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Forward Air Controller - Qualified and Certified

Um Feuerunterstützung aus der Luft bei Bedarf rasch verfügbar zu haben und dann auch schnell und präzise einsetzen zu können, braucht man u. a. ein international akkreditiertes Fliegerleitpersonal. Seit Ende November 2013 verfügt das Österreichische Bundesheer über drei NATO-qualifizierte und -zertifizierte Forward Air Controller (FAC).

Nur durch die Verfügbarkeit einer ausreichenden Anzahl von FAC in den eigenen Manöverelementen der Landstreitkräfte und Spezialeinsatzkräfte kann die rasche Verfügbarkeit von Luftunterstützung bei internationalen Einsätzen gewährleistet und somit eigene Soldatenleben gerettet werden! (DBW)

Die Fähigkeit einer Truppe mithilfe von speziell ausgebildeten und qualifizierten Soldaten Close Air Support (CAS) anzufordern ist eine unersetzbare Schlüsselfähigkeit auf dem modernen Gefechtsfeld. Bei Einsätzen zur Friedensschaffung oder Friedensunterstützung werden oftmals sehr kleine Truppenkontingente in nahezu unüberschaubar großen Einsatzräumen eingesetzt. Kommt es dabei zu Gefechtshandlungen, ist die Luftnahunterstützung oft das einzige Mittel, das eigene Verluste und Kollateralschäden reduziert oder überhaupt verhindert und den jeweiligen Auftrag erfüllen lässt. Dies belegen zahllose Beispiele aus Afghanistan, dem Irak und aus verschiedenen Krisenländern Afrikas.

Die Luftnahunterstützung, also CAS, wird in NATO- (Allied Tactical Publication - ATP) und US-Vorschriften fast gleichlautend definiert (hier aus der NATO ATP 3.2.2.1.):

"CAS is air activity against hostile targets which are in close proximity to friendly forces and requires detailed integration of each air mission with the fire and movement of those forces." Die Schlüsselbegriffe dabei sind "close proximity" und "detailed integration". Diese beschreiben zum einen die nahe Distanz zum Feind, in der vor allem Verluste durch eigenes Feuer vermieden werden müssen (sowohl bei Bodentruppen als auch bei Luftfahrzeugen), und zum anderen die Koordinierungsmaßnahmen, die notwendig sind, um die gewünschten Effekte zu erzielen, ohne dabei die Unterstützungsmaßnahmen zu restriktiv zu gestalten. In der Folge geben diese Begriffe Hinweis auf die Notwendigkeit eines vorne eingesetzten Spezialisten, einem Forward Air Controller bzw. Joint Terminal Attack Controller (JTAC), der selbstständig befugt ist, die so genannte "terminal attack control" durchzuführen. Diese Berechtigung bedeutet, Flugmanöver und die Auslösung von Waffen der zum CAS eingesetzten Luftfahrzeuge in seinem Verantwortungsbereich zu kontrollieren bzw. freizugeben. Dieser Umstand definiert auch ganz klar, bei wem die Verantwortung über diese beiden Bereiche im Falle eines CAS liegt - nämlich nicht beim Piloten, sondern beim FAC bzw. JTAC. Aufgrund dieser hohen Verantwortung, die mit einem ebenso hohen Maß an speziellen Kenntnissen und Fertigkeiten einhergeht, werden diese Soldaten besonders ausgewählt und ausgebildet. Definiert werden diese Kriterien in der NATO vor allem in der STANAG 3797 Edition 5 "Minimum Qualifications for Forward Air Controllers & Laser Operations in Support of Forward Air Controllers".

FAC oder JTAC?

Im Folgenden wird versucht, diese oftmals für Verwirrung sorgenden Begriffe bei der zu erklären.

Der in den letzten Jahren häufiger gehörte Begriff ist der in den USA gebräuchliche JTAC. Die Ursache liegt am ehesten in der dominanten Rolle, die die USA in Konflikten wie in Afghanistan und im Irak einnehmen - vor allem hinsichtlich CAS. Die Erklärung des Begriffes in der U.S. Joint Publication 3-09.3 "Close Air Support" lautet auszugsweise: "A joint terminal attack controller (JTAC) is a qualified (certified) Service member who, from a forward position, directs the action of combat aircraft engaged in CAS and other air operations." FAC hingegen wird in derselben Vorschrift folgendermaßen definiert: "An officer (aviator/pilot) member of the tactical air control party who, from a forward ground or airborne position, controls aircraft in close air support of ground troops. Also called FAC." Die US-Streitkräfte unterscheiden somit die beiden Begriffe. Ein JTAC kann ein beliebiges (aber speziell ausgebildetes) Mitglied jeder Teilstreitkräfte sein, wogegen der FAC ein Offizier und Pilot, bzw. Aviator (Co-Pilot, Waffensystemoffizier etc.) und Mitglied einer "Tactical Air Control Party" ist.

Die NATO vereint diese Erklärungen mehr oder weniger in der ATP 3.2.2.1. und nutzt ausschließlich den Begriff FAC: "A FAC is a qualified individual who, from a forward position on the ground or in the air, directs the action of combat aircraft engaged in close air support of land forces." Der Begriff JTAC wird gemäß der NATO Allied Tactical Publication (ATP) nicht verwendet. Jedoch befindet sich in dieser Vorschrift eine Fußnote mit dem Hinweis, dass der Terminus FAC den des US-Terminus JTAC einschließt. Und des Weiteren merken die USA im "Reservations"-Abschnitt der ATP an: "Joint Terminal Attack Controller (JTAC) should be defined in the pub since it is a joint, multi-service and multi-nationally accepted term." Zur zusätzlichen Verwirrung trägt noch bei, dass auch manche NATO-Mitgliedsstaaten ihre Fliegerleitoffiziere und Unteroffiziere JTAC nennen -­ nämlich diejenigen, die nicht gemäß ATP 3.2.2.1. sondern nach dem Joint Close Air Support Action Plan Memorandum of Agreement (JCAS AP MOA), also dem US-Ausbildungsschema ausgebildet wurden.

Vor allem die US-Erklärungen zeigen ganz deutlich die geschichtliche Herkunft des FAC aus der US-Luftwaffe, die nur Piloten zutraute, diese Aufgabe auf dem Boden (oder auch aus der Luft) zu übernehmen. Obwohl es spätestens seit der Ära des Vietnamkrieges Widerstand gegen diese Vorgangsweise gegeben hat, war es vor allem der Einsatz von CAS in Afghanistan ab 2001 (und in der Folge im Irak), der den JTAC gemäß obiger Definition entstehen ließ. (Im Vietnamkrieg zum Beispiel entwickelte die U.S. Army zum Einsatz ihrer generischen Kampfhubschrauber mit "Close Combat Attack" - CCA - ein eigenes Verfahren, das jedem Kommandanten zugesteht, selbstständig diese Mittel zur Luftnah­unterstützung einzusetzen.) Gerade zu Beginn des Afghanistan-Einsatzes wurden vorwiegend Spezialeinsatzkräfte verwendet, die heute noch eine große Rolle spielen und deren Soldaten einer umfassenden Selektion und Ausbildung unterzogen werden.

Die angewendeten Gefechtstechniken und Verbringungsarten sind hochkomplex (z. B. urbaner Kampf in einer Geiselbefreiungslage oder eine Insertion mit dem Gleitfallschirm aus großer Höhe unter Verwendung von Sauerstoff). Unterstützungspersonal (z. B. ein FAC), das in diesen Techniken nicht ausgebildet wurde, kann gesamte Einsätze gefährden oder eine Durchführung gar unmöglich machen. Deshalb wurden und werden Soldaten der Spezialeinsatzkräfte und Soldaten konventioneller Kampftruppen zu Special Operations Terminal Attack Controller (SOTAC) bzw. JTACs ausgebildet. Hinzu kommt noch der Teilstreitkräfte übergreifende Einsatz von Wirkmitteln (Joint Fires) und nicht der ausschließliche Einsatz von Luftmitteln zur Feuerunterstützung. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet ist die unterschiedliche Begriffsbestimmung der U.S. J-Pub sogar präziser und veranschaulicht auch, warum in den Konflikten seit 2001, wo der Einsatz von "Joint Fires" eine große Rolle spielt, der Begriff JTAC dominiert.

Ist Emergency Close Air Support (ECAS) ausreichend?

Diese Frage kann klar mit "nein" beantwortet werden und geht aus den diversen Begriffsdefinitionen weiter oben hervor. Die Verantwortung der Waffenauslösung bei ECAS liegt beim Piloten, der keinen qualifizierten, zertifizierten und korrekt ausgebildeten Spezialisten als "Terminal Attack Controller" am Boden zur Verfügung hat. So wird es für ihn zu einer hohen Bürde, selbstständig das Feuer zu eröffnen. Der Pilot muss ohne diese Leitung zwischen Freund, Feind und Unbeteiligten unterscheiden und seine eigene Sicherheit und die der Bodentruppen gewährleisten. Deshalb wird die Durchführung von ECAS so gut es geht vermieden. Eher noch wird versucht, einen Airborne Forward Air Controller (FAC (A) - ist gleichzeitig ein Pilot und führt seine Controls vom Co-Pilotensitz aus) einzusetzen, der die in Not geratene Truppe unterstützt. Keinesfalls kann und darf auf den Einsatz von ECAS geplant werden! Sollte ECAS im Notfall doch gewährt werden, ist auch hier das Beherrschen der englischen Sprache Bedingung. Ohne Englisch ist kein ECAS möglich, da sich die CAS-Asset-Gestellung in den meisten Einsätzen multinational darstellt.

Aufgaben eines FAC

Die Hauptaufgabe eines FAC ist die Beratung und Unterstützung des Ground Force Commanders (GFC). Im Zuge dieser Unterstützungsleistung fordert der FAC nach der Vorgabe des GFC Close Air Support an und leitet diesen. Darüber hinaus sollte er nach Möglichkeit befähigt sein, Feuer von boden- und seegestützten Wirkmitteln anzufordern und einzusetzen. In der Planungsphase eines Einsatzes kann ein FAC im Rahmen des Targeting (siehe TD-Heft 1/2011, "Joint Tactical Targeting") unterstützen oder beratend mit seinem Fachwissen tätig werden. Dies gilt natürlich auch gegenüber dem Ground Force Commander, den er darüber hinaus über die Waffenwirkung und mögliche Risiken des Einsatzes berät (bei der Planung und auf dem Gefechtsfeld). Weitere Aufgaben des FAC sind:

- Führung der Luftfahrzeuge beim Lokalisieren und Bekämpfen von Zielen auf dem Boden und gleichzeitige Verantwortung für deren Sicherheit.

- Durchführung der Zielmarkierung.

- Kontrolle des Waffeneinsatzes des Luftfahrzeuges.

- Auslösung des Waffeneinsatzes.

- Bewertung der Waffenwirkung nach erfolgtem Einsatz (Battle Damage Assessment - BDA).

- Führung von Remotely Piloted Aircrafts (RPA, durch einen Piloten ferngesteuertes unbemanntes Luftfahrzeug) in seinem Verantwortungsbereich.

- Unterstützung beim Anfordern von MEDEVAC (Medical Evacuation) und CASEVAC (Casualty Evacuation).

- Koordinierung des gesamten Flugverkehrs in seinem zugewiesenen Luftraum, der zumeist eine Restricted Operations Zone (ROZ) ist.

Zusätzliche Unterstützung bei den vielfältigen Aufgaben erhält ein konventioneller FAC von den Mitgliedern seiner Tactical Air Control Party (TACP) oder des Joint Fires Team (JFT), in das er möglicherweise eingebettet ist. Die Waffenauslösung eines Luftfahrzeuges beim CAS bleibt aber trotz aller Unterstützer die alleinige Befugnis des FAC.

Ein SOTAC (bei den US-Streitkräften) muss diese Aufgaben in den meisten Fällen alleine bewältigen, da er auch im kleinsten einsetzbaren Organisationselement, dem SOF-Team, verwendet werden kann. Deshalb unterscheidet sich seine Ausrüstung zum Teil von konventionellen FAC und stellt besondere Ansprüche an die Kompaktheit und die Transportfähigkeit.

Der FAC verfügt mitunter über die besten und weitest reichenden Kommunikationsmittel (IT- und TACSAT-fähige Multibandfunkgeräte und Video-Downlink-Receiver zum Empfang und zur Übermittlung von Sprache, Textnachrichten, Bildern und Videos). Des Weiteren hat er spezielle Aufklärungs- und Markierungsmittel (z. B. Laserentfernungsmesser mit integriertem GPS, Laserzielmarkierer, Infrarot-Laserpointer, Thermalmarkierer, Radarmarkierer).

Voraussetzungen, Auswahl und Ausbildung eines FAC

Die bisher beschriebenen, von FAC verlangten Fähigkeiten, legen nahe, dass nicht jeder Soldat zu dieser Ausbildung geeignet erscheint. Neben der hohen psychischen und physischen Belastbarkeit, einer gewissen "Multitasking-Fähigkeit", einem guten räumlichen und zeitlichen Vorstellungsvermögen, sowie guter Fertigkeiten im Bereich Karten- und Geländekunde, ist die größte Hürde für nicht anglophone (Englisch als Muttersprache; Anm.) Menschen mit Sicherheit das Beherrschen der englischen Sprache. Gemäß STANAG 3797 ist Englisch die Sprache, in der die Leitung von NATO Luftfahrzeugen durchgeführt werden muss. In der Folge wird darin festgelegt, dass FAC den Leistungslevel 3 gemäß STANAG 6001 vorweisen müssen. Dies bedeutet für österreichische Soldaten ein SLP-Zeugnis von 3/3/3/3, das mittels Prüfung am Sprachinstitut des Bundesheeres erlangt werden kann. Während der Ausbildung wird insbesondere auf die jeweilige Fachterminologie Wert gelegt.

In der STANAG 3797 wird ausdrücklich empfohlen, neben einem nationalen Auswahlverfahren, eine vorbereitende Ausbildung mit den Personen durchzuführen, die für eine Teilnahme an einem NATO FAC-Kurs vorgesehen sind. Im aktuellen österreichischen Fall nahmen die drei Soldaten (ein Offizier und ein Unteroffizier des Jagdkommandos sowie ein Unteroffizier/Pilot der Luftunterstützungsbrigade) an einem nationalen Vorbereitungskurs der slowenischen Streitkräfte teil, die diesen gleichzeitig als Selektion für ihre zukünftigen JTACs heranzogen, bevor die Soldaten die tatsächliche Ausbildung an der U.S. Air-Ground Operations School (AGOS) in Rammstein absolvieren (die Slowenen bilden somit ihre JTACs gemäß JCAS AP MOA aus).

Die Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule (FlFlATS) des ÖBH erstellt zurzeit ein Curriculum, das die Grundlage einer vorbereitenden Ausbildung für die Streitkräfte darstellen wird. Darüber hinaus bildet das Jagdkommando bereits seit 2010 mit Unterstützung der Luftunterstützungsbrigade, der FlFlATS, des Institutes Artillerie/Heerestruppenschule und der Deutschen Bundeswehr, sogenannte Beobachter der Spezialeinsatzkräfte aus. Dieser Kurs vermittelt ausgewählten Teilnehmern (Waffenspezialisten, Scharfschützen und Kommandanten) in zwei Wochen die Verfahren "Close Combat Attack" und die Anwendung eines "Call For Fire" (CFF) mit Steilfeuer. Obwohl, wie oben bereits erwähnt, ECAS kein standardisiertes Verfahren darstellt, werden die Kursteilnehmer auch dahingehend ausgebildet. Es werden ihnen Werkzeuge mit auf den Weg gegeben, die es den Bodentruppen im Bedarfsfall erleichtern sollen, mit den Unterstützern aus der Luft zu kommunizieren und die essenziellen Informationen zu melden.

Sind die zukünftigen FAC-Kursteilnehmer ausgewählt und vorbereitet, beginnt die eigentliche Ausbildung an der Deutsch/Französischen NATO AGOS CFAA (Centre De Formation A L‘Appui Aerien) in Nancy (Frankreich). Diese Schule führt viermal (zukünftig dreimal) jährlich FAC-Kurse durch. Die Instruktoren sind einsatzerfahrene deutsche und französische FAC. Dazu kommen Piloten und andere Angehörige der Luftstreitkräfte und der Armee.

Die Ausbildung gliedert sich in mehrere Abschnitte. Zu Beginn findet eine zweiwöchige theoretische Phase statt, die mit einer dreiteiligen Abschlussprüfung beendet wird. Dabei müssen mindestens 80 Prozent der Fragen richtig beantwortet werden. Bereits in diesem Abschnitt macht sich eine vorbereitende Ausbildung bezahlt, da die Anforderungen und das Lernpensum enorm sind. Gefolgt wird der theoretische Abschnitt von einer Woche Simulator Training. Auf dem, auf Virtual Battlespace 2 (VBS2) basierenden System wenden die Schüler zum ersten Mal die sogenannten "CAS-Procedures" an. Die FAC-Schüler haben dafür einen Piloten, der ein simuliertes Flugzeug in diesem Szenario steuert, das Ziel anzusprechen (Target Talk On), die Angriffsanflugrichtung (Final Attack Heading) vorzugeben und die Waffenauslösung (Clearence) anzuordnen. Schüler, die den theoretischen Abschnitt bestanden haben, können jedoch jederzeit aufgrund nicht erbrachter Leistungen aus dem Simulator Training (und somit aus der gesamten Ausbildung) ausgeschieden werden.

Nach Bestehen dieses Abschnittes beginnt die praktische Ausbildung mit realen Luftfahrzeugen. Diese gliedert sich in einen zweiwöchigen "Basic Training Course" und einen ebenfalls zweiwöchigen "Advanced Training Course". Hier werden alle notwendigen und gemäß STANAG 3797 vorgeschriebenen "Dry" (Übungen ohne reale Schussauslösung) und "Live" (scharfer Schuss) Terminal Attack Controls" zur Erlangung der Zertifizierung und Qualifizierung durchgeführt. Dieser Teil der Ausbildung ist fordernd (viele Aufgaben sind unter Zeitdruck zu erfüllen), die Aufgaben werden rasch komplexer und jeder "Control" (vom FAC geleitete Einsatz) wird gewertet. Das heißt, dass von Ausbildungsbeginn an "Controls" als nicht bestanden gelten, wenn der Auszubildende dabei die Sicherheit des Luftfahrzeugs oder der eigenen Truppe gefährdet - auch wenn ein Teil dieser Gefährdung, neben den real existierenden (andere Luftfahrzeuge, Hindernisse, Wetter etc.) in den dargestellten Szenarien nur fiktiv ist (feindliche Fliegerabwehr, Steilfeuer etc.). Werden vier von den im gesamten praktischen Abschnitt angestrebten 20 Controls negativ bewertet, wird der Kursteilnehmer ausgeschieden.

Für die Teilnahme der österreichischen Soldaten wurde bei der praktischen Ausbildung vorläufig eine Sonderlösung geschaffen. Die deutschen und französischen Instruktoren kamen nach Österreich, um die drei österreichischen und zusätzlich zwei deutschen Teilnehmer mit vorrangig österreichischen Luftfahrzeugen auszubilden. Die fehlenden Kapazitäten im Bereich der Luftfahrzeuge wurden durch einen Learjet der deutschen Firma GFD (Gesellschaft für Flugzieldarstellung) zur Verfügung gestellt, der mit einem Video Pod und einem Laser Spot Tracker ausgestattet ist. Damit kann er ein Echtzeit Videobild vom Zielgebiet an ein Empfangsgerät (Remotely Operated Video Enhanced Receiver - ROVER) des FAC senden und den Lasermarkierpunkt eines Ground Laser Target Designators (GLTD - Laserzielmarkierer für Präzisionsmunition) des FAC erkennen und somit den Einsatz lasergesteuerter Bomben simulieren. Diese Fähigkeiten sind notwendig, um einen Teil der in der STANAG verlangten "Controls" zur erstmaligen Qualifizierung und Zertifizierung eines FAC zu ermöglichen.

Sollten zukünftig weitere österreichische Soldaten zu FACs ausgebildet werden, nehmen diese mit hoher Wahrscheinlichkeit an der gesamten Ausbildung der NATO AGOS CFAA in Frankreich teil.

Übungsszenario

Um sich vorstellen zu können, was einen FAC-Aspiranten bei der praktischen Ausbildung unter anderem erwartet, ist folgendes Szenario dargestellt:

Ein militärischer Konvoi, bestehend aus mehreren Fahrzeugen, macht sich auf den Weg von einer Forward Operating Base (FOB, vorgeschobene Operationsbasis) in ein nahegelegenes Dorf, um ein Key Leader Engagement (KLE, Beeinflussung von Zielgruppen - siehe dazu auch TD-Heft 4/2013, "Key Leader Engagement") mit dem Ältestenrat durchzuführen. Im nachrichtendienstlichen Briefing erfährt man, dass mit bis zu zugstarken Feindkräften gerechnet werden muss, die mit Handfeuer- und Maschinenwaffen sowie mittleren Granatwerfern und möglicherweise portablen Fliegerabwehrsystemen (MANPAD - Man Portable Air Defense System) ausgestattet sind. Diese Kräfte wollen versuchen, das Treffen zu verhindern und den Konvoi anzugreifen. Dazu verwendet der Feind mit hoher Wahrscheinlichkeit Sprengfallen (Improvised Explosive Devices - IEDs). Der Konvoi wird aufgrund der Feindlage durch eine F-15 "Strike Eagle" (simuliert durch den Learjet) mit Video Downlink-Fähigkeit (Datenverarbeitung/-übertragung in Echtzeit) und lasergesteuerten Bomben vom Typ GBU-12 sowie mit zwei OH-58 Kampfhubschraubern unterstützt. Nach einem Briefing des Ground Force Commander durch den FAC geht die Übung los. Kurz vor der Abfahrt des Konvois melden sich alle Luftfahrzeuge am Funk des FAC. Dieser - weist den Luftfahrzeugen zum Zwecke des "de-conflicting" (Vermeidung eines Zusammenstoßes) schnellstmöglich ihre Räume und Höhen zu.

- erhält die wichtigsten Daten von den Luftfahrzeugführern (Bewaffnung, Verweildauer, Lasercode, Empfangscode des Videosignals, Fähigkeiten etc.).

- weist sie in die Lage ein.

- informiert (brieft) erneut den Ground Force Commander.

- und gibt wiederum den Luftfahrzeugen ihre Aufträge zur Bedeckung des Konvois.

Der FAC entscheidet sich dazu, die Kampfhubschrauber im Bereich des Konvois kreisen zu lassen und den Jet mit seinen weitreichenden Aufklärungsmöglichkeiten in mittlerer Höhe voranzuschicken. Auf seinem Videoempfangsgerät kann der FAC ständig live mitverfolgen, was der Jet mit seinem Sensor sieht. Aufgrund der Lage gibt der FAC dem Piloten permanent über Funk Aufträge, wohin er den Sensor richten soll (z. B. auf Gefahrenstellen). Mit den beiden Kampfhubschraubern ist der FAC ebenfalls in ständigem Funkkontakt, um auch sie zur Aufklärung im Nahbereich einzusetzen. Daneben verfolgt der FAC die Route des Konvois mit und verfolgt den Funkverkehr des Ground Force Commander mit dessen Elementskommandanten, um auf alle Lageänderungen sofort reagieren zu können. Plötzlich bleibt der Konvoi abrupt stehen. Der Ausbilder spielt die Lage ein, dass das Spitzenfahrzeug auf eine IED aufgefahren ist und die Mannschaft einen Schwerverletzten zu beklagen hat. Zusätzlich wird begonnen, den Konvoi zu beschießen. Der Ground Force Commander lässt die Mannschaft absitzen, Stellungen beziehen und erkannten Feind bekämpfen. Der FAC ist damit beschäftigt, die Luftfahrzeuge in die Lage einzuweisen und zum Aufklären des Feindes einzusetzen. Nach kurzer Zeit sind die feindlichen Stellungen bekannt. Ein Halbzug verschanzt sich in einem Stellungssystem ca. 400 Meter nördlich und ostwärts der eigenen Truppen. Der Ground Force Commander gibt dem FAC den Angriffsbefehl. Dieser entscheidet sich, die Kampfhubschrauber mit der Bordkanone angreifen zu lassen. Nachdem sich der FAC versichert hat, dass sich keine unbeteiligten Personen im Zielgebiet befinden und auch die eigenen Teile weit genug vom Waffenwirkungsraum entfernt sind, bereitet er das Ziel auf, entscheidet sich für die sicherste und zugleich wirksamste Anflugrichtung und sendet das sogenannte 9-Line-CAS-Briefing (Informationen über den Ein- und Ausflug des Luftfahrzeuges in das und aus dem Zielgebiet, die Zieldaten und der ungefähre Standort der Eigenen) an die Piloten. Als diese melden, dass sie im Zielanflug sind, lässt der FAC mit den Worten "Cleared Hot!" das Feuer eröffnen. Dieses zeigt Wirkung und das Feindfeuer verstummt. Jedoch meldet der Jet, der hoch über dem Szenario kreist, mithilfe seiner wärmebildfähigen Kamera, dass sich in ca. 150 Meter Entfernung zu den Eigenen ein feindlicher MG-Trupp in einer eingedeckten Stellung verschanzt hat. Kurz nach dieser Meldung eröffnet der Feind auch schon das Feuer auf den Konvoi. Der FAC meldet dem Ground Force Commander, dass sich die eigene Truppe im sogenannten "Danger Close"-Bereich (sehr nahe am Feind bzw. an der Waffenwirkung) der 500-Pfund GBU-12-Bombe befindet. Diese ist die einzige Waffe, die den Feind in dieser Stellung bekämpfen kann. Um den Waffeneinsatz im "Danger Close" Bereich freizugeben, benötigt der FAC die Genehmigung des Ground Force Commanders. Dieser signalisiert die Genehmigung, indem er dem FAC seine Initialen (Vorname, Nachname) freigibt, die der FAC an die Luftfahrzeugbesatzung übermittelt. Der FAC weist den Kampfhubschraubern, die unter dem Jet kreisen, einen seitlich verschobenen Verfügungsraum zu, um diese beim Bombenabwurf nicht zu gefährden. Danach bereitet er erneut das Ziel auf, weist den Piloten an, das Ziel selbstständig durch seinen Lasermarkierer zu beleuchten, übermittelt das 9-Line-CAS-Briefing und gibt erneut die Feuerfreigabe "Cleared Hot!", nach der Meldung der Einnahme der Anflugrichtung, durch. Nach der Meldung des Piloten "Bomb Away!" (Bombe abgeworfen) warnt der FAC die Truppe in Deckung zu gehen. Nach wenigen Sekunden trifft die GBU-12 punktgenau das Ziel und der Feindangriff findet ein Ende. Jetzt muss der FAC noch ein "Battle Damage Assessment" (Schadensmeldung/-einschätzung) absenden. Danach nimmt er Verbindung mit dem MEDEVAC-Element auf und übermittelt den, vom MEDIC (einen besonders ausgebildeten Soldaten mit medizinischer Notfallkompetenz) erstellten MEDEVAC 9-Liner (ein standardisiertes Meldeformat zur Vorbereitung des Verwundetentransports), um den Schwerverletzten der IED-Explosion zu evakuieren. Nachdem alles geschehen ist, setzt er die ihm unterstellten Luftfahrzeuge wieder zur Konvoisicherung ein, und die Truppe setzt den Marsch fort.

Erhaltung der Qualifikation

Mit der alleinigen Ausbildung eines FAC ist es nicht getan. Der FAC muss seine Fertigkeiten laufend erhalten. Die Vorgaben dazu sind wiederum in der STANAG 3797 festgelegt. Zusammengefasst muss man für die Erhaltung der Qualifikation innerhalb von zwölf Monaten (fortlaufend ab der erstmaligen Zertifizierung) zumindest zwölf "Terminal Attack Controls" durchführen und einen theoretischen Tests absolvieren. Einer dieser "Terminal Attack Controls" sowie der theoretische Test müssen vor einem "Supervisory Forward Air Controller" (SUP-FAC, Ausbilder für FAC) abgelegt werden. Alle anderen Controls werden durch den FAC selbst in sein persönliches Logbuch eingetragen und erhalten damit ihre Gültigkeit. Mit der 5. Ausgabe der STANAG 3797 ist es nun auch möglich, fast alle Controls in Österreich mit Luftfahrzeugen des Bundesheeres durchzuführen (siehe dazu "Möglicher Beitrag der österreichischen Luftstreitkräfte zur Ausbildung von FAC", S. 335). Um sich den Umfang der jährlichen Qualifikationserhaltung besser vorstellen zu können, kann man sagen, dass zwölf Terminal Attack Controls im Bedarfsfall pro FAC in weniger als vier Flugstunden absolviert werden können. Die Erhaltung ist im Minimalfall, also vergleichsweise günstig. Erst recht mit den "Low Cost"-Luftmitteln, die im ÖBH vorhanden und aus diesem Grund international begehrt sind und im "Pooling & Sharing-Verfahren" ein für Österreich in mehrfacher Hinsicht wertvolles Mittel darstellen können. Von Seiten des ÖBH sollte jedoch angestrebt werden, sich nicht nur jährlich am absoluten Minimum zu orientieren, sondern dass die FAC jede Möglichkeit der Fortbildung wahrnehmen und auch die Gelegenheit dazu erhalten sollten. Dies gilt besonders für die Teilnahme an internationalen CAS-Übungen. Hierzu gehört auch zumindest ein Demonstrationssatz an international vergleichbarer FAC-Ausrüstung, um den FAC die Gelegenheit zu bieten, auf vergleichbarem Niveau trainieren zu können.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor für das In-Übung-Bleiben eines FAC ist der Einsatz von Simulatoren. Wie bereits erwähnt, verfügt die CFAA in Frankreich über einen gut ausgebauten FAC-Simulator auf VBS2-Basis. Wird ein solcher Simulator von einer NATO-Akkreditierungsstelle überprüft und angenommen, können vier Controls am Simulator zu den insgesamt benötigten zwölf Controls angerechnet werden. In Flugstunden umgerechnet kann das eine Kostenersparnis von mehreren tausend Euro pro FAC bedeuten (besonders wenn man von kostenintensiven Jets ausgeht). Des Weiteren kann der Simulator einen erheblichen Beitrag leisten, die tatsächlich zur Verfügung gestellten Flugstunden effizienter zu nutzen, weil der FAC alle Verfahren vorüben kann und damit eine große Verfahrenssicherheit gewinnt. Außerdem lassen sich am Simulator Szenarien üben, die sonst nur in einem realen Einsatz vorkommen können.

International gibt es Bestrebungen, diese Simulatoren zu vernetzen. Auch das ÖBH verfügt im Bereich der Heerestruppenschule über einen "Virtual Battlespace 2"-Erprobungssimulator, der bereits erfolgreich im Rahmen des Beobachterkurses "SEK" eingesetzt wird. Wie so oft fehlen auch bei diesem System wenige, aber entscheidende Komponenten, um den Simulator voll nutzen zu können. So überfordert die neueste Software-Version beispielsweise die zur Verfügung stehende Hardware und bringt diese nach kurzer Zeit zum Absturz. Mit einer geringen Investition könnte man jedoch dieses System voll nutzen und dadurch auf mittlere und lange Sicht enorme Kosten sparen.

Ausrüstung des FAC

Die Grundfähigkeit eines FAC liegt mit Sicherheit in der Fertigkeit, durch Sprache CAS einzusetzen. Dafür bedarf es jedoch spezieller und hochwertiger Kommunikationsmittel, die im internationalen militärischen Verbund verschlüsselungskompatibel eingesetzt werden können. Um mit allen in Frage kommenden Entitäten kommunizieren zu können, müssen diese Funkgeräte im VHF-und UHF-Multibandbereich sowie im TACSAT- und IT-Bereich leistungsfähig Sprache und Daten senden und empfangen können. Mit dem beim ÖBH eingeführten CONRAD-System ist das nicht möglich. Um FACs bei Übungen und Einsätzen zu verwenden, ist es daher dringend notwendig, diese Lücke zu schließen.

Neben den Verbindungsmitteln benötigt ein FAC Gerätschaften, die es ihm ermöglichen, Ziel- und Standortdaten so genau wie möglich zu generieren. Dazu gehören Laserentfernungsmesser für den Tag- und Nachteinsatz, militärisches GPS und verschiedene weitere Instrumente, die das sicherstellen. Zusätzlich benötigt er diverse Mittel, um den eigenen Standort, aber natürlich auch den des Feindes zu markieren (bodengestützter Laserzielmarkierer, Infrarot-Lasermarkierer, Infrarot- und Wärmebildmarkiermittel etc.). In diesem Bereich gilt der Grundsatz, dass mit der Steigerung der Standort- und Zielbestimmungsmittel die Wahrscheinlichkeit von Kollateralschäden und von Friendly Fire massiv sinkt.

Auf einen Blick

Abschließend kann zusammengefasst werden, dass das ÖBH mit der Ausbildung der (SOF)FACs dabei ist, eine große Fähigkeitslücke zu schließen. Die vielschichtigen Möglichkeiten, die dieses High Value Asset bietet, wurden detailliert erörtert und sprechen für sich selbst. Internationale Operationen, insbesondere jene mit robusterem Charakter, sind ohne FACs bzw. JTACs undenkbar geworden. Jetzt gilt es, nicht nachzulassen und die noch vorhandenen Lücken zu schließen, um die bereits bestehenden Möglichkeiten und Kapazitäten voll nutzen zu können.


Der Autor ist Offizier beim Jagdkommando und ausgebildeter Forward Air Controller. Er absolvierte Einsätze im Rahmen des Jagdkommandos im Kosovo, Tschad und in Afghanistan.

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