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Berufssoldaten während der Römerzeit

Das Alltagsleben römischer Berufssoldaten war oft eintönig und monoton, viele Soldaten erlebten während ihrer gesamten Dienstzeit keinen einzigen Kampf. Die Aufzeichnungen ihrer Tätigkeiten sind teilweise noch erhalten und lassen einen tiefen Einblick in den alltäglichen Dienstbetrieb des römischen Militärs zu.

Torposten, Bäder, Artillerie, so lauten die Vermerke für den Soldaten L. Sextilius Germanus im Dienstplan der legio III Cyrenaica (Rom. Mil.Rec. 9) für die ersten zehn Tage im Oktober eines Jahres gegen Ende des ersten Jahrhunderts nach Christus. Wieso aber weiß man heute, etwa 2 000 Jahre später, noch so gut darüber Bescheid?

Wissen aus dem Altpapier

Briefe und verschiedenste andere Dokumente der römischen Armee und ihrer Verwaltung sind heute, 2 000 Jahre später, auf Papyrus, Tonscherben und Holztäfelchen oder -blättern noch zugänglich. Aus diesen Dokumenten, die eigentlich antikes Altpapier sind, lernt man das alltägliche Leben der römischen Soldaten in Friedenszeiten, ihre Probleme, Schwierigkeiten aber auch Hoffnungen und Wünsche kennen.

Papyrus (pl. Papyri) war der Hauptbeschreibstoff der Antike, hergestellt aus dem Mark der Papyrusstaude, die nur im Nildelta in großen Mengen wuchs, war aber auch ein teures Material, das nicht jedem zur Verfügung stand. Tonscherben, Ostraka genannt, standen hingegen jedem zur Verfügung, der des Schreibens kundig war. Aus dem Westen des Imperium Romanum sind neben mit Wachs eingelassenen Holztäfelchen, die mit einem Griffel aus Metall beschrieben wurden, auch dünne Blätter aus Holz bekannt, die - wie ihre Gegenstücke aus Papyrus - mit Tinte beschriftet wurden. Alle diese Dokumente haben sich nur unter bestimmten Umfeldbedingungen erhalten können wie zum Beispiel im Wüstenklima Ägyptens oder einer lehmhaltigen Bodenschicht in Britannien, in der die Schreiben luftdicht abgeschlossen wurden.

Alltagstrott

Aus den erhaltenen Dokumenten kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die Organisation und der Ablauf des täglichen Lagerlebens in der römischen Armee im gesamten Reich nach demselben Schema verlief. Mit der Einführung des Berufsheeres unter Kaiser Augustus (Regierungszeit 27 vor bis 14 nach Chr.) und der zunehmenden Befriedung des Römischen Imperiums in den folgenden Jahrhunderten, nahm die Alltagsroutine in der römischen Armee überhand. Routinearbeiten und -dienste bestimmten das Leben der Soldaten, die zwanzig bis sechsundzwanzig Jahre dienen mussten, um ihre ehrenvolle Entlassung aus dem Militärdienst zu erreichen. So hatten sie vor allem Wachdienste zu versehen: Sie stellten die Wachen entlang der Grenzen des Römischen Reiches, an wichtigen Straßenverbindungen und zivilen Bauten, wie an den öffentlichen Getreidespeichern. Sie waren für Nachschub und Versorgung ihrer Truppen verantwortlich, hatten die Nachrichtenübermittlung aufrecht zu halten, für Instandhaltungs- und Bautätigkeiten inner- und außerhalb des Lagers zu sorgen, auf Befehl des Statthalters auch im zivilen Bereich Dienst zu versehen und ihre persönliche Ausrüstung in Ordnung zu halten.

Gesellschaftliche Stellung

Die römische Armee der Kaiserzeit rekrutierte sich zum Großteil aus Freiwilligen - entsprechende Anreize hat das römische Heer den Bewerbern auch geboten: Verglichen mit dem Großteil der Zivilbevölkerung ging es den römischen Soldaten recht gut. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser sowie diversen Ausrüstungsgegenständen war sichergestellt, die medizinische Betreuung gut. Jedem Soldaten stand eine bestimmte Zahl von Urlaubstagen im Jahr zur Verfügung, ein Luxus, den sich selten ein Kleinbauer oder Handwerker leisten konnte. Dreimal im Jahr bekamen die Soldaten zudem ihren Sold ausgezahlt. Mit der ehrenhaften Entlassung aus dem Militärdienst standen den Soldaten Prämien und Begünstigungen zu.

Der tägliche Dienstbetrieb

Der militärische Drill fand in der Regel am Morgen statt: Die Soldaten hatten sich mit Laufen, Sprungübungen und Schwimmen körperlich fit zu halten, mit ihren Waffen, besonders dem gladius, dem römischen Kurzschwert, dem pilum, dem Wurfspeer der Infanterie oder, wenn es sich um Sondereinheiten handelte, mit ihren speziellen Waffen, aber auch mit Schleudern und im Werfen von Steinen zu üben. Sofern sie nicht noch Rekruten waren und die Grundausbildung absolvierten, mussten sie dreimal im Monat einen längeren Übungsmarsch absolvieren und an größeren Manövern teilnehmen.

Der weitere Tagesablauf der Soldaten war in "Dienstplänen" vermerkt. Bei der Standeskontrolle der Einheiten wurden diejenigen, die zu besonderen Diensten eingeteilt waren, namentlich genannt und in einer Diensteinteilung schriftlich festgehalten. Ein "Dienstplan" der in der Nähe von Alexandria in Ägypten stationierten legio III Cyrenaica, verfasst um das Jahr 90 n. Chr., zeigt, dass solche Pläne nicht im Vorhinein geplant, sondern immer wieder erweitert wurden. Der Papyrus mit dem tabellenförmigen Plan ist an der rechten Seite abgerissen und weist die Namen von 36 Soldaten und ihre Tätigkeiten im Zeitraum vom 1. bis zum 10. Oktober auf (siehe Seite 107). Egal ob ein Soldat von den alltäglichen Pflichten befreit, einem Offizier als Ordonnanz zugeteilt, als Vertretung einer Charge eingeteilt oder im Außendienst war, alles wurde im "Dienstplan" mit einem entsprechenden Vermerk festgehalten. Rubriken die durch einen Querstrich gekennzeichnet sind markieren wohl einen dienstfreien Tag, an dem der Soldat das Lager aber nicht verlassen durfte. Hatte er Urlaub und verließ er die Garnison, gab es ebenfalls einen Vermerk. Diejenigen Soldaten, die keine besonderen Aufträge bekommen hatten, befanden sich im Lager und standen für Übungen und Paraden zur Verfügung.

Wartung und Pflege

Der Dienstplan der legio III Cyrenaica teilt die verfügbaren Mannschaften zu Reinigungs- und Instandhaltungsdiensten, Wachdiensten und diversen anderen Arbeiten ein. So waren Soldaten zur Reinigung der Latrine und der Unterkünfte abgestellt. Sie versahen Dienst im Lagerbad und hielten die Ausrüstung des eigenen Centurio, der dem Rang nach etwa einem Hauptmann entspricht, in Stand. Im römischen Heer achtete man besonders auf Sauberkeit und Hygiene. Zu den selbstverständlichen Aufgaben eines jeden Soldaten gehörte es, die eigenen Waffen und die Ausrüstung zu pflegen. Regelmäßige Visiten durch die Vorgesetzten kennzeichneten den militärischen Alltag.

Der Soldat M. Antonius Crispus wurde eingeteilt, um sich um Tragbahren für Verletzte und Kranke zu kümmern; ob zur Herstellung oder Instandhaltung ist nicht zu sagen. Außerdem ist nicht mit Sicherheit ableitbar, ob die zur Waffenkammer eingeteilten Soldaten dort Wache hielten oder einen Arbeitsdienst versahen. Die Mannschaften hatten sich auch um die Tiere der Einheit zu kümmern, ihre Ställe auszumisten und sie zu betreuen. Andere Soldaten wurden zur Artillerie eingeteilt, entweder zu Ausbildungszwecken, zur Instandhaltung der Artilleriewaffen oder als Wachsoldaten. Die Einteilung des C. Iulius Valens vom 1. Oktober in die "Arena" ist wohl im Zusammenhang mit vergnüglichen Darbietungen oder Instandsetzungsaufgaben zu sehen. Routinedienste wie militärischer Drill, der auch im Übungsamphitheater, der Arena, durchgeführt werden konnte, wurden auf diesem "Dienstplan" nämlich nicht verzeichnet.

Ausbildung und Wachdienst

Jeweils zwei Soldaten hatten an Stelle der ständigen Charge des quintanensis zu agieren und den ludus quintanus, eine Fecht- und Wurfübung der Reiterei, die jeden fünften Tag stattfand, abzuhalten. In ihren Aufgabenbereich fielen der Aufbau und die Instandhaltung des Übungsplatzes. Eskorten und Ordonnanzen finden sich ebenfalls im Plan verzeichnet. Der größte Teil der verfügbaren Soldaten war aber zu verschiedenen Wachdiensten inner- und außerhalb des Lagers eingeteilt. So bewachten und überwachten sie Steinbrüche - darunter einen Kalksteinbruch -, die Waffenkammer und einen Baumwolltransport, sie standen als Posten am Tor, auf dem Wall, beim Hauptquartier und versahen Dienst im Wachturm. Als stehender Spähtrupp oder Streifenposten waren sie truppweise auf der Verbindungsstraße zum nahen Neapolis unterwegs, sie versahen als Wachen Dienst beim Getreidespeicher dieses Vorortes von Alexandria und wahrscheinlich auch auf der Insel des Pharos, des Leuchtturms von Alexandria.

Im Militärlager selbst waren Soldaten als Streifenposten in den Seitenstraßen unterwegs. Sie fungierten dort wahrscheinlich als Militärpolizei, die im Lager für Ruhe und Ordnung zu sorgen hatte und vielleicht auch die stehenden Wachen der diversen centuriae, der einzelnen Kompanien, überprüfte. M. Antonius Crispus wird am 4. Oktober als "in Zivilkleidung" aufgeführt - dabei dürfte es sich um eine Art Geheimpolizist in zivil gehandelt haben. Diese Deutung ist aber nicht unumstritten und zeigt, dass heute, 2 000 Jahre später, der Einblick in die Spezialaufgaben der römischen Soldaten fehlt, die den römischen Schreibern der militärischen Dokumente auch in den verschiedensten Abkürzungen vollkommen klar gewesen sind.

"Dienstpläne"

Auch wenn sich "Dienstpläne" nur selten erhalten haben, darf man doch davon ausgehen, dass es für jede Einheit im römischen Heer einen entsprechenden Plan gegeben haben muss. So verweist der spätantike Schriftsteller Vegetius in seinem Militärhandbuch "De rei militaris" besonders darauf, die Tätigkeiten der einzelnen Soldaten immer in die entsprechenden Listen einzutragen, damit die Diensteinteilung möglichst fair verlaufen konnte und niemand bevorzugt oder benachteiligt wurde.

Ein Dienstplan in Tabellenform ist bisher nur noch ein zweites Mal bekannt, wenn auch in einer viel weniger ausführlichen Variante: Auf einer Tonscherbe, einem Ostrakon (O. Claud. II 308), sind Dienste eingetragen, die sich mit Wasser, Wachestehen, Waffen, Nahrungsmitteln, Sold und möglicherweise Kleidung oder Spurensuchen beschäftigen. Aus anderen Garnisonen sind Diensteinteilungen nur in der Form bekannt, als sie bei der Standeskontrolle auf Tonscherben vermerkt wurden, um sie dem übergeordneten Kommando weiterzugeben.

Somit ist der Dienstplan der legio III Cyrenaica in seiner Erhaltung einzigartig. Dennoch kann er als Grundlage für die Rekonstruktion des militärischen Alltages im gesamten Römischen Reich herangezogen werden. Der Dienstbetrieb von Infanterie, Kavallerie und der gemischten Einheiten, die zu einem Viertel aus Reiterei und drei Viertel Fußvolk bestanden, war beinahe ident, die römischen Soldaten und Truppen waren multifunktional und es gab keine Untergliederung in Waffengattungen.

Fazit

Der Alltag der römischen Soldaten setzte sich in der relativ friedlich verlaufenden Kaiserzeit zum Großteil aus Routinearbeiten zusammen, wie sie aus dem hier vorgestellten Dienstplan des ersten Jh. n. Chr. hervorgehen. Nicht wenige Soldaten konnten von sich behaupten, in ihrer gesamten Dienstzeit keine einzige Schlacht geschlagen zu haben. Für die Soldaten der römischen Armee war in Friedenszeiten alles solita munia, alles normaler alltäglicher Dienstbetrieb.


Autorin: Wachtmeister Mag. Anna Maria Kaiser, Jahrgang 1986. 2005 Ausbildungsdienst 3. Kompanie/Jägerbataillon 15. 2010 Stabsunteroffizierslehrgang Miliz. Milizsoldatin im Jägerbataillon Oberösterreich, derzeitige Verwendung: Kommandant Kommandogruppe.

2006 bis 2008 Studium der Alten Geschichte an der Universität Salzburg mit Auszeichnung; 2008 Verleihung des Würdigungspreises des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Seit 2008 Doktoratsstudium der Alten Geschichte an der Universität Wien. Seit 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik, Universität Wien. Forschungsschwerpunkt: Militärgeschichte.

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