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Die Uniformen des Bundesheeres der Zweiten Republik (II)

Die Ausgangsuniform und der Anzug 75

Die bis heute in ihrer Form fast unveränderte Ausgangsuniform des Bundesheeres wurde schon 1965 eingeführt. Anregungen hierzu kamen von Historikern, Modeschöpfern und Bekleidungsfachleuten. Der Anzug 75 hingegen zählte bei seiner Einführung zu einer neuen Generation der Militärbekleidung vor allem aufgrund des so genannten Zwiebelschalensystems, das den Soldaten ein oftmaliges Umziehen erspart.

Die Ausgangsuniform

Professor Fred Liewehr, damals Direktor der Modeschule Hetzendorf, Oberstarzt Dr. Klettenhammer und die Angehörigen der Heeresbekleidungsanstalt Brunn machten sich in den sech­ziger Jahren Gedanken über die Neuuniformierung der Soldaten des Öster­reichischen Bundesheeres. Sollte doch die Entwicklungskommission, der sie angehörten, "traditionelle Schnittart und neuzeitliche bekleidungstech­ni­sche Grundlagen zu einem einheitlichen Ganzen zusammenführen und den Soldaten eine Uniform geben, in der sie sich wohl fühlen können und mit der sie in jeder Situation angenehm in Erscheinung treten können".

Der Schnitt der so entstandenen Ausgangsuniform war für alle Dienstgrade gleich, nur die Knöpfe waren anders: goldfarben mit geprägtem stilisierten Bundesadler für Offiziere, silberfarben mit geprägtem stilisierten Bundesadler für Unteroffiziere, grau mit fein gekörnter Innenfläche für Chargen und Wehrmänner. Für Offiziere wurde als Gesellschaftsanzug zusätzlich ein weißer Uni­formrock eingeführt, in Schnitt und Ausstattung gleich dem feldgrauen Rock. Er besteht aus einem Trevira/Kammgarngemisch. Zunächst durfte dieser Rock nur im Sommerhalbjahr und nur zu offiziellen militärischen Veranstaltungen getragen werden. 1977 wurde auf Wunsch der Betroffenen das Tragen zu besonderen Anlässen ganzjährig gestattet. Seit November 1980 darf der weiße Uniformrock auch von Unteroffizieren getragen werden.

Die wesentlichen Unterschiede des Ausgangsanzuges zur "alten" Uniform sind: Die Fasson des Uniformrockes ist leicht geändert, der Kragen ist etwas schmäler und kürzer, und die Taille ist leicht angedeutet. Wie beim alten Rock sind die beiden Brusttaschen aufge­steppt und mit je einer Quetschfalte versehen. Die darüber liegende Patte ist allerdings etwas mehr geschweift und zum Knöpfen, die Seitentaschen sind eingeschnitten, verlaufen schräg von vorn nach hinten unten und haben eben­falls stärker geschweifte knöpfbare Patten.

Die Farbe der Uniformhose wurde von eisengrau auf hellgrau geändert, ihre Seitentaschen waren ab nun schräg geschnitten. Der graue Hosengurt hat eine metallene Klemmschnalle mit einem geprägten stilisierten Bundesadler. Die fallweise getragenen gold- und silberfarbenen Klemmschnallen wurden alle privat beschafft.

Weil aber auch die hellgraue Hose farblich nicht be­son­ders gut zum weißen Rock passte, wurde 1986 eine schwarzblaue Gesell­schafts­hose (mit dunkelblauem Smo­kingband an Stelle der Passepoilierung) eingeführt, ebenso eine dazu passende mitternachtsblaue Abendkrawatte.

Zum Ausgang kann auch - ohne Rock und Krawatte - ein Uniformhemd mit Ausschlagkragen getragen werden. Dieses hat zwei Brusttaschen ohne Quetschfalte und zwei Schulterklappen zum Aufschieben der Dienstgradabzeichen.

Regenmantel und Anorak
Anstelle des bisher in Verwendung stehenden Gummimantels trat der Regenmantel (aus 67 Prozent Trevira und 33 Prozent Baumwolle) in Raglanform mit rundem Kragen, verdeckter Knopfleiste, eingeschnittenen Leistentaschen, aufgesetzten Schulterklappen und einem Schlitz hinten. Am Kragen sind Mantelparoli aufgenäht, auf den Schulterklappen befinden sich ebenfalls die Dienst­gradabzeichen.

Der 1971 eingeführte Anorak grau wurde - obwohl beliebt und gerne getragen - 1996 zum Auslaufgut erklärt. (Er wird nicht mehr nachbeschafft.) Der Anorak verfügt über je zwei Brust- und Seitentaschen, eine eingearbeitete Kapuze und Schulterklappen, auf denen hellgraue Dienstgradabzeichen aufgeschoben werden.

Kappen und Barette
Die zum Ausgangsanzug gehörige feldgraue Tellerkappe mit schwarzem Kopfstreifen und schwarzem Lackschirm ist eine modifizierte ehemalige österreichisch-ungarische Mari­ne­offi­zierskappe.

Die bereits in Teil I beschriebenen Feldkappen wurden mit Ausnahme der Fliegerkräfte, der Pionier- und der Pan­zertruppe weiterhin von allen Waffengattungen getragen, fallweise auch zum Ausgangsanzug. (Das Tragen der Tel­lerkappe zum Ausgangsanzug war zwar erlaubt, die Soldaten mussten sich diese anfangs allerdings selbst kaufen.) Die Feldkappe mit Schirm blieb in Schnitt und Form unverändert, die Dienst­gradabzeichen waren allerdings nicht mehr in der Waffenfarbe, sondern nur mehr - einheitlich - in der Farbe der Achselspange ausgeführt. Neuere Feldkappen ohne Schirm ("Lei-Lei-Schif­ferln") waren vorne etwas höher, hinten hingegen niedriger als die alten "Schiffchen". Diese Feldkappen wurden erst mit der Einführung des Feldanzuges 75 abgeschafft.

Am 22. Mai 1974 wurde als zusätzliche Kopfbedeckung für den Ausgang das Barett eingeführt. Das Barett gab es zunächst in drei Farben:

  • schwarz für die mechanisierte Truppen und die Bereitschaftstruppe;
  • weinrot für Truppen mit Luftlande- oder Sonderausbildung sowie für die Angehörigen der Heeressport- und Nahkampfschule (HSNS) und des Ausbildungszentrums Jagdkampf;
  • grün für alle anderen Truppen.

Die vierte Barettfarbe, scharlachrot, wurde am 19. April 1994 für die Garde eingeführt.

Der Anzug 75

Der Anzug 75 wurde am 14. Oktober 1974 in der Maria-Theresien-Kaserne nach längerer Erprobung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Er und die dazugehörige Rüstung 75 wurden von der Arbeitsgruppe für Truppenaus­stat­tung und Mannesausrüstung (AGTAM) entworfen. Obwohl der Anzug 75 (Kampf­anzug 75, KAZ 75) derzeit bereits durch einen neuen Kampfanzug ersetzt wird, sind noch viele Anzüge 75 sowie Teile der dazugehörigen Ausrüstung weiter­hin im täglichen Gebrauch.

Wie die Geschichte beweist, wurde die Bekleidung im Laufe der Zeit laufend an neue militärische Erfordernisse angepasst, um den jeweiligen Auftrag möglichst gut erfüllen zu können. Auch der Anzug 75 stellte eine völlige Neuerung dar, denn er baute erstmals auf einem Zwiebelschalensystem auf. Bei Änderungen der Temperatur muss sich der Soldat nicht wie früher umziehen. Er braucht nur z. B. in die Feldjacke als neues oberstes Bekleidungsstück schlüpfen oder sein oberstes Be­kleidungsstück - etwa die Feldbluse - ablegen. Dienstgrad und Name des Soldaten sind am jeweils obersten Be­klei­dungsstück ersichtlich - an den Schul­terklappendienstgradabzeichen und am Namensband.

Der Anzug 75 ist braungrau (RAL 7013). Aufgrund unterschiedlicher Lie­fer­lose und verschiedener Reinigungsverfahren ist allerdings die Farbe der Anzüge nicht (mehr) wirklich einheitlich.

Im Laufe der Zeit änderte sich auch der Anzug 75 durch Neueinführungen und Modifikationen. Für die Übergangszeit bzw. die kältere Jahreszeit gab es z. B. anfangs nur die Feldjacke. Zusätzlich eingeführt wurde später eine Feldjacke leicht mit deutlich verbessertem Nässeschutz. Zur Kennzeichnung des Anzuges 75 als Uniform des Öster­reichischen Bundesheeres wurde ab 1992 ein Nationalitätsabzeichen am linken Oberarm angebracht.

Mit dem Anzug 75 kam auch eine neue Sportbekleidung, bestehend aus Sporthose kurz, Trainingshose und Trainingsjacke. Als Kopfbedeckung für die kältere Jahreszeit wurde auch eine Wollmütze in den Bestand aufgenommen.

Teile des Kampfanzuges 75 wurden einsatzbezogen abgeändert. So entstanden u. a. eigene Bekleidungsgegenstände für das Alpinpersonal. Auch die Rüstung 75 wurde mehrmals überarbeitet und ergänzt. Bei der Rüstung 75 galt z. B. anfangs der Stahlhelm (ameri­ka­nisches Modell) in Verbindung mit dem Innenhelm als Splitterschutz für den Kopfbereich als beste Variante. Ab ca. 1995 - also rund zwanzig Jahre später - erprobten Truppenteile des Österreichi­schen Bundesheeres erstmals den neu­en Kampfhelm ("Kevlar-Helm"). Dieser hat einen weitaus besseren Splitterschutz und einen höheren Tragekom­fort, obwohl beide Helme fast gleich leicht (bzw. schwer) sind. Leider sind bis heute noch nicht alle Verbände mit den neuen Helmen ausgerüstet.

Trotz einiger weniger Schwachstellen hat sich der Anzug 75 über Jahrzehnte hinweg bewährt. Nach den persönlichen Erfahrungen der Autoren und anderer Wirtschaftsunteroffiziere wurden allerdings manche Teile des Anzuges 75 zweckentfremdet verwendet. Jedenfalls versuchten die verantwortlichen Stellen mehrmals, die sich erst im täglichen Dauereinsatz zeigenden Schwachstellen des Anzuges 75 zu beheben. Doch fehlte oft das Geld zu flächendecken­den Verbesserungen der Bekleidung/Mannesausrüstung, die aus dem zivilen Bekleidungssektor längst nicht mehr wegzudenken sind - etwa für modernste Nässe- und Kälteschutzmittel für den alpinen Bereich.

Verbesserungen
Die in den Jahrzehnten der Verwendung des Anzuges 75 erkannten und auszugsweise unten angeführten Schwachstellen wurden, sofern dies nicht aufgrund der finanziellen Unterdotierung des Bundesheeres unmöglich war, beim neuen Kampfanzug (siehe Beitrag im Folgeheft) bereits behoben.

Unterwäsche: Unsere Soldaten erhielten für die Zeit des Grundwehrdienstes nur drei lange Unterhosen zum Anzug 75. Sie verwendeten deshalb private Unterwäsche. Ein Rekrut sollte jedoch die gesamte dienstlich benötigte Bekleidung von der Armee erhalten. Mit dem neuen Kampfanzug wird daher Funktionsunterwäsche ausgegeben, die - je nach Einsatz des Soldaten - verschiedenen Anforderungen angepasst ist, es gibt also auch kurze Unterhosen für den Sommer.

Wollsocken: Die Anzahl der Wollsocken zum Anzug 75 (drei Paar) entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen, auch nicht der Tragekomfort (Schweißbildung). Nach mehrmaligem Waschen beginnen die Socken zu fusseln und verlieren die Fähigkeit zum Wärmeschutz. Der Schweiß wird dann auch nicht nach außen transportiert, dadurch entsteht ein ständiges Nässegefühl. In Zukunft soll daher jeder Rekrut sechs Paar Socken erhalten.

Feldschuhe: Leider kann auch heute nicht davon ausgegangen werden, dass alle Rekruten in Zukunft ein neues Paar Feldschuhe bekommen, das sie nach Beendigung des Grundwehrdienstes behalten dürfen. Dies ist aufgrund der finanziellen Lage des Bundesheeres nicht möglich. Entspricht es wirklich dem heutigen Standard, dass Soldaten gebrauchte Schuhe tragen müssen? Immerhin zählt Österreich zu den reichs­ten Ländern der Welt!

Handtücher: Die alten Handtücher waren alles andere als hautfreundlich und Wasser aufnehmend. Sie werden nun aufgebraucht, und jeder Soldat erhält nun statt dessen ein Badetuch und zwei Handtücher von ausgezeichneter Qualität.

Feldbluse: Aufgrund des unbequemen Schnittes wird die Feldbluse kaum verwendet. Sie war zwar Teil des Zwie­belschalensystems, hatte jedoch nur einen geringen Wärmewert. Am Ende fast jedes Einrückungsturnus werden viele Feldblusen praktisch ungetragen wieder abgegeben, dennoch müssen sie gereinigt werden. Dadurch entstehen Kosten, die man leicht vermeiden kann. Beim neuen Kampfanzug ist die Feldbluse nicht mehr im Bestand.

Halstuch: Kaum jemand verwendete das Halstuch ("Trenzbatterl", "Lendenschurz") wirklich als Kälteschutz für den Hals- und Nackenbereich. In Zukunft wird es deshalb durch ein Drei­eckstuch ersetzt.

Butterdose: Die Art der Portionierung von Nahrungsmitteln hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Kaltverpflegung ist praktisch im­mer abgepackt und offene Butter wird kaum noch ausgegeben. Damit hat dieser Ausrüstungsgegenstand seinen primären Zweck verloren, eignet sich aber noch als Behälter für "Kleinzeug".

Feldflasche: Ursprünglich erhielt jeder Soldat mit der Rüstung 75 eine Feldflasche aus Aluminium, später aus Kunststoff. Es ist jedoch fraglich, ob letztere wirklich die bessere Variante ist (Aufwärmen von Getränken). Älteres Plastik ist aufgrund des Verlustes der so genannten Weichmacher auch tempe­ratur- bzw. stoßempfindlich. Bei großer Kälte reißt es daher oftmals ein, z. B. wenn die Feldflasche zu Boden fällt. Auch bricht häufig der Kappenver­schluss mit der Plastikhalterung.

Schuhstrecker: Für die Pflege der Feldschuhe - vor allem älterer - sind die Schuhstrecker sehr wichtig. Jedoch verwendet sie kaum jemand, weil man das heute nicht mehr gewohnt ist. Private Schuhe werden meist nur eine bestimmte Zeit getragen und müssen daher nicht über Jahre "in Form" bleiben.

Tragesystem: Das Traggerüst zum Anzug 75 war ursprünglich un­ge­pol­s­tert und hatte Haken für die Befestigung am Feldgurt und Feldrucksack/Feldsack. Doch diese Haken ließen sich oft nur sehr schwer "einfädeln", das System war somit kaum feldbrauchbar. Deshalb erfolgte die Einführung von Traggerüsten mit einem Karabinerha­kensys­tem. Die neuen Traggerüste waren im Schulterbereich gepolstert, doch brachte dies kaum eine Verbesserung des Tragekomforts. Denn damals wurde noch nicht sehr viel Wert auf Er­go­nomie (Vermeidung von Schäden im Bereich des mensch­lichen Körpers durch körpergerechte Ausrüstung, Möbel usw.) gelegt. Das Tragesystem ist jedenfalls nicht geeignet, die gesamte Ausrüstung (oder wichtige Teile davon) über längere Strecken zu transportieren, ohne Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule hervorzurufen. Das Folgemodell entspricht den ergonomischen Grundsätzen, es verteilt die Last auf Hüften und Schultern.

Feldjacke leicht: Die Feldjacke leicht ("Goretex-Jacke") ist vor allem als Nässeschutz gedacht und sollte daher nur bei Nässe getragen werden. Dem "modebewussten Soldaten" stach jedoch diese Jacke - ähnlich wie die so genannte "Fleece-Jacke" - ins Auge. Seither ist sie das Problemkind jeder wirtschaftsdienstlichen Fortbildung. Durch das häufige Tragen vermindern sich die Reinigungsintervalle, und die Abnützung steigt. Das könnte aber auch an der Verarbeitung bzw. an der Auswahl der Materialien liegen. Wäre die Feldjacke leicht so eingeführt worden, wie sie die Kadersoldaten über Forterhaltung bis vor kurzem noch kaufen konnten, wäre die Beschaffung zwar teurer gewesen, die Reparaturkosten hingegen geringer. Zusätzlich hätte das Innenfutter die Jacke allwettertauglich gemacht.

(wird fortgesetzt)


Autoren: Stabswachtmeister Reinhard Gru­ber (Projektleiter), Stabswachtmeister Jo­han­nes Astl (Ausgangsanzug) und Stabswachtmeister Bernhard Sarg (Anzug 75). Alle Lehr­gangsteilnehmer des 3. Stabs­unter­offi­ziers­lehrganges/II. Semester Wirt­schafts­dienst an der Heeresversorgungsschule.

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