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Das Edelweiß - Alpenblume mit Symbolkraft

Kaum eine andere Blume hat eine derartige Symbolkraft wie das Edelweiß. Ihr unwirtlicher Lebensraum ist Teil des militärischen Gefechtsfeldes. Seit jeher hat daher das Edelweiß im Österreichischen Bundesheer eine hohe symbolische Bedeutung.

Ungezählt sind die Lieder und Erzählungen über die wohl bekannteste und charakteristischste Alpenblume - das Edelweiß. Der kleine Korbblütler, von den Botanikern "Leontopodium alpinum" genannt, ist ein wahrer Spezialist der Anpassung an die raue Natur des Hochgebirges. In Felsspalten und auf steinigen Hängen weit oberhalb der Waldgrenze trotzen die dicht behaarten Stauden des Edelweiß Stürmen und unglaublichen Temperaturunterschieden, die 60 Grad und mehr betragen können. Die Standorte des Edelweiß sind zumeist schroffe, kaum zugängliche Lagen. Kein Wunder also, dass es seit langem als Beweis besonderen Mutes und Geschickes angesehen wird, diese Blume zu pflücken, an den Hut zu stecken oder der Angebeteten zu verehren. Unzählige, oft tragisch endende Geschichten ranken sich um solche Mutproben. Manches Lied und manches Marterl in den Bergen erinnert heute an verwegene "EdelweißBrocker", die ihr Leben ließen, um die begehrten Blüten zu pflücken.

Mit dem aufkommenden Bergtourismus Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Edelweiß bald auch zum Abzeichen der Alpinisten schlechthin. Als Emblem alpiner Vereine wie des Deutschen und Österreichischen Alpenvereines (DÖAV) sowie als Souvenir wurde das Edelweiß rasch populär. Die symbolhafte Beziehung zwischen trutziger Alpenpflanze einerseits, Gewandtheit und Schneid des sie Erobernden andererseits, mag ein Beweggrund dafür gewesen sein, weshalb das Edelweiß als besonderes Abzeichen des Gebirgsjägers seinen Weg vom Felsvorsprung an die Kappe des Soldaten gefunden hat.

Edelweiß in der k.u.k. Armee

Aufgrund der kaiserlichen Entschließung vom 3. Juni 1907 wurde mit Zirkularverordnung vom 5. Juni 1907 genehmigt, dass die Offiziere des Soldatenstandes und die Mannschaft der k.k. Landwehr-Gebirgstruppe als besonderes Abzeichen ein silberfarbenes Edelweiß am Kragen und den Spielhahnstoß als Federschmuck an der linken Seite der Kappe zu führen haben. Das Kragen-Edelweiß wurde für Mannschaften und Unteroffiziere aus Metall gestanzt, für sämtliche Offiziere auf grasgrünem Egalisierungstuch in Silber gestickt. Beim silberfarbenen Mannschafts-Edelweiß war der innere Teil der Blüte mit einem vergoldeten, aus Tombak geprägten Blättchen überdeckt. Das Edelweiß-Abzeichen war, sofern Distinktionssterne zustanden, hinter diesen aufzunähen.

Am 8. August 1914 stiftete Erzherzog Joseph Ferdinand, der Kommandant des k.u.k. XIV. Korps, für alle Angehörigen dieses Korps das Edelweiß als Kappenabzeichen. Zum k.u.k. XIV. Korps gehörten die Truppen und Verbände der k.u.k. Wehrmacht (also einschließlich der k.k. Landwehr) aus den damaligen Kronländern Tirol (mit Vorarlberg), Salzburg und Österreich ob der Enns. Ursprünglich bestand dieses Kappenabzeichen nur aus der Edelweiß-Blüte ohne Stiel. Das Abzeichen war aus Eisenblech gestanzt, die Trugdolden in der Mitte aus Messingblech mittels zweier Splinte am Abzeichen befestigt. Den äußeren Blütenstern bildeten zwölf (davon zwei auffallend kurze) Hochblätter, an der Rückseite befand sich eine Sicherheitsnadel. Das Abzeichen wurde an der linken Kappenseite getragen.

Die Befugnis zum Führen des Edelweiß-Kappenabzeichens scheint aber anfangs unklar gewesen zu sein, insbesonders ob auch nach der Stiftung des Edelweiß-Abzeichens aufgestellte Truppen und Verbände des k.u.k. XIV. Korps dazu berechtigt waren. Auf eine diesbezügliche Anfrage des Ersatzbataillons des k.k. Landwehr-Infanterieregimentes Linz Nr. 2 wurde diesem jedoch mit Erlass des k.k. Landesverteidigungsministeriums vom 22. Juni 1915 ausdrücklich das Tragen des Edelweiß-Abzeichens gestattet. Ein Kuriosum am Rande war, dass das Ersatzbataillon des Landwehr-Infanterieregimentes Nr. 2 daraufhin das für Adjustierungsfragen zuständige Departement XII des Ministeriums um Zuweisung von 4 000 Stück Edelweiß-Abzeichen ersuchte, von diesem aber postwendend darauf hingewiesen wurde, das zwar das Tragen des Edelweiß-Kappenabzeichens, nicht aber das Tragen des für die k.k. Landwehr-Gebirgstruppen systemisierten Kragen-Edelweiß an der Kappe gestattet worden sei. Die Beschaffung des "Kappenschmuckes" war folglich selbst zu organisieren.

Bald bürgerte sich der Brauch ein, anstelle des 1914 gestifteten "Korpsabzeichens" das Kragen-Edelweiß der k.k. Landwehr-Gebirgstruppen an der linken Kappenseite (mit Stiel nach hinten zeigend) aufzunähen. Die Offiziere der Feld- und Gebirgsartillerie des k.u.k. XIV. Korps trugen das Edelweiß oft auf scharlachroter Tuchunterlage und Offiziere der Infanterie, Jägertruppe etc. häufig das gestickte Kragen-Edelweiß auf grasgrünem Tuch. Schließlich wurde mit Zirkularverordnung vom 27. November 1916 klargestellt, dass es sich beim Edelweiß-Abzeichen (Kappenemblem) um ein "Feldzeichen eines Korps" handle. Gleich anderen "besonderen Abzeichen" durfte es bei der Armee im Felde in und außer Dienst getragen werden, im Hinterland jedoch "nur auf Kriegsdauer und außer Dienst". In derselben Verordnung wird für die besonderen Abzeichen festgelegt, dass sie "nur auf der rechten Kappenseite" getragen werden dürfen - woran sich, wie aus den reichlich vorhandenen Bilddokumenten zweifelsfrei ersichtlich ist, kaum jemand gehalten hat. Das Edelweiß behielt seinen 1914 an der linken Kappenseite eingenommenen Platz - eben ein Symbol für Beharrlichkeit.

Symbolkraft

Das Edelweiß-Abzeichen trat während des Krieges in einer Vielzahl von Facetten auf. Zum einen wurde eine große Zahl patriotischer Edelweiß-Abzeichen produziert und sowohl im zivilen Bereich als Anstecknadeln, Hutembleme oder Broschen, auch beim Militär als "inoffizielle" Kappenabzeichen oder in Verbindung mit weiteren Darstellungen in Truppenabzeichen getragen. Zu alpinen "Streifkompanien" abkommandierte frühere Alpenvereinsmitglieder steckten bisweilen ihre Edelweiß-Abzeichen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DÖAV) an der Kappe an - entgegen der Vorschrift. Anders verhielt es sich bei den im Laufe des Krieges eingeteilten bzw. ausgebildeten Militärbergführern. Sie erhielten 1918 eine metallene Militärbergführer-Auszeichnung. Die aus gelbem Metall gefertigte Auszeichnung besteht aus einem senkrecht stehenden Eispickel, dessen gezähnte Spitze sowie die Haue silberfarben sind. Auf der Mitte des Schaftes des Eispickels ruht ein silberfarbenes Edelweiß mit goldfärbigen Trugdolden. Um das Edelweiß verläuft ein goldfärbiges, gewundenes Bergseil. Die Militärbergführer-Auszeichnung wurde an der linken Brusttasche der Feldbluse getragen.

Auch bei der Truppenkörperbezeichnung spielte das Edelweiß fallweise eine Rolle, welche die besondere Beziehung zur Bergwelt widerspiegelt. Neben dem "Edelweiß-Korps" (k.u.k. XIV. Korps) des Erzherzogs Joseph Ferdinand (später Roth-Limanowa) wurde im Verlauf des Ersten Weltkrieges auch eine "Edelweiß-Division" formiert. Sie bestand aus Kaiserjägern des 3. und 4. Regimentes, dem Salzburger Infanterieregiment "Erzherzog Rainer" Nr. 59 und dem oberösterreichischen Infanterieregiment "Großherzog von Hessen und bei Rhein" Nr. 14. 1918 kamen noch das niederösterreichische Infanterieregiment "Freiherr von Heß" Nr. 49 sowie kurz vor Kriegsende die neu aufgestellten k.u.k. Infanterieregimenter Nr. 107 und Nr. 114 hinzu. Sie alle zählten zur Elite der k.u.k. Armee und traten auch in entbehrungsreichen Zeiten verlässlich und tapfer für ihre Heimat ein.

Besondere Achtung erwarben sich die zuerst an der russischen Front, dann 1915 bis 1918 um ihre engere Heimat gegen Italien kämpfenden k.k. Landesschützen (seit 1917 "Kaiserschützen"), die aufgrund ihres Edelweiß-Emblems an Kragen und Kappe respektvoll "Blumenteufel" genannt wurden: eine Bezeichnung, die bereits 1914 für alle Soldaten des k.u.k. XIV. Korps in Galizien Verwendung fand. Gemäß geltenden Vorschriften bzw. Erlässen ergab sich bezüglich der Trageweise des Edelweiß schließlich folgendes Bild:

  • Edelweiß an der Kappe - k.u.k. XIV. Korps (Innsbruck);
  • Edelweiß an Kappe und Kragenparoli - k.k. Landesschützen (ab 1917 "Kaiserschützen");
  • Edelweiß nur am Kragenparoli: - k.k. Landwehr-Infanterieregimenter Nr. 4 und Nr. 27 (ab 1917 Gebirgsschützenregimenter Nr. 1 und Nr. 2).

Nach dem für Österreich-Ungarn verlustreichen Ausgang des Ersten Weltkrieges verschwand mit der k.u.k. Armee auch das alte Edelweiß-Abzeichen. Die eilig zum Schutze der jungen Republik aufgestellte "Volkswehr" brach bewusst mit den Traditionen der Monarchie, und das kurz darauf neu errichtete Bundesheer der Ersten Republik orientierte sich in der Uniformierung vorerst am deutschen Vorbild der "Reichswehr": Tellerkappen und Doppellitzen am Kragen. Immerhin waren aber die damals vorne an den Kappen getragenen Landeswappen von Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg von Edelweiß-Blüten umkränzt, womit wohl auch die Verbundenheit der jeweiligen Truppenkörper mit der heimatlichen Bergwelt zum Ausdruck kommen sollte.

"Neue" alte Traditionen

Erst 1933 besann man sich in Österreich der alten Tradition des k.u.k. Heeres. Mit der Neuuniformierung des Bundesheeres erschien auch das metallene (für Offiziere gestickte) Edelweiß wieder an der Kappe. Mit Verordnungsblatt des Bundesministeriums für Heereswesen vom 3. Juli 1933 wurde bestimmt, dass "alle Soldaten der Kommandos und Truppen in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg auf der linken Seite der Kappe das Edelweiß-Abzeichen zu tragen haben" - diesmal mit Stiel nach vorne gerichtet. Für das in der Tradition der ehemaligen k.k. Gebirgsschützen (seit 1917 offizielle Bezeichnung der beiden zu den k.k. Landwehr-Gebirgstruppen gehörigen Landwehr-Infanterieregimenter Nr. 4 und Nr. 27) stehende Kärntner Alpenjägerbataillon Nr. 1 und das Tiroler Landesschützenregiment, den Traditionstruppenkörper der ehemaligen k.k. Tiroler Kaiserschützen, wurde überdies das Kragen-Edelweiß in der bereits 1907 normierten Form wieder eingeführt. Die Verwendungsabzeichen der Heeresbergführer und Heeresbergführergehilfen zeigten ebenfalls ein Edelweiß.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen im März 1938 hörte mit der Republik Österreich auch das Bundesheer zu bestehen auf. Ein großer Teil desselben wurde freilich in die Deutsche Wehrmacht übernommen, Organisation und Uniformierung "angeglichen". Im Erlass des Bundesministeriums für Landesverteidigung ZI. 10.099-Ausb./1938 heißt es unter Punkt 3 b lapidar: "Der Federschmuck, das Jägerhorn und das Edelweiß-Abzeichen auf den Kappen sind abzulegen".

Edelweiß im Deutschen Heer

Als beim Kriegseintritt Italiens 1915 die Südwestgrenze Österreich-Ungarns fast völlig von kampferprobten Truppen entblößt war, entsandte der deutsche Bündnispartner das eilig aus gebirgstauglichen Soldaten vornehmlich bayerischer, württembergischer und preußischer Verbände zusammengestellte "Deutsche Alpenkorps" unter dem Kommando von Generalleutnant Krafft von Dellmensingen. Gemeinsam mit Gendarmen, der k.k. Finanzwache, den Tiroler Standschützen und den rasch formierten Marschbataillonen des k.u.k. Heeres sowie den k.k. Freiwilligen Schützen der österrei- chischen Alpenländer gelang es, den Italienern das Vordringen in die Monarchie weitestgehend zu verwehren. Das Landesverteidigungskommando Tirol gestattete 1915 zur Erinnerung an die vorbildliche Waffenbruderschaft den Angehörigen des damals an der Dolomitenfront eingesetzten Deutschen Alpenkorps ehrenhalber das Tragen des Edelweiß-Abzeichens an der Kopfbedeckung. Im Juni desselben Jahres erhielt das Alpenkorps vom Landesverteidigungskommando Tirol 20 000 metallene Edelweiß-Abzeichen überreicht. Das stängellose Edelweiß wurde von jenen Soldaten des Deutschen Alpenkorps, die 1915 an der Alpenfront gekämpft hatten, sowohl an der Feldmütze als auch gegebenenfalls am Helm - oberhalb der Kokarde - jeweils an der linken Seite der jeweiligen Kopfbedeckung getragen.

Anders als in Österreich-Ungarn, wo verschiedenste Kappenabzeichen - nicht immer ganz offiziell, aber geduldet - auf den Uniformkappen getragen wurden, verursachte das Anlegen des österreichischen Edelweiß-Abzeichens durch die Soldaten des Deutschen Alpenkorps, von den preußischen Zentralbehörden als "Eigenmächtigkeit im Anzuge, wie sie zum Schaden der Mannszucht vielfach jetzt in Erscheinung treten" eingestuft, einen geradezu unglaublichen bürokratischen Ablauf. Das Königlich Bayerische und das Königlich Preußische Kriegsministerium stritten sich darum, ob das Edelweiß als Verbands- oder als Kampfabzeichen zu werten sei. Die Soldaten im Felde trugen es derweilen offenbar einfach weiter. Die Schenkung des österreichischen Bündnispartners konnte man allerdings nicht zurückweisen, so dass der Deutsche Kaiser im September 1915 die "Verleihung" der Edelweiß-Abzeichen schließlich sanktionierte. Mit dem Ende des Deutschen Kaiserreiches aber verschwand das Edelweiß zunächst auch in Deutschland von den Uniformen, denn die Gebirgseinheiten der Reichswehr trugen kein entsprechendes Abzeichen. Trotzdem war das Edelweiß in Österreich, wie auch in Deutschland zum Inbegriff des Gebirgssoldaten geworden, ja es war geradezu das Symbol der Gebirgstruppe schlechthin. Als nach dem Anschluss Österreichs die Zahl der Gebirgsdivisionen der Deutschen Wehrmacht vermehrt worden war, wurde über einen Antrag von General der Gebirgstruppen Kübler mit Erlass des Oberkommandos des Heeres vom 2. Mai 1939 das Edelweiß-Abzeichen für die Gebirgstruppen erneut eingeführt.

Dieses Kappenabzeichen gab es in zwei verschiedenen Ausführungen: als stengellose Blüte aus altsilberfärbigem Metall für die Tellerkappe (zwischen Hoheitsabzeichen und Kokarde zu tragen) und in größerer Ausführung mit Stiel an der linken Seite der Bergmütze (mit nach vorne gerichtetem Stiel). Zusätzlich trug die Gebirgstruppe der Deutschen Wehrmacht am rechten Oberarm von Feldbluse, Waffenrock und Mantel ein ovales, gewebtes (für Offiziere gesticktes) Edelweiß-Abzeichen mit Umrandung in Form eines gewundenen Bergseiles. Zehn Gebirgsdivisionen haben im Zweiten Weltkrieg unter dem Zeichen des Edelweiß gekämpft.

Auch die Gebirgstruppen der bis 1945 existierenden slowakischen Streitkräfte trugen ein Kappenemblem ähnlich dem Kragenabzeichen der altösterreichischen k.k. Landwehr-Gebirgstruppen sowie die ungarischen Gebirgssoldaten ein stängelloses Edelweiß-Emblem an der linken Kappenseite. Auf die Verwendung von Edelweiß-Abzeichen bei Parteiformationen oder als Verbandsabzeichen kann hier aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verschwand das Edelweiß als Uniformbestandteil aus der Armee. Ausnahme: In der Schweiz hatte sich das Edelweiß mittlerweile ebenfalls als Uniformattribut etabliert. 1938 wurden zur Verstärkung des Grenzwachtkorps freiwillige Grenzschutzkompanien gebildet, die sich aus Armeeangehörigen rekrutierten. Die Kompanie 13 (Rheintal) trug nach österreichischem Vorbild kurzzeitig ein gesticktes Edelweiß-Abzeichen an der linken Mützenseite. Außerdem trugen bis 1979 die Bergführer des schweizerischen Grenzwachtkorps auf den Ärmelpatten ein gesticktes Edelweiß: silbergrau auf schwarzem Grund. Die Kragenspiegel der Generalstabsoffiziere und die am Ärmel zu tragenden Spezialistenabzeichen für Alpinoffiziere und Bergführer des Schweizerischen Bundesheeres zeigen auch heute noch ein stilisiertes Edelweiß, was noch an die lange alpine Tradition erinnert.

Wiedereinführung in Österreich

Während der Jahre der alliierten Besatzung blieb Österreich die Aufstellung eigener Streitkräfte verwehrt. Immerhin konnten ab 1952 in der B-Gendarmerie die Kader einer zukünftigen eigenen Armee formiert werden. Der Natur des Landes entsprechend, wurde damals bereits eine Alpinausbildung durchgeführt. Die dafür herangezogenen Spezialisten der Gendarmerie verwendeten das symbolträchtige Edelweiß, allerdings nicht an der Kappe: Das gemäß Uniformvorschrift für die Österreichische Bundesgendarmerie von 1952 normierte "Dienstabzeichen" für Gendarmeriealpinisten und -hochalpinisten bestand aus einem stilisierten Eispickel und einem darüber gelegten Bundeswappen - von Edelweiß-Blüten umkränzt - und wies damit eine deutliche Ähnlichkeit mit der Militärbergführer-Auszeichnung der k.u.k. Armee von 1918 auf.

Mit Erlangung der vollen staatlichen Souveränität Österreichs konnte 1955 das Österreichische Bundesheer wieder aufgestellt werden. Schon 1956 bestimmte das Bundesministerium für Landesverteidigung (BMfLV), dass alle Soldaten und Kommandos, Truppen und Anstalten (ausgenommen der Luftstreitkräfte) in der Steiermark, in Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarl- berg an der linken Seite der Kappe ein Edelweiß aus weißem Metall zu tragen haben. Damals kam dafür nur die Feldkappe in Frage, da Tellerkappen, außer bei den Luftstreitkräften, erst 1964 allgemein eingeführt worden sind. Dieses Edelweiß-Abzeichen ist in Größe und Ausführung gegenüber dem altösterreichischen Vorbild etwas modifiziert, wird aber nun wieder, wie in der k.u.k Armee, mit Stiele nach hinten zeigend, getragen. Die Kontinuität einer für das Gebirgsland Österreich typischen Tradition konnte somit gewahrt werden.

Bundeswehr und Edelweiß

Im selben Zeitraum war in der Bundesrepublik Deutschland die Bundeswehr entstanden. Ihre junge Gebirgstruppe bediente sich 1956 zunächst inoffiziell der Edelweiß-Abzeichen aus Restbeständen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht. 1957 führte das Bundesverteidigungsministerium das Edelweiß-Abzeichen schließlich offiziell wieder ein, und zwar in leicht modifizierter Version: metallene Edelweiß-Blüte mit Stiel für die Bergmütze und gewebte Blüte mit einfacher weißer Umrandung im Oval auf grünem Tuch für den rechten Oberärmel von Rock, Feld/Schibluse und Mantel. 1962 erhielt das Ärmelabzeichen eine doppelte Umrandung, wobei die Farbe des äußeren Ovals die Zugehörigkeit zu den einzelnen Brigaden bzw. Divisionstruppen der l. Gebirgsdivision angibt. Diverse Truppenkörperabzeichen und das Heeresbergführer-Abzeichen der Deutschen Bundeswehr, als gewebtes Stoffabzeichen auf der rechten Brustseite getragen, zeigen die Edelweiß-Blüte (für Heeresbergführer: auf gekreuzten Pickeln, umgeben von einem Bergseilkranz).

Bundesheer und Edelweiß

Das Edelweiß-Kappenabzeichen, das zum Inbegriff des Gebirgssoldaten geworden ist, wird seit 1956 in Deutschland und Österreich (mit kurzer Unterbrechung 1975 bis 1978) wieder verwendet. Darüber hinaus hat im Österreichischen Bundesheer das Edelweiß als Symbol der Bergverbundenheit weite Verbreitung gefunden. So z. B. kennzeichnete ein Edelweiß die Kraftfahrzeuge der 6. Jägerbrigade, es ziert(e) u. a. die Truppenkörper- bzw. Verbandsabzeichen des Korpskommandos II (bis 2002), der 6. Jägerbrigade, der Jägerschule Saalfelden, des Militärkommandos Vorarlberg, des Jägerbataillons 33 (JgB33), die Alpinabzeichen des Bundesheeres, das Flugretterabzeichen und das Abzeichen des Ausmusterungsjahrganges 1985 (Col di Lana) der Theresianischen Militärakademie Wiener Neustadt, um einige zu nennen. Die hohe Symbolkraft des Edelweiß findet auch in weiteren militärischen Aktivitäten Niederschlag: So hat die Militärpfarre Tirol eine "Aktion Edelweiß" zu karitativen Zwecken ins Leben gerufen. Der frühere Salzburger und nunmehrige Tiroler Militärkapellmeister Oberstleutnant Mag. Hannes Apfolterer hat einen dem seinerzeitigen II. Korps des Bundesheeres gewidmeten "Edelweiß-Marsch" komponiert, und der von der 6. Jägerbrigade 2004 initiierte militärische Extremwettkampf trägt die Bezeichnung "Edelweiß-Raid". Jene Gruppen durchtrainierter Hochgebirgssoldaten, die diesen Spezialbewerb für Gebirgstruppen bewältigen, erhalten ein eigens kreiertes Abzeichen, eine Edelweiß-Blüte mit Sturmgewehr 77 im ovalen Eichenlaubkranz.

Fazit

Im zivilen Bereich ist schon seit dem späten 19. Jahrhundert das Edelweiß nicht nur das unverzichtbare Emblem alpiner Vereine, sondern, in ähnlicher Form wie das vom österreichischen Bundesheer getragene Kappen-Edelweiß, auch an den Dienstmützen von Rotkreuzhelfern, Feuerwehrmännern oder Organen der Berg- und Naturwacht zu finden. Letztere tragen für die Einhaltung der naturschutzrechtlichen Vorschriften Sorge, die unter anderem auch der Bewahrung des bereits stark gefährdeten "echten" Edelweiß dienen. Ebenso, wie das Edelweiß der rauen Natur alpiner Höhen trotzt, wird das Edelweiß an den Uniformen der Soldaten vieler Armeen weiterhin Sinnbild für standhaften Verteidigungswillen sein.


Autor: Oberleutnant der Reserve Univ.-Lektor Oberforstrat Dipl.-Ing. Prof. Hermann Hinterstoisser, Jahrgang 1956, 1974 Einjährig-Freiwilliger beim Ausbildungsregiment 8 (AusbR8), Fernmeldeausbildung an der Fernmeldetruppenschule (FMTS), bis 1987 Fernmeldeoffizier/Jägerbataillon 24 (FMO/JgB24). Referatsleiter im Amt der Salzburger Landesregierung, unter anderem Vertreter Salzburgs im Österreichischen Nationalkomitee der Alpenkonvention. Autor zahlreicher militärhistorischer und uniformkundlicher Publikationen, Mitglied des Redaktionsstabes der militärhistorischen Zeitschrift "Pallasch", Mitarbeiter an diversen historischen Ausstellungen.

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