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Die drei Leben der Hochgebirgskompanie 6

Vor 55 Jahren wurde die erste Hochgebirgskompanie 6 aufgestellt, fünf Jahre später löste man sie auf. Vor nunmehr 13 Jahren formierte sich die Kompanie ein zweites Mal, vor fünf Jahren erfolgte die endgültige Auflösung. Ein drittes Leben führt sie aber immer noch.

Im Bundesheer der Zweiten Republik waren vier Gebirgsbrigaden vorgesehen. Jede von ihnen sollte auch eine Hochgebirgskompanie für spezielle Aufgaben erhalten. Die Kompanien sollte sich in eine Kommando- und Versorgungsgruppe, eine Pioniergruppe, vier Hochgebirgszüge zu je drei Gruppen sowie eine schwere Maschinengewehr-Gruppe gliedern. Bis zur Auflösung der Gebirgsbrigaden Ende 1962 existierte allerdings nur die Hochgebirgskompanie der 6. Gebirgsbrigade in der Jägerkaserne in Absam/Tirol in voller Stärke.

Schon 1956 erging der Aufstellungserlass, und die ersten Rekruten rückten im Oktober zur 5. Kompanie des Tiroler Jägerbataillons 22 ein. Am 7. März 1957 erfolgte die Umbenennung der 5. Kompanie in Hochgebirgskompanie 6, blieb aber bis 1958 beim Jägerbataillon 22. Danach erfolgte die direkte Unterstellung zum Kommando der 6. Jägerbrigade. Von den Angehörigen und nunmehrigen "Veteranen" wird die offizielle Abkürzung HGebKp (Hochgebirgskompanie) kaum verwendet. Für sie war ihre Kompanie immer die HGK6 (Hochgebirgskompanie 6).

Der erste Kommandant der Kompanie war der damalige Oberleutnant Wolfgang Rabensteiner aus der Steiermark. Ihm folgte 1958/59 Leutnant Friedrich Laichner, der bis zur Auflösung Kommandant der HGebKp6 blieb. Stellvertretender Kommandant und Ausbildungsoffizier war von 1958 bis 1962 der damalige Leutnant Arthur Klocker. Die Dienstführenden Unteroffiziere der Kompanie waren Walter Draxl, Jakob Klingler und zuletzt Kurt Waldegger. Zur Hochgebirgsqualifikation der Kompanie trugen auch die Rekruten bei. Es handelte sich um einige der besten Alpinisten und Skifahrer der damaligen Zeit. Der spätere Everest-Bezwinger Peter Habeler war ebenso Angehöriger der Kompanie wie Ski-Legende Karl Schranz und die Kletterer Walter Spitzenstätter und Robert Troier. Einer der Unteroffiziere der Reserve in der Hochgebirgseinheit war Hannes Gasser, Begründer der Alpinschule Innsbruck. Bereits nach wenigen Jahren gab es in der Kompanie sieben Heeres-Bergführer und etliche -Gehilfen. Das verursachte allerdings immer wieder Personalprobleme, da dieses Kader entweder die eigene Aus- und Fortbildung absolvierte oder als Ausbildungspersonal bei anderen Dienststellen in Verwendung stand.

Zugedacht waren der Hochgebirgskompanie innerhalb der 6. Gebirgsbrigade verschiedene Spezialaufgaben: Aufklärung, Flankenangriffe und Kommandounternehmen. Das Fähigkeitsspektrum war im entstehenden Bundesheer noch nicht klar definiert. Die HGebKp6 hatte jedenfalls die alpine Kompetenz zu demonstrieren. Besonderen Wert legte man auf die Alpinausbildung im Sommer und Winter: Militärischer Skilauf, Klettertouren, Hochtouren, Gelände- und Kartenkunde, Wissen um alpine Gefahren, Bergetechniken etc. Die Kompanie verfügte lange Zeit nur über einen Jeep und zwei GMC-Lastkraftwagen. Die Soldaten waren aber in den meisten Fällen zu Fuß unterwegs.

In den ersten Jahren war die HGebKp6 hauptsächlich mit dem Karabiner M-1, dem leichten MG-1918 Browning Automatic Rifle (BAR), dem MG-1919A4 und der Pistole M-1911A1 amerikanischer Herkunft bewaffnet. Ab 1958 kam das Sturmgewehr 58 und ab 1961 das deutsche MG-42 als Hauptbewaffnung zur Kompanie. Die Bekleidung bestand zuerst aus Anoraks der B-Gendarmerie oder der U.S.-Armee, Kniebundhosen und Stutzen für die Mannschaft und aus Keilhosen für die Offiziere. Ab Ende der 50er Jahre kam einheitlich die Rüstung M-57 zum Einsatz.

Die Vorschriften für den Kampf im Gebirge waren damals erst im Entstehen. Die Hochgebirgskompanie stellte eine Art Erprobungsstelle für Material, Bewaffnung und Kampfverfahren im alpinen Gelände dar. Die Soldaten der Kompanie durchschritten in Westösterreich zur Leistungsüberprüfung zahlreiche Gebirgszüge. Die Hochgebirgskompanie nahm an praktisch allen großen Übungen der 6. Gebirgsbrigade teil. Die Aufgaben waren zum Teil ungewohnt: So wurde die Kompanie bei einer Übung im Tiroler Außerfern im November 1959 mit Sikorsky S-55 Hubschraubern weit hinter den feindlichen Linien als Kommandotruppe abgesetzt. Während dieser Übung kämpfte die HGebKp auch als aufgesessene Infanterie auf Panzer M-24. Große Flexibilität bewies die Kompanie bei der Sommerübung der Brigade im Juni 1959: Die Soldaten wurden dabei auf dem Übergang vom Alpbach- ins Zillertal auf dem 2 292 Meter hohen Sonnenjoch eingeschneit. Sie mussten biwakieren und verblieben dort ohne Verpflegsnachschub 40 Stunden. Erst am dritten Tag gelang es der Kompanie trotz mehr als einem halben Meter Neuschnee ins Tal abzusteigen. Von dort verlegte sie unmittelbar in den Raum Stumm zum Hochwassereinsatz.

Der zweite Lebensabschnitt 1999 entstand in Absam die Hochgebirgskompanie in der nach dem Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer umbenannten Jägerkaserne ein zweites Mal. Die Aufgabe der neuen Hochgebirgskompanie war es, als eine Art Speerspitze für die gebirgsbeweglichen Bataillone der 6. Jägerbrigade zu dienen. Laut Definition für Hochgebirge war ihr Einsatzgebiet das Gelände über 2 200 Metern mit Hangneigungen über 45 Grad, extremen klimatischen Bedingungen, hohen Schneelagen und Gletschern. Ihr Leitspruch lautete "Bis an die Grenzen und weit darüber hinaus". Organisatorisch war die HGebKp6 dem Stabsbataillon 6 zugeordnet. Kommandant war während der acht Jahre ihres Bestehens Bernd Rott. Wie auch ihre Vorgänger nahm die HGebKp6/neu an allen großen Übungen der 6. Jägerbrigade teil: Kampfgruppenübung 2000, Übung "Kristall 2001", "Winterexpress 2002", "Bergfriede 2003", "Peace Summit 2006" sowie an zahlreichen Übungen im Ausland. Die Hochgebirgskompanie stellte Mannschaften für den Gebirgswettkampf "Edelweiss Raid", den der ehemalige Kommandant der 6. Jägerbrigade, Brigadier Ernst Konzett, ins Leben gerufen hatte.

Schwerpunkt des zweiten Lebens der Hochgebirgskompanie waren zweifellos die Auslandseinsätze. Mit der Schaffung der KIOP-(Kräfte für Internationale Operationen-)Kräfte wurde die Kompanie ab 2004 als Kaderkompanie für Auslandseinsätze bereitgestellt. Von August bis September 2005 verlegte sie zur Sicherung der Wahlen nach Afghanistan. Von April bis Oktober 2006 folgte ein zweiter Auslandseinsatz im Kosovo. Am 1. Juli 2007 erfolgte die endgültige Außerdienststellung der Hochgebirgskompanie 6.

Das dritte Leben der HGebKp6 Ihr drittes Leben führt die HGebKp nun als lose aber nicht minder aktive Gemeinschaft von "Veteranen" der ersten Hochgebirgskompanie. 1987, 30 Jahre nach der Gründung, trafen sich erstmals 187 ehemalige Angehörige der HGebKp6. 2012 fand das bislang siebente Treffen statt, und immer noch folgten 75 HGKler dem Ruf des ehemaligen Dienstführenden Kurt Waldegger. Die jüngsten Teilnehmer des diesjährigen Treffens waren immerhin 70 Jahre alt. Höhepunkt der HGK-Zusammenkünfte war aber zweifellos 1999 eine gemeinsame Bergfahrt in den Kaukasus, um einen unbenannten 3 000er zu ersteigen und ihm den Namen HGebKp6/ Tirol zu verleihen. Am 28. Juni 1999 standen 50 ehemalige Alt-HGKler auf dem 3 535 Meter hohen Gipfel dieses russischen Berges. Im Juni 2000 organisierte der inzwischen verstorbene Innsbrucker Thorolf Dold eine zweite Bergfahrt in den Kaukasus. Dieses Mal war der Elbrus selbst das Ziel. 43 Mann im Alter zwischen damals 55 und 65 Jahren standen am 26. Juni auf dem 5 642 Meter hohen Gipfel. Die Krönung der Expeditionsfahrten in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion folgte im Jahr darauf. Da standen Vertreter der alten und erstmals auch der neuen HGebKp6 gemeinsam auf dem 4 506 Meter hohen Belucha, dem schwierig zu besteigenden höchsten Gipfel des Altai-Gebirges in Kasachstan.


Autor: Mag. Uwe Schwinghammer, Jahrgang 1970. 1989 Matura in Innsbruck, Präsenzdienst in der S5-Abteilung des Militärkommandos Tirol. Ab 1990 Studium Geschichte und Spanisch. Neben dem Studium freiberufliche Tätigkeit u. a. beim ORF, Antenne Austria und der Tiroler Tageszeitung. 1995/96 Kolleg am Kuratorium für Journalistenausbildung. Ab 1994 freier Mitarbeiter, Pauschalist, Redakteur und von 2004 bis 2008 Redaktionsleiter beim Kurier (Tirol).

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