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1914 und (k)ein Ende

Das Jahr 2014 hat eine Vielzahl von Publikationen zum Krieg und zur Kriegsschuld hervorgebracht, und auch das Ende der Kämpfe mit dem Zerfall von vier Kaiserreichen und der Neugliederung Europas ist ausführlich bewertet worden. Für zehn Millionen Kriegstote bedeutete das Kriegsende 1918 jedoch ein Grab - zumeist noch in fremder Erde.

Das Österreichische Schwarze Kreuz (ÖSK), Verein für Kriegsgräberfürsorge, erinnerte 2014 an die Opfer des Ersten Weltkrieges in einer Reihe von Gedenkveranstaltungen und Kooperationen zur 100-jährigen Wiederkehr des Ausbruches dieses verheerenden Krieges.

Österreichisches Schwarzes Kreuz - Kriegsgräberfürsorge (ÖSK)

Das ÖSK wurde 1919 mit Sitz in Wien gegründet und erstreckt seine Tätigkeit auf ganz Österreich und das Ausland und ist als Verein nach dem Vereinsgesetz organisiert. Es ist überparteilich und überkonfessionell. Es verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zielsetzungen. Diese sind in Österreich die Erhaltung von etwa 1 000 Soldatenfriedhöfen und sonstigen Kriegsgräberanlagen der Angehörigen aller Nationen und Glaubensbekenntnisse, der Gräber von zivilen Kriegsopfern und Opfern von politischer Verfolgung, soweit sie unter die Kriegsgräbergesetze und unter Artikel 19 des Staatsvertrages von Wien fallen. Das ÖSK ist im Ausland ebenso mitverantwortlich für die Pflege und Erhaltung von derzeit etwa 250 Kriegerfriedhöfen (Tendenz steigend), die aus der Zeit vor oder aus dem Ersten Weltkrieg stammen. (Kriegsgräberanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg betreut der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge - VDK.) Die finanzielle Grundlage zur Durchführung der nationalen und internationalen Aufgaben bildet vorwiegend das Ergebnis der jährlichen "Allerheiligensammlung". Im Bundesbudget der Republik Österreich sind für das ÖSK grundsätzlich keine Mittel vorgesehen.

100-jährige Wiederkehr

Unter dem Titel "1914 und (k)ein Ende" hat das ÖSK gemeinsam mit dem Heeresgeschichtlichen Museum am­ 23. Ok­tober 2014 seine eigene Gedenkveranstaltung zur 100-jährigen Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkrieges gestaltet. Der gewählte Titel sollte auf die Bedeutung dieses Jahres hinweisen, und vor allem darauf, dass die Folgen dieses ersten großen Krieges noch weit in unser Jahrhundert eingewirkt haben. So hat Bundespräsident Dr. Heinz Fischer bei dieser Veranstaltung darauf hingewiesen, welchen hohen Stellenwert eine Erinnerungs- und Gedenkarbeit für eine Bewusstseinsbildung als Mahnung zu "Nie wieder Krieg" aufweist und vorweg das seinerzeitige Umfeld und die Ursachen zum Kriegsausbruch analysiert. Dem vorausgegangen war ein Totengedenken beim Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges auf dem Wiener Zentralfriedhof, wo der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) Minister a. D. Markus Meckel gemeinsam mit dem Vorstand des ÖSK einen Kranz niederlegte.

Der Vizepräsident des ÖSK, Univ.-Prof. Dr. Stefan Karner, Leiter des Ludwig Boltzmann Institutes für Kriegsfolgenforschung, hat am 26. Mai 2014 in seiner Festansprache anlässlich der Kuratoriumssitzung des ÖSK zum Gedenkjahr 2014 im Wiener Rathaus das europäische Umfeld um den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und schließlich seine Folgen auf den Punkt gebracht, in dem er hierzu anmerkte:

"(…) Rund zehn Millionen Kriegstote (jede Stunde des Krieges starben rund 300 Soldaten), ungezählte zivile Opfer, 20 Millionen Verwundete und eine Pandemie (‚Spanische Grippe‘) zu Kriegsende mit noch einmal weltweit 25 Millionen Opfern, Millionen von Kriegsgefangenen, Bevölkerungsverschiebungen bis hin zum Bevölkerungsaustausch, (etwa Türkei - Griechenland), genozidale Massenverbrechen bis hin zum Genozid, Hunger, Millionen traumatisierter Menschen, zerrüttete Volkswirtschaften und ein Europa, das ab 1918 in der Weltwirtschaft zunehmend seine führende Stellung einbüßte - gemessen etwa am Welt-Bruttonationalprodukt oder an der Verteilung des globalen Kapitals -, waren einige der mess- und zählbaren Folgen dieses Krieges.

Heute ist es notwendig, die historische Forschung zum Ersten Weltkrieg transnational und vergleichend durchzuführen. Dies erlaubt den Blick auf größere Zusammenhänge und löst ‚nationale Mythen‘ auf. In diesem Zusammenhang ist unter anderem auch nach der ‚Kriegsschuld‘ zu fragen, ist der internationale Perspektivenwechsel gerade in der Analyse dieser Grundfrage in Rechnung zu stellen. Inwieweit tragen, neben der Regierung in Wien, auch die Kabinette der anderen Großmächte Mitverantwortung für das Geschehene? Die Kriegserklärung Österreich-Ungarns war der Funke zum Brand, doch dieser hatte eine Vorgeschichte und das Feuer hatte einen günstigen Wind, der es zu einem Flächenbrand machte.

Anzusprechen ist die Verantwortung des Erinnerns an diesen Krieg, einzufordern ist eine neue Form der Gedenkkultur, zu erinnern ist an die Opfer auch in den anderen Staaten, in Russland, in Frankreich, in Großbritannien, in Deutschland, in der Türkei oder in Italien. Österreich und auch das Österreichische Schwarze Kreuz - Kriegsgräberfürsorge - machen dies in diesem Gedenkjahr in vielfältigster Weise, in hunderten Veranstaltungen im Land und außerhalb, besonders auch auf dem Balkan und in den ostmitteleuropäischen Staaten. Dabei wird zu Recht auch immer wieder daran erinnert, dass sich vor 25 Jahren durch den Fall des ‚Eisernen Vorhanges‘ jene Staaten aus dem sowjetischen Bündnissystem befreit haben, die 1918 als ‚Zwischeneuropa‘ (Giselher Wirsing) neu entstanden, nach dem Zweiten Weltkrieg aber unter kommunistische Herrschaft gekommen waren. (…) Jean-Claude Juncker hat 2008 in einer Rede in Berlin sehr treffend formuliert: ‚Wer an Europa zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen! Nirgendwo besser, nirgendwo eindringlicher, nirgendwo bewegender ist zu spüren, was das europäische Gegeneinander an Schlimmsten bewirken kann‘. (…)" Karner zum Stellenwert des Schwarzen Kreuzes weiter:

"Jedes einzelne betreute Grab ist eine Brücke zwischen dem Österreichischen Schwarzen Kreuz und der Organisation vor Ort!

Jedes einzelne betreute Grab ist eine Brücke zwischen Österreich und dem Land der Begräbnisstätte!

Jedes einzelne betreute Grab ist eine Brücke zwischen den Menschen, deren Väter und Großväter sich im Krieg gegenüber gestanden sind!

Daher ist jede dieser vielen kleinen Brücken des Österreichischen Schwarzen Kreuzes auch eine Brücke für das Zusammenwachsen Europas - eine Brücke an jenen sensiblen Schnittlinien,­ die den Kontinent so oft entzweit und in einen Krieg geführt haben.

Die Arbeit des Österreichischen Schwarzen Kreuzes ist daher eine Arbeit für das Friedensprojekt Europa! Für ein Europa der Toleranz, für ein Europa der Humanität, für unsere europäischen Werte. Und die Grenzen Europas werden nicht am Ural oder am Kaukasus gezogen, sondern überall dort, wo die Intoleranz beginnt. Und wie oft müssen wir auf diese Grenzen auch in uns selber stoßen. (…)" Gerade für das Gedenkjahr 2014 war es daher entscheidend, zusätzlich zu den alljährlich und periodisch wiederkehrenden Gedenkveranstaltungen auf den Friedhöfen zusätzlich Aspekte zu setzen, um das Bewusstsein um den Wert des Friedens besonders für jene Generation hervorzukehren, die weder Krieg noch Not kennengelernt hat. Aufgrund der Fülle und Dichte­ der Gedenkakte und Aktionen in den einzelnen Bundesländern können punktuell nur einige dieser Maßnahmen vorgestellt werden.

Verlorene Talente

Unter dem Aspekt "Verlorene Talente" hat das ÖSK gemeinsam mit dem VDK einen Kalender herausgegeben, worin das Schicksal von im Ersten Weltkrieg verstorbenen bzw. gefallenen österreichischen und deutschen Künstlern mit ihren Werken dargestellt wurde. Den wenigsten Österreichern war (und ist) bis heute bekannt, dass auch der prominente Maler Egon Schiele zu diesen zählt. Schiele war als "Einjährig-Freiwilliger" 1915 eingerückt und nach kurzem Front-Etappendienst als Soldat in der Presseabteilung des k.u.k. Kriegsministeriums tätig. Kurz vor Kriegsende ist er im November 1918 an der Spanischen Grippe verstorben. Ein weiterer Künstler war der damals bedeutende Zeichner und Maler Franz Hofer - heute weitgehend unbekannt, der im Jahre 1915 in Galizien sein Leben lassen musste. Das Geleitwort für diesen Kalender hat Bundespräsident Dr. Heinz Fischer verfasst.

Gedenkveranstaltungen zum Kriegsausbruch 1914

Krieg an der Wand

Die Republik Österreich hat im Laufe­ des ersten Halbjahres 2014 mehrere­ Gedenkausstellungen initiiert, an denen sich das ÖSK mitbeteiligt hat, bzw. wo die Kriegsgräberfürsorge mitberücksichtigt wurde. Den Anfang machte­ das Bundesministerium für Inneres (BM.I) im Jänner 2014 mit der Ausstellung "Krieg an der Wand", in der der Erste Weltkrieg im Spiegel internationaler Plakate dargestellt wurde. Von der Begeisterung "Eh‘ noch die Blätter fallen, seid ihr wieder zuhause"­ (Deutscher Kaiser Wilhelm II., 1914) bis zur Gründung des Schwarzen Kreuzes 1919 "Die Toten bestatten (…)" (vom Kirchenvater Lactanitus hinzugefügt), wird der Krieg und sein Umfeld in Bildern und Filmen dargestellt. Zu letzterem galt (und gilt) der Grundsatz, dass es in der Kriegsgräberfürsorge keinen Unterschied zwischen Freund und Feind, zwischen Angehörigen verschiedener Glaubensbekenntnisse und Nationen sowie zwischen Soldaten verschiedener Dienstgrade geben dürfe. Nach 1945 wurde die Aufgabe des "Schwarzen Kreuzes" auch um die Errichtung und Erhaltung von Grabstätten ziviler Bombenopfer, Verfolgter und Flüchtlinge erweitert.

Gedenkstätte Westfront

Am 14. Juni 2014 wurde in Samogneux bei Verdun (Frankreich) die erste Gedenkstätte für die an der Westfront des Ersten Weltkrieges gefallenen österreich-ungarischen Soldaten errichtet und auf dem deutschen Soldatenfriedhof von Consenvoye eine Gedenktafel enthüllt. Vier k.u.k. Infanteriedivisionen standen in den letzten Monaten des Jahres 1918 hier im Einsatz. Ihre Verluste bezifferten sich auf 779 Gefallene und 2 043 Verwundete. An diese Toten und für jene Österreicher in den Artillerieeinheiten, die bereits im Jahre 1914 an die Westfront abgestellt waren, sollen beide Gedenksteine erinnern. Der Entwurf stammt vom Vorarlberger ÖSK-Landesgeschäftsführer Oberst Prof. Erwin Fitz. Die Einweihung fand im Beisein des österreichischen Generalkonsuls in Straßburg und des österreichischen Verteidigungsattachés in Paris statt.

Neueinweihung Lagerfriedhof

Ebenfalls am 14. Juni 2014 wurden zur Erinnerung an den Kriegsausbruch vor hundert Jahren der Lagerfriedhof des Kriegsgefangenenlagers aus der Zeit des Ersten Weltkrieges in Hart bei St. Georgen am Ybbsfeld, nach Generalsanierung durch das ÖSK, neu eingeweiht. 1 839 Soldaten aus Russland, Italien, Serbien und Montenegro ruhen hier in fremder Erde. Die Segnung selbst nahmen der Ortspfarrer Lorenz Pfaffenhuber und Erzpriester Wladimir Tyschuk von der russisch-orthodoxen Kirche vor. St. Georgen war einer von mehreren Plätzen in Niederösterreich, die der damalige k.u.k. Bezirkshauptmann Baron Liebenberg dem k.u.k. Militärkommando in Wien zum Zwecke der Errichtung von Kriegsgefangenenlagern vorgeschlagen hat. Friedhöfe existieren heute noch in Niederösterreich in den ehemaligen Lagern Siegmundsherberg, Purgstall, Wieselburg und Zwentendorf.

Przemysl

Zweimal hat in den Jahren 1914 und 1915 die Festung Przemysl mit ihrer Besatzung der russischen Einschließung Widerstand geleistet, wobei die Soldaten letztendlich aus Hunger kapitulieren mussten. Die Forts dieser Festung erinnern ebenso wie die beiden Friedhöfe am Fuße des Tartarenhügels an die zehntausenden Opfer, die diese Schlacht gefordert hat. Das ÖSK hat gemeinsam mit der Stadtverwaltung die Gräber in würdiger Form neu errichtet und geweiht und damit die Erinnerung an die k.u.k. Soldaten in die Gegenwart gerettet. So hat der derzeitige Bürgermeister von Przemysl, Dr. Robert Choma, im Juni 2014 zu einem Gedenkwochenende an die Ereignisse vor einhundert Jahren in die Stadt geladen, wo in Workshops den einzelnen Abschnitten der Schlacht, von der Einschließung zum Entsatz, der Wiedereinschließung und der Kapitulation gedacht wurde. Ein breiter Raum wurde dem Totengedenken mit dem ÖSK am 19. Juni in den mit finanziellen Mitteln der Stadtverwaltung neu sanierten Kriegerfriedhöfen am Stadtrand gewidmet. Insbesondere das mächtige Mahnmal in der Anlage Przemysl-Zasanie, errichtet aus Resten der Festungsanlage, verdient dabei eine besondere Beachtung. Die ÖSK-Landesgeschäftsstelle Steiermark hat hierzu im Vorfeld bereits Initiativen zur Gedenkveranstaltung gesetzt und mit einer Delegation an diesem Erinnerungsakt teilgenommen. Ebenso dabei war die Gardemusik des Bundesheeres, die das Hochamt im Dom und die Festlichkeit in den Soldatenfriedhöfen begleitet hat.

Ausstellung im HGM

Am 28. Juni 2014, dem Tag des Attentates auf den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, wurde im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum die neu gestaltete Ausstellung zum Ersten Weltkrieg eröffnet. Sie bildete eine der Hauptsäulen der Aktivitäten rund um den 100. Jahrestag des Ausbruches dieses Krieges. Die nunmehrige Dauerausstellung, die mit der Kriegseuphorie 1914 beginnt, widmet sich nicht nur den Ereignissen an den Fronten, sondern beschäftigt sich ebenso mit musealen Randthemen. Beinahe in Vergessenheit geratene Kriegsschauplätze wie die Gaza-Wüstenfront, Frauen im Krieg, Kriegsgefangene und Grabkreuze­ von den letzten Ruhestätten der gefallenen Soldaten, werden ausführlich dargestellt und eingehend gewürdigt. Das ÖSK hat eine Vitrine mitgestaltet, in der sich Grabkreuze aus Soldatenfriedhöfen der verschiedenen Nationen wiederfinden.

Gedenken in Sarajewo

Gleichfalls am 28. Juni 2014 gedachte das ÖSK dem Attentat und seinen Folgen in Sarajewo. Hierzu trafen sich Botschafter und Repräsentanten der 13 Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie zu einem Gedenken auf dem Löwenfriedhof (Stadtfriedhof) in Sarajewo. Auf diesem Friedhof sind 2 456 Soldaten aus allen Teilen der ehemaligen Monarchie begraben, die entweder im Weltkrieg gefallen oder an den erlittenen Kriegsverletzungen verstorben sind. Die Soldatengräber wurden im Laufe der Zeit mit zivilen Gräbern überbettet, und nur der steinerne Löwe im Zentrum dieses ehemaligen Militärfriedhofes ist der einzige Zeuge für die seinerzeitige Widmung dieses Friedhofes. Im Zusammenwirken zwischen dem ÖSK, der Österreichischen Botschaft und den österreichischen EUFOR-Soldaten wurde ein Gedenkstein beim Löwendenkmal angebracht und feierlich enthüllt. Im Anschluss daran legte man gemeinsam einen Kranz mit den Fahnen aller Nachfolgestaaten vor dem Löwen zur Erinnerung an diese Soldaten und an die Opfer aller Kriege nieder und hielt eine Schweigeminute ab.

Soldatenfriedhof Mauthausen

100 Jahre nach dem Attentat in Sarajewo und der damals einen Monat später erfolgten Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien besuchte am 23. Juli 2014 der Präsident der Republika Srpska­ Milorad Dodik den Soldatenfriedhof Mauthausen, der von der ÖSK-Landesgeschäftsstelle Oberösterreich betreut wird. Die Republika Srpska ist neben der Föderation Bosnien und Herzegowina (BiH) eine von zwei Teilrepubliken des Staates Bosnien und Herzegowinas mit unabhängiger Exekutive und Judikatur. Der Präsident wurde von einer offiziellen Delegation und zahlreichen in Österreich lebenden Serben begleitet. Erinnert und gedacht wurde jener 8 000 serbischen Soldaten, die im Lagerfriedhof des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Mauthausen in den Jahren 1914 bis 1918 ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Am serbischen Gedenkkreuz sprach der serbisch-orthodoxe Geistliche versöhnlich besinnliche Worte und segnete die Erde. Präsident Dodik erinnerte an die historischen Ereignisse von damals und brachte sein Anliegen zum Ausdruck, eine Kapelle für die serbischen Opfer im Friedhof zu errichten. Am italienischen Monument auf dem Friedhof, das an die 10 845 hier bestatteten Soldaten erinnert, wurden Kränze niedergelegt. Die Feierstunde endete mit dem Lied "Der gute Kamerad" und dem Abblasen des Zapfenstreiches.

100 Jahre Kriegsbeginn und Enthüllung Friedensglocke

In Dellach im Gailtal veranstaltete am 25. Juli 2014 - unmittelbar vor der feierlichen Angelobung von 350 Rekruten - das Militärkommando gemeinsam mit dem Land Kärnten eine Feier anlässlich des Gedenkens "100 Jahre Kriegsbeginn Erster Weltkrieg". Als Höhepunkt wurde auf Initiative der ÖSK-Landesgeschäftsstelle Kärnten eine Friedensglocke enthüllt. Die Stahlglocke ist eine von den "alten Dellacher Kirchenglocken" und läutete von 1923 bis 2012 als Ersatz für die im Krieg eingeschmolzene Bronzeglocke in der Filialkirche (Kirchengebäude neben Hauptkirche) "Hl. Nikolaus". Die Nachkommen der Glockenpatin Katharina Oberessl, Christof und Josef Walker, spendeten diese Glocke als Mahnmal gegen Krieg und Intoleranz und als Zeichen der Völkerverständigung. Als Friedensglocke mahnt sie heute: "Nie wieder Krieg".

Papst auf dem Soldatenfriedhof in Redipuglia

Der Besuch von Papst Franziskus am 13. September 2014 im österreichisch-ungarischen Soldatenfriedhof in Redipuglia (Italien) zu Beginn seines Friaul-Besuches setzte ein Zeichen des Friedens für ganz Europa. "Im Leben und im Tod vereint" steht am Eingang des Soldatenfriedhofes. Der Präsident des ÖSK, Peter Rieser, durfte den Papst am Eingang zum Friedhof, der von den ÖSK-Landesgeschäftsstellen Wien und der Steiermark betreut wird, willkommen heißen. Papst Franziskus erteilte mit seinem Besuch dem gerade wieder aufkeimenden Nationalismus in Europa, der u. a. zum Ersten Weltkrieg geführt und 15 Millionen Menschen das Leben gekostet hatte, eine deutliche Absage: Der Papst unterschied nicht zwischen Nationalitäten und zwischen Tätern und Opfern, sondern er besuchte beide Kriegsgräberanlagen in Redipuglia: Sowohl die mit den sterblichen Überresten der habsburgischen Soldaten als auch das Sacrario di Redipuglia, den von Benito Mussolini errichteten, größten Kriegerfriedhof Europas, wo die Gebeine von 100 000 Italienern und 14 500 Österreichern (davon etwa 2 400 namentlich bekannt) ruhen. Bei der Heiligen Messe,­ der geschätzte 300 000 Besucher trotz Schlechtwetters beiwohnten, fand der Papst deutliche Worte: "Krieg ist Wahnsinn, sein Entwicklungsplan ist die Zerstörung, der Wille, sich durch Habgier, Intoleranz und Machtstreben zu entwickeln."

Gedenksteinenthüllung

Das Gedenkjahr 2014 schloss am 9. November mit der Enthüllung eines russischen Gedenksteines am Kriegerfriedhof in Marchtrenk ab. Im Ersten Weltkrieg war die Stadt ein riesiges Kriegsgefangenenlager mit bis zu 35 000­ internierten Italienern und Russen. Der Lagerfriedhof erinnert heute noch an diese Zeit und an die 1 882 Soldaten, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Gepflegt von der ÖSK-Landesgeschäftsstelle Oberösterreich, und in das Kulturprogramm der Stadt als Station 11 in den Marchtrenker-Friedensweg integriert, hat der Friedhof einen neuen Gedenkstein erhalten. Zur Erinnerung an die hier bestatteten russischen Soldaten wurde dieser in einer Zeremonie durch die Vertreter der russischen Botschaft, unter Anwesenheit des Bürgermeisters und der Bevölkerung seiner Bestimmung übergeben und ein Kranz mit der in den Farben Russlands gehaltenen Schleife - weiß-blau-rot - niedergelegt. Symbolträchtig für das gemeinsame Gedenken zündeten die Teilnehmer zum Abschluss des Gedenkaktes Kerzen bei den einzelnen Soldatengräbern an. In der Dämmerung dieses Novembertages erinnerte der Friedhof damit an ein Lichtermeer - gegen das Vergessen und zur Erinnerung!

Auf einen Blick

Die Geschehen von damals beginnen zu verblassen. Die letzten Ruhestätten der Opfer sind geblieben. Beim Anblick der Kreuze in den Kriegerfriedhöfen wird den Menschen aus allen Generationen deutlich, wie zerbrechlich der Friede sein kann. Kriegsgräberstätten gehören daher zu den Orten, an denen auch Geschichte sichtbar wird. Das ÖSK sorgt mit seinen ehren­amtlichen Mitarbeitern dafür, dass die militärischen und zivilen Opfer der Kriege nicht gänzlich in Vergessenheit geraten. In jedem Soldatenfriedhof, auf den Grabsteinen und hinter jedem Namen stehen Trauer, Leid und Tränen der Angehörigen. Noch immer gilt es, Schicksale von über 300 000 vermissten Soldaten aus beiden Weltkriegen aufzuklären. Vermisste - keine Namenlosen, sondern Menschen - zu suchen, die in jungen Jahren im Krieg ihr Leben gelassen haben. Diese "Arbeit für den Frieden" findet sich auch im Logo des ÖSK durch den Beisatz "in Zusammenarbeit mit dem BM.I" wieder und weist auf die humanitäre Verpflichtung des Vereines hin. Kriegsgräberfürsorge ist auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht nur auf die Vergangenheit gerichtet ist, sondern mit dem Generationswechsel als Bestandteil einer gelebten österreichischen Kulturpflege betrachtet werden kann. Damit kann auch der Titel dieses Beitrages "1914 und (k)ein Ende" als zukunftsorientiert beantwortet werden.


Autor: Oberst i.R. Alexander Barthou, Jahrgang 1949. 1968 Einjährig-Freiwilliger; 1970 bis 1973 Theresianische Militärakademie Jahrgang "Starhemberg", Ausmus­terung zum Panzergrenadierbataillon 13 als Zugskommandant, bis 1985 in Kommandanten- und Stabsfunktionen beim Panzerbataillon 14, ab 1985 als Kommandant Stabskompanie (StbKp) beim Militärkommando Oberösterreich (MilKdoOÖ) und als S4 beim Landwehrstammregiment 43, 1989 bis 2010 Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit beim MilKdoOÖ. 1985 50. Stabsoffzierskurs, fachspezifische Ausbildung (Medien/Öffentlichkeitsarbeit) an der Verwaltungsakademie; 2001 bis 2010 Ausbildung zum Journalisten und danach Lehrtätigkeit an der Oberösterreichischen Journalistenakademie; 1977 und 1983 Auslandseinsatz bei UNDOF/AUSBATT in Syrien als S1, 1996 bei ATCON/MPF in Albanien als Chief Media Officer und 1998/99 im J5-Bereich (Plans & Policy) bei internationalen Übungen NATO/PfP in den USA, den Niederlanden und in Dänemark. Seit 2011 Generalsekretär des Österrei­chischen Schwarzen Kreuzes - Kriegsgräberfürsorge in Wien.

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