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Elektronische Kampfführung im FüUB2

Der mit elektronischen Mitteln geführte Kampf gewinnt auf dem modernen Gefechtsfeld immer stärker an Bedeutung. Neben dem klassischen Gefecht ist es auch hier wesentlich, die Wirkung gegnerischer "Mittel" herabzusetzen und jene der eigenen zu erhöhen. Dies stellt das Österreichische Bundesheer vor neue Herausforderungen. Das Führungsunterstützungsbataillon 2 wird diesem Umstand gerecht und verfügt seit 2008 über eine Kompanie, die dieses Spektrum abdecken soll.

Die Modernisierung und Technisierung der heutigen Zeit hat nicht nur im zivilen Leben Einzug gehalten. Sie beeinflusst auch sämtliche militärische Operationen durch - den Einsatz von Funkmitteln zur Kommunikation und Datenübertragung,

- GPS zur eigenen Positionsbestimmung und für den Einsatz von Waffensystemen,

- Radarsysteme sowie

- Laser zur Zielmarkierung oder Entfernungsmessung.

Alle diese Anwendungen (und weitere) können in einem Einsatzszenario von militärischen Kräften genutzt, aber genauso auch gegen sie verwendet werden. Deshalb ist es für eine Armee mit Ambitionen zu Auslandseinsätzen unabdingbar, Kompetenzen für den Kampf im elektromagnetischen Spektrum zu besitzen.

So kann einerseits durch die Auswertung der im Einsatzgebiet vorhandenen elektromagnetischen Abstrahlungen das Lagebild erweitert und zur Sicherheit der eigenen Soldaten beigetragen werden. Andererseits können mit eigenen Mitteln im Einsatzgebiet vorherrschende Bedrohungen (beispielsweise durch Funk ausgelöste Sprengsätze, sogenannte Radio/Remote Controlled Improvised Explosive Devices - RCIED) minimiert werden.

Neue Kompetenzen

Beim Führungsunterstützungsbataillon 2 (FüUB2) wird seit 2008 der Kompetenzbereich für die Elektronische Kampfführung (eloKa) der Landstreitkräfte aufgebaut. Das Ziel ist, für die mittlere und obere taktische Ebene ein Kompanie-Äquivalent (ein Element, das in der Größe und im Aufbau einer Einheit entspricht; Anm.) für die Elektronische Kampfführung zur Verfügung zu haben, um - Beiträge zum Einsatz-Lagebild des jeweiligen führenden Kommandos zu liefern und somit die Führungsüberlegenheit zu schaffen bzw. auszubauen, - Systeme zur Verfügung zu stellen, die eine Bedrohung durch RCIED minimieren und - Systeme einzusetzen, die eine Führungsüberlegenheit der Konfliktparteien verhindern sollen.

Im FüUB2 wird dieses Kompanie-Äquivalent durch die Führungsunterstützungskompanie für Elektronische Kampfführung - FüUKp (eloKa) - abgebildet. Diese Einheit ist einzigartig im Österreichischen Bundesheer (ÖBH) und soll nach dem Erreichen der Endausbaustufe österreichische Kräfte bei ihren militärischen Einsätzen unterstützen. Um die Kompetenzen in diesem Bereich zu erweitern, gibt es eine Zusammenarbeit mit anderen Armeen (vorrangig mit der Deutschen Bundeswehr). Diese erfolgt durch Teilnahme an internationalen Übungen sowie der Absolvierung internationaler Kurse und den Besuch von Firmenschulungen.

Die Entwicklung von Prototypen und Schulungssystemen gehören ebenso zum Kompetenzbereich, da die tatsächlichen Einsatzsysteme noch in der Beschaffungsphase stehen. Anhand solcher Systeme können Verfahrensweisen, Abläufe und technische Möglichkeiten in Bezug auf die Elektronische Kampfführung an die Erfordernisse des ÖBH angepasst werden. All dies wird wiederum in Zusammenarbeit mit anderen Dienststellen und Verbänden des Bundesheeres (aber auch anderen Ministerien) in nationalen Übungen und Vorhaben umgesetzt. Nachfolgend sind drei dieser nationalen Übungen bzw. Vorhaben skizziert.

Sie sollen zeigen, wie wichtig die Elektronische Kampfführung für das ÖBH in jeglichen Szenarien und Einsatzarten ist. Vor allem soll dargestellt werden, dass Elektronische Kampfführung nicht als Übel oder Störfaktor bei Übungen zu verstehen ist. Vielmehr bietet sie Möglichkeiten (auf die andere Armeen schon jahrzehntelang zurückgreifen), die eigene Einsatzführung wesentlich zu unterstützen.

"Capricorn 2013"

Bei der Übung "Capricorn" 13 der 6. Jägerbrigade wurden vor allem die Einsatzarten "Angriff" und "Verteidigung" angewandt. Der Auftrag der FüUKp (eloKa) lautete, das Lagebild einer verstärkten Kampfgruppe durch elektronische Aufklärung zu verdichten. Hierzu setzte diese Einheit neben ihrem mobilen Erfassungs- und Ortungssystem verstärkt den "Prototyp" eines Handpeiltrupps zur Unterstützung infanteristischer Kräfte ein.

Ein solcher Trupp kann je nach Absicht des Bedarfsträgers zusammengestellt werden. Einerseits wird er abgesetzt (analog eines Aufklärungstrupps) eingesetzt, um seine Aufklärungsergebnisse aus dem elektromagnetischen Spektrum (bespielsweise abgefangene Funksprüche, Richtung des Funkverkehrs oder, in Zusammenarbeit mit dem Rest der FüUKp (eloKa), auch Ortungsergebnisse) nach ihrer Auswertung an den Bedarfsträger zu übermitteln. Andererseits kann der Trupp in einem Infanteriezug oder eine Kompanie eingegliedert sein. So hat er die Möglichkeit, diese vor Ort über gegnerische Aktivitäten zu informieren bzw. gegebenenfalls zu warnen und ihr die, von der FüUKp (eloKa) ausgewerteten Informationen zukommen zu lassen. Je nach Zusammenstellung des Trupps ist auch ein Einsatz im Gebirge, mit einem eigenen Fahrzeug oder aus einem Hubschrauber heraus möglich.

Die gesammelten und ausgewerteten Ergebnisse können dem Bedarfsträger, neben anderen Informationsquellen (Aufklärung, HUMINT etc.), ergänzende Informationen über feindliches Verhalten, Stärke, Position etc. bieten.

"Schutz 2014"

Diese Übung thematisierte ein Inlandsszenario in der Einsatzart "Schutz". Hier konnte die FüUKp (eloKa) zeigen, dass ein gezielter Einsatz von Sensoren nicht nur im Auslandseinsatz, sondern auch bei einer Bedrohung im Inneren denkbar und zielführend ist. Der Auftrag war, den eigenen Kräften durch elektronische Aufklärung ein erweitertes Lagebild zur Verfügung zu stellen und diese beim Erkennen und Verhindern möglicher Angriffe auf Schutzobjekte zu unterstützen. Zu diesem Zweck wurde die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, im Speziellen mit dem Bundesministerium für Verkehr Innovation und Technik (BMVIT), forciert. Durch diese Kooperation wurden dem militärischen Lagebild zusätzliche Informationen hinzugefügt.

Darüber hinaus wurde erkannt, dass Systeme mit Störwirkung für den Einsatz von Kampfmittelbeseitigern unabdingbar sind. Konkret kann ihre Arbeit beim Entschärfen von Sprengmitteln beim Schutzobjekt durch eine "Störglocke" (Ein begrenzter "Raum", der durch den Einsatz elektronischer Mittel von Funkwellen abgeschirmt ist; Anm.) unterstützt und so die Bedrohung durch Fernzündung für sie minimiert werden.

"Airpower13"

Als letztes Vorhaben ist hier die "Airpower" 13 angeführt. Dies soll verdeutlichen, dass ein ministeriumsübergreifender Einsatz mit Beteiligung der FüUKp (eloKa) zur Unterstützung eines Großereignisses ebenfalls möglich ist. Der Auftrag lautete, die Veranstaltung hinsichtlich ausgelöster Crash-Sensoren (Sensor, der einen Aufprall bzw. Absturz erkennt und daraufhin ein Funksignal aussendet; Anm.) zu überwachen. Zusätzlich sollten durch "Technikfreaks" gebastelte Störsender in enger Zusammenarbeit mit dem BMVIT im gesamten Areal ausfindig gemacht werden.

Zu diesem Zweck wurde ein interministerieller Ortungsverbund (IMOV) gegründet. Dieser ermöglichte es, Peilungen von unterschiedlichen Ministerien und Dienststellen zu koordinieren, die Ergebnisse zusammenzuführen und auf einer gemeinsamen, elektronischen Lagekarte in der gemischten Einsatzzentrale darzustellen.

Fazit

Die notwendigen, einsatztauglichen Systeme werden derzeit noch beschafft und wichtige Gerätekomponenten sind noch nicht vorhanden, da die FüUKp (eloKa) noch im Aufbau begriffen ist. Dennoch kann ihr international ausgebildetes Fachpersonal mit seinen Schulungssystemen bereits als Force-Multiplier (Personen, Einrichtungen und/oder Geräte, welche die Effektivität der eigenen Kräfte erhöhen; Anm.) bei nationalen Übungen eingesetzt werden. Die ersten Schritte zur Schaffung notwendiger Kompetenzen in diversen Szenarien sind zurückgelegt. Der Weg zur Erreichung eines einsatztauglichen Endzustandes ist jedoch noch lange.


Autor: Hauptmann Mag.(FH) Dominik Tieber; Jahrgang 1984. 2010 Ausmusterung als Fernmeldeoffizier zum Führungsunterstützungsbataillon 2 (FüUB2) nach St. Johann im Pongau; 2010 bis 2014 stellvertretender Kompaniekommandant einer Führungsunterstützungskompanie und der Stabskompanie des FüUB2. Seit 2014 Kommandant einer FüUKp (eloKa).

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