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Exercise Quick Response 2

Vom 30. August bis 15. September 2013 fand die Übung "Quick Response 2" der EUFOR Truppe in Bosnien und Herzegowina statt. Ziel dieser Übung war es, die bereitgehaltenen Eingreifkräfte außerhalb des Einsatzraumes zu aktivieren, in die EUFOR zu integrieren und gemeinsam mit den bosnischen Streitkräften ein Peace-Support-Training durchzuführen.

Als IR- (Intermediate Reserve-)Kompanien wurden für diese Übung eine österreichische und eine slowakische Kompanie aktiviert. Das gemeinsame Training erfolgte mit einer leichten Infanteriekompanie der 4. Brigade der Armed Forces of Bosnia and Herzegovina (AF BiH). Als Law Enforcement Agencies (LEA) waren Militärpolizei (MP) von den AF BiH und die lokale Polizei (Verkehrsregelung) in einzelne Phasen der Übung integriert. Das Training wird hier aus der Sicht des Multinationalen Bataillons (MNBN) von EUFOR dargestellt.

Der Kommandant EUFOR (COM EUFOR), Generalmajor Dieter Heidegger war der Übungsleiter (Officer Scheduling the Exercise, OSE), der Bataillonskommandant des Multinationalen Bataillons, Oberstleutnant Christoph Blasch, war Durchführender (Officer Contacting the Exercise, OCE). Es wurde zuerst die zu beübende Truppe (Main Training Audience) sowie die unterstützenden Teile aus dem Hauptquartier (HQ) EUFOR definiert. Zusätzlich stellte das Bataillon hiezu die Übungsleitung mit den Übungsdarstellern (Roleplayers).

In der Hauptphase der "Quick Response 2" überprüfte das Bataillonskommando mit seinen Trainingsteams die beiden IR-Kompanien auf "Herz und Nieren". Dies geschah nach internationalen Standards in den Bereichen Crowd and Riot Control (CRC, Überwachung von gewaltbereiten Menschenansammlungen), Search and Seizure, Checkpoint, Patrolling, Escorting, etc. Beide Kompanien durchliefen dieselben Trainingsstationen. Sorgfältig vorbereitete Übungseinlagen unter Integration einer vollen Roleplayer-Kompanie (H-Coy, gestellt durch ungarische Soldaten) standardisierte dieses Verfahren.

Diese Phase fand ihren Abschluss in einer Bataillonsübung unter Einbindung aller EUFOR Aufklärungs- und Unterstützungskräfte, sowie unter der Dienstaufsicht des COM EUFOR und des Stabschefs (COS EUFOR). Das Resultat war die vollständige Integration der IR-Kompanien in allen notwendigen Einsatzverfahren für die EUFOR-Mission: "Mission Ready in Theatre".

Neues wurde in der darauf folgenden Phase trainiert: Nach der Verlegung des Bataillons nach Livac (nahe Mostar) und Errichtung einer Forward Operation Base (FOB) wurde eine Infanteriekompanie der AF BiH in das MNBN integriert. Dies erfolgte im selben Verfahren wie bei den IR-Kompanien: Überprüfen der Techniken nach internationalen Standards. Positiv war dabei, dass viele der bosnischen Soldaten Einsatzerfahrungen aus Afghanistan (ISAF) haben und dort angewandte Verfahren in ihrem Verband einbringen konnten. Die Integration der bosnischen Soldaten erfolgte deshalb schnell, das Beherrschen der Peace Support Operations (PSO-)Szenarien war gegeben und die Sprachbarriere wurde durch Sprachmittler wahrgenommen.

Übungsräume

Als Training Area (Übungsräume) legte das Hauptquartier EUFOR nach Beratung mit dem MNBN den zentralbosnischen Raum sowie den Raum Mostar für die Übung fest. Aufgrund der Minengefahr im Einsatzraum gilt jedoch immer ein "Hard Surface Policy": Im nicht eindeutig minenfreien Gelände bleibt man auf asphaltierten und befestigtem Boden! Für das Training im bebautem bzw. im Infanteriegelände wurde ausschließlich innerhalb der Kasernenbereiche geübt. Hiezu wurden die Garnisonen Rajlovac, Livno, Livac und der militärische Teil des Airport Mostar herangezogen.

Marschbewegungen zwischen den Trainingsstätten erfolgten als "Tactical Movement" unter Einbindung von Luftüberwachung durch die österreichischen EUFOR-Kräfte (S-70 "Black Hawk" und Alouette III) und dem AGSR-System (Air to Ground Surveilance and Reconnaissance; speziell ausgerüstetes Flugzeug mit Direktleitung für eine Echtzeitaufklärung).

Wesentliche Erkenntnisse/Lessons Learned

Ausbildung

Der österreichische Truppenoffizier auf Ebene Bataillon ist aufgrund seiner standardisierten Ausbildung und Sprachkenntnisse für eine internationale Zusammenarbeit gut geeignet. Ebenso ist durch die Einsatzvorbereitung die situations- und kulturbedingte Achtsamkeit gegeben.

Für die Ausbildung der Kommandanten auf Kompanie- und Zugsebene ist notwendig:

  • Vorgestaffelt eine gezielte Einsatzvorbereitung in der Erkundungsphase im Einsatzraum;
  • Einweisungen durch das vorgesetztes Kommando vor Ort;
  • Internationale Taktikausbildung;
  • Ausbildung Kampf in urbanem Gelände;
  • Ausbildung speziell für Search and Seizure Operationen.

Beispiel "Quick Response 2"

Die Bataillonsabschlussübung fand im urbanen Gelände statt. Dabei erfolgte auch die Anwendung einfacher, an der Heerestruppenschule angewandten, Führungsunterlagen wie die Urban Planning Map (Plan für den Kampf im verbauten Gebiet). Diese Unterlage erleichtert das Führen von Truppen in verwinkelten Straßensystemen und Häuserkomplexen. Diese Führungsunterlage wurde schnell von allen Kommandanten (egal welcher Nation) verstanden und umgesetzt.

Ausbildung für die Truppe:

  • Konvoi-Begleitschutz/Escorting/Patrolling;
  • Hubschrauber-Boarding Training;
  • Funken nach NATO-Richtlinien;
  • Englischkenntnisse und Radio-Procedure;
  • Sicherung/Überwachung von Räumen und Objekten;
  • Mine und Cultural Awareness;
  • Historie des Einsatzlandes sowie
  • das Beherrschen der klassischen Einsatzarten (Angriff, Verteidigung, Schutz).

Ausrüstung

Für gewisse Einsatzszenarien sind gehärtete Fahrzeuge für zumindest von Teilen der Kompanie unbedingt nötig. Der Puch "G" erweist sich als äußerst zweckmäßig, anzustreben wäre jedoch für diese Szenarien der Einsatz eines Radschützenpanzers "Pandur", eines GKGF "Dingo" oder eines IVECO.

Der Ankauf von sogenannten Camelbags (Trinkbehälter) für alle Soldaten, sowie Tiefziehholster wäre erforderlich. Non-Lethale (nicht tödliche) Wirkmittel, um den jeweiligen Eskalationsstufen zu begegnen, sind ebenfalls notwendig.

Das Nachtsichtgerät "Lucie" entspricht dem internationalem Standard. Die CRC-Ausrüstung, inklusive Overall ist sehr gut.

Auf einen Blick

Die Zusammenführung von Einheiten unterschiedlichster Nationen in eine militärische Einheit bedarf für diese eine standardisierte Ausbildungsvoraussetzung, um diese Einheitenin kürzester Zeit im Einsatzraum zum Zusammenwirken bringen zu können. Die österreichische Kommandantenausbildung in den Führungs- und Stabslehrgängen ist auf dem richtigen Weg und international vergleichbar. Die Internationalisierung der taktischen Ausbildung, aber auch der Sprachausbildung ist weiterhin so engagiert zu betreiben wie bisher.

Es bedarf auch ebenso des Verständnises der Zusammenhänge auf der operativen Ebene. Es ist eine Besonderheit des Bataillons im Einsatz EUFOR Althea, dass die Auswirkungen des taktischen Handelns auf Ebene des Bataillons sogar bis in die miltärpolitische Ebene reichen kann.

Schlussendlich ist jedoch festzustellen: Das von einem österr. Kommandanten geführte multinationale Bataillon, sowie die österreichische Jägerkompanie (vom JgB26, und dem Jägerzug vom JgB18) als IR-Kompanie braucht den internationalen Vergleich in dieser Mission nicht zu scheuen. Wir, die österreichischen Soldaten, genießen ein hohes Ansehen.


Oberstleutnant Christoph Blasch führt seit Ende August 2013 das Multinationale Bataillon (MNBN) von EUFOR "Althea" in Bosnien und Herzegowina. Davor war Blasch Hauptlehroffizier für Infanterie an der Heerestruppenschule. Nach seinen Einsatz 2014 wechselt der begeisterte Bergsteiger und Motorradfahrer ins Streitkräfteführungskommando nach Graz.

TD: Herr Oberstleutnant, Sie sind seit August 2013 Kommandant des MNBN bei EUFOR in Bosnien und Herzegowina. Warum und wann haben Sie sich für diesen Einsatz entschieden?

Blasch (B): Die Funktion des Bataillonskommandanten ist sicher ein Höhepunkt, wenn nicht sogar der Höhepunkt in der Karriere eines Truppenoffiziers. Im Sommer 2013 ergab sich die Möglichkeit dazu und meine dienstliche Funktion ließ dies zu. So eine Gelegenheit darf man dann nicht vergeben, und so nahm ich diese Aufgabe gerne an.

TD: Was ist Ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen der Führung eines Bataillons im Ausland und in Österreich?

B: Da sehe ich mehrere Aspekte. Der erste ist, dass es sich in diesem Fall um ein multinationales Bataillon handelt und um kein rein österreichisches Bataillon. Ich bin zur Zeit der einzige Österreicher, der im Ausland die Möglichkeit hat, ein solches Bataillon zu führen. Das bedeutet, dass hier die sprachlichen, kulturellen und ausbildungsmäßigen Hintergründe der einzelnen Soldaten unterschiedlich aufzufassen sind. Das erfordert eine gründliche Kenntnis der internationalen Standards und Doktrinen, um diese Aufgabe bewältigen zu können. Der zweite Aspekt ist: Es herrscht 24/7 Dienst. Die Soldaten sind immer da, der Urlaub ist planbar, die Vertretungsregelung ist eindeutig. Ich kann hier aus dem Vollen schöpfen. Es werden alle Aufgaben voll und ganz vom Hauptquartier EUFOR unterstützt, da das Bataillon das einzige operative Element im Einsatzraum ist, was auch einen wesentlichen Unterschied zu Österreich ausmacht. Das MNBN ist quasi der starke Arm der Mission.

TD: Es ist bereits angesprochen worden: Wo verschiedene Nationen zusammenkommen, da gibt es unterschiedliche Normen. Das kann zu Reibungspunkten führen. Wo könnte es zu Missverständnissen kommen?

B: Reibungspunkte gibt es nicht, da alle Dienst tuenden Soldaten professionell ausgebildet sind, ausgewählt wurden und vor allem freiwillig hier sind. Eine sprachliche Barriere gibt es keine. Jeder ist mehr oder weniger des Englischen mächtig.

TD: Kommen wir zur Übung Operational Rehearsal 2.3, auch bekannt unter "Quick Response 2". Was war für sie die größte Herausforderung bei dieser Übung, wo hat es etwas gehakt?

B: Es wurde bereits heuer im April eine große Übung abgehalten. Die aus dieser Übung gewonnenen Erkenntnisse sind in das Operational Rehearsal 2.3 eingeflossen. So sind bei dieser Übung im September die damals gemachten Fehler nicht mehr passiert. Das heißt für mich Professionalität. Wichtig für mich war vor allem, den von meinen Vorgängern für diese Übung initiierten Plan aufzunehmen, in die Köpfe meines Stabes zu bringen und ihn eins zu eins umzusetzen. Meine Devise lautete: Stick to the plan! Daher wurde diese Übung ein großer Erfolg. Als Beispiel kann ich den Ablauf der Integration der IR-Kompanien aus Österreich und der Slowakei nennen. Der vorbereitete Trainingsplan mit dem Trainingsprogramm wurde übernommen und ich konnte innerhalb weniger Tage dem COM EUFOR melden, dass das MNBN mit den IR-Kompanien "Mission ready in the theatre” ist. Das war unter anderem deshalb möglich, weil mein Vorgänger Oberstleutnant Alfred Steingresz mit seinem Stab hervorragende Arbeit geleistet hat.

TD: Capacity Building & Training ist ein Auftrag von EUFOR. Wie wirkt sich das auf das MNBN aus?

B: Der Beitrag des MNBN dazu ist es entsprechende Experten auf ihren Fachgebieten zu stellen. Hier kann das Bataillon den Bereich Infanterie abdecken, wobei wir uns auf Peace Support Operations (PSO)-Szenarien beschränken. Dazu gehören CRC, Betreiben von Checkpoints, Patrolling, Escorting und Force Protection. Diese Themen bereitet das MNBN mit standardisierten Vorschriften als Basis für die bosnischen Streitkräfte auf Ebene Kompanie und Zug auf. Aber auch die bosnischen Streitkräfte bringen ihre Erfahrungen aus dem Afghanistaneinsatz mit ein.

TD: Was zeichnet die Soldaten des MNBN besonders aus?

B: Meine Leitlinie ist: Erfolg kann man nur miteinander haben. Das fängt an mit dem persönlichen Auftreten dem anderen gegenüber, geht über die Pünktlichkeit bis hin zur Aufrichtigkeit. Das fordere ich von allen Soldaten ein. Die Zusammenarbeit ist daher offen, ehrlich und geradlinig. Wenn Fehler passieren steht man dazu und lernt daraus. Einen Arbeitsrhythmus zu finden, der ohne Reibungsverluste abläuft war wichtig. Das kann schon dazu führen, dass ich Leute befehlen musste sich gegenseitig auszutauschen, Informationen zu teilen und zusammenzuführen. Das funktioniert mittlerweile tadellos.

TD: Stabsmitglieder des MNBN beschreiben sie als jemanden, der vor oder während heiklen Situationen eine extreme Ruhe ausstrahlt. Wie sehen sie das?

B: Einerseits glaube ich, dass man eine gewisse Lebenserfahrung braucht, um folgendes zu wissen: Wenn eine Richtung einmal eingeschlagen ist - vor allem ab einer höheren Ebene der Führung - bedarf es einer bestimmten Zeitspanne, um Änderungen durchzuführen. Das mag auf Gruppen- und Zugsebene noch keine große Rolle spielen, ab Bataillon sieht man das anders. Daher stecke ich viel Energie in eine gründliche Planung, in Befehlsausgaben und Einzelbefehle, schaue wo es noch hakt, lasse mir rückmelden und bringe dann das Schiff auf Kurs. Dann brauche ich nicht mehr einzugreifen, außer es ist notwendig, wie z. B. den Einsatz der Reserven oder einen Richtungswechsel zu befehlen. Alles andere lasse ich meine Soldaten erledigen, was wesentlich zur Vertrauensbildung beiträgt.

Mit dem Kommandanten des MNBN sprach Major Michael Barthou.

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