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Motivation

Die jährliche Fachbesprechung der Trainer für Führungsverhalten ist ein Forum für den Informationsaustausch. Ein Vortrag des Motivationspsychologen Mag. Dr. Zeyringer klärt einige Irrtümer über das Thema Motivation auf.

Das Streitkräfteführungskommando (SKFüKdo) ist bemüht, einmal jährlich möglichst viele Trainer für Führungsverhalten zu einer Fachbesprechung einzuladen, um ihnen wichtige Informationen, Neuigkeiten und Bildungsmöglichkeiten im Fachbereich zu vermitteln und anzubieten. Derzeit gibt es insgesamt 80 Trainer für Führungsverhalten, die ca. 140 Trainereinsätze pro Jahr in der Führungsverhaltensausbildung der Offiziere und Unteroffiziere des Bundesheeres leisten. Die Planung, Koordinierung und Steuerung der Trainereinsätze obliegt dem Referat "Wehr-pädagogik&Sprachausbildung" der J7-Abteilung des SKFüKdos.

Während der letzten Fachbesprechung Ende November 2012 war die Motivation ein zentrales Thema. Diese ist in der Leistungsgesellschaft ein wichtiger Aspekt, um sich und andere (nicht nur) im Berufsleben vorwärtszubringen. Im Österreichischen Bundesheer, in dem weitere Umstrukturierungen für manche Bedienstete zum Teil unangenehme Aussichten und Auswirkungen zeigen, erscheint es noch wichtiger, mit dem Thema "Wie motiviere ich mich und meine Mitarbeiter?" umgehen zu können.

Nach der Eröffnung der Fachbesprechung durch den Leiter der Abteilung Joint 7, Brigadier Mag. Pernitsch, standen Themen wie Umgang mit Widerständen, Tätigkeiten der Trainer in der Zukunft und Personalentwicklung auf der Tagesordnung. Danach wurde bereits zum Thema Motivation übergeleitet. Mag. Dr. Zeyringer erläuterte in seinem Vortrag verschiedene Aspekte und bereinigte so manche Irrtümer. Zum Abschluss dieser Veranstaltung wurden erstmalig die Verwendungsabzeichen der Trainer für Führungsverhalten verliehen. Mit einem positiven Evaluierungsbericht wurde diese Veranstaltung abgeschlossen.

Was ist Motivation? Vortrag von Mag. Dr. Zeyringer

Der Begriff "Motivation" wird heutzutage beinahe wie ein Zauberwort verwendet. Dementsprechend groß sind die Erwartungen an die Wirkung. Weniger Wert wird im Alltag darauf gelegt, zu klären, was Motivation konkret bedeutet und wie sie "funktioniert".

Was bedeutet Motivation? Erstens bedeutet es, dass eine Person ein sehr klares und konkretes Ziel vor Augen hat (bewusstes, explizites Motiv), zweitens, dass sie versucht, diesem Ziel mit hohem Einsatz näher zu kommen, und drittens, dass sie sich konzentriert, dabei konsequent und ablenkungsfrei bei der Sache zu bleiben. Derselbe Prozess lässt sich für unbewusst wirkende (implizite) Motive beschreiben - mit einem Unterschied: Das Ziel ist eben nicht klar und konkret, sondern verborgen.

Motivation kann als innerer Spannungszustand verstanden werden. Zum einen gibt es den realen Ist-Zustand, der als nicht mehr befriedigend bzw. ausreichend bewertet wird. Zum anderen gibt es einen durch ein konkretes Ziel in der eigenen Vorstellung definierten Soll-Zustand. Durch die Differenz dieser beiden Zustände entsteht eine innere Spannung, die man tatsächlich oft spüren kann.

Dieses Verständnis von Motivation besitzt eine wesentliche Einschränkung. Hier stoßen wir auf den ersten weit verbreiteten Irrtum. Im oben dargestellten Sinn bedeutet "motiviert sein" noch nicht automatisch, auch zu handeln. Zunächst heißt es, dass jemand eine erhöhte Handlungstendenz aufweist. Damit aus dieser dann tatsächlich eine beobachtbare und zielgerichtete Aktivität wird, sind weitere Anreize notwendig. So muss das Ziel erstens einen spezifischen Anreiz bzw. einen Nutzen bieten und Sinn stiften, um eine Person in Bewegung zu versetzen. Zweitens muss die handelnde Person überzeugt sein, eine reelle Erfolgswahrscheinlichkeit zu besitzen.

Dies führt uns zu Irrtum Nummer zwei: Weitverbreitet ist die Annahme, Motivation wäre gleichbedeutend mit dem Begriff "Wille": "Wenn er sich mehr anstrengen würde, dann ..." oder "Wo ein Wille, da ein Weg". So oder ähnlich lauten wohlgemeinte Kommentare. Dabei steht im Motivationsprozess die Vorstellung an erster Stelle. Erst wenn eine konkrete Vorstellung stark genug ist und höchste Priorität besitzt (Handlungsinitiierung), kommt es zur eigentlichen Handlung. Diesen Grundsatz nennt man in der Motivationspsychologie das "Rubikon-Modell" (in Anlehnung an Cäsars Überschreiten des gleichnamigen Flusses). Zunächst braucht es also die Vorstellung, damit ein starker Wille entwickelt werden kann.

Damit ist man bereits bei Irrtum Nummer drei. Da der Motivationsprozess für den Start zunächst eine Vorstellung bzw. ein Ziel braucht, entsteht oftmals der Eindruck, dass Kognition und Ratio die "Erste Geige" spielen. Dass dem gar nicht so ist, zeigt ein ebenso einfaches wie praktisches Beispiel: Zweimal pro Woche suchen viele Österreicher die Annahmestellen des heimischen Lottos auf, geben ihre Tipps ab und bescheren den österreichischen Lotterien großartige Gewinne. Das, obwohl die meisten Spieler wissen, dass die Chance, in Österreich einen Lottosechser zu erzielen, bei eins zu 8 145 060 oder 0,0000123 Prozent liegt. Diese, in Bezug auf die Gewinnchance, verheerende rationale Kenntnis hält die Leute nicht ab, weiter Woche für Woche ihr Erspartes in die Trafiken und Annahmestellen zu bringen. Sie werden es weiter tun, weil die Menschen ins Träumen geraten von Reichtum, Unbeschwertheit und dem großen Glück. Diese Gedanken entspringen im limbischen System, das für unsere Emotionen zuständig ist. Das limbische System ist eine Funktionseinheit des Gehirns, die der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten dient. Es sorgt dafür, dass die meisten ein extrem gutes Gefühl haben, wenn sie an den Millionengewinn denken. Dabei sind unsere Belohnungszentren im Gehirn umso aktiver, je höher scheinbar die Gewinnaussichten sind.

Motivation wird in erster Linie als emotionaler Prozess verstanden. Diese bietet ein Ziel und für den Handelnden einen Nutzen bzw. stiftet Sinn. Gelingt es, an die Realisierung zu glauben und wird durch eine günstige Motivtendenz unterstützt (im Sinne einer Handlungsorientierung), dann werden im Gehirn Botenstoffe wie Dopamin (für zielgerichtetes Handeln), Oxytocin (Vertrauenshormon) und diverse endogene Opioide (Wohlfühlstoffe) produziert, die dafür sorgen, dass sich Menschen zielgerichtet in Bewegung setzen.

In der U.S. Army reagierte man auf die Erkenntnisse über die Bedeutung der Emotionen mit einem großangelegten Projekt. Der ehemalige Generalstabschef, General George Casey, u. a. auch Kommandant der multinationalen Streitkräfte im Irak, äußert sich: "Ich möchte eine Armee schaffen, die psychisch ebenso fit ist, wie sie physisch fit ist".

Genau darin besteht eine der wichtigsten Aufgaben von Führungskräften: die Emotionen von Mitarbeitern bzw. Teams in eine positive Richtung zu beeinflussen. Am Beispiel der "Losada-Rate" soll dies verdeutlicht werden: Diese stellt das Verhältnis von optimistischen und pessimistischen Gesprächsanteilen dar. Eine Studie in den USA zeigt, dass in der täglichen Kommunikation zumindest ein Verhältnis von drei (optimistisch) zu eins (pessimistisch) erreicht werden muss. Das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Menschen in Unternehmen wie Organisationen erfolgreich und trotzdem psychisch "fit" tätig sein können.

Eine "gute" Kommunikation stellt die Basis motivierter Mitarbeiter dar. Dies gilt insbesonders in Zeiten des Umbruches.


Autoren: Oberst Christian Wollmann, Jahrgang 1985 Ausmusterung an der Theresianischen Militärakademie als Infanterieoffizier zum Jägerbataillon 26. 1988 Kompaniekommandant im Landwehrstammregiment 71 in Wolfsberg, später Fliegerabwehr-Batteriekommandant sowie Kasernen- und Garnisonskommandant. Von 1988 bis 2004 mehrere Auslandseinsätze bei UNFICYP, als UN-Beobachter bei UNDOF in Syrien und bei UNTSO im Südlibanon. 2004 bis 2006 Referent für Internationale- und Sprachausbildung im Kommando Luftstreitkräfte in Langenlebarn. Seit September 2006 Referatsleiter Wehrpädagogik&Sprachausbildung im SKFüKdo/J7 in Graz.

Mag. Dr. Jörg Zeyringer, Jahrgang 1962, Motivationspsychologe, Inhaber von "Zeyringer Kommunikation & Training", berät, trainiert und coacht seit 1993 Unternehmen, Führungskräfte und Profisportler. Autor mehrerer Sachbücher, Trainer und Vortragender bei Kongressen im In- und Ausland.

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