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Borodino und Stalingrad

Ein Vergleich der Strategien von Napoleon und Hitler

"Russlandfeldzug" hieß er auf der einen, "Vaterländischer Krieg" beziehungsweise "Großer Vaterländischer Krieg" auf der anderen Seite. Zum 200. Mal jährt sich heuer der Krieg Frankreichs gegen Russland mit seiner Schlacht von Borodino; zum 70. Mal wird der Schlacht um Stalingrad (heute: Wolgograd) während des Zweiten Weltkrieges gedacht.

Beide Treffen gingen als Entscheidungsschlachten der jeweiligen Feldzüge in die Kriegsgeschichte ein. Beide Treffen waren von enorm hohen Ausfällen an Truppen gekennzeichnet und markieren damit Wendepunkte in den Kriegsverläufen. In beiden Feldzügen gelang es nicht, Russland zu besiegen, und beide Angriffe auf Russland endeten mit der totalen Niederlage des Angreifers sowie der Zerstörung seines kurz zuvor aufgebauten Imperiums. Beide Imperien hatten den größten Teil Europas in ihrem Besitz, und beide Imperien hatten die Invasion der Britischen Inseln erwogen, sie jedoch zugunsten des Angriffes gegen Osten zurückgestellt. Es lohnt sich daher der Versuch eines strategischen Vergleiches zwischen diesen beiden 130 Jahre auseinanderliegenden Ereignissen, die sowohl hinsichtlich ihrer politischen als auch militärischen Ausprägungen große Ähnlichkeiten und Parallelen aufweisen.

Der europäische Raum und die Expansions­­bestrebungen seiner Völker

Betrachtet man die europäische Landmasse, ist festzustellen, dass sie im Norden, Westen und Süden von Meeren umgeben ist. Lediglich im Osten findet sich eine Landanbindung an Asien, weshalb der küstenreiche Kontinent auch als eine Halbinsel des asiatischen Festlandes (Eurasien) angesehen werden kann. Diese Festlandverbindung ist, je weiter der Weg nach Osten führt, geprägt von den riesigen, nahezu undurchdringlichen Waldgebieten der Taiga im Norden und der Kasachensteppe im Süden, die eine durchgehende Verbindung mit den bevölkerungsreichen Gebieten Asiens nicht so einfach erlauben. Lediglich die auf ihren genügsamen Pferden hochmobilen Steppenvölker, wie die Hunnen, Awaren, Ungarn und Mongolen, sind auf diesem Weg nach Europa gelangt. Sie wurden entweder hier sesshaft oder konnten sich aufgrund der großen Distanzen zu ihren Kernländern nicht halten.

Europa befindet sich daher in einer relativen Insellage, lediglich über zwei Einfallstore immer wieder überrascht durch die Völker des Südens: den Bosporus und die Straße von Gibraltar. Da sich aber hinter der nordafrikanischen Küste mit der Sahara bereits die größte Wüste der Welt in Ost-West-Richtung erstreckt, droht aus dem afrikanischen Raum nur wenig Gefahr.

In Europa selbst existieren unzählige Völkerschaften, von Kleinstgruppierungen mit eigener Sprache und Kultur, wie die Basken, die Sorben (westslawisches Volk, auch Wenden genannt; in der Lausitz, Brandenburg) oder die Samen (Lappen) bis hin zu den großen Völkergemeinschaften, die gemeinhin als die europäischen Großmächte bezeichnet werden können. Von ihnen gibt es sechs. Trotz der wechselvollen Geschichte, die sie in manchen Epochen größer werden ließ, in anderen wiederum auf ein Kleinstmaß reduzierte, bilden sie doch diejenigen Völkerschaften, welche die Geschichte dieser "Insel" maßgeblich geprägt haben und dies noch immer tun.

Bei genauerer Ansicht ihrer Lage im Raum ist festzustellen, dass vier von ihnen an der Peripherie und zwei im Zentrum Europas liegen, weshalb in weiterer Folge in strategischer Hinsicht von Zentral- und Peripheriemächten gesprochen wird. Die vier Ecktürme Europas bilden im Nordwesten die Britischen Inseln, im Südwesten der iberische Raum, im Südosten der byzantinisch-osmanisch-türkische Herrschaftsbereich und im Nordosten der russische Raum. In der Mitte finden sich der französische Einflussbereich in Westeuropa und der deutsche in Zentraleuropa. Damit wären die sechs europäischen Großmächte skizziert. Militärstrategisch betrachtet konfigurieren sich die beiden westlichen Peripheriemächte eher als Seemächte, die anderen vier haben sich vornehmlich als Landmächte ausgeprägt.

Alle anderen kleineren Völkerschaften sind entweder Teil dieser Großen oder in irgendeiner Weise über die geschichtlichen Epochen hinweg mit den Großen in Form eines Bündnisses oder als Vasall an diese gekoppelt. Dabei ist es durchaus schon vorgekommen, dass einzelne durch ihr plötzliches Aufwachsen unter geschickter Führung sich in der Nähe der europäischen Großmächte zu positionieren verstanden. Beispiele dafür sind Schweden im 16. und 17. Jahrhundert sowie Italien im 19. und 20. Jahrhundert.

Die Großmächte selbst haben es in ihrer nunmehr uns bekannten 1200- jährigen Geschichte Europas nach den großen Umwälzungen der Völkerwanderung nie verabsäumt, sich gegenseitig zu bekriegen. Stets war es das strategische Ziel, die jeweiligen Nachbarn durch geschickte Bündnispolitik von einem Angriff ihrerseits abzuhalten oder sie durch Beeinflussung des gegnerischen Staatsgefüges von innen heraus so zu schwächen, damit die Gefahr eines Angriffes nicht bestand. Signifikant ist seit der Zeit des Mittelalters das Drängen der Peripheriemächte gegen den Zentralraum, wie der Mauren auf die Iberische Halbinsel und weiter bis Tours und Poitiers (732), der Briten im Hundertjährigen Krieg (1337 bis 1453), der Osmanen in den Türkenkriegen sowie die Vorstöße der Völker aus der russischen Steppe. Dies deshalb, weil der Zentralraum in der ersten Entwicklungsphase als die tonangebende Größe im kulturellen, religiösen und intellektuellen Bereich gelten konnte.

Napoleons Weg nach Indien

Das änderte sich erst mit der Entdeckung neuer Welten und dem damit verbundenen Streben der Peripherieländer nach außen. Diese versuchten nun, ihr Hoheitsgebiet durch Aneignung von Gebieten in Übersee oder in den asiatischen Weiten zu vergrößern. Die beiden zentralen Mächte Frankreich und Deutschland (oder vormals das Heilige Römische Reich Deutscher Nation) sahen sich aus ihrer Position heraus benachteiligt. Zwar vermochte Frankreich eine gewisse maritime Macht zu etablieren, es konnte sich aber gegen die beiden westlichen Peripheriemächte nicht durchsetzen. Vor allem das in seiner maritimen Machtfülle anwachsende Großbritannien verhinderte das französische Expansionsstreben durch die Wegnahme seiner Kolonien in Nordamerika und Indien. Das Ende dieses ersten französischen Kolonialreiches datiert auf 1763. Die Vormachtstellung der französischen Flotte ging in den Schlachten von Abukir 1798 und Trafalgar 1805 an Großbritannien verloren. Auch das zu diesem Zeitpunkt mit Frankreich verbündete Spanien hatte bei Trafalgar seine maritime Macht endgültig verloren, Großbritannien war damit zum Herrn der Meere geworden (siehe dazu TD-Heft 2/2009, S. 109 ff., "Ein Weltkrieg zwischen Walcheren, Aspern und Cayenne.").

Hatte die iberische Peripheriemacht bereits gewaltig von ihren südamerikanischen Besitzungen profitiert, war nun Großbritannien an der Reihe, sich als wahre Großmacht zu etablieren. Durch die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten gingen für Großbritannien zwar große Teile Nordamerikas verloren, es wurde dafür aber mit dem unendlich reich scheinenden Indien, das man den Franzosen weggenommen hatte, belohnt. In dieser Zeit der Entdeckungen war vor allem auch Napoleon klar, dass eine künftige Großmacht, die Frankreich nach der Revolution wieder werden sollte, entsprechende wirtschaftliche Macht aufweisen wird müssen, um im internationalen Wettbewerb an vorderster Stelle mitspielen zu können.

Indien zu besitzen oder noch besser, es den Engländern wieder abzujagen, war für den Herrscher der Franzosen der sicherste Weg, die Macht Großbritanniens zu zerstören, wie er dies selbst formulierte.1) Nachdem die neuerliche Etablierung einer Seemacht kurzfristig nicht zu erreichen war, verblieb der Landweg nach Indien die einzige Alternative, wobei sich hier zwei Stoßrichtungen anboten: einmal über Nordafrika und Palästina nach Syrien und weiter über Persien nach Indien oder als nördliche Variante über Russland nach Persien und dann weiter nach Indien.

Für die Nordafrikavariante sprach zunächst, dass die Franzosen möglicherweise als Befreier vom osmanischen Joch empfangen werden würden und damit relativ einfach nach Indien gelangen könnten. Die Vernichtung der französischen Mittelmeerflotte bei Abukir und vor allem der hartnäckige Widerstand der türkischen und arabischen Truppen, die Napoleon entgegen seiner Ansicht nicht als Befreier, sondern als Ungläubigen sahen, sowie die zahlreichen Ausfälle in seinem Heer durch Pest und Hitze ließen ihn von einem Festhalten an der Eroberung des Nahen Ostens abgehen. An eine direkte Invasion Großbritanniens war vorerst aufgrund der geschwächten maritimen Position nicht mehr zu denken.

Als strategisch einfachere Lösung sah er die Niederwerfung Russlands, nachdem die maßgeblichen Mächte des deutschen Zentralraumes, also Öster-reich und Preußen, niedergerungen waren und als Verbündete zusammen mit dem Rheinbund Truppen für einen Krieg gegen Russland zu stellen hatten. Zudem sollte gegen Russland ein Zweifrontenkrieg eröffnet werden, der zwischen Napoleon und dem Schah von Persien im Vertrag von Finckenstein (Ostpreußen) 1807 besiegelt worden war. Demzufolge sollte Persien, das damals weit in die Kasachensteppe und die Kaukasusregion reichte, bei einem Sieg gegen Russland Georgien erhalten und einer französischen Armee den Durchmarsch nach Indien gestatten. Russland als Vasall hätte für diese Unternehmungen, wie die anderen Europäer auch, Truppen zu stellen gehabt. Zwar war dieser Vertrag 1809 wieder aufgehoben worden, da Persien sich über das inzwischen geschlossene Bündnis zwischen Frankreich und Russland erboste (aber Verträge lassen sich erneuern!). Außerdem stand Russland mit Persien seit 1804 ohnehin im Krieg, der letztendlich bis 1813 dauern sollte.

Der Weg musste zunächst nach Moskau führen, da Napoleon sich der Weite des Raumes durchaus bewusst war und die Russen als Verbündete oder Vasallen brauchte, um diese Anstrengung gegen Indien überhaupt unternehmen zu können. Es musste daher die russische Führung niedergeworfen und verpflichtet werden. Carl von Clausewitz schrieb hierüber:

"Das russische Reich ist kein Land, was man förmlich erobern, d. h. besetzt halten kann, wenigstens nicht mit den Kräften jetziger europäischer Staaten, und auch nicht mit den 500 000 Mann, die Bonaparte dazu anführte. Ein solches Land kann nur bezwungen werden durch eigene Schwäche und durch die Wirkungen des inneren Zwiespaltes. Um auf diese schwachen Stellen zu stoßen, ist eine bis ins Herz des Staates gehende Erschütterung notwendig. Nur wenn Bonaparte mit seinem kräftigen Stoß bis Moskau hinreichte, durfte er hoffen, den Mut der Regierung und die Treue und Standhaftigkeit des Volkes zu erschüttern. In Moskau hoffte er den Frieden zu finden, und dies war das einzige vernünftige Ziel, welches er sich bei diesem Kriege stecken konnte."2) War Moskau einmal erobert, konnte man auch mit der Unterstützung durch die Truppen des Zaren rechnen und mit der Armee entlang der Wolga nach Zarizyn, das später einmal Stalingrad heißen sollte, bis zum Kaspischen Meer gelangen. Dann wäre die Möglichkeit gegeben, über einen persischen Korridor vorzudringen, um in Nordindien einzufallen und diese reiche Kolonie den Engländern wieder zu entreißen.

Das Schicksal des französischen Russlandfeldzuges entschied sich in Borodino. Napoleon hatte die Entscheidungsschlacht gesucht mit dem Ziel, die russische Armee vernichtend zu schlagen, als Triumphator in Moskau einzuziehen und damit den Zaren auf seiner Seite zu verpflichten. Es gelang ihm zwar, die Schlacht insofern für sich zu entscheiden, als sich die Russen zurückziehen mussten - aber um welchen Preis! Die Russen hatten sich auch in ausweglosen Situationen nicht ergeben. Dies rührte aus den türkischen Kriegen her, wo in der Regel die gefangenen Gegner getötet wurden. Napoleon hingegen hatte den größten Teil seiner Kavallerie verloren. Es war ein Pyrrhussieg gewesen, falls man bei Borodino überhaupt von Sieg sprechen konnte. Er zog zwar in Moskau ein, aber die Russen wollten sich trotz dieses Verlustes nicht geschlagen geben, denn die russische Armee war keineswegs vernichtet worden. So wartete der Eroberer vergebens auf die Eröffnung von Verhandlungen. Die Taktik der verbrannten Erde, die vor allem in Moskau Anwendung fand, und die hinhaltenden Gefechte sowie die Nadelstichtaktik der Kosaken brachten Napoleons Gegenüber, Marschall Kutusow, den Erfolg.

In dieser Situation war an ein Halten der Stadt nicht zu denken. Ein rascher Rückzug aus diesem ausgemergelten Land vor dem Winter war die einzige Möglichkeit!

Deutschlands Sehnsucht nach Öl

Während der napoleonischen Zeit war der Raum der deutschen Großmacht zersplittert. Preußen rang als junger, dynamischer und aufstrebender Staat nach der Vorherrschaft unter den Deutschen, was ihm in einer ersten Phase nach der Niederringung Österreichs 1866 auch gelang. Mit dem Sieg über Frankreich im Krieg von 1870/71 etablierte sich Deutschland als die zweite zentraleuropäische Großmacht. Mit Österreich-Ungarn und zunächst auch noch Italien im Schlepptau ergab dies ein durchaus gewichtiges Bündnis. Ähnlich wie Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts versuchte auch diese Zentralmacht an die Peripherie zu gelangen, um an der wirtschaftlichen Ausbeutung der übrigen Welt ihren Anteil haben zu können. Frankreich hatte inzwischen den Konflikt mit Großbritannien beigelegt, nachdem es in Nord- und Westafrika große Kolonialgebiete erhalten hatte. Zudem wurde der Indien-Traum der Franzosen insoweit erfüllt, als sie Hinterindien als Kolonien erwerben konnten.

Nun begann das Deutsche Reich mit seinem Flottenbauprogramm, raffte die noch weißen Flecken auf der Weltkarte in ein Kolonialreich zusammen und geriet immer mehr in Konfrontation mit der maritimen Großmacht Großbritannien. Dieses Expansionsstreben der Zentralmacht Deutschland richtete sich zunächst gegen die Vorherrschaft Großbritanniens auf den Weltmeeren und scheiterte mit dem Ersten Weltkrieg. Der Erste Weltkrieg veränderte die Landkarte Europas und zerstörte die alten Herrschaftsstrukturen. Er wandelte Monarchien in Republiken um und führte in diesem Zwischenkriegseuropa zur Etablierung radikaler sozialistischer und faschistischer Bewegungen, die vor allem in Deutschland, Italien und Russland als totalitäre Regime an die Macht gelangen konnten.

Hinsichtlich der sechs Machtzentren änderte sich kaum etwas. Die Iberische Halbinsel spielte im Mächteringen dieser Epoche keine Rolle mehr und zog sich in innere Konfliktlösungsprozesse zurück. Auch das niedergeworfene Osmanische Reich, das sich unter Atatürk als Türkei wieder gesammelt hatte, war mit seiner inneren Neustrukturierung beschäftigt und in dieser Zeit kein strategischer Spieler. Seine Rolle übernahm auf dem Balkan und für Nordafrika für eine kurze Zeit das kolonialistische Italien.

Da für das Deutsche Reich der maritime Anspruch 1919 mit der Selbstversenkung der Flotte in der Bucht von Scapa Flow (Orkney-Inseln) endete3), blieb für den Erwerb von Besitzungen und Kolonien in erster Linie der Landweg vorbehalten. Da jedoch seit dem Ersten Weltkrieg Pferd und Dampfmaschine mehr und mehr durch Ölverbrennungsmotoren abgelöst wurden und das Industriezeitalter in seiner Hochblüte stand, galt als vorrangiges Ziel nicht mehr der Erwerb von Landstrichen als Kolonien, sondern die Eroberung von Ölquellen und Rohstoffgegenden, wo Erze und Metalle gewonnen werden konnten. Vor allem das Erdöl wurde neben Kohle und Stahl zunehmend zum wichtigsten Rüstungsgut.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war begonnen worden, die Ölfelder am Kaspischen Meer wirtschaftlich zu nutzen; um 1900 führte Baku (Aserbaid­schan) die Weltölproduktion an. 1938 war auf der Arabischen Halbinsel die Ölproduktion aufgenommen worden. Die strategische Bedeutung der Ölfelder von Baku und die Ölreserven des Nahen Ostens waren ein Hauptgrund, weshalb Hitler den Angriffsbefehl auf die Sowjetunion erteilte. Hitler hatte zu diesem Zeitpunkt, ähnlich wie 130 Jahre zuvor Napoleon, ganz Festlandeuropa als Vasallen oder Verbündete auf seiner Seite. Lediglich Großbritannien trotzte der deutschen Expansion. Eigentlich sollte zu diesem Zeitpunkt mit Großbritannien Frieden geschlossen werden, um bei der Niederwerfung Russlands keinen Zweifrontenkrieg führen zu müssen. Daher wurde auch von einer Invasion nach der verlorenen Luftschlacht abgesehen.

Das verbündete Italien sollte ab Juni 1940 den Stoß in den Nahen Osten führen, rannte sich jedoch an den britischen Stellungen an der ägyptischen Grenze tot und musste nach einer britischen Gegenoffensive den Ostteil Libyens räumen. Dies brachte im Februar 1941 das deutsche Afrika-Korps ins Spiel - mit derselben strategischen Zielsetzung: die Sperrung des Suez-Kanals für den britischen Nachschub und der Griff nach den Ölquellen im arabischen Raum.

Der Überfall auf die Sowjetunion 1941 fand mit drei Heeresgruppen statt, wobei zunächst die Einnahme der beiden symbolträchtigen Städte Leningrad (heute wieder St. Petersburg) und Moskau auf dem Feldzugsplan stand. Das Angriffsziel Moskau wurde im ersten Ansatz verfehlt und in Folge als nicht entscheidend für den weiteren Feldzug erachtet, obwohl das Schema dem napoleonischen ähnlich gewesen war: zuerst die Hauptstadt und damit die Niederwerfung der sowjetischen Führungsstruktur und sodann entlang der Wolga an das Kaspische Meer. Die Wolga und in Verlängerung die Dwina bis Archangelsk sollte als vorderste Linie zur Verteidigung gegen den asiatischen Raum gewonnen werden.

Die Sommeroffensive von 1942 sah für die nunmehr umfangreich verstärkte Heeresgruppe Süd zwei Stoßrichtungen vor: einerseits die Eroberung der Ölfelder im Kaukasus mit dem Zentrum Baku und andererseits den Vorstoß nach Stalingrad an die Wolga, um die Nachschublieferungen für die sowjetischen Streitkräfte über Persien und das Kaspische Meer zu unterbinden. Die kampferprobte 6. Armee stieß rasch nach Stalingrad vor, die nördliche Flanke entlang des Don sicherten Verbündete. Ebenso erreichten die deutschen Truppen schnell den Kaukasus, jedoch unter erbittertem Widerstand der Sowjets in beiden Frontabschnitten. Zudem gelang der Roten Armee der Durchbruch an der deutschen Nordflanke und damit die Einkesselung der 6. Armee in Stalingrad.

Die deutschen Truppen aus dem Kaukasus mussten zurückgenommen werden. Aus einer Befreiung der Teile in Stalingrad wurde nichts. Die Niederlage in dieser Schlacht markiert insofern einen Wendepunkt des Krieges, als die deutschen Truppen zwar nicht geschlagen waren, aber ab diesem Zeitpunkt nicht mehr weiter in den russischen Raum vorzudringen vermochten. Es begann die lange, aber nicht aufhaltbare Phase des Zurückdrängens Richtung Westen.

Das strategische Ziel und der ideologische Faktor

Napoleons Hauptfeind war Großbritannien. Dessen Vorherrschaft auf den Meeren zu brechen, beflügelte seine Anstrengungen, in Europa alles zu unternehmen, um den Briten möglichst großen Schaden zuzufügen. Seit 1807 wurde die so genannte "Kontinentalsperre" umgesetzt, eine Wirtschaftsblockade aller europäischen Staaten gegen britische Waren. Dies schädigte nicht nur Großbritannien, sondern auch dessen Vertragspartner, vor allem Russland, das intensive Handelsbeziehungen im Bereich der Rohstofflieferungen unterhielt.

Alle europäischen Staaten waren zu diesem Zeitpunkt in irgendeiner Form mit Napoleons Frankreich verknüpft: Südwest- und Südeuropa französisch besetzt, das Heilige Römische Reich de facto und ab 1806 auch de jure zerschlagen, Preußen nach Jena und Auerstedt erobert und gedemütigt, Russland seit Tilsit verbündet und das Osmanische Reich nach dem französischen Ägyptenfeldzug mit inneren Umordnungen beschäftigt. Vor allem die Vernichtung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und die entwürdigende Behandlung Preußens bewirkten in Deutschland das Aufkommen eines bisher noch nie da gewesenen Patriotismus. Diese Empörung wurzelte im Volk und wurde unterstützt durch die katholische Kirche einerseits und alle im Zuge dieser Umwälzungen Entmachteten andererseits.

Der Antichrist gegen den Hort der Freiheit

Dies entlud sich zunächst im Krieg von 1809, wo sich Napoleon abermals durchsetzen konnte, jedoch zumindest von den Österreichern unter Erzherzog Carl bei Aspern zum ersten Mal besiegt worden war. Aber "Napoleons rücksichtsloses Verhalten bewirkte, dass er rasch die emotionale und intellektuelle Zuneigung einbüßte, die er in seinen Anfangsjahren gewonnen hatte, während sich die entfremdeten Völker in ganz Europa zusammenfanden, die einzig die Abscheu vor ihm einte."4) Als einzige Macht, die dem Treiben der Franzosen noch Einhalt gebieten konnte, sah man Russland, verkörpert durch Zar Alexander.

Offiziere, wie Carl von Clausewitz, verließen die preußische Armee und stellten sich in russische Dienste. Zahlreiche Europäer, Patrioten, Republikaner und Adelige taten es ihm gleich. Russland selbst wurde durch die von Napoleon erzwungene Kontinentalsperre hart getroffen. Deren Lockerung zugunsten Großbritanniens würde Krieg bedeuten - so hatte es Napoleon verlauten lassen. Sollte sich Russland als Gegenmacht etablieren, sah sich der Franzosenkaiser einem Zweifrontenkrieg ausgesetzt. Das strategische Ziel der Schwächung Großbritanniens und der Aneignung von reichen Kolonien schien dadurch unerreichbar. Auch die bloße Existenz Russlands als Anlehnungsmacht für den aufkeimenden deutschen Nationalismus und dessen Signalwirkung für alle unterjochten Völker, wie etwa die Spanier, stellt für sich bereits eine nicht hinzunehmende Bedrohung der französischen Machtentfaltung dar. Russland musste daher eine Niederlage zugefügt werden, um den Zaren wieder in ein enges Bündnis zwingen zu können.

Die Ideen der Französischen Revolution von "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit", die Napoleon ursprünglich verkörpert hatte und die mit seinen Kriegen in ganz Europa Eingang fanden, gingen nach und nach verloren. Es begann 1804, als sich Napoleon selbst zum Kaiser krönte und dann vor allem mit seinen Eroberungskriegen, die in vielen Fällen nur den Ersatz eines autoritären Regimes durch ein anderes mit sich brachten. Wenige Freiheiten waren damit verbunden, von Gleichheit konnte keine Rede mehr sein und einen Bruder behandelt man bekanntlich auch nicht so wie die Franzosen die Menschen in den eroberten Gebieten - vor allem in Deutschland. Der "Weltgeist", den Hegel reiten zu sehen geglaubt hatte, war immer mehr zu einem Schreckgespenst geworden.

Das an sich konservative und von feudalen Strukturen geprägte Russland wurde mit einem Male zu einem Gegengewicht der französischen Usurpation, ein Hort der Freiheit gewissermaßen, ein Rettungsanker für Europa - alles blickte auf Zar Alexander, und dieser rüstete sich zum Krieg.

Damit sah Napoleon den Zeitpunkt gekommen, Alexander eine Lektion zu erteilen. Als die Grande Armée, ein Aufgebot von Truppen aus ganz Europa im Umfang von rund 600 000 Mann - die größte Truppenmassierung, die der Kontinent bisher zu Gesicht bekommen hatte -, im Juni 1812 Russland überfiel, stand das Schicksal Europas auf dem Spiel. Zar Alexander und seine Heerführer muteten der Bevölkerung die notwendige Leidensfähigkeit zu und manövrierten geschickt genug, um sich Napoleon zunächst keiner Schlacht zu stellen. Sie wussten um die Schwächen ihrer Truppen, sie wussten aber auch die russischen Weiten zu nutzen und Napoleon immer tiefer in diese hineinzuziehen; ein Umstand der die französische Logistik vor unlösbare Probleme stellte. Russland konnte sich keine Niederlage leisten, wollte es Napoleons Streben nach dem Imperium nicht hilflos ausgeliefert sein. "Zu den Folgen einer Niederlage wären erdrückende Schulden und die Opfer gekommen, die ein siegreicher Napoleon Russland in seinem anhaltenden Krieg gegen die Briten auferlegt hätte. 1812 stand daher für den russischen Staat viel auf dem Spiel."5) Mit Hilfe der orthodoxen Kirche wurde Napoleon - und mit ihm alle Eindringlinge - zu "Antichristen" hochstilisiert, die eine Zerstörung Russlands beabsichtigten und daher keine Gnade verdienen würden. Besonders die Brutalität der Kriegsführung durch die Kosaken mit ihrer Partisanenkriegstaktik, nämlich nie zur offenen Feldschlacht anzutreten, sondern immer nur schwache Teile oder Tross anzugreifen und sich rasch wieder zurückzuziehen, setzte den französischen Truppen auch in psychologischer Hinsicht enorm zu. Das große Schlachten von Borodino und das Gemetzel bei der Überquerung der Beresina taten ihr Übriges. Von der stolzen Grande Armée kehrten lediglich knapp über 10 000 Soldaten in die Heimat zurück.

Der deutsche Wahn vom "Siedlungsraum im Osten"

Die Machtergreifung Stalins bedeutete für viele Sowjetbürger den Beginn einer langen Phase des Leidens. Der kommunistische Machtbereich sollte von Grund auf neu strukturiert und aufgebaut werden. Marktwirtschaftliche Ökonomie und kleinbäuerliche Strukturen sollten Kolchosen und Industriekombinaten weichen - dazu ließ Stalin ab 1929 in der Ukraine Millionen von Bauern buchstäblich verhungern. Eine Säuberungswelle folgte der nächsten - im Militär, in der Wirtschaft, in der Partei etc. Jeder konnte "der Nächste" sein. Während der Zeit des "Großen Terrors" zwischen 1936 und 1938 wurden durch kommunistische Einsatzkommandos jeden Tag durchschnittlich 1 000 Menschen ermordet. Für die Züchtung des "Homo sowjeticus" waren gewachsene Kulturen und traditionelle Siedlungsräume von Völkerschaften in diesem Riesenreich hinderlich - Zwangsumsiedelungen waren die Folge. Die Russen hatten in diesen Tagen wenig zu lachen, von Lenins Versprechungen war nicht viel übrig geblieben.

Als Hitler die Sowjetunion überfiel, ist es daher kaum verwunderlich, dass die Menschen in der Ukraine und im Baltikum die deutschen Truppen zunächst als Befreier betrachteten und sie mit Blumenbögen begrüßten. Allerdings sollte auch dieses totalitäre Regime sehr bald sein wahres Gesicht zeigen. Die im ersten Kriegsjahr gemachten Millionen von sowjetischen Gefangenen wurden nicht gemäß den Regeln des Kriegsvölkerechtes behandelt - vielmehr wurde eine gezielte Vernichtungspolitik betrieben. Man ließ viele einfach verhungern oder quälte sie auf Märschen oder in Konzentrationslagern zu Tode, da sie im Gegensatz zu Kriegsgefangenen anderer Staaten auf Geheiß der Führung einer "gesonderten Behandlung" zu unterziehen waren. Der Hintergrund dieser verbrecherischen Vorgehensweise lag im Rassenwahn der nationalsozialistischen Ideologie begründet, die die slawische Bevölkerung als grundsätzlich minderwertig betrachtete. Hinzu kommt noch der von den Nationalsozialisten entwickelte Hass auf den Bolschewismus, der als "jüdische Weltverschwörung" betrachtet wurde.

Der so genannte "Kommissarbefehl", wonach sowjetische Funktionäre und in der Roten Armee eingesetzte Politoffiziere nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern ohne Verfahren zu "erledigen" waren, rührt aus diesem Kampf gegen eine Weltanschauung. Die Sondereinheiten der SS ("Einsatzgruppen") richteten unter der anfangs freundlich gesinnten Zivilbevölkerung ein Blutbad an, so dass für viele Menschen in den von den Deutschen eroberten Gebieten sich der Partisanenkampf als einziger Ausweg anbot. Der Kampf gegen die Deutschen war zur Überlebensfrage geworden.

Während Napoleon Großbritannien als seinen Hauptgegner im Kampf um Ressourcen betrachtete, suchte Hitler mit den als "rassisch gleichwertig" akzeptierten Briten den Frieden - sein vornehmliches, strategisches Ziel waren die fruchtbaren Weiten und die unerschöpflichen Bodenschätze des russisch-asiatischen Raumes. Der "Siedlungsraum im Osten" war daher von Beginn an ein erklärtes zu erreichendes Ziel der nationalsozialistischen Ideologie. Es sollte in diesen unendlichen Weiten Russlands eine "arische Adelskaste" als bäuerliche Großgrundbesitzer herrschen. Die autochthone Bevölkerung sollte in ihrer Anzahl reduziert werden und als Arbeitssklaven Verwendung finden. Der so genannte "Hungerplan" sah den gezielten Völkermord als Mittel zur Generierung neuer Siedlungsgebiete für die deutsche Bevölkerung vor. Die Niederwerfung der Sowjetunion war somit von Beginn des Krieges an vorgesehen und nicht eine sich aus dem Kriegsverlauf heraus ergebende Notwendigkeit. Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt von 1939 war zumindest von Seiten Hitlers nur ein Scheinvertrag.

Die anfängliche, den Deutschen entgegengebrachte positive Stimmung schlug rasch in einen russischen Patriotismus um, den Stalin geschickt zu nutzen verstand. Ob kommunistische Tyrannei oder irgendeine andere Herrschaftsform, diese Frage stellte sich nun nicht mehr, es ging einzig und allein um die Existenz des russischen Volkes. Die schweren Niederlagen der Roten Armee, die zu Beginn des Krieges auf der Tagesordnung gestanden hatten, wurden seltener. Mit der Schlacht um Stalingrad verlor die Wehrmacht ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit. Mit unglaublicher Zähigkeit und Härte gegenüber dem Gegner, aber auch gegen die eigene Bevölkerung war es Stalin gelungen, das Blatt zu wenden. Die Rote Armee kämpfte nur mit dem Mut der Verzweiflung. Die Unterstützung der USA und Großbritanniens sowie die militärische Ausnutzung der russischen Weiten und der damit verbundenen klimatischen Verhältnisse brachten den Sieg über den Eindringling. Der Preis dafür war mit über 25 Millionen toten Sowjetbürgern enorm hoch. Für die beiden menschenverachtenden Ideologien spielte das Individuum keine Rolle. Letztendlich gewann der Patriotismus gegen die Vernichtungsstrategie.

Fazit

Der Vergleich der beiden Feldzüge gegen Russland lässt sich hinsichtlich ihrer politischen Zielsetzungen in zwei strategische Kategorien aufteilen: nämlich in eine kurzfristige und eine langfristige. Das kurzfristige strategische Ziel des Deutschen Reiches war die Gewinnung des kaspischen Raumes wegen seiner Erdölvorräte. Gelang dieser erste Schritt, so konnte auf einen erfolgreichen Ausgang des Krieges gehofft werden. Die Vernichtung der Sowjetunion und ihrer Bevölkerung stand zunächst nicht im Vordergrund, sondern vielmehr in einem ersten Ansatz die Zurückdrängung des sowjetischen Machtbereiches hinter die Linie Archangelsk-Astrachan. Erst die langfristige Strategie hatte die Auslöschung der russischen Nation zum Ziel. Allerdings begannen die vom Rassenwahn der nationalsozialistischen Ideologie beseelten Schergen des Hitlerregimes ihr verbrecherisches Vorgehen gegenüber den osteuropäischen Völkern unmittelbar im Anschluss an die begonnenen Kampfhandlungen. Zu siegessicher waren sie sich gegenüber der durch die stalinistischen Säuberungen geschwächten Roten Armee. Die "rassische" Überheblichkeit der Deutschen ließ daher schnell den langfristigen Zweck hinter den Angriffshandlungen erkennen und veranlasste die russische Bevölkerung, ihre Leidensfähigkeit auf ein Höchstmaß auszudehnen. Stalin musste daher nicht seine verbrecherische kommunistische Ideologie gegen die verbrecherische nationalsozialistische verteidigen. Er konnte alles auf eine Karte setzen: den Patriotismus der russischen Nation in ihrem Überlebenskampf. Dieser und nicht der Kommunismus brachte den Sieg im "Großen Vaterländischen Krieg".

Im "Vaterländischen Krieg" von 1812 verhielt es sich umgekehrt: Das kurzfristige strategische Ziel Napoleons war die Niederwerfung Russlands, das ideologisch zum strategischen Gegner aufgewachsen war. Für Napoleon galt es, Zar Alexander in einer Entscheidungsschlacht zu schlagen, ihn möglicherweise gefangen zu nehmen, ihn zumindest aber zu einem für Frankreich günstigen Frieden zu zwingen. Der ganzen Welt und vor allem dem unbesiegbar erscheinenden Großbritannien sollte vor Augen geführt werden, dass die alte Größe Frankreichs unter Ludwig XIV. wieder hergestellt wäre. Der Hegemon Frankreich, der unter den Königen Ludwig XIII., XIV. und XV. seine herausragende Stellung in Kunst, Kultur, Kriegsführung und Diplomatie unter Beweis gestellt hatte, sollte nunmehr unter dem "Code Napoléon" in neuem Glanz erstrahlen.

Erst danach war das langfristige strategische Ziel der Vernichtung Großbritanniens ins Auge gefasst worden, nämlich durch die Eroberung und damit die Wegnahme Indiens auf dem Landweg. Die Vorbereitungen hiefür waren bereits getroffen, aber die revolutionär-französische Überheblichkeit, die nur in Ansätzen der hegemonialen Position der von der Bewunderung französischen Denkens und Kulturschaffens geprägten Ludwig-Ära nahe kam, ließ die Stimmung in den eroberten Gebieten rasch kippen. Russland als nicht ganz freiwilliger "Hort der Freiheit" stellte sich der Herausforderung. Und hier war es die Idee der Befreiung Europas vom "Antichristen", die in patriotischer Weise die Völker des Zarenreiches kämpfen ließ, was allen anderen Europäern zum Vorbild gereichte.

Beide Male sehen wir in diesen Kriegen den Ausbruchsversuch der Zentralmächte an die Peripherie und immer mit dem Ziel, jene Gebiete zu erobern, die Reichtum und Größe versprechen, ob durch die Aneignung von Kolonien oder die Ausdehnung nach Osten. Und beiden Führern dieser Ausbrüche war der Faktor Seemacht fremd, die Instrumentarien des Landheeres im Gegensatz dazu vertraut. Auch das mag ein Grund dafür gewesen sein, den Weg nach Russland zu wählen.

Die Feldzüge von 1812 und 1942 sind einander nicht unähnlich, auch wenn sie von unterschiedlichen Prämissen geleitet worden sind. Endpunkt ihres kriegerischen Expansionsstrebens war in beiden Fällen die totale Niederwerfung des Aggressors; der Traum vom Weltreich ertrank beide Male in einem Meer von Blut und Tränen. Alleine diese Tatsache soll uns Nachfahren daran erinnern, dass die Verständigung größere Früchte tragen kann als Neid und Missgunst der Staaten untereinander. Der Krieg beginnt, frei nach Carl Schmitt, dann, wenn der Handel blutig wird.

Das Friedensprojekt der Europäischen Union ist dazu angetan, Zen­tral- und Peripheriemächte zu einem gedeihlichen Miteinander zu vereinen und es beim Handeltreiben zu belassen. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser vernünftige Ansatz nicht durch verantwortungslose Politik leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird. Die zu Hunderttausenden gefallenen Soldaten von Borodino und Stalingrad sollen uns immer daran erinnern, in der Politik nicht leichtfertig und verantwortungslos zu handeln.

Endnoten

1) Zamoyski, Adam: 1812. München 2012, S. 54.

2) Clausewitz, Carl v.: Vom Kriege. Bonn 1991 (19. unv. Aufl.), S. 1024.

3) Konteradmiral Ludwig von Reuter organisierte am 21. Juni 1919 im britischen Flottenstützpunkt Scapa Flow, in dem die ehemalige kaiserliche Flotte als Folge des Waffenstillstands am Ende des Ersten Weltkriegs interniert worden war, deren Selbstversenkung, um eine Auslieferung der Kriegschiffe an Großbritannien gemäß dem Versailler Vertrag zu verhindern.

4) Zamoyski, Adam: 1812. München 2012, S. 74.

5) Lieven, Dominic: Russland gegen Napoleon. München 2011, S. 126.


Autor: Oberst dG MMag. DDr. Andreas W. Stupka, Jahrgang 1963. Eintritt in die Streitkräfte 1982. EF-Ausbildung, Studium an der Theresianischen Militärakademie. Offiziersausbildung in der Waffengattung Fliegerabwehr, ausgemustert 1987. Studium der militärischen Wissenschaften an der Landesverteidigungsakademie und an der Universität Wien (Ausbildung zum Generalstabsoffizier), ausgemustert 1997. Zahlreiche Kurse und Lehrgänge auf taktischer und operativer Ebene im Rahmen der UN sowie NATO-PfP. UN-Senior-Mission-Leaders-Course (strateg. Ebene) im April 2005 in Abuja, Nigeria. Seminar Internationale Höhere Führung (strateg. Ebene) im September/Oktober 2007 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, Deutschland. Doktoratsstudium (nebenberuflich) der Politikwissenschaften (Promotion 2002) und der Philosophie (Promotion 2010) an der Universität Wien. Journalistenausbildung an der Medienakademie in Salzburg.

Militärische Verwendungen:

Zugs-, Kompanie- und Stabskompaniekommandant; Lehrer für Taktik und Sicherheitspolitik an der Landesverteidigungsakademie, Kommandant des 2. und 3. Stabslehrganges 2; Kommandant des 1. Führungslehrganges 2; Sekretär im Rahmen der Expertenkommission des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport zur Überprüfung der Einführung eines Freiwilligensystems im Bundesheer; ab 2001 Chefredakteur der Österreichischen Militärischen Zeitschrift; April 2003 bis April 2004 Kommandant des Panzerartilleriebataillons 9 (einjährige Truppenverwendung); Auslandseinsatz: September 2005 bis September 2006 Chef des Stabes der United Nations Disengagement Obeserver Force/UNDOF in Syrien/Israel und Nationaler Kontingentskommandant; seit 2008 Leiter des Instituts für Human- und Sozialwissenschaften an der Landesverteidigungsakademie Wien; Auslandseinsatz: März 2011 bis Oktober 2011 ACOS J5/HQ KFOR im Kosovo und Nationaler Kontingentskommandant.

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