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Erzherzog Carl - Der Bezwinger Napoleons

Auf dem Wiener Heldenplatz stehen zwei Reiterstandbilder. Das eine zeigt einen Franzosen italienischer Herkunft: Prinz Eugen von Savoyen, das andere den Bezwinger Napoleons und Bruder von Kaiser Franz II./I.: Erzherzog Carl von Österreich. Carl (1771 bis 1847) genoss wegen seiner Leistungen als Feldherr gegen die Franzosen bereits zu Lebzeiten großes Ansehen.

Allgemeines

Auch berühmte Dichter wie Heinrich von Kleist widmeten Erzherzog Carl schwülstige Verse wie "Überwinder des Unüberwindlichen". Der Erzherzog wurde zu Lebzeiten oft "ins Bild gesetzt"; ein Besuch im Heeresgeschichtlichen Museum, wo es einige monumentale Bilder mit Carl gibt, führt dies eindringlich vor Augen. Dennoch: Die entscheidende Schlacht gegen Napoleon bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 verlor Carl auf Grund von unglücklichen Umständen. Dies tat jedoch seiner Glorie keinen Abbruch - im Gegenteil.

In Italien geboren

Carl kam 1771 als Sohn des Großherzogs der Toskana, dem späteren Kaiser Leopold II., in Florenz zur Welt. Obwohl er eigentlich in einem völlig unmilitärischen Milieu erzogen worden war, zog es den jungen Erzherzog, der nach dem Tode seiner Eltern von Albert von Sachsen-Teschen und seiner Tante Marie-Christine adoptiert worden war, hin zum Militär. Seine Tante Marie amtierte in den Niederlanden als Generalstatthalterin. 1793/94 amtierte der junge Erzherzog in Brüssel bereits selbst als Generalgouverneur. Erschwerend wirkte für den jungen Carl auch sein Epilepsieleiden. Aus dieser Zeit kam ebenfalls der Konflikt mit der österreichischen Zentralbürokratie - namentlich mit Franz Freiherr von Thugut, Leiter der österreichischen Staatskanzlei -, die ihm in seiner Zeit als Feldherr und Politiker zu schaffen machen sollte.

Militärische Karriere

In den Feldzügen von 1792/93 führte Carl eine Brigade. 1794 befehligte er bereits ein Reservekorps, 1796 gelang es ihm nach der Übernahme des Kommandos über die Reichsarmee als "Reichsgeneralfeldmarschall" die in Deutschland eingefallenen Franzosen in mehreren Schlachten zu besiegen (Amberg, Würzburg) und die Eindringlinge über den Rhein zurückzuwerfen. Dies machte den Spross des Hauses Habsburg-Lothringen ungeheuer populär, doch dies erzeugte Neid und Missgunst am Wiener Hof. Eine politische Einflussnahme seitens Carls trachteten die hier mächtigen Männer rund um Thugut zu vermeiden. Ein Jahr später führte Carl die österreichische Armee aus Italien in die Steiermark zurück. Mit Napoleon handelte er den Waffenstillstand von Leoben aus. Erneut zur Rheinarmee versetzt, übernahm Carl nach dem Friedensschluss mit Frankreich den Posten als Gouverneur von Böhmen.

Der zweite Koalitionskrieg (1798 bis 1802)

Die verbündeten Staaten rund um Russland, Großbritannien und Österreich gedachten dem expansiven Streben des revolutionären Frankreich einen Riegel vorzuschieben. Zu Beginn blieben die Verbündeten in Süddeutschland und der Schweiz siegreich. Erzherzog Carl zeigte sich verantwortlich für die Siege von Stockach, Ostrach und Zürich. Auch in Norditalien drängten die verbündeten Österreicher und Russen die Franzosen zurück. Doch die Allianz begann zu bröckeln, Misstrauen und die Angst vor dem Vorteil des eigenen Verbündeten wirkte sich aus. 1799 zogen sich die Russen zurück. Nunmehr trug wieder Österreich die Hauptlast des Kampfes. Napoleon Bonaparte riss in diesem Jahr die Macht im Staate an sich. Mit ihm gelang es den französischen Truppen das Ruder herumzureißen. In Italien wurden die Österreicher bei Marengo entscheidend geschlagen, in Süddeutschland führte General Moreau die Franzosen bei Hohenlinden zum Sieg. Diese Schlacht verlor der Bruder Carls, der populäre Erzherzog Johann. Carl musste wieder den Oberbefehl über die geschlagene Armee übernehmen. Mit dem Frieden von Luneville vom 9. Februar 1801 stellte Napoleons Frankreich seine Vorherrschaft in Italien wieder her. Der Sturz Thuguts war die logische Folge der Niederlage Österreichs.

Der Aufstieg Carls

Nach dem Sturz Thuguts stieg der Stern Erzherzog Carls. Bereits im Jänner 1801 erfolgte die Ernennung Erzherzog Carls zum Feldmarschall und zum Präsidenten des Hofkriegsrates. Im September erhob ihn sein Bruder Kaiser Franz II. zum Heeres- und Marineminister. Doch die ehrgeizigen Pläne Carls zur Sanierung und Neuaufstellung des österreichischen Kaiserstaates sowie eine grundlegende Heeresreform scheiterten an der österreichischen Zentralbürokratie, die sich nicht so einfach entmachten lassen wollte. Auch sein Bruder verlor das Interesse an Carls Reformplänen. Der engagierte Erzherzog zog sich frus- triert zurück.

Sieg und Niederlage

1805 brach erneut ein Krieg zwischen Napoleon und den Verbündeten aus, der in der verheerenden Niederlage bei Austerlitz endete. Österreich musste demütigende Friedensbedingungen hinnehmen. Carl konnte zwar gegen die Franzosen bei Caldiero einen Abwehrsieg verbuchen, der jedoch an der Gesamtsituation nichts zu ändern vermochte. In dieser Stunde der Niederlage gelang es Carl sich wiederum als Erneuerer ins Spiel zu bringen, doch wie schon die Jahre vorher war dies vergeblich. Seine schon 1801 geäußerte Idee einer längeren Friedensperiode mit Frankreich, um dem Kaiserstaat Österreich Erholung, Reformen und Aufrüstung zu ermöglichen, stießen bei den "Falken" bei Hofe auf taube Ohren. 1809 riskierte Österreich gegen den Willen Carls erneut den Waffengang gegen Napoleon.

Doch schon die Einleitungsgefechte bei Landshut und Regensburg schlugen fehl. Erzherzog Carl musste sich mit der Armee über Böhmen nach Osten zur Donau zurückzuziehen. Hier nördlich der Donau (heute 22. Wiener Gemeindebezirk) fällte Carl die Entscheidung, den wichtigen Straßenknotenpunkt bei Aspern nördlich der Donau zu verteidigen. Napoleon aber entschloss sich, die hochwasserführende Donau bei der Lobau zu überqueren und die Entscheidung zu suchen. Am 20. Mai besetzten französische Einheiten die Orte Aspern und Eßling. Bis zum nächsten Tag konnten sie rund 30 000 Mann hierher bringen, als der österreichische Angriff einsetzte, durch den die Ortschaft Aspern zurückerobert werden konnte. Eßling blieb (noch) in französischer Hand. In der Nacht auf den 22. Mai rückten französische Verstärkungen ans nördliche Donauufer vor und begannen am Morgen erneut den Kampf. Am Nachmittag des 22. Mai entschied sich die Schlacht: Die Österreicher drängten die Franzosen zurück und zwangen sie, das linke Donauufer in einem nächtlichen Rückzug zu räumen. Erzherzog Carl war es gelungen, dem bis dahin als "unbesiegbar" geltenden Napoleon eine Niederlage beizubringen. Doch wagte der Erzherzog es nicht, die geschlagenen Franzosen erneut anzugreifen. Carl hatte zwar eine Schlacht aber nicht den Krieg gewonnen.

Napoleon gelang es seine Armee zu verstärken und er rückte im Juli nach Norden den Österreichern entgegen. Die sich anbahnende Schlacht bei Wagram entwickelte sich für die Österreicher zu einem Desaster. Erzherzog Johann gelang es nicht, seinen Bruder durch Truppen zu unterstützen. Ein französischer Angriff auf das Zentrum riss die österreichische Armee auseinander. Einige Tage später bei Znaim folgte die nächste Niederlage, die Erzherzog Carl dazu zwang, den "Znaimer Waffenstillstand" zu schließen; die Entlassung durch seinen Bruder Kaiser Franz I. war die Folge. Der Friedensvertrag von Schönbrunn 1809 geriet durch die harten Friedensbedingungen Napoleons zu einem erneuten Desaster. Erzherzog Carl zog sich ins Privatleben in das Schloss Weilburg bei Baden zurück.

Schriftsteller und Privatier

Erst nach dem Wiener Kongress, der Europa nach dem Ende Napoleons ein neues Gesicht gab, bekam Carl wieder ein offizielles Amt als Gouverneur der Festung Mainz. Er heiratete Henriette von Nassau-Weilburg, mit der er eine glückliche Ehe führte. Seine Frau blieb trotz der Ehe mit dem katholischen Carl bei ihrem angestammten evangelischen Glauben und lehnte eisern jede Konversion ab. Nach ihrem Tod 1829 beschäftigte sich der Erzherzog Carl nur mehr mit der Erziehung seiner Kinder und als Militärschriftsteller. Seine Beziehung zu seinen Brüdern Kaiser Franz und Erzherzog Johann blieb jedoch seit dem Jahr 1809 stets getrübt.

Erinnerung

Erzherzog Carl bleibt der Nachwelt stets als Sieger über Napoleon in Erinnerung, doch greift man damit viel zu kurz. Sein gescheiterter Reformeifer im Bereich von Verwaltung und Militär werden viel zu wenig gewürdigt. Erst nach seinem Tod 1847 und der Revolution 1848 gelang es den österreichischen Staat grundlegend zu reformieren.

Ein Jahrgang der Theresianischen Militärakademie, der 1983 ausmusterte, führt den Namen "Erzherzog Carl". Die ehemalige "Erzherzog Carl-Kaserne/Karlkaserne" im 22. Bezirk (Maurichgasse) gab das Bundesheer 1999 auf; heute steht hier der "Wohnpark Erzherzog Carl".


Autor: Mag. Martin Prieschl, Jahrgang 1976. 2004 Wehrdienst im Panzergrenadierbataillon 13, Angehöriger des Milizbataillons Oberösterreich. Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte an der Universität Salzburg. Abschluss in Geschichte 2003 mit Auszeichnung; Auszeichnung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für die besten Studierenden 2003/2004; Ausbildung zum Archivar am Insitut für Österreichische Geschichtsforschung und der Fachhochschule Potsdam (Archiv, Bibliothekswesen, Dokumentation); Dissertation an der Universität Wien. Nach dem Studium neben zahlreichen Publikationen u. a. Tätigkeiten im Verlagswesen; Hospitant im Kriegsarchiv; im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und im Parlamentsarchiv sowie als Koordinator und Mitgestalter der Ausstellung "Liberale Politik in Österreich" (Parlament, 2006). Seit März 2007 Archivbeauftragter der Evangelischen Kirche A und HB sowie Archivar der Diözesen Niederösterreich und Salzburg-Tirol. Seit 2009 Geschäftsführer der Firma Archivtechnik & Systeme.

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