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AUTCON1/UNIFIL - Mission läuft

Seit 28. November 2011 hat das österreichische Libanon-Kontingent die Verantwortung im Einsatzraum übernommen und erfüllt den Auftrag gemäß den Vorgaben der UNO und des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport (BMLVS). Nun gilt es, die täglichen Herausforderungen der neuen Mission zu bewältigen.

Nach der Einsatzvorbereitung in der Auslandseinsatzbasis Götzendorf (siehe TD-Heft 6/2011, "UNIFIL - Einsatzvorbereitung Mission Libanon") wurde das Logistik-Kontingent in zwei Lifts (14. November 2011: Vorkommando; 22. November 2011: Hauptkontingent) in den Einsatzraum entsandt. Vom Flughafen verlegten die Österreicher im Konvoi mit den dänischen Kameraden in das rund 110 Kilometer entfernte und direkt am Mittelmeer gelegene Camp in Naqoura im Südlibanon. Wie jeder Konvoi wurde auch dieser von sogenannten "Jammer Cars" begleitet. Diese Fahrzeuge stören - mit ihrem elektronischen Equipment - Funksignale im Umkreis von ca. 50 Metern. Je nach Länge eines Konvois werden die Jammer Cars so eingesetzt, dass sich eine durchgehende "Störglocke" über den Fahrzeugen des Konvois bildet. Dies dient (neben Splitterschutzwesten und Helmen) zur Sicherheit der Soldaten und als Schutzmaßnahme gegen "roadside-bombs" (neben den Straßen platzierte Bomben), die per Funksignal gezündet werden können.

Die erste Aufgabe der Österreicher nach Ankunft im Camp war es, sich im Einsatzraum einzurichten und das dänische Kontingent abzulösen. Folgende Herausforderungen konnten dabei festgestellt werden:

  • Sehr kurze Zeitspanne bis zur Übernahme der Verantwortung (sechs Tage!);
  • Ablöse einer anderen Nation;
  • Unterschiedliche Gliederung und Stärke des dänischen (DANCON) und des österreichischen Kontingentes (AUTCON);
  • Kommunikation in Englisch.

Kommandant der österreichischen Soldaten ist Oberstleutnant Thomas Erkinger; 47 Soldaten kommen aus der Steiermark, 24 aus dem Burgenland, 23 aus Niederösterreich, 18 aus Oberösterreich, 15 aus Kärnten, zwölf aus Wien, neun aus Tirol und sechs aus Salzburg. Insgesamt befinden sich auch sieben Soldatinnen im Kontingent. Ab dem 28. November 2011 nahmen dann die Österreicher ihren Einsatz voll auf.

Das AUTCON

Mit einer großen Zahl an Fahrzeugen (darunter Geländewagen, Tankfahrzeuge und Sattelschlepper) unterstützen die österreichischen Soldaten als Logistik-Element ihre UNIFIL-Kameraden dabei, die Lage im Libanon zu beruhigen und die Sicherheit für die Bevölkerung zu gewährleisten. UNIFIL-Soldaten führen dazu Patrouillen durch, betreiben Checkpoints und arbeiten eng mit den libanesischen Sicherheitskräften zusammen.

Die konkreten Aufgaben sind:

  • Abstellung von sechs Stabsoffizieren an das Hauptquartier UNIFIL (HQ/UNIFIL);
  • Planung und Koordination von Transporten für das HQ/UNIFIL;
  • Transport von Personal und Gerät (insbesondere Unterstützung der multinationalen Kontingente bei der Durchführung von Rotationen und Transporten zwischen dem Seehafen bzw. Flughafen BEIRUT und HQ/UNIFIL);
  • Instandsetzung und Bergung von schweren Fahrzeugen und Panzern der UNIFIL;
  • Lagerhaltung und Verteilung von Gütern des HQ/UNIFIL;
  • Treibstoffversorgung der Mission;
  • Brandschutz im HQ/UNIFIL.

Dafür stehen dem österreichischen Logistik-Kontingent ein Kommando/Stabselement, ein Versorgungszug, zwei Transportzüge, ein Instandsetzungszug und ein Feuerwehrelement zur Verfügung.

Das Schwergewicht der Einsatzführung liegt eindeutig bei Transportaufgaben. Die Planung und Koordinierung obliegt dem Kompaniekommando, das eng mit den vorgesetzten Stellen des HQ/UNIFIL zusammenarbeitet.

Die Durchführung erfolgt durch den Personentransportzug sowie den Gerätetransportzug. Ein Auszug aus der Transportstatistik gibt Aufschluss über die bisher erbrachten Leistungen (26. November 2011 bis 30. Jänner 2012):

  • 18 357 gefahrene Kilometer;
  • 2 029 transportierte Personen;
  • 187 Tonnen bewegte Güter.

Der Feldlagerbetriebszug ist mit seinen Elementen die Schnittstellen im Bereich der Versorgung mit Verpflegung, Wirtschafts-Gerät, Pioniermaterial und Betriebsmitteln zur UNO sowie für die nationalen Bedürfnisse verantwortlich.

Der Instandsetzungszug (IZg) garantiert Mobilität für schwere Fahrzeuge wie LKW, Busse und auch Sisu-Radschützenpanzer. Hiezu sind permanent zwei Soldaten des Instandsetzungszuges als mobiles Instandsetzungsteam in den Sektor Ost (Spanische Brigade) abgestellt.

Die Zusammensetzung des Kontingentes aus 65 Prozent aktivem Personal und 35 Prozent aus dem Miliz- und Reservestand erweist sich bis dato als praktisches und homogenes Gefüge. Wie in allen Einsätzen sind v. a. bei einer Erstmission das Know-how und die Erfahrungen aus dem zivilen Bereich (Miliz- und Reservestand) unabdingbar.

Ausrüstung

Zur Erfüllung der Aufträge steht den Österreichern zum Großteil UN-Gerät zur Verfügung. Im Bereich des Fuhrparks, der 80 Kraftfahrzeuge umfasst, stützt man sich auf die Marken Renault, Toyota, Nissan und Scania ab. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Fahrzeugen und zum Camp wird durch ein Funksystem von Motorola, das in jedem Fahrzeug eingebaut ist, sichergestellt. Bei der Doppelbewaffnung kommen das Sturmgewehr 77 (StG77) und die Pistole 80 (P80) für jeden Soldaten zum Einsatz. Zur Orientierungshilfe wurden GPS-Geräte in den Einsatzraum mitgeführt, was eine wichtige Unterstützung für alle Konvoikommandanten ist, da die Orientierung im Gelände sich für die Soldaten dort als sehr fordernd erweist und auch das vorhandene Kartenmaterial hinsichtlich der Genauigkeit nicht dem österreichischen Standard entspricht.

Zusammenarbeit mit anderen Nationen

Besonders im Bereich der Rotationsaufgaben wird mit allen truppenstellenden Ländern intensiv zusammengearbeitet. Nach Auftragserhalt durch das HQ/UNIFIL wird mit den verantwortlichen Kommandanten der zu rotierenden Nation Verbindung aufgenommen und Absprachen bezüglich Abholung und Transport von Personal sowie Umschlag von Gerät und Ausrüstung durchgeführt. Auch beim Instandsetzungszug und Feldlagerbetriebszug sind nationenübergreifende Vernetzungen an der Tagesordnung, da alle Organisationselemente in der Verwaltung ziviles UN-Personal als Ansprechpartner haben. Der Hintergrund dieser Struktur ist, bei steigendem Gefahrenpotenzial die Zivilisten zu evakuieren, so dass das Militär in weiterer Folge den Auftrag auch im Bereich der Verwaltung und Administration wahrnehmen kann, der eigentlich durch UN-Zivilbedienstete erledigt wird.

Camp und Unterbringung der Soldaten

Der Einsatzraum der Österreicher umfasst rund ein Drittel des Libanons - etwa die Größe von Oberösterreich. Das Camp selbst ist rund 2,1 Kilometer lang und zwischen 300 und 500 Meter breit. Es liegt direkt am Mittelmeer, ist aber von diesem durch einen rund vier Meter hohen mit Stacheldraht abgeschlossenen Zaun getrennt. Einen Zugang zum Meer gibt es für die Soldaten nicht. Ein Kuriosum ist eine öffentliche Straße, die von Betonwänden "geschützt" direkt durch das Camp führt und dieses so in einen neuen und alten Teil trennt. Im neuen Teil, am "green hill", befinden sich neben der Camp-Feuerwehr auch verschiedene neu erbaute Versorgungseinrichtungen inklusive der "Baumärkte" und des Hubschrauberlandeplatzes von UNIFIL; derzeit mit einem Mi-8 (Transporthubschrauber russischer Bauart) und sechs AB-212 belegt. Die Container-Unterkünfte der österreichischen Soldaten befinden sich im alten Teil, etwa 30 Meter vom Meer entfernt.

Die Unterkünfte und sanitären Anlagen waren in einem sehr "gewöhnungsbedürftigen" Zustand. Tagelange Bau- und Instandsetzungsarbeiten trugen dazu bei, den Arbeits- und Unterkunftsbereich auf österreichischen Standard zu bringen. So musste der gesamte Bereich inklusive der Unterkünfte generalgereinigt werden. Weiters wurden im Bereich der Dächer (undicht), der Elektronik (nicht gesichert), der Wasserheizung (veraltetes Material) und am Geländer zu den Duschcontainern (Schutzmaßnahme) Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Eine Campverschönerung wurde begonnen mit dem Zurechtschneiden der Pflanzen, Auftragen von Erde, Neubepflanzungen, Verlegen von Platten, Betonieren von Kanaldeckeln etc.

Grundsätzlich verfügt das Kontingent über Einzel-, Doppel- und Drei-Bett-Zimmer. Die räumliche Ausdehnung erlaubt jedem Soldaten für sich einen kleinen persönlichen Bereich zu gestalten. Sportmöglichkeiten sind insoweit gegeben, als jeder Soldat - je nach dienstlicher Abkömmlichkeit und persönlicher Neigung - seine Fitness auf einem akzeptablen Level halten kann.

Beurteilung der Lage

Die Lage im Einsatzraum ist im Moment stabil. Eine mittlere Bedrohung ergibt sich durch

  • Bombenanschläge während der Transporte innerhalb des Einsatzgebietes sowie bei Fahrten zu und von Flug- beziehungsweise Seehäfen in Beirut,
  • Zwischenfälle an der Blue Line (Demarkationslinie zwischen dem Libanon und Israel, die von der UN bestimmt wurde; siehe auch TD-Heft 6/2010, "Das Österreichische Bundesheer im Nahen Osten - UNIFIL und die Blue Line"),
  • Spannungen in den palästinensischen Flüchtlingslagern,
  • Spionagetätigkeit sowie
  • den Straßenverkehr an sich.

Wie sich die Lage im Nahen Osten weiterentwickelt und welche Auswirkungen politische Veränderungen in Syrien haben können, muss genau verfolgt werden. Bisherige direkte Erfahrungen mit Land und Leuten sowie mit UNIFIL reflektieren aber, dass die österreichischen Soldaten einen guten Ruf genießen. Dies ist einerseits auf die große Erfahrung des Bundesheeres in internationalen Einsätzen zurückzuführen, andererseits auf die allseits geschätzte Flexibilität und Improvisationsfähigkeit der Österreicher.

Um den direkten Kontakt zur libanesischen Bevölkerung zu festigen und weiter auszubauen, besucht der Bataillonskommandant mit seinem Stab in regelmäßigen Abständen mit dem Bürgermeister von Naqoura, Moussa M. Taher, verschiedene Einrichtungen wie Schulen. Die Österreicher werden dabei immer sehr herzlich aufgenommen. Auch der traditionelle Tee darf bei solchen Treffen nie fehlen.

Auf einen Blick

Die Mission stand von Beginn an unter Zeitdruck. Vor allem die Bereiche der Personalbefüllung, des Bereitstellens von Gerät sowie der Planung der Ausbildung erforderten rasches Zusammenwirken aller involvierten Dienststellen.

Die Übernahme der Verantwortung im Raum war gekennzeichnet von hohem Zeitdruck und der Anpassung österreichischer Strukturen und Arbeitsweisen an die dänischen Erfahrungen. Mittlerweile hat sich eine gut funktionierende österreichische Umsetzung des Auftrages entwickelt, die durch laufende Lagebeurteilung und Ausbildung im Einsatzraum verbessert wird.


Autoren: Major Mag.(FH) Georg Pferschy, Jahrgang 1977. 1995 Einjährig-Freiwilliger in der Ausbildungskompanie/Militärkommando Steiermark, dann Zeitsoldat, 1998 bis 2002 Theresianische Militärakademie Jahrgang Sachsen-Coburg; 2002 bis 2008 Kommandant einer Geschützstaffel, stellvertretender Batteriekommandant und Batteriekommandant im Artillerieregiment 1, 2008 bis 2010 CIMIC-Offizier im Zentrum Internationale Kooperation, seit 2010 S1 und Offizier für Öffentlichkeitsarbeit im Jägerbataillon 19; internationale Kurse: General Course for Civil Monitors and Observers an der Folke Bernadotte Academy (Schweden), Internationaler Militärbeobachterkurs; Auslandseinsätze: 2004/05 Zugskommandant im AUSBATT/UNDOF, 2007 Offizier im J2-Bereich in Bosnien und Herzegowina, 2009/10 CIMIC-Offizier bei KFOR im Kosovo; seit November 2011 Kommandant der Transportkompanie/AUTCON1/UNIFIL.

VB Hauptmann Robert Rauter, MBA, Jahrgang 1967. Seit 2001 in der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesministeriums für Landesverteidigung tätig: 2001 Presse- und Informationsdienst, 2002 Abteilung Strategische Kommunikation, 2003 Abteilung für militärische Öffentlichkeitsarbeit, 2004 Abteilung für Corporate Identity & Kommunikationsstrategie, 2008 Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, 2010 Abteilung Kommunikation; mediale Betreuung u. a. 2002 von AUTCON/ISAF, 2010 EUBG und 2011 UNIFIL; Presse- und Kommunikationskurse im In- und Ausland; 2009 Abschluss MBA.

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