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Kommentar: Erwachsenengerechte Ausbildung im Bundesheer

Erwachsenengerechte Aus-, Weiter- und Fortbildung ist eine der zentralen Forderungen zur Gestaltung der Wis­sensvermittlung und Wissensanei­g­nung im Bundesheer. Der Fachliteratur folgend verlangt erwachsenenge­rechte Ausbildung

  • die Anknüpfung der Lernzielbe­stim­mung, des Planangebotes und der Methodenwahl an die Lebens- und Berufserfahrung mündiger Men­schen,
  • die Auswertung dieser Erfahrungen,
  • entsprechend ausgebildete Lehrer,
  • die ausreichende Information der Teilnehmer über die Ziele der gewählten Veranstaltung sowie allen­falls die Möglichkeit, die Me­tho­denwahl zu beeinflussen, und
  • mündige Erwachsene, die sich um ihre Weiterbildung in voller Eigen­­ver­ant­wortung bemühen und somit auch das Risiko für das Gelingen des jeweiligen Bildungspro­zesses mittragen.

Dadurch soll das Selbstwertgefühl der Teilnehmer gestärkt werden, und die zusätzlichen Inhalte sollen leichter mit dem vorhandenen Wissen verbunden werden können.

Die auszugsweise Auflistung macht klar, dass die Aus-, Weiter- und Fortbildung im Bundesheer systemim­manent nicht allen Punkten entsprechen kann. Sie macht aber auch klar, dass die erwachsenengerechte Ausbildung nicht nur eine Forderung an die Bildungsinstitution ist, sondern auch eine Forderung an die Teilnehmer von Lehrveranstaltungen. Die genannten Merkmale sollen aber nicht als unumstößliche Kriterien angesehen werden, sondern sind Anhaltspunkte dafür, wie Lernprozesse mit mündigen Erwachsenen in der Berufsausbildung vollzogen werden könnten bzw. sollten, um das Lernen zu erleichtern. Förderlich für das erwachsengerechte Lernen ist "Lernen durch Eigeninitiative". Das verlangt nach Diskussionen, Rollenspielen, Übungen, Fallbeispielen, Grup­penarbeiten, Projekten etc. Natürlich gilt auch hier, dass der Inhalt und die verfolgten Ziele, und nicht die Tageszeit, die gewählte Methode bestimmen. Die verwendete Methode ist nicht nur Technik, sondern stellt auch den Weg zu einem Ziel dar, auf dem bereits Zwischenziele erreichbar sind.

Die Hauptforderung der Rückbin­dung an die Berufserfahrung birgt jedoch einige Stolpersteine in der Gestaltung entsprechender Lehr-/Lernprozesse in sich. So nehmen Teilnehmer beruflicher Erwachsenenbildung ihre bisherigen Eindrücke aus der Praxis bezüglich Bewertung bzw. Mitgestaltung von Lernprozessen mit. Wenn die Ressource "Zeit" - wie im Bundesheer - im Berufsvollzug ein wesentlicher Faktor ist, stößt es auf Unverständnis bis Unmut, wenn für scheinbar belanglose Dinge wie die Gestaltung der Anfangssituation mit Zielvereinbarung, viel Zeit investiert wird. Unbekannte und unerwünschte Methoden, wie das Rollenspiel oder die Diskussion, werden ebenso empfunden. Die knappe Ressource "Zeit" im Berufsvollzug wird damit zur Messlatte der Beurteilung einer Lehrveranstaltung oder eines gesamten Kurses. Der Bezug zur realen Arbeitswelt ermöglicht einerseits das Anknüpfen an die Praxis, schränkt aber andererseits die Handlungs- und damit auch wiederum die Lernmö­glich­kei­ten der Teilnehmer ein. Die zu enge Ausrichtung auf den nachfolgenden Be­rufsvollzug gibt möglicherweise in der Rückmeldung gute Ergebnisse im Eva­luierungsbogen - der Nutzen für die Praxis konnte dargestellt werden. Sie behindert aber die Entwicklung eines notwendigen kreativen Potenzials zur Lösung zukünftiger Berufsaufgaben.

Didaktisches Handeln als kognitiver Prozess erfordert Planung, Vorwegnahme und Evaluierung von zukünftigen bzw. abgeschlossenen Lehr-/Lern­­­­si­­­­tu­a­­tionen. Evaluierung bedeutet, dass Planung und Zieler­reichung einander gegenüber gestellt werden. Die Überprüfung der Zielvorgabe und Zieler­rei­chung nach dem Vermittlungs- bzw. Aneig­nungspro­zess ist jedoch nur ein Teil der erforderlichen Maßnahmen zur nachhaltigen Überprüfung der Zieler­reichung. Wenn die Ausrichtung auf den nachfolgenden Berufsvollzug ernst genommen wird, ist auch das Handeln im Berufsvollzug nach einem absolvierten Kurs einer Evaluierung zu unterziehen. Vorgesetzte, Mitarbeiter und Untergebene sollten ihre Rückmeldung abgeben können. Durch die systematische Erfassung und Auswertung solcher Daten wäre der Kreislauf der Be­rufs­feldorien­tierung tatsächlich geschlossen und gesicherte Grundlagen zur laufenden Bearbeitung eines gegenständlichen Curriculums verfügbar.

Oberst dhmfD Mag. Franz Edelmann

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