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Ein "all inclusive"-Trainingscenter

Die Ausbildung und Einsatzvorbereitung sind Kernaufgaben des Bundesheeres in Friedenszeiten. Die vielschichtigen gefechtstechnischen und taktischen Aufgaben in einem Einsatz stellen hohe Anforderungen an die Ausbildungsinfrastruktur. Der Truppenübungsplatz Seetaler Alpe wird daher bis 2015 zu einem modernen Trainingscenter ausgebaut.

Allgemeines

Im Ausbildungsunterstützungskonzept für die nachhaltige Nutzung von Truppenübungsplätzen von 2009 ist der Zweck des Truppenübungsplatzes Seetaler Alpe (TÜPLSA) festgelegt: "Der TÜPLSA ist zur Einsatzvorbereitung und für Schieß- und Ausbildungsvorhaben der infanteristischen Kampftruppe bis zum Rahmen eines verstärkten Bataillons mit den entsprechenden Unterstützungswaffen unter Mittelgebirgsbedingungen und für den Ortskampf auszurichten." Darüber hinaus dient er als Gebirgsschießplatz für die Artillerie und für Luft-Boden-Schießen der Fliegertruppe.

Dieser Grundauftrag und die daraus abzuleitenden Beurteilungen sowie die Bedürfnisse des modernen Gefechtes und der Truppe haben die Verantwortlichen des TÜPLSA dazu veranlasst, ein "all inclusive"-Trainingscenter zu planen und zu realisieren.

Truppenübungsplatz

Die Seetaler Alpe ist einer von fünf Übungsplätzen des Österreichischen Bundesheeres. Er liegt in einer Mittelgebirgsregion (Zirbenland) und ist über eine gut ausgebaute Straße von der Garnisonsstadt Judenburg aus zu erreichen. Das harmonische Zusammenleben von Militär, Naturschützern, Jägern und Touristen zeichnen ihn unter anderem aus, wobei allen Beteilig- ten eine Tatsache völlig klar ist: Das Herstellen der Einsatzbereitschaft von Truppen hat absolute Priorität!

Die Zeit der "Massenheere" und deren Anwesenheit auf Übungsplätzen sind zu Ende. Spezialisierte Einheiten ("High Value Assets") sind die zukünftigen Nutzer. Die Ausrichtung dieser Einheiten auf einen hohen Kaderanteil ist eines ihrer Merkmale.

Übungen im freien Gelände werden aus Kostengründen und auf Grund rechtlicher Bestimmungen zurückgehen und vermehrt auf Übungsplätze verlegt. Die Anzahl der internationalen übenden Truppen wird aufgrund der multinationalen Einsätze und der bestehenden Partnerschaften steigen. Auch das Anbieten eigener Übungsplätze für befreundete Streitkräfte im Rahmen von "pooling and sharing" wird zunehmen. Die Zeit für Ausbildungsvorhaben wird wegen verschiedener Umfeldbedingungen (z. B. Miliz) weiter reduziert.

Übungsplätze dürfen sich nicht mehr nur dem Schießen widmen, sondern haben mit moderner Infrastruktur unterschiedlichste Ausbildungsvorhaben zur Verfügung zu stehen. Erfahrungen aus dem System der Kaderpräsenzeinheiten haben gezeigt, dass in einem Verband eine Bandbreite von Ausbildungen vorgesehen ist - vom neu auszubildenden einzelnen Soldaten bis hin zu bereits evaluierten und einsatzerfahrenen Einheit.

Eine Vielzahl von Einsätzen findet im urbanen Umfeld statt. Ausbildungs- und Schießanlagen haben sich danach auszurichten, wobei grundsätzlich die Einsatzerfordernisse das Konzept eines Übungsplatzes prägen sollten. Die Simulation muss als Zwischenschritt vom Erlernen der Gefechtsaufgabe bis zur Durchführung im scharfen Schuss vor Ort abdeckbar sein.

Die Verlegungsdauer der übenden Truppe wird bei entsprechenden Angeboten länger werden, und deswegen hat auch ein Übungsplatz bei der Bereitstellung der Infrastruktur, für sonstige Aktivitäten und soziale Kontaktmöglichkeiten diesem Umstand Rechnung zu tragen. Seminare, Besprechungen, gruppendynamische Aktivitäten sind ebenfalls Bestandteile zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft.

Das Konzept

Bezugnehmend auf diese Rahmenbedingungen wurden vom TÜPLSA die notwendigen Ableitungen getroffen. Das Ergebnis sollte ein allumfassendes Trainingscenter sein, das den zukünftigen Erfordernissen entspricht.

Zusätzlich zu den bisher von allen Truppen geschätzten Rahmenbedingungen beim Scharfschießen sind weitere Ausbildungsangebote bereits vorhanden oder im Entstehen. So wurde für Bataillonsstäbe das ehemalige Offizierskasino zum Gefechtsstand umgebaut, der mit moderner Infrastruktur (Beamer, Leinwände, Trennwände usw.) sowie mit entsprechenden informationstechnischen Anschlüssen Stäben die Möglichkeit zur Stabs- und Führungsausbildung bietet. Es sind auch taktische Lagen zur Ausbildung vorhanden. Im Jahr 2013 wird im ehemaligen Krankenrevier ein zweiter Gefechtsstand errichtet, der die Möglichkeit bietet, dass zwei Stäbe unter Einbindung des Simulators gegeneinander üben zu lassen.

Als zusätzliche Ausbildungsanlagen stehen zur Verfügung bzw. sind in Planung:

  • "Railway Station" mit Eisenbahnwaggons und Fahrzeugen. Diese Anlage dient zum Erlernen von Grundtechniken beim Kontrollieren, sowie den Spezialkräften des In- und Auslandes zum Trainieren von Durchsuchungen bzw. des Befreiens von Geiseln.

  • "Basicarea" (ab 2013) mit einem Kompaniegefechtsstand in Containerform sowie drei Zeltplätzen für Teileinheiten, einer Gefechtsbahn und einer Naturhindernisbahn. Hier soll der Truppe die Möglichkeit geboten werden, die Überlebensfähigkeit unter feldmäßigen Bedingungen sicherzustellen.

  • Das Schießhaus (ab 2013) hat den Zweck, das Vorgehen innerhalb eines Gebäudes im scharfen Schuss zu trainieren.
  • Ein Trainingsgelände für den Kampf im verbauten Gelände (Beginn ab 2013, Fertigstellung 2015).
  • Ein Trainingsparcours für "Mine Awareness" (ab 2014).
  • Ein Trainingsgelände für Gruppe, Zug und Kompanie (ab 2014) mit Bewegungslinien, mobilen Checkpoints, Aufklärungszielen usw. Hier soll ein Gelände so aufgeschlossen und vorbereitet werden, dass eine Kompanie nach kurzer Vorbereitungszeit Gefechtsaufgaben unterschiedlicher Intensität ausbilden und üben kann.
  • Eine Erweiterung des Schießangebotes durch bewegliche Zieldarstellung und weitere Zielräume. Besonders dem Scharfschießen mit dem überschweren Maschinengewehr wird hier ein Schwergewicht zuzuordnen sein (z. B.: Scharfschießen mit IVECO Light Multirole Vehicle).

Das Ziel eines Übungsplatzes der Zukunft kann nur sein, möglichst alle Ausbildungsbedürfnisse eines Kampfverbandes abzudecken, um nicht die Truppe zu zwingen, in verschiedene Orte verlegen zu müssen. Vom Herstellen der Überlebensfähigkeit des "neuen" Soldaten über die taktische Ausbildung von Offizieren bis zur Durchführung einer Gefechtsaufgabe im Bataillonsrahmen im scharfen Schuss sollen alle Bereiche an einer Ausbildungsstätte abgedeckt werden.

Truppenübungsplatz ohne Funktionssoldaten

Ab Ende 2012 wird der TÜPLSA ohne Funktionssoldaten seine Kernkompetenzen wahrnehmen. Ziel ist es, die Serviceleistung gegenüber der Truppe in den Bereichen Schieß- und Ausbildungsanlagen, Unterkunft, Verpflegung und Betreuung weiter fortzuführen bzw. auszubauen. Die Kompensation der Systemerhalter erfolgt durch technische Anlagen, modernes Kommunalgerät, befüllten Personal- und Material-Orgplan sowie zusätzlich je nach Belegungsstärke durch Personalleasing aus dem zivilen Bereich (Arbeitskräfteüberlassungsgesetz). Die so genannten "Leiharbeiter" verstärken die Stammmannschaft in der Finalisierungsküche sowie in der Betreuung. Weiters werden die internen Strukturen optimiert. Es wird zu keinen Einbußen in den Aufgaben des Übungsplatzes kommen, im Gegenteil: Die TÜPL-Verantwortlichen sind davon überzeugt, dass der Dienstbetrieb des Übungsplatzes nach den Erstinvestitionen sich nicht verteuert und dass auch die anderen "Trainingscenter" diesen Weg beschreiten werden. Die Reduktion der Funktionssoldaten in der Grundorganisation war und ist eine langjährige Forderung der Truppe.

Technische Absperrung

Das Konzept der technischen Absperrung besteht aus einem Warnanlagensystem (WAS), das auf GSM-Technologie basiert und per SMS ferngesteuert wird.

Im alpinen Einsatzgebiet (Kreiskogel, 2 306 m Höhe) wird an sieben Stellen jeweils eine Warnlampe installiert, damit durch einen visuellen Effekt Passanten vor dem Eintreten in das Sperrgebiet gewarnt werden. Die Warnlampe ist eine Konstruktion aus einer LED Signallampe und einem roten transparenten Plastikgehäuse mit Schutzgitter. Das Lichtsignal rotiert ungefähr dreimal in der Sekunde. Das WAS besteht aus sieben Warnanlagen (Solarenergie) und einer Schrankenanlage (öffentliches Stromnetz) mit Warnanlage und Überwachungskameras beim einzigen Zufahrtsweg zu den Schießbahnen. Diese werden aus der Zentrale (Sicherheitskanzlei) ferngesteuert. Das WAS kann auch per Handy betätigt werden.

Zusätzlich werden drei Informationstafeln und drei Laufschriften an das System angeschlossen. Die Informationstafeln geben den aktuellen Zustand der Warnanlagen und der Schrankenanlage (per LED) wieder. Die Laufschriften warnen die Passanten vor dem Zutritt in das militärische Sperrgebiet.

Unterkunft und Truppenbetreuung

Der Truppenübungsplatz verfügt über eine Unterkunftskapazität für 411 Personen. Die Unterbringung der Soldaten erfolgt in vier Mannschaftsunterkünften mit Acht-, Vier- und Zwei-Bett-Zimmern. Die Unterbringung erfolgt somit nicht mehr in Massenquartieren (16-Mann-Zimmer mit Halbspinden), da die vermehrten Nutzer des Übungsplatzes mit Masse kaderstarke Elemente sein werden, die sich hier auf ihre Einsätze vorbereiten. Deswegen wird ab Ende 2012 ein Plus an Komfort durch mehr Platz in den Unterkünften, bequemere Betten und mehr Raum für persönliche Ausrüstung zur Verfügung stehen. Gearbeitet wird auch daran, dass den Nutzern über WLAN die Möglichkeit für soziale Kontakte via Internet angeboten werden kann.

Für Seminare, Besprechungen und Workshops besteht die Möglichkeit, in Zwei- bis Vier-Bett-Zimmern mit Selbstversorgung in einer Teeküche bzw. mit Verpflegungsanschluss an die Finalisierungsküche (nur von Montag bis Freitag) untergebracht zu werden. Mit modernsten Geräten ausgestattete Krafträume und Saunen stehen der Truppe ebenfalls zur Verfügung.

Eine weitere Kernkompetenz des Übungsplatzes ist die Truppenbetreuung. Sie umfasst eine umfangreiche Information über Freizeitangebote im steirischen Zirbenland sowie die Möglichkeit zur Entlehnung von Sportgeräten (Mountainbikes, Langlaufausrüs- tungen, Eisstöcke, Filme auf DVDs und vieles mehr). Sportbegeisterten stehen weiters ein Tennisplatz sowie ein Beachvolleyballplatz zur Verfügung. Ausgeschilderte Laufstrecken, ein Klettersteig und ein Boulderraum ergänzen die zahlreichen Sportmöglichkeiten. Räumlich getrennte Seminarräume, ausgestattet mit Videobeamern und 3.VE-Anschlüssen runden das Angebot ab.

Ausblick

Ziel muss es sein, dass auf der Seetaler Alpe ein "All inclusive"-Trainingscenter entsteht, wo die Truppe die Möglichkeit hat, neben dem Scharfschießen auch weitere Gefechtstechniken auszubilden. Die Ausbildungsangebote müssen vielfältig sein und bis hin zur taktischen Ausbildung des Bataillonsstabes reichen. Oftmals lange Anfahrtswege zu verschiedenen Ausbildungsstätten sollen hiermit wegfallen. Dadurch soll auch die Verweildauer der Truppe und die Auslastungen der Übungsplätze gesteigert werden.

Bis 2015 soll der Truppenübungsplatz Seetaler Alpe in der Lage sein, alle Anforderungen eines Infanterieverbandes sowie von Spezialkräften zu erfüllen. Zusätzlich wird auch über die Möglichkeiten einer simulatorgestützten Ausbildung nachgedacht. Die Angebote von der Einzelausbildung über die Kompanieausbildung bis zum Bataillon, dazwischen immer wieder Phasen im scharfen Schuss, bilden die Grundvoraussetzungen für einen modernen Übungsplatz. Die Simulationsausbildung als zukunftsweisende Ausbildungsform sollte ebenso ihren Platz auf einem Truppenübungsplatz haben.

Modernes Gerät und serviceorientiertes Kader sind die Basis. Auch der Übungsplatz selbst muss sich ständig weiterentwickeln. Neue Einsatzerfahrungen müssen in die Verbesserung der Infrastruktur einfließen, und Veraltetes sollte entfernt werden. "High Value Assets" werden die Träger des Gefechtes in Zukunft sein und somit auch die Nutzer des Übungsplatzes.


Autoren:

Oberst MSD Hofer Manfred, Ausgemustert 1985, Kommandant des Truppenübungsplatzes Seetaler Alpe (TÜPL SA).

Oberst MSD Rieger Günter, Ausgemustert 1981, Sicherheitsoffizier und stellvertretender Kommandant TÜPL SA.

Oberstleutnant Pichler Manfred, Ausgemustert 1979, Kommandant Dienstbetrieb und Kosten-/Leistungsrechner TÜPL SA.

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