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Waffen der Feldjäger

In der Zeit der Aufstellung der Deutschen Bundeswehr bereitete die Beschaffung von Waffen große Probleme. Erst mit dem Aufbau der Bundeswehr gegen Ende der 1960er Jahre und einer eigenen Waffenfertigung nahm die Qualität der Bewaffnung im Zuge der gewandelten Aufgaben ständig zu.

Im November 1945 verboten die Alliierten die Waffenproduktion in Deutschland. Aufgrund der Direktive Nr. 16 rüsteten die Siegermächte die Polizei in ihren Besatzungszonen mit Waffen aus eigener Fertigung aus. Wenn dies quantitativ nicht ausreichte, kamen Gewehre und Pistolen aus anderen Staaten hinzu. So steckten in den Holstern der deutschen Ordnungshüter amerikanische, britische und französische, aber auch belgische und spanische Handfeuerwaffen.

Schritt für Schritt erhielt die Bundesrepublik ihre politische Souveränität. Als im Frühjahr 1951 der Bundesgrenzschutz aufgebaut wurde, durften immer noch keine Militär- und Polizeiwaffen in Westdeutschland produziert werden. Allerdings hatte die Bonner Regierung das Recht, für die Grenzschützer die Waffen zu beschaffen, die als geeignet erschienen - wenn sie für die notorisch in finanziellen Nöten steckende Bundesrepublik bezahlbar waren.

Zwar lockerten die Siegermächte seit dem Herbst 1952 die restriktiven Bedingungen für die Waffenproduktion in Deutschland, aber im Mai 1955, als die Bundesrepublik ihre volle staatliche Souveränität erhielt, unterlag die Waffenfertigung immer noch Beschränkungen. So kam es, dass ein Jahr später für die Erstausrüstung der Soldaten der Bundeswehr bei Weitem nicht genügend deutsche Waffen zur Verfügung standen.

Bewaffnung der Feldjäger

Dieser Umstand spiegelte sich besonders bei den Feldjägern wider. Die Ausrüstung der deutschen Militärpolizisten war ein buntes Sammelsurium von meist aus amerikanischer Produktion stammenden Waffen. Viele Feldjäger führten im Jahr 1956 Pistolen des Herstellers Colt, Modell 1911, im Kaliber .45 ACP in der dazugehörenden US-Pistolentasche. Ihre Gewehre waren Canadian-Rifle oder amerikanische Selbstladekarabiner des Typs M 1. Für besondere Akzente sorgten die Bundesgrenzschützer. Als diese mehrheitlich im Frühsommer 1956 zur Bundeswehr wechselten und nicht wenige zu den Feldjägern kommandiert wurden, brachten sie zum Teil ihre bisherigen Dienstwaffen mit. So kam die spanische Astra 600/43 im Kaliber 9 mm x 19 in die Bundeswehr. Einziger Lichtblick im Arsenal der Feldjäger waren die ebenfalls von den Grenzschützern mitgebrachten, legendär präzise gefertigten Schweizer Industrie Gesellschaft-(SIG)Pistolen, Modell 210, die in der Schweiz produziert worden waren. Nur am Rande sei bemerkt, dass der Bundesgrenzschutz (BGS) im Jahr 1952 für jede SIG-Pistole 225 D-Mark bezahlte. Für diesen stattlichen Betrag hätten die Grenzschützer drei Astra-Pistolen bekommen.

Bereits nach kurzer Zeit verschwand die Vielfalt aus den Arsenalen der Feldjäger, als sie eine Pistole erhielten, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelt worden war.

Die Pistole P 38/P 1

Aufgrund des Produktionsverbotes beschäftigte sich manche deutsche Waffenschmiede in den ersten Jahren nach Kriegsende mit ganz anderen Produkten. Die Firma Carl Walther fertigte zunächst Büromaschinen, später Sportwaffen und Zubehörteile für die in Lizenz bei Manurhin in Frankreich gefertigten Walther-Pistolen. Da stets der Kontakt zu den politischen Stellen gepflegt wurde, erteilte das deutsche Bundesinnenministerium dem Inhaber der mittlerweile nach Ulm umgezogenen Firma den Auftrag, die für den Bundesgrenzschutz beschafften spanischen Astra-Pistolen, Modell 600/43, zu begutachten. Insbesondere wollten die Ministerialbeamten wissen, wie viel diese im Jahr 1951 beschafften Pistolen drei Jahre später noch wert seien. Carl Walther nutzte die Gelegenheit zur Eigenwerbung: "Als Erfinder und Hersteller der bekannten Selbstladepistolen System ‚Walther’ (...) geben wir nachstehende gutachtliche Äußerung ab", schrieb er am 11. Mai 1954. Er kam zu dem Ergebnis: "Den heutigen Wert der Pistole Astra, Modell 600/43, festzustellen, ist außerordentlich schwierig; er dürfte je nach Marktlage keinesfalls über DM 50,- liegen". Vier Jahre zuvor hatte die Bundesregierung 79 Mark pro Astra-Pistole bezahlt.

Mit dem Aufbau der Bundeswehr stand die Firma Walther als Waffenproduzent bereit. Dennoch dauerte es bis 1958, ehe die ersten P 38, die im Jahr 1963 in P 1 umbenannt wurden, zur Truppe kamen. Einiges wurde an der P 1 neu gestaltet, so das Leichtmetallgriffstück und das Rohr, das nicht mehr aus einem Stück gefertigt wurde, sondern aus einem Laufträger mit eingesetztem Futterlauf bestand. Die Form des Schlagbolzens wurde verändert und die Griffschalen aus dem Kunststoff "Nobodur" gefertigt. Auch in den Folgejahren modifizierte Walther Teile der Waffe: Man veränderte die Form des Hahnes sowie die Einbauweise des Futterlaufs und verstärkte mehrfach den Verschluss der P 1, um so einer Dauerbelastung besser standzuhalten. Die Breite der beidseitig längs eingefrästen Spannrillen am hinteren Ende des Verschlussstückes wurde nahezu verdoppelt. So ließ sich die Waffe auch mit Handschuhen problemlos durchladen. Ab Mitte 1975 verstärkte ein sechskantiger Stahlbolzen das Griffstück, und der Rostschutz wurde verbessert.

Die Bereitschaftspolizei der Länder und der BGS führten die P 1 ein, und die Soldaten der Bundeswehr - auch die Feldjäger - waren mit der Waffe der Firma Walther aus Ulm ausgerüstet, deren Magazin acht Patronen im Kaliber 9 mm fasste. Dies galt in den 1960er Jahren als vollauf ausreichend.

Nach den ersten Terroranschlägen der Roten Armee Fraktion (RAF) Anfang der 1970er Jahre kam die Bewaffnung der deutschen Polizisten auf den Prüfstand. Die Schutz- und Kriminalpolizei war - im Gegensatz zur Bereitschaftspolizei - mehrheitlich mit den Modellen Walther PP und PPk (Polizei-Pistole Kriminal) bewaffnet. Beide verschossen Munition im Kaliber 7,65 mm Browning, die bereits zu Beginn der 1970er Jahre als zu leistungsschwach galt.

Für die Landespolizisten wurden daher nach langwierigen Prüfverfahren vier neue Pistolenmodelle im deutlich leistungsstärkeren Kaliber 9 mm x 19 beschafft. Es handelt sich dabei um die P 5 von Walther, die P 6 von SIG-Sauer, die P 7 von Heckler & Koch, und die saarländischen Ordnungshüter erhielten die ebenfalls in Oberndorf produzierte P 9. Für die meisten Bundeswehrsoldaten änderte sich nichts; sie behielten ihre P 1. Dies galt auch für die meisten Feldjäger, mit einigen Ausnahmen.

Die Pistole P 7

Die alten Polizeipistolen hatten eines gemeinsam: PP, PPk und P 1 waren nicht schnell genug in den Anschlag zu bringen. Das hatte mehrere Ursachen. Die Pistolen steckten in Holstern, die Kindergartentäschchen ähnelten. Darin waren sie rundum geschützt. Wollte man die Waffe ziehen, musste zunächst eine Schnalle oder ein Steckschnappverschluss geöffnet werden. Je nach Pistolenmodell verfügten die Taschen über weitere Sicherungen mit Druckknopf oder Lederriemchen. Ein Hemmnis der besonderen Art stellte die kompliziert zu bedienende Sicherung dar, über die alle diese Pistolen verfügten. Da nach der Vorschrift der Sicherungshebel stets auf "gesichert" zu stellen war, brauchte der Schütze mehrere Handgriffe, bevor er mit seiner Pistole schießen konnte.

Bei der Suche nach einer neuen Polizeipistole stand Mitte der 1970er Jahre deren Sicherheit ganz oben auf der Liste der Erfordernisse. Es sollte alles vermieden werden, was, wie auch immer, eine unbeabsichtigte Schussabgabe zur Folge haben konnte. Daher schrieb das Pflichtenheft für die zukünftige Polizeipistole vor, dass alle Sicherungen automatisch greifen sollten. Es war zudem eine einfache Bedienung gefordert, die gerade in Stresssituationen Fehler ausschließen sollte. Während Walther mit der P 5 an Althergebrachtem festhielt und auch SIG-Sauer auf eine Modifizierung bestehender Fertigungen setzte, ging Heckler & Koch einen ganz anderen Weg.

In Oberndorf arbeitete der Konstrukteur Helmut Weldle an einer neuen Polizeipistole, der P 7. Deren hervorstechenden Merkmale waren ein Polygonlauf, also ein Lauf ohne Züge und Felder, ein besonderer Masse-Verschluss und ein Griffspanner. Die P 7 war vergleichsweise klein und leicht. Sie ließ sich blitzschnell in ihre Hauptbestandteile zerlegen, und die Reinigung der Waffe war wenig zeitaufwändig. Das Potenzial dieser neuen Waffe erkannten viele: Die Länder Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen rüsteten ihre Polizisten mit der P 7 aus. Und nicht zuletzt avancierte sie zur Dienstwaffe der Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9), was seine eigenen Ursachen hatte.

Die im Jahr 1972 gegründete Anti-Terror-Einheit des Bundesgrenzschutzes hatte an der Entwicklung der P 7 aktiv mitgearbeitet. Zeitweise waren mehrere Männer und der Waffenmeister der Truppe sogar für einige Monate in Oberndorf und begleiteten die Entwicklung der neuen Pistole. Im Urteil des Gründers und ersten Kommandeurs der GSG 9, General a. D. Ulrich K. Wegener, war es eine "revolutionäre Waffe", die "absolute Zuverlässigkeit mit Handlichkeit und schneller Einsatzbereitschaft" verband. Dass später von manchen Beobachtern die acht Patronen im Magazin der P 7 als Mangel angesehen wurden, kann Wegener nicht nachvollziehen. Seiner Meinung nach reicht dies im normalen Polizeieinsatz und ebenso im Einsatz einer Spezialeinheit aus. Für ihn ist schnelle Schussbereitschaft wichtiger und die Magazinkapazität zweitrangig, da der erste und zweite Schuss treffen müssen.

Die Feldjäger führten die P 7 im Personenschutz. Gerade bei dieser Aufgabe kommt es darauf an, dass die Waffe möglichst klein und leicht ist, sowie unauffällig am Körper getragen werden kann und dennoch ein leistungsfähiges Kaliber verschießt.

Die Pistole P 8

In den späten 1980er Jahren begann Heckler & Koch mit der Arbeit an einer neuen Militär- und Polizeipistole, der "Universal Selbstlade Pistole" (USP). Mit der USP ging die Firma einen neuen Weg. Wo immer möglich, wurde Stahl durch Kunststoffe ersetzt. An den besonders beanspruchten Stellen - wie am Griffstück - wurde das Polyamid durch ein aufwändiges Verfahren mit Metallpartikeln vermischt. Dieses neue Material senkte im Vergleich mit einer Ganzstahlwaffe die Kosten. Aus demselben Grund wählten die Konstrukteure als Verschlussprinzip weder einen Rollenverschluss, wie bei der Pistole P 9, der MP 5 und dem Gewehr G 3, noch einen gasgebremsten Masseverschluss wie bei der P 7. Sie gingen zurück auf das nach John Moses Browning benannte Verschlussprinzip. Dessen Schwächen glichen sie aus, indem sie die bei dem Browning-System auf den Verschluss und das Gehäuse einwirkenden Kräfte durch zwei um die Federstange gewundene ineinanderliegende Federn bändigten. Den polygonalen Lauf behielten sie jedoch bei; zu viele Gründe - nicht zuletzt die problemlose Reinigung - sprachen für ihn. In die Bundeswehr kam seit Mitte der 1990er Jahre die 15-schüssige P 8. Zunächst wurden die Kampfschwimmer und das Kommando Spezialeinsatzkräfte (KSK) damit ausgerüstet. Wenig später wurden auch die Feldjäger mit der neuen Pistole ausgestattet.

Auch künftig werden sich deutliche Parallelen in der Bewaffnung der Zivil- und der Militärpolizei ergeben. Bei den Feldjägern ist die Erprobung einer Pistole abgeschlossen, die vor kurzem bei der Bundespolizei, beim Zoll, bei einigen Spezialeinheiten der Landespolizeien und bei vielen anderen Einheiten weltweit eingeführt wurde: Die zukünftige Pistole der Personenschützer soll die Heckler & Koch P 30 werden.

Das Gewehr G 3

Die Entwicklung der Polizei- und Militärpistolen weist deutliche Parallelen auf. Anders verlief die Bewaffnung der Feldjäger mit Langwaffen. Nach der Anfangsphase schaffte die Bundeswehr das in Belgien von der Firma Fabrique Nationale gefertigte G 1 an. Ende der 1950er Jahre wurde es durch das G 3 ersetzt. Dessen konstruktive Wurzeln liegen in dem in der Endphase des Zweiten Weltkrieges entwickelten Versuchsmodell "Sturmgewehr 45". Ausgehend von dieser Basis wurde das Gewehr seit den späten 1940er Jahren bei der Firma CETME in Spanien und dann seit der Gründung der Bundeswehr bei Heckler & Koch in Oberndorf produziert. Fast zwei Millionen Exemplare fertigte Heckler & Koch, und eine nicht genau feststellbare Anzahl wurde meist mit Lizenz, manchmal aber auch ohne Erlaubnis des Originalherstellers, in vielen Ländern der Erde gefertigt. Die Waffe ist insbesondere durch zwei Konstruktionsmerkmale zu charakterisieren. Sie ist ein automatischer Rückstoßlader und verfügt über einen Rollenverschluss. Darüber hinaus ist sie kostengünstig herstellbar und verschießt das leistungsstarke, auch auf weite Schussdistanzen noch wirksame Kaliber 7,62 x 51 mm. Als Scharfschützenwaffe war das G 3 kaum geeignet. Daher entschieden sich die Feldjäger, nachdem sich ihre Aufgaben in den Auslandseinsätzen - insbesondere auf dem Balkan - grundlegend wandelten, für ein anderes Scharfschützengewehr, das auch andere Spezialeinheiten der Bundeswehr - etwa das KSK - verwenden. Dieses G 22 im Kaliber .300 Winchester Magnum ist ein Repetiergewehr, das mit seiner reichhaltigen Ausstattung an die individuellen Bedürfnisse des Schützen angepasst werden kann.

Das Gewehr G 36

Nachdem unter anderem in den USA, in Frankreich, Großbritannien und Belgien bereits Jahre zuvor Militärgewehre im Kaliber .223 eingeführt worden waren, ging auch Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre diesen Weg. Bei Geschossen gilt, dass ihre Wirkung im Ziel ganz wesentlich durch die Geschwindigkeit beim Auftreffen und ihr Gewicht bestimmt wird. An der Geschoßform kann bei einem Militärprojektil nicht viel verändert werden. Nach wie vor gilt die im Jahr 1907 beschlossene Haager Landkriegsordnung. Darin ist im Artikel 23 unter Punkt "e" aufgelistet, was bei Feindseligkeiten unter Staaten untersagt ist: "Der Gebrauch von Waffen, Geschoßen oder Stoffen, die geeignet sind, unnötig Leiden zu verursachen." Somit kommt bei militärisch verwendeten Geschossen der Auftreffenergie im Ziel eine besondere Bedeutung zu. Nach 300 Metern Flug fällt der Vergleich zwischen einem Projektil im Kaliber .223 und einem 7,62 x 51 mm eindeutig aus. Während es das kleine Geschoß auf etwa 600 Joule bringt, ist es beim größeren rund drei Mal so viel. Dies spricht aber nur auf den ersten Blick für das größere Geschoß. Für Polizisten - und auch für Militärpolizisten - ist die große Schussdistanz die Ausnahme, abgesehen von den Präzisionsschützen, die mit dem G 22 ausgerüstet sind. Die Feldjäger brauchen beim Einsatz im Personenschutz, bei Zugriffen oder im militärischen Ordnungsdienst Waffen, die auf relativ geringe Distanz viel Feuerkraft bieten. Somit brachte gerade für diese Truppe der Wechsel zu kleineren Kalibern keine praktischen Nachteile. Dieser Zusammenhang wird auch bei den Maschinenpistolen deutlich.

Die Maschinenpistole MP 5

Die Waffe für Spezialeinheiten schlechthin war über Jahrzehnte hinweg eine Maschinenpistole, die MP 5.

Heckler & Koch entwickelte das Modell seit dem Jahr 1963. Es wurde von Beginn an für die Bedürfnisse des Bundesgrenzschutzes konzipiert, der damals noch das wenig geeignete Modell 38/49 bzw. die modifizierte 38A/49 der italienischen Firma Beretta führte. Heckler & Koch brachte, nachdem die MP 5 seit den späten 1960er Jahren beim Bundesgrenzschutz, den Bereitschaftspolizeien und in vielen Landespolizeien eingeführt war, in rascher Folge immer neue Versionen der Waffe auf den Markt. Nach der festen Schulterstütze kamen unterschiedliche einschiebbare Varianten. Bald wurde die schallgedämpfte MP 5 SD gebaut, und der Schütze konnte durch einen Feuerwahlhebel zwischen Einzel-, Dauerfeuer oder 3-Schuss-Salven wählen. Für den Einsatz der Spezialkräfte wurde die MP 5 in mehreren Schritten verkürzt, bis schließlich die außerordentlich kurze MP 5k konstruiert wurde. Die MP 5 war seit den späten 1970er Jahren das Synonym für Eliteeinheiten der Polizei und des Militärs: Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) und Special Air Service (SAS), Groupe d’Intervention de la Gendarmerie Nationale (GIGN) und Federal Bureau of Investigation (FBI), ja sogar Spezialeinheiten der ehemaligen DDR und der UdSSR, konnten auf die MP 5 zurückgreifen. In der Bundeswehr kamen die unterschiedlichen Modelle zu den Kampfschwimmern, den Fernspähern und zum KSK. Die Feldjäger erhielten die Waffe ebenso. Für die Verwendung im Personenschutz wurde die MP 5k zur Tarnung in eine Aktentasche oder in einen Koffer gepackt. Manche Varianten waren so konstruiert, dass aus dem geschlossenen Koffer heraus gefeuert werden konnte, bei anderen konnte nach dem Druck auf eine Taste im Tragegriff die Waffe vom Koffer getrennt werden.

Nach über 40 Jahren Verwendung bei den Spezialeinheiten treten an ihre Stelle zunehmend Waffen, die deutlich kleinere Projektile verschießen.

Die Maschinenpistole MP 7

Die Bundeswehr setzt auf die MP 7.

Die Wurzeln dieser Waffe liegen in den 1990er Jahren. Damals kam in der NATO die Forderung auf, eine Waffe zu bauen, die sich durch folgende Merkmale auszeichnet: klein, handlich, leicht bedienbar; große Feuerkraft sowie eine Reichweite zwischen Maschinenpistole und Gewehr.

Als Produktkürzel wurde PDW gewählt, was aufgelöst und ins Deutsche übersetzt "persönliche Verteidigungs-Waffe" bedeutet. Zu Anfang des 21. Jahrhunderts erhielt die Waffe ihren heutigen Namen: MP 7. In der Bundeswehr führten zunächst wiederum die Spezialeinheiten diese Waffe ein, die kaum größer als eine Pistole ist. Kurze Zeit nach KSK, Kampfschwimmern und Fernspähern erhielten die Feldjäger die MP 7, die für viele die "Eier legende Wollmilchsau" ist; denn in ihr vereinigt sich (fast) alles, was ein Soldat in den Einsätzen der Gegenwart braucht. Sie verschießt Patronen des Kalibers 4,6 x 30 mm. Das heißt, diese Geschosse sind nur um Haaresbreite dicker als Luftgewehrkügelchen. Je nach Verwendungszweck stehen für den militärischen Einsatz Hartkern- oder Vollmantelweichkerngeschosse zur Verfügung. Die erstgenannte Variante durchschlägt auf eine Distanz von 50 Metern eine neun Millimeter dicke Stahlplatte (St 37) glatt. Mit dem weichen Kern wird hingegen beim Auftreffen auf das Ziel deutlich mehr Energie in kürzerer Zeit abgegeben. Die so genannte "Mann-Stopp-Wirkung" dieses Projektils ist also höher. Bei einem Schuss in Gelatine, womit der Treffer auf einen menschlichen Körper simuliert wird, bringt das für das Militär zugelassene Weichkern-Projektil bei einer Eindringtiefe von 15 Zentimetern ziemlich genau die dreifache Energieabgabe eines 9-mm-Vollmantelgeschosses. Gleichzeitig sinkt die Hintergrundgefährdung deutlich. Es kommt hinzu, dass der Rückschlag beim Verschießen der 4,6-mm-Patronen mehr als 50 Prozent geringer ist als bei einer 9-mm-Para.

Fazit

Die Feldjäger erkannten bereits vor Jahren, wie wichtig neben geeigneten Waffen eine hervorragende Schießausbildung ist. Daher trainieren die Personenschützer bereits seit langer Zeit effektiv für den Ernstfall. Da mittlerweile der Ernstfall für alle Soldaten der Bundeswehr im Einsatz gegeben ist, wurde im Sommer 2011 eine neue Form der Schießausbildung für alle Soldaten beschlossen. Es wird aber noch bis zum Jahr 2013 dauern, bis alle deutschen Soldaten nach dem neuen Konzept ausgebildet sein werden.


Autor: Dr. Reinhard Scholzen, Jahrgang 1959. Nach dem Abitur Wehrdienst (Obergefreiter). 1980 bis 1986 Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Trier; danach wissenschaftlicher Mitarbeiter und 1992 Promotion. 1993 bis 1994 Ausbildung zum Public Relations (PR) Berater; seit 1994 für den Bundesgrenzschutz-Verband, der späteren Bundespolizeigewerkschaft, in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Zahlreiche Veröffentlichungen über Spezialeinheiten der Polizei und des Militärs: GSG 9 (1997), SEK (2000), Personenschutz (2001), Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (2004), BGS (2006), Division Spezielle Operationen der Bundeswehr (2009), Feldjäger (2010), Die Infanterie der Bundeswehr (2011) und zuletzt ein Buch über die Heeresaufklärung.

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