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Der Deutsch-Dänische Krieg 1864

Die Landoperation

Einhergehend mit dem Verlust der Vormachtstellung des Kaisertums Österreich in Mitteleuropa kam es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Aufschwung des Königreiches Preußen, was in der Ausrufung des Deutschen Kaiserreiches 1871 gipfelte. Viele Historiker sehen den Aufstieg Preußens zu Recht in Zusammenhang mit der Ernennung Otto von Bismarcks 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister. Seine erste große Bewährungsprobe als Außenminister hatte er schon zwei Jahre später zu bestehen, im Deutsch-Dänischen Krieg, der heuer vor 150 Jahren geführt wurde.

Die Vorgeschichte

Nach der Niederlage Napoleon Bonapartes bemühten sich die Vertreter der führenden europäischen Staaten während des Wiener Kongresses 1814/15, eine neue Ordnung in Europa herzustellen. Vor allem die Schaffung einer Nachfolgeorganisation des ehemaligen "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" sollte dabei eine zentrale Rolle spielen und wurde daher separat verhandelt. Zur Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit Deutschlands und der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der einzelnen deutschen Staaten (Deutsche Bundesakte, Artikel 2 von 20) kam es am 10. Juni 1815 zur Unterzeichnung der Deutschen Bundesakte als völkerrechtlichen Vertrag im Range eines Bundesverfassungsgesetzes. Diese Gründungsurkunde war zugleich Bestandteil der Wiener Kongressakte (Artikel 53 bis 63). Unter den 41 Mitgliedsstaaten befanden sich, neben einer Vielzahl deutscher Herrschaften, die ehemals zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörenden Besitzungen des Kaisers von Österreich und des Königs von Preußen. Die übrigen Gebiete dieser Staaten - wie etwa Galizien, Ungarn, Dalmatien oder West- und Ostpreußen - waren kein Bestandteil des Deutschen Bundes. Der König von Großbritannien und Irland als König von Hannover, der König von Dänemark als Herzog von Holstein und Lauenburg sowie der König der Niederlande als Großherzog von Luxemburg gehörten somit dem Deutschen Bund an. Der Deutsche Bund hatte auch das Recht, mittels Bundesexekution gegen die Regierung eines Mitgliedsstaates vorzugehen, wenn dieser sich den Bestimmungen der Bundesakte oder anderen Bundesbeschlüssen widersetzte. Die Mittel der Bundesexekution reichten von der militärischen Besetzung des Staatsgebietes bis hin zur Übernahme der Regierungsgewalt, zur Absetzung der regierenden Fürsten sowie der Aufhebung von Verfassungsbestimmungen, die gegen Bundesrecht verstießen. Zum Schutz gegen äußere Feinde sowie zur Durchsetzung der zuvor genannten Agenden kam es zur Aufstellung eines eigenen Deutschen Bundesheeres, in das jeder Staat gemessen an seiner Größe und Einwohnerzahl entsprechende Kontingente einzumelden hatte. Österreich und Preußen stellten dabei zusammen mehr als die Hälfte aller Truppen. In der 51-jährigen Geschichte des Deutschen Bundes kam es zu insgesamt vier Bundesexekutionen:

  • 1830 gegen Braunschweig,
  • 1834 im Zuge des "Frankfurter Wachesturmes",
  • 1863 gegen Holstein wegen der Einbeziehung Schleswigs in die dänische Verfassung, woraus sich der Deutsch-Dänische Krieg entwickelte, sowie
  • 1866 gegen Preußen, aus Anlass des Streites um die Verwaltung Schleswig-Holsteins.

Reichte 1830 bzw. 1834 noch die Androhung der Bundesexekution aus, um die Konflikte zu beenden, folgten 1863 und 1866 tatsächliche Kampfhandlungen. Schlussendlich war es vor allem der Interessenskonflikt zwischen den beiden Bundesstaaten Österreich und Preußen, der den Deutschen Bund scheitern ließ.

Der Schleswig-Holsteinische Krieg 1848 bis 1850

Neben den zuvor genannten Bundesexekutionen gab es aber auch mehrere Hilfsmaßnahmen, die Bundesinterventionen genannt wurden, wie etwa 1830 in Luxemburg, 1833 in Frankfurt, 1848/49 in der Rheinpfalz und in der Badischen Revolution sowie 1850 und 1852 in Kurhessen. Bei all diesen Einsätzen wurde durch Polizeimaßnahmen der Bundestruppen die "Ruhe und Ordnung" in den jeweiligen Bundesstaaten wiederhergestellt. Zum ersten richtigen größeren Kampfeinsatz kam es während des Schleswig-Holsteinischen Krieges von 1848 bis 1850, der in seiner ersten Phase bis 1849 als Bundeskrieg geführt wurde. Ursache des Konfliktes war die gemischte deutsche, dänische und friesische Besiedelung des Herzogtums Schleswig. Die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg waren zur damaligen Zeit durch Personalunion mit dem Königreich Dänemark verbunden. Historisch war das Herzogtum Schleswig ein Lehen des Königreiches Dänemark, Holstein wiederum Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Nach dem Wiener Kongress wurde Holstein Teil des Deutschen Bundes, Schleswig nicht. Sowohl dänische als auch deutsche nationalliberale Kräfte beanspruchten das gesamte Herzogtum Schleswig. Nach dem Tod des dänischen Königs Christian VIII. im Jahre 1848 eskalierte die Situation unter dessen Sohn und Nachfolger Friedrich VII. (1808-1863), dem es nicht gelang, einen Ausgleich zwischen den dänischen und den schleswig-holsteinischen Interessen zu schaffen. Ziel der deutschgesinnten Vertreter war es, eine Verfassungsänderung für Schleswig zu erwirken, dieses in den Deutschen Bund aufzunehmen und Schleswig-Holstein staatsrechtlich von Dänemark zu trennen. Lediglich der dänische König sollte in Personalunion regieren. Dies führte naturgemäß zu Unruhen innerhalb Dänemarks, woraufhin am 24. März 1848 schleswig-holsteinische Politiker in Kiel eine provisorische Regierung bildeten und einen Tag später die Vereinigung von Schleswig und Holstein - in Personalunion mit dem Königreich Dänemark - forderten. Da nicht gegen den König revoltiert wurde, anerkannten zahlreiche Beamte und Militärs in Schleswig und Holstein die provisorische Regierung. Im März 1848 begannen die ersten Kampfhandlungen zwischen schleswig-holsteinischen und dänischen Truppen. Ab April 1848 griffen auch preußische Truppen unter dem Kommando von Feldmarschall Friedrich von Wrangel auf Seite der schleswig-holsteinischen Truppen in die Kämpfe ein und drangen bis auf dänisches Hoheitsgebiet vor. Auf Druck Englands, Frankreichs und Russlands wurde jedoch der Waffenstillstand von Malmö (schwedische Stadt am Öresund gegenüber Kopenhagen) erzwungen. Im April 1849 flammten die Kämpfe erneut auf. Es folgten die Gefechte bei Kolding, die Belagerung von Fredericia sowie das Gefecht von Eckernförde. Am 10. Juli 1849 schloss Preußen zunächst einen Waffenstillstand und am 2. Juli 1850 im Namen des Deutschen Bundes einen Sonderfrieden mit Dänemark, dem am 10. Juli 1850 der Friede von Berlin folgte. Nach dem Ausscheiden Preußens waren nun die schleswig-holsteinischen Truppen plötzlich auf sich alleine gestellt. Es folgte die Niederlage in der Schlacht von Idstedt am 24. und 25. Juli 1850, die zur Folge hatte, dass nun wieder ganz Schleswig unter dänischer Kontrolle war. Schleswig blieb - als Reichslehen - unter dänischer Kontrolle und wurde durch einen außerordentlichen Bundeskommissar verwaltet.

Zur Vermeidung weiterer Eskalationen besetzten österreichische und preußische Bundestruppen bis zum Februar 1852 Schleswig-Holstein, für Österreich versah das VI. Armeekorps unter dem Kommando von Feldmarschallleutnant Legeditsch Besatzungsdienst. Das Londoner Protokoll vom 8. Mai 1852 garantierte in der Folge den Fortbestand der Herzogtümer unter dänischer Kontrolle, gewährte ihnen aber eine gewisse Eigenständigkeit. Dänemark wurde somit als Gesamtstaat anerkannt und eine gemeinsame Erbfolge für Dänemark und die Herzogtümer festgelegt. Friedrich VII. hatte keinen männlichen Erben, die weibliche Erbfolge war ursprünglich nur für Dänemark festgelegt. Auch musste sich Friedrich VII. gegenüber Österreich und Preußen verpflichten, eine Gesamtstaatsverfassung unter Berücksichtigung völliger Autonomie für Schleswig zu garantieren. Erst nach der Unterzeichnung der Protokolle übernahmen die dänischen Behörden wieder die Kontrolle über Holstein und Lauenburg. Trotz des Londoner Protokolls blieb die Lage sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Dänemark weiter angespannt. Unter dem Druck national-dänischer Kräfte sowie der Gefahr einer möglichen Revolution unterzeichnete der neue König Christian IX. nur drei Tage nach Amtsantritt am 18. November 1863 die so genannte "Novemberverfassung", welche die Vereinigung des Herzogtums Schleswig mit dem Königreich Dänemark vorsah. Schon am 30. März 1863 wurden mit dem so genannten "Märzpatent" Holstein und Lauenburg aus der gesamtstaatlichen Verfassung ausgeschlossen. Ziel der Novemberverfassung war es zum einen, Schleswig enger an das Königreich Dänemark zu binden, und zum anderen, Holstein von der Einmischung in dänische Angelegenheiten auszuschließen, da Holstein von der Verfassung nicht betroffen war. Bereits 1855 hatte Holstein eine Gemeinschaftsverfassung abgelehnt und durch den Deutschen Bund 1858 außer Kraft setzen lassen.

Der Deutsch-Dänische Krieg 1864

Am 24. November 1863 beschlossen Preußen und Österreich, sich für eine beschleunigte Durchführung einer Bundesexekution stark zu machen, da es sich um eine innerdeutsche Angelegenheit handelte, wobei man die Einmischung anderer Großmächte weniger fürchten musste. In der Bundestagssitzung vom 7. Dezember erfolgte der Beschluss zur Durchführung (mit 8:7 Stimmen!). Österreich, Preußen, Sachsen und Hannover wurden mit der Durchführung der Bundesexekution beauftragt. Insgesamt wurden dafür 69 Bataillone, 51 Eskadronen und 190 Geschütze - insgesamt rund 85 300 Mann und 22 700 Pferde - aufgeboten. Die Kosten in der Höhe von 17 Millionen Gulden wurden durch eine Umlage gedeckt. Das kleinste Kontingent stellten die königlich sächsisch-hannoverschen Truppen mit 12 Bataillonen, 12 Eskadronen und 32 Geschützen, rund 13 100 Mann und 4 100 Pferden. Das österreichische Kontingent wurde durch das VI. Armeekorps unter dem Kommando von Feldmarschallleutnant Freiherrn von Gablenz (vgl. den Beitrag auf Seite 122) gestellt und bestand aus vier Infanteriebrigaden und einer Kavalleriebrigade mit insgesamt 20 Bataillonen, zehn Eskadronen, drei Kompanien technischer Truppe und elf Batterien mit 48 Geschützen (plus 32 in den vier Infanteriebrigaden).

Von den 27 050 Mann und 4 838 Pferden entfielen 19 248 Mann und 1 523 Reiter auf die Kampftruppen. Das königlich-preußische Kontingent stellte 37 Bataillone, 29 Eskadronen und 19 Batterien mit 110 Geschützen, insgesamt rund 45 100 Mann und 13 600 Pferde. Das I. Armeekorps stand unter dem Kommando von General der Kavallerie Prinz Friedrich von Preußen, die Gardeinfanteriedivision befehligte der Generalleutnant von der Mülbe. Am 23. Dezember 1863 erfolgten der Einmarsch der Bundestruppen sowie die kampflose Besetzung von Lauenburg und Holstein, nachdem dänische Truppen die Herzogtümer kampflos geräumt hatten. Am 31. Dezember 1863 war der historische Grenzfluss Eider erreicht, am 7. Jänner 1864 meldete der Oberbefehlshaber der Bundestruppen, der sächsische Generalleutnant Heinrich von Hake, der Bundesversammlung nach Frankfurt am Main, dass der Auftrag der Bundestruppen erfüllt sei. Die österreichischen und die preußischen Truppen befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch als Reserve im Raum Hamburg/Lübeck. Nachdem der Bundestag am 14. Jänner 1864 den gemeinsamen Antrag Österreichs und Preußens auf "Pfandbesetzung Schleswigs" mit 11:5 Stimmen abgelehnt hatte, beschlossen die beiden Großmächte, auch ohne Auftrag des Deutschen Bundes weiter gegen Dänemark vorzugehen. Bereits am 16. Jänner 1864 stellten Österreich und Preußen Dänemark ein Ultimatum, binnen 48 Stunden die Novemberverfassung aufzuheben, was nicht geschah. Die österreichisch-preußischen Truppen wurden nun aus den Bundestruppen herausgelöst, Generalleutnant von Hake erhielt am 22. Jänner die Weisung, den vereinigten Truppen bei ihrem Durchmarsch durch das von Bundestruppen besetzte Holstein keinen Widerstand zu leisten. Der Protest der deutschen Mittel- und Kleinstaaten gegen dieses Vorgehen war erheblich, Bayern und Sachsen verweigerten den österreichischen Truppen den Durchmarsch durch ihre Gebiete, so dass diese nur über Breslau und Berlin mittels Eisenbahn nach Norddeutschland gelangen konnten.

Am Morgen des 31. Jänner 1864 informierten die Verbündeten Frankreich, Großbritannien, Russland und Schweden, dass sie Dänemark besetzen werden, endgültige Abmachungen aber nicht ohne die Unterzeichner des Londoner Protokolls von 1852 treffen würden. Nachdem der dänische Oberkommandierende die militärische Räumung Schleswigs abgelehnt hatte, überschritten österreichische und preußische Truppen ohne Kriegserklärung am 1. Februar 1864 den Grenzfluss Eider. Der Deutsch-Dänische Krieg hatte begonnen.

Die Gesamtstärke der österreichisch-preußischen Truppen betrug rund 48 800 Mann Infanterie, 5 770 Mann Kavallerie sowie 1 800 Pioniere und 158 Geschütze. Zählte man die Geschützmannschaften hinzu, kam man auf 65 800 Mann. Den nominellen Oberbefehl über die vereinten Truppen hatte der 80-jährige Feldmarschall Wrangel, der aber - wie sich bald herausstellte - mit dieser Aufgabe heillos überfordert war. Dank seiner Verdienste beließ man ihn aber in dieser Funktion, erst am 18. Mai wurde er durch Prinz Friedrich von Preußen abgelöst. Die dänischen Truppen in der Stärke von rund 32 700 Infanteristen, 3 900 Kavalleristen, 500 Pionieren und 104 Feldgeschützen waren in drei Divisionen gegliedert und standen unter dem Kommando des 72-jährigen Generalleutnants Christian Julius de Meza. Während die Preußen am rechten Flügel unter hohen Verlusten versuchten, den Fluss Schlei bei Missunde zu überqueren, überschritten die Österreicher, die den linken Flügel bildeten, den Fluss Sorge und rückten bis auf zehn Kilometer an das Danewerk heran. Beim Danewerk handelt es sich um eine historische dänische Befestigungsanlage, die im 8. Jahrhundert als Schutz gegen die Sachsen errichtet wurde, im 13. Jahrhundert jedoch ihre Bedeutung verlor und erst im 19. Jahrhundert militärisch reaktiviert wurde. Nachdem sich die Dänen kampflos aus Holstein zurückgezogen hatten, erfolgte nun am rund 80 Kilometer langen Danewerk der Aufbau einer ernstzunehmenden Verteidigung mit 33 Erdwerken und 180 Geschützen. Allerdings darf hier nicht außer Acht gelassen werden, dass nicht alle Schanzen fertig gestellt waren und das Artilleriematerial teils stark veraltet war.

Das Zentrum der Verteidigung bildeten die Bustorfer Höhen. Der den Österreichern zugeteilte Angriffsstreifen befand sich zwischen den Werken 10 und 11. Am 3. Februar rückte das k.k. VI. Armeekorps Richtung Oberselk und Jagel vor, wo es zu heftigen Kämpfen mit dänischen Truppen kam. Nachdem die Österreicher vom Königshügel aus unter starken Artilleriebeschuss genommen wurden, stürmte das 18. Jägerbataillon gegen die feindlichen Stellungen und eroberte auch den Königshügel. Die Verluste der I. Infanteriebrigade unter dem Kommando von Generalmajor Gondrecourt - der sich durch den Angriff auf den Königshügel den Beinamen "der Eiserne" verdiente - beliefen sich auf 28 Offiziere und 348 Mann, jene der Dänen auf neun Offiziere und 408 Mann.

Während die Österreicher das Danewerk frontal angreifen bzw. die dänischen Truppen frontal binden sollten, hatten die preußischen Truppen den Auftrag, das Danewerk zu umgehen, die Schlei bei Missunde zu überqueren und so den dänischen Truppen in den Rücken zu fallen. Während sich die Dänen auf einen Frontalangriff vorbereiteten, wurde das Wetter immer schlechter. Am 4. Februar machten heftiges Schneetreiben, Winterstürme und Temperaturen jenseits der minus 20 Grad allen Truppen zu schaffen. Zur gleichen Zeit gelang es den preußischen Truppen unter dem Kommando von Prinz Friedrich Karl, am 6. Februar bei Arnis die Schlei zu überqueren und somit auch das Danewerk zu umgehen. Als der dänische Kommandant de Meza die Absicht der Preußen erkannte, die Dänen einzukesseln, entschloss er sich am 5. Februar, unter Ausnutzung eines Schneesturmes das Danewerk, gegen das österreichische Einheiten schon mehrmals angerannt waren, - unter Zurücklassung der schweren Artillerie - aufzugeben und sich mit seinen Truppen nach Flensburg zurückzuziehen. Die österreichischen Truppen nahmen sofort die Verfolgung der Dänen auf und stellten diese am 6. Februar 1864 zwischen Oeversee und Sankelmark (Dorf nördl. Oeversee).

Die dänische 7. und 8. Brigade der 3. Division unter dem Kommando von Generalmajor Peter Frederik Steinmann versuchten dabei, den Rückzug der eigenen Verbände zu decken, und verschanzten sich gegen die nachstoßenden Österreicher. Dabei gelang es der dänischen 7. Brigade unter dem Kommando von Oberst Müller, einen Angriff einer österreichischen Brigade unter dem Kommando von Generalmajor Johann Karl von Nostiz abzuwehren. Nach und nach trafen nun Verstärkung sowie Artillerie für das im Kampf befindliche Feldjägerbataillon Nr. 9 (kämpfte auch bei Jagel und Oberselk) ein. Der Frontalangriff des Infanterieregimentes Nr. 27 "König der Belgier" blieb nach Anfangserfolgen ebenfalls im dänischen Abwehrfeuer stecken. Erst ein vom Regimentskommandeur Oberst Wilhelm von Württemberg nach erfolgreicher Umgehung der Dänen geführter Angriff brachte die Wende im Kampf. Er zwang die verbissen kämpfenden Dänen zum Rückzug, deren aufopferungsvoller Verzögerungskampf einen geordneten Rückzug des Haupt­heeres gewährleistete. Obwohl das Treffen nur drei Stunden dauerte, waren die Verluste nenneswert: auf österreichischer Seite 95 Tote und 311 Verwundete, auf dänischer Seite 40 Tote, 134 Verwundete und 542 unverletzte Gefangene. Obwohl es de Meza durch den Rückzug seiner Truppen auf die Insel Alsen (Als) gelang, den Großteil des dänischen Heeres vor der Vernichtung zu bewahren, wurde dies in der dänischen Öffentlichkeit ganz anders gesehen. De Meza musste sein Oberkommando abgeben. Das neue dänische Oberkommando war nun um Schadensbegrenzung bemüht und bestrebt, mit den neuen Verteidigungsstellungen bei Düppel (Dybbøl, Brückenkopf zur Insel Alsen/Als) und Fredericia (Brückenkopf zur Insel Fünen) den Vormarsch der Verbündeten zu stoppen. Am 7. Februar marschierten österreichische und preußische Truppen gemeinsam in Flensburg ein. Obwohl ursprünglich nur eine Besetzung Schleswigs vorgesehen war, entschloss man sich, nun auch die dänischen Streitkräfte in Jütland anzugreifen. Die österreichischen Verbände sowie die preußischen Garden marschierten Richtung Norden nach Fredericia. Das preußische Haupt­heer schwenkte nach Osten Richtung Sonderburg (Sønderborg) und den Alsensund ein. Am 8. März gelang es den Österreichern, in einem Gefecht südlich von Vejle die Dänen erneut zurückzudrängen. Nachdem es schon am 20. März zu starkem Artilleriebeschuss der wichtigen Hafenstadt Fredericia gekommen war, folgte ab dem 21. März die Belagerung durch österreichische Verbände. Die dänischen Truppen im Süden versuchten ihrerseits, am Übergang zur Insel Alsen (Als) und der Stadt Sonderburg bei den Düppeler Schanzen eine wirkungsvolle Verteidigung aufzubauen.

Bereits 1849 waren die Schanzen Schauplatz von Kämpfen zwischen deutschen und dänischen Truppen. Ein weiterer Ausbau derselben war zwar vorgesehen, aber 1864 noch nicht abgeschlossen. Den Kern der Verteidigungsanlagen bildeten zehn Schanzen unterschiedlicher Größe, von denen sieben geschlossene Werke waren. Noch bevor die Preußen ihre Stellungen beziehen konnten, hatten sich die Dänen vor den Schanzen ein 700 Meter breites freies Schussfeld geschaffen, indem sie dort alle Gebäude abrissen. Hinter der Hauptlinie befand sich eine zweite Auffanglinie mit vier kleineren Werken. Vor der Schiffsbrücke nach Sonderburg wurden ebenfalls zwei Schanzen aufgeworfen.

Mitte März marschierten die preußischen Truppen vor den Düppeler Schanzen auf. Nach fünfwöchiger Belagerung durch preußische Truppen folgte am 18. April 1864 der Sturmangriff gegen die durch Artilleriebeschuss stark beschädigten Verteidigungsanlagen. Schon im Vorfeld der Entscheidungsschlacht kam es zu mehreren Vorpostengefechten sowie zu einer stufenweisen Einschließung der Schanzen. Ein eigenes Grabensystem ermöglichte es den preußischen Soldaten, gedeckt bis auf 250 Meter an die Schanzen heranzukommen. Am 18. April 1864 um 0200 Uhr bezogen rund 37 000 Mann die Ausgangsstellung, darunter 10 500 in den Sturmkolonnen. Nach stundenlangem Artillerievorbereitungsfeuer - rund 7 900 Geschoße - erfolgte um 1000 Uhr der Sturmangriff. Innerhalb von nur 13 Minuten nach Beginn des Infanterieangriffes waren die ersten sechs Schanzen gefallen. Durch den verheerenden Artilleriebeschuss befanden sich viele dänische Soldaten zwischen den Werken in den Laufgräben in Deckung. Der schnelle und gut koordinierte Angriff überraschte viele. Um 1200 Uhr fiel die letzte Schanze, am Brückenkopf leisteten dänische Soldaten so lange Widerstand, bis die Pontonbrücke gegen 1400 Uhr vollständig abgebrochen war und ein preußischer Übergang somit verhindert werden konnte. Die Kämpfe an den Düppeler Schanzen brachten auch die höchsten Verluste des Krieges mit sich, rund 1 200 auf preußischer und rund 4 800 Mann auf dänischer Seite. Die preußische Militärmusik unter der Leitung von Musikdirektor Gottfried Piefke spornte die angreifenden preußischen Truppen durch das Spielen bekannter Märsche an. Am 26. April ordnete das dänische Oberkommando die Räumung der Festung Fredericia an, um Kräfte freizuspielen, die woanders dringender benötigt wurden. Am 29. April marschierten die Österreicher kampflos in Fredericia ein. 206 Geschütze sowie 30 000 Schuss Artilleriemunition fielen ihnen dabei in die Hände. Bis 9. Mai wurden die Befestigungsanlagen geschleift.

Die am 20. April beginnende Londoner Konferenz, die bis zum 25. Juni andauerte und auf eine Beendigung der Kampfhandlungen ausgerichtet war, konnte nur einen kurzen Waffenstillstand (12. Mai bis 25. Juni) bewirken. Die von den Verbündeten vorgeschlagene Teilung des Herzogtums Schleswig entlang der Sprachgrenze wurde von Dänemark abgelehnt. Auch das für Dänemark günstig ausgegangene Seegefecht von Helgoland am 9. Mai konnte keine Änderung des Kriegsverlaufes mehr bewirken. Nach Beendigung des Waffenstillstandes und schwerer Beschießung der Stadt Sonderburg durch preußische Artillerie gelang es den preußischen Truppen, am 29. Juni überzusetzen und die ganze Insel Alsen (Als) zu erobern, was die Dänen zum weiteren Rückzug veranlasste. Auch auf dem Festland drangen preußische Truppen immer weiter in den Norden nach Jütland vor. Nachdem nun auch die dänischen Inseln gefährdet waren, entschloss sich die Regierung, Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen. Am 15. Juli wurde in Christiansfeld eine Vereinbarung getroffen, wodurch ein Waffenstillstand von 20. bis 31. Juli in Kraft treten sollte.

Wichtige Erfahrungen aus den Kampfhandlungen sollten auch in den nächsten Konflikten eine entscheidende Rolle spielen: der Truppentransport mit der Eisenbahn sowie die Verwendung moderner Belagerungsgeschütze mit großer Reichweite.

Von Wien nach Gastein

Bereits am 25. Juli begannen die Verhandlungen zwischen Österreich, Preußen und Dänemark in Wien. Am 1. August wurde ein Vorfrieden und am 30. Oktober 1864 der Friedensvertrag von Wien unterzeichnet. Dänemark musste die drei Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Österreich und Preußen abtreten, Reparationen zahlen sowie die neuen Grenzen anerkennen. Während Österreich die Eigenständigkeit der Herzogtümer als Mitglieder des Deutschen Bundes befürwortete, wollte Preußen eine Eingliederung derselben als Provinzen ins eigene Staatsgebiet. Schließlich wurden die abgetretenen Gebiete von Preußen und Österreich im Auftrag des Deutschen Bundes als Kondominium (von lateinisch: con-dominium - "gemeinsames Eigentum"), verwaltet, was aber nichts an den Spannungen zwischen Preußen und Österreich änderte. In der Gasteiner Konvention vom 14. August 1865 regelten die beiden Großmächte die Herrschaft über die drei Herzogtümer. Preußen erhielt die Verwaltung von Schleswig (sowie einige Nutzungsrechte in Holstein) und Österreich jene von Holstein. Weiters verzichtete Österreich gegen eine Zahlung von 2,5 Millionen dänischer Taler auf Lauenburg, das dem preußischen Staatsgebiet einverleibt wurde. Nachdem Schleswig militärisch für Dänemark verloren gegangen war, erübrigte sich auch die Novemberverfassung von 1863, die somit wieder aufgehoben wurde. Da Österreich in der Frage Schleswig-Holstein am 1. Juni 1866 in der Bundesversammlung in Frankfurt einen Schiedsspruch einforderte, rückten am 7. Juni 1866 preußische Truppen in Holstein ein. Die Verbündeten von 1864 standen sich plötzlich 1866 als Feinde in einem neuen Krieg gegenüber.

Literatur

Anonym: Der Feldzug in Schleswig-Holstein und Jütland 1864. Wien o. J.

Inge Adriansen: Die Düppeler Mühle. Monument & Museum. Varde 1995.

Wilhelm Gründorf von Zebegeny: Als Holstein österreichisch wurde. Wien 1966.

E. Hermann: Översee. Laibach 1904.

Anton Hofmann: Österreichisch-preußischer Krieg gegen Dänemark. Wien 1865.

Hugo Kerchnawe: Kaiserliche Waffen in Schleswig-Holstein und Jütland 1864. Wien, Leipzig 1907.

Wilhelm Rüstow: Der deutsch-dänische Krieg 1864 politisch und militärisch beschrieben, 4 Bände. Zürich 1864.

Gerd Stolz: Mit des Kaisers Armee und Marine 1864 nach Schleswig-Holstein und in die Nordsee. Husum 2009.

Der Deutsch-Dänische Krieg 1864, hg. v. Großen Generalstabe, Abteilung Kriegsgeschichte, 2 Bände inkl. Kartenteile. Berlin 1886/87.


Autor: Hauptmann OR Mag. Dr. Thomas Reichl, Jahrgang 1971; 1989/90 Einjährig Freiwilligenausbildung (Waffengattung Jäger), danach Zugskommandant, stellvertretender Kompaniekommandant und S1 im Jägerbataillon Wien 1 "Hoch- und Deutschmeister"; Dokumentarkurs an der Österreichischen Nationalbibliothek; Studium der Geschichte mit Schwerpunkt Militärgeschichte; 1994 bis 1999 in der Zentraldokumentation der Landesverteidigungsakademie; seit 1999 im Heeresgeschichtlichen Museum, derzeit Leiter Marketing und Besucherbetreuung; Kurator mehrerer Ausstellungen zur Geschichte des ÖBH (UNO-Einsätze, 50 Jahre ÖBH, 10 Jahre Grenzsicherung, Ungarn 1956, CSSR 1968, …)

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