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Pistolenbewaffnung des Bundesheeres - 1955 bis heute

Bei ihrem Abzug aus der Alpenrepublik hatten die Besatzungsmächte 1955 dem nunmehr immerwährend neutralen Österreich Rüstungsmaterial überlassen. Dieses Material bildete auch den Grundstock für die Pistolenbewaffnung des Bundesheeres.

Unter diesem Rüstungsmaterial be­fanden sich das bereits von der B-Gen­darmerie verwendete Rüstungsgut sowie weitere Geschenke, die nicht das Neueste vom Neuen waren. Die US-Amerikaner spendeten bzw. liehen die Ausrüstung für zwei Divisionen im Zuge des Military Assistance Programme (MAP). Es folgten die Sowjets und dann mit großem Abstand die Briten und Franzosen mit Überlassungen, Leihen und Spenden.

Für die Ausrüstung mit Pistolen gab es auch andere Quellen für das Bundesheer. So erhielt es im Jahr 1958 von der Polizei nach deren Umrüstung auf die Walther-Polizeipistole (PP), Fertigung Manurhin, 1 950 Stück P38.

Die Pistolen der Anfangszeit blieben teilweise über drei Jahrzehnte im Einsatz und wurden erst ab Mitte der 1980er-Jahre durch die moderne Glock 17 (Pistole 80) ersetzt. Damit lag Österreich im internationalen Schnitt, was die Verwendungsdauer von Pistolen betraf. Andere Staaten lösten die Armeepistolengeneration aus dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Bewaffnung deutlich später ab. Während in vielen anderen Ländern die Pistolenausstattung bei den Streitkräften mehr oder weniger einheitlich war, verfügte das Bundesheer bis zur Ablöse durch die P80 über ein Sammelsurium an Pistolen, das in der Tabelle vorgestellt wird.

Die Pistolen der Anfangszeit

Die Anfangszeit des Bundesheeres wurde von den Pistolen 08 (P08) und Pistolen 38 (P38) der Deutschen Wehrmacht sowie von der US-amerikanischen P11 dominiert. Das Kaliber 9 mm Parabellum/Luger erhielt im Bundesheer seine Bezeichnung von der P08 als "9 mm S-Patrone/P08" und behielt diese bis 2004, als die Glock schon längst eingeführt war. Erst dann wurde sie auf "9 mm S-Patrone/P80" geändert.

Während die P08 bereits 1964 ausgeschieden worden war, vermehrte sich der Bestand an P38 kontinuierlich, da sie zur Standardpistole des Österreichischen Bundesheers bestimmt worden war. Aufgrund technischer Probleme, die fallweise zu Gefährdungen der Schützen beim Scharfschießen führte, war diese Waffe aber oft gesperrt, und die P11 musste als Ersatz für die Schießausbildung herhalten. Durch den Umbau der Schlag- und Sicherungseinrichtung der P38 um 1960 konnten zwar gewisse Probleme beseitigt werden, allerdings machten sich in weiterer Folge Abnützungserscheinungen bemerkbar, die im Extremfall zum Abreißen der Schlitten (Bruch des Verschlusses an der schwächsten Stelle auf Höhe der Ausnehmungen für den Verrieglungsblock) bei der Schussabgabe führen konnten.

Die 7,65 mm Pistole Walther PPK, Fertigung Manurhin, wurde bei der Fliegertruppe sowie als Sonderbewaffnung beim Bundesheer ab 1956 eingeführt. Das obige Foto wurde 1997 zu Anschauungszwecken aufgenommen, und zeigt wie die PPK als Flugzeugführerbewaffnung der österreichischen Luftstreitkräfte im Halfter, aber im Einsatz unter der Fliegerkombi bzw. -jacke getragen wurde.

Auch das UN-Sanitätskontingent im Kongo war damit ausgestattet. Dabei handelte es sich um den ersten Auslandseinsatz des Bundesheeres im Jahre 1960. Als Sonderbewaffnung wurde die PPK z. B. im nachrichtendienstlichen Bereich des Bundesheeres oder für Abteilungsleiter im BMLV verwendet. Daneben gab es noch in geringer Anzahl die 6,35 mm Pistole "Browning Baby", die ebenfalls im nachrichtendienstlichen Bereich verwendet wurde.

Bedingt durch den immer gegebenen Mangel an P38, wurden jene in kleinen Mengen im Österreichischen Bundesheer vorhandene Pistolen für sekundäre Zwecke, z. B. zur Bewaffnung der Zivilwächter (Hundeführer) der Munitionslager, ausgegeben. Diese Waffen wurden als "nicht eingeführte" Pistolen bezeichnet. Dazu zählten die 9 mm Pistolen Browning (High Power), die Radom-(VIS), die Frommer M37, die 7,65 mm Pistole M27 (CZ 27) sowie die 7,62 mm Pistole Tokarew (TT33). Diese Pistolen wurden alle nach Einführung der Glock nach und nach ausgeschieden. Zuletzt (frühe 1990er-Jahre) wurden die Tokarew-Pistolen bis 1994 im Wahlsport "Schießen" der Berufsoffiziersanwärter an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt dazu verwendet, die Munitionsbestände an 7,62 mm S-Patronen/MP41 aufzubrauchen.

Ein Jahrzehnt des Wartens

Jahrelang wurde vom Amt für Wehrtechnik gemeinsam mit der Erzeugerfirma Walther versucht, die technischen Probleme der P38 in den Griff zu bekommen, was aber letztlich nicht gelang. Um 1970 entschloss sich deshalb die Planungsabteilung im BMLV, eine neue Pistole einzuführen, und erstellte die taktisch-technischen Forderungen. Trotzdem musste die P38 nach der damaligen Planung noch über ein Jahrzehnt dienen, und man versuchte nach wie vor, die Probleme zu lösen. Bis zur Ablösung durch die Glock 17 (P80) blieb die P38 ein Sorgenkind der Wehrtechnik. Aufgrund der traditionsreichen Kooperation zwischen der Steyr-Daimler-Puch AG (SDPAG) und dem BMLV (Stichwort gemeinsame Entwicklung SSG 69 und StG 77 - letztere lief gerade) wandten sich die Planer im BMLV an die Traditionswaffenschmiede in Steyr um ein Angebot für eine Pistole. Tatsächlich hatte die SDPAG eine innovative Armeepistole zur Verfügung, mit deren Entwicklung sie Ende der 1960er-Jahre begonnen hatte. Diese Pistole verfügte über das aktuelle Kaliber 9 x 19 (9 mm Luger/Parabellum), einen Spannabzug mit außen liegendem Hahn, eine hohe Magazinkapazität und ein unkonventionelles Funktionsprinzip. Dabei handelte es sich um einen Masseverschluss, der durch die aus dem Lauf teilweise abgeleiteten Pulvergase abgebremst und dadurch in seinem Rücklauf verzögert wurde. So ersparte man sich eine technisch aufwändige starre Verriegelung, wie sie sonst bei derartigen Pistolen üblich ist. Die erste Erprobung dieser Pi18 genannten Waffe (18 von der Magazinkapazität von 18 Schuss abgeleitet) durch das Österreichische Bundesheer erfolgte allerdings erst 1974, als die Steyrwerke Erprobungswaffen vorlegen konnten. Es folgten Jahre des Experimentierens mit dieser Waffe, deren Entwicklung von der SDPAG auf "Schmalspur" betrieben wurde, da die Herstellung der Serienreife des StG 77 wichtiger war. Diese später "Steyr GB" (GB steht für Gasbremse) genannte Pistole konnte trotz starker Favorisierung durch gewisse Wehrtechniker und Entscheidungsträger im BMLV nicht wirklich überzeugen. Knapp vor der Einführung, setzten sich schließlich deren Gegner im BMLV durch. Die GB war auch später auf dem Zivilmarkt kein großer Erfolg. Aufgrund der Enttäuschung mit der Steyr-Pistole rief man im BMLV 1980 das Projekt "P80" ins Leben, das vorerst aus einer intensiven Marktforschung bestand. Die neue Pistole des Bundesheeres sollte kostengünstig und einfach in der Handhabung sein sowie über eine große Magazinkapazität verfügen.

Die Steyr-Pistole GB - hier (rechtes Bild) ein Prototyp - stand um 1980 knapp vor der Einführung als Bundesheerpistole.

Geburt und Erfolg der Glock-Pistole

Der Markt konnte das gewünschte nicht bieten, aber ein Heereslieferant, der das Österreichische Bundesheer bisher mit Übungshandgranaten, Maschinengewehrgurten und Feldmessern (Feldmesser 77) beliefert hatte, erklärte sich bereit, eine Waffe nach den Wünschen des BMLV zu entwickeln. Es handelte sich um Ing. Gaston Glock, Inhaber der Glock KG in Deutsch-Wagram. Er scharte in aller Eile ein Team von Experten um sich, und in wenigen Monaten war ein Prototyp fertig. Das Griffstück bestand aus Polymermaterial, und die Waffe verfügte über keine manuelle Sicherung, sondern über einen innovativen Abzug mit vorgespanntem Schlagbolzen, was einen ab dem ersten Schuss ständig gleichmäßigen Abzugswiderstand garantierte. Vom Amt für Wehrtechnik wurde die Waffe unter härtesten Bedingungen erprobt und getestet und es erfolgten laufende Verbesserungsvorschläge, die Glock auch umsetzte. 1981/82 erfolgte eine Vergleichserprobung mit 20 in- und ausländischen Pistolenmodellen, aus der die Glock als Waffe, die eigentlich noch in der Entwicklung steckte, als Siegerin hervorging.

GenMjr i. R. Dipl.-Ing. Friedrich Dechant, zuletzt Leiter des Amtes für Wehrtechnik, ist auf militärischer Seite als die treibende Kraft bei der Entwicklung und Einführung der Glock-Pistole anzusehen.

Im Sommer/Herbst 1982 erfolgte schließlich eine Truppenerprobung, die zur vollsten Zufriedenheit verlief. Lediglich der Auswurfwinkel der Hülsen wurde korrigiert, da die Schützen oft von den leeren Hülsen am Kopf getroffen wurden. Nachdem die Glock auch in einer noch 1982 erfolgten kaufmännischen Ausschreibung des BMLV den ersten Platz von neun Anbietern erreichte, wurde sie schließlich 1982 mit der Bezeichnung "9 mm Pistole 80" im Bundesheer als neue Armeepistole eingeführt. Der Lieferauftrag wurde von der Fa. Glock vom Frühjahr 1983 bis Herbst 1985 planmäßig erfüllt. 2002/03 erfolgte ein "Update" der Bundesheer-P80. Sie erhielten ein neues Griffstück, wodurch sie auf den damals neuesten technischen Stand von Glock angehoben wurden ("Generation 3"). Neben dem zivil als G17 bezeichneten Modell P80 sind im Österreichischen Bundesheer noch kleinere Mengen an 9 mm P18C (G18C, Dauerfeuervariante der G17), P26 (G26, Subkompaktmodell) und 11,43 mm P21 (G21, Dienstpistolengröße im Kal. .45 ACP) für spezielle Dienste eingeführt. Durch die Einführung der G17 als P80 beim Österreichischen Bundesheer war für die Fa. Glock der Grundstein für den Welterfolg gelegt, den sie in den letzten beiden Jahrzehnten errungen hat. In den USA führen zwei Drittel von Hunderttausenden Dienstwaffenträgern eine Glock, über 7 Millionen Pistolen hat der heutige Weltmarktführer auf dem Faustfeuerwaffensektor bis dato erzeugt und in alle Welt exportiert.

Resümee

Faustfeuerwaffen spielen heute in der Bewaffnung moderner Streitkräfte nur mehr eine absolut untergeordnete Rolle. Trotzdem übt eine Pistole auf den Dienstwaffenträger oft eine gewisse Faszination aus, nicht zuletzt deshalb, weil sie im Ernstfall zum Lebensretter werden kann. Das Österreichische Bundesheer musste sich seit seiner Gründung jahrzehntelang auf dem Pistolensektor mit einem Sammelsurium von Waffenmodellen zufriedengeben, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammten - nicht nur was ihre Konstruktion betraf, sondern auch ihr technisches Alter. Dieser unbefriedigende Zustand konnte 1982 mit der Einführung der Glock 17 als "9 mm Pistole 80" endlich beendet werden. Österreichische Wehrtechniker hatten maßgebenden Anteil an der Entwicklung der Glock-Pistole, deren Beschaffung durch das Österreichische Bundesheer den Weg zum weltweiten Verkauf ebnete. Das Bundesheer hat mit der Glock eine Faustfeuerwaffe, die noch auf lange Sicht den Erfordernissen einer modernen Armeepistole voll entsprechen wird.


Autor: Oberst dhmtD Mag.iur. Dipl.-Ing. Hans Dieter Faißner, Jahrgang 1957. 1993 bis 2000 Berghauptmannschaft Leoben/Referent, 2001 bis 2002 Berghauptmannschaft Innsbruck/Leiter, 2003 dienstzugeteilt zum Amt für Rüstung und Wehrtechnik/Leiter der Abteilung Zentrale Dienste, 12/2003 Übernahme als MBO1 zum Heeres-Bau- und Vermessungsamt, stv. AbtLtr Abteilung Bau- und Gebäudetechnik, Referat mil. Sonderbau. Milizfunktionen: Kdt/JgZg, Kdt/SpKp Präbichl, KO/JgB 19, 1990/91 KO/AUSBATT-UNDOF, Ausbildung zum OffzdhmtD im Amt für Wehrtechnik/Abt. PiBau 1994, ComputerO/stvS6/KdoHV. Derzeit Ltr Ref mil Sonderbau im MIMZ.

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