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Friedrich II. "Der böse Mann in Berlin"

Das 18. Jahrhundert war in Österreich geprägt durch zahlreiche große Kriege im Spannungsfeld zwischen dem Habsburger-Reich unter Maria Theresia und Preußen unter Friedrich II. Dieser Konflikt endete für Österreich letztendlich mit dem Verlust Schlesiens.

Allgemein gesehen gilt das 18. Jahrhundert in der historischen Rückschau als ein besonderes Jahrhundert, vielleicht auch als eine Art "Zwischenperiode". Am Beginn des Jahrhunderts stand noch der durch das "Gottesgnadentum" hergeleitete höfische Absolutismus im Mittelpunkt der Herrschaftserklärung der Dynastien, während an seinem Ende mit der durch die Aufklärung geprägten Französischen Revolution von 1789 ein neues Zeitalter im politischen Sinne anbrach. In vielen österreichischen Geschichtsbüchern wird das 18. Jahrhundert mit dem Kapitel "Österreichs Aufstieg zur Großmacht" eingeleitet, zumindest aber als "großes" Jahrhundert bezeichnet. Eine Vielzahl an Persönlichkeiten sowohl im kulturellen Bereich (z. B. Christoph Willibald Gluck, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart) als auch als groß und bedeutend einzuschätzende politische Herrscherpersönlichkeiten, meist durch den entsprechenden Namenszusatz "der/die Große" wie etwa Zar Peter und König Friedrich II.

oder Katharina von Russland zum Ausdruck gebracht, prägten maßgeblich die Geschichte dieses Jahrhunderts. Maria Theresia wurde mit dieser "Überhöhung" nicht bedacht, wohl aufgrund der Tatsache, dass sich ihr Name vorerst als singulär erwies. Zumindest ging sie als "große Kaiserin" in die österreichische Historiographie ein.

Ein kriegerisches Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert gilt für die österreichische Militärgeschichtsschreibung auch als Zeitalter der "großen" Kriege. Wenngleich es im Unterschied zum 17. Jahrhundert als nicht ganz so "blutig" (damals lediglich rund 29 Friedensjahre) charakterisiert werden kann, wurden vom Hause Österreich von 1700 bis 1792 doch drei Kriege gegen das Osmanische Reich, vier Erbfolgekriege (Spanien, Polen, Österreich und Bayern) sowie drei Kriege um Schlesien geführt. Daraus wird bereits auch die Schwierigkeit der politischen Situation der Habsburger in diesem Jahrhundert deutlich. Denn man geriet nicht nur hinsichtlich der eigenen Interessen in den Erblanden in außenpolitische Spannungsfelder, sondern auch durch die Funktion des Königs bzw. Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der sich als zentraler mitteleuropäischer Machtfaktor in den Jahrhunderten davor durchaus als stabilisierender Faktor gezeigt hatte.

Dennoch hatte sich das "Reich" nach dem Dreißigjährigen Krieg mehr und mehr zu einem kaum regierbaren Länderkonglomerat entwickelt, räumte man doch den rund 300 Reichsfürsten im Westfälischen Frieden ein, eigene Armeen zu unterhalten und außenpolitische Verträge abschließen zu können. Die Beziehungen der einzelnen Fürstentümer untereinander waren zwar stabil, konnten aber leicht aus den Fugen geraten, sofern etwa ein regierendes Fürstengeschlecht ausstarb und widersprüchliche Erbschaftsansprüche angemeldet wurden. Die daraus resultierenden politischen Divergenzen auf dem Verhandlungswege zu regeln, stellte für den jeweiligen Kaiser mehr als eine Herausforderung dar, zumal zusätzlich auch die klassischen Konfliktlinien, etwa jene mit Frankreich am Rhein, ein zusätzliches Spannungsfeld darstellten. Es muss zu dieser Periode gesagt werden, dass sich die Kaiser wie etwa Joseph II.durchaus dazu hinreißen ließen, ihre Funktion zu nutzen, die eigene Hausmacht zu stärken. Auch darf das soziale Prestige, das die Kaiserwürde für die Habsburger im 18. Jahrhundert immer noch darstellte, nicht unterschätzt werden.

Die Pragmatische Sanktion

Die Nachfolgefrage in den Ländern der Habsburger sollte 1740 das ohnehin zerbrechliche Machtgefüge sowohl innerhalb des Reiches als auch in Europa erheblich ins Wanken bringen und letztlich sowohl den Österreichischen Erbfolgekrieg (1740 bis 1748) als auch drei Schlesische Kriege (1740 bis 1742, 1744 bis 1745 und 1756 bis 1763) auslösen. Der Umstand, dass Kaiser Karl VI. ohne männliche Nachkommen bleiben würde, war seitens der dynastischen Hausgesetze bereits 1713 im Rahmen der so genannten Pragmatischen Sanktion geregelt worden, die sowohl die Nachfolgefrage in den österreichischen Erblanden als auch deren Eigenschaft als "unteilbar und untrennbar" (indivisibiliter ac inseparabiliter) regelte. Die meisten Reichsfürsten und europäischen Mächte hatten diesen Bestimmungen bereits zugestimmt, als Friedrich II., der gleichfalls gerade seine Herrschaft als Kurfürst von Brandenburg und König in Preußen angetreten hatte, die Gunst der Stunde zu nutzen wusste. Unter bewusstem Bruch des Reichsfriedens durch die Annexion des zum Königreich Böhmen zählenden Herzogtums Schlesien "arrondierte" er sein Territorium.

Der Preußenkönig Friedrich II.

Mit Friedrich II. hatte eine neue Generation von Herrschern den Thron bestiegen. Als Sohn des berühmten Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. hatte er im Gegensatz zu seinem ausschließlich an Militär und straffer zentraler Verwaltung interessierten Vater allgemeine Interessen an Kultur, Philosophie und Humanismus entwickelt und entsprach ganz dem Typus des "aufgeklärten" Herrschers. Überaus belesen, selbst dichtend und komponierend, bildete er einen Gegenpol zu seinem cholerischen, einfachen Vergnügungen wie übermäßigem Tabak- und Bierkonsum zuneigenden Vater. Dass dies zum Konflikt zwischen Sohn und Vater führen musste, der die Verschwendungssucht anderer barocker Herrscher tief verabscheute, gleichzeitig den Sohn zu seinem Ebenbild machen wollte, ist verständlich. Wie an anderen europäischen Höfen entwickelte der junge Friedrich, eingepfercht in einen durchorganisierten, stark militärisch geprägten Tagesablauf, starke Fluchttendenzen. Dieses auch an anderen Fürstenhöfen auftretende Phänomen, sowohl Prinz Eugen als auch der Sohn Peters des Großen entflohen aus unterschiedlichen Gründen ihren Familiensitzen, führte im Jahre 1730 zu einem Fluchtversuch des Kronprinzen nach Paris. Dilettantisch angelegt und ausgeführt scheiterte das Unterfangen. Der Fluchtgefährte wurde vor den Augen Friedrichs hingerichtet, er selbst als Deserteur verurteilt und zur Festungshaft nach Küstrin verbracht. In der Erkenntnis, dass Widerstand gegen den Vater wenig Erfolg haben und wohl auch seine Thronfolge gefährden würde, "arrangierte" er sich mit dessen Vorstellungen. Nach seiner Heirat im Jahre 1733 lebte er bis zum Tode seines Vaters 1740 ruhigere Jahre, in denen er sich vor allem mit Philosophie und Kultur beschäftigte, literarisch betätigte und in seiner berühmten "Tafelrunde" Intellektuelle, Künstler und Wissenschafter um sich versammelte. Noch in bester Tradition der französischen Aufklärung verfasste er sein kritisches Werk "Antimachiavell". Als Friedrich Wilhelm I. im Mai 1740 verstarb hinterließ er seinem Sohn nicht nur wohlgeordnete Staatsfinanzen, sondern auch ein bestens ausgerüstetes und gedrilltes Heer von 100 000 Mann.

Friedrich II.entwickelte hinsichtlich der Regierungsgeschäfte einen Führungsstil, der die Gestaltung der Innen-, Außen- und Militärpolitik in seiner Person vereinig­te. Der ursprünglich als "Philosoph auf dem Thron" bezeichnete Herrscher zeigte bereits in seinem ersten Jahr als König mehr als deutlich, wonach seine Regierung ausgerichtet sein sollte - als erster Diener des Staates die Macht Preußen-Brandenburgs zu vermehren. Dass er sich bereit zeigte, dafür auch militärisch vorzugehen, wurde bereits durch den Einmarsch preußischer Truppen in der kleinen Herrschaft Herstal (Belgien) deutlich.

Das österreichische Militärwesen

Schlesien schien für Friedrich II. besonders interessant, war es doch die reichste Provinz der Habsburger, stark protestantisch ausgerichtet und 1740 von österreichischen Truppen weitgehend entblößt. Zudem hatte mit Maria Theresia eine politisch (noch) unerfahrene Frau die Nachfolge in den habsburgischen Ländern angetreten, die aufgrund der zahlreichen vorangegangenen Kriege nicht nur leere Staatskassen vorfand, sondern auch über eine eben vom Balkan zurückkehrende dezimierte und schlecht ausgerüstete Armee verfügte. Der Zustand dieses österreichischen, genau genommen böhmisch-ungarisch-österreichischen Heeres kann für die Jahreswende 1740/41 als besonders trostlos bezeichnet werden. Die Linienregimenter der Infanterie hatten Fehlstände von rund 30 Prozent, die Masse der vorhandenen Soldaten waren frisch angeworbene Rekruten. Diese sollten sich in den ersten Schlachten nur wenig gefestigt zeigen. Bei Kavallerieattacken schnell zu Panik und Chaos neigend, ermöglichten sie so manchen preußischen Sieg "in letzter Minute". Bei der Kavallerie betrugen die Fehlstände zwar auch rund zehn Prozent, doch hatten die Regimenter teilweise noch unter Prinz Eugen gekämpft und galten als schlagkräftigste Waffengattung der Armee. Zu Linieninfanterie und Kavallerie traten noch jene in der Militärgrenze auf dem Balkan formierten "Grenzer" oder "Kroaten", die sowohl zu Fuß als auch in Verbindung mit der ungarischen Kavallerie (Husaren) ein nicht unbedeutendes militärisches Potenzial darstellten und sich im "Kleinen Krieg" ganz besonders bewährten.

Wenn selbst die schwierigen allgemeinen Rahmenbedingungen für viele Probleme als Ursache angeführt werden müssen, so lagen zahlreiche Missstände innerhalb der Armee selbst. Der 1556 gegründete Hofkriegsrat war als zentrales militärisches Gremium eingerichtet worden, um im Rahmen so genannter "Militärkonferenzen" militärische Fragen zu erörtern. Im Verlauf seiner Geschichte hatte sich der Hofkriegsrat aber immer stärker zu einer in seinen Kompetenzen sich überschneidenden, in vielen Angelegenheiten sogar widersprechenden Hofstelle entwickelt. Zudem wurden interne "Reibungsverluste" zusätzlich durch persönliche Animositäten und Intrigen verstärkt.

Generäle, Räte, Sekretäre, Advokaten und Referendare, daneben die Vertreter von Provinzen, anderer Hofstellen sowie der Kriegslieferanten, die neben den hierarchisch übergeordneten Generalkommanden direkt mit den Regimentern kommunizierten, verkomplizierten und verlangsamten die administrativen Geschäftsgänge erheblich. Lediglich unter einflussreichen Hofkriegsratspräsidenten wie eben Prinz Eugen war die Institution leistungsfähig, zumal er neben seiner militärischen Tätigkeit weiter starken außenpolitischen Einfluss geltend machen konnte und gleichfalls die für die Zuweisung der notwendigen Geldmittel verantwortliche Hofkammer bzw. das General-Kriegs-Kommissariat in seinem Sinne auszurichten vermochte.

Das Offizierskorps der "österreichischen" Armee zeigte sich sowohl in nationaler als auch in sozialer Hinsicht keineswegs homogen, sondern wies starke Brüche hinsichtlich Beförderung und Herkunft auf. Infolge der Privilegien der Regimentsinhaber konnten Offizierspatente käuflich erworben oder infolge hoher sozialer Stellung erreicht werden. So mancher junge Hochadelige, der noch niemals Pulverdampf gerochen hatte, begann seine militärische Karriere gleich als Stabsoffizier. Dazu traten dann noch Protektionismus und politische Einflussnahmen, die den "von der Pike auf gedienten" Offizieren, den so genannten "Soldaten von Fortun", trotz ihrer Qualität und militärischen Leistungen den Aufstieg in Stabsoffiziersränge oder gar in die Generalität verwehrten.

Die Kriege um Schlesien

Dem preußischen Einmarsch in Schlesien war vorerst seitens der Habsburger kein entscheidender Widerstand entgegenzustellen. Der durch den Einmarsch gebrochene Reichsfrieden, anfangs in Europa noch verurteilt, brachte schließlich weitere Gegner auf den Plan. Frankreich, Bay­ern und Sachsen suchten ihrerseits ein Stück des Habsburgerimperiums für sich zu gewinnen. Erst im Jahre 1741 konnte Maria Theresia eine Armee ins Feld stellen, die jedoch unter dem glücklosen Feldzeugmeister Wilhelm Reinhard Graf von Neipperg (1684 bis 1774) bei Mollwitz geschlagen wurde. Friedrich II. verhandelte nunmehr mit beiden Seiten, stellte damit seine ursprünglichen Verbündeten bloß, erwirkte einen Waffenstillstand mit Maria Theresia, brach diesen jedoch nach österreichischen Erfolgen gegen Bayern und Franzosen wieder und schlug die Österreicher neuerlich bei Chotusitz im Jahre 1742. Der darauf folgende Frieden von Berlin garantierte Friedrich II. fast ganz Schlesien und die Grafschaft Glatz, womit der Erste Schlesische Krieg zu Ende ging, jedoch nicht der Österreichische Erbfolgekrieg.

Mit Karl Albrecht von Bayern als neuen Deutschen Kaiser Karl VII. wurde 1742 auch die Reihe habsburgischer Kaiser unterbrochen. Österreichische Erfolge im Westen gegen Bayern und Franzosen verbesserten die allgemeine politische Situation. Friedrich II. brach daraufhin den Frieden von Berlin und fiel 1744 neuerlich in Böhmen ein, musste jedoch aufgrund logistischer Probleme vorerst den Rückzug antreten. Seine Siege bei Hohenfriedberg, Soor und Kesselsdorf sicherten ihm auch im Frieden von Dresden 1745 den Besitz Schlesiens.

Damit war der Zweite Schlesische Krieg für Friedrich II. siegreich beendet worden. Maria Theresia blieb lediglich die Genugtuung, dass mit Franz Stephan von Lothringen nach dem Tod Karls VII. im Jahre 1745 ihr Mann neuer Deutscher Kaiser wurde. Der parallel verlaufende Österreichische Erbfolgekrieg endete erst 1748 mit dem Frieden von Aachen.

Zeit für Reformen - der Siebenjährige Krieg

Die Verwaltungsreformen unter den Staatsmännern Friedrich Wilhelm Graf von Haugwitz (1702 bis 1765) und Wenzel Anton Graf Kaunitz (1711 bis 1794) verbesserten die österreichische Steuerverwaltung erheblich und schufen die materielle Basis für den Unterhalt eines stehenden Heeres. Mit dessen Reorganisation wurden Leopold Joseph Graf von Daun (1705 bis 1766) und in weiterer Folge Franz Moritz Graf von Lacy (1725 bis 1801) betraut. Die außenpolitische Initiative von Kaunitz, den Gegensatz der Seemächte Frankreich und England nützend, gipfelte letztlich im berühmten "renversement des alliances", das ein Zusammengehen Österreichs unter anderem mit Frankreich, Russland und Schweden bedeutete. Ziel der außenpolitischen Initiative war die Wiedergewinnung Schlesiens, dessen Verlust für Maria Theresia nicht zuletzt aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Königreich Böhmen, also dem Kerngebiet der Monarchie, inakzeptabel blieb. Friedrich II., der in der österreichischen Diktion auch als "der böse Mann in Berlin" bezeichnet wurde, begegnete der außen­politischen Krise mit einem Überraschungsangriff auf Böhmen im Jahr 1756 und löste damit den Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) aus. Dieser wird aufgrund der Kriegsschauplätze in Übersee - England und Frankreich kämpften vor allem in ihren Kolonien - auch als "Weltkrieg" bezeichnet.

Während des Krieges konnten sowohl Preußen (u. a. bei Lobositz, Roßbach, Leuthen, Zorndorf, Liegnitz, Torgau) als auch Österreich (u. a. bei Kolin, Hochkirch, Kunersdorf, Maxen) bedeutende Siege erringen. Die Kriegsentscheidung fiel letztlich nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf politischer Ebene. Mit dem Tod der russischen Zarin Elisabeth im Jänner 1762 zerbrach schließlich die antipreußische Koalition. Im von beiden Seiten gewünschten Erschöpfungsfrieden von Hubertusburg wurde der "Status quo ante" wiederhergestellt, Schlesien blieb dabei preußisch. Der Blutzoll war auf beiden Seiten überaus hoch gewesen, allein die Österreicher hatten an Verlusten rund 120 000 Soldaten zu verzeichnen.

Diplomatie und Krieg

Nach dem Ende des Krieges versuchten sowohl Friedrich II. als auch Joseph II. (seit 1765 Deutscher Kaiser und Mitregent in den österreichischen Erblanden) ihre jeweiligen Ansprüche auf nichtmilitärischem Weg durchzusetzen. Die imperialistischen Bestrebungen der beiden Staaten und Russlands führten letztendlich zur Ersten Teilung Polens, das im Jahre 1772 fast ein Drittel seines Territoriums an die drei Nachbarstaaten verlor. Österreich erhielt Galizien und Friedrich II. insbesondere Westpreußen. Er durfte sich fortan nicht nur König in, sondern auch von Preußen nennen. Während sich Joseph II. und Friedrich II. vorerst gemeinsam mit Katharina von Russland hinsichtlich der polnischen Frage arrangiert hatten, ergaben sich in der bayrischen Erbfolgefrage wiederum erhebliche Gegensätze zwischen Österreich und Preußen. Mit dem Aussterben der bayrischen Wittelsbacher im Jahre 1777 versuchte Joseph II., sich mittels Vertrag in den Besitz von Niederbayern und der Ober- pfalz zu setzen. Dieser Machtzuwachs musste natürlich eine Gegenreaktion Friedrichs II. zur Folge haben. Der als "Kartoffelkrieg" oder "Zwetschkenrummel" in die Geschichte eingegangene Bayrische Erbfolgekrieg hatte keine größeren Gefechte aufzuweisen und endete unter maßgeblicher Einflussnahme Maria Theresias im Frieden von Teschen (1779), der Österreich das heutige Innviertel einbrachte. Österreich hätte jedoch nur allzu gerne Bayern gegen die weit entfernt liegenden und daher schwer zu verteidigenden Österreichischen Niederlande eingetauscht. Im Jahre 1785 schien der bayrische Kurfürst Karl Theodor dieser Idee nicht abgeneigt, doch war es erneut Friedrich II., der diesen Machtzuwachs für das Haus Österreich zu verhindern wusste.

Der bereits drohende Krieg wurde durch einen von Preußen initiierten Fürstenbund der deutschen Mittelstaaten gegen Österreich verhindert. Diese antihabsburgische Initiative Friedrichs II., die jegliche Veränderungen der Machtverhältnisse innerhalb des Reiches zu unterbinden versuchte und ihn zum Bewahrer des Reichsfriedens stilisierte, musste für die österreichische Seite vermessen wirken, gerade im Hinblick auf das eigene kriegerische Vorgehen in der schlesischen Frage. Dies machte jedoch endgültig deutlich, dass der Antagonismus Preußen - Österreich innerhalb des Reiches nicht mehr zu bereinigen war.

Der Verlust

Der österreichisch-preußische Gegensatz, ausgelöst durch die Besetzung Schlesiens im Jahre 1740, wurde auch zum bestimmenden Faktor innerhalb des Deutschen Bundes nach 1815. Die "deutsche Frage", insbesondere in Zusammenhang mit der etwaigen Wiedererrichtung eines deutschen Kaiserreiches, wurde schließlich auf den Schlachtfeldern der Kriege von 1866 und 1870/71 entschieden. Den Verlust Schlesiens hat Maria Theresia niemals verwunden. Interessanterweise sollte das Herzogtum während des Ersten Weltkrieges kurzzeitig im deutsch-österreichischen Bündnis nochmals eine Rolle spielen - als mögliche Kompensation für etwaige an das Königreich Italien abzugebende oberitalienische Gebiete der Donaumonarchie.


Autor: Hofrat Mag. Dr. Christian Ortner, Jahrgang 1969; 1987 Einjährig-Freiwilliger beim Landwehrstammregiment 44, 1988 bis 1994 Diplomstudium Geschichte an der Universität Wien, 2005 Abschluss des Doktoratsstudiums Geschichte. Seit Oktober 1995 am Heeresgeschichtlichen Museum (HGM), vorerst als Referats- und Sammlungsleiter "Militärtechnik"; seit Jänner 2004 Leiter der Museumsabteilung; seit Juni 2004 stellvertretender Direktor und seit Jänner 2007 Direktor des HGM.

Vorstandsmitglied des Österreichischen Museumsbundes, der Gesellschaft für Ordenskunde, der Gesellschaft für Heereskunde und des International Committee of Museums and Collections of Arms and Military History. Mitglied in der Wissenschaftskommission im BMLVS sowie der Österr. Kommission für Militärgeschichte.

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