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Der Bauernführer Fadinger

Das Land ob der Enns (heute: Oberösterreich) befand sich am Beginn der Neuzeit im Umbruch. Soziale Unruhen und der Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten führten zu schweren Kämpfen. Der Bauernführer Stefan Fadinger war dabei eine Schlüsselfigur im Oberösterreichischen Bauernkrieg von 1626.

Das politische Umfeld

Als der "Deutsche Bauernkrieg" in den Jahren 1525/26, der vor allem in Süddeutschland, im Erzbistum Salzburg und Tirol tobte, blieb es im Land ob der Enns bei kleinen Auseinandersetzungen, wie im Attergau, bei Freistadt und im Ennstal. Während es sich sowohl beim Deutschen Bauernkrieg von 1525/26 als auch bei den Bauernrevolten 1594 bis 1597 um sozialrevolutionäre Aufstände handelte, spielte beim großen Oberösterreichischen Bauernkrieg von 1626 die Religion eine ebenso große Rolle wie auch die bayerische Besatzung im Land ob der Enns. Die Lehre Martin Luthers hatte hier Fuß gefasst und sich fast auf das ganze Land ausgebreitet. Nur das bis 1779 bayerische Gebiet rechts des Inns ("Innviertel", heute die Bezirke Brau- nau, Ried/Innkreis und Schärding) blieb neben einigen "Inseln" katholisch. Die habsburgische Gegenreformation und die Zentralisierungsversuche trafen in Oberösterreich auf heftigen Widerstand der zumeist evangelischen Bevölkerung und der herrschenden Schichten (Landstände). Während die beiden Kaiser Rudolf II. und Matthias aufgrund ihrer politischen Schwäche auf die Protestanten Rücksicht nehmen mussten und dadurch die gegenreformatorischen Maßnahmen milderten, begann Kaiser Ferdinand II. 1619, nach dem Beginn des 30jährigen Krieges in Oberösterreich mit einer harten Rekatholisierung. Diese war auch Mitauslöser für den Bauernkrieg von 1626. Das Reichsoberhaupt traf hier auf entschlossenen Widerstand der protestantischen Bevölkerung, die nicht bereit war, ihrem Glauben abzuschwören und notfalls dafür auch zu den Waffen zu greifen gewillt war.

Landwirt und Heerführer

Über das Leben des Bauernführers Stefan Fadinger ist nicht viel bekannt, kein authentisches Bild hat die Zeit überdauert. Um 1585 auf einem Hof in der Parz geboren, einer oberösterreichischen Gemeinde St. Agatha (Bezirk Grieskirchen), erlernte Fadinger das Gewerbe des Hutmachers und bewirtschaftete ab 1616 den Hof seiner Eltern. Da er nie eine Schule besucht hatte, blieb Stefan Fadinger Zeit seines Lebens Analphabet. Er bekannte sich zum evangelischen Glauben. Angeblich hatte Fadinger auch Erfahrungen als Soldat gesammelt. Sein Charisma und seine Redegewandtheit begeisterten seine Untergebenen. Einschränkend muss jedoch angemerkt werden, dass Fadinger sicherlich nicht der intellektuelle Anführer des Bauernkrieges war. Vermutlich kamen diese Impulse von den beiden Steyrer Bürgern Wolf Madlseder und Lazarus Holzmüller. Sein militärisches und politisches Talent war ebenfalls bescheiden und konnte sich nicht mit dem der bayerischen Heerführer messen. Dies hatte in weiterer Folge verheerende Auswirkungen auf die Aufständischen. Neben ihm kam auch seinem Schwager und Gastwirt Christoph Zeller, auch ohne militärische Ausbildung, große Bedeutung zu.

Die bayerische Besatzung Oberösterreichs

Durch den Prager Fenstersturz 1618 eskalierte der Konflikt mit den Ständen des Königreichs Böhmen, als Kaiser Matthias versuchte, den "Majestätsbrief" (Religionsfreiheit) seines Vorgängers von 1609 aufzuheben. Am 23. Mai 1618 stürmten aufgebrachte böhmische Adelige die Prager Burg und warfen Angehörige der böhmischen Hofkanzlei aus dem Fenster ("Prager Fenstersturz"). Statt dem Habsburger erhoben die Stände Friedrich V. von der Pfalz ("Winterkönig"), einen Protestanten, zum böhmischen König. Der 1619 zum Römischen Kaiser gewählte Ferdinand II. musste aufgrund von Geldknappheit die katholische Liga um Hilfe bitten. Im so genannten "Münchner Vertrag" verpfändete der Landesfürst für die erhaltene militärische Hilfe das Land ob der Enns an den bayerischen Herzog Maximilian, der seine Truppen im Juli 1620 in Oberösterreich einrücken ließ. Als Landesstatthalter fungierte Adam Graf Herberstorff. Ab 1624 begann die "Reformationskommission" im Land ob der Enns mit der Ausweisung der protestantischen Geistlichkeit. Die Pfarrstellen wurden zum Teil mit italienisch sprechenden katholischen Pfarrern besetzt. Dies rief eine heftige Ablehnung durch die Bevölkerung hervor, die auch vereinzelt in Gewalttätigkeiten ausartete. 1625 eskalierte die Situation in Frankenburg am Hausruck (Bezirk Vöcklabruck). Nachdem der dortige evangelische Geistliche abgelöst worden war, versammelte sich vor dem Schloss eine aufgebrachte Menge von Bürgern und Bauern und der neue katholische Pfarrer wurde vertrieben. Statthalter Herberstorff versuchte nun ein Exempel zu statuieren. Am 15. Mai trieb er am "Haushamerfeld" (heute Gemeinde Pfaffing) Teile der männlichen Bevölkerung der Gegend zusammen und 36 von ihnen würfelten paarweise um ihr Leben. 17 mutmaßliche Rädelsführer wurden letztendlich gehängt. Dieses rechtswidrige, barbarische Verhalten beschleunigte die Eskalation, welche zum nachfolgenden Aufstand führte.

Der Aufstand

Geplant war der Aufstand der Bauern zu Pfingsten 1626. Aus jedem Haus im Lande sollte ein Mann ausgehoben werden. Die Bewegung stand unter der Führung von Stefan Fadinger und Christoph Zeller. Ziel war die "Befreiung" des Landes von der bayerischen Herrschaft. Doch schon zwei Wochen vor dem Aufstandstermin kam es in Lembach zu einem Zusammenstoß zwischen bayerischen Soldaten und einheimischen Bauern. Am 21. Mai 1626 traf Christoph Zeller, noch vor dem Eintreffen Fadingers mit seinem Bauernhaufen, auf den Statthalter Herberstorff bei Peuerbach. Durch dessen unvorsichtiges Handeln gelang es Zeller und seinen Bauern, die Bayern vernichtend zu schlagen. Eferding und Wels fielen in die Hände der Aufständischen. Einen Tag später erfolgte die Wahl Stefan Fadingers zum "Oberhauptmann des Mühl- und Machlandviertels" und Christoph Zellers zum "Oberhauptmann des Traun- und Hausruckviertels". Ein Bauernlager bei Ottensheim wurde angelegt, und Fadinger gelang es, Kremsmünster und Steyr zu erobern. Freistadt musste über einen Monat belagert werden, bevor es in die Hände der Bauern fiel.

Anders war es mit der Landeshauptstadt Linz, in die sich der Statthalter geflüchtet hatte. Eine Übergabe der Stadt lehnte er ab, die Bauern begannen mit der Belagerung. Am 24. Juni 1626 ließ sich Fadinger allerdings zu einer Unvorsichtigkeit verleiten, als er am Landhaus von Linz vorbeiritt. Scharfschützen nahmen ihn aufs Korn und verletzten ihn schwer. Zwei Wochen später erlag Stefan Fadinger in Ebelsberg bei Linz seinen Verletzungen. Kurze Zeit später fiel sein Schwager in Urfahr im Kampf gegen die per Schiff eingetroffene bayerische Verstärkung. Den Generälen Löbl und Pappenheim gelang es, bis Ende 1626 den Aufstand der Bauern äußerst blutig niederzuschlagen.

Fadinger - eine "Heldengestalt"

Stefan Fadinger selbst und sein Schwager Christoph Zeller gönnte man von Seiten des Statthalters Herberstorff nicht einmal die Totenruhe. Ihre Leichen ließ er auf dem Eferdinger Friedhof ausgraben, enthaupten und dann verscharren. Auch an seiner wehrlosen Familie rächte sich Adam Graf Herberstorff. Er ließ den Hof niederbrennen und seine Familie vertreiben. Seine Frau und die Kinder fanden in Norddeutschland bei einer evangelischen Familie Aufnahme.

Stefan Fadinger genoss in der Bevölkerung Oberösterreichs großes Ansehen. Zahlreiche Straßen und Plätze sind nach ihm benannt worden, selbst ein Gymnasium ("Fadingerschule") in Linz trägt seinen Namen. Die Gemeinde St. Agatha im Hausruckviertel hat das Familienwappen in das Gemeindewappen integriert. Im Heimatkundeunterricht in den Volksschulen Oberösterreichs hat Stefan Fadinger einen prominenten Platz als volkstümlicher Held, der "für die Freiheit der Bauernschaft" gekämpft hatte. Es wird nur allzu oft übersehen, dass Stefan Fadinger trotz seiner Vereinnahmung durch die katholisch geprägte oberösterreichische Volkskultur ein überzeugter Kämpfer für seinen evangelischen Glauben war, der versuchte, seine militärische Schwäche mit Glaubens- und Charakterstärke wettzumachen.


Autor: Mag. Martin Prieschl, Jahrgang 1976. 2004 Wehrdienst im Panzer grenadierbataillon 13, Angehöriger des Milizbataillons Oberösterreich. Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte an der Universität Salzburg. Abschluss in Geschichte 2003 mit Auszeichnung; Auszeichnung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für die besten Studierenden 2003/2004; Ausbildung zum Archivar am Insitut für Österreichische Geschichtsforschung und der Fachhochschule Potsdam (Archiv, Bibliothekswesen, Dokumentation); Dissertation an der Universität Wien. Nach dem Studium neben zahlreichen Publikationen u. a. Tätigkeiten im Verlagswesen; Hospitant im Kriegsarchiv; im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und im Parlamentsarchiv sowie als Koordinator und Mitgestalter der Ausstellung "Liberale Politik in Österreich" (Parlament, 2006). Seit März 2007 Archivbeauftragter der Evangelischen Kirche A und HB sowie Archivar der Diözesen Niederösterreich und Salzburg-Tirol. Seit 2009 Geschäftsführer der Firma Archivtechnik & Systeme.

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