Bundesheer Bundesheer Hoheitszeichen

Instagram
flickr
YouTube
facebook-button
Bundesheer auf Twitter

Duellsimulatoren

Ein Quantensprung in der Einzel-, Team- und Verbandsausbildung

Die neuen Duellsimulatoren helfen, Infanteristen, Bedienungen von Panzerabwehrwaffen und Besatzungen von Kampffahrzeugen auf das richtige Handeln in Kampfsituationen genau und effizient vorzubereiten. Bei Übungen auf Gegenseitigkeit zeigen sie z. B. unmittelbar die Auswirkungen von Fehlverhalten auf dem Gefechtsfeld. Damit steigern sie die Qualität der Ausbildung und ermöglichen eine bislang ungekannte Realitätsnähe.

Truppenübungsplatz Allentsteig, Raum Großpoppen. Die Verbandsübung läuft seit Stunden und mehrere angreifende Kampffahrzeuge der Partei "Rot" sind mit Verzögerungskräften von "Blau" bereits eng verzahnt. Ein Jagdpanzer der Verteidiger erhält einen "Volltreffer".

Doch von wem? Mehrere Kampffahrzeuge in der Enge ostwärts der Ortschaft stehen nahe beisammen. Deshalb vermutet der eingeteilte Schiedsrichter einen Eigenabschuss ("Friendly Fire") - also die Folge eines schweren Ausbildungsmangels. Was früher mitunter zu endlos langen Diskussionen unter Schiedsrichtern und Panzerbesatzungen geführt hätte, ist nun in Minuten zweifelsfrei geklärt: Der "Abschuss" des Jagdpanzers erfolgte nicht durch eigene Kräfte, sondern durch einen ca. 1 100 Meter weit entfernten "Leopard" 2 der Gegenpartei, der - in Wannendeckung selbst kaum sichtbar - den vorne eingesetzten Kampffahrzeugen erfolgreich Feuerschutz gegeben hatte.

Die rasche, zweifelsfreie Klärung ist nur deshalb möglich, weil die eingesetzten Kampfpanzer und Jagdpanzer mit Duellsimulatoren ausgestattet sind ...

Simulatoren für (fast) alle Übenden

Für die Kampfpanzer "Leopard" 2 wurden bereits 63 Duellsimulatoren Saab BT46 angekauft und eingeführt, für die Jagdpanzer "Kürassier" sogar 77. Dazu kommen heuer noch - 44 Duellsimulatoren für die Schützenpanzer "Ulan", - 34 Duellsimulatoren für die Panzerabwehrlenkwaffen PAL 2000 BILL, - 62 Duellsimulatoren für die Panzerabwehrrohre PAR 66/79 und - ca. 1 800 (!) Duellsimulatoren/Infanterie.

Die Beschaffung erfolgt(e) durch das Amt für Rüstung und Wehrtechnik/Abteilung Waffen und Simulation beziehungsweise durch die diesbezügliche Vorgängerorganisation (BMLV/Sektion IV/Waffen, Geräte und Munition).

Duellsimulatoren/Infanterie

Vorgesehen sind 47 Zugsausstattungen für Jäger-, Panzergrenadier- und Aufklärungszüge sowie neun Sätze für Scharfschützengruppen. Die Sätze bestehen aus Helm- und Körperausstattungen sowie Schusssimulatoren für Sturmgewehre, Maschinengewehre und Scharfschützengewehre. Zusätzlich verfügt das System über Sensorausstattungen für Schießscheiben (mit Gegenfeuereinrichtung). Diese können auf normale Scheiben, aber auch auf die Gefechtsdrehscheiben TIRAX aufgebaut werden. Die Simulatorensätze wurden in Absprache mit den verantwortlichen Referenten im Führungsgrundgebiet 7/Ausbildung B den neuen Orgplänen der Jäger- und Panzergrenadierbataillone angepasst.

Im Bereich der Infanterie reicht die Anzahl der Simulatoren für den gleichzeitigen Einsatz bei allen Jäger-, Panzergrenadier- und Aufklärungszügen während der Verbandsausbildung vom 6. bis zum 8. Ausbildungsmonat. Lediglich bei den PAL 2000 und den PAR 66/79 können nicht alle Bedarfsträger während der gesamten Zeit der Verbandsausbildung gleichzeitig mit Duellsimulatoren ausgestattet werden. Für die PAL 2000 steht jedoch zusätzlich der Schießsimulator Saab BT52 weiterhin zur Verfügung, und für die PAR 66/79 werden voraussichtlich ab Mai dieses Jahres 40 Stück Universalschießsimulatoren verfügbar sein.

Duellsimulatoren für gepanzerte Fahrzeuge

Die Anzahl der vorgesehenen und zum Teil bereits beschafften Systeme für die Kampfpanzer "Leopard" 2, Jagdpanzer "Kürassier" und Schützenpanzer "Ulan" ermöglichen den durchgehenden Einsatz während der gesamten Ausbildungsphase der Truppe.

Kompatibilität

Alle Duellsimulatoren sind miteinander kompatibel, so kann realitätsnah "auf Gegenseitigkeit" geübt werden. Ab Mitte 2004 können erstmalig Verbandsübungen der Jäger- und Panzergrenadierbrigaden durchgeführt werden, bei denen die Züge der Kampfkompanien vollständig mit Duellsimulatoren ausgestattet sind. Der "Erfolg" oder "Misserfolg" im Gefecht wird nun ausschließlich durch taktische Maßnahmen sowie den Waffeneinsatz bestimmt - und nicht durch (manchmal subjektive) Schiedsrichterentscheidungen.

Funktionsweise

Die Duellsimulatoren sind Ausbildungsgeräte, die in Verbindung mit den originären, also den auch im Einsatz verwendeten "echten" Waffensystemen unter Verwendung von Laser die Wirkung der eigenen Waffe bzw. des eigenen Waffensystems oder Kampffahrzeuges analog zum scharfen Schuss darstellen. Bei allen Systemen muss demnach von der Bedienung/Besatzung jede Tätigkeit wie Munitionswahl, Laden, Richten, Entfernungsmessen und Abfeuern wie beim scharfen Schuss durchgeführt werden. In der weiterführenden Schießausbildung sowie bei Gefechtsübungen auf Gegenseitigkeit wird somit ein gefechtsmäßiges Verhalten herbeigeführt. Der Einsatz des Duellsimulators in Verbindung mit dem Originalgerät führt zu einem hohen Maß an Realität und steigert damit die Qualität der Ausbildung wesentlich.

Charakteristisch für die Duellsimulatoren auf Basis der BT46-Technologie von "Saab Training Systems" ist die Zweiteilung der Aufgaben zwischen dem schießenden System und dem Zielsystem.

Das schießende System ist hauptsächlich für die Simulation der Flugbahn, das Scannen des Sichtfeldes auf Ziele und die Übertragung von Daten zu diesen verantwortlich. Die so genannte Messeinheit errechnet die Flugbahn und den Treffpunkt des simulierten Projektils. Dabei werden alle ballistischen Parameter berücksichtigt - sogar die Streuung! Das Ziel wird über die Position und den Treffpunkt des Projektils, die Munitionsart und die Identität des Schießenden informiert. Über eine eingebaute Speicherkarte werden sämtliche Vorgänge aufgezeichnet (in Verbindung mit GPS auch die aktuelle Position).

Das Zielsystem, welches aus Detektoren (Retroreflektoren) und einem Zielrechner besteht, wertet die tatsächliche Wirkung aus. Es bestimmt, ob und wo das Projektil/der Lenkflugkörper tatsächlich "einschlägt" bzw. "trifft" oder ob das Ziel "verfehlt" wird. In Verbindung mit einem Verwundbarkeitsmodell für das jeweilige Waffensystem errechnet das Zielsystem nun die Waffenwirkung und stellt diese dar. Je nach Munition und Trefferlage können von "Treffer ohne Wirkung" über Teilausfälle von Systemen (Feuerleitrechner, Motor usw.) bis zum Totalausfall ("kill") eine Vielzahl von Zuständen simuliert werden. Diese werden optisch und akustisch angezeigt und für die spätere Auswertung auf der Speicherkarte aufgezeichnet. Die Duellsimulatoren für den Kampfpanzer "Leopard" 2 und den Jagdpanzer "Kürassier" verfügen außerdem über ein zweites Verwundbarkeitsmodell, welches dem Schutzwert des Kampfpanzers T-72 nachempfunden ist. Somit können auch mögliche "Feindpanzer" simuliert werden.

Die Simulatoren müssen vor jedem Gebrauch (Ausbildung oder Übung) programmiert werden. Dabei kann zwischen dem Ausbildungsmodus (dient der Richtschützen- und Kommandantenausbildung) und dem Duellmodus gewählt werden. In Ergänzung dazu ist eine Ausstattung der derzeit in Beschaffung stehenden Panzerklappscheiben sowie der Gefechtsdrehscheiben für die Infanterie mit Passivkomponenten möglich, die auf den Beschuss entsprechend reagieren.

Der Ausbildungsmodus

Der Ausbildungsmodus dient primär der Einzel- und Teamausbildung der Besatzung/Bedienung. Diese Betriebsart entspricht einem Schießsimulator am Originalgerät. Sie lässt vor allem in Bezug auf die verfügbare Munition Handlungsfreiheit und ist darüber hinaus für jede Art von Zielen verwendbar, es müssen auf diesen lediglich Reflektoren angebracht werden. Die Abläufe, wie die Richtarbeit und der Abfeuerungsvorgang, müssen stets "originalgetreu" ausgeführt werden. Es können jedoch auch Fehler eingespielt werden, wie z. B. der Ausfall von Komponenten.

Die Besatzung bzw. der Richtschütze und der Ausbilder erhalten Informationen über die Trefferlage. Die Richtarbeit kann somit rasch und relativ einfach überprüft werden. Bei der PAL 2000 wird sogar der gesamte Richtvorgang (Abweichung des Visierpunktes vom Haltepunkt und Abweichung des Lenkflugkörpers von der Visierlinie) aufgezeichnet und kann zur Auswertung und Nachbereitung beliebig oft abgerufen werden. Die Tätigkeiten der Besatzung/Bedienung im Feuerkampf können somit effizient ausgebildet und objektiv ausgewertet werden. Die Simulation bereitet demnach die Besatzung auf den scharfen Schuss sehr genau vor, sie kann aber niemals das Schießen mit scharfer Munition ersetzen!

Der Duellmodus

Der Duellmodus ist für Ausbildungen und Übungen auf Gegenseitigkeit vorgesehen, er dient demnach vorwiegend der Verbandsausbildung. Aufgrund der realitätsnahen Abläufe und Tätigkeiten der Besatzungen/Bedienungen ist damit in kurzer Zeit ein hoher Ausbildungsstand erreichbar. Diese Betriebsart ermöglicht eine ideale Verbindung zwischen Gefechtsausbildung und Scharfschießen und eröffnet so eine bisher nicht erreichbare Dimension der Ausbildung. Ebenso können Gefechtstechniken und andere Parameter, wie z. B. die Gegenüberstellung der Kampfkraft, sehr realistisch auf ihre Wirksamkeit bzw. Richtigkeit geprüft werden.

Bei der Programmierung vor Ausbildungs-/Übungsbeginn werden alle relevanten Fahrzeug-/Systemdaten definiert. So lässt der Simulator zum Beispiel nur das Verschießen der am Fahrzeug/bei der Waffe verfügbaren Munitionsarten und Munitionsmenge zu. Damit sind nun auch Lagefortsetzungen spielbar, in denen ein Verband nicht mehr den vollen Kampfanteil verfügbar hat und somit gezwungen ist, Versorgungstätigkeiten durchzuführen.

Alle Tätigkeiten am Kampffahrzeug/an der Waffe müssen "real" durchgeführt werden. Darüber hinaus wird das gefechtsmäßige Verhalten aller Soldaten durch die wirklichkeitsnahe Darstellung der "gegnerischen" Waffenwirkung geradezu erzwungen. Der damit erzielbare hohe Ausbildungseffekt war in so kurzer Zeit bislang kaum erreichbar. Alle Auswirkungen auf dem Gefechtsfeld, hervorgerufen durch diese Waffen und Systeme, werden (mehr oder weniger) konkret dargestellt - ein gewaltiger Unterschied zu fiktiven Lageeinspielungen und fallweise subjektiven Schiedsrichterentscheidungen!

Das ändert aber auch den gesamten Schiedsrichterdienst und die Rahmenbedingungen der Übungsleitung. Für die Übungs-/Ausbildungsleitung ist bei der Übungsvorbereitung in Zukunft auch Folgendes erforderlich: Der Zustand (Munitionsbestand usw.) jedes einzelnen Elementes (z. B. des Kampf- oder Jagdpanzers) muss definiert werden. Der Übungsablauf selbst ist nun viel mehr vom tatsächlichen Können und Geschick der einzelnen Elemente, Teileinheiten und Einheiten abhängig. Eine "willkürliche" Steuerung des Übungsablaufes durch Übungsleitung und Schiedsrichter ist damit eingeschränkt. Die Schiedsrichter übermitteln die Speicherkarten an die Auswertezentrale und dokumentieren die Ereignisse, damit die einzelnen Phasen der Ausbildung bzw. der Übung rasch ausgewertet werden können. Sie müssen allerdings weiterhin jene Ereignisse am Gefechtsfeld darstellen, welche von der Simulation (noch) nicht wahrgenommen werden: Steilfeuer, Luftunterstützung, Minenwirkung, Sprengfallen und dergleichen.

Mit dem Schiedsrichterkontrollgerät können Ausfälle reaktiviert sowie Ausfälle und Verwundungen eingespielt werden. Bei einer Fehlbedienung des Simulators oder einer falschen Reaktion der Besatzung auf einen Teilausfall von Komponenten wird vom Simulator automatisch eine Manipulationsmeldung erstellt, und das Fahrzeug bzw. das Waffensystem ist nicht mehr einsatzbereit. Die Reaktivierung ist nur über das Schiedsrichterkontrollgerät möglich.

Die Auswertung

Sämtliche Tätigkeiten der Besatzung/Bedienung an der Waffe oder am System werden auf der bereits erwähnten eingebauten Speicherkarte aufgezeichnet, bei integriertem GPS auch die Position des Systems. Die Daten werden in so genannte Auswerteeinheiten eingelesen. Weil jedes System über eine eindeutige Zuordnung ("ID") verfügt, ist eine Auswertung jedes einzelnen Vorganges bei jedem System möglich.

Im Ausbildungsmodus wird vor allem auf die Trefferlage Rücksicht genommen (Ablage vom Haltepunkt), die Darstellung erfolgt grafisch und numerisch. Aufgrund der Datenspeicherung können Handhabungsfehler, wie zum Beispiel die Wahl der falschen Munitionssorte, eine falsche Entfernungseinstellung, ein falscher Haltepunkt oder die schlechte Zielverfolgung durch den PAL-Richtschützen rasch erkannt, dargestellt und damit auch abgestellt werden. Es ist möglich, alle Ergebnisse des jeweiligen Richtschützen zu speichern und dessen Ausbildung somit lückenlos zu dokumentieren.

Im Duellmodus ist es auch möglich, Gefechts-/Übungsabschnitte nachzustellen und auszuwerten. Auf der Karte scheinen die Positionen der Fahrzeuge auf, jedes Ereignis kann eindeutig zugeordnet werden, wie zum Beispiel "Wer hat wen zu welchem Zeitpunkt aus welcher Stellung bekämpft?" oder "Wer hat sich wann wohin bewegt?" Jedes einzelne Ereignis, jeder "Treffer" kann detailliert analysiert werden: Trefferlage, Waffenwirkung, gewählte Munition usw. sind lückenlos nachvollziehbar, Fehler werden dadurch rasch erkannt und dokumentiert.

Die Duellsimulatoren sind zum Großteil mit GPS ausgestattet (beim Duellsimulator Infanterie ca. 270 Systeme für die Kommandanten), es fehlt somit nur noch der Datenfunk für eine zeitverzugslose Datenübertragung in eine Auswertezentrale. Das wäre bereits die Basis für ein Gefechtsübungszentrum (GÜZ).

Um Missverständnisse zu vermeiden: Hier geht es nicht um ein riesiges, mit modernster Infrastruktur und Gebäuden ausgestattetes Zentrum wie in Magdeburg (Deutschland). Es geht um ein mobiles Zentrum, eingebaut in einigen Fahrzeugen. Mit Datenfunk für alle Duellsimulatoren, einer Auswertezentrale und einer Funkübertragungsausstattung für einen Raum von ca. 10 x 10 km (Übungsraum z. B. für zwei mechanisierte Kampfgruppen auf Gegenseitigkeit) - alles beweglich und somit überall einsetzbar - wäre ein (mobiles) Gefechtsübungszentrum stets genau dort möglich, wo die Übung stattfindet. Von diesem Zentrum aus wären ohne Zeitverzug alle Übungsdaten zentral auswertbar. Das brächte - eine wesentliche Zeitersparnis bei der Auswertung aufgrund der Online-Verbindung (Ergebnisse und Analysen stünden schon mit dem Ende jeder Übungsphase zur Verfügung und könnten unmittelbar umgesetzt werden), - die Möglichkeit, bei groben taktischen Fehlern sofort eingreifen zu können ("Abbruch") und damit durch rascheren Beginn der Wiederholung die Führungsfähigkeit der Kommandanten zu steigern, sowie - eine (wenn auch eingeschränkte) Simulation von Steilfeuer, Sperren und ABC-Kampfmitteln.

Problembereiche, Grenzen

Jedes System hat Grenzen, so auch die Duellsimulation. Die Darstellung der Waffenwirkung beruht auf heeresintern festgelegten Verwundbarkeitsmodellen. Als Grundlage dienten Angaben über Munitionsleistung und Stärke der Panzerungen. Dadurch kommt es zu Generalisierungen, welche zwar in hohem Maße reale Ergebnisse widerspiegeln, in Einzelfällen aber auch unrealistisch sein könnten.

Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass der Duellsimulator und der Führungssimulator u. a. anders aufgebaute Verwundbarkeitsmodelle verwenden. Deshalb könnte (theoretisch) trotz exakt gleicher Übungsanlage eine Übung am Führungssimulator ein anderes Ergebnis bringen als das Gefecht mit Duellsimulatoren. Falls hier in Zukunft große Unterschiede auftreten, müssten beide Systeme synchronisiert werden.

Meist wird auch bei sehr realitätsnahen Übungen von beiden Seiten das gleiche Gerät verwendet - mit denselben Einsatzgrundsätzen und derselben Gefechtstechnik. Obwohl, wie oben erwähnt, bei Kampffahrzeugen ein Verwundbarkeitsmodell ähnlich dem T-72 simuliert werden kann, ist eine echte Feinddarstellung nur bedingt möglich. Dazu fehlen vor allem "echte" feindliche Kampffahrzeuge und deren Feuerkraft. Nicht simuliert werden kann eine Feuerkraft ähnlich dem T-72 bzw. T-90 oder dem BMP-2 bzw. BMP-3 mit deren erheblichen Reichweitenvorteilen gegenüber den eigenen Systemen (u. a. durch die Verwendung von Lenkflugkörpern). Das schränkt die Realitätsnähe der Duellsimulation etwas ein.

Derzeit findet auch noch keine Sprachaufzeichnung des Funk- und Bordsprechverkehrs statt. Das erschwert vor allem in der Verbandsausbildung Aussagen über die Art und Qualität der Feuerleitung. Man kann zwar den Feuerkampf der Systeme verfolgen, jedoch nicht auswerten, ob die Zielbekämpfung aufgrund der "Initiative" eines Einzelsystems oder durch "Geleitetes Feuer" erfolgte. Ebenso fehlt die Ermittlung der Zeiten von der Zielerkennung bis zur Zielbekämpfung.

Noch besteht keine Möglichkeit, die vielen anderen Fahrzeuge und Geräte am Gefechtsfeld darzustellen. Die Simulatorausstattung fehlt vor allem den Schützenpanzern Saurer, welche in den Grenadierbataillonen, bei den Panzerpionieren usw. verwendet werden, ebenso den Berge- und Pionierpanzern, den Mannschaftstransportpanzern sowie den gepanzerten Führungs- und Versorgungselementen. Diese haben aber in Summe einen beträchtlichen Anteil an einer Übung.

Das Fehlen von Simulatoren - zumindest von Passivkomponenten - führt dazu, dass diese Systeme nicht realitätsgetreu beübt werden, sie sozusagen "nicht mitspielen". Dadurch werden fallweise Ereignisse verfälscht. Bei der Verbandsübung "Vorausangriff 2003" kam es z. B. zu einem Nachtgefecht zwischen einem Jagdpanzerzug mit Duellsimulator und einem Panzeraufklärungszug, bei dem nur die beiden Jagdpanzer mit Duellsimulatoren ausgestattet waren, nicht aber die Schützenpanzer. Der Jagdpanzerzug bekämpfte dabei (richtigerweise) auch die Schützenpanzer, doch diese Schüsse gingen der Simulatoraufzeichnung nach "ins Leere". Das zeigt: Solange nicht alle am Gefechtsfeld eingesetzten Elemente über Simulationssysteme verfügen, und seien es nur Passivkomponenten, können die Duellsimulatoren nicht voll genutzt werden. Das schmälert ihren Wert für die Verbandsausbildung.

Eine weitere Einschränkung liegt derzeit noch in den Auswertesystemen. Die Duellsimulatoren wurden typenbezogen und nicht organisationsbezogen beschafft. Deshalb hat jedes der Systeme seine eigene, gerätespezifische Auswertung. So ist es derzeit nicht möglich, alle bei einer Übung eingesetzten Kräfte zentral auszuwerten. Die Aufzeichnungen müssen derzeit noch systemintern ausgewertet und danach manuell verglichen werden.

Zukunftsaspekte

Der nächste Schritt ist daher die Zusammenfassung und Vereinheitlichung der Auswertung. Die Softwareapplikation "AAR Pro" (After Action Review - etwa "Nachbereitung") wird in Zukunft die Speicherung und Auswertung von Systemen in nahezu unbeschränkter Art und Anzahl ermöglichen.

Dies bedeutet auch Änderungen bei der Übungsanlage. Die Übungsgliederungen müssen bereits vor der Übung in die Auswertesoftware eingetragen werden, vor allem die Truppeneinteilung. Denn nun sind nicht nur zwei Parteien möglich, auch neutrale und Übungsleitungskräfte sind speicher- und darstellbar. Sämtliche Kräfte werden hinsichtlich ihrer Bezeichnung, Gliederung, Munitionsausstattung usw. definiert. Die integrierte elektronische Karte bietet die Möglichkeit, Pläne einzuzeichnen und darzustellen. Nach dem Einlesen der Speicherkarten können hier Gefechte - vom Einzelgefecht bis zum gesamten Übungsverlauf - nachgestellt und ausgewertet werden. Eine Vielzahl von Filtern lässt umfangreiche Analysen zu. Diese können in Form von Berichten ausgegeben werden, z. B. über - die Anzahl der abgegebenen Schüsse bis zu einer Vernichtung, - die Schussentfernungen, - die Zeit zwischen Entfernungsmessung und Schussabgabe, - Ausfälle und vieles mehr. Die Daten und Darstellungen können auch in andere Applikationen exportiert und für Nachbereitungen aufbereitet werden. Die gespeicherten und archivierten Übungen sind so mit anderen Übungen vergleichbar oder als Vorlagen für neue Übungen verwendbar.

Das ermöglicht erstmals eine objektive Auswertung, auch von größeren Übungen, erfordert jedoch ein neues Organisationselement, das Auswerteteam und, aufgrund der Vielzahl der gespeicherten Daten, eine durchdachte Organisation zur - Übungsvorbereitung, - Übungsdurchführung und - Übungsnachbereitung.

Nur geschultes Personal (Simulatoroffiziere, Simulatorunteroffiziere) kann die dokumentierten Daten rasch genug auswerten, um die Erkenntnisse im nächsten Ausbildungs-/Übungsabschnitt umsetzen zu können. Im Gegensatz zu den herkömmlichen, durchgehenden Übungen sind nun Phasenübungen zweckmäßiger. Eine Übungsphase läuft zum Beispiel von morgens bis abends. Danach wird ausgewertet, analysiert und präsentiert. Die Erkenntnisse können in der Phase am nächsten Tag bereits umgesetzt werden. Obwohl die effektive Übungszeit dadurch kürzer ist, sind die Phasen aufgrund der objektiven Resultate intensiver und lehrreicher als die herkömmliche Ausbildung. Das bedeutet einen wesentlich höheren Ausbildungserfolg trotz kürzerer Übungszeit.

Das Simulatorkonzept als Teil des Ausbildungsmittelkonzeptes ist noch in Arbeit und die Realisierung eines mobilen Gefechtsübungszentrums noch nicht absehbar. Der bisherige Einsatz der verfügbaren Duellsimulationssysteme für den Kampfpanzer "Leopard" 2 und den Jagdpanzer "Kürassier" zeigte der Truppe und der oberen Führung aber bereits den hohen Ausbildungswert der Simulatoren. Damit besteht zumindest Hoffnung auf die Bereitstellung der für ein mobiles Gefechtsübungszentrum erforderlichen Mittel.

Internationale Aspekte

Die in Österreich verwendeten Systeme sind mit den Systemen in vielen anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, Großbritannien, Italien, Niederlande und Norwegen kompatibel, denn diese Länder benutzen gleichfalls das Saab BT46-System. Dies bedeutet aber nicht, dass damit eine "internationale" Übung auf Gegenseitigkeit möglich ist. Denn die Systeme nutzen nur die gleiche Hardware, nicht jedoch die gleiche Software. Weil z. B. jede Munitionssorte mit einem eigenen Code ausgestattet ist, sind Waffen, welche nur in einem Land verwendet werden, bei den anderen gar nicht gespeichert. So kann der Simulator in einem deutschen "Leopard" 2 einen Jagdpanzer "Kürassier" oder ein PAR 66/79 nicht interpretieren, weil diese Waffensysteme, ihre Munitionssorten und deren Wirkung dort nicht gespeichert sind.

Bei der Nutzung eines ausländischen GÜZ müssten sämtliche Systeme - österreichische und ausländische - aneinander angepasst werden. Oder man verwendet nur die im GÜZ verfügbaren Systeme (z. B. "Marder" statt "Ulan" oder "Panzerfaust" 3 statt PAR 66/79). Auch deshalb wäre die Beschaffung zumindest eines mobilen Gefechtsübungszentrums für Österreich wünschenswert.

Auf einen Blick

Mit den Duellsimulatoren erhalten die Kampfverbände des Österreichischen Bundesheeres ein wertvolles Ausbildungsmittel, welches kein gewöhnliches "Zubehör" ist - weder in der Anwendung noch in der Materialverwaltung.

Die Duellsimulatoren werden künftig die Soldaten bei jeder Tätigkeit an ihrem Waffensystem begleiten und sozusagen zu ihrer "zweiten Braut" werden. Dies wird auch Auswirkungen auf die Gefechtstechnik, Vorschriften sowie die Kaderaus- und -fortbildung haben müssen.

Die Arbeit mit Duellsimulatoren in der Ausbildung muss daher in Zukunft ein integraler Bestandteil von Laufbahnkursen der jeweiligen Waffengattung sein. Denn nur so ist die bestmögliche Nutzung der Systeme zur Erreichung eines hohen Ausbildungsstandes gewährleistet.

Ebenso ist bei der Ausbildungs- und Übungsplanung die Anwendung der Simulatoren zu berücksichtigen. Dies führt sicherlich zu einem erheblichen Mehraufwand bei den Ausbildungsverantwortlichen auf Ebene Kompanie, Bataillon und Brigade.

Für die Materialverwaltung und Materialerhaltung wird ebenfalls ein erheblicher Mehraufwand entstehen. Mit Ende 2004 werden ca. 2 100 Duellsimulationssysteme bundesweit verfügbar sein. Der Einsatz erfolgt bei den jeweiligen Verbänden in der Verbandsausbildung. Vor der Übergabe an den nächsten Verband müssen aber alle Systeme überprüft und erforderlichenfalls repariert bzw. ausgetauscht werden. Nur ein reibungsloses Funktionieren der Materialverwaltung und Materialerhaltung kann die Verfügbarkeit möglichst vieler Systeme gewährleisten. Dieser deutlich höhere Mehraufwand ist aber durch den hohen Nutzwert der Systeme für die Ausbildung auf jeden Fall gerechtfertigt.

Denn der österreichische Soldat erhält damit erstmals ein Ausbildungsmittel, mit dem er im Verband realitätsnah, intensiv und effizient auf einen Einsatz vorbereitet werden kann. Nur so kann er in der kurzen Ausbildungszeit den hohen Ausbildungsstand erreichen, der für die Erfüllung aller derzeitigen und zukünftigen Aufgaben im In- und Ausland unabdingbar ist.

___________________________________ ___________________________________ Autoren: Oberstleutnant Harald Glanzer; Jahrgang 1959. Nach der Ausmusterung 1983 Zugskommandant, Ausbildungsoffizier und Kompaniekommandant beim ehemaligen Landwehrstammregiment 33; ab 1988 Lehroffizier und ab 1994 Hauptlehroffizier Panzerabwehr an der Jägerschule; ab 2001 Verwendung im BMLV/Sektion IV/Abteilung Waffen, Gerät und Munition; seit 2003 im Amt für Rüstung und Wehrtechnik/Abteilung Waffensysteme und Munition mit der Führung des Referates Waffen und Simulatoren beauftragt.

Major Wolfgang Habitzl; Jahrgang 1965. Nach der Ausmusterung 1987 Zugskommandant, Ausbildungsoffizier und in Stabsfunktionen beim Aufklärungsbataillon 3; Auslandsverwendungen bei UNFICYP und UNOMIG (Militärbeobachter); seit 2003 Referent für Simulatoren beim Amt für Rüstung und Wehrtechnik/Abteilung Waffensysteme und Munition/Referat Waffen und Simulatoren.

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
Impressum | Kontakt | Datenschutz