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ABC-Schutzmaske 2000

Nach der Einführung der ABC-Schutzmaske 65 im Österreichischen Bundesheer vor fast 50 Jahren wird diese nun durch die ABC-Schutzmaske 2000 ersetzt, die bereits seit 2005 bei der Deutschen Bundeswehr in Verwendung ist.

Nachdem die Schutzmaske 65 (SM65) in den 1960er-Jahren eingeführt wurde und sie tausende Soldaten durch ihre Dienstzeit begleitet hat, gibt es für diese Schutzmaske keine Ersatzteile mehr. Sie muss nun ausgemustert werden. Deshalb beschaffte das Österreichische Bundesheer (ÖBH) im letzten Quartal 2013 12 700 Stück der ABC-Schutzmaske 2000 (SM2000) von der Deutschen Bundeswehr. Die SM2000 ist ein Kooperationsprodukt der Firmen Dräger und MSA Auer und wird seit 2005 bei der Deutschen Bundeswehr verwendet. Das ÖBH hat drei verschiedenen Größen, 3 200 Stück Small, 8 000 Stück Medium und 1 500 Stück Large, angekauft.

Aufgrund der beschafften Stückzahl bedeutet das aber auch, dass nicht alle Soldaten mit dieser Charge an neuen Masken ausgestattet werden können. Die genaue Prioritätenreihenfolge für die Beteilung der verschiedenen Truppengattungen ist noch nicht festgelegt. Ob eine weitere Stückanzahl von SM2000 angekauft wird oder gewisse Teile noch mit der SM65 auskommen müssen, ist derzeit noch offen.

Verbesserungen

Die SM2000 schützt - wie ihre Vorgängerin - vor chemischen und biologischen Kampfstoffen sowie radioaktiven Partikeln. Sie verfügt über den gängigen NATO-Rundgewindeanschluss Rd40 und kann somit mit den bisher eingeführten Filtern bzw. Lungenautomaten der Pressluftatmer verwendet werden. Eine Möglichkeit, spezielle Filter bzw. Lungenautomaten mit einem Steckverschluss anzubringen, ist ebenfalls gegeben. Die SM2000 kann durch Betätigung eines Druckknopfes an der vorderen Seite des Maskenkörpers entarretiert und abgenommen werden. Allerdings wurden diese Exzenterfilter mit Bajonettverschluss nicht mit angekauft und stehen nur als zukünftige Option in Aussicht, wenn der im ÖBH eingeführte Filter ausgeschieden werden muss.

Durch das Weglassen der Steuerventile in der Innenmaske konnte der Atemwiderstand reduziert werden, und die Glasscheiben beschlagen trotzdem nicht. Eine weitere Neuerung bei der SM2000 ist die Möglichkeit, Blendschutzscheiben vor die Sichtgläser zu stecken. Diese werden in einem eigenen Schutzbehälter mitgeführt.

Mehr Komfort - schneller einsatzbereit

Einen erheblich gesteigerten Tragekomfort gegenüber dem Vorgängermodell bringt die 6-Punkt-Textilbänderung, bei der vier Schnallen (zwei Stirn- und zwei Schläfenbänder) individuell voreingestellt werden. Die zwei unteren Bänder (Nackenbänder) werden, ähnlich der Atemschutzmaske Auer 3S, die bei den Brandschutzelementen des Bundesheeres eingeführt ist, nach dem Aufsetzen festgezogen. Ein Aufsetzen der Maske innerhalb von neun Sekunden ist bei Vorhandsein einer geeigneten ABC-Schutzmaskentasche kein Problem. Die derzeitige Problematik liegt allerdings darin, dass die für den Kampfanzug 03 (KAz03) adaptierte Schutzmaskentasche vom Innendurchmesser zu klein ist und ein zügiges Herausziehen der SM2000 aus der Tasche nicht gewährleistet ist. Die ABC-Abwehrschule hat bereits mehrere Möglichkeiten zur Behebung dieses Problems ausgearbeitet und den zuständigen Stellen präsentiert. Eine Möglichkeit ist das Zurückgehen auf das ältere Modell der Schutzmaskentasche (M66), wobei in Verbindung mit einem Plastikschutzsack (der bereits zu 100 000 Stück angekauft wurde und als Einwegprodukt gedacht ist) und dem richtigen Versorgen der SM2000 in der Tasche durch Umschlagen der Kopfbänderung nach vorne ein Aufsetzen der Maske sogar unter acht Sekunden machbar ist.

Eine andere Möglichkeit ist das Beschaffen einer neuen Schutzmaskentasche, wobei diese nachfolgende Anforderungen erfüllen müsste:

- Das Material und die Materialstärke sollte ähnlich der M66 sein.

- Der Verschluss der Tasche muss spritzwasser- und staubdicht sein, um eine Kontaminationsverschleppung in die Tasche zu verhindern. Eine Möglichkeit hierfür wäre die Anbringung einer Rollmanschette.

- Das Trageband der Schutzmaskentasche sollte in der Tasche in einem Innenfach verstaubar sein, um ein Anbringen der Tasche sowohl am KAz03 auf dem Hüftgurt, als auch ein alleiniges Tragen der Maskentasche zu ermöglichen (z. B. bei Tätigkeiten im Gefechtsstand, bei denen kein KAz03 getragen wird).

- Die Befestigungsmöglichkeit am KAz03 sollte sowohl waagrecht als auch schräg möglich sein, um eine Anpassung wie für das Tragen während des Lenkens eines Fahrzeuges zu gewährleisten.

- Die Tasche am Taschenboden sollte ebenfalls, allerdings mit verstärktem Boden, vorhanden sein, damit der Blendschutzbehälter und das Flanelltuch fachgerecht versorgt werden können.

Wie die SM65 verfügt die SM2000 ebenfalls über eine Trinkvorrichtung, allerdings ist die Kompatibilität mit den derzeit eingeführten Nährflüssigkeitsbeuteln nicht gegeben. Ob ein neues System angekauft wird, das entweder mit einem "Camelbak" (Trinkrucksack) oder einem Adapter für die Feldflasche funktioniert, ist noch nicht entschieden. Fakt ist, dass im Notfall über diese Trinkvorrichtung auch Sauerstoff zur Beatmung bei aufgesetzter Maske eingeblasen werden kann. Bei Nichtverwendung der Trinkvorrichtung wird diese mit einem Ventil in die sogenannte Ruhestellung gebracht, bei der das Mundstück in die Innenmaske geklappt wird und so bei normalen Tätigkeiten nicht stört.

Die SM2000 verfügt auch über ein Sichtkorrektursystem für Brillenträger. Die Montage des Brillengestells ist um einiges einfacher und die Arretierung stabiler als beim Vorgängermodell. Die Sprechmembran sorgt wie schon bei der SM65 im Funksprechbetrieb für eine brauchbare, klare Sprachverständigung.

Im Gegensatz zur SM65 und der Auer 3S kann die SM2000 ohne spezielles Werkzeug in ihre Einzelteile auseinandergenommen werden. Dies erleichtert die notwendigen Schritte vor der Desinfektion. Des Weiteren werden bei der Demontage der Kopfbebänderung die voreingestellten Schnallen nicht verändert. Dies verhindert ein kompliziertes Neuanpassen der Schutzmaske nach dem Zusammensetzen.

Der Hersteller garantiert eine Lebensdauer von 20 Jahren, wobei dies dem internationalen Standard entspricht. Die Dekontamination mit dem beim ÖBH eingeführten Dekontaminationsverfahren, auch dem Heißdampfverfahren mit 140°C (theoretisch sogar 170°C), stellt ebenfalls kein Problem dar.

Kompatibilität und Qualitätssicherung

Nur bei der Kompatibilität mit den eingeführten Schutzanzügen müssen noch einige Hausaufgaben gemacht werden. So wird die ABC-Abwehrschule in Kürze eine Erprobung mit dem bereits für die SM2000 abgeänderten "Schutzbekleidungssatz 90 schwer" durchführen. Durch die hohe Elastizität des verwendeten Gummis der Maske schlägt diese im Bereich der Wangen Falten. Ein verbesserter Dichtrahmen bei den Schutzanzugoberteilen soll Abhilfe schaffen. Eine zusätzlich am Dichtrahmen anbringbare Schlaufe soll das Verrutschen des Gummiringes über die Kinnlasche und somit das Zustandekommen einer Undichtheit im Bereich des Kinns verhindern. Diese Undichtheit taucht auch bei der Verwendung mit dem Schutzbekleidungssatz leicht auf, weshalb eine Kompatibilität mit diesem Schutzanzug noch nicht gegeben ist. Das Abkleben der undichten Stellen im Rahmen des ABC-Individualschutzes ist als Lösungsansatz nicht zielführend. Hier kann der Weg nur in Richtung des internationalen Standards gehen, der die Verfügbarkeit von permeablen (für reine Luft durchlässigen) Schutzanzügen (z. B. ein Schutzanzug mittel) für jeden Soldaten vorsieht. Die Kombination der SM2000 mit dem Schutzanzugsatz mittel permeabel ist problemlos möglich.

Eine Neuerung ist, dass die SM2000 über kein Nackentrageband verfügt. Nach einer genauen Prüfung der aktuellen Vorschriftenlage konnte kein Hinweis auf eine Notwendigkeit eines solchen gefunden werden, daher wird von einer Adaptierung abgesehen. Somit gilt für die SM2000 das Gleiche wie für die Bekleidungsstücke - entweder sie ist "angezogen" oder in der Tasche versorgt.

Dass Qualitätssicherung beim ÖBH großgeschrieben wird, ist seit der Einführung der jährlichen Prüfung aller Schutzmasken kein Geheimnis mehr. Hier bietet die SM2000 einige Erleichterungen. Da alle Schutzmasken der Deutschen Bundeswehr eine eingestanzte Serialnummer und einen QR-Code besitzen, sind die Prüftätigkeiten zu jeder Maske leicht zuordenbar. Die Firmen bieten auch spezielle Prüfanlagen und die dazugehörende Software an. Mit diesen könnte eine komplett nachvollziehbare Dokumentation jeder einzelnen Schutzmaske durchgeführt werden. Ob diese Anschaffung realisierbar ist, wird noch beurteilt.

Fazit: Wenn die letzten kleinen Probleme gelöst sind, bringt die ABC-Schutzmaske 2000 den österreichischen Soldaten ein Stück weiter in Richtung "Soldat der Zukunft".


Autor: Oberstabswachtmeister Olivier Foissy, Jahrgang 1979, 1998 eingerückt als Grundwehrdiener zur ABC-Abwehrschule in die Wilhelms-Kaserne; abgeschlossene UO-Laufbahn in unterschiedlichen Fachbereichen der ABC-Abwehr; mehrere Auslandseinsätze in der Katastrophenhilfeeinheit AFDRU. Seit 2013 Lehrunteroffizier für ABC-Aufklärung und ABC-Spürdienst in der Lehrabteilung der ABC-Abwehrschule.

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