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Die Struktur der Jägertruppe

Die Jäger sind keine billige Truppe und ihre Bataillone sind keine Weg­werfverbände. Im Gegenteil - Jägerverbände sind gesucht. In Afghanistan, in Montenegro, im Kosovo und im Irak, um nur einige Einsatzräume zu nennen.

Überall auf der Welt zeigen Fernsehbilder Infanterie: im Transportpanzer, im Hubschrauber, im Transportflug­zeug, am Fallschirm, in Städten und Ruinen, in Kanalisationsanlagen und auf Passübergängen im Gebirge. Infanteristen patrouillieren in Prizren, Kabul, Tetovo, Suva Reka oder Grosny, Bagdad und Basra. Man sieht aber auch überall Panzerwracks und skelettierte Hubschrauber, die aus den Anfangsphasen des Kampfes stammen, bevor die Infanterie eingesetzt wurde.

Die Struktur der Jägertruppe hat sich am neuen Bedrohungsbild und an derzeit zugänglichen technischen und elektronischen Möglichkeiten zu orientieren. Die Jägertruppe muss die an sie gestellten Aufgaben von der Organisation, Ausrüstung und Ausbildung her bewältigen können. Der Jäger muss geistig flexibel - ein Problem der Auswahl und Ausbildung - und organisatorisch beweglich sein. Eine schwerfällige, starr strukturierte Organisation führt zwangsläufig zu einer geistigen Unbeweglichkeit.

Dies bedeutet nicht, dass die gesamte Jägertruppe leicht und nur auf Nahkampf auszurichten ist. Vielmehr sind die einzelnen Führungsebenen auftragsorientiert zu strukturieren. Es ist ferner zu hinterfragen, auf welcher Führungsebene der Kampf auf Distanz und auf welcher Ebene der Nahkampf zu führen ist. Letztlich wird es darauf ankommen, die Aufgabe der Jägertruppe insgesamt, bezogen auf die jeweilige organisatorische Ebene, erfüllen zu können.

Eines muss aber bei allem ressourcenorientierten Denken und der daraus resultierenden Prioritätensetzung klar sein: Die Jägertruppe ist in Zeiten wie diesen kein Versuchsfeld für die Sparwut. "Anspruchslose Infanterie" gibt es nicht mehr. Bei der Struktur geht es im Endeffekt um einen vernünftigen Ausgleich von Feuerkraft, Beweglichkeit, Überlebensfähigkeit und Kopfstärke.

Die Militärgeschichte bestätigt zwei Hauptbelastungen für die Infanteristen, unabhängig von der jeweiligen Armee oder geschichtlichen Epoche. Sie tragen zu viel und das, was sie tragen, passt so wie der Anzug des Vaters seinem kleinen Sohn. Amerikanische Vorschriften legen das Gewicht des Kampf­gepäcks für den einzelnen Soldaten mit 35 kg fest. Viele US-Infanteristen in Afghanistan trugen bis zu 73 kg. Dies bestätigt die Formel für "Schlammsoldaten", seit es Kriege gibt: Maximalgewicht x 2 = Gewicht des Kampfgepäcks. Wie schon immer ist diese Last ein Mischmasch von Ausrüstung, was noch dazu allen ergonomischen Regeln widerspricht. Blasen, entzündete Gelenke und Kopfweh sind so sicher wie der nächste Sonnenaufgang.

Taktik, Technik und Ausbildung sind die drei Säulen, auf denen ein wirkungsvolles Konzept zum Einsatz der Jägertruppe abgestützt sein muss.

Technische Lösungen und taktische Konzepte müssen als komplementäre Teile verstanden werden. Die technischen Mittel sind deshalb mehr als ein Schutzhelm, eine Schutzweste, ein gepanzerter Transport- oder Gefechtsraum. Nein, es sind vielmehr alle Mittel, die Überlegenheit im Vergleich zum Gegner schaffen:

  • Informationsüberlegenheit (Drohnen),
  • Wirkungsüberlegenheit (Feuerüberlegenheit),
  • Abstand und Tarnung Reichweitenüberhang und Entdeckungsvermeidung),
  • Sicht bei Nacht und Nebel (Wärmebildgerät),
  • Hohe Beweglichkeit (Radpanzer) und
  • eine solide Ausbildung für das richtige, situationsangepasste taktische Verhalten und einen instinktsicheren Umgang mit technischem Gerät.

Diese Überlegungen zeigen die ganze Komplexität des Themas Struktur. Der Soldat 2010 ist geradezu ein Paradebeispiel für einen integrativen Ansatz zur modernen Struktur.

Der Jäger

Die Ausrüstung und Bekleidung des Jägers müssen eine hohe Überlebens­fähigkeit und Durchhaltefähigkeit ermöglichen.

Bezogen auf den einzelnen Jäger ist festzuhalten, dass dieser im 24-Stunden-Kampftag maximal 20 kg permanent tragen kann. Dieses Gewicht soll auch bei maximalem Schutz und optimaler Bewaffnung sowie durch mitgeführte Kommunikationsausrüstung, Kampfmittel etc. nicht überschritten werden.

Zusätzlich zur Kampfweste mit integriertem Splitterschutz, Helm und Schutzbrille sind vor allem Knie-/Ellbogenschützer zu fordern.

Die Jägergruppe

Die Gruppe bleibt das grundlegende Waffensystem der Jägertruppe und die kleinste Teileinheit, die in der Lage ist, einen Auftrag unter allen Bedingungen auszuführen. Die Gruppe muss für den abgesessenen Infanteriekampf im schwierigen Gelände konzipiert sein und auch ihre gesamte Ausstattung deshalb von einem Soldaten tragbar sein. Die Gruppe bekämpft den Feind auf nahe Entfernung und mit minimaler Vorbereitungszeit. Deshalb muss sie über das höchste Maß an Reaktionsschnelligkeit verfügen und mit einer Palette eigener Wirkungsmöglichkeiten versehen sein.

Über die Vernetzung von "Sensor"-Entscheidungsträger-Waffen wird sie auch potenziellen Zugriff haben auf ein breites Spektrum an Feuerkraft, das jedoch durch Sicherheitsbelange, Rules of Engagement, Gelände und andere Prioritäten begrenzt sein kann.

Die unterschiedlichen Geländeformen erschweren die Festlegung genauer Reichweitenforderungen, doch müssen die Gruppen in der Lage sein, bis 300 m eine niederhaltende Wirkung zu erzielen, um eigene Bewegungen zu ermöglichen und bis 400 m mit Prä­zisionswaffen gegen weiche Ziele und Panzer zu wirken. Auch wenn die Technik ihr Leistungsvermögen verändert, bleiben die Zusammenarbeit und ihr Zusammenhalt das Fundament ihrer Wirksamkeit im Einsatz. Das heißt, es ist ein Ausgleich zu finden zwischen der technisch möglichen Auflockerung und der Notwendigkeit von menschlichem Kontakt.

Es kommt darauf an, dass Durch­setzungs- und Durchhaltefähig­keit und führbare Gruppen gebildet werden. Die Jägergruppe ist die kleinste nahkampffähige Kampfgemeinschaft.

Die Absitzstärke der Jägertruppe vom (gepanzerten) Gefechtsfahrzeug darf sieben Mann nicht unterschreiten, weil:

  • im Einsatz zumindest zwei auf­einander folgende gleiche Aufträge in vergleichbarer Qualität erfüllt werden müssen und danach die Gruppe noch über ausreichende Kampfkraft verfügen muss,
  • zur Sicherstellung der Grundele­mente des infanteristischen Kampfes (Doppelposten, stehende Spähtrupps, Bewachung, Verteidigung eines Grup­pennestes im Ortskampf einschließlich Dienst in der Stellung, Einbruch, Kampf in der Stellung) über mehr als 48 Stunden min­destens sieben Mann erforderlich sind und
  • bei Ausfall oder Erkrankung von ein bis zwei Mann, die Jägergruppe kurzzeitig die Aufgaben noch erfüllen können muß.

Sinkt die Stärke für den abgesessenen Kampf, so verliert die Jägergruppe ihre Durchhalte- und Durchsetzungskraft.

Die Bewaffnung der Jägergruppe muss sowohl die Panzerabwehr als auch den Kampf gegen Feindinfanterie ermöglichen.

Daher ist die Jägergruppe mit

  • einem Maschinengewehr (schweres Sturmgewehr mit Zweibein),
  • einer Einmannpanzerabwehrwaffe (verschiedene Munitionsarten),
  • einem Sturmgewehr mit 40-mm-Granatwerfer (verschiedene Munitionsarten),
  • einem Sturmgewehr mit Präzisionslauf und Schiene für eine vierfache Optik und einem Nachtsichtvorsatz,
  • zwei Pistolen mit Schalldämpfer (Kraftfahrer, Sicherungsaufgaben/Kontrollposten) und
  • Sturmgewehren je Jäger auszustatten.

Die Nachtkampffähigkeit ist zunächst für Maschinengewehr, Panzerabwehrrohr, Sturmgewehr des Zielfernrohrschützens und die Bordwaffe sowie in weiterer Folge (Infanterist der Zukunft - Soldat 2010) für jeden Jäger zu fordern.

Die Jägergruppe mit Radpanzer besteht aus:

  • 1 Gruppenkommandanten;
  • 1 stellvertretenden Gruppenkom­man­danten;
  • 5 Jägern;
  • 1 Bordschützen;
  • 1 Kraftfahrer.

Gesamtstärke der Jägergruppe: 9 Mann.

Der Jägerzug

Der Jägerzug ist für den abgesessenen Infanteriekampf im schwierigen Gelände zu optimieren. Im Idealfall verfügt der Zugskommandant über die organisatorische Feuerkraft, die erforderlich ist, um das Gefechtsfeld "vorzubereiten", ein Schwergewicht zu bilden und um seine Gruppen im Kampf in derartigem Gelände zu unterstützen. Im schlimmsten Fall sollte ihm diese Feuerkraft ermöglichen, eine Gruppe, die den Kampf um die Feuer­über­legenheit verloren hat, vom Feind zu lösen, ohne eine weitere Gruppe im Wirkungsbereich des Feindes einsetzen zu müssen.

Hieraus ergibt sich eine Forderung nach Waffen mit einer Reichweite bis 1000 m (schweres Maschinengewehr, schweres Panzerabwehrrohr). Auch wenn der Zug in der Lage ist, Aufträge selbstständig auszuführen, ist es unwahrscheinlich, dass er über einen längeren Zeitraum hinweg auf sich allein gestellt bleibt, außer vielleicht in Friedensunterstützenden Operationen. Deshalb müssen die Zugskom­man­danten den für die Umsetzung der Auftragstaktik erforderlichen Führungs­vorgang beherrschen, obwohl sie kaum eine umfassende Beurteilung der Lage anstellen werden. Sie müssen sich darauf einstellen, ihre Einsätze schnell auf der Grundlage bekannten Gefechtsdrills und einer raschen Beurteilung der Lage laufend durchzuführen.

Dem Jägerzug verleihen die vollautomatischen Waffen eine starke Feuerkraft. Die Gliederung des Jägerzuges wird von den Kampfelementen zur Sicherstellung von Feuer und Bewegung und von seiner Nahkampffähig­keit bestimmt. Organisationsfehler, die hier geschehen, sind durch andere Organisationsmaßnahmen auf der Ebene Kompanie oder Bataillon nicht mehr auszugleichen.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Einsatzführung des Jägerzuges im Orts- und Nahkampf sind somit die Selbstständigkeit für Feuer und Bewegung und die Überschaubarkeit des Zuges.

Die Voraussetzung hierfür wird durch die Waffenausstattung in den Jägergruppen geschaffen. Stoßkraft bedingt hohe Feuerkraft. Wenn ein Teil des Zuges stürmt, muss er von Teilen mit hoher Feuerkraft unterstützt werden.

Die verbleibenden Teile dienen zum reaktionsschnellen Zupacken ohne Zeitverzug im "Chaos" des Kampfes. Der Kampf erreicht innerhalb von Minuten seinen Höhepunkt. Oft entscheiden Minuten über Erfolg oder Misserfolg. Daher benötigt der Jägerzug drei Jägergruppen und eine Unterstützungsgruppe.

Voraussetzungen für die Über­schau­barkeit sind:

  • Der Zugskommandant muss jeden Mann seines Zuges genau kennen, einschätzen und einteilen können. Zugeteilte Soldaten genießen vorerst kein Vertrauen.
  • Der Zugskommandant kann maximal vier Gruppen und ihre Gefechtsfahr­zeuge überblicken und führen. Der Jägerzug wird meist nicht verstärkt, sondern muss alle für den Nahkampf erforderlichen Elemente und Waffen sowie für die Stoßkraft erforderlichen Soldaten und die Feuerkraft des Zuges ständig verfügbar haben.

Eine Überfrachtung des Jägerzuges führt zu Schwerfälligkeit, eine Verminderung der Kopfstärke zur Unselbstständigkeit in Krisensituationen des Kampfes.

Die Standhaftigkeit, Durchsetzungs- und Durchhaltefähigkeit erreicht der Jägerzug durch die Fähigkeit zur Kampf- und Einsatzunterstützung der Jägerkompanie sowie durch die Wahlausstattung an Waffen und Wirkmittel innerhalb des Zuges.

Daher muss der Jägerzug folgende Gliederung aufweisen (Minimalvariante):

  • 1 Zugtrupp;
  • 1 Unterstützungsgruppe (2 schwere Ma­schinengewehre, 2 schwere Pan­zerabwehrrohre);
  • 3 Jägergruppen;
  • 4 gepanzerte Gefechtsfahrzeuge.

Bei Ausstattung mit Allschutzfahr­zeugen, "Hägglunds" oder "Pinz­gauern" ist der Jägerzug stets gleich gegliedert. Der Einsatz eines Mann­schaftstransportwagens als Halbzugsfahrzeug ist überholt. Der Jägerzug benötigt aber einen Mannschaftstransportwagen als Trossfahrzug. Dieses ist im Zugtrupp einzugliedern.

Die Jägerkompanie

Der Kompaniekommandant führt vorrangig das unmittelbare Gefecht, sowohl im schwierigen als auch im offenen Gelände. Er schafft günstige Voraussetzungen für den Einsatz seiner Züge und unterstützt sie im Kampf im Gelände mit eigener Feuerkraft. Auch muss er in der Lage sein, freies Gelände bis zur Höchstsichtweite zu beherrschen, die nur selten weiter als vier Kilometer reichen wird. Hierzu benötigt er eine Palette an Wirkungsmöglichkeiten (Sturmabwehr, Panzerabwehr, deckungsbrechende und pan­zerbrechende Munition) mit einer Kampfentfernung von 300 bis 4 000 m. Alle Waffen müssen abgesessen einsetzbar sein, um in schwierigem Gelände und verbautem Gebiet das Einsickern und Kämpfen zu ermöglichen.

In der absehbaren Zukunft werden Systeme mit derartiger Wirksamkeit wohl mannschaftsbedient sein, zumal sie meist zu schwer sind, als dass ein Mann sie allein tragen könnte. Die Kompanien werden häufiger zeitlich begrenzt auf sich selbst gestellt eingesetzt und daher müssen die Kom­paniekommandanten umfassend ausgebildet und fähig sein, den Kampf der verbundenen Waffen zu führen.

Für eine flexible Einsatzführung ist eine Führungsspanne, die drei Stoßelemente, eine Scharfschützengruppe und ein panzerbrechendes Flachfeuerelement umfasst, ideal. Ein Überfrachten der Jägerkompanie mit schweren Waffen würde diese schwerfällig machen und nicht nur ihre Beweglichkeit einschränken, sondern auch ihre Stoßkraft mindern. Mit drei Jägerzügen wird einer "handhabbaren" Führungsspanne am ehesten Rechnung getragen.

Standfestigkeit, Durchsetzungs-, Durchhalte- und Führungsfähigkeit erhält die Jägerkompanie einerseits durch ihr Können sowie ihre Fertigkeit und anderseits durch den der Kompanie innewohnenden Geist, die Moral und die Tugenden jedes Soldaten sowie durch die Führungs- und Einsatzunterstützung durch das Bataillon. Die Jägerkompanie "schießt" ihre Jägerzüge in die feindlichen Stellungen.

Daraus abgeleitet ergibt sich für die Jägerkompanie folgende Gliederung:

  • 1 Führungselement;
  • 1 Versorgungselement;
  • 3 Jägerzüge;
  • 1 schwerer Jägerzug (Panzerabwehrlenk­waffenzug und eine Scharfschützengruppe).

Zur Sicherstellung der Durchsetzungs­fähigkeit der Jägerkompanie muss diese über

  • panzerbrechende Waffen mit Einsatzschussweite bis 4 000 m zur Vernichtung verteidigender oder angreifender Panzer und zur Abriegelung der Flanke,
  • weitreichendes Flachfeuer zur Vernichtung absitzender Infanterie und zum Niederhalten sowie
  • Scharfschützen zur Ausschaltung gefährlicher Ziele bis 1 000 m verfügen.

Dies erfordert die Bildung eines Flachfeuerelementes mit:

  • 1 Zugtrupp;
  • 2 Panzerabwehrlenkwaffengruppen;
  • Maschinengranatwerfer, schweren Maschinengewehren oder -kanonen auf den Gefechtsfahrzeugen;
  • 1 Scharfschützengruppe.

Die Panzerabwehrlenkwaffengruppen müssen mit "Fire and forget"-Systemen ausgerüstet sein. Die Maschinengranatwerfer müssen verschiedene Munitionsarten verschießen können.

Die Ausrüstung der Scharfschützen hat folgende Komponenten zu umfassen:

  • Nachtsichtgerät;
  • Beobachtungsgerät mit 60-facher Vergrößerung, eingebautem Laserentfernungs- und Richtungswinkel­messer sowie GPS;
  • Fernmeldemittel.

Das Jägerbataillon

Der Bataillonskommandant blickt über das unmittelbare Gefecht hinaus. Er hat einen Überblick über die Lage und schafft günstige Voraussetzungen für den Einsatz seiner Einheiten und unterstützt diese im Einsatz in schwierigem, gemischtem oder freiem Gelände. Er ist stets bestrebt, seine Aufklärung energisch so anzusetzen, dass er seine Kompanien nicht zu früh im Nahkampf einsetzen muss. Dieses Konzept verlangt eigene ISTAR (In­fatery Survaillance and Target Aqui­sition Radar)-Mittel und Unterstüt­zungswaffen mit einer größeren Reichweite als vier Kilometer, jedoch besteht hier eine Fähigkeitslücke in der derzeitigen Ausstattung der Kampftruppe. In der absehbaren Zukunft werden die Waffen mit einer derartigen Reichweite an Trägerfahrzeuge gebunden und nicht abgesessen einsetzbar oder manntragbar sein. Bataillone haben möglicherweise Zugriff auf die Feuerkraft übergeordneter Führungebenen, wie Artillerie oder Mittel anderer Teilstreitkräfte, doch ist dies wahrscheinlich nur der Fall, wenn sie im Schwergewicht ihrer übergeordneten Führungsebene stehen.

Das Jägerbataillon führt den In­fanteriekampf zu Fuß, vorwiegend im Infanterie- und Mischgelände, in allen Einsatz- und Aktionsarten sowie in selbstständigen Gefechtshandlungen.

Zu verlangen ist daher folgende Gliederung:

  • 1 Stabskompanie für Führungs- und Versorgungsaufgaben;
  • 3 Jägerkompanien mit hoher Beweglichkeit (splittergeschützt) und Stoßkraft;
  • 1 Kampfunterstützungskompanie mit einer Steilfeuerkomponente und einer Panzerabwehrkomponente.

Die Kampfunterstützungskompanie ist wie folgt zu gliedern:

  • 1 Führungselement,
  • 1 Versorgungselement,
  • 1 Granatwerferzug 120 mm mit 6 ­Ro­­hren und insgesamt 3 Be­ob­achtungstrupps,
  • Fähigkeit zur Einbindung in das Feuerleitsystem der Artillerie,
  • 1 Panzerabwehrlenkwaffenzug mit 2 Gruppen á 2 Startern zur Schwer­gewichtsbildung im Jägerbataillon,
  • 1 Unterstützungszug und
  • 1 Aufklärungszug.

Der Granatwerferzug ist mit splittergeschützten Fahrzeugen, auf denen die Granatwerfer montiert sind und die Bedienung unter Splitterschutz erfolgen kann, elektronischen Feuer­leit­geräten, digitalem Datenfunk und in die Feuerleitung eingebundenen Be­obach­tungs- und Ent­fern­ungsmess­geräten auszustatten.

Er ist wie folgt zu gliedern:

  • 1 Zugtrupp;
  • 3 Beobachtungstrupps;
  • 6 Granatwerfer.

Der Panzerabwehrlenkwaffenzug ist mit "Fire and forget"-Waffen mit einer Reichweite von bis zu 4 000 m auszustatten. Die Beweglichkeit ist auf splittergeschützten Fahrzeugen sicher zu stellen.

Der Zug ist wie folgt zu gliedern:

  • 1 Zugtrupp;
  • 2 Panzerabwehrlenkwaffengruppen.

Der Unterstützungszug hat die Kampfteile durch Gerät und Ausrüstung zu unterstützen und sie in den Nebenaufgaben zu entlasten.

Er ist wie folgt zu gliedern:

  • Zugskommandant;
  • 1 ABC-Gruppe;
  • 1 Pioniergruppe;
  • 1 Bergelement für "Retten und Bergen" im Ortskampf.

Der Aufklärungszug führt Aufklärung im Rahmen des Jägerbataillons durch.

Er ist wie folgt zu gliedern:

  • 1 Zugtrupp;
  • 1 Aufklärungsgruppe (GEFAS - Gefechtsfeldaufklärungssystem, Minidrohnen);
  • 3 Aufklärungsgruppen mit je zwei gepanzerten Gefechtsfahrzeugen;
  • 1 schwere Scharfschützengruppe.

Bei den hochgebirgsbeweglichen Jägerbataillonen wird statt eines Aufklä­rungszuges ein Hochgebirgsaufklä­rungszug, beim Jägerbataillon 25 ein Luftlandeaufklärungszug eingegliedert.

Die Brigade

Die Brigaden sind die Hauptträger des Kampfes der verbundenen Waffen. Hierzu müssen sie Führungs-, Aufklärungs-, Kampf-, Kampfunterstützungs- und Einsatzunterstützungskräfte besitzen. Die Brigade muss Normaufgaben ohne Verstärkung und Unterstützung "von oben" erfüllen können.

Gliederung der Brigade

1 Stabsbataillon mit
  • Stabskompanie;
  • Fernmeldekompanie;
  • Aufklärungskompanie verstärkt durch Militärstreifenkräfte (HUMINT);
  • Nachschub-, Transport- und In­standsetzungskompanie;
  • Feldambulanz;
  • 1 Panzerjägerkompanie mit Panzerabwehrlenkwaffen 4000;
  • 1 Jagdpanzerkompanie (Kanone);
  • 1 Fliegerabwehrbatterie (gepanzert).

3 Jägerbataillone mit je

  • 1 Stabskompanie;
  • 3 Jägerkompanien;
  • 1 Kampfunterstützungskompanie.

1 Pionierbataillon.

1 Artilleriebataillon.

Die Gliederung der Brigadeaufklä­rungskompanie soll umfassen:

  • 2 Spähzüge mit GEFAS;
  • 2 kampfkräftige Spähzüge;
  • 1 Zug für verdeckte Aufklärung (Militärstreife, HUMINT).

Die Struktur hat sich an den zu erwartenden taktischen Herausforderungen auf Grund der technologischen und elektronischen Bedingungen des heutigen Ge­fechtsfeldes zu orientieren.

Die Brigaden müssen so strukturiert sein, dass sie über eine hohe taktische Flexibilität und über eine hohe Durch­setzungs- und Durchhaltefä­higkeit verfügen. Spezialisierung (Hochgebirgsbeweglichkeit, Luftlandefähigkeit), Struktur und Präsenz bestimmen den qualitativen Wert eines großen Verbandes.

Fähigkeiten der Brigade

  • Fähigkeit zur unterschiedlichen Ge­waltanwendung im Gesamtbereich.
  • Weitgehende Selbstständigkeit der Brigade mit brigadeeigenen hochtechnisierten Aufklärungsmitteln als Voraussetzung für eine eigenständige Lageerfassung sowie mit voller Kommunikation zu und in den Bataillonen.
  • Direkte und systematisierte Unterstützung durch Korps/Division und durch ein Joint Task Force-Kommando sowie durch direkte Zusammenarbeit mit anderen Teilstreitkräften.
  • Durchführungsbezogene Ent­schei­dungsprozesse mit auf Zusammenarbeit aufbauenden militärischen Ent­schei­dungsabläufen und Befehls­gebung; verstärkte Kom­man­dan­tenausbildung zu höherer Selbstständigkeit im Rahmen einer realen Auftragstaktik.

Schlussbemerkungen

Die Kernaufgabe der Jägertruppe bleibt der Infanteriekampf mit Schwer­­gewicht abgesessener In­fanteriekampf der ein gnadenloses und extrem ge­walt­volles Geschäft bleiben wird. Ein Fehlschlag ist absolut tödlich und unakzeptabel.

Die drei Grundfähigkeiten der Infanterie, Überlebens-, Durchhalte- und Durchsetzungsfähigkeit, müssen daher durch Struktur und Ausbildung verlässlich sichergestellt werden. Fehler, die in der Struktur und in der Ausbildung gemacht werden, sind daher politisch und militärisch die Grundlage für eine programmierte Katastrophe. Zinksärge und nicht erfüllte Mandate sind die logische Folge. Zurück bleiben eine beschädigte politische und militärische Führung und verzweifelte Menschen. Dem kann im Frieden und in der Heimat durch Erfüllung der Strukturanforderungen und Struk­­tur­not­wen­digkeiten wirkungsvoll und rechtzeitig begegnet werden.


Die Arbeitsgruppe "Quo vadis Infanterie?" steht unter der Leitung des Kommandanten der Jägerschule und setzt sich aus Offizieren und Unteroffizieren der Jägerschule sowie der Jägertruppe des Österreichischen Bundesheeres (des Präsenz- und Milizstandes) zusammen; sie befasst sich mit Überlegungen zur österreichischen Infanterie der Zukunft.

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