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Mahnmal für Größenwahn und Widerstand

Adolf Hitler hatte im Laufe des Krieges im Osten und Westen zahlreiche Hauptquartiere. Das wohl bekannteste ist aber zweifellos jenes mit dem Decknamen Wolfsschanze bei Rastenburg (Ketrzyn) im heutigen Polen. Heute kann das Wäldchen mit den Überresten des "Führerhauptquartiers" besucht werden.

Die Wolfsschanze - oft auch nur mit einem s geschrieben - ist untrennbar mit dem Vernichtungsfeldzug im Osten, aber vor allem mit dem militärischen Widerstand gegen Hitler verbunden. Hier fand am 20. Juli 1944 das Attentat gegen Adolf Hitler statt. Hier gedenkt man heute ebenfalls der Männer um Graf Claus Schenk von Stauffenberg. Vor dem Fall des Eisernen Vorhanges fand dieses Gedenken deutscherseits ausschließlich in Berlin statt.

Ein geeigneter Platz für die Wolfsschanze wurde gesucht, nachdem für Hitler als nächstes Kriegsziel die Invasion der Sowjetunion fest stand. Gefunden wurde er im Stadtwald von Rastenburg im damaligen Ostpreußen. Ab November 1940 entstanden dort auf einer Fläche von 250 Hektar die Bunker, Baracken und sonstigen Anlagen des Hauptquartiers. Umgeben wurde das FHQ von einem Minengürtel, Panzersperren und Stacheldrahtverhauen. Die Bauarbeiter kamen von der Organisation Todt, deren Kommandant Fritz Todt ausgerechnet bei einem Start vom Rastenburger Flugplatz am 8. Februar 1942 mit seinem Flugzeug abstürzte und in der Folge verstarb. Am Bau beteiligt waren vermutlich an die 50 000 Menschen, allerdings nie mehr als 5 000 gleichzeitig. Alle Baupartien waren nur für die Fertigstellung eines Teiles der Anlage verantwortlich und wurden dann abgezogen. So gedachte man geheim zu halten, was hier entstand. Letztlich waren es rund 200 Objekte, die in der ganzen Gegend in drei Sperrkreisen (Sicherheitszonen) dem Hauptquartier Hitlers zugerechnet wurden. Am 24. Juni 1941 bezog Hitler erstmals die Wolfsschanze. Je nach Kriegsverlauf hielt er sich aber auch in anderen Hauptquartieren, in Berlin oder auch auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden auf. Insgesamt verbrachte er jedoch mehr als 900 Tage in Rastenburg. Am 20. November 1944 verließ er die Wolfsschanze für immer. Am 23./24. Jänner 1945 versuchten deutsche Pioniere die Anlage zu sprengen, was aber angesichts der Betonkolosse nur unvollständig gelang. Am 27. Jänner tauchten in Rastenburg die ersten sowjetischen Panzer auf.

Wer heute auf den markierten Wegen durch das Wäldchen bei Rastenburg wandert, wo die Reste der Wolfsschanze zu sehen sind, den befällt nahezu unweigerlich eine düstere Stimmung. Das mag daran liegen, dass überall auf dem Gelände die Trümmer riesiger Bunker verstreut sind. Wohl aber auch in der Erinnerung an die vielen verheerenden Befehle, die von hier ausgegangen sind.

Bis 1955 mussten ungeheure Mengen von Minen vom Gelände geräumt werden. Erst 1958 beschloss die polnische Regierung, das ehemalige Hauptquartier Hitlers für Besucher freizugeben. In den letzten Jahren kamen regelmäßig jährlich an die 200 000 Menschen. Auf markierten Steigen, die man wegen der herumliegenden stahlarmierten Betontrümmer nicht verlassen sollte, kann man heute durch das Areal wandern. Es gibt Wege mit 1,3, 1,8 und 2,4 Kilometern Länge. Die Überreste der Baracke (Objekt 3), in der Stauffenberg am 20. Juli 1944 die Bombe zündete, liegen nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt. Dort befindet sich seit 1992 auch eine Gedenktafel in Form eines aufgeschlagenen Buches mit gesprengtem Rücken. Gleich daneben findet man ein Modell der gesamten Anlage. Der eigentliche Hitler-Bunker (Objekt 13), liegt ungefähr auf der Hälfte des kürzesten Rundganges. Auf dem Weg dorthin gelangt man an den Überresten verschiedener anderer Objekte vorbei: Gästebunker, Flakbunker, dem Haus des Hitler-Stellvertreters Martin Bormann und andere mehr.

Leider gibt es auf dem Gelände allerdings auch einige höchst zweifelhafte touristische "Attraktionen". So kann man im ehemaligen Bunker des Chefs des Wehrmachtsführungsstabes, Alfred Jodl, mit Softgun-Replika-Waffen schießen oder eine Tour mit einem Kübelwagen machen, "wie einst".

Mag. Uwe Schwinghammer

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