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Karl Philipp Fürst von Schwarzenberg

Da sich heuer die Völkerschlacht bei Leipzig zum 200. Mal jährt, tritt die Person Karl Philipp Fürst von Schwarzenberg wieder in den Vordergrund. Der aus böhmischem Adel entstammende Feldherr kämpfte als Offizier in österreichischen Diensten gegen das Osmanische Reich sowie Frankreich und wirkte als Diplomat sowohl am Hof des russischen Zaren Alexander I. in St. Petersburg als auch an dem Napoleons in Paris.

Wenigen österreichischen Feldherren gelang es, Napoleon auf dem Schlachtfeld zu besiegen - 1809 konnte der Bruder des Kaisers Franz I., Erzherzog Carl, bei Aspern und Eßlingen den Korsen in einer Schlacht niederringen, doch der Krieg an sich ging für Österreich verloren. Erst dem aus böhmischem Hochadel stammenden Karl Philipp von Schwarzenberg sollte es mit seinen preußischen, schwedischen und russischen Verbündeten gelingen, den französischen Kaiser in der äußerst verlustreichen Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 zu schlagen. Damit gilt Karl Philipp von Schwarzenberg neben Prinz Eugen von Savoyen und Feldmarschall Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky als einer der größten Feldherren des alten Österreich.

Der Name des Siegers über Napoleon ist im heutigen Österreich noch allgegenwärtig. Zum einen ist es das Reiterstandbild des Feldherrn auf jenem Platz Wiens, der seinen Namen trägt (Schwarzenbergplatz); in der Feldherrenhalle unterhalb der Ruhmeshalle des Heeresgeschichtlichen Museums steht ebenfalls eine Statue. Das Österreichische Bundesheer benannte 1967 seine größte Kaserne nach ihm (Schwarzenbergkaserne in Wals-Siezenheim). Einer seiner direkten Nachkommen ist der heutige Außenminister der Tschechischen Republik, Karel Schwarzenberg.

Aus altem böhmischen Adel

Das böhmische Adelsgeschlecht der Schwarzenbergs mit fränkischen Wurzeln, die bis in das 10. Jahrhundert zurückreichen, gehört zu den ältesten Adelsfamilien Europas. Seit Jahrhunderten befanden sich die Angehörigen des Hauses als Hofbeamte, hohe katholische Geistliche und als Offiziere in den Diensten der Habsburger. Karl Philipp, geboren 1770 in der Residenzstadt Wien, Sohn von Johann I. Nepomuk Anton Fürst von Schwarzenberg, einem sehr der Landwirtschaft zugeneigten Adeligen, trat mit sechzehn Jahren in die kaiserliche Armee ein, und zwar in das Infanterie-Regiment Braunschweig-Wolfenbüttel, das spätere Infanterieregiment Nr. 10, und kletterte rasch die militärische Karriereleiter hoch.

Sein erster Einsatz erfolgte im Krieg gegen das Osmanische Reich (1787 - 1792), dessen militärischer Erfolg auf österreichischer Seite trotz der Wiedereroberung Belgrads 1789 zu keinen großen österreichischen Gebietsgewinn führte. Als neunzehnjähriger Major stand Karl Philipp von Schwarzenberg im Jahr 1791 auf dem Boden des heutigen Belgiens erstmals jenen Streitkräften gegenüber, gegen die er - mit Unterbrechungen - über 24 Jahre als Offizier, aber auch als Diplomat kämpfen sollte - der französischen Armee.

Im Kampf gegen Frankreich

Während der Erste und Zweite Koalitionskrieg1) mit Frankreich für Österreich erfolglos ausging, gelang es dem jungen Offizier, seine Karriere voranzutreiben, wobei Schwarzenberg hier persönlichen Mut und Einsatz zeigte. Für eine von ihm bei Cateau-Cambrésis (heute: französische Gemeinde in Nordfrankreich) geführte Reiterattacke erhielt der erst 23 Jahre alte Oberst Schwarzenberg das Kleinkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens. Diese Attacke zwang die schon siegessicheren Franzosen zum Rückzug und verhinderte ihren Entsatz von Landrecy (heute: Landrecies, Gemeinde in Nordfrankreich). 1796 finden wir ihn bereits als Generalmajor, bevor sich Karl Philipp 1797 für zwei Jahre beurlauben ließ. 1799 ehelichte er Maria Anna von Hohenfeld, Witwe des Fürsten Anton Esterházy de Galantha. Dieser Ehe entsprangen drei Söhne, u. a. der spätere Feldmarschall Edmund Fürst Schwarzenberg.

Im gleichen Jahr kehrte Karl Phi­lipp als Generalmajor an die Front im Westen zurück, wo er im Rahmen des Zweiten Koalitionskrieges (1799 - 1802) gegen das revolutionäre Frankreich kämpfte. Das Beförderungskarussell drehte sich immer schneller, als er bereits ein Jahr danach - nach einer auskurierten Krankheit - mit 29 Jahren als Feldmarschallleutnant seinen Dienst tat. Selbst in der für Österreich so demütigenden Schlacht bei Hohenlinden in Bayern (östlich von München) im Dezember 1800 sorgte Schwarzenberg für einen geordneten Rückzug der österreichischen Nachhut, indem er durch persönlichen Einsatz eine wilde Flucht der Truppe verhinderte.

Soldat und Diplomat

Anlässlich der Thronbesteigung des russischen Zaren Alexander I. im Frühjahr 1801, zu der der junge Offizier an den Hof in St. Peterburg geschickt wurde, begann Schwarzenbergs Karriere als Diplomat. Durch sein wohlwollendes Verhältnis zu Zar Alexander erreichte Karl Philipp sein vordringliches Ziel, die österreichisch-russischen Beziehungen auszubauen. Wieder zurück in Österreich bekleidete der junge Schwarzenberg auch Ämter in der Militärbürokratie, u. a. war er Vizepräsident des Hofkriegsrates. Kurz bevor 1805 der Dritte Koalitionskrieg ausbrach, versuchte Fürst Schwarzenberg als Diplomat Bayern durch ein Ultimatum dazu zu bewegen, sich einem Bündnis gegen Napoleon anzuschließen - doch vergeblich. Als Untergebener des Feldmarschallleutnants Karl Mack gelang es ihm, sich nach dem französischen Erfolg bei Ulm mit Teilen der Reiterei nach Böhmen durchzuschlagen. Nach der Niederlage bei Austerlitz 1805 musste Österreich, gewaltige Gebietsverluste hinnehmend, in den Frieden von Pressburg einwilligen. Mit diesem Friedensschluss nahte auch das Ende des Alten Reiches, des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation". Schon 1804 hatte Franz II. den Titel als "erblicher Kaiser von Österreich" (nun Franz I.) angenommen. Im August 1806 legte er schließlich die Reichskrone nieder. Schwarzenberg selbst gelang es, für seine Leistungen das Commandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens zu erlangen. 1809 befand sich Karl Philipp von Schwarzenberg erneut als Botschafter am Zarenhof, doch nach Ausbruch des Krieges von 1809 kehrte er nach Österreich zurück und nahm als Kommandant einer Kavalleriedivision an der Schlacht bei Wagram teil, nach deren Niederlage der Krieg für Österreich gegen Napoleon vorerst beendet war. Die Monarchie wurde zum Binnenstaat, da der Zugang zur Adria (Triest, Krain, Dalmatien) verloren ging. Dazu hatte der Staat ein Gebiet von rund 100 000 km2 mit rund 3,5 Millionen Einwohnern abzutreten und musste sich der Kontinentalsperre gegen England anschließen.

Diplomat am Hof Napoleons

Fürst Schwarzenbergs nächstes Ziel als Diplomat war der Hof Napoleons in Paris. Nach der Niederlage im Krieg versuchte Außenminister Metternich die Beziehungen zu Frankreich neu zu gestalten und erreichte die Verheiratung der Kaisertochter Marie Louise mit Napoleon, wobei Botschafter Schwarzenberg ihn maßgeblich in Paris unterstützte. Doch Napoleon war trotz der Ehe mit der Kaisertochter kaum zu Konzessionen zu bewegen. 1812 zwang der Korse Österreich und Preußen zu Bündnissen gegen das russische Zarenreich.

Sternstunden als Feldherr

1812 sandte Österreich ein Hilfskorps von rund 30 000 Mann (kein Teil der französischen Armee und unter eigenem Oberbefehl) mit der "Grande Armée" nach Russland, wobei das Korps unter dem Kommando von Fürst Schwarzenberg stand. Er operierte südlich der "Grande Armée" im Raum Brest-Litowsk und den Pripjetsümpfen. Dabei gelang es ihm, dieses Hilfskorps nach der Niederlage Napoleons relativ unbeschadet wieder nach Galizien zurückzubringen. Schwarzenberg führte ein siegreiches Gefecht bei Gorodczna (53 km nordöstlich von Brest-Litowsk) gegen die Russen, hielt sich aber sonst in den Kämpfen sehr zurück. Diese Leistung brachte ihm die Beförderung zum Feldmarschall ein. Österreich trat nun einem Bündnis zwischen Preußen und dem Zarenreich bei und verlangte Napoleons Rückzug aus Mitteleuropa sowie die Auflösung des von ihm initiierten und von Frankreich anhängigen Staatenbündnisses (Rheinbund). Als dieser jedoch ablehnte, erklärte Österreich Frankreich den Krieg, der in der "Völkerschlacht bei Leipzig" und der Einnahme von Paris 1814 gipfelte. Als Chef des Quartiermeisteramtes im Stab von Schwarzenberg entwickelte der junge Johann Joseph Wenzel Graf Radetzky den Plan zur Völkerschlacht bei Leipzig. In dieser Schlacht befehligte Schwarzenberg die Hauptarmee und ging mit seinen Verbündeten als Sieger in diesem gewaltigen Ringen hervor - er stand am Höhepunkt von Karriere und Ansehen. Am 5. Mai 1814 legte Feldmarschall Schwarzenberg sein Kommando nieder, und Kaiser Franz ernannte ihn zum Präsidenten des Hofkriegsrates.

Lebensabend

Doch lange sollte Schwarzenberg seinen Ruhm nicht genießen können. 1817 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. 1820 verstarb Feldmarschall Fürst Schwarzenberg mit nur 49 Jahren während eines Aufenthaltes in Leipzig. Zar Alexander soll bei der Versammlung der drei siegreichen Monarchen von Österreich, Russland und Preußen, die zur gleichen Zeit in Troppau stattfand, ausgerufen haben: "Europa hat einen Helden, ich einen Freund verloren, den ich beklagen werde, solange ich lebe".


Autor: Mag. Martin Prieschl, MA, Jahrgang 1976. 2004 Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Wehrdienst im Panzergrenadierbataillon 13, Angehöriger des JgB Wien I. Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte an der Universität Salzburg. Abschluss in Geschichte 2003 mit Auszeichnung; Auszeichnung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für die besten Studierenden 2003/2004; Ausbildung zum Archivar am Institut für Österreichische Geschichtsforschung (IFÖG Universität Wien) und an der Fachhochschule Potsdam, Dissertation an der Universität Linz über die Reise des Freiherrn zu Dürrenberg durch das Innviertel 1779. Nach dem Studium neben zahlreichen Publikationen u. a. Tätigkeiten im Verlagswesen und Ausstellungskoordinator. 2007 - 2009 Archivar bei der Evangelischen Kirche AB (Oberkirchenrat, Diözese Niederösterreich, Salzburg-Tirol, Militärsuperintendentur), Funktionsdienste bei der Österreichischen Militärischen Zeitschrift ÖMZ. Seit 2009 Geschäftsführer der Fa. Archivtechnik & Systeme (Kommunal- und Firmenarchive).

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