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European Advance 2013

Die European Advance 2013 (EURAD13) war die größte Übung des Österreichischen Bundesheeres dieses Jahres. Von 21. Mai bis 7. Juni trainierten mehr als 4 000 Soldaten und Soldatinnen aus Österreich, Deutschland, Frankreich und Italien unter der Führung des Streitkräfteführungskommandos. Geübt wurde die internationale Zusammenarbeit bei einer Offensivoperation einer EU-Battlegroup.

Das Übungsszenario

Im März dieses Jahres griff der fiktive Staat Redland sein Nachbarland Greenland an und nahm Teile dessen Staatsgebietes - in der Übung der Truppenübungsplatz Allentsteig - widerrechtlich in Besitz. Auf Ersuchen der Vereinten Nationen entsandte die Europäische Union eine multinationale EU-Battlegroup. Diese sollte die Streitkräfte von Redland zum Abzug aus Greenland bewegen und ein sicheres und stabiles Umfeld für die Bevölkerung schaffen. Danach sollten politische Verhandlungen zur Befriedung der Region führen.

Der Erfolg dieser Mission hing neben dem klassischen militärischen Können auch von der Fähigkeit der multinationalen EU-Battlegroup ab, mit zivilen Organisationen zusammenzuarbeiten. So war die Bewältigung der dargestellten schwierigen humanitären Lage im Krisengebiet ein Schlüssel zum Erfolg der Übungstruppe. Das Ziel der EU-Mission war es, Frieden und Stabilität für die Menschen in der Region Red- und Greenland zu schaffen.

Das Übungsgebiet

Die Soldatinnen und Soldaten trainierten in einem Gebiet mit den Eckpunkten Truppenübungsplatz Allentsteig, Horn, Weitra und Langenlebarn. Der Großteil des Trainings fand jedoch auf dem Übungsplatz Allentsteig statt.

Bedrohungen gemeinsam begegnen

"Wir sind alle umgeben von verschiedenartigen Bedrohungen, die nur allzu schnell Wirklichkeit werden könnten", so der Kommandant der österreichischen Streitkräfte Generalleutnant Franz Reißner. Die Bedrohungen erstrecken sich in einer globalisierten Welt von Cyber-Angriffen und internationalem Terrorismus bis hin zu religiösem Fundamentalismus und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. "Diesen Bedrohungen können wir nur gemeinsam begegnen." So setzte sich die EU-Battlegroup der Übung aus vier Nationen zusammen: Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich.

Wie begegneten nun die Soldatinnen und Soldaten der EU-Battlegroup den Bedrohungen in einem instabilen Staat, weit weg von den heimatlichen Basen, getrennt durch ein Meer? Vorerst galt es, den Einsatzraum zu erreichen und sich für die Übung einzurichten.

Beginn der Übungsphase

Oberst Stefan May von der Pressestelle berichtet über den Übungsstart: Es summt wie in einem Bienenhaus - Einweisungen an Lagetafeln, Briefings, Arbeit an Computern. Das Exercise Directorate ist im großen Saal im Zentralbau des Lagers Kaufholz auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig eingezogen. Die Steuerungszentrale der EURAD13 wird so bezeichnet, weil auch die Übungsleitung international besetzt ist: Deutsche, französische und italienische Uniformen stechen aus dem Grün des Österreichischen Bundesheeres hervor. Auch die Versorgung, wie etwa Unterkünfte und Verpflegung, organisiert die Steuerungszentrale.

Versorgung

Das Jägerbataillon 18 wird eine wesentliche Rolle bei der Übung spielen. Schon jetzt führt die Stabskompanie zweimal täglich die Mahlzeiten für die schon anwesenden Heeresangehörigen aus: In 74 Kochkisten werden 251 Portionen bereitgestellt. Dabei geht es für den Dienstführenden Unteroffizier und seine Helfer schon früh los: Um vier Uhr morgens erfolgt täglich der Start, die erste Auslieferung endet um zehn Uhr, die zweite Runde wird zwischen 1500 und 2100 Uhr gefahren. Nächste Woche, wenn alle Soldatinnen und Soldaten eingetroffen sind, werden deutlich mehr Mahlzeiten auszugeben sein.

Darstellung von Minenopfern

Technik wie im Film: Verletzungen sind vorgefertigt und werden auf die Körper geklebt. Damit die Wunde wie echt blutet, drückt der Verletzten-Darsteller auf eine kleine Pumpe in seiner Jackentasche. So wird aus einem Beutel, der in der Jacke versteckt ist, eine rote Flüssigkeit zur Wunde gepumpt. Auf diese Weise wird das richtige Verhalten der Soldaten des Kampfmittelabwehrzuges beim Mineneinsatz im Rahmen der Evaluierungsübung gefordert. Sie geht heute zu Ende - doch nach der Übung ist vor der Übung: Schon werden Aktivitäten für die gerade beginnende EURAD13 getätigt.

Erste Befehlsgebung

Die 7. Jägerbrigade als Battlegroup arbeitet die ersten Befehle aus. Am nächsten Vormittag präsentiert sie der Übungsleitung ihren Plan der Durchführung. Über das Wochenende ist Aufklärung durch das AAB7 mit zugeordneten Teilen angesetzt. Dabei werden spezielle Fernspähmittel der französischen und deutschen Teilnehmer, wie Drohnen und elektronische Aufklärung, zum Einsatz kommen (siehe nachfolgenden Bericht "Aufklärung und Wirkung aus einer Hand").

Abhängig vom Ergebnis der morgigen Entscheidungen der Brigade wird die Übungsleitung ihr Drehbuch für den weiteren Verlauf der Übung ada­p­tieren.

Die EUBG trainiert den Angriff

Bevor die EUBG den Angriff auf Kräfte der Redland-Forces in der letzten Übungswoche startete, ließ sie alle ihre dafür vorgesehenen Kräfte die Einsatzart "Angriff" trainieren. Ziel war es, das Zusammenwirken aller Kräfte in der Luft und auf dem Boden zu üben. Nur das Zusammenwirken aller Kräfte lässt einen Angriffserfolg erwarten.

Major Pierre Kugelweis begleitete den Trainingsangriff der EUBG und berichtet: Dumpfes Motorenbrummen, eine Eisenkette quietscht schrill, vereinzelt verhaltene Rufe aus den Gebüschen, geduckt huschende Soldaten. Die letzten Vorbereitungen zum Angriffsbeginn des panzerverstärkten multinationalen Jägerbataillons 18 auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig laufen. Übungsziel des Tages ist es, den Widerstand von Redland-Soldaten zu brechen.

Angriffsübung als Vorbereitung

Oberstleutnant Karl Heinz Tatschl, Kommandant des Jägerbataillons 18, erklärt in seinem Kommandopanzer - gegen das Aufheulen eines Panzermotors anschreiend - den Grund der Angriffsübung: "Wir rechnen damit, dass in den nächsten Tagen für das Bataillon ein Angriffsbefehl ergehen wird. Ziel sind voraussichtlich Irreguläre, die hier die Krisenregion mit Gewalt terrorisieren. Zur Vorbereitung darauf üben wir." Eine Funkmeldung trifft ein. Er blickt wieder konzentriert auf seine Lagekarte.

Das Kampfbataillon

796 Soldatinnen und Soldaten stellen sich für den Angriff bereit. Das Infanteriebataillon wurde für diesen Zweck mit einer Panzergrenadierkompanie der Deutschen Bundeswehr verstärkt. Weiters stehen den Infanteristen vier Kampfpanzer "Leopard" des Bundesheeres zur Seite. Diese eignen sich einerseits zur Bekämpfung gegnerischer Panzer. Andererseits bieten sie den Infanteristen Schutz im unübersichtlichen Häuserkampf. Aber wird das reichen? Dazu Tatschl: "Das panzerverstärkte Jägerbataillon verfügt über die notwendige Schlagkraft, um heikle Missionen gegen konventionelle Bedrohungen in der Krisenzone zu erfüllen - und das bei größtmöglichem Schutz für meine Soldaten. Jetzt gilt es also, die unterschiedlichen Teile im Gefecht zum Zusammenwirken zu bringen."

Der Angriff läuft

Plötzlich kommt Bewegung in die umliegenden Wälder. Zwölf Schützenpanzer der deutschen Panzergrenadierkompanie und vier österreichische "Leopard"-Panzer setzen sich mit röhrenden Motoren in Bewegung. Panzerketten zerschneiden das gleichmäßige Grün der ungemähten Wiesen. Tatschl zwischen zwei Funksprüchen: "Wir nehmen den Gegner nun in die Zange. Rechts schicke ich die Panzer vor. Unter deren Schutz greift danach durch den Wald die Infanterie an." Eine Information trifft am Kommandopanzer ein: Die Panzer haben das befohlene Gelände, eine beherrschende Höhe, in Besitz genommen.

Auf Augenhöhe

Zwei Kilometer entfernt steht, wie auf einem Feldherrenhügel, ein deutscher Radpanzer mit langen Antennen. Aus den geöffneten Panzerluken beobachten zwei hohe deutsche Offiziere den Angriff des multinationalen Bataillons. Oberstleutnant Martin Mayer ist Bataillonskommandeur der beim Angriff eingesetzten deutschen Grenadierkompanie. Er zeigt sich bei der Inspektion seiner Soldaten hochzufrieden: "Für uns ist die Teilnahme an dieser Übung ideal. Hier können die Soldaten ihre militärischen Grundfertigkeiten auffrischen." Und zur Zusammenarbeit mit dem Jägerbataillon 18: "Die funktioniert sehr gut. Sie ist fachlich und kameradschaftlich voll auf Augenhöhe."

Angriffsziel genommen

Stunden später, vier Kilometer weiter die Lagemeldung vom Kommandanten der vordersten Angriffskompanie: "Redland-Kräfte geworfen, Angriffsziel genommen!" Bataillonskommandant Oberstleutnant Tatschl: "Ich freue mich, dass alles schon beim ersten Mal so gut funktioniert hat. Immerhin ist so ein Angriff kein Kinderspiel. Da müssen alle Angriffsteile präzise zusammenarbeiten, wie Zahnräder einer Uhr ineinandergreifen." Die nächsten Aufgaben für das panzerverstärkte Jägerbataillon 18 treffen per Funk bereits ein. Tatschl noch: "Die nächste Woche wird spannend. Da warten sicher einige knifflige Aufgaben auf uns." Und mit einem breiten Lachen: "Aber ich mach mir da keine Sorgen. Mit diesem Bataillon, davon bin ich überzeugt, schaffen wir die größten Herausforderungen." Die laufende Übungsauswertung des Angriffes ergab, dass verteidigende Infanteriekräfte mit mittlerer und weitreichender Panzerabwehr scheinbar unverwundbaren Waffensystemen, wie Panzern, hohe Verluste zugefügt haben.

Das Übungshighlight

In der letzten Übungswoche hatten alle Teilnehmer besonders eng zusammenzuwirken. Das Schwergewicht der EU-Battlegroup lag - vor allem nach den hohen Ausfällen bei der vorangegangenen Offensivoperation - auf dem Angriff gegen nicht kooperative Redland-Kräfte in der urbanen Trainingsanlage in Steinbach, nahe Allentsteig.

Kampf um Steinbach

6. Juni 2013: Steinbach hat alles, was eine Ortskampf-Anlage braucht, berichtet Oberst Stefan May: Ein Gasthaus, eine Bank, Schießscharten in Zäunen, eine Trümmerstrecke, zwei ausgediente Eisenbahnwaggons, einen zerbeulten Linienbus, eine Telefonzelle und eine kleine Kirche in der Mitte des Dorfes. Mittwochmittag sitzen Soldaten einer Kompanie der Redland-Armee mit dunkel getarnten Gesichtern auf Feldbetten in den kahlen Häusern und machen Mittagspause mit Kaltverpflegung. Die Wege zwischen den Gebäuden sind aufgewühlt wie auf einer Pferdekoppel. Seit den frühen Morgenstunden erwarten sie den Angriff der EU-Battlegroup.

1525 Uhr: Alarm, Funkspruch: "Sierra Alpha steht im Feuerkampf bei Mannshalm." Verschlüsse klacken, entfernt fallen Schüsse. Stellungen werden bezogen.

1545 Uhr: Gewehrläufe ragen aus Zaunlücken, Vogelgezwitscher, sonst nichts, Spannung liegt in der Luft. Die Vorpostengruppen außerhalb Steinbachs mit ihren Panzerabwehrlenkwaffen machen den angreifenden Kettenfahrzeugen offenbar zu schaffen. Stundenlang passiert in der Ortschaft nichts.

1900 Uhr: Die Sonne zwängt sich hinter den Horizont. Übungsunterbrechung. Fortsetzung tags darauf.

Donnerstagmorgen: Aus grauem Nebel nieselt es. Es ist totenstill im von Redländers besetzten Dorf, die trügerische Ruhe einer scheinbar verlassenen Westernstadt.

0830 Uhr: Panzer brummen hinter der ansteigenden Wiese so nahe wie nie zuvor. Taktische Stellungswechsel, die Hauptschussrichtung nach Süden. Zur Rundumverteidigung eingerichtet. Zehn Minuten später brechen die ersten Schüsse, aus allen Ortsteilen gellen Feuerbefehle, monoton dröhnen die sich nähernden Panzer. Hektische Funksprüche sind auf allen Kanälen zu hören.

Panzer und Kämpfe auf kurze Distanz

0855 Uhr: Erste Panzer erscheinen an der Geländekante oberhalb der Wiese, Panzerabwehr-Trupps hasten in Wechselstellungen. Der Feuerkampf beginnt nun auch infanteristisch.

0925 Uhr: Das Schreien der Kommandanten wird eindringlicher, Maschinengewehr-Salven rattern. Gelassen in ihrer bedrohlichen Überlegenheit warten zwei Schützenpanzer an der Ortseinfahrt auf den Einsatz im finalen Gefecht. Eine Schützenkette hat sich im Graben eines Wäldchens unerkannt ins Dorf vorgearbeitet. Wilde Schreie, auftauchende Helme im Weizenfeld, künstlicher Nebel wabert über die Straße. Die Kämpfe werden auf kurze Distanz ausgefochten.

Kämpfe auf kurze Distanz

0945 Uhr: Der Kampf um Steinbach geht weiter. Aus der langen Feuerdistanz ist ein Kampf Mann gegen Mann geworden. Zur Ortsmitte zieht er sich wie ein Würgegriff zusammen. Am Straßenrand sitzen die Ausgefallenen und drehen ihre Helme in den Händen. Zäh verteidigen die übrigen Redländers ihren Ort.

Männer mit weißen, gelben und gelbgrünen Armbinden - Schiedsrichter, Übungsleitung und Presse - schlendern zwischen den Kämpfenden dahin. Schreien, Klicken, Knattern, begleitet von der monotonen Grundmelodie der abwartenden Panzer. Die Verteidiger ziehen sich in einen Ortsteil zurück - Steinbach, die geteilte Stadt. Empörte Schüsse empfangen die von der Geländekante herunterstürmenden Angreifer. Leuchtmunition pfeift. Aus Schreien von Befehlen ist Brüllen geworden.

Kurz vor 1000 Uhr: Die Schützenkette tritt aus dem Graben im kleinen Waldstück, ruft nach Feuerunterstützung. Schiedsrichter lassen Soldaten ausfallen und wieder weiterkämpfen. Nicht nur Katzen haben sieben Leben. Rund um den Dorfplatz raucht es, Sekunden des Atemholens. Unterdessen finden sich die Ausgefallenen in Gruppen an der Sanitätsstation zusammen und fragen einander, wie lange sie überlebt hätten. Ein MG-Trupp saust über den Dorfplatz zu einer neuen Stellung.

1010 Uhr: Panzer stehen mitten im Dorf. Einer sichert, das Rohr bewegt sich wie der Fühler eines lauernden Insekts. Nur mehr eine Handvoll Redländer hält das eine oder andere Gebäude. Wo sie kurz zuvor noch saßen, kauern nun die Angreifer der Battlegroup hinter den Zäunen.

1110 Uhr: Geschätzte 90 Prozent der im Dorf Anwesenden kämpft nicht mehr. Um halb Zwölf ertönt über Lautsprecher das Angebot der Angreifer zur Aufgabe. 15 Minuten haben sie dafür Zeit. Nach zehn Minuten stehen drei Redländer mit erhobenen Armen auf dem Dorfplatz und werden entwaffnet. High Noon: Auftrag erfüllt, die EU-Battlegroup hat Steinbach für Greenland genommen.

EURAD13 - mehr als eine Angriffsübung War der Kampf der verbundenen Waffen eine gezielte Herausforderung für alle Übungsteilnehmer, bewies der umfassende Konfliktlösungsansatz (Stichwort: Comprehensive Approach) in der Einsatzführung der EU-Battlegroup die hohe Leistungsfähigkeit der 7. Jägerbrigade, mit all ihren Unterstellten komplexe Aufgaben zu lösen. So war die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen bei der Bewältigung der dargestellten schwierigen humanitären Lage der Bevölkerung ein unverzichtbarer Teil des Konfliktmanagements der EU-Battlegroup. Brigadier Christiner, Kommandant der EUBG, hatte seine Einsatzführung, selbst während des Angriffes, mit Vertretern der Vereinten Nationen - dargestellt von Akademikern und Absolventen des Masterlehrganges "Master of Arts Programm in Peace Development and Conflict Transformation" an der Universität Innsbruck - eng zu koordinieren.

Resümee der Übungsleitung

"Die Vorbereitung hier war wichtig, weil wir uns als Stab aufgrund der Mühen des täglichen Betriebes in Graz oder Salzburg nicht hätten auf die Übung vorbereiten können", sagte der organisatorische Leiter der Übung, Oberst Johann Jamnig. Im Ablauf sei dann ziemlich alles umgesetzt worden, was man sich vorgenommen hatte. "Es zeigte sich aber, dass Gefechtsübungen mit Volltruppe notwendig sind. Ich denke da besonders an den Bereich der Geländeausnützung und an die gesamte Verwundetenversorgung", so Jamnig.

Besonders positiv beurteilt der Organisationsleiter der EURAD13 die ausländische Beteiligung: "Die ausländischen Kräfte, vor allem der multinationale Aufklärungs- und Wirkungsverbund, sind unheimlich wertvoll. Sie bringen Hard- und Software, Wissen und Sichtweisen mit. Sie stellen sicher einen Meilenstein in der Weiterentwicklung der Streitkräfte dar. Das sollten wir weiterverfolgen." In seinem Lob für die internationalen Teilnehmer trifft sich Oberst Jamnig mit dem taktischen Leiter der Übung, Generalmajor Heinrich Winkelmayer: "Das war und ist ein Highlight", sagt dieser. "Sie bringen die Assets, die wir noch nicht haben, und sie zwingen uns, Englisch zu sprechen." Als große Beeinträchtigung der EURAD13 bezeichnet Generalmajor Winkelmayer das Hochwasser in der zweiten Übungswoche: "Eine Kampfgruppe konnte nicht teilnehmen, aber es ist einzusehen, dass sie im Heimatbefehlsbereich geführt werden musste." Damit sprach er das Jägerbataillon Oberösterreich an, das mit 500 Soldatinnen und Soldaten zu Beginn dieser Woche vom Übungseinsatz zum Hochwassereinsatz umdirigiert wurde. Auch Luftfahrzeuge wurden von der Übung dorthin abgezogen. Für Generalmajor Winkelmayer stellte dies alles "eine gravierende Einschränkung" für den Übungsablauf dar, aber: "Es gibt ohnehin einen Schichtbetrieb in der Übungsleitung, soviel Flexibilität muss sein."

Fazit

Grundsätzlich sei die Übung aber so abgelaufen, "wie wir sie uns vorgestellt haben", so der Generalmajor. Sein Resümee: "Üben, üben, üben! Von den ‚Basics‘ bis zur Koordination von Feuer und Bewegung oder Feuer und Spezialelementen." Dabei solle man Übungen aber nicht zu groß werden lassen, denn er halte nicht viel von Großmanövern: "Es war gerade eine passende Größe", sagt Generalmajor Winkelmayer. "Alles darüber macht man besser am Computer."

Autoren: Major Mag.(FH) Pierre Kugelweis, geboren 1973 in Graz, 1993 eingerückt in Kufstein Jägerbataillon 21, 1994 Auslandseinsatz bei UNDOF; 2006 Ausmusterung an der TherMilAk "Graf Salm"; 2008 bis 2011: Offizier für Öffentlichkeitsarbeit der Task Force 18 (KPE) und Auslandseinsatz bei AUTCON19/KFOR; seit 2011 Referent Öffentlichkeitsarbeit & Medien beim Streitkräfteführungskommando, seit 2013 Pressesprecher der Streitkräfte.

Oberst Stefan May, geboren 1961 in Wien, dort auch Studium der Rechte. Redakteur bei "Presse" und ORF in Oberösterreich und Wien, ORF-Korrespondent in Berlin. Seit 2000 selbständiger Journalist in Berlin, tätig für österreichische und deutsche Medien. 1979 EF-Jahr als Jäger im Gardebataillon. In der Miliz Zugs- und Kompaniekommandant, S4-Ausbildung. Beordert als Presseoffizier beim MilKdo S.



Aufklärung und Wirkung aus einer Hand

Das österreichische Aufklärungs- und Artilleriebataillon ist nicht nur in der Lage, zusätzliche Sensoren und Wirkmittel anderer Nationen aufzunehmen und im Verbund von Aufklärung und Wirkung zu führen, sondern beweist darüber hinaus einen hohen taktischen Nutzen für die Unterstützung einer EU-Battlegroup in Krisenmanagementoperationen. Die Überprüfung der Praxistauglichkeit erfolgte während der Übung EURAD13.

"Nachdem die Bedeutung multinationaler Auslandseinsätze stetig zunimmt, sei es unerlässlich, bereits im Vorfeld durch ein gemeinsames nationenübergreifendes Training die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Ausland zu schaffen." (Generalleutnant Franz Reißner, Kommandant der österreichischen Streitkräfte, anlässlich der Eröffnungsfeier EURAD13).

Das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 7 (AAB7) war bei der EURAD13 als führendes Kommando eines ReconArtyBn (Reconnaissance Artillery Battalion) sowohl für die Informationsgewinnung als auch für die weitreichende indirekte Feuerunterstützung der multinationalen EU-Battlegroup verantwortlich. Zwei Aufgabenbereiche in einem Bataillon.

Übungsziel

Neben der Erreichung der vorgegebenen allgemeinen Übungsziele für die EU-Battlegroup, nämlich bestehende Kompetenzen zu festigen und die Abläufe eines EU-geführten Einsatzes zur Krisenbewältigung weiter zu verbessern, stellten sich für das AAB drei wesentliche Prüffragen:

  • Funktioniert der Aufklärungs- und Wirkungsverbund AAB als Teil einer EU-Battlegroup?
  • Wie groß ist der taktische Nutzen eines AABs im Rahmen einer Krisenmanagementoperation?
  • Ist das AAB ausreichend international zusammenarbeitsfähig (interoperabel)?

Die EURAD13 bot also die Gelegenheit, den Aufklärungs- und Wirkungsverband im Feld kritisch zu beleuchten, den taktischen Wert und vor allem den Nutzen für waffengattungsfremde Soldaten praktisch darzustellen und darüber hinaus Lernfelder zu erkennen, um das System AAB zukunftsorientiert weiterentwickeln zu können.

Die geforderten taktischen Aufgabenstellungen in den jeweiligen Phasen der Einsatzführung führten zu folgenden Erkenntnissen.

Funktioniert der Aufklärungs- und Wirkungsverbund AAB als Teil einer EU-Battlegroup?

Ja, weil dies internationale Evaluatoren nach klaren und objektiven Kriterien so festgestellt haben, und das ReconArtyBn mit der Bestnote "Excellent" auszeichnen konnten. Dazu ein Auszug aus dem Initial Field Report betreffend ReconArtyBn:

"Goodshows: Gelebter Aufklärungs- und Wirkungsverbund; durch die eingespielte Führungsorganisation war das ReconArtyBn in der Lage, nicht nur den taktischen Führungsprozess mit den wesentlichen Teilschritten des Intelligence-Cycles und des Targeting-Cycles zu verknüpfen, sondern handlungssicher und nahezu verzugslos Wirkung für den Bedarfsträger über alle zugänglichen Sensoren bereitzustellen."

Wie groß ist der taktische Nutzen eines AABs im Rahmen einer Krisenmanagementoperation?

Der taktische Nutzen eines AABs als wesentlicher Träger militärischer Nachrichtengewinnung und weitreichender indirekter Feuerunterstützung konnte sich in der Übung mehrfach bestätigen. Entsprechend dem Wesen eines AABs mit permanenter "Sensor to shooter" Verbindung, profitierte insbesondere die Task Force 18 durch ein entscheidungsrelevantes Lagebild und durch eine präzise Steilfeuerunterstützung.

Ist das AAB ausreichend international zusammenarbeitsfähig?

Ja. Dies ist aus den Unterstellungsverhältnissen ersichtlich.

Permanent unterstellt waren:

  • Führungspersonal der Deutschen Bundeswehr (DBW) für den Gefechtsstand;
  • Analysten/DBW;
  • Späh- und Radar-Aufklärer/AUT;
  • SpähAufklärer/DBW mit Sub-Sensoren: Aladin, Bosa, Mikado;
  • FernSpähAufklärer/DBW;
  • Taktische Drohnen/"Luna"/DBW;
  • 1 Panzerhaubitzbatterie/Kriseneinsatzkräfte.

Temporär unterstellt bzw. auf Zusammenarbeit angewiesen wurden:

  • Kräfte zur Elektronischen Kampfführung aus AUT und FRA;
  • Field Human Intelligence/ÖBH
  • Luftunterstützung/ÖBH;
  • Eine Batterie Multiple Launch Rocket System (MLRS) (fiktiv).

Beispiele anderer Armeen

Die nachstehenden Beispiele aus aktuellen Einsätzen der Deutschen Bundeswehr in Afghanistan und der französischen Armee in Mali zeigen die organisatorische Integration von Aufklärung und Wirkmittel. Es verdeutlicht, wie wichtig es auch anderen Nationen ist, Sensoren mit Effektoren möglichst eng zu verlinken, um dadurch ein Maximum an Komplementarität und Effektivität zu erreichen.

Auf einen Blick

Mit der Bewertung "Excellent" für das ReconArtyBn7 bei der EURAD13 wird dem AAB attestiert, dass es nicht nur in der Lage ist, zusätzliche Sensoren und Wirkmittel anderer Nationen aufzunehmen und im Verbund von Aufklärung und Wirkung zu führen, sondern vor allem einen hohen taktischen Nutzen aufweist. Dies durch die Bereitstellung eines entscheidungsrelevanten Lagebildes und durch permanent verfügbare, weitreichende Feuerunterstützung als essenzieller Beitrag zu Feuer und Bewegung und aktiver "Force Protection".

Auch wenn der Verbandstyp AAB in Österreich für viele nach wie vor exotisch erscheint: andere Armeen haben längst erkannt, dass es heutzutage im Einsatz zwingend erforderlich ist, über flache Entscheidungs- und Ablaufstrukturen zu verfügen und Sensoren und Effektoren möglichst eng zu verlinken, um gegenüber modernen Gegnern letztendlich erfolgreich zu sein.


Autor: Oberstleutnant Franz Krasznitzer. Jahrgang 1970. Absolvent des 8. Führungslehrganges 2/Artillerie/Landesverteidigungsakademie, 1. Führungslehrgang 2/Aufkl inklusive Auswertelehrgang/Heeresaufklärungsschule/Münster/Deutschland, 2. Field Humint Team Course/Auslandseinsatzbasis/Götzendorf, Joint Tactical Targeting Course/Royal Artillery School/Larkhill/Großbritannien, 9. Führungslehrgang 3/Landesverteidigungsakademie. Von 2008 bis 2011 Leiter Institut Aufklärung/Heerestruppenschule, seit Jänner 2012 Kommandant des Aufklärungs- und Artilleriebataillons 7.

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