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Das kroatische Marinemuseum in Split

In der im 17. Jahrhundert während der venezianischen Ära erbauten Festung Gripe, die sich als Bollwerk gegen osmanische Angriffe auf Split bewährte, liegt das seit dem Jahr 1925 bestehende Marinemuseum der Stadt.

Die mächtigen Mauern verraten zunächst nicht viel von den maritimen Schätzen, die innerhalb der weitläufigen Parkanlage ausgestellt sind. In erster Linie handelt es sich um im Freien stehende Exponate der jüngeren Geschichte, wie das 1903 in Liverpool erbaute Dampfschiff "Bakar", das Anfang der 1960er Jahre noch im Dienst der Schifffahrtsgesellschaft "Jadrolinija" stand. Das weiß lackierte Vorschiff ist begehbar und hebt sich wegen seiner Größe von allen anderen Exponaten ab. Eindrucksvoll ist das älteste und zur Gänze erhaltene Fischereifahrzeug aus der Region, die 1857 gebaute "Perina". Das Landungsboot "DJB 103 - Cetina" gehört zu jenen betriebsfähigen Exponaten, auf die Museumsdirektor Stjepan Lozo besonders stolz ist. Auf diesem, ehemals zum Bestand der jugoslawischen Marine zählenden Wasserfahrzeug wurde am 15. September 1991 zum ersten Mal die kroatische Flagge gehisst. Mit diesem Datum beginnt die Entwicklung der kroatischen Seestreitkräfte.

Die Zeitreise in die weiter zurückliegenden Jahrzehnte und Jahrhunderte gestaltet sich anhand der verschiedenen Sammlungen, die sich auf bestimmte marinehistorische Themen konzentrieren, zu einem spannenden Erlebnis. Jede für die kulturelle Entwicklung der Region maßgebliche Epoche hinterließ zum Teil wertvolle, zumindest aber eindrucksvolle Relikte, wie Amphoren aus dem 5. Jahrhundert vor Christus oder das nahezu überdimensional wirkende Tongefäß "Dolium" aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., in dem verschiedene Essenzen, aber auch Wein gelagert wurden. Diese Exponate sind Teil der Sammlung unterseeischer Funde, die im Laufe der Zeit sowohl von Hobbytauchern als auch von archäologischen Expeditionen an verschiedenen Orten entlang der Adria­küste geborgen wurden.

Der Mensch drang im 19. Jahrhundert auch in die Geheimnisse der Tiefsee mittels schwerer Tauchausrüstungen und klobiger Messinghelme vor. Eine Pumpe des britischen Herstellers Sadler aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als nachweislich einziges noch existierendes Exponat weltweit, legt im Marinemuseum Zeugnis von jener Epoche ab.

Beeindruckend sind ebenso Ausstellungsstücke aus der zivilen Schifffahrt im 20. Jahrhundert, wie der Namenszug des Schnelldampfers "Rex". Das Schiff gewann bei seiner Atlantiküberquerung 1933 das "Blaue Band". Beispiele für Schiffsantriebe, begonnen von den Dampfmaschinen des 19. und 20. Jahrhunderts bis zu den Dieselmotoren verschiedener bekannter Hersteller, wie Farryman, Penta, British Seagull, Bolinder oder Benz, runden die reichhaltige Kollektion ab. Ein herausragendes Objekt ist die Dieselmaschine der Marke "Rossi", die um 1900 in Split hergestellt wurde.

Als ein Schwerpunkt wird insbesondere den Besuchern aus Österreich die k.u.k. Kriegsmarine mit 32 Ölgemälden des Landschaftsmalers Alexander Kircher, der durch seine Darstellungen von Kriegsschiffen und Seeschlachten Berühmtheit erlangte, nähergebracht (Das Titelfoto dieses Beitrages zeigt den Panzerkreuzer "Kaiser Karl VI", 1898).

Jedes Museum bemüht sich als öffentliche Institution innerhalb ihrer Möglichkeiten um neue, herausragende Ausstellungsobjekte. "Wir befinden uns gegenwärtig in Gesprächen mit dem kroatischen Verteidigungsministerium bezüglich der Übernahme des in Split gebauten U-Bootes ‚Velebit’", sagt Stjepan Lozo, der sich über den Erhalt dieses Unterwasserfahrzeuges freuen würde. Ein weiterer Wunsch des engagierten Museumsleiters wäre der Erhalt zahlreicher geborgener Utensilien aus dem Wrack des italienischen Flaggschiffes "Re d´Italia", das 1866 in der Seeschlacht bei Lissa (Vis) versenkt wurde. Eine Gruppe kroatischer Spezialisten arbeitet in diesem Projekt bereits einige Jahre mit französischen Forschern zusammen.

Für das Jahr 2014 sind einige interessante Ausstellungen bezüglich des Gedenkens an den Beginn des Ersten Weltkrieges geplant, wie "Jadranski Marinisti 1914 - 1918" (Marineangehörige aus dem Adriaraum 1914 - 1918) oder die Präsentation "Prvi svjetski rat - brodsko topni¹tvo i naoru¾anje iz fundusa HPMSa" (Der Erste Weltkrieg - Schiffsartillerie und Bewaffnung aus dem Fundus des Kroatischen Marinemuseums in Split). Die Schau von ausgewählten Postkarten zum Thema der Vielfalt der k.u.k. Schiffe, die bis 1918 den Liniendienst zu den Häfen entlang der Adriaküste sicherstellten, wird kroatische ebenso wie Besucher anderer europäischer Länder gleichermaßen interessieren. Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr wird die Dokumentation über die Hebung der ehemaligen kaiserlichen Yacht "Dalmat" sowie eine damit verbundene Ausstellung sein, die auch die Reise des Thronfolgers Franz Ferdinand, dessen Ermordung und den Begräbniskonvoi darstellen wird.

Das Marinemuseum verfügt neben den zahlreichen Sammlungen über eine umfangreiche Fotothek mit 15 000 Bildern, die für Marinehistoriker aus aller Welt relevant ist sowie über eine Bibliothek mit 10 000 Bänden in verschiedenen Sprachen.


Autor: Michael Ellenbogen

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
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