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CAPRICORN 2015 - Einsatz von Gebirgsjägern im Kampf der verbundenen Waffen

Im Zeitraum vom 26. Mai bis 12. Juni 2015 fand die größte Übung seit längerem in Westösterreich statt. Soldaten der 6. Jägerbrigade trainierten im Verbund mit Unterstützungskräften aus dem gesamten Bereich der Streitkräfte. Ziel war es, wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen und diese dann in die Ausbildung einfließen zu lassen.

Das Übungskonzept der 6. Jägerbrigade

Im Zentrum der Ambition des Österreichischen Bundesheeres stehen leistungsfähige kleine Verbände (Bataillons-Äquivalente; Anm.) mit der Befähigung zum Kampf der verbundenen Waffen in allen Einsatzarten. Folglich wird in der 6. Jägerbrigade (6.JgBrig) unter Maßgabe der personellen und materiellen Ressourcen danach getrachtet, Übungsanlagen für kleine Verbände im Hochgebirge anzulegen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Übungskonzeption der 6.JgBrig ist, dass Österreich innerhalb der Europäischen Union die Federführung im Segment Gebirgsausbildung "Pooling & Sharing (P&S) Mountain Training Initiative" übernommen hat. Daher wurde die Übungsserie "CAPRICORN" den europäischen Partnern im Zuge von Planungskonferenzen angeboten - sie wird im Jahr 2016 erstmals unter multinationaler Beteiligung stattfinden.

Übungsanlage der "CAPRICORN 2015"

Aus der "CAPRICORN 2015" konnten dafür bereits wesentliche Erkenntnisse gewonnen werden. Der Übung wurde ein internationales Szenario zugrunde gelegt, nämlich der Stabilisierungseinsatz einer Brigade in einem Einsatzraum mit überwiegendem Anteil an Hochgebirge. Dies schafft ideale Voraussetzungen für eine robuste Übungsanlage, in der die Beherrschung klassischer Einsatzarten im Zentrum steht. Militärische Kräfte müssen in Teilen des Einsatzraumes Basistechniken der Einsatzart "Schutz" zur Anwendung bringen, humanitäre Hilfe leisten und am Wiederaufbau funktionierender staatlicher Strukturen mitwirken. Gleichzeitig kann in anderen Abschnitten des Einsatzraumes Gewalt schlagartig aufflammen. Dann muss die eingesetzte Truppe dazu befähigt sein, gegenüberstehende irreguläre Kräfte durch die konsequente Anwendung robuster Einsatzarten im Kampf der verbundenen Waffen zu neutralisieren.

Schwergewichtsbildung

In der 6.JgBrig wird im jährlichen Wechsel eine Einsatzart mit Schwergewicht aus- und fortgebildet. Dabei wird die entsprechende Einsatzart mittels Planübungen durch die beauftragten Stäbe der kleinen Verbände vorbereitet und am Führungssimulator "angespielt". In der Folge wird das Übungskonzept durch Geländebesprechungen und Kaderfortbildungen vertieft und die Ausbildung der Rekruten darauf abgestimmt. Den Abschluss und gleichzeitig den Höhepunkt der Ausbildungssequenz ist schließlich die Umsetzung des Erlernten in der Übungsserie "CAPRICORN" im Hochgebirge.

Qualitative Dienst- und Fachaufsicht

Besonderer Wert wird in der 6.JgBrig auf eine qualitative Dienst- und Fachaufsicht gelegt, die eine Wertschätzung gegenüber der Truppe darstellt. Nur dadurch kann ein klares Lagebild über vorhandene Fähigkeiten generiert und eine intensive Auswertung im Rahmen des Lessons-Learned-Prozesses ermöglicht werden.

Rahmenbedingungen "CAPRICORN 2015"

Die Übung "CAPRICORN 2015" wurde durch die 6.JgBrig durchgeführt, um den Kampf der verbundenen Waffen im Hochgebirge zu üben. Zugleich wurde sie als Abschlussübung für die Rekruten des Jägerbataillons 24 (JgB24-HGeb) angelegt, die ihre Ausbildung im Jänner 2015 bei der Gebirgstruppe begonnen hatten. Die Übung stellte das Schwergewicht in der Jahresplanung der Brigade dar - alle verfügbaren Ressourcen wurden diesem Vorhaben zur Verfügung gestellt. Da der Übungszeitraum vor der Entlassung der Rekruten aus dem Präsenzdienst (Ende Juni; Anm.) anzulegen war, musste die 6.JgBrig in Kauf nehmen, dass die Übung während einer Phase intensiver zivil-militärischer Zusammenarbeit stattfand. Durch die Streitkräfte wurden nämlich zur gleichen Zeit die Durchführung des G7-Gipfels und des Bilderbergtreffens (BBT) unterstützt - hiezu hatten auch Teile der 6.JgBrig ihren Beitrag zu leisten. Bei der Luftraumsicherungsoperation hatte vor allem das Stabsbataillon 6 (StbB6) Leistungen für die Luftstreitkräfte und für die eingesetzten Kräfte des Bundesministeriums für Inneres zu erbringen. Zudem kam es zeitgleich mit der Übung zu schweren Unwettern in Tirol, die letztlich einen Katastrophenhilfseinsatz von weiteren Einheiten der 6.JgBrig notwendig machten. Im Wirkverbund der Streitkräfte konnten diese drei Aufgaben, nämlich die Übungsdurchführung, Unterstützungsleistungen/G7 und BBT sowie der Katastropheneinsatz erfolgreich gelöst werden.

Übungsraum und Witterungsbedingungen

Der Übungsplatz Wattener Lizum bietet mit dem Hochtal rund um das Lager Lizum und der Nebenbewegungslinie Mölstal optimale Trainingsvoraussetzungen für Hochgebirgsverbände. Die Masse der Übungstruppe wurde im Hochtal eingesetzt. Zusätzlich wurde das Navis-Tal für die Bereitstellung angreifender irregulärer Kräfte genutzt.

Trotz der Tatsache, dass die Übung Anfang Juni stattfand und im Tal bereits hochsommerliche Temperaturen herrschten, hatte die Truppe mit ausgedehnten sowie tiefen Schneefeldern und den daraus resultierenden alpinen Gefahren zu kämpfen. Herausforderungen wie die hohe UV-Belastung im Hochgebirge, dichter Nebel, Gewitter und starke Regenfälle waren zu bewältigen und beeinflussten mitunter die taktische Einsatzführung. Vor allem der starke Regen am Wochenende vor dem Aufmarsch der Übungstruppe brachte eine wesentliche Einschränkung mit sich, da eine Mure über die einzige leistungsfähige Straße den Aufmarsch mit den Großraumbussen behinderte und man somit weiträumig ausweichen musste. Solche Zwischenfälle können jedoch nicht nur bei Übungen, sondern auch in jedem Einsatz auftreten. Hier zeigte sich, dass es gerade beim Einsatz im Gebirge von entscheidender Bedeutung ist, Ausweichvarianten wählen und den Aufmarsch mit einem "Mix" aus geländegängigen Kleinfahrzeugen trotzdem sicherstellen zu können.

Gliederung und Aufgaben der Übungstruppen

Die Übungsanlagen der 6.JgBrig sind generell einfach und für jeden Soldaten verständlich gehalten. Innerhalb des Stabilisierungseinsatzes der Brigade in der fiktiven Provinz Highland war ein Flüchtlingslager im Hochgebirge gegen Angriffe eines irregulären Gegners zu verteidigen. Diese Angriffe, die von der Stärke eines Stoßtrupps bis zu Kompaniestärke reichten, bildeten den Kern der Übungseinlagen. Zudem musste sich die in diesem Raum eingesetzte Truppe mit Sprengfallen, Anschlägen auf Versorgungskonvois und Flüchtlingsbewegungen in Richtung der eigenen Verteidigungsstellungen auseinandersetzen. Die zentrale Lage des Flüchtlingslagers im Verteidigungsbereich erforderte die ständige Berücksichtigung der zivil-militärischen Komponente (Disziplinenkoordinierung; Anm.).

Das JgB24 nahm als Partei Blau die Rolle des Verteidigers wahr. Das Jägerbataillon 26 (JgB26-HGeb) stellte als Partei Rot den irregulären Gegner dar und hatte als Teil der Leitungstruppe die Übungseinlagen umzusetzen. Das StbB6 war, neben Unterstützungsleistungen und Katastropheneinsatz, für die Versorgung der Übungstruppe und für die Führungsunterstützung zuständig. Wesentlich für die Übungsleitung waren die Schiedsrichterdienste, welche durch die Streitkräfte sowie die Akademien und Schulen gestellt wurden. Die Zahl der Übungsteilnehmer betrug 1 129. Das JgB24 war die Hauptübungstruppe und wurde durch Oberstleutnant Bernd Rott geführt. Verstärkt wurde das JgB24 durch die Lehrkompanie des StbB6 mit dem Lehrgang Militärische Führung 1 sowie durch mehrere sogenannte Kampfwertmultiplikatoren:

- Eine Gebirgspionierkompanie;

- Eine Kampfmittelabwehrgruppe des Pionierbataillons 2;

- Einen IVECO-Aufklärungszug;

- Ein Artillerieverbindungskommando des Aufklärungsartilleriebataillons 3;

- Einen Tragtierzug;

- Ein Fliegerverbindungskommando.

Dadurch wurde das JgB24 umfassend zum Kampf der verbundenen Waffen befähigt. Zusätzlich wurden Milizsoldaten einberufen, die einen wertvollen Beitrag zum Gelingen der Übung leisteten.

Der Auftrag des JgB24 war der Schutz und die Verteidigung eines Flüchtlingslagers gegen Anschläge und Angriffe einer Gruppierung irregulärer Kräfte im Raum der Lizumer Hütte. Diese irregulären Kräfte wurden als sehr gut gebirgsbeweglich und mit der Fähigkeit zur Koordinierung von Feuer und Bewegung im Angriff angenommen. In der zweiten Übungsphase war der Auftrag des JgB24, durch die Inbesitznahme des Mölsjoches irreguläre Kräfte im Mölstal einzuschließen und somit die Voraussetzung zur Neutralisierung dieser Gruppierung durch (fiktive) Reserven der Brigade zu schaffen.Dieser Auftrag verlangte - die Sicherung des Einfließens in den hochalpinen Einsatzraum durch vorgestaffelte Kräfte,

- die nachhaltige Verteidigung über mehrere Tage,

- die Überwachung der Flanken zum Mölstal und Zillertal,

- das Bereithalten beweglicher Reserven und

- Schutzmaßnahmen in der Tiefe.

Da der Verteidigungsbereich insgesamt für ein Bataillon weit überdehnt war, mussten Lücken überwacht und durch eine bewegliche Einsatzführung kompensiert werden. Eine Vorgabe der Übungsleitung war es, den Ausbau der Stützpunkte, unter Maßgabe der verfügbaren Zeit für Auf- und Abbau, möglichst weit voranzutreiben. So hatte das JgB24 insgesamt vier Tage Zeit, sich unter Sicherung zur Verteidigung einzurichten und die geplante Einsatzführung vorzuüben.

Das verminderte JgB26 war hingegen als Partei Rot der irreguläre Gegner des zur Verteidigung eingerichteten JgB24 und wurde durch Major Harald Blaßnig geführt. Das JgB26 hatte den Auftrag, das Hochlager Lizum (fiktives Flüchtlingslager; Anm.) in Besitz zu nehmen, um damit als Faustpfand Druck auf die Provinzregierung in Highland und auf die internationale Schutztruppe ausüben zu können. Dieser Auftrag verlangte zunächst - eine vorgestaffelte, breit angesetzte Aufklärung in schwierigem Gelände,

- die Ausschaltung gegnerischer Sicherungskräfte,

- die handstreichartige Inbesitznahme eines hochalpinen Überganges auf ca. 2 400 m (1 000 Höhenmeter über dem Verfügungsraum gelegen) sowie

- die Führung des Angriffes sowohl bei Tag als auch bei Nacht.

Hierbei vollbrachten die "26er" ausgezeichnete Marschleistungen. Täglich waren ca. 1 000 Höhenmeter im Aufstieg zu den Stützpunkten der Verteidiger zu bewältigen.

Die Angriffe, die durch das JgB26 zum Teil in Kompaniestärke durchgeführt wurden, verlangten vom JgB24 eine flexible Einsatzführung und zwangen zum Reserveneinsatz. Die Übungseinlage des letzten Tages - nämlich die Einschließung und Gefangennahme des irregulären Gegners im Mölstal - brachte für das JgB24 einen gänzlich neuen Einsatz und eine Umgruppierung mit sich.

Force Provider im Gebirgseinsatz

Die Luftstreitkräfte unterstützten mit zwei Hubschraubern in den Bereichen Transport, Sanitätsversorgung und Nah- unterstützung. Die Priorität lag bei der Unterstützung der Partei Blau.

Um die Führungsfähigkeit sicherstellen zu können, wurde ein Fernmeldezug des Führungsunterstützungsbataillons 2 in die Übungs-Truppengliederung aufgenommen.

Insgesamt konnte das Übungskonzept - auch mithilfe eines qualitativ hochwertig besetzten Schiedsrichterdienstes - umgesetzt und die Aufträge der Brigade durch die Übungsverbände erfüllt werden.

Einsatzunterstützung im Gebirgseinsatz

Einsätze im Gebirge bedürfen einer besonderen Planung im Bereich der Einsatzunterstützung. Entscheidend ist die Verfügbarkeit einer mehrgliedrigen Transportkette; Hubschrauber, Seilbahnen, Sondertransportfahrzeuge und Tragtiere bilden gemeinsam mit herkömmlichen Fahrzeugen einen leistungsfähigen Verbund. Besonders bei Wetterbedingungen, die einen Flugbetrieb nicht zulassen, müssen alternative Transportmittel verfügbar sein. Das Funktionieren dieses Transportverbundes sorgt für die erforderliche taktische Mobilität, die Schonung der Kampfkraft der Gebirgssoldaten und vor allem für eine rasche Reaktion bei der Sanitätsversorgung.

Während der "CAPRICORN 2015" konnte fast die gesamte Transportkette im Hochgebirge abgebildet werden. In vergangenen Durchgängen der Übungsserie stützte sich die Truppe auf "Hägglunds" (Fahrzeug mit Kettenlaufwerk für schwieriges Gelände) der Deutschen Bundeswehr ab. Aufgrund der Nicht-Teilnahme der deutschen Partnerbrigade ergab sich in diesem Bereich jedoch ein Fehl an Überschneefahrzeugen. Obwohl die tieferen Lagen des Truppenübungsplatzes schneefrei waren, hatte sich die Truppe in höheren Lagen in ausgedehnten Schneefeldern zu bewegen und musste schweres Gerät (Schanzmaterial, Sperren, Zelte, schwere Waffen) im Mannschaftstransport bzw. mit Tragtieren bewegen. Somit mussten Trägergruppen aus den Kampfeinheiten gebildet werden, was einen erhöhten Zeitaufwand bedeutete. Während der Übung zeigte sich erneut, dass die Tragtiere ein unverzicht- barer Bestandteil der Transportkette im Hochgebirge sind.

Einmal mehr bestätigte sich die Notwendigkeit der "Combat Ration". Die Gebirgstruppe muss befähigt sein, über einen längeren Zeitraum ohne Folgeversorgung eingesetzt werden zu können. Nahrungsmittel, die über ein geringes Packmaß und Gewicht verfügen und überall zubereitet werden können, sind unverzichtbar für die Kampfkrafterhaltung.

Führungsunterstützung im Gebirgseinsatz

Auch in der Führungsunterstützung wird die Gebirgstruppe stets vor besondere Herausforderungen gestellt, wenn es darum geht, Führungsverbindungen über Gebirgsketten und in abgetrennte Kampfräume sicherzustellen.

Die unterschiedliche Gliederung von Bataillonskampfgruppen richtet sich stets nach dem jeweiligen Auftrag ("mission tailored" - zugeschnitten auf den jeweiligen Auftrag; Anm.), was oft eine Unterstellung von artfremden Elementen (Artillerie, Aufklärungskräfte, takt. Lufttransportmittel, Elektronische Kampfführung) mit sich bringt. Im Zuge der "CAPRICORN 2015" zeigte sich, dass im Einsatz im Hochgebirge mit der grundsätzlichen Ausstattung und Struktur an Führungsunterstützung nicht das Auslangen gefunden werden kann. Eine Bataillonskampfgruppe in "modernen Szenarien" im Hochgebirge benötigt daher zusätzliche Unterstützung in der Größenordnung einer Führungsunterstützungskompanie und eine entsprechend höhere Ausstattung an Führungsunterstützungsmitteln auf gefechtstechnischer Ebene. Sinngemäß gilt dies auch für eine Brigade im Hochgebirge, die insgesamt ein Führungsunterstützungsbataillon für ihre Kampfführung benötigt.

Eine weitere Herausforderung ist die Stromversorgung im Hochgebirge. Durch die Nutzung der EDV-gestützten Informations- und Kommunikationssysteme, der akkubetriebenen Funkgeräte, der Notebooks als Datenendgeräte, der Nachtsichtgeräte, der dienstlichen Mobilfunktelefone, der Duellsimulatoren und der Echtzeitauswertung steigt der Energiebedarf erheblich und bedeutet gerade im Hochgebirge einen logistischen Mehraufwand. Der Betrieb der genannten Geräte ist weitgehend auf Akkus abgestützt, die gerade unter extremen Bedingungen hohe Ladeintervalle mit sich bringen. Während der Übung war die Masse der Kompanien und Züge abseits von fester Infrastruktur eingesetzt, und die Truppe musste sich mit Stromaggregaten vor Ort oder mit entsprechendem Umschlag an Akkus aufgrund fehlender Ersatzakkus behelfen. Dieser Umschlag bedeutet vor allem bei exponierten Beobachtungsstellen und Widerstandsnestern eine zusätzliche Berücksichtigung in der Versorgung.

Erkenntnisse und Folgerungen

Die Übung "CAPRICORN 2015" wurde angelegt, um eine Bataillonskampfgruppe mit Standardaufgaben in einem Normgelände der Gebirgsinfanterie zu trainieren. Nach Auffassung der 6.JgBrig zählt in einem Stabilisierungseinsatz die Fähigkeit zur Durchführung einer beweglich geführten Verteidigung weiterhin zum "Standardrepertoire" der Infanterie. Die richtige Anlage und der fachgerechte Ausbau von Stellungen und Sperren sowie das Zusammenwirken mit schweren Waffen müssen auch weiterhin konsequent geübt werden.

Insgesamt war durch den Übungsleiter festzustellen, dass das JgB24 die Organisation der Verteidigung auf taktischer Ebene gut gelöst hat und die vorgegeben Regelungen zur Gewaltanwendung ("Rules of Engagement") verhältnismäßig und dem Auftrag entsprechend umgesetzt hat. Auf gefechtstechnischer Ebene war Handlungsbedarf zu erkennen. Aufgrund der eingeschränkten Übungstätigkeit fehlen der Truppe zum Teil die "Bilder", wie Stützpunkte im Gebirge anzulegen sind und wie Sperren im Gelände im Zusammenwirken mit Flachfeuerwaffen auszubauen sind. Aus Sicht der 6.JgBrig ist deshalb in der gesamten Kaderausbildung das Üben der "klassischen" Verteidigung weiter einzufordern und zu forcieren.

Die Gebirgsinfanterie muss den Einsatz kleiner, selbstständig eingesetzter Organisationselemente verstärkt üben. Aufklärung, Stoßtruppunternehmen zur Inbesitznahme wichtiger Höhen, bewegliche Kampfführung in Widerstandsnestern aber auch das Einsickern von Angriffsteilen unter widrigen äußeren Bedingungen haben sich als fordernde Kommandantenaufgaben erwiesen und dürfen gerade im Hochgebirge nicht verlernt werden.

Die Angriffsführung der Partei Rot brachte aufgrund der eingeschränkten Nutzbarkeit von Fahrwegen hohe Marschleistungen mit der erforderlichen Kampf- und Gebirgsausrüstung mit sich. Die körperliche Leistungsfähigkeit und die "Leidensfähigkeit" der Gebirgstruppe müssen dahingehend konsequent erhalten bzw. verbessert werden. Leben im Gebirge und Gefechtsmärsche mit schwerem Gepäck sind somit ständig in die Ausbildung zu integrieren, um das Leistungsniveau zu erhöhen.

Qualifiziertes Alpinpersonal hat dem taktischen Kommandanten nicht nur als gebirgstechnischer, sondern auch als gefechtstechnischer Experte für die Einsatzführung im schwierigen Gelände zur Verfügung zu stehen. Daraus folgt, dass Gebirgstechniken und Gebirgskampf niemals isoliert voneinander betrachtet werden dürfen.

Gebirgskampf bedeutet gemäß der Sichtweise der 6.JgBrig das koordinierte Zusammenwirken von Kampfelementen mit verschiedenen und wechselbaren Teilen der Kampfunterstützung, Einsatzunterstützung und Führungsunterstützung. Nur so können Einsätze im Gebirge erfolgreich bewältigt werden. Wenn der Auftrag die Zusammenarbeit mit Kampfwertmultiplikatoren vorsieht, die in der Gebirgstruppe nicht abgebildet sind, müssen diese unbedingt bei der Übungstätigkeit der Gebirgstruppe frühzeitig eingebunden und gegebenenfalls mit Alpinpersonal und Alpinausrüstung unterstützt werden. Die Integration und Implementierung dieser Kampfwertmultiplikatoren nach dem Force Provider-Prinzip in die Gebirgstruppe muss deshalb weiter vorangetrieben und in der Übungssystematik der Streitkräfte sichergestellt werden.

Die Einsatzunterstützung der Brigade, besonders jedoch die Einsatzunterstützung des JgB24, wurde in allen Bereichen gefordert. Die derzeit verfügbaren Transportmittel wie Quads, Tragtiere und die Seilbahn des PiB2 müssen weiterhin in die Übungstätigkeit eingebunden werden. Besonders das Fehlen von Sondertransportmitteln (z.B. SkiDoo, Hägglund etc.) müsste durch entsprechende Beschaffungen kompensiert werden, um die taktische Mobilität der Gebirgstruppe sicherzustellen. Investitionen im Bereich der Sondertransportmittel würden nicht nur den Einsatzwert für Auslandsmissionen deutlich steigern, sondern ebenso die Glaubwürdigkeit im Rahmen des Projektes "Pooling & Sharing (P&S) Mountain Training Initiative" untermauern und die Fähigkeiten für Assistenzeinsätze im Inland erhöhen.

Zusammenfassung und Ausblick

Mit der Übung "CAPRICORN 2015" wurde ein weiterer wertvoller Schritt zur "Profilschärfung der Gebirgsinfanterie" gesetzt. Der Handlungsbedarf im Bereich der Gefechts- und Gebirgstechnik muss nun konsequent in der Brigade aufgearbeitet werden.

Im Juni 2016 wird die Übungsserie "CAPRICORN" im Rahmen der "Pooling & Sharing Mountain Training Initiative" fortgesetzt. Unter Leitung des Kommandos der 6.JgBrig werden hierbei Kompaniegefechtsschießen und ein Bataillonsgefechtsschießen im Hochgebirge unter internationaler Beteiligung durchgeführt.

Im Zuge bisheriger Planungsbesprechungen stellte sich heraus, dass europäische Partner die Möglichkeit der Durchführung von Scharfschießen im Bataillonsrahmen im Hochgebirge als "Alleinstellungsmerkmal" betrachten. Dementsprechend groß ist das Interesse an der "CAPRICORN 2016". Deutschland, Belgien, Polen, Slowenien, die Niederlande und die Schweiz haben bereits die Teilnahme in Zugs- bis Kompaniestärke angekündigt.


Autoren:

Brigadier Mag. Peter Grünwald, Jahrgang 1964, 1983 bis 1984 "Einjährig-Freiwilliger" beim Landwehrstammregiment 32, 1986 bis 1989 Theresianische Militärakademie, 1989 bis 1991 stvKdt der Wirtschaftsversorgungsstelle 32, 1991 bis 1997 Funktionen im Landwehrstammregiment 32 bzw. im Jägerregiment 3, 1994 bis 1997 Absolvent des 14. Generalstabs- kurses, 1997 bis 2000: G3/ChdStb im Militärkommando Salzburg, 2000 bis 2002 Lehrgang für Generalstabs- und Admiralstabsdienst an der Führungsakademie der Bundeswehr, 2002 bis 2004 Leiter Führung und stellvertretender Leiter der G3-Abteilung im Kommando Landstreitkräfte, 2004 bis 2005 Kommandant Aufklärungsbataillon 2, 2005 bis 2009 Leitender Planungsoffizier beim Einsatzführungskommando der Deutschen Bundeswehr, dabei 2006 Einsatz im OHQ der EU für die Operation EUFOR RD CONGO, 2009 bis 2010 Leiter Referat 2 und stellvertretender Leiter der Ausbildungsabteilung A im BMLVS, seit 1. August 2010 Kommandant 6.JgBrig.

Major dG Mag.(FH) Thomas Kirchler, Jahrgang 1979, Ausmusterung 2003, Jahrgang Hadik, 2003 bis 2009 stellvertretender Kompaniekommandant und Kompaniekommandant einer Hochgebirgsjägerkompanie im JgB24(HGeb), 2009 bis 2010 Offizier für Öffentlichkeitsarbeit im Kommando der 6.JgBrig, 2010 bis 2013 Absolvierung 19. Generalstabslehrgang, 2013 bis 2015 G5 im Kommando der 6.JgBrig, seit Oktober 2015 Chef des Stabes der 6.JgBrig.

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