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Das Fliegerabwehrbataillon 3 im Objektschutz

Das Fliegerabwehrbataillon 3 übte mit ungefähr 400 Soldaten die Sicherung eines Schutzobjektes vor Bedrohungen aus der Luft und vom Boden. Ziel der Übung war es, den Schutz der kritischen Infrastruktur vor Gefahren aus der Luft sicherzustellen.

Das Fliegerabwehrbataillon 3 wurde während der Übung "AMADEUS 11" vom 19. bis 23. September 2011 zum Schutz eines fiktiven Erdöllagers und des Feldflugplatzes St. Georgen im Ybbsfeld eingesetzt und konnte seine Kernfähigkeiten erneut unter Beweis stellen. Unter Beteiligung des Vollkontingentes (Einrückungstermin 04/11) und der beorderten Wehrpflichtigen der 2. Batterie und der Stabsbatterie sowie Teilen des Fliegerabwehrbataillons 2 und der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule, wurden fünf Feuereinheiten (FE) 35-mm-Zwillingsfliegerabwehrkanone (ZFlAK) und acht Feuereinheiten "Mistral" zum Objektschutz eingesetzt. Insgesamt war der Fliegerabwehrverband, der an der Übung teilnahm, ungefähr 400 Mann stark.

Das Szenario

Als Bedrohungsszenario diente ein möglicher terroristischer Angriff auf die Schutzobjekte Erdöllager/Feldflugplatz mittels ziviler Luftfahrzeuge(z. B. Linienmaschine) als "Marschflugkörper" bzw. erdgebundene Angriffe durch terroristische Kräfte und/oder Beschuss durch feindliche Granatwerfer. Die Beurteilung der Feindlage ergab kein eindeutiges Schwergewicht, jedoch Angriffsmöglichkeiten sowohl aus der Luft aus allen Richtungen, als auch mit geringen Kräften vom Boden aus. Die Folgerung war ein Fliegerabwehr (FlA)-Dispositiv mit klassischem Rundumeinsatz zu errichten und zusätzlich ein besonderes Augenmerk auf den infanteristischen Schutz zu legen. Dies forderte vom Verband höchste Anstrengungen in puncto Eigensicherung und Sicherstellung der Beobachtung sowie die rasche Weiterleitung von Meldungen über Feindaktivitäten im gesamten Einsatzraum. Detail am Rande: Diesem besonderen Umstand war es auch zu verdanken, dass FlA-Soldaten einen echten Betriebsmitteldiebstahl an abgestellten Fernlastzügen beobachteten und an die Polizei meldeten, was schließlich zur Festnahme der Diebe führte.Aufgrund der großen Ausdehnung des Einsatzraumes, geringer Kräfte in den Stellungsräumen und daher mangelnde Reaktionsmöglichkeiten auf infanteristische Alarmmeldungen, wurde ein mobiles Emergency Response Team (ERT) in Gruppenstärke zusammengestellt. Dieses Team konnte im Bedarfsfall durch einen Notarzttrupp und einen ABC-Spürtrupp erweitert werden. Bei den eingespielten Übungseinlagen war das ERT spätestens nach 20 Minuten am Einsatzort. Der Einsatzraum des Fliegerabwehrbataillons erstreckte sich geländebedingt über ca. 25 x 25 Kilometer. Hierbei wurden die 35-mm-Feuereinheiten nahe dem Schutzobjekt und die "Mistral" in einem äußeren Ring eingesetzt. Zur Verdichtung in radarsichttoten Räumen wurden zusätzlich vier Flugmeldetrupps (FlumTrps) vorgelagert. Die Meldungen dieser FlumTrps konnten von allen eingesetzten Kräften mitgehört werden, um auch immer ein aktuelles Lagebild zu haben.

Der Datenverbund

Geführt werden die Feuereinheiten innerhalb des Integrated Air De- fence System (IADS), wonach Luftlagedaten sowie Aufträge zur Zielbekämpfung nahezu zeitverzugslos vom Air Operation Center (AOC) über die Taktische Einsatzzentrale (TEZ) und den Aufklärungs- und Zielzuweisungsradargeräten (AZR) direkt über die Zieldatenempfänger (ZDE) zu den Feuereinheiten weitergegeben werden. Dies ermöglicht der autorisierten und entscheidungsbefugten Stelle, im blitz- artig sich ändernden Bedrohungsszenario, anhand der gültigen Rules of Engagement (ROE, Handlungsanweisungen; Anm.) etwaige Bekämpfungsaufträge nahezu in Echtzeit an die Feuereinheiten weiter- zugeben. Eine Rückmeldung über die Auftragserfüllung kann vice versa ebenfalls in kürzester Zeit erfolgen. Das zentrale Luftlagebild "Goldhaube" wurde durch die Dateneinbindung der eigenen beiden AZR ergänzt. Damit ist das Fliegerabwehrbataillon nicht nur Datenempfänger sondern auch Datenlieferant. Ermöglicht wird diese Dateneinbindung unter anderem durch den Einsatz des eigenen Vermittlungssystems großer Verband (VmiSysgrVbd) und der Unterstützung externer Richtfunktrupps. Durch den Datenverbund aller FlA-Systeme ändert sich auch die Führung eines FlA-Verbandes grundlegend hin zu einer zentralen Feuerleitung.Über den Feuerleitkreis werden Aufträge zur Zielbekämpfung, Luftlageinformationen, der Weapon Control Status (WCS), die Readiness States (RS) und die Emission States (ES) sowie die Air Defence Warnings (ADW) befohlen. Alle anderen taktischen bzw. versorgungsrelevanten Befehle und Meldungen werden über den herkömmlichen Führungskreis Bataillon beziehungsweise Batterie weiter gegeben. Die Übung "AMADEUS 11" hat gezeigt, wie wichtig die Einbindung in einen Daten- und Informationsverbund aufgrund eines sich rasch ändernden Luftlagebildes für die Reaktions- und Einsatzfähigkeit der Fliegerabwehr ist. Eine weit reichende Aufklärung und somit frühzeitige Vorwarnung ist sicherzustellen, um innerhalb kürzester Zeit die Befehle von einer autorisierten Ebene (AOC) bis zum Bedarfsträger (die vorhandenen Wirkmittel) umzusetzen und ein entsprechendes Lagebild rückzumelden.

Informationsübertragung

Anhand der bisherigen Darstellung ist ersichtlich, dass die Führungsunterstützung ein Kernelement der Fliegerabwehr darstellt und die Einsatz-/ Übungsvorbereitung parallel mit der taktischen Planung erfolgen muss. Der Datenfunk ist das zentrale Fernmeldeelement im Fliegerabwehrbataillon. Mittels des Datenfunks werden alle notwendigen Daten von den Sensoren an die Bedarfsträger übermittelt, um einen erfolgreichen Feuerkampf sicherzustellen. Insgesamt waren drei Datenfunkkreise und 13 Sprechfunkkreise zu errichten. Um für die Funkplanung ausreichend Frequenzen zur Verfügung zu haben, war es notwendig 13 Frequenzen von 55 MHz bis 76 MHz vom Militärkommando Niederösterreich "auszuleihen". Seit der Umstellung der Fliegerabwehrbataillone von KFF-19 auf KFF-31 bzw. KFF-32 funktioniert die Datenverbindung besser als in den Jahren zuvor. Eine Ausrüstung mit Datenfunkgeräten wäre von Seiten des Bataillons jedoch wünschenswert. Im Bereich des Sprechfunks erfolgte die Umstellung auf das System "Racal". Die Übermittlung von Funksprüchen ist aufgrund der notwendigen Tarnung/Enttarnung von Funksprüchen sehr zeitaufwendig und entspricht nicht den heutigen Standards. Die Ausrüstung der Fliegerabwehrbataillone mit dem Truppenfunksystem "Conrad" wäre ein erforderlicher Modernisierungsschritt.Die Fliegerabwehrbatterien errichteten ihre Gefechtsstände nach taktischen Vorgaben. Die sich daraus ergebenden großen Entfernungen (eine Eigenheit der Fliegerabwehr) erfordern, wegen fehlender eigener Mittel, eine fernsprechmäßige Einbindung der Batterien über angemietete Leitungen der Telekom AG. Aus der Tatsache heraus, das bei jedem AZR zur Einbindung in den Verbund der Luftraumüberwachung ein Vermittlungssystem großer Verband eingesetzt war, konnten die Gefechtsstände der Fliegerabwehrzüge als indirekte Fernmelde-Teilnehmer eingebunden werden. Das ermöglichte es dem Feuerleitoffizier in der TEZ nicht nur mit den Feuereinheiten/Waffenträgern zu kommunizieren, sondern auch mit den jeweiligen Gefechtsständen. Eine Kommunikation der Batteriegefechtsstände mit ihren Teileinheiten über Feldkabel war jedoch nur eingeschränkt möglich. Die Feldkabelbautätigkeiten überstiegen die Kapazitäten der im FlAB3 vorhandenen Feldkabelbautrupps. So wurden dem Bataillon zwei weitere Feldkabelbautrupps unterstellt. Trotz dieser Verstärkung und Vorbereitung in der Woche vor der Übung, waren die letzten Bautätigkeiten erst in der Nacht des zweiten Übungstages abgeschlossen.

Informationssysteme

Das verlegbare Local Area Network (LAN) wurde in der Ostarrichi-Kaserne im Gefechtsstand des FlAB3 errichtet und mittels Vermittlungssystems großer Verband in das ortsfeste Fernmeldesystem des Bundesheeres eingebunden, um dem Kommando des FlAB3 eine uneingeschränkte Arbeitsumgebung zu ermöglichen.Ein Zugriff auf alle EDV-Anwendungen war daher im gesamten Verlauf der Übung möglich. Um den hohen Informationsbedarf der Führungszelle des FlAB3 sicherzustellen, wurden die Führungsinformationssysteme Luft am Bataillonsgefechtsstand zur Verfügung gestellt. Diese wurden ebenfalls über das verbandseigene Vermittlungssystems großer Verband geschaltet. Bei dem Führungsinformationssystem Luft handelt es sich um den Zusammenschluss verschiedener Teilsysteme, die mit "Kreidfeuer", "Zauberflöte" und "Fliegerinfo" bezeichnet werden.

Gefechtsstandorganisation

Ein Kreuzbau in der Ostarrichi-Kaserne diente als Bataillonsgefechtsstand. Dies brachte mehrere Vorteile. Zum einen konnte die gesamte Infrastruktur der Kaserne genutzt werden, zum anderen war die problemlose Einbindung und Aufstellung des Vermittlungssystems großer Verband in das ortsfeste Fernmeldesystem des Bundesheeres über den in der Kaserne befindlichen Truppenanschaltkasten, sowie von drei Richtfunktrupps und anderer für den Betrieb notwendigen Sheltersysteme möglich. Die Masse des Personals des Bataillonsgefechtsstandes konnte in einem Objekt untergebracht werden, ohne dass zusätzliche Kosten für die Anmietung von zivilen Unterkünften entstanden. Die Sicherung und Bewachung der in das Luftlagesystem "Goldhaube" eingebundenen Komponenten wurde dadurch erheblich erleichtert und war weniger kräfteintensiv.

Logistik

Die logistische Herausforderung bei der Übungsvorbereitung war die Darstellung des Bedarfes an Gerät, hier im Besonderen bei den Kraftfahrzeugen des einzusetzenden Verbandes. Vor allem Kraftfahrzeuge der Führerscheinklasse B2 und Sanitätsfahrzeuge wurden dem FlAB3 zur Verfügung gestellt. Sowohl Anmarsch als auch Rückmarsch der Fahrzeuge erfolgte nach Genehmigung durch das Streitkräfteführungskommando im Straßenmarsch. Gleichzeitig erhöht dies die Fahrpraxis der eingesetzten (Miliz-)Kraftfahrer.Die Verpflegs- und Betriebsmittelversorgung wurde über die Infrastruktur der Ostarrichi-Kaserne abgewickelt. Auf die Darstellung des vorgesehenen Kolonnenanteils, im Wesentlichen 14,5 Tonnen 35-mm-Munition und 16 Lenkflugkörper "Mistral" durch eine Versorgungseinrichtung/Munition musste aufgrund personeller und auch materieller Engpässe verzichtet werden. Die Sanitätsversorgung wurde durch einen mobilen Sanitätstrupp je Einheit und personeller Verstärkung der territorialen TAs realisiert. Zur Materialerhaltung wurden zwei Werkstätten, eine für die Kraftfahrzeuge, eine für die Waffensysteme und Sensoren, gebildet und in der Ostarrichi-Kaserne disloziert. Ein Sonderfall bei der Materialerhaltung waren die zwei eingesetzten Aufklärungs- und Zielzuweisungsradargeräte im Aufklärungs- und Feuerleitverbund, da diese Geräte durch den Verband nicht aus eigener Kraft instandgesetzt werden konnten. Die Unterbringung der Stabsbatterie mit den Versorgungsteilen in der Ostarrichi-Kaserne hat zum reibungslosen Ablauf der Einsatzunterstützung während der Übung geführt und zur Einsparung von Übungskosten beigetragen.

Auf einen Blick

Die "AMADEUS 11" war für das FlAB3 hinsichtlich Vorbereitung und Durchführung der Logistik ein Erfolg, der auf vorausschauende Planung und den Einsatz von motiviertem Personal im Verband selbst als auch bei den territorial Unterstützenden (Jägerbataillon 12 und Militärkommando NÖ), basierte. Das Fliegerabwehrbataillon 3 hat während der Übung "AMADEUS 11" gezeigt, dass der eingeschlagene Weg zum Integrated Air Defence System erfolgreich ist, die Fliegerabwehrbataillone gut im System "Goldhaube" der Luftraumüberwachung eingebunden sind, und dass das Zusammenspiel von Berufs- und Milizkader sowie Grundwehrdienern professionell funktioniert.


Autor: Oberst Gerhard Hausmann, MSD, 1978 eingerückt beim Jagdpanzerbataillon 1 in Wr. Neustadt, danach Einjährig Freiwilliger als Panzergrenadier an der Panzertruppenschule, 1979 Vorbereitungssemester an der Theresianischen Militärakademie; 1979 bis 1982 Offiziersausbildung Waffengattung Fliegerabwehr. 1982 Ausmusterung zum Fliegerabwehrbataillon 3 nach Wals, Zugs- und Batteriekommandant, 1990 S3 im Fliegerabwehrbataillon 3, 1993 bis 1995 zusätzlich als S1&S5; 1995 stvS3 & Mobilmachungsoffizier & ABC Abwehroffizier im Fliegerabwehrregiment ; 2003 stellvertretender Kommandant & S3 & Ausbildungsoffizier; ab 1. September 2006 bis 2009 Kommandant Fliegerabwehrregiment 3, seit 1. August 2009 Kommandant Fliegerabwehrbataillon 3.

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