Bundesheer Bundesheer Hoheitszeichen

Instagram
flickr
YouTube
facebook-button
Bundesheer auf Twitter

Die Schlacht bei St. Gotthard-Mogersdorf am 1. August 1664

Die Schlacht gilt heute als Wendepunkt in der Auseinandersetzung zwischen dem Osmanischen Reich und dem Habsburger Reich. Mit dem Sieg des christlichen Koalitionsheeres über ein zahlenmäßig überlegenes "türkisches" Heer gelang es, den Nimbus der Unbesiegbarkeit der Osmanen zu brechen.

Zwischen der ungarischen Kleinstadt Sankt Gotthard/Szentgotthárd und der südburgenländischen Marktgemeinde Mogersdorf befindet sich auf einer Ausdehnung von etwa 17 km² - geteilt durch den mäandrierenden Raabfluss - jenes Schlachtfeld, auf dem es am 1. August 1664 zum Kampf zwischen einem osmanischen und einem kaiserlichen, europäisch "multinational" zusammengesetzten Heer unter dem Oberbefehl von Graf Raimund Montecuccoli gekommen war. Dieses Ereignis wird in der österreichischen und europäischen Geschichtsschreibung als Schlacht bei St. Gotthard und seit dem 300jährigen Jubiläumsjahr 1964 in Österreich auch als Schlacht bei St. Gotthard mit dem Zusatz "Mogersdorf" bezeichnet.

Kriegsursachen

Der Konflikt um Ungarn zwischen dem Osmanischen Reich und den Habsburgern entstand bereits mit dem Sieg der Osmanen über den erst zwanzigjährigen ungarischen König Ludwig II.

(1506 bis 1526) in der Schlacht bei Mohács 1526. Der Tod des Königs brachte gemäß verschiedener Erbverträge (Pressburg 1491, Wiener Doppelhochzeit 1515) die Habsburger in dessen Rechtsnachfolge als Könige von Ungarn. Lokale Fürsten Siebenbürgens aus der Familie Zápolya beanspruchten jedoch die Krone für sich. Sie wurden Vasallen der Osmanen und stellten sich unter deren Schutz. Die Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Ungarn endeten 1541 mit einer Dreiteilung des Landes: Im Westen und Norden herrschten die Habsburger in einem schmalen Gebietsstreifen ("Königlich Ungarn"), Siebenbürgen wurde unter den Nachfolgern Johann Zápolyas als Fürstentum ein Vasallenstaat der Osmanen und das zentrale Ungarn ("Türkisch-Ungarn") blieb eine osmanische Großprovinz.

Ein Grenzkonflikt in Kroatien löste den "Langen Türkenkrieg 1592 bis 1606" zwischen Kaiser Rudolf II. und Sultan Murad III. aus, der aufgrund seiner Dauer ganz Ungarn in Mitleidenschaft zog. Den Osmanen gelang am 20. Oktober 1600 mit der Einnahme der Festung Kanizsa/Nagykanizsa (dt. auch Kanischa, Canischa) die Eroberung eines strategisch wichtigen Eckpfeilers des südlichen ungarischen Grenzfestungssystems. Der Friede von Zsitvatorok 1606 beendete diesen Krieg und bestätigte im Wesentlichen den "Status quo".

Zwischen 1606 und 1661 kam es zu keinen großen Angriffen und Kriegen zwischen den Habsburgern und den Osmanen. Die Ursache darin ist einerseits auf den gültigen Friedensvertrag von Zsitvatorok 1606, der immer wieder bestätigt und verlängert wurde, andererseits in der Verstrickung beider Mächte in anderen großen Kriegen des 17. Jahrhunderts zu sehen.

Das Verhältnis der Osmanen zum habsburgischen Kaiser änderte sich erst, als Kaiser Leopold I. um 1660 aktiv in den Streit um die Nachfolge des Fürsten Georg II. Rákóczi in Siebenbürgen eingriff. Der Habsburger unterstützte offen Johann (János) Kemény, der mit kaiserlicher militärischer Hilfe in Siebenbürgen einmarschierte und sich 1661 zum Fürsten wählen ließ. Kemény wurde von den Türken besiegt und Michael Apáfi von den Osmanen im Juli 1661 zum Fürsten von Siebenbürgen ernannt.

Der Banus (Bezeichnung für Würdenträger; Anm.) von Kroatien und Slawonien und Untertan der Habsburger Graf Miklós Zrínyi errichtete im Sommer 1661 ohne Zustimmung des Kaisers eine Festung auf türkisch-ungarischem Gebiet, die in der Nähe von Kanizsa den Mur-Übergang decken sollte. Dieser neue Brückenkopf stellte einen Bruch des Friedensvertrages von 1606 dar, da dieser die Errichtung neuer befestigter Plätze ("Palanken") schon auf eigenem Boden verbot.

Diplomatische Bemühungen Kaiser Leopolds I., den Frieden zu retten, scheiterten.

Der Krieg von 1663/1664

Die offizielle Kriegserklärung des Sultans an die Habsburger erfolgte am 18. April 1663. Zu Beginn des Sommers 1663 brach der erst 28jährige Groswesir Köprülü Achmed Pascha (1635 bis 1676) - der älteste Sohn des Großwesirs Köprülü Mehmed Pascha - mit seinem Heer von Belgrad, über Esseg/Osijek und Mohács entlang der Donau nach Ofen (Budapest) auf. Mit Köprülüs Eintreffen in Ofen/Budapest gelangten Truppen aus Siebenbürgen und Ungarn zum osmanischen Heer, so dass dem Großwesir ab Juli 1663 etwa 50 000 bis 60 000 Mann für den Feldzug gegen die Habsburger zur Verfügung standen.

Auf dem Weg nach Ofen/Budapest gab es mehrere Unterhandlungen zwischen den beiden Bevollmächtigten des Kaisers, Freiherr von Goeß und dem kaiserlichen Residenten (Gesandten) Simon Reniger mit dem Großwesir. Aus dem Bericht der Gesandten geht hervor, dass Kaiser Leopold I. bemüht gewesen ist, die Forderungen der Osmanen zu erfüllen, diese jedoch aufgrund zusätzlicher hoher Geldforderungen, die früheren Tributleistungen entsprochen haben, ablehnen musste.

Der Feldzug des Jahres 1663 entwickelte sich, nachdem die Festungen Neutra/Nitra, Levencz /Léva und Novigrad (Slowakei) durch die Türken kampflos genommen bzw. überrannt wurden, zum vollen Erfolg für den jungen Großwesir. Montecuccoli, der im Jahr 1663 vom Kaiser zum Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres ernannt wurde, konnte nicht riskieren, seine zu diesem Zeitpunkt an der Zahl viel zu schwache Armee von etwa 6 000 Mann regulärer Truppen, die nicht in den Festungen gebunden waren, dem übermächtigen Gegner entgegenzuwerfen.

Er reagierte deshalb sehr umsichtig defensiv und beschränkte sich auf die Sicherung der neu entstandenen Grenze und der Stadt Pozsony (heute Pressburg/Bratislava). Nach diesem für die Osmanen erfolgreichen Feldzug zog sich der Großwesir mit seinem Hauptheer über Gran, Ofen in sein Winterquartier nach Belgrad zurück.

Ein Hilfeersuchen des Kaisers zur Türkenabwehr an Europa

Angesichts der ständigen zahlenmäßigen Unterlegenheit des kaiserlichen Heeres nebst deren ungarischen Hilfstruppen ersuchte Kaiser Leopold I. die deutschen Kurfürsten, den Regensburger Reichstag und ganz Europa um Hilfe im neu entbrannten Krieg gegen das Osmanische Reich. Die Reichsfürsten und Reichsstände waren nach der deutschen Reichsverfassung dazu verpflichtet, dem Kaiser in einem Krieg gegen die Türken Hilfe zu leisten, sobald die Kämpfe auf den Reichsboden übergriffen. Dieser Anlassfall war mit dem Einfall osmanischer Truppen in Mähren im Kriegsjahr 1663 erfüllt.

Im Februar 1664 beschloss deshalb der Reichstag in Regensburg die Aufstellung einer "Reichsarmee" in der Stärke von 30 000 Mann. Die Truppenstärke des zukünftigen Koalitionsheeres sollte sich aus Kontingenten des kaiserlichen Heeres, der Rheinischen Allianz, bestehend aus einem deutschen und französischen Allianzkorps, der Reichsarmee sowie ungarischen Truppen zusammensetzen.

Der Kriegsplan des Hofkriegsrates

Das Koalitionsheer wurde gemäß eines Feldzugplanes des Hofkriegsrates entgegen dem Rat Montecuccolis, der eine Zersplitterung des Heeres fürchtete, in drei Armeen mit drei operativen Zielen aufgeteilt. Im Süden operierte die Murarmee, die aus verschiedenen ungarischen Komitats- und Magnatentruppen sowie Teilen des Reichs- und Allianzheeres unter dem gemeinsamen Kommando von Miklós Zrínyi und Wolfgang Julius Graf von Hohenlohe (17 000 Mann) entlang der Mur vormarschieren und die Festung Kanizsa zurückerobern sollte. Die im Zentrum gebildete Haupt- oder Donauarmee unter dem Kommando Montecuccolis (28 800 Mann) hatte die Aufgabe, von Ungarisch-Altenburg aus entlang der Donau vorzustoßen. Die im Norden stehende Armee unter dem Kommando des kaiserlichen Feldzeugmeisters Graf Ludwig de Souches (8 500 Mann) hatte die Aufgabe, von der Waag aus Neutra/Nitra, Lewencz/ Léva und Novigrad einzunehmen. Montecuccoli war jedoch ein entschiedener Gegner dieses Planes und wollte mit der gesamten Streitmacht entlang der Donau vorrücken. Der Feldherr konnte sich jedoch bei den Kriegsberatungen in Regensburg im März und April 1664 nicht durchsetzen. Zusätzlich wurde noch der Stand seiner kaiserlichen Truppen bei der Hauptarmee vermindert und auf 20 000 Mann herabgesetzt.

Der Winterfeldzug der Murarmee 1664

Während sich das osmanische Hauptheer in seinen Winterquartieren bei Belgrad befand, führten im Jänner und Februar 1664 Graf Hohenlohe und Graf Miklós Zrínyi mit der Murarmee einen Feldzug entlang der Drau auf türkisch-ungarischem Gebiet gegen osmanisch besetzte Städte und Dörfer durch. Am 2. Februar 1664 zerstörte Zrínyi die ca. sechs Kilometer lange Brücke über die Drau und das angrenzende Sumpfgebiet bei Esseg/Osijek (Kroatien). Damit war eine für das osmanische Heer wichtige strategische Brücke zerstört, die den zentralen Flussübergang des osmanischen Heeres nach Türkisch-Ungarn bildete. Das eigentliche Kriegsziel der Murarmee war jedoch die Rückeroberung der Festung Kanizsa/Nagykanizsa, die im "Langen Türkenkrieg" im Jahre 1600 an die Osmanen verloren gegangen war. Es gelang der Murarmee unter Hohenlohe, Zrínyi und Strozzi, mit 18 300 Mann die Stadt einzunehmen. Die Festung blieb jedoch in den Händen ihrer Verteidiger.

Die Unternehmungen der Murarmee im Winter und im Frühjahr 1664 waren für diese selbst sehr verlustreich und zogen vor allem das Interesse des Gegners verstärkt auf diese Armee und die Orte ihres Einsatzes, da diese Truppe für die Zerstörung der strategisch wichtigen Brücke von Esseg/Osijek und die Verwüstung von Dörfern verantwortlich zeichnete und nunmehr mit der Belagerung von Kanizsa eine für beide Seiten prestigeträchtige Grenzfestung auf dem Spiel stand. So verwundert es nicht, dass nach dem dreimonatigen Wiederaufbau der Brücke von Esseg/Osijek, der Großwesir Ahmed Köprülü zum Gegenschlag ausholte und seine Hauptarmee entlang der Drau in Richtung Kanizsa lenkte.

Der Weg zur Schlacht

Am 14. Mai 1664 überschritt der Großwesir mit einem auf 40 000 bis 70 000 Mann geschätzten Heer und 100 Kanonen die neu erbaute Draubrücke bei Esseg/Osijek und begann damit den eigentlichen Feldzug. Die Osmanen marschierten über Mohács, Fünfkirchen/Pécs, Sziget/Szigetvár und entsetzten am 2. Juni 1664 kampflos Kanizsa. Angesichts der Lageentwicklung im Süden wurde die Absicht des Hofkriegsrates, mit dem Haupt- heer entlang der Donau vorzugehen, fallengelassen. Am 1. Juni 1664 fiel bereits die Entscheidung des Kaisers, die Hauptarmee unter Montecuccoli an die Mur zu schicken. Am 7. Juli 1664 gelang es Ahmed Köprülü, die Festung Serinvar zu stürmen. Er schleifte und verbrannte die Festung vollständig. Damit war ein Kriegsziel der Osmanen, die Zerstörung der wider den Friedensvertrag von 1606 auf "türkisch-ungarischen Boden" errichteten Festung Serinvar, erreicht. Ein weiteres Vordringen der Osmanen über die Mur konnte jedoch durch die kaiserlichen Truppen abgewehrt werden.

Noch während sich die beiden gegnerischen Heere bei der Festung Serinvar gegenübergestanden hatten, rückten weitere Hilfskontingente, die zur Unterstützung des kaiserlichen Heeres vorgesehen waren, über Ungarisch-Altenburg, Ödenburg/Sopron, Güns, Fürstenfeld, Fehring, Radkersburg zum vereinbarten Treffpunkt bei Neuhof/Muraszerdahely/kroatisch: Mursko Sredi¹æe vor.

Um einen zu frühen Zusammenstoß mit dem osmanischen Heer noch vor dem Erreichen seiner vollen Streitmacht zu vermeiden, zog sich Montecuccoli am 21. Juli von Lendava nach Olsnitz/Murska Sobota (Slowenien) zurück und vereinigte sich dort am 22. Juli mit dem französischen Kontingent. Am 31. Juli 1664 standen sich schließlich beide Heere bei St. Gotthard/Szentgotthárd und Mogersdorf an der Raab gegenüber. Die Stärke des osmanischen Heeres am Vorabend der Schlacht wird in den Quellen unterschiedlich zwischen 60 000 und 120 000 Mann angegeben. Die Größe des christlichen Koalitionsheeres wird nach dem erfolgten Zuzug der Hilfskontingente zwischen 25 000 und 40 000 Mann als etwa halb so groß wie die des Gegners genannt.

Unter dem Oberbefehl des kriegserfahrenen 55jährigen Montecuccoli (1609 bis 1680) befanden sich am linken Flügel die Truppen der Französischen Allianz unter dem Kommando des Grafen Jean de Coligny-Saligny (1617 bis 1686). Der zum Zeitpunkt der Schlacht 47jährige französische General kommandierte ein ca. 5 400 Mann starkes Kontingent, bestehend aus 3 500 Mann zu Fuß und 1 900 Mann zu Pferd. Die Truppen der Deutschen Allianz in der Stärke von ca. 900 Mann wurden vom 42jährigen Generalleutnant Wolfgang Julius Hohenlohe-Gleichen (1622 bis 1698) befehligt, der bereits seit November 1663 im Einsatz gegen die osmanischen Truppen stand und durch die hohen Verluste beim Winterfeldzug der Murarmee und bei den Kämpfen bei Serinvar nur mehr ein kleines Kontingent aufweisen konnte. Er stand im Anschluss an das französische Korps und hatte auch den gemeinsamen Oberbefehl über die "Allianztruppen" inne.

Im Zentrum standen die Truppen der "Reichsvölker" unter dem Kommando des Markgrafen Leopold Wilhelm von Baden (1626 bis 1671). Er befehligte ca. 8 300 Mann, darunter 6 800 Mann zu Fuß und 1 500 Mann zu Pferd. Am rechten Flügel standen die kaiserlichen Truppen in der Stärke von nahezu 11 000 Mann, 5 000 Mann zu Fuß und 5 900 Mann zu Pferd. Das Kommando über die kaiserlichen Truppen und das Oberkommando der gesamten Armee führte Graf Raimund Montecuccoli. In diesem Flügel befand sich am äußerst rechten Ende der älteste General des Koalitionsheeres, Johann Freiherr von Sporck (1600 bis 1679), der als über 60jähriger persönlich die schweren Reiter (Kürassiere) anführte.

Der Großwesir Ahmed Köprülü (1635 bis 1676), der Montecuccoli nun mit seiner großen Streitmacht auf den Höhen des rechten Raabufers etwa 3,5 Kilometer westlich von St. Gotthard gegenüberstand, war mit seinen 29 Jahren der jüngste unter den Hauptakteuren der Schlacht und des Krieges von 1663/1664.

Die Schlacht an der Raab am 1. August 1664

In den frühen Morgenstunden des 1. August 1664 schwärmten einige tausend Reiter der Osmanen bei Eckersdorf/Szakonyfalu raabaufwärts aus. Da man im kaiserlichen Lager annahm, dass diese Truppen die Absicht hatten, den rechten Flügel der Koalitionsarmee anzugreifen, ritt ihnen General Sporck mit Dragonern, Kroaten und 1 000 deutschen Reitern entgegen, um diesen möglichen Angriff abzuwehren. Die Osmanen waren jedoch mit ihren Knechten und Tieren zum Furagieren (Beschaffung von Pferdefutter) ausgeritten und verhielten sich zurückhaltend. Sporck zwang sie über die Raab hinweg zum Rückzug in Richtung Unterzeming/Alsoszölnök.

Der eigentliche Übergang von kampfkräftigen osmanischen Truppen erfolgte indessen an einer sich in ihrem Besitz befindlichen Furt am Scheitelpunkt des Flusses um sechs Uhr morgens. Etwa 1 000 Janitscharen und Spahis übersetzten - unterstützt durch das Feuer der Artillerie - den Fluss und griffen den 200 bis 300 Mann starken Sicherungsposten der Reichstruppen am Flussbogen an, welcher sich angesichts des Angriffes nach Mogersdorf zurückzog. Während an der Übergangsstelle am Fluss weitere Truppen nachstießen, gelangten einzelne osmanische Reiter bis an das Lager der Reichstruppen, die wiederum völlig überrascht und unvorbereitet dem Gegner gegenüberstanden und entsetzt flohen.

Gegen sieben Uhr wurde das Lager der Reichstruppen alarmiert. Der überstürzt und hastig zusammengestellte Gegenangriff der Reichstruppen und von Teilen des kaiserlichen Heeres konnte dem Angriff der Janitscharen nicht standhalten und scheiterte. Dies verwundert kaum, da die Koordinierung und gefechtsmäßige Aufstellung der Regimenter bis zum Erreichen der vollkommenen Abwehrbereitschaft bis zu vier Stunden in Anspruch nehmen konnte. Ein Zeitzeuge beschreibt das Grauen, der sich nicht entwickeln könnenden deutschen Reichsinfanterie und der nur teilweise erschienenen Reichskavallerie: "… durch den heftigen Angriff zu einer dichtgedrängten und tiefgegliederten Masse zusammengedrückt, blieben [diese] wie gelähmt stehen und ließen sich nahezu ohne Widerstand niedermetzeln oder ergriffen allmählich die Flucht …". Die Osmanen besetzten schließlich Mogersdorf sowie den Flussbogen an der Raab und begannen sich einzugraben. Zusätzlich zogen sie noch Verstärkungen nach, so dass die meisten Kriegsberichte von 3 000 Spahis und ebenso vielen Janitscharen sprechen, welche auf den Pferden aufgesessen die Raab überschritten.

Während beim Koalitionsheer durch das Chaos des nicht koordinierten Vorgehens der Reichstruppen das Zentrum zusammenbrach, leitete Montecuccoli den Gegenangriff ein. Von den noch nicht in den Kampf involvierten linken und rechten Flügeln seiner Armee führte er selbst das Gros der kaiserlichen Regimenter (rechter Flügel) zum Gegenstoß in die linke Flanke der Osmanen. Hohenlohe führte die Reste der Reichstruppen, und die Franzosen unter Coligny traten zum Angriff auf die Wiedereroberung von Mogersdorf an.

Zwischen dem Angriff der Osmanen um 0700 Uhr und diesem koordinierten Gegenangriff waren drei Stunden vergangen. Diese Zeitspanne entspricht etwa auch dem Zeitbedarf für die kampf- und abwehrbereite Aufstellung der Regimenter. Um etwa 1000 Uhr setzte dieser koordinierte Gegenangriff dem osmanischen Vorstoß ein Ende. Hohenlohe gelang es, zusammen mit den Franzosen Mogersdorf zurückzuerobern. Die kaiserlichen Regimenter unter Montecuccoli warfen den Gegner auf die freie Ebene vor dem Fluss zurück. Obwohl ständig neue Truppen der Osmanen über den Fluss setzten, gelang es ihnen nicht mehr, die Front des Koalitionsheeres zu durchbrechen.

Aus der Sicht des osmanischen Geschichtsschreibers Hasan Aga, der die Größe des gegnerischen Koalitionsheeres auf 50 000 bis 60 000 Mann einschätzte, gestaltete sich diese erste Phase des Gefechtes wie folgt: "Am 8. Tag des Monats Muharrem [1. August] am heiligen Freitag, wurden Mehmed Pascha und Kaplan Pascha beauftragt, sich mit den Janitscharen zu dieser Furt zu begeben und dort einen Brückenschlag vorzubereiten. Während sie noch ihre Erkundungen anstellten, ließen sie ein paar Janitscharen auf Kamelen übersetzen, die sich auf dem anderen Ufer eingraben und es besetzen sollten, so dass man die Brücke in aller Ruhe herstellen konnte. Die Giauren (türk. Bezeichnung für Christen; Anm.) jedoch wurden dessen gewahr und griffen sofort mit einigen tausend Mann zu Fuß und zu Pferd die auf dem jenseitigen Ufer befindlichen Janitscharen an. Ein paar Reiter, die gerade an der Furt standen, preschten ins Wasser und kamen den Muslims auf dem anderen Ufer zu Hilfe, warfen die verruchten Giauren sogleich und ließen sie allesamt über die Klinge springen. Als im Nu ein- bis zweitausend Giauren fielen, setzten die islamischen Krieger alles daran, auf das andere Ufer zu gelangen: Die Berittenen ließen das Fußvolk hinten aufsitzen, andere setzten auf Kamelen über: insgesamt fünf- bis zehntausend Mann, mit ihnen Isma’il Pascha, der Janitscharenaga, Kaplan Pascha und Mehmed Pascha der Georgier, die jedoch ihre Levends (vom Staat besoldete, modern bewaffnete muslimische Schützen, die vor allem bei gefährlichen und kritischen Situation z. B. bei der Sicherung von Brückenköpfen, eingesetzt wurden) nicht mit hatten: Die Herolde hatten ja auch gar nicht zum Flußübergang (sic!) aufgerufen, sondern es war nur von Erkundung für einen Brückenschlag die Rede gewesen. All jene vom Gefolge des Großwesirs, die gerade zur Stelle waren, setzten auch über …" Aus diesem Bericht des Hasan Aga zeigt sich eine mögliche Ursache der späteren Niederlage des osmanischen Heeres. Aus einer befohlenen Erkundung und Vorbereitung für einen Brückenschlag entwickelte sich ein vermutlich vom Großwesir (noch) nicht beabsichtigter Angriff auf das gegenüberliegende Koalitionsheer, der dem osmanischen Befehlshaber zunehmend entglitt. Nach dem überraschenden ersten Angriffserfolg seiner Truppen in das Lager der Reichstruppen scheint es, als habe eine fatale Eigendynamik auf osmanischer Seite zwar eine hohe Anzahl an Truppen über den Fluss gebracht, eine koordinierte Weiterführung des Angriffes jedoch nicht stattgefunden. Hasan Aga berichtet dazu: "Die islamischen Truppen jedoch waren in ihrem Triumph über die Einnahme des jenseitigen Ufers hoffärtig geworden … jeder war vom Pferd gestiegen, die einen trockneten ihre nassen Kleider, andere waren mit ihren eigenen Sachen beschäftigt. Auch waren alle von dem Kampf, der vom Morgen bis zum Nachmittagsgebet gedauert hatte, völlig erschöpft und ruhten nun ein wenig aus. Wie da die verruchten Giauren merkten, dass aus unserem Lager niemand mehr nachkam, das Schlachtfeld zum Marktplatz geworden war…, da brachen die verruchten Giauren zur nämlichen Stunde zu Pferd und zu Fuß aus dem Wald hervor und stürzten sich auf die Muslims. Und diese konnten dem Angriff nicht standhalten (…)".

Vorangegangen war diesem weiteren Angriff Montecuccolis eine Generalsbesprechung, welche etwa um 1200 Uhr in der Nähe der heutigen Annakapelle, am westlichen Ortsausgang von Mogersdorf stattfand. Dabei ging es um die Frage, welche Vorgangsweise für den weiteren Schlachtverlauf zu wählen sei. Als mögliche Alternativen boten sich den Feldherrn entweder die jetzt wieder erlangten Positionen zu verteidigen oder einen Gegenangriff mit allen zur Verfügung stehenden Truppen zu wagen. Montecuccoli und Coligny plädierten eher für die defensive erste Variante und wollten zunächst einen Angriff nicht wagen. Für Montecuccoli stand bei einer möglichen Niederlage der Totalverlust der gesamten Armee auf dem Spiel, der in weiterer Folge es wiederum dem osmanischen Gegner ermöglichen könnte, beinahe ohne Widerstand auf innerösterreichisches Gebiet vorzustoßen. Für Coligny, der eine strikte Order des französischen Königs hatte, sich nicht zu "exponieren" und seine Truppen möglichst zu schonen, war es vermutlich die Sorge um seinen Verband, der ihn zögern ließ. General Hohenlohe drängte jedoch zu einem Gegenangriff. Recht drastisch führte er dabei den übrigen Feldherren die Folgen eines Nichtangriffes vor Augen: "Denn wenn der Feind in der Nacht in seiner jetzigen Stellung gelassen wird, so wird keiner mehr von uns allen auf den morgenden Tag den Kopf auf den Schultern, sondern in einem türkischen Habersack haben (…)".

Tatsächlich überschritten etwa zum Zeitpunkt der Generalsbesprechung auf der Höhe von Weichselbaum ungefähr 4 000 Spahis die Raab. Gleichzeitig erschienen osmanische Reiter auch am linken Flügel des Koalitionsheeres, knapp oberhalb von St. Gotthard, ohne jedoch die Raab zu überschreiten. Wiederum war es Sporck, der die Osmanen am rechten Flügel über den Fluss zurückwarf.

Die Entscheidung der Schlacht

Angesichts der erneuten Bedrohung, die Sporck zurückweisen konnte, veranlasste Montecuccoli gemeinsam mit den anderen Generälen den Gegenangriff. Dabei wurden die Truppen in zwei Treffen Infanterie und Reiterei gemischt aufgestellt und befohlen, in guter Schlachtordnung langsam vorzugehen und gemäß der Taktik der Infanterie durch ein beständiges, salvenartiges Musketenfeuer den Gegner zu vernichten. Der Militärhistoriker Kurt Peball schätzte die Stärke dieser Angriffstruppe auf etwa 15 000 Mann, so dass auch eine Reserve zurückbleiben und bei einem möglichen Durchbruch des Gegners eingesetzt werden konnte.

Offensichtlich hatten die Osmanen diesen Gegenangriff nicht erwartet. Die Karte des bei dieser Schlacht anwesenden Artilleristen und Kartografen Johann Willading hält diese Phase des Kampfes genau fest und zeigt ein in einem Kreisbogen, halbmondförmig vormarschierendes Koalitionsheer, das die zwischen dem Flusslauf und den Angreifern eingepferchten osmanischen Verteidiger in den Fluss zurückdrängt. Der Augenzeuge Generalleutnant Graf Georg von Wald- eck sprach davon, dass "die Türken gleichsam wie eine Herde Schafe in das Wasser hineingetrieben worden seien und der Fluss voll von fliehenden Osmanen, Pferden und Kamelen gewesen sein soll, in die die heranstürmenden Soldaten der Verbündeten wahllos hinfeuerten." Etwa zwischen 1600 Uhr und 1700 Uhr hatten die Truppen Montecuccolis den Gegner vom linken Raabufer zurückgedrängt und konnten so das Flussufer vollends in ihren Besitz nehmen.

Hasan Aga berichtet darüber: "Inzwischen hatten die verruchten Giauren das Flussufer zurückerobert. Zur nämlichen Stunde hoben sie an dieser Furt Gräben aus und errichteten ein festes Verhau aus Pfählen, damit niemand mehr über den Fluß (sic!) setzen könne …" Interessant ist, dass Ahmed Köprülü, der nur einen Teil seiner Kämpfer über die Raab gehen ließ und noch genügend Truppen zu Verfügung hatte, keinen weiteren Versuch unternahm, das Koalitionsheer anzugreifen. Etwa 10 000 Mann der türkischen Streitmacht waren über die Raab gegangen, während weitere 30 000 osmanische Kämpfer sich nur als Zuschauer am gegenüberliegenden Ufer an der Schlacht beteiligt hatten. Aber auch Montecuccoli ließ die Verfolgung des Gegners abbrechen und verblieb auf "seiner" Seite der Raab. Dazu beigetragen haben dürfte auch die Tatsache, dass der Fluss Hochwasser führte und dadurch den Übergang für beide Kontrahenten erschwerte.

Dieser geglückte Abwehrsieg Montecuccolis wurde aufgrund seiner "Einmaligkeit" zum vollen propagandistischen Erfolg für Kaiser Leopold I. Erstmals hatte nach über 150 Jahren ein christliches Koalitionsheer den übermächtigen osmanischen Gegner in offener Feldschlacht besiegt. Vor allem durch die Teilnahme von verschiedenen europäischen Truppenkontingenten verbreitete sich die Nachricht über diesen Sieg rasch auch auf ganz Europa.

Noch bis zum 5. August 1664 standen sich die beiden Heere an der Raab gegenüber. Die Osmanen zogen am 6. August mit ihrer Hauptarmee in Richtung Zalaegerszeg ab. Montecuccoli marschierte parallel am linken Raabufer entlang in Richtung Körmend. Am 8., 9. und 10. August verharrte die Koalitionsarmee in der Linie Körmend-Hagensdorf-Güssing.

Der Frieden von Vasvár (Eisenburg)

Nach der Schlacht von St. Gotthard-Mogersdorf zeigten sich beide Parteien relativ rasch dazu bereit, einem Friedensvertrag zuzustimmen. Die Konfliktparteien einigten sich am 9. August 1664 in Eisenburg/Vasvár auf einen zehn Artikel umfassenden Friedensvertrag. Dabei zeigte sich, dass obwohl die Schlacht bei Sankt Gotthard am 1. August 1664 durch das kaiserlich geführte Koalitionsheer gewonnen wurde, die territorialen Gegebenheiten des erfolgreichen Feldzuges der Osmanen vom Jahre 1663 aber vertragsbestimmend wurden.

Die Habsburger mussten dennoch zufrieden sein, angesichts der noch immer bedeutenden osmanischen Streitmacht einen Friedensschluss zu erzielen, der ihnen zumindest für die nächsten 20 Jahre eine weitere Bedrohung der Grenzen im Osten des Reiches ersparte.


Autor: Oberrat OberstdhmfD Mag. Andreas Thalhammer, MBA. Jahrgang 1960. 1979 eingerückt als Einjährig Freiwilliger zum Landwehrstammregiment 13 (Pinkafeld). Ausbildung und Verwendung als Zugs- und Kompaniekommandant. 1988 und 1992 Auslandseinsätze in Zypern (UNFICYP). 1993 Referatsleiter in der Präsidialabteilung D (Ministerialbibliothek) des BMLVS. 1994 bis 1995 Ausbildung zum wissenschaftlichen Bibliothekar an der Österreichischen Nationalbibliothek. 1999 bis 2009 Amtsdirektor und Hauptreferatsleiter. 2004 bis 2006 Absolvierung des Studienganges Bildungsmanagement an der Theresianischen Militärakademie. 2005 bis 2009 Studium der Geschichte mit Fächerkombination aus den Bereichen Geografie und Bildungswissenschaften an den Universitäten Wien und Graz. Seit 2009 Hauptlehroffizier und Forscher am Institut für Human- und Sozialwissenschaften der Landesverteidigungsakademie in Wien.

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
Impressum | Kontakt | Datenschutz | Barrierefreiheit