzführung zuzumuten, der sie nicht gewachsen sind.

Sperren

Um es vorwegzunehmen: Flandernzäune und ähnliches sind in der klassischen Verteidigung passé (nicht so beim Objektschutz und im Sicherungseinsatz an der Staatsgrenze bzw. im Raumschutz). Die Masse der Sperren werden Sprengsperren, Minenriegel, offen verlegte Minenfelder, Wurfminensperren und natürliche Geländehindernisse sein.

Sperren bilden die Voraussetzung für einen nachhaltigen Feuerkampf. Durch Sperren und Feuer kann der Angriff in zusammenhanglose Aktionen aufgesplittert werden. Daher ist das Verlegen von Panzerminen oberste Jägerarbeit.

Stellungsbau und Schutz vor Waffenwirkung

Die immer wirksamere Waffenwirkung hat spätestens ab 1870 den Verteidiger gezwungen, in der Erde Schutz zu suchen, und sie machte bereits im Ersten Weltkrieg den Angriff ungepanzerter Truppen fragwürdig. Welche Folgerungen sind daraus abzuleiten? Die Folgerung müsste sein, dass - Sonderverhältnisse ausgenommen - größere Angriffe und Gegenangriffe nur noch von gepanzerten Truppen geführt werden können.

Für die Verteidigung dürfte es entscheidend sein, dass seit dem Zweiten Weltkrieg Waffen aufgekommen sind, die große Flächen vernichtend abdecken können. Noch vor 30 Jahren konnte auch eine nur flüchtig eingegrabene Infanterie eine Stellung durchaus mit Aussicht auf Erfolg verteidigen. Das Vorbereitungsfeuer des Angreifers musste in das Loch des Infanteristen hineinwirken; für eine derartige Feuervorbereitung aber waren sehr viel Zeit und große Mittel erforderlich. Heute hingegen können Napalm, Schüttbomben, Granaten mit Annäherungszündern und "fuel air explosives" auf großen Flächen wirksam werden.

Fußtruppen können sich dieser Waffenwirkung nicht, wie gepanzerte Truppen, durch Wechsel zwischen Auflockerung, Konzentration und nochmaliger Auflockerung entziehen. Wenigstens außerhalb der Ortschaften müssen sie sich im Kampf eingraben. Eingegraben aber verlieren sie ihre Beweglichkeit. Werden sie dann aufgeklärt, bilden sie ein zugleich lohnendes und mögliches, d. h. bekämpfbares Ziel. Der heutige Jäger muss sich daher in der Verteidigung "gepanzert beweglich" halten und durch Stellungsbau (Sandsäcke, Steinkörbe, Nutzung fester Bauten) seinen Schutzfaktor steigern.

Der Stützpunkt

Der Stützpunkt hat im Raumschutz, im Sicherungseinsatz an der Staatsgrenze sowie im Rahmen friedensunterstützender Einsätze weiterhin seine Bedeutung.

Zu viele Stützpunkte werden immer noch nach dem Gesichtspunkt des idealen Schussfeldes - mindestens 600 Meter, wenn nicht mehr - angelegt. Sie werden so errichtet, dass sie durch feindliche Waffen (PAL) schon frühzeitig bekämpft oder niedergehalten werden können, der Überraschungseffekt genommen ist und sie kaum jemals auf diese Entfernungen gezielt wirksam werden können. Wozu also das Ganze? Manchmal drängt sich der Verdacht auf, nicht das günstigste Schussfeld, sondern die wahrscheinlichste Angriffsrichtung zur Ausschaltung des Stützpunktes ist die Grundlage aller Überlegungen. Wie viele Gruppenkom­mandanten gibt es noch immer, die - an einem Waldrand eingesetzt - das Maschinengewehr auf die freie Fläche wirken lassen, obwohl die infanteristische Bedrohung aus dem Wald zu erwarten ist? Der Grund liegt wieder im unglücklichen Festhalten am "schönen Schussfeld". Das MG wirkt heute nicht mehr frontal auf 500 Meter und mehr; aber im Nahkampf kann es schlagartig eine hohe Feuerdichte an einen auf wenige Meter stürmenden Feind bringen, kann das Feuer der Schützen verdichten, Sperren und Hindernisse bestreichen und das Feuer der Gruppe gerade dort, wo es notwendig ist, beweglich ergänzen.

Einsatzführung in der Verteidigung

Die Vorschriften sehen einen ersten Befehl zur Verteidigung vor und einen darauf folgenden Befehl für die Einsatzführung. Dieser entscheidende Befehl für die Kampfführung wird weit weniger geschult als ersterer. Der Grund mag sein, dass bisher die Meinung vorherrschend war, der Zugs- und Gruppenkommandant sei in der Lage, den Abwehrkampf zu führen. Dies ist eine große Illusion. Er führt, aber nicht in der bisher üblichen Form. Die Einsatzführung muss "programmiert" werden; Umgruppierungen, das Beziehen von Ergänzungs- und Wechselstellungen sowie der Gegenstoß müssen drillmäßig eingeübt sein, sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Die Auslösung dieses "Programms" liegt in der Hand des Kommandanten. Darin liegt seine wesentliche und entscheidende Führungsaufgabe.

Dasselbe gilt für den Feuerkampf. Es ist si­cherlich eindrucksvoll, in der Grundausbildung schöne, eingedrillte Feuerbefehle zu hören, wie z. B.: "Gruppe schießen - geradeaus - 300 - Erdaufwurf, beiderseits davon Schützen" - "Gefunden - dahinter dunkler Nadelbaum" - "Zwei Feuerstöße - auf Pfiff feuern" - "Fertig" - Pfiff!

Dies ist wichtig, beispielsweise zur Vernichtung eines Spähtrupps oder zum flankierenden Einsatz des MG. Aber viel entscheidender ist die Ausbildung im freien Feuer, im selbstständig geführten Feuerkampf, der dennoch ein erfolgreiches Ganzes bilden soll. Dies gilt auch für das Feuer der Panzerabwehrlenkwaffen und das Steilfeuer.

Die Anlage der Stellungen muss dem modernen Gefecht gerecht werden, und es muss mit allen Mitteln versucht werden, die Überraschung des schlagartig aufflammenden Abwehrkampfes (Feuerüberfall) als Vorteil zu verbuchen. Die Hauptaufgabe der Einsatzführung ist es dabei, in der Vorbereitung und beim drillmäßigen Üben alle möglichen Lagen zu berücksichtigen. Die letzte entscheidende Führungsaufgabe ist schließlich das Auslösen der richtigen Reaktionen, die dann nahezu automatisch ablaufen müssen.

Stellungsbau, Geländeverstärkung und Tarnung

Der Erfolg des Gefechtes hängt auch heute noch im Wesentlichen von der Überraschung ab. Das heißt, der Angreifer muss schlagartig die geballte Abwehrkraft zu spüren bekommen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer einwandfreien Tarnung. Dabei ergibt sich die Frage, ob ein "Stel­lungssystem" bei der heutigen Art der Kampfführung sich nicht ausschließlich auf Sandsack- und/oder Steinkorbstellungen abstützen soll. Das andere Extrem stellen große Erdbewegungen dar, die unter Zeitdruck niemals fertig werden und mehr verraten, als dem Überraschungseffekt zu entsprechen.

Was nun die Verwendung von Hindernissen betrifft, so wird vielfach noch der Bau von Flandernzäunen und Spanischen Reitern geübt, von Hindernissen, die relativ kompliziert sind, wenig Tiefe besitzen und viel Zeit und Erfahrung für den Bau benötigen. Darüber hinaus bringen sie nicht den gewünschten Über­raschungseffekt, weil sie frühzeitig erkannt und im Kampfplan des Angreifers berücksichtigt werden können. Mit demselben Material und in derselben Zeit können viel großflächigere und tiefere Stolperdrahthindernisse aller Art, einschließlich der Sperrung durch Minen, angelegt werden, deren Effektivität weit größer ist. Sperren müssen unauffällig sein, getarnt werden und sollen natürliche Hindernisse verstärken. Die Verteidigung bzw. Verzögerung orientiert sich an "starken Stellungen". Sie liegen in unmittelbarer Nähe von Geländehindernissen. Verteidigung ist ein Kampf um und mit Sperren.


Die Arbeitsgruppe "Quo vadis Infanterie?" steht unter der Leitung des Kommandanten der Jägerschule und setzt sich aus Offizieren und Unteroffizieren der Jägerschule sowie der Jägertruppe des Österreichischen Bun­des­heeres (des Präsenz- und Milizstandes) zusammen; sie befasst sich mit Überlegungen zur österreichischen Infanterie der Zukunft.

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