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Pionierunterstützung im Gebirge

Gebirgiges Gelände und vor allem das Hochgebirge stellen an alle Truppen besondere Herausforderungen. Die Anforderungen an die Pioniertruppe im Speziellen sind Stege- und Behelfsbrückenbau, Gebirgswegebau, Seilbahnbau, die Errichtung von Behelfsunterkünften oder Stellungssprengen. Das Pionierbataillon 2 (PiB2) hat das notwendige Wissen sowie das erforderliche Gerät für derartige Einsätze.

Der Einsatz von Truppen im gebirgigen Gelände erfordert Wissen und Erfahrung, um richtig ausgeführt werden zu können. So kann die Wahl eines richtigen Unterstandes für den Sommer sich für die Winterzeit als schwerwiegende Fehlbeurteilung darstellen, wenn Windverwehungen den Eingang ständig verlegen oder gar eine Lawine die Soldaten bedroht.

Gerade die Klima-, Witterungs- und Geländegegebenheiten, die wesentliche Faktoren im Führungsverfahren der Pioniere sind, haben im Gebirge besondere Ausprägungen. So sind zum Beispiel nach einem Platzregen ausgewaschene, teils vermurte Gebirgsstraßen im Sommer und durch Lawinen oder Schneebretter verlegte Straßen im Winter rasch zur Sicherstellung der Bewegung der Truppe freizumachen.

Das Pionierbataillon 2 als Verband der 6. Jägerbrigade hat sich in den letzten Jahren konsequent im Bereich der Pionierunterstützung im Gebirge weiterentwickelt. Dies zeigt sich zum einen in der umfangreichen, fordernden Ausbildung und zum anderen in der Ausrüstung, insbesondere durch die Implementierung einer Materialseilbahn in den Verband. Ziel ist es dabei, den Kampf der verbundenen Waffen im Bereich der qualifizierten Pionier unterstützung auch im schwierigsten Gelände sicherzustellen.

Gebirgiges Umfeld

Laut der Dienstvorschrift für das Bundesheer "Einsatz im gebirgigen Umfeld" sind Gebirge räumlich geschlossene, höhere Teile der Erd oberfläche, die sich durch einen oft deutlich ausgeprägten Gebirgsfuß von ihrer flacher ausgebildeten Umgebung absetzen und in Berge, Täler und Hochflächen gegliedert sind. Dabei kennzeichnen Geländeformen, Höhenunterschiede, Bodenbeschaffenheit sowie fehlende Infrastruktur das gebirgige Gelände. Durch die Geländeformen entstehen häufig klar abgegrenzte, isolierte Einsatzräume, die eine gegenseitige Unterstützung oder rasche Kräfteverschiebung nur schwer zulassen. Bäche, Schluchten oder Geländestufen (Steilstufen) bewirken oft zusätzlich eine Teilung des Einsatzraumes, und Bewegungen werden kanalisiert. Das Verschieben von Truppen erfordert erhöhte Anstrengungen und Zeit. Durch die Höhenunterschiede muss ein größerer Zeitaufwand für Bewegungen berücksichtigt werden. Die Bodenbeschaffenheit hat wesentlichen Einfluss auf Bewegungen, den Bau von Stellungen, von Übergängen und Wegen sowie auf die Waffenwirkung. Die in diesen Höhen fehlende Infrastruktur erfordert die Errichtung von Behelfsstraßen und Wegen, von Schutzbauten sowie von Führungs- und Versorgungseinrichtungen.

Klima, Jahreszeit und rasche Wetteränderungen wirken sich verstärkt auf den Einsatz der Pioniere aus. Die Erhaltung der Durchhaltefähigkeit gewinnt eine erhöhte Bedeutung für die Auftragserfüllung. Extreme Wetterverhältnisse schränken die Beweglichkeit ein und beanspruchen Soldaten und Material in hohem Ausmaß. Die Soldaten müssen öfter abgelöst, sowie Ausrüstung, Material und Gerät vermehrt getauscht werden. Der mit der Höhe abnehmende Sauerstoff der Luft führt zu einem Leistungsabfall bei Soldaten, Tragtieren, Verbrennungsmotoren sowie bei Koch- und Heizgeräten. Bei einem Einsatz über 2 000 Metern ist eine körperliche Anpassung bei den eingesetzten Soldaten an diese Höhen vorzusehen.

Gefahren im Gebirge, wie Lawinen, beeinflussen die Einsatzmöglichkeiten entscheidend. Sie können einen Einsatz in betroffenen Geländeteilen für eine bestimmte Zeit oder Dauer verhindern.

Pionierunterstützung

Die Besonderheiten des gebirgigen Umfeldes stellen eine große Herausforderung an den Pionier dar, um seine Aufgaben und Aufträge in allen Hauptaufgabenfeldern wie der

  • Pionierkampfunterstützung,
  • Allgemeinen Pionierunterstützung,
  • Pionierbauunterstützung und
  • Kampfmittelabwehr

erfüllen zu können. Dies erfordert eine für den Einsatz im Gebirge geeignete Ausrüstung sowie entsprechendes Gerät, eine spezialisierte Ausbildung und viel Erfahrung bei der Bewältigung von Pionieraufgaben in diesem schwierigen Umfeld. Im Pionierdienst aller Truppen können jedoch einige Aufgaben durch Soldaten aller Waffengattungen selbstständig wahrgenommen werden, wie die Errichtung von "schneetauglichen" Drahtsperren (z. B. Lapplandzaun).

Ausrüstung und Gerät

Es ist eine besondere Ausrüstung und Geräteausstattung notwendig, um die Pionierunterstützung im gebirgigen Gelände sicherstellen zu können. Dies beginnt bei der persönlichen Ausrüstung des Soldaten und endet bei schwerem Pioniergerät. Das Pionierbataillon 2 verfügt unter anderem über das Hochgebirgsmodul für den Kampfanzug 03 und zusätzliche Alpin ausrüstung, um den einzelnen Soldaten dazu zu befähigen, sich im alpinen Gelände bewegen, überleben und seinen Auftrag durchführen zu können. Das Seilkrangerät des Seilbahnzuges, auf das später im Detail eingegangen wird, schwere Pioniermaschinen, die über eine besondere Beweglichkeit und Einsatzmöglichkeiten im Gebirge verfügen, oder anderes Spezialgerät wie die Akja-Winde, sind notwendig, um eine qualifizierte Pionierunterstützung sicherstellen zu können. Das Pionierbataillon 2 hat für bestimmte schwere Pioniermaschinen auch Schneepflugaufsätze, um die Schneeräumung und das Freihalten von Bewegungslinien zu gewährleis ten sowie zwei Schreitbagger (hat kein herkömmliches Radlaufwerk, sondern ist mit vier Schreitbeinen ausgestattet, auf denen sowohl Räder als auch Abstützfüße montiert werden können), die in steilen Gebirgshängen eingesetzt werden können.

Ausbildung und Erfahrung

Um Pionierunterstützungsaufgaben im schwierigen Gelände, bei Kälte, Schneesturm oder extremer Sonneneinstrahlung durchführen zu können, muss jeder einzelne Soldat lernen, unter diesen unwirtlichen Bedingungen bestehen zu können. Aus diesem Grund werden im Pionierbataillon 2 folgende Ausbildungen durchgeführt:

  • die spezialisierte Truppengebirgsausbildung für die Pionierkompanie (gebirgsbeweglich) und
  • die allgemeine Truppengebirgsausbildung für alle anderen Einheiten.

Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit von entsprechend qualifiziertem Gebirgspersonal unverzichtbar, um insbesondere die alpinen Gefahren und ihre Auswirkungen auf den Auftrag und die Einsatzführung richtig bewerten zu können. Neben der Pionierausbildung in den Laufbahnkursen sind vor allem für spezialisierte Organisationselemente wie den Seilbahnzug, zusätzliche Ausbildungsgänge notwendig, um diese zur Erfüllung von pionierspezifischen Aufgaben im Gebirge zu befähigen. Die für die Pioniere unentbehrliche praktische Erfahrung kann jedoch erst bei tatsächlichen Ausbildungsvorhaben und Einsätzen im gebirgigen Umfeld gewonnen werden. Eine frühzeitige pionierspezifische Ausbildung für dieses und in diesem Gelände sowie die Durchführung von Übungsvorhaben, Einsätzen und Unterstützungsleistungen sind deshalb von großer Bedeutung für das Pionierbataillon 2.

Pionierunterstützung im gebirgigen Gelände - Beispiele

Pionierunterstützung bei der Gebirgsübung CAPRICORN12

Bei der CAPRICORN12, der Fortsetzung der Übungsserie der 6. Jägerbrigade, die von 12. bis 17. März 2012 im Raum Kötschach-Mauthen und Plöckenpass durchgeführt wurde, stellte das Pionierbataillon 2 die Pionierunterstützung im Gebirge für die Kampftruppe unter Einsatz der gemischten technischen Kompanie sicher. Die technische Kompanie hat die Kampftruppe dabei wie folgt unterstützt:

  • Erhöhung der Standfestigkeit und Überlebensfähigkeit durch Bau von Schutzdeckungen und Ausbau eines stationären Kontrollpunktes im Gebirge;
  • Hemmen der feindlichen Bewegung durch Sperren, die für das Gebirge und insbesondere bei Schneelage geeignet sind;
  • Sicherstellung der Versorgung von Truppen, die in schwer zugänglichem Gelände eingesetzt waren, durch den Einsatz des Seilbahnzuges;
  • Fördern der eigenen Bewegung durch Einsatz von schweren Pioniermaschinen zur Schneeräumung und zum Räumen von Hindernissen;
  • Fördern der eigenen Bewegung durch Einsatz der Pionierbrücke 2000 über einen Gebirgsfluss;
  • Marschwegerkundung und -aufklärung, Aufklärung von Umfahrungsmöglichkeiten und Pionieraufklärung durch den Pionieraufklärungszug;
  • Beratung des Kommandanten in allen Belangen, die einer Pionierunterstützung im Gebirge bedurften.

Hubschrauberbergung

Im April 2011 unterstützte das PiB2 das Bundesministerium für Inneres bei der Bergung eines verunglückten Polizeihubschraubers aus dem Achensee. Zum Einsatz kam die Pionierbaukompanie (KIOP/KPE), die mit Soldaten des Seilbahnzuges verstärkt wurde. Die Seilwinde des Seilbahnzuges diente zum Heben des Hubschraubers aus einer Tiefe von 104 Metern. Eine 25-Tonnen-Fähre wurde als bewegliche Plattform verwendet. Die Eigenheiten eines Gebirgssees, wie spezielle Wind- und Strömungsverhältnisse, das steile felsige Ufer und die eingeschränkten Zufahrtsmöglichkeiten, forderten von den Soldaten Improvisation. Das Seilbahnpersonal sowie das in diesem Organisationselement verfügbare Gerät waren für die Erfüllung des Auftrages von großer Bedeutung. Die 25-Tonnen-Fähre musste zum Heben des Hubschraubers direkt über diesem mitten auf dem See fixiert werden, so dass die Bergetaucher nicht gefährdet werden konnten. Hierzu spannte man Drahtseile über mehrere hundert Meter von der Fähre zum Ufer, um jegliche Bewegung der Fähre zu unterbinden. Das Ufer des Achensees ist sehr felsig. Doch mit der Erfahrung des Seilbahnpersonals war auch bei diesen schwierigen Bedingungen eine Verankerung der Drahtseile am Ufer kein Problem, da dies eine Standard aufgabe bei der Fixierung der Seilbahnmasten im Seilbahnbau ist.

Pionierkompanie (gebirgsbeweglich)

Die Pionierstützung im gebirgigen Umfeld ist nicht nur für die 6. Jägerbrigade, sondern für alle Verbände des Österreichischen Bundesheeres wichtig. Das Pionierbataillon 2 kann diese mit seinen Pionierkompanien in allen Bereichen sicherstellen.

Nur diese Pionierkompanie (gebirgsbeweglich) ist darüber hinaus befähigt, auch im Hochgebirge und unter schwierigsten Geländegegebenheiten pioniertechnisch unterstützen zu können. Sie verfügt über

  • eine Kommando- und Versorgungsgruppe,
  • zwei Pionierzüge,
  • einen Seilbahnzug und
  • einen Pioniermaschinenzug.

Die Hauptaufgabe der Pionierkompanie (gebirgsbeweglich) mit ihren Pionierzügen ist die Pionierkampfunterstützung im Hochgebirge. Deshalb ist sie mit dem Hochgebirgsmodul für den Kampfanzug 03 ausgestattet. Dieses Modul beinhaltet spezielle Ausrüstungsgegenstände, die das Überleben im Hochgebirge sicherstellen, wie eine Thermojacke alpin, eine Nässeschutzjacke alpin, eine Gletscherbrille und einen für niedrige Temperaturen geeigneten Schlafsack. Der Pioniermaschinenzug verfügt über für den Einsatz im Gebirge geeignete, bewegliche Pioniermaschinen, wie Schreitbagger "Menzi Muck" oder Baggerlader 3DX. Eine Besonderheit dieses Zuges ist der Sondertransporttrupp, der über Überschneefahrzeuge verfügt und so dieselbe Beweglichkeit der Pionierkräfte wie jene der Hochgebirgsjäger sicherstellt.

Der Seilbahnzug

2008 hat das PiB2 das Seilbahngerät der Pionierkompanie (zbV) aus Bruckneudorf übernommen. Die Geräteausstattung wurde bis dato laufend erweitert. Der Seilbahnzug ist dadurch befähigt, zwei voneinander unabhängige Seilbahnen zu betreiben: eine größere bis maximal 1 800 Meter und eine kleinere mit maximal 1 100 Meter Baulänge. Gelegentlich als antiquiertes Transportmittel unterschätzt, sind Seilbahnen unverändert ein weitgehend witterungsunabhängiges Instrument, mit dem große Lasten über beachtliche Höhenunterschiede mit wenig Bedienungspersonal bewegt werden können.

Der Seilbahnzug gliedert sich in den Zugtrupp, zwei Seilbahngruppen und eine Pioniergruppe. Zum Bau und Betrieb einer Seilkrananlage besteht das Personal, abhängig von Bauart und Auftrag, aus einem Seilbahnführer, einem Windenführer, zwei Soldaten zum An-/Abhängen der Lasten, sechs Soldaten für den Betrieb und einer Ver-/Entlademannschaft abhängig vom Transportaufkommen. Zusätzlich unterstützt eine Pioniergruppe beim Auf-/Abbau der Anlage.

Die Ausbildung des Seilbahn- und Windenführers erfolgt auf Basis der zivilen Verwendung von Seilbahnen zur Holzbringung bei den forstlichen Ausbildungsstätten. Der Ausbildungsinhalt umfasst den Seilbringungsgrund- und -aufbaukurs, den Seilkranplanungskurs, den Seilspleißkurs, den Baumsteigerkurs sowie einen Seilprüferkurs.

Für die Zugs- und Gruppenkommandanten ist als Gebirgsqualifikation die anspruchsvolle Ausbildung zum Heeresbergführergehilfen gefordert.

Ausstattung und Funktionsweise

Eine Materialseilbahn, oft auch Seilkrananlage genannt, besteht im Wesentlichen aus folgenden Bauelementen:

  • Schlittenwinde,
  • Tragseil,
  • Zugseil,
  • Spannvorrichtung,
  • Berganker,
  • Talanker,
  • Stützen und
  • Laufwagen.

Die Schlittenwinde ist das zentrale Element einer Seilbahn. Sie verfügt über einen schlittenförmigen Rahmen, einen Windenmotor sowie eine Windentrommel, auf der das Zugseil aufgespult ist. Dieses Tragseil mit einer Mindestbruchlast von 33 Tonnen wird auf den Stützen, entweder bis zu 36 Meter hohe Stahlstützen oder auf einer behelfsmäßigen Konstruktionen angebracht. Es wird mittels Berg- und Talanker fixiert und durch die Spannvorrichtung auf die notwendige Grundspannung gebracht. Das Gefälle muss 15 bis 100 Prozent betragen. Auf dem Tragseil wird der Laufwagen montiert, der durch sein Eigengewicht talwärts fährt. Um den Laufwagen bergwärts zu bringen, wird er vom Zugseil hochgezogen.

Die Schlittenwinde wird bevorzugt auf dem Berg positioniert. Diese kann sich auf Grund ihrer Konstruktion durch Eigenkraft bergwärts zum Einsatzort ziehen. Des Weiteren sind beide Schlittenwinden des Seilbahnzuges mit dem S70 "Black Hawk" luftverlastbar. Die kleinere kann auch mit dem Hubschrauber AB 212 auf den Berg gebracht werden. Die zweite Variante der Positionierung der Winde ist im Tal. In diesem Fall erhöht sich jedoch die Seilreibung des Zugseiles immens und kommt daher meist nicht zur Anwendung. Eine Sonderform des Einsatzes der Seilbahn ist die Verwendung in der Ebene wie zum Überwinden von Flüssen oder Schluchten.

Im Pionierbataillon 2 sind zwei Laufwagen verfügbar, die zusätzlich mit Pendelhubwagen ausgestattet werden können und sich somit die Tragkraft auf 5 000 bzw. 3 000 Kilogramm erhöhen lässt. Auf dem Laufwagen können verschiedene Transportmittel zum Materialtransport angebracht werden:

  • ein Materialkorb mit 1 000 Kilogramm Tragfähigkeit,
  • ein Betonkübel mit 500 Liter Fassungsvermögen,
  • ein Wasserbehälter mit 600 Liter Inhalt,
  • Transportsäcke (Big-Bag) für 1 000 Liter (Volumen) und 4 000 Kilogramm Tragkraft
  • Holzbringungsseile und Transportnetze.

Die Laufwagen sind so konstruiert, dass sie auf der gesamten Länge des Tragseiles angehalten werden können, um die angehängte Last abzusenken. Die maximale Seilgeschwindigkeit, also die Vorwärtsbewegung des Laufwagens, liegt unter Volllast bei neun Meter pro Sekunde.

Die wesentlichen Faktoren, die die Errichtung einer Seilbahn beeinflussen, sind

  • Länge der Anlage,
  • Anzahl der Stützen,
  • Möglichkeiten zur Verankerung des Tragseiles sowie der Stützen,
  • Gelände,
  • Witterung und
  • Ausbildungsstand der Soldaten.

Die Erfahrungswerte zeigen folgende Zeitanhalte:

  • Erkundung und Trassierung: ein Tag;
  • Berechnung/Planung/Überprüfung: ein Tag;
  • Errichten einer Stütze: ein Tag;
  • Einrichten der Seilwinde: ein Tag;
  • Ausbringen Tragseil: zwei Tage;
  • Finalisierung: zwei bis drei Tage.

Das ergibt somit einen Zeitbedarf von etwa ein bis zwei Wochen. Die Bauzeit kann durch eine parallele Erledigung von Aufgaben unter erhöhtem Kräfteeinsatz verkürzt werden.

Primär wird die Errichtung einer Seilbahnanlage mit Unterstützung von Hubschraubern durchgeführt. Hier sind vor allem die Materialtransporte hilfreich. Das Einfliegen von Stützen und deren Fixierung am Boden ist auf Grund der Stützenlänge von fast 40 Metern und der im Gebirge unbeständigen Thermik eine Herausforderung sowohl für die Hubschrauberbesatzung als auch für die Seilbahnmannschaft.

Der Aufbau ohne technische Hilfsmittel ist ebenfalls möglich. Das bedeutet dann den Einsatz von Trägertrupps und/oder Tragtieren zum Ausbringen der Stützen und deren Befestigungsmittel. Dadurch erhöht sich die Bauzeit erheblich. Analog gelten die Zeiten auch für den Abbau.

Die Planung zur Errichtung einer Seilbahn erfolgt immer in Varianten, um so auf Änderungen, z. B. ungünstiges Flugwetter für Hubschrauber, reagieren und die rechtzeitige Fertigstellung gewährleisten zu können.

Einsatzmöglichkeiten

Die Seilbahn dient primär dem Transport von Material abseits von Straßen und Wegen im gebirgigen Gelände. Versorgungsgüter wie Wasser, Betriebsmittel, Munition, Verpflegung etc. können rasch bergwärts gebracht werden. Die Seilkrananlage wird auch dazu verwendet, um Holz vom Berg abzutransportieren, was bereits durch die Heeresforste genutzt wird.

Der große Vorteil einer Seilbahn gegenüber anderen Transportmitteln wie Tragtieren, Hubschraubern und auch Fahrzeugen liegt in der Möglichkeit praktisch durchgehend Material berg- oder talwärts transportieren zu können, nur unterbrochen von kurzen Wartungsintervallen und Nachtanken. Bei Verwendung von Transportnetzen können auf einer 1 500 Meter langen Seilbahn bis zu 25 Tonnen Material pro Stunde transportiert werden.

Weiters sind Materialseilbahnen - wie bereits erwähnt - weitgehend witterungsunabhängig. Ein Einsatz kann so auch bei Dunkelheit, unzureichender Sicht wie Nebel oder Schneetreiben oder auch leichtem Sturm erfolgen. Nur bei aufziehendem oder niedergehendem Gewitter oder starkem Wind (Windgeschwindigkeiten von über 50 km/h) muss der Betrieb eingestellt werden. Die Bewertung dieser Einflussfaktoren erfordert vom Kommandanten der Seilbahn eine laufende Beurteilung dieser alpinen Gefahren.

Auf einen Blick

Die Sicherstellung des Einsatzes der verbundenen Kräfte und Mittel im schwierigen Gelände birgt enorme Herausforderungen für Mensch und Gerät. Der Einsatz von Gebirgspionieren erfordert das Wissen und die Erfahrung über die Besonderheiten der Pionierunterstützung im Gebirge und eine qualitativ hochwertige, dem Einsatz im Gebirge angepasste Ausrüstung, um für die Kampftruppe die bestmögliche Unterstützung zu gewährleisten. Von der Beurteilung der Gebirgslage im Rahmen des Führungsverfahrens bis hin zur körperlichen Leistungsfähigkeit des einzelnen Soldaten, müssen alle Faktoren stimmen. Ständiges Üben des Kampfes der verbundenen Waffen im Gebirge und eine permanente Gebirgsausbildung im PiB2 sind Garant für eine qualitativ hochwertige Pionierunterstützung.

Der Bau einer Seilkrananlage in unwegsamem, gebirgigem Gelände benötigt von den Kommandanten aber auch der Mannschaft viel Erfahrung und Wissen. Hier rundet sich das Gesamtbild der Pionierunterstützung im Gebirge ab.


Autoren: Major Andreas Koch, Jahrgang 1972. Einjährig-Freiwilliger im Landwehrstammregiment 61, 1993 bis 1996 Theresianische Militärakademie, Jahrgang "Wellington"; Ausmusterung als Pionieroffizier zum Pionierbataillon 2 (PiB2) in Salzburg; 1996 bis 1997 Kommandant eines Pionierzugs, 1997 bis 2001 stellvertretender Kommandant der 2. Pionierkompanie, 2001 bis 2003 Kommandant der 2. Pionierkompanie, 2003 bis 2004 Kommandant der Brücken- und Übersetzkompanie, 2004 bis 2009 S6 im PiB2; seit 2009 stellvertretender Kommandant/PiB2; Auslandseinsatz: 2000 bis 2001 AUSBATT/UNDOF als Pionieroffizier.

Hauptmann Peter Kirchmaier, Jahrgang 1976. Einjährig-Freiwilliger bei der Lehrkompanie/Korpskommando II, 1997 bis 2001 Theresianische Militärakademie, Jahrgang "Fürst von Liechtenstein", Ausmusterung als Aufklärungsoffizier zum Aufklärungsbataillon 2, 2001 bis 2003 Zugskommandant, Ausbildungsoffizier einer Jagdpanzerkompanie, 2003 bis 2007 stellvertretender Kommandant und Kommandant der Lehrkompanie/Militärkommando Salzburg, 2007 bis 2009 18. Generalstabslehrgang, seit 2009 S3 im PiB2; Auslandseinsatz: 2005 bis 2006 Offizier eines Liaison Observation Teams bei EUFOR "Althea".

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