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Infanterie und Panzer

Das Jägerbataillon 12 (JgB12) bildet als Infanterieverband der 4. Panzergrenadierbrigade in Zusammenarbeit mit dem Panzerbataillon 14 (PzB14) alle Kompanie-, Kommandogruppen- und Zugskommandanten der Brigade für den "Einsatz im urbanen Umfeld - Zusammenarbeit von Jägern und Panzern" aus. Die Lage "Dolichenus" ist dabei ein wesentliches Ausbildungselement.

Dieser Auftrag des Kommandanten der 4. Panzergrenadierbrigade an das Jägerbataillon 12 ist im Sinne des Mottos der Brigade "Handeln mit Weitblick" der Startschuss für eine gefechtstechnische und taktische Neuausrichtung des Jägerverbandes der Brigade: leitete er doch nicht nur die Durchführung einer zweitägigen Fortbildung für die gefechtstechnische Kommandantenebene ein, sondern es war vor allem der Beginn einer konsequenten Entwicklung des JgB12 hin zum kompetenten Element in der Zusammenarbeit mit der mechanisierten Truppe (und hier vor allem mit den Kampfpanzern) im urbanen Umfeld.

In der Umsetzung des Projektes "4-Level-Warfare (4LWF)" und der damit verbundenen Leitlinie "Einsatz zur Beherrschung eines Raumes bei Vorhandensein irregulärer Kräfte und rivalisierender Bevölkerungsgruppen nach Terroranschlägen in Verbindung mit Cyber-Angriffen", wurden durch das Jägerbataillon 12 kontinuierlich Ausbildungsmaßnahmen sowohl auf taktischer als auch auf gefechtstechnischer Ebene entwickelt und umgesetzt. Herzstück und auch Ausgangspunkt von Gefechtsübungen ist dabei die vom stellvertretenden Bataillonskommandanten, Major Halbartschlager, entworfene Lage "Dolichenus".

Sie beschäftigt sich exakt mit der in der Leitlinie zum 4LWF vorgegebenen Problematik. Den taktischen Überbau stellt die Lage "Mainland" dar. Während des Einsatzes kommt es in der fiktiven Stadt Mostropolis im Südwesten Mainlands zu erheblichen Unruhen durch eine Vielzahl terroristischer Anschläge, wodurch eine Brigade in der ca. 225 km² großen Stadt zum Schutz im rückwärtigen Raum eingesetzt wird. Ein Teil von Mostropolis ist der Distrikt Amstetten, in dem eine gemischt verstärkte Bataillonskampfgruppe eingesetzt ist, mit der sich die Teilnehmer in weiterer Folge auseinander zu setzen haben. Die Zielsetzung dieses Planspieles ist es, Einheitskommandanten und Stabsoffiziere in der Beurteilung der Lage auf Bataillonsebene bei der Anwendung des taktischen Führungsverfahrens, dem Erkennen und Koordinieren eines Gleichzeitigkeitsbedarfes innerhalb eines Bataillons im 4-Level-Warfare und der Anwendung, vor allem des Führungsgrundsatzes Initiative, zu schulen. Damit sollen die Besonderheiten im Kampf gegen irreguläre Kräfte zum Schutz im rückwärtigen Raum im Rahmen einer gemischt verstärkten Bataillonskampfgruppe vermittelt werden.

Schwergewicht ist dabei die Flexibilität in der Wahl der Einsatzart (von Crowd- and Riot-Control bis zum Angriff) sowie das Verständnis für den Kampf der verbundenen Waffen bereits ab der Ebene Einheit auch mit non-lethalen Mitteln. Durchgeführt wird das Planspiel in Amstetten in der Os­tarrichi-Kaserne anhand eines Geländemodelles sowie mit eigens vom Institut für Militärisches Geowesen (IMG) für diese Ausbildung angefertigten Satellitenbildkarten von Amstetten.

Das Geländemodell der Stadt Amstet­ten stellt eine Besonderheit dar, da durch den freiwilligen Einsatz des Amstettener Modellbauers und Korporals der Miliz Franz Stockinger ein gutes Ausbildungsmittel geschaffen wurde. Die detaillierte Darstellung der Stadt ermöglicht es bereits im Taktiklehrsaal auf die Besonderheiten des Kampfes im urbanen Umfeld eingehen zu können.

Um in der zweitägigen Ausbildung die theoretische Auseinandersetzung mit der Thematik mit realen Bildern abzurunden, findet am zweiten Tag eine Geländebesprechung in Amstetten statt. Höhepunkt ist dabei - um vor allem auf die Besonderheiten im Einsatz im urbanen Umfeld hinzuweisen - eine Begehung der unterirdisch verlaufenden Bachkanäle und des Kanalsystems.

Mittlerweile wurden bei vier Fortbildungsterminen fast 40 Kompaniekommandanten und -stellvertreter sowie Stabsoffiziere der 4. Panzergrenadierbrigade und die Milizoffiziere des Jägerbataillons 12 geschult. Nächster Schritt war die Fortbildung des Kaders des Jägerbataillons NÖ. Hier wurde das JgB12 einmal mehr seiner Verantwortung als Partnerverband gerecht. Die Geländeplatte in der Ostarrichi-Kaserne sowie die Lage "Dolichenus" stehen jederzeit auch anderen Verbänden und Institutionen des Bundesheeres zur Verfügung. Abseits taktischer Ausarbeitungen kann der Verband mittlerweile in der gefechtstechnischen Aus- und Fortbildung eine Vielzahl an Initiativen vorweisen.

"Capricorn" 2011

So wurde im März 2011 in der Verbandsübung "Capricorn" der 6. Jägerbrigade durch das Jägerbataillon 12 im Fabriksgelände des Magnesitwerkes nahe dem Truppenübungsplatz Hochfilzen das Szenario für den Einsatz einer kompaniestarken Reserve im urbanen Gelände entwickelt, geleitet und geübt. Hier wurden wiederum Kampfpanzer zur Verstärkung einer Jägerkompanie eingesetzt. Diese Übung in einem realitätsnahen Umfeld (der Firmenbetrieb ging ohne Unterbrechung weiter) brachte eine Vielzahl an Erkenntnissen für die weitere Zusammenarbeit des JgB12 mit den Kameraden des PzB14, die nicht nur den Auftrag haben ständig eng mit den Jägern zu kooperieren, sondern dies auch mit außerordentlichem Einsatz tun.

Durch das Training des Kampfes im urbanen Umfeld auch außerhalb ständiger militärischer Übungsflächen sowie in Kooperation mit zivilen Einsatzkräften wie Feuerwehr und Rotem Kreuz, konnte auch eine Bewusstseinsbildung für das oben beschriebene Szenario bei den Behörden sowie der Bevölkerung in der Ostarrichi-Region erreicht werden. So übte die 2. Jägerkompanie im Sommer 2011 im Amstettener Ortsteil Krautberg. Dort wurde sie von der Bevölkerung nicht nur beobachtet, sondern erhielt vor Ort äußerst positive Rückmeldungen zu dieser Art des militärischen Übens.

Mit dem Roten Kreuz und der Feuerwehr entwickelte man ein Szenario, welches den Schutz von Einsatzkräften nach einem Terroranschlag vor weiteren Attacken durch irreguläre Kräfte vorsah. Dabei wurde dargestellt, dass auch Einsatzkräfte im Rahmen der Erste-Hilfe-Leistung an Anschlagsorten durchaus Opfer weiterer Attentate werden können. Daher kann es erforderlich sein, militärische Kräfte zur Sicherung dieser Räume einsetzen zu müssen, um in weiterer Folge ein Wirksamwerden der Blaulichtorganisationen zu ermöglichen. Beim Kasernenfest in der Ostarrichi-Kaserne wurde diese gemeinsame Übung von Feuerwehr, Rettung und Bundesheer (Infanterie, Kampfpanzer und bewaffnete Hubschrauber) rund 4 000 Zuschauern präsentiert.

Da die Ostarrichi-Kaserne nunmehr die Ausbildungsstätte des brigadeübergreifenden Trainings in der Zusammenarbeit von Infanterie und Panzern im urbanen Umfeld ist, erschien es im Sinne der Wirtschaftlichkeit logisch, vier Kampfpanzer "Leopard" 2 in der Kaserne zu stationieren, um die Ausbildung dieses zukunftsorientierten Projektes der "Vierten" in Amstetten sicherstellen zu können. Das JgB12 als federführender Infanterieverband der neuen Einsatzführung ist nun in der Lage, die Fortbildung beim Kader sowie die Ausbildung der Grundwehrdiener in diesem komplexen Bereich in Amstetten, unabhängig von Transportmodalitäten oder zeitlichen Einschränkungen, durchführen zu können. Vor allem die gute Infrastruktur der Ostarrichi-Kaserne lässt es zu, das gemeinsame Vorgehen von Kampfpanzern und Infanterie in einem urbanen Umfeld zu üben. Der hohe Koordinierungsbedarf zwischen Mensch und Maschine und der Grundsatz Feuer und Bewegung können ideal und kostengünstig im Kasernenareal ausgebildet werden.

Jedoch nicht nur die Zusammenarbeit von Panzern und Infanterie bestimmt das Handwerk im urbanen Umfeld. Auch die Einbindung weiterer Elemente wie ABC-Abwehr, Pioniere (EOD), Militärpolizei etc., sind bereits ab Kompanieebene von enormer Bedeutung. Hierbei konnte das JgB12 ebenfalls Erfahrungen sammeln und enorme Fortschritte erzielen. So plante und koordinierte der Kommandant des JgB12 die Gefechtsvorführung zur Eröffnung der urbanen Trainingsanlage (UTA) Steinbach auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig. Er führte dabei eine gemischt verstärkte Bataillonskampfgruppe, die aus zehn verschiedenen Verbänden des Bundesheeres zusammengesetzt war, angriffsweise durch das neue "Zentrum" der österreichischen Ortskampfausbildung, die auf Initiative von Brigadier Prader im Frühjahr 2011 geplant wurde und im Herbst 2011 benutzt werden konnte.

Die urbane Trainingsanlage war auch der Übungsraum für den derzeit letzten Höhepunkt dieser Ausbildungsserie im JgB12 - der Abschlussübung des Einrückungstermines Oktober 2011 im März 2012. Hiezu verstärkten 54 Soldaten aller Funktionen der Miliz in einer Sonderwaffenübung das JgB12. Die Rekruten des Einrückungstermines Jänner 2012 stellten die Konfliktparteien dar. Das JgB12 war bei dieser Übung als Task Force "Romeo" (TF "Romeo") eingesetzt und stellte eine gemischt verstärkte Bataillonskampfgruppe dar. Es wurde mit einem Pan­zerzug vom PzB14, zwei Hubschraubern des Typs OH58 und zwei AB.212 vom Kommando Luftunterstützung, einer Richtfunkverbindungsgruppe vom Panzerstabsbataillon 4 sowie einer ABC-Aufklärungsgruppe der ABC-Abwehr-Schule verstärkt. 419 Soldaten nahmen an dieser Übung teil. Die Soldaten übten in dieser Woche die Durchführung von Konvois und Patrouillen, das Betreiben von Check Points sowie das Abriegeln durch Crowd-and Riot-Control-Kräfte sowie den Angriff auf irreguläre Kräfte inmitten der Ortschaft Steinbach.

Übungsszenario

Die Task Force "Romeo" war zum Schutz eines Raumes im fiktiven politischen Bezirk Steinbach eingesetzt. Der Grund des Einsatzes waren vermehrte Anschläge in den letzten Tagen, die auf lokale öffentliche Einrichtungen verübt wurden. Verantwortlich dafür zeichnete eine radikale Splittergruppe mit dem Ziel einer politischen Destabilisierung. Der Auftrag der TF "Romeo" bestand darin, diese irregulären Kräfte zu neutralisieren und somit die Sicherheit der Bevölkerung im Raum wieder herzustellen. Auch hier ist die thematische Kontinuität der Basislage "Dolichenus" erkennbar.

Der Chef des Generalstabes, General Mag. Entacher, konnte sich bei seiner Dienstaufsicht von der Weiterentwicklung sowie dem Fähigkeitsfortschritt des JgB12 überzeugen. Zur Verdeutlichung der Nutzungsmöglichkeiten der Ausbildungsanlage Steinbach wurden einige Gefechtsausschnitte, von der Gesprächsaufklärung über die Bedeckung eines Konvois und den gemeinsamen Einsatz von Kampfpanzern und Infanterie bis hin zum Ordnungseinsatz, gezeigt. Die Adaptierungen und Modifikationen am Kampfpanzer "Leopard" 2A4 und die neuen Schwenkflügelgitter für den Schützenpanzer "Ulan" wurden ebenso präsentiert.

Der Generalstabschef zeigte sich be­eindruckt von der Zusammenarbeit der Grundwehrdiener, der Miliz und des aktiven Kaderpersonals in diesem schwierigen Szenario.

Resümee

Seit der Erteilung des Auftrages zur waffengattungsübergreifenden Zusammenarbeit im urbanen Umfeld sind vier Jahre vergangen, in denen das Kader des JgB12 im Verbund der "Vierten" einiges erlernen, Auffassungsgabe beweisen und die Kommandanten geistige Flexibilität zeigen mussten. Es ist gelungen nicht nur die Soldaten auf den "Einsatz im urbanen Umfeld und die Zusammenarbeit von Jägern und Panzern" auszurichten, auch das Umfeld der Ostarrichi-Kaserne trägt die neue Ausrichtung geistig mit. Ein Soldat muss in der Lage sein, zu antizipieren, Verfahren zu erfassen und zu beherrschen bevor es der Ernstfall von ihm abverlangt. Die Soldaten des Jägerbataillons 12 haben diesen Schritt bewältigt.

Jupiter Optimus Maximus Dolichenus

Ursprünglich mesopotamischer Gott der Fruchtbarkeit sowie des Blitzes und Donners (Hadad, Ba‘al Doliche, am Oberlauf des Euphrat im Südosten der heutigen Türkei). Ab Ende des ersten Jahrhunderts von den Römern als Soldatengott Jupiter Dolichenus zur Gewährung von Sicherheit und militärischen Erfolgen verehrt. 1937 wurde im Amstettener Ortsteil Mauer bei Ausgrabungen an einem römischen Kastell eine Vielzahl von Devotionalien zu Ehren von Jupiter Dolichenus (ausgestellt im Kunsthistorischen Museum) gefunden.


Autor: Major Rudolf Halbartschlager, MSD, Jahrgang 1969. 1991 ausgemustert als Fliegerabwehroffizier zum Fliegerabwehrbataillon 11. Ab 1995 Kommandant einer Fliegerabwehrlenkwaffenbatterie Mistral im Fliegerabwehrregiment 1, 2000 Versetzung zum JgB12 als S1&S5, von September 2006 bis Jänner 2007 mit der Führung des JgB12 beauftragt, seit Oktober 2007 stellvertretender Kommandant JgB12, 2008/2009 Absolvierung FüLG2, 2010 für vier Monate mit der Führung des PzStbB4 beauftragt, 2011 für sechs Monate Projektoffizier am Kdo 4.PzGrenBrig, beteiligt an der Entwicklung 4LWF. Auslandsübungsverwendungen in Griechenland und Frankreich (Boden-Luftschießen). Weiters Tactical Operations Center Director der NATO-PfP-Übung "COOPERATIVE LONGBOW 2007" in Albanien, Tactical Operations Center Director der Übung "COOPERATIVE LONGBOW 2012" in Mazedonien, PIO in der Übung "VIKING 2008" in der Schweiz sowie Chief Effects im Brigadekommando in der EURAD10.

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