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Kampfunterstützung durch Pioniere

Sowohl bei Einsätzen in multinationalen Verbänden als auch bei der Teilnahme an internationalen Übungen mit so genannten "robusten Szenarien" wird immer wieder die Notwendigkeit der Pionierunterstützung hervorgehoben. Um jedoch international "mitspielen" zu können, muss zuvor die nationale Zusammenarbeit innerhalb der Waffengattungen verbessert werden: Ausbildungsschwächen gehören abgestellt, Lösungsansätze müssen skizziert, Folgerungen gezogen und Forderungen erfüllt werden.

Für den Laien sind pioniertechnische Begriffe meist unklar; so ist eine Brücke eben eine Brücke und eine Sperre eine Sperre. Um Missverständnisse zu vermeiden, seien einige Definitionen von international verwendeten Pionierbegriffen angeführt:

Brücken

Gefechtsfeldbrücken sind militärische Brücken, die zur unmittelbaren Unterstützung der Kampftruppen in den Einsatz- und Aktionsarten zur Anwendung kommen. Von Systemen wie Panzerschnellbrücken sind zumindest Splitterschutz für die Besatzung und eine maximale Verlegedauer von 15 Minuten gefordert. Österreich verfügt über kein solches System.

Heereslastenklassen (HLK) sind genormte Lastannahmen, welche sowohl der Berechnung militärischer als auch der Einstufung ziviler Brücken hinsichtlich der Tragkraft dienen.

Unterstützungsbrücken sind militärische Brücken, welche die Durchführung der Einsatz- und Aktionsarten mittelbar durch Aufrechterhaltung der Beweglichkeit außerhalb von unmittelbaren Gefechtsbedingungen unterstützen. Diese Systeme verfügen generell über keinen Schutz für die Besatzung, ersetzen wieder aufgenommene Gefechtsfeldbrücken oder werden außerhalb der Reichweite feindlicher Flachfeuerwaffensysteme eingesetzt und dürfen eine Einbauzeit von 60 Minuten für 40 Meter Hindernisbreite nicht überschreiten. Österreich verfügt über sechs Systeme der so genannten "Pionierbrücke 2000". Die Einbauzeit dieser Brücke beträgt ca. 90 Minuten.

Rückwärtige Brücken sind militärische Brücken und Behelfsbrücken, die außerhalb des militärischen Zeitkalküls zum Ersatz von Unterstützungsbrücken, außerhalb von Gefechtsbedingungen und im Katastropheneinsatz eingesetzt werden. Österreich verfügt mit den Geräten "D-Brücke" und "Bailey-Brücke" über solche Systeme.

Sperren

Geländeorientierte Sperren sind Sperren, die der Beurteilung der Lage zufolge, mit Schwergewicht auf der Beurteilung des Geländes vorsorglich angelegt werden. Österreich verfügt über die Kapazität, diese Sperren zu errichten.

Lageorientierte Sperren sind Sperren, die im laufenden Gefecht aufgrund einer konkreten Lageentwicklung errichtet werden und vornehmlich günstige Ansatzmöglichkeiten eigener Kampftruppen fördern sollen. Österreich verfügt mit dem Panzerminenleger 90 über ein System, das grundsätzlich zur Anlage solcher Sperren geeignet ist.

Zielorientierte Sperren sind Sperren, die - unabhängig vom Zusammenwirken mit den statisch eingesetzten eigenen Kräften - in Bewegung befindliche oder haltende Feindverbände hinein verlegt werden mit dem Ziel der Verzögerung und der Schaffung von günstigen Ansatzmöglichkeiten. Österreich verfügt über kein System, das dazu in der Lage wäre.

Schwächen in der Ausbildung

Unkenntnis der Leistungsfähigkeit, der Einsatzgrundsätze und der Hauptaufgaben der Pioniere führen zu falschen Erst- und Folgeaufträgen, was meist eine zu geringe Nutzung der Unterstützungskapazitäten nach sich zieht. Die gravierendsten Mängel:

- In der Phase des Führungsverfahrens (auf allen Ebenen) wird oftmals auf die Einbindung des unterstellten Pionierkommandanten verzichtet. Es ist andererseits aber auch die Pflicht des Pionierkommandanten, sich anzubieten, um in der vorgegebenen Zeit mit den tatsächlich verfügbaren Kräften und Mitteln die optimale Pionierunterstützung sicherzustellen.

- Aufträge zur (Sperr-)Erkundung des Pioniers ohne Einweisung in die Lage und ohne Kampftruppe vor Ort waren bisher die Regel. Sie sind in dieser Form jedoch absolut nutzlos. Die Vorlage eines Sperrerkundungsplanes, dessen einzige Grundlage die Geländebeurteilung ist, kann nicht als zweckorientiert beurteilt werden. Die Kampftruppe war bisher gezwungen, aus einer Vielzahl von Erkundungsergebnissen, die einzig und allein auf den Geländegegebenheiten beruhten, erst jene für die Einsatzführung tatsächlich erforderlichen Sperren herauszufiltern.

- Die ohnehin meist geringe Anzahl an verfügbaren Pionierkräften wird oftmals nicht waffengattungsspezifisch eingesetzt. Bei vielen Übungen - eine positive Ausnahme stellte die Übung "FELSENBERG 2003" (siehe Truppendienst Heft 5/2003, S. 460 ff.) dar - wird der Fehler begangen, fehlende Infanteriekapazität mit Pionieren auszugleichen und den Sperreinsatz zu vernachlässigen.

- Generell ist im Rahmen von Übungen festzustellen, dass der Sperreinsatz derzeit nicht ausreichend geplant ist. Sperren werden nur mangelhaft übergeben, Gassen oftmals nicht geschlossen. Allzu oft negieren Offensivkräfte Sperren, und der Respekt vor Minen ist nicht vorhanden.

- Bei Übungen am Simulator werden neue Systeme, wie etwa Minenwerfer und fernverlegbare Minen, in die Übungsgliederungen aufgenommen. So wichtig es ist, neue Systeme kennen zu lernen und einsetzen zu können, dürfen jedoch vorhandene Mittel nicht vergessen werden, und deren Einsatz ist seitens der Übungsleitung einzufordern. Dadurch wird die Vermittlung eines falsches Lagebildes verhindert.

Aus diesen Gründen ist die Kenntnis der Einsatzgrundsätze, der Kapazitäten und der Aufgaben von Unterstützungstruppen für Kommandanten unerlässlich. Zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Zuge der Ausbildung (Gefechtstechnikdrill), von Gefechtsübungen und letztendlich von Einsätzen gibt es natürlich Lösungsansätze.

1. Beherrschen der Einsatzgrundsätze der Pioniere

Vorausschauende Planung

Erst eine vorausschauende Planung seitens der Kampftruppe erlaubt einen effizienten und zielgerichteten Pioniereinsatz. Ermöglicht wird die Planung durch das frühzeitige Einbinden des Pionierkommandanten ins Führungsverfahren. In seinem Lagevortrag stellt er die verfügbaren Kräfte und Mittel dar. Somit kann bereits bei der Truppeneinteilung der jeweilige Pionierbedarf (z. B. für Sperreinsatz, Stellungsbau, bewegliche Sperrelemente, bewegliche Räumelemente für Reserven und Gegenangriffskräfte) zugeordnet werden. Um Folgebeurteilungen hinsichtlich des Pioniereinsatzes anstellen zu können, ist die Planungs- bzw. Kampfunterstützungszelle mit einem Pionier zu verstärken. Auf Ebene Pionierkompanie steht dazu der Kompaniekommandant oder dessen Stellvertreter zur Verfügung. Die Pionierzüge sind zu diesem Zeitpunkt den Kampfverbänden unterstellt. Auf Ebene Pionierbataillon bietet sich der Planungsoffizier und stellvertretende S3 an. Um die Einsatzbereitschaft der Pioniere zu erhöhen, ist es wichtig, die Planungen in Form von Vorbefehlen umzusetzen. Dieses Führungsmittel ermöglicht es, Mängel bei der Ausrüstung teilweise zu kompensieren.

Pioniererkundung

Auch unter Zeitdruck muss (zumindest) eine Pioniererkundung erfolgen. Dabei ist eine Absprache mit den vor Ort eingesetzten Kräften unerlässlich, und zwar über:

Feindrichtung, vermutliches Feindverhalten, Art des Feindes, Umgehungsmöglichkeiten, Luftlanderäume in der Tiefe; Aufklärungsergebnisse über die feindliche Pionierausrüstung (z. B. Räummittel) und Daten der mechanisierten Gefechtsfahrzeuge (z. B. Überschreitfähigkeit) des Feindes; Einsatz der Eigenen und Wirkungsräume der eigenen Panzerabwehr.

Alle diese Informationen können weder anhand der Karte beurteilt, noch vom Pionier selbstständig festgelegt werden. Sie sind die wesentlichen Grundlagen für Art, Tiefe, Ausdehnung und Zustand der Sperre sowie den Zeitpunkt der Übergabe. Eine vorzeitige Sperrerkundung ohne Kampftruppe im Raum macht somit keinen Sinn.

Schwergewicht und straffe Aufgabenzuordnung

Mit dem Einsatz von Pioniermitteln kann ein Schwergewicht gebildet werden. Dazu ist es jedoch erforderlich, dass eine straffe Aufgabenzuordnung getroffen wird. Sperren gegen abgesessenen Feind - also Infanterie - sind durch die Kampftruppe zu errichten; Sie hat verfügt über die notwendige Ausrüstung und die Ausbildung (Pionierdienst aller Truppen).

Geschlossener Einsatz des Pionierzuges

Der Pionierzug ist geschlossen einzusetzen. Ein Gruppeneinsatz ist aufgrund der zu geringen Stärke sowie der Ausstattung mit Kampfmitteln und Führungsmitteln nicht effizient. Dem Pionierzug ist eine Zugsaufgabe zuzuweisen, die Umsetzung obliegt dem Zugskommandanten. Um einen entsprechenden Sperrwert zu erreichen, müssen die Sperren eine von den feindlichen Räummitteln abhängige Tiefe und Ausdehnung aufweisen und eine Kombination aus Bau-, Spreng- und Minensperren darstellen. Die Kapazitäten, solche Sperren in einem akzeptablen Zeitraum zu errichten, sind erstmals beim Pionierzug vorhanden.

Waffengattungsspezifischer Einsatz

Der waffengattungsspezifische Einsatz ist ein unumstößlicher Grundsatz. Es ist richtig, dass die Phase des Sperrens einmal abgeschlossen ist und jeder Pionier den Feuerkampf führen können muss. Dabei ist jedoch zu beurteilen - dass die schwerste Waffe der Pionierkompanie das MG-74 ist, - - dass die Pionierkompanie - abgesehen vom Panzerabwehrrohr 70 - über keine Panzerabwehrkapazität verfügt, - - dass es zu jeder Zeit Folgeaufträge für Pioniere geben kann. Diese können bereits geplant sein (z. B. bewegliche Sperrelemente für lageorientierte Sperren, bewegliche Räumelemente zur Unterstützung von Reserven und Gegenangriffskräften) oder aufgrund von Lageentwicklungen plötzlich erforderlich werden (z. B. das Wiederherstellen bzw. Verstärken von Bewegungslinien wie Furten, Straßen, Brücken) und - dass darüber hinaus auch Pionierreserven gebildet werden müssen .

2. Die Auftragserteilung

Hauptaufgaben der Pioniere sind das Hemmen der feindlichen Bewegung, das Fördern der eigenen Bewegung sowie das Sicherstellen des Schutzes für die eigene Feuerkapazität vor feindlichem Feuer. Daraus ergeben sich mögliche Erst- und Folgeaufträge in der Verteidigung und im Verzögerungskampf:

- Errichten von Sperren; - Unterstützung im Stellungsbau; - Errichten von Schutzbauten; - Überwinden von Hindernissen; - Überwinden von eigenen und feindlichen Sperren für den Einsatz von Reserven und Gegenangriffskräften; - Wiederherstellen, Schaffen und Öffnen von Bewegungslinien für Reserven, Gegenangriffe und Versorgung.

Erst- und Folgeaufträge im Angriff:

In der Phase des Beziehens von Verfügungs- und Bereitstellungsräumen:

- Ausbau von Deckungen für die Sicherung; - Ausbau von Gefechtsständen; - Ausbau und Verstärkung von Unterkünften; - Ausbau von Feuerstellungen; - Vorbereiten von Übergangsmöglichkeiten für das Antreten.

In der Phase der Annäherung:

- Öffnen und Überwinden eigener und feindlicher Sperren; - Schaffen von Übergangs- und Durchgangsmöglichkeiten; - Vorbereiten von Furten; - Bereitstellen von Brückengerät; - Flankenschutz durch lageorientierte Sperren.

In der Phase des Einbruchs, Nehmens und Sicherns des Angriffzieles:

- Öffnen feindlicher Sperren; - Abriegeln von Flanken durch Minensperren; - Schutz vor feindlichen Gegenangriffen mittels lageorientierter Minensperren.

Erst- und Folgeaufträgeim Sicherungseinsatz:

Bei Bedrohung geringer Intensität:

- Markierung der Staatsgrenze; - Freimachen von Beobachtungs- und Feuerbereichen; - Bau, Adaptierung und Instandhaltung von Schutzbauten; - Sicherstellen von Bewegungsmöglichkeiten; - Errichten und Instandhalten von Sammelstellen und Sammellagern (jedoch nicht deren Betrieb); - Ausbau von Stützpunkten und Gefechtsständen; - Vorbereiten und Errichten von Sperren; - Errichten von Kontrollstellen; - Ausbau von Alarmanlagen; - Ausbau von Stellungen für mechanisierte Kräfte.

Bei Bedrohung hoher Intensität:

- analog den Aufgaben in der Verteidigung.

3. Einfachheit undSchnelligkeit

Der neue Dienstbehelf Sperrdiens) hat u. a. den Zweck, Hilfen zur Beschleunigung von Abläufen und Tätigkeiten anzubieten, um zu einer Verbesserung der Kampfunterstützung - unter Berücksichtigung der nationalen und internationalen rechtlichen Vorgaben - beizutragen. Darüber hinaus wurden Begriffe der internationalen Terminologie angepasst, um eine multinationale Zusammenarbeit zu vereinfachen.

Die wesentlichen Änderungen in diesem Dienstbehelf sind:

- Es werden vermehrt Ausbildungsgrundlagen für die Gefechtstechnik der Pioniere vermittelt.

- Sperren werden gemäß internationaler Terminologie in Bau-, Spreng- und Minensperren unterteilt.

- Minensperren werden gemäß internationaler Terminologie nach den Verlegearten in Verlegeminensperren, Wurfminensperren (bis 500 m Entfernung vom System) und fernverlegbare Minensperren (über 500 m Entfernung vom System) unterteilt.

- Das Minenfeld, wie es bisher im Schrittmaß verlegt wurde, gibt es nicht mehr. Für die geringe Tiefe waren zu viele Minen erforderlich.

- Minen werden als Einzelminen, Minenriegel oder Minenstreifen (zwei oder vier parallel zu einander verlaufende Minenriegel) verlegt.

- Ein Minenfeld umfasst die Summe aller in einer Sperre verlegten Minensperren.

- Lageorientierte Sperren, die unter Zeitdruck zu errichten sind, werden im Eilmessverfahren vermessen.

- Die Anzahl der Sperrunterlagen wurde auf zwei reduziert:

Der Sperrnachweis dient zur detaillierten Dokumentation von Bau-, Spreng-, Minensperren und von Kombinationen dieser Sperren (gem. Völkerrecht und dem daraus abgeleiteten STANAG 2036).

Er wird je Sperre vom Pionier vor Ort erstellt. Nach einer Einweisung in die Sperre wird die Übergabe der Sperre am Sperrnachweis bestätigt. Danach wird dieser dem führenden Verband vorgelegt und dort evident gehalten. Bei einem Wechsel der Führungsverantwortung oder bei einem Auftrag zum Räumen einer Sperre wird der jeweilige Sperrnachweis übergeben.

Der Sperrplan ist die Zusammenfassung aller Sperrnachweise, er stellt eine Führungsunterlage wie der Panzerabwehr- oder Feuerplan dar und dient, wie der Sperrnachweis, zur Dokumentation aller im Verantwortungsbereich errichteten Sperren.

4. Trainingsprogramm für den Gefechtstechnikdrill

Dazu als Beispiel ein Trainingsprogramm für den Verzögerungskampf:

Ausgangslage

Die Kampftruppe hat den Gefechtsstreifen bezogen und die Einsatzführung geplant. Das unterstellte oder auf Zusammenarbeit angewiesene Pionierelement hat einen Nahverfügungsraum bezogen. Der Pionierkommandant nimmt in der Führungslinie (z. B. Verzögerungslinie) Verbindung mit dem Vertreter der Kampftruppe (z. B. S3 oder Kompaniekommandant) auf und wird im Rahmen der Absprachen eingewiesen:

Vermutliche Absicht des Feindes:

- Welcher Feind wird wann, wo und wie wirksam?

- Wo gibt es Umfassungsmöglichkeiten?

- Wo sind Luftlandungen möglich?

Aktuelle Aufklärungsergebnisse:

- Über welche Ausrüstung zum Räumen, Überwinden sowie zum Errichten von Sperren verfügen die feindlichen Pionierkräfte?

- Wie ist die Leistungsfähigkeit der feindlichen mechanisierten Gefechtsfahrzeuge (z. B. Überschreitfähigkeit).

Einsatz der eigenen Kräfte:

- Wo befinden sich eigene Teile und wann wird die jeweilige Führungslinie bezogen?

- Was sieht die geplante Einsatzführung vor (z. B. Rücknahme eigener Kräfte)?

Zusätzlich benötigt der Pionierkommandant folgende Informationen:

- In welchem Raum kann die eigene Panzerabwehr wirken, gibt es Einschränkungen?

- Wo soll der mechanisierte Feind verzögert und/oder zum Stehen gebracht werden?

- Wo sind infanteristische Umfassungen möglich?

- Gibt es schusstote Räume?

- Wo ist die Feuereröffnungslinie?

- Welchen Zustand sollen die Sperren haben (geplant; angelegt, noch passierbar; angelegt, Zündbereitschaft 1; angelegt, Zündbereitschaft 2 oder ausgelöst)?

- Wo sollen Gassen/Pfade verlaufen?

- Wo sollen gelände- und lageorientierte Sperren verlaufen?

- Welchen Sperrwert sollen die Sperren aufweisen?

- Wann und wo wird die Sperre an wen übergeben?

- Kann die Sicherung der Pioniere durch die Kampftruppe übernommen werden? (Im Verzögerungskampf wird in der Regel die Kampftruppe nur für die Absprachen zur Verfügung stehen. Somit wird sich der Pionier während der Pioniererkundung und des Errichtens der Sperre meist selbst sichern müssen.) Die Pioniererkundung umfasst:

- Platz für eine Schnellsperre zur Sicherung der Pioniere während des Sperrausbaus.

- Wie ist der genaue Verlauf der Sperre?

- Welche Art der Bodenbeschaffenheit herrscht vor?

- Mit welchen Mitteln kann die geforderte Wirkung unter einem möglichst ökonomischen Einsatz der verfügbaren Kräfte und Mittel erzielt werden?

Die Durchführung, Einweisung und Übergabe der Sperre:

(Um die Pioniere nicht unnötig zu binden, muss die Kampftruppe die Übernahme der Sperre sicherstellen. Manche Armeen setzen dazu "Sperrsicherungskommandos" ein. Das sind kleine bewegliche Trupps der Kampftruppe, die sich vom Pionier in die Sperre einweisen lassen, diese bis zum Beziehen der eingesetzten Kräfte sichern, Gassen betreiben und auf Befehl die Sperre aktivieren. Da die Sperre ein wesentliches Element der Einsatzführung darstellt, hat die Kampftruppe die Verantwortung zu übernehmen.) - Das Pionierelement bezieht die Sperrstelle und wird eingewiesen.

- Nach den Vorgaben der Kampftruppe und dem Ergebnis der Erkundung wird die Sperre errichtet.

- Nach Fertigstellung sichert der Pionier die Sperre, bis die Übergabe abgeschlossen ist.

Der Pionier weist die Kampftruppe über die Sperren ein:

- Lage, Ausdehnung und Einzelheiten; - Kennzeichnung; - Betreiben von Gassen und Pfaden; - Maßnahmen zur Aktivierung (erforderliche Kräfte, Mittel, Zeit, Zündstelle, ...).

Die Übergabe der Sperre wird mit den Unterschriften am Sperrnachweis bestätigt.

Sobald die Kampftruppe die Verantwortung über die Sperre hat, räumt das Pionierelement die Sperrstelle und erfüllt den Folgeauftrag.

Anmerkung:

Diese Punkte können z. B. im Rahmen einer Kaderfortbildung jederzeit geübt werden, mit dem Vorteil, dass das auch ohne Truppe möglich ist.

Folgerungen

Pioniere sind auf allen Ebenen frühzeitig ins Führungsverfahren einzubinden (1. Lagevortrag), als Berater zu nutzen und zu fordern, um anhand von Aufklärungsergebnissen die effektivsten eigenen Maßnahmen setzen zu können (z. B. Tiefe von Sperren etc.). Vorbefehle reduzieren die Reaktionszeiten, erhöhen somit die Einsatzbereitschaft und können die mangelnde Ausrüstung teilweise kompensieren.

Die Kommandanten der Kampftruppe sollten die Leistungsparameter im Überblick kennen. Die Details kennt der Pionier. Der Pionierkommandant ist auch für Folgebeurteilungen als "Pionierführer" zu nutzen (z. B. Zusammenfassung der Sperrnachweise zum Sperrplan).

Systeme wie Brückenleger, Minenleger etc. helfen, ein Schwergewicht zu bilden und sind deshalb vom Bataillon oder Brigade unmittelbar zu führen.

Mechanisierte Kräfte brauchen im Verzögerungskampf infanteristische Teile (Sperrsicherungskommandos).

Pioniererkundungstrupps sowie Räumtrupps sind zu bilden und vorne einzugliedern.

Der pionierspezifische Folgeeinsatz ist zu planen, Pionierreserven müssen gebildet werden ebenso die Anschlussversorgung, vor allem hinsichtlich der Sperr-, Spreng- und Kampfmittel (Panzermine 90).

Die Anzahl der Fahrzeuge und Systeme einer Pionierkompanie ist bei der Zuweisung eines Verfügungsraumes zu berücksichtigen.

Sperren

- müssen vor Ort abgesprochen und erkundet werden, - müssen überwacht/bewacht werden, - müssen übergeben werden, - werden durch die Kampftruppe aktiviert (der Pionierzündtrupp ist die Ausnahme), - müssen grundsätzlich gekennzeichnet werden, - müssen dokumentiert werden (Völkerrecht).

Der Einsatz von Scheinsperren ist zu forcieren. Die Genehmigung zur Errichtung erfolgt vom Kommandanten des kleinen Verbandes aufwärts.

Gassen müssen betrieben werden (Sperrsicherungskommando).

Forderungen

Die obere Führung

trägt dafür die Verantwortung, dass die erteilten Aufträge durch die Zuweisung entsprechender Mittel zu erfüllen sind. Die Beschaffung der "Pionierbrücke 2000" als Unterstützungsbrücke bedeutete eine spürbare Verbesserung für die Pioniertruppe. Die Organisationspläne der Pionierbataillone sind grundsätzlich zukunftsorientiert, die Fähigkeit zur Kampfunterstützung muss jedoch verstärkt berücksichtigt werden. Geplante Systeme, wie das amphibische Brückensystem M3 und Panzerschnellbrücken decken den Dreifachnutzen für Einsätze im Rahmen von Auslandseinsätzen, der Katastrophenhilfe und der militärischen Landesverteidigung ab.

Bewegliche Sperrsysteme für das Errichten von lageorientierten Sperren sowie Systeme für humanitäres Minenräumen, aber auch für Einsätze unter Gefechtsbedingungen, stellen einen wichtigen Beitrag bei internationalen Einsätzen zur Krisenbewältigung dar. Die Beschaffung sollte daher so bald als möglich eingeleitet werden.

Die Kampftruppe

hat die Forderungen der Unterstützungstruppen nach modernem Gerät nicht nur zu unterstützen, sondern selbstständig zu betreiben. Jede Modernisierung im Bereich der Ausrüstung erhöht die Fähigkeit zur Kampfunterstützung. Bis dahin ist mit der vorhandenen Ausstattung der Auftrag zu erfüllen. Dazu sind bei Ausbildung und Gefechtsübung der Kampf mit und um Sperren unter möglichst realen Bedingungen und Zeitanhalten zu führen. Der Umgang mit neuen Systemen muss aber ebenso geübt werden.

Die Pioniere

müssen sich anbieten und bewähren. Sie müssen in der Lage sein, mit dem vorhandenen Gerät in Verbindung mit Engagement, Kreativität und Innovation den Auftrag zu erfüllen. Gleichzeitig müssen sie eine Weiterentwicklung fordern und für Neues offen und bereit sein.

___________________________________ ___________________________________ Autor: Hauptmann Erwin Schulmeister; Jahrgang 1967. Ausmusterung 1992 zum Pionierbataillon 3; Verwendung als Pionierzugskommandant und stellvertretender Kompaniekommandant; 1995 bis 2000 Kommandant der 2. Pionierkompanie; 2000 bis August 2003 pioniertechnischer Planungsoffizier und stellvertretender S3, seit August 2003 Referent im FGG3 des Führungsstabes - Abteilung Einsatzvorbereitung mit Schwergewicht internationale Übungen im In- und Ausland; Auslandseinsätze: 1999 Pionierkompanie VOREIN in Albanien (ATHUM ALBA) und 1999 bis 2000 in Bosnien (AUSLOG8/SFOR); Angehöriger der Arbeitsgruppe zur Erstellung der neuen Vorschrift "Sperrdienst". Derzeit mit der Führung des Pionierbataillons 3 beauftragt.

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