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Einsätze im urbanen Umfeld - Initiativen der Truppe

Am Beispiel der Urbanen Trainingsanlage (UTA) Steinbach auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig werden einige Initiativen innerhalb der österreichischen Streitkräfte aufgezeigt, die Antworten auf Fragen hinsichtlich der Beherrschung des militärischen Handwerkes gesucht und auch gefunden haben.

Militärische Auseinandersetzungen der Gegenwart lassen sich mit zwischenstaatlichen Konflikten der letzten Jahrhunderte nicht mehr vergleichen. Früher wurden gesamte Bevölkerungen eingesetzt und staatliche Ressourcen für kriegerische Handlungen verwendet, um den Sieg und somit den Frieden zu erlangen. Im Gegensatz dazu werden gegenwärtig Kriege häufig nicht zwischen Staaten, sondern zwischen Bevölkerungsgruppierungen untereinander ausgetragen. Frieden ist dabei nicht zwangsläufig das erklärte Ziel. Konflikte können zwar befriedet sein, jedoch ist oft der Grund für das Problem für die Auseinandersetzung im Allgemeinen nicht gelöst. Aktuelle Konfliktszenarien führen uns klar vor Augen, dass die Herausforderungen für Soldaten im Einsatz überaus vielschichtig sind. Sie reichen vom klassischen Gefecht gegen einen klar definierten und erkennbaren konventionellen Gegner bis hin zum Kampf gegen irreguläre Kräfte, die ungleich schwieriger zu identifizieren sind. Um dieses Aufgabenspektrum zu bewältigen, haben militärische Kräfte oftmals in einem multinationalen Umfeld und mit einem Mindestmaß an militärischer Gewaltanwendung zu operieren. Vor dem Hintergrund dieser komplexen Anforderungen und den daraus abgeleiteten Folgerungen für die Einsatzführung ist es unverändert erforderlich, das militärische Handwerk in seiner Gesamtheit zu beherrschen, um in allen Lagen situationsgerecht handeln zu können.

"4-level warfare"

Das militärische Gefechtsbild mit seinen unterschiedlichen Bedrohungsszenarien ist einem ständigen Wandel ausgesetzt und verlangt von Streitkräften ein hohes Maß an Flexibilität, Anpassungsvermögen sowie Lernfähigkeit und Initiative. Laut dem Kommandanten der 4. Panzergrenadierbrigade, Brigadier Mag. Robert Prader (derzeit am Royal College of Defence Studies in London), bedarf es der Ausbildung der Verbände in vier Stufen. Diese sind aufbauend zu vermitteln und laufend zu trainieren. Ein Verbleiben und Perfektionieren in der Stufe 1 ist nicht ausreichend. Das gesamte Spektrum ist erforderlich, um in künftigen Auseinandersetzungen bestehen zu können. Die Notwendigkeit zum Kampf gegen irreguläre Kräfte befähigt zu sein, führt unausweichlich auch zum Beherrschen der Einsatzführung im urbanen Umfeld.

Stufe 1: Das klassische Gefecht

Darunter ist das Beherrschen des Kampfes der verbundenen Waffen mit den klassischen Elementen Feuer und Bewegung zu verstehen. All die verschiedenen Waffengattungen und Systeme im Feuerkampf zum Zusammenwirken zu bringen, ist die Grundvoraussetzung, um in jeder Situation die Kontrolle zu bewahren.

Stufe 2: Peace Support Operations (PSO)

Die wesentlichste Vorgabe in militärischen Einsätzen ist die Forderung, jegliche Verluste zu vermeiden.

Es muss alles unternommen werden, damit das Ziel ohne Waffengebrauch erreicht wird. Maßnahmen wie Manöver zur Inbesitznahme entscheidender Geländeteile, das Abschneiden der Logistik, das Aufbauen von Überlegenheit und Verhandlungen, um dem Gegner die Aussichtslosigkeit seines weiteren Einsatzes klar darzustellen, treten in den Vordergrund.

Stufe 3: Multinationalität

Der Einsatz multinationaler Kräfte und damit der Zwang, militärische Einheiten unterschiedlicher Nationen zum Zusammenwirken zu bringen, hat einen großen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Handelns, die Zuweisung von Zielen und Aufgaben sowie die Berücksichtigung von Einschränkungen und nationalen Eigenheiten - kurz gesagt auf die gesamte Einsatzführung.

Stufe 4: Kampf gegen irreguläre Kräfte

Die vierte Stufe des Könnens in militärischen Einsätzen ist die Auseinandersetzung mit den in Zukunft immer häufiger auftretenden irregulären Kräften. Diese bedienen sich auf Grund ihrer Stärke, Zusammen- und Zielsetzung anderer, in unserer Diktion als asymmetrisch bezeichneten Verfahren.

Leitlinie

Die Erkenntnisse der "4-level warfare" finden auch in einem Projektexposee des Institutes für Höhere Militärische Führung (IHMF) der Landesverteidigungsakademie ihre Fortsetzung. Konkret wird die "Taktik zur Beherrschung eines Raumes gegen irreguläre Kräfte" erforscht. Die Erkenntnisse daraus sollen in weiterer Folge militärische Kommandanten in der Entschlussfassung - dem so genannten consequence management - unterstützen.

Ein Szenario für künftige Einsätze militärischer Einheiten könnte wie folgt lauten:

"Einsatz von Landstreitkräften zur Beherrschung eines Raumes bei Vorhandensein irregulärer Kräfte und/oder rivalisierender Bevölkerungsgruppen nach Terroranschlägen in Verbindung mit Cyber-Angriffen." Ein terroristischer Anschlag und das daraus resultierende Chaos kann nur schwer verhindert werden. Der vermeintlich unsichtbare Gegner entscheidet selbst, wann und wo er zuschlägt. Für daraufhin eingeleitete Operationen muss die Gefahr eines weiteren Anschlages (z. B. von Roadside-Bombs, Scharfschützen etc.) beurteilt werden. Denn Rettungskräfte bieten für Terroristen ein mehr als lohnendes Ziel, um die Bevölkerung bzw. die eigene Truppe endgültig zu demoralisieren.

Die Aufgabe des Militärs ist es, den Schutz sowohl für die Bevölkerung als auch für die militärischen und zivilen Retter zu gewährleisten. Dies bedingt den Einsatz von speziell zusammengesetzten militärischen Einheiten. Diese für den Schutz im urbanen Umfeld eingesetzten Kräfte bestehen u. a. aus Infanterie, unterstützt und geschützt durch gepanzerte Fahrzeuge sowie Kräfte zur Sicherung, die auch Crowd and Riot Control-Techniken beherrschen. Darüber hinaus werden Militärpolizei, ABC-Abwehr, Rette- und Bergeeinheiten sowie Pioniere, Sanitäter und Hubschrauber für Aufklärung, punktuelle Feuerunterstützung bzw. Lufttransport benötigt - kurzum die Spezialisten aus nahezu allen Waffengattungen. Das Sichern des durch terroristische Kräfte gefährdeten Raumes schafft erst die Voraussetzung für den Einsatz ziviler Hilfsorganisationen.

Daraus abgeleitet resultiert der Bedarf einer entsprechenden Ausbildungsanlage, welche den Erfordernissen des Kampfes im urbanen Umfeld gerecht wird.

Urbane Trainingsanlage Steinbach

Auf Initiative der 4. Panzergrenadierbrigade und mit tatkräftiger Unterstützung des Truppenübungsplatzes (TÜPl) Allentsteig sowie anderer Dienststellen des Bundesheeres ist das Projekt der Urbanen Trainingsanlage Steinbach in die Realität umgesetzt worden.

Ein Schwergewicht der Ausbildung sollte das Vorgehen in Ortschaften bei Patrouillen sein. Besonderes Augenmerk ist dabei auf das Bewältigen überraschender Angriffe auf die eigene Truppe (z. B. Hinterhalt) zu legen. Um dies realistisch darstellen zu können, bedarf es einer Ortschaft mit einer gewissen Ausdehnung (Tiefe) sowie mehreren Straßenzügen (zumindest zwei) mit einigen Kreuzungen. Eine Ortschaft, die diesen Kriterien am ehesten entsprach, ist die Ortschaft Steinbach auf dem TÜPl Allentsteig. Neben Errichtung einer Trümmerstrecke mit zwei Schadstellen und der Adaptierung bereits bestehender Infrastruktur war der Neubau einiger Gebäude notwendig. Nach mehrmonatiger Arbeit konnte Ende November 2011 die Urbane Trainingsanlage feierlich eröffnet werden.

Leistungsspektrum

Mit der Fertigstellung dieses Gemeinschaftsprojektes werden Trainingsmöglichkeiten für bis zu bataillonsstarke Kräfte angeboten. Das Spektrum der Übungsmöglichkeiten umfasst
  • den Einsatz mechanisierter und infanteristischer Kräfte in Ortschaften,
  • das Bergen von verschütteten Personen bis hin zum
  • Zusammenwirken von Boden- mit Luftunterstützungselementen.

Zudem kann die Zusammenarbeit von Kampf- und Kampfunterstützungskräften (z. B. mit Kampfmittelbeseitigern) sowie der koordinierte Einsatz von Elementen der Einsatzunterstützung (z. B. mit dem Sanitätsdienst) geübt werden.

Einen besonderen Stellenwert in der Realisierung der UTA Steinbach haben mögliche Einsatzszenarien der ABC-Aufklärungs- bzw. Rette- und Bergetruppe eingenommen. Im urbanen Umfeld existiert ein Gefahrenpotenzial durch industrielle bzw. gewerbliche Einrichtungen, aber auch durch Dinge des täglichen Bedarfes in Verbindung mit terroristischen Absichten sowie den täglichen Straßenverkehr. Die Verbreitung von Strahlung sowie von biologischen oder auch chemischen Substanzen gefährdet sowohl die Zivilbevölkerung als auch die eigenen Soldaten und ist somit für die militärische Einsatzplanung von großer Relevanz.

Für Szenarien dieser Art ist die Infrastruktur der UTA Steinbach bestens geeignet und bietet den militärischen Spezialisten ein realistisches Übungsumfeld. Die UTA Steinbach darf nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Ortskampfanlagen gesehen werden, sondern ist vielmehr ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung der Forderungen des operativen Fachkonzeptes "Einsatz im urbanen Umfeld".

UTA Steinbach (Auszug aus der Benützungsordnung)

Die Ortschaft Steinbach liegt auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig, unweit des Camps Mannshalm, südwestlich der Stadt Allentsteig. Steinbach ist über die Panzerstraße einfach zu erreichen. Die UTA Steinbach eignet sich für Gefechtsübungen von bis zu bataillonsstarken Kräften unter Einbindung von Kampfpanzern und Luftfahrzeugen bzw. Drohnen. Unter anderem können geübt werden:
  • Alle Gefechtstechniken, sowohl das klassische Gefecht (Aufklärung, Verteidigung, Angriff, Häuserkampf etc.) als auch PSO-Szenarien;
  • Befrieden von Demonstrationen (Crowd and Riot Control);
  • Zusammenarbeit mechanisierter und infanteristischer Kräfte in Ortschaften;
  • Spezielle Situationen im Häuserkampf (Eindringen, Vorgehen, Kampf in Häusern);
  • Nehmen bzw. Überwinden von gefährlichen Geländeteilen (z. B. Kreuzungen) durch Panzer und Infanterie gemeinsam;
  • Abriegeln bzw. Isolieren von einzelnen Objekten;
  • Rette- und Bergeausbildung für die ABC-Abwehrtruppe.

Effektsimulation

In der UTA Steinbach können Bedrohungen jeglicher Art durch Einbindung einer neuen Effektsimulation sehr realistisch dargestellt werden. Abgestützt auf die Echtzeitauswertung, können beispielsweise optische und akustische Effekte wie Antipersonenminen, Rohrbomben bzw. ferngezündete Sprengsätze ("Roadside- Bombs") in die Übung eingebunden werden. Auf Grund der Verwendung von harmlosen Treib- und Effektmitteln sind im Gegensatz zur Pyrotechnik die Sicherheitsradien äußerst gering.

Der Effektsimulator (ES) ist ein Ausbildungsunterstützungsmittel. Ergänzend zur Duellsimulation kommt der ES bei der Ausbildung und bei Übungen zur Anwendung, um eine möglichst realistische Darstellung (bei möglichst geringer Sekundärwirkung) von Waffenwirkungen zu gewährleisten. Der ES funktioniert auf Basis von Druckluft, der bei Auslösung FX-Pulver (Talkumpuder) freigibt und so eine "Explosionswolke" imitiert. Der Knall wird durch ein Berstmaterial simuliert, das zerreißt.

Ausgelöst wird der ES wahlweise über Funkzündung, Hand- oder Fußauslösung, Druck- bzw. Zugauslösung. Die Auslösearten sind bei allen Effektsimulatoren anwendbar. Somit ergeben sich eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten mit verschiedenen Effektdarstellungen und deren Initiierung. Die Effektdarstellung reicht von Minen, Sprengfallen, Bomben, Granateinschlägen, Richtsplitterladungen, UXOs bis hin zur Selbstmordattentäterweste. Weitere Details können auf der bundesheerinternen Intranetseite der Heerestruppenschule (www.hts.intra.bmlv.at) nachgelesen werden.

Darüber hinaus ist zur Zieldarstellung und Feindbekämpfung die Beistellung von Laser Target Interface (LTI)-Infanterie- und Panzerfrontscheiben durch das TÜPl-Personal Allentsteig möglich.

Taktik & Gefechtstechnik

Verringerte Einsatzschussweiten, nicht eindeutig ansprechbare Konfliktparteien, eingeschränkte Funkverbindung und erhöhter psychischer Druck durch mögliche Hinterhalte oder Überfälle sind tägliche Wegbegleiter eines Soldaten im Einsatz. Dieser Umstand zwingt Streitkräfte zu verstärkter Ausbildung der Kernaufgaben und somit zum "Know-how"-Erhalt in den Waffengattungen. Die Zusammenarbeit von Panzern und Infanterie sowie den Kräften in der Luft ist nur ein beispielhafter Beweis für die Komplexität der Einsatzführung im urbanen Umfeld. Diese Synchronisation von verschiedenen Waffengattungen - der Kampf der verbundenen Waffen - nimmt einen hohen Stellenwert ein und muss intensiv geübt werden.

Den taktischen Überbau zur Auseinandersetzung mit dieser Thematik bildet in der 4. Panzergrenadierbrigade die Lage "Dolichenus" (vom Soldatengott abgeleitet). In Form eines Planspieles und einer Geländebesprechung werden den Kommandanten der Ebene Zug und Kompanie die Besonderheiten im Kampf gegen irreguläre Kräfte vermittelt. Darauf aufbauend wird in der Gefechtsausbildung die jeweilige Gefechtstechnik trainiert und verfeinert. Die Aufklärung stößt mit ihren herkömmlichen Mitteln im urbanen Umfeld rasch an ihre Grenzen. Daher bedarf es an Möglichkeiten zur Informationsgewinnung anderer Art wie der Vertrauensbildung. Einen hohen Stellenwert dabei erhält z. B. die Gesprächsaufklärung.

Panzer und Infanterie

Besonders infanteristische und mechanisierte Kräfte können beim gemeinsamen Einsatz im urbanen Umfeld voneinander profitieren und sich gegenseitig vor Bedrohungen schützen. Die psychologische Wirkung eines Kampfpanzers darf dabei nicht unterschätzt werden. Doch müssen einzelne Gefechtstechniken, Kommunikationsmöglichkeiten sowie Sicherheitsbestimmungen von Panzern vor dem Einsatz ausgebildet werden. Als Initiative hat die 4. Panzergrenadierbrigade seit 2011 einen Kampfpanzerzug "Leopard" 2A4 des Panzerbataillons 14 beim Jägerbataillon 12 in der Ostarrichi-Kaserne in Amstetten stationiert und bietet für die Infanteristen ein Ausbildungsmodul "Panzer" an. Dieses gemeinsame Training von Infanterie mit Kampfpanzern wird bereits streitkräfteweit angenommen.

Crowd and Riot Control

Die Zivilbevölkerung darf in diesem Zusammenhang nicht außer Acht gelassen werden. Vor allem müssen militärische Kräfte für das Beherrschen und Auflösen von Demonstrationen die notwendige Ausrüstung zur Verfügung haben und dafür ausgebildet sein. Von besonderer Bedeutung sind adäquate nicht letale (nicht tödliche) Wirkungsmittel. Das zivile Leben im Einsatzgebiet soll weitgehend fortgeführt werden können. Gummigeschosse, Tränengas, Wasserwerfer oder Pfefferspray sind Mittel, die der eingesetzte Kommandant der jeweiligen Eskalationsstufe entsprechend zur Anwendung bringen kann. Die Spezialisten der Militärpolizei (z. B. Greiftrupp) werden in die Einsatzführung eingebunden, und Schwenkflügelgitter für Panzer können unterstützend zum Abriegeln von Nebenbewegungslinien eingesetzt werden. Um die Ausbildung in diesem Bereich zu optimieren, haben Soldaten der 4. Panzergrenadierbrigade die so genannte "13er Pflicht" (siehe TD-Heft 1/2011) entwickelt. Dieses Verfahren ist ein Drillprogramm zur Anwendung der Einsatztechnik "Beherrschen einer Demonstration" im Rahmen der Kompanie.

Im Bereich der letalen Wirkungsmittel ist die Verwendung von Präzisionswaffensystemen zwingend erforderlich. Mögliche Kollateralschäden sind inakzeptabel. Auch der Bereich des Eigenschutzes (Force Protection) ist unter dem Gesichtspunkt des Vermeidens eigener Verluste von wesentlicher Bedeutung für eine erfolgreiche Einsatzführung. Die Sicherstellung der optimalen Sanitätsversorgung durch einen Sanitäter bereits am Ausfallsort (Combat Medic innerhalb der Gruppe) ist eine zwingende Forderung. Die Moral der Truppe hängt von der Erfüllung dieser Forderung ab.

Luft und Boden

Das Zusammenwirken fliegender Systeme wie Hubschrauber und Drohnen sowie der Beobachtungstrupps ("Augen am Boden") von Artillerie und Aufklärung kann die Qualität des Lagebildes wesentlich erhöhen, wie das auch in der multinationalen Übung "European Advance 2010" trainiert wurde.

Kampfunterstützer

Pioniere und ABC-Abwehrsoldaten sind wichtige Elemente der Kampfunterstützung beim Einsatz im urbanen Umfeld. Einerseits fördern sie die Bewegung der eigenen Soldaten (z. B. durch Räumen von Sperren/Verrammelungen), hemmen die feindliche Bewegung (z. B. durch Drahtsperren) und erhöhen die eigene Durchhaltefähigkeit (z. B. durch bauliche Schutzeinrichtungen) bis hin zur Abwehr von Kampfmitteln als Beitrag zur "Force Protection". Andererseits sind die Soldaten der ABC-Abwehr Spezialisten im Retten und Bergen von Personen, Tieren und Sachgütern, Brandbekämpfer und -vorbeuger sowie Berater des Kommandanten bei ROTA (Release Other Than Attack)-Gefahren.

Quick Investigation Teams

Zur Dokumentation von Vorfällen ist die Einbindung eines Quick Investigation Teams (QIT) in der Struktur zu berücksichtigen. Dessen Hauptaufgabe besteht darin, nach Kampfhandlungen, Anschlägen oder anderen relevanten Ereignissen während des Einsatzes noch am "Tatort" Fakten zu sammeln, Beweise zu sichern und eine Folgebetreuung für unterschiedliche Personengruppen wie Gefangene, Verletzte und Zivilisten einzuleiten. Die Sicherung von vorhandenen Beweisen sowie die qualitative Aufnahme von Niederschriften und Aussagen sind von Bedeutung, um Geschehnisse rekonstruieren bzw. einem Gericht Beweise vorlegen zu können (siehe TD-Heft 2/2011). Die ins QIT integrierte Militärpolizei kann erforderlichenfalls auch zivilpolizeiliche Aufgaben wahrnehmen. Ein wesentlicher Vorteil des QIT ist, an Vorfällen involvierte Truppen für eine weitere Auftragserfüllung herauslösen zu können.

Auf einen Blick

Der Paradigmenwechsel in der Bewältigung von Konflikten hat einen wesentlichen Einfluss auf die Ausrichtung von Streitkräften im 21. Jahrhundert. Neben präzisem Einsatz klassischer militärischer Wirkungsmittel, erwächst die Notwendigkeit die "Entscheidung des Gefechtes" mit einer nicht letalen Einsatzführung herbeizuführen. Die Urbane Trainingsanlage Steinbach hat eine optimale Infrastruktur, wo die Initiativen der Truppe zum Leben erwachen und Antworten auf gestellte Fragen gefunden werden. Das moderne Trainingszentrum bietet die Möglichkeit des gemeinsamen Trainings verschiedener Waffengattungen in bebautem Gelände und dient dem "Know-how"-Erhalt in den Brigaden. Darüber hinaus ist die UTA Steinbach ein zeitgemäßes Übungsgelände zur Vorbereitung auf Einsätze des Bundesheeres jeglicher Art. Als taktischer Überbau zum Thema "Kampf gegen irreguläre Kräfte" dient die Lage "Dolichenus", die in einer der nächsten Ausgaben des TRUPPENDIENST vorgestellt wird.


Autor: Hauptmann Mag. (FH) Christian Deutinger, Jahrgang 1979, 1997 zur 2. Lehrkompanie/Korpskommando II in Salzburg eingerückt, 1999 bis 2002 Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie, Waffengattung Fliegerabwehr ("Mistral"); Ausmusterung zum Panzerstabsbataillon 4; Verwendung als stellvertretender Kommandant und Kommandant der leichten Fliegerabwehrlenkwaffenbatterie; 2004 bis 2005 Auslandseinsatz bei AUTCON 11/KFOR als Zugskommandant; 2007 bis 2008 Kommandant der Lehrkompanie Freistadt; 2008 Auslandseinsatz bei AUCON 18/KFOR als Chief Recce Cell und Military Security Officer in der G2 Division der Multinationalen Task Force South in Prizren, 2011 als Media Analysis Officer im HQ Press Office bei EUFOR "Althea"; seit 2009 Leiter der Fachabteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation im Kommando/4. Panzergrenadierbrigade.

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