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Das Pilotenauswahlverfahren der schwedischen Streitkräfte

Die Ausbildung eines Kampfpiloten ist teuer - auch wenn er sie nicht erfolgreich beendet. Mit psychologisch fundierten Verfahren werden daher aus den Bewerbern jene Kandidaten ausgewählt, die sowohl über hohe theoretische, manuelle und geistige Fähigkeiten als auch über ein hohes Entwicklungspotenzial in Hinblick auf den Einsatz als Kampfpilot verfügen. Das weit in die Ausbildungsphase hinein reichende, eng mit der Einsatzausbildung verbundene Auswahlverfahren bewährt sich: Schweden verfügt über gute Kampfpiloten, und die Ausfallsrate während der Ausbildung ist gering.

Die Auswahlabteilung ist ein Teil des Rekrutierungszentrums der schwedischen Streitkräfte. Sie wählt nicht nur Pilotenanwärter aus, sondern unterstützt die gesamten Streitkräfte bei der Auswahl von Offizieren. Insgesamt beginnen derzeit jährlich rund 600 Offiziersanwärter ihre Ausbildung, davon werden 15 zur Pilotenausbildung zugelassen und 150 der Reserve (aller Waffengattungen) zugeteilt.

Das Rekrutierungszentrum der schwedischen Streitkräfte besteht aus drei Abteilungen (Marketingabteilung, Auswahlabteilung, Informationsabteilung) mit einem Stab von insgesamt elf Offizieren und 14 zivilen Bediensteten, darunter elf Psychologen. Das Rekrutierungszentrum - dort erfolgt die Masse der Tests - ist auch das Hauptzentrum für Fliegerpsychologie in Schweden, das auf die Auswahlabteilung der Luftstreitkräfte aus dem Jahr 1944 zurückgeht.

Das Rekrutierungszentrum koordiniert alle Rekrutierungsaktivitäten und strebt ein jährliches Minimum von 3 000 Bewerbern für die Offiziersausbildung an - ein Ziel war es, den Offiziersberuf bei jungen Schweden unter die "Top ten" der beliebtesten Berufe zu bringen. Unter diesen 3 000 sollen mindestens 500 Bewerber für die Ausbildung zum Piloten im Offiziersrang sein. Aus diesen 500 werden jeweils zehn Piloten für die Luftstreitkräfte (Flygvapnet) und fünf für das Hubschraubergeschwader der Landstreitkräfte ausgewählt.

Die Aufgaben der Auswahlabteilung

Die Auswahlabteilung hat u. a. folgende Aufgaben:

- Sie ist verantwortlich für das Testen und die Auswahl von Piloten für die Streitkräfte sowie generell für das Selektionsverfahren in den Streitkräften. Das Auswahlverfahren schließt alle Besatzungsmitglieder ein.

- Sie führt die Folgeuntersuchungen aller von der Auswahlkommission genehmigten Kandidaten durch. Für künftige Piloten im Offiziersrang erstrecken sich diese Untersuchungen über vier Ausbildungsjahre.

- Sie führt Tests für die Militärakademie durch.

- Sie unterstützt die Kommanden mit Fachkompetenz und Eignungstests zur Auswahl von Kommandanten.

- Sie evaluiert und entwickelt Auswahlmethoden und Testverfahren ständig weiter.

- Sie unterstützt auch die Auswahl von Piloten für die Fliegerschule an der Universität Lund sowie für die Polizei und die Küstenwache.

Dieser Beitrag behandelt nur den Pilotenauswahlprozess für die schwedischen Luftstreitkräfte.

Das Auswahlverfahren

Die Pilotenauswahl in den schwedischen Streitkräften basiert auf einem schrittweisen Verfahren, das für Pilotenanwärter der Luftstreitkräfte fünf Tage in Anspruch nimmt. In den ersten beiden Tagen erfolgt die psychologische Testung. Besteht der Kandidat diese, wird er drei Tage lang medizinischen Untersuchungen unterzogen. Die Bewerber, die diese fünf Tage mit ausreichenden Ergebnissen absolvieren, werden für das Pilotenausbildungsprogramm gereiht.

Dieses Ausbildungsprogramm beginnt mit zwei Jahren allgemeiner Offiziersausbildung an der Militärakademie. Im zweiten Jahr erfolgt der Einstieg in die Flugausbildung. Diese frühe Flugausbildungsphase ist nicht mehr Teil des Kandidatenauswahlverfahrens! Bei der Pilotenausbildung in den schwedischen Luftstreitkräften sehen die Ausbilder ihre Hauptaufgabe darin, ihre Schüler zu unterrichten und niemanden auszuscheiden, der anfängliche Lernschwierigkeiten hat. Besondere Merkmale sind dabei das möglichst stressfreie Heranführen der Schüler an das Fliegen, die Stärkung des Selbstvertrauens und Hilfestellung an Stelle eines negativen Selektionsverfahrens. Ein anderes wichtiges Merkmal ist ein stehender Kader an Fluglehrern. Seit 1987 erfolgt die Grundflugausbildung von Anfang an auf Übungsjets.

Bevor ein Bewerber überhaupt auf Pilotentauglichkeit getestet wird, müssen gewisse körperliche Voraussetzungen - Alter, Größe, Gewicht, Sehvermögen u. a. - ebenso erfüllt sein, wie geistige Voraussetzungen in Bezug auf Bildung und Leistung in der militärischen Ausbildung. In Schweden müssen alle waffenfähigen Männer zwischen 18 und 47 Jahren Wehrdienst leisten. Jeder junge Mann wird in dem Jahr, in dem er sein 18. Lebensjahr vollendet, durch die Ergänzungsabteilung zur Stellung einberufen. Die Stellung dauert zwei Tage und umfasst psychologische und physische Tests. Aufgrund der Resultate wird dem Betreffenden ein entsprechender (Ausbildungs)Platz für die Grundausbildung zugewiesen. Wer die Voraussetzungen für die Ausbildung zum Offizier mitbringt und den Grundwehrdienst mit ausreichenden Ergebnissen absolviert, ist für das Pilotenauswahlverfahren qualifiziert.

Der erste Tag

Am ersten Tag der Testung erfolgt ein etwa sechsstündiger Gruppentest. (Um den Anforderungen der modernen Hochleistungsluftfahrzeuge gerecht zu werden, wurden in den letzen zwei bis drei Jahren die Tests schrittweise adaptiert. Derzeit ist Schweden dabei, ein neues, vollcomputerisiertes Testverfahren einzuführen und den schwedischen Gegebenheiten anzupassen.) In zehn Bereichstests wird dabei das logische und räumliche Denkvermögen sowie das sprachliche Verständnis ermittelt. Dieser Teil ist für alle Kandidaten verpflichtend, die sich um die Zulassung zur Militärakademie, inklusive der Pilotenausbildung, bewerben. Die Pilotenanwärter werden jedoch darüber hinaus weiteren Tests zur Ermittlung des räumlichen Orientierungsvermögens, des Kurzzeitgedächtnisses, der psychomotorischen Koordination und des Informationsverarbeitungsvermögens unterzogen.

Ziel dieses ersten Tages ist das Herausfiltern all jener, die aufgrund ausreichender Fähigkeiten als Kandidaten für die Flugausbildung in Frage kommen (Positivauslese). Zu diesem Zeitpunkt sollen sie in allen bewerteten Bereichen zumindest durchschnittliche Ergebnisse aufweisen. Zusätzlich lässt sich aus den Ausbildungs- und Stellungsergebnissen die Fähigkeit zu geistigen Leistungen ablesen. Am Ende des Tages beurteilen Psychologen die Testergebnisse. Hat der Bewerber bei diesen Tests ausreichend gut abgeschnitten, wird er zur nächsten Phase eingeladen. Die Tests des ersten Tages schaffen etwa 60 Prozent der Bewerber.

Der zweite Tag

Am zweiten Tag erfolgt der individuelle Teil des Testverfahrens. Dieser beginnt mit der Überprüfung der psychomotorischen Fähigkeiten in einem (simulierten) Umfeld mit steigender Arbeitsbelastung. Ferner wird der Kandidat einem Computertest zur Überprüfung seiner Fähigkeiten zur Bewältigung von Mehrfachaufgaben unterzogen. Dabei werden hohe Anforderungen an Geschwindigkeit und Treffsicherheit sowie Wachsamkeit und Situationserfassung gestellt. Mittels eines auf Geschwindigkeit hin angelegten Additionsreihentests werden die Ausdauer, die Panikresistenz und die Konzentrationsfähigkeit unter Stress geprüft.

An diesem zweiten Tag führt ein Psychologe mit dem Bewerber ein Gespräch, um eine Persönlichkeitsanalyse zu erstellen und so zu einer richtigen Beurteilung des Bewerbers zu gelangen. Dieses Gespräch sowie das gesamte Auswahlverfahren sind auf eine dynamische Gesamtbeurteilung des Bewerbers ausgerichtet. Die Testergebnisse zeigen, ob der Bewerber die erforderlichen Fähigkeiten besitzt, auch wenn ihn dies allein noch nicht qualifiziert. Es muss sichergestellt sein, dass der Bewerber seine Fähigkeiten auch entsprechend umsetzen kann. Die charakterliche Eignung, die letztlich darüber Aufschluss gibt, wann und wie der Bewerber seine Fähigkeiten unter spezifischen Voraussetzungen einzusetzen vermag, ist für die Pilotenauswahl von größter Bedeutung.

Das Gespräch mit dem Psychologen richtet sich auf bisherige Erfahrungen des Bewerbers und dient der Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen, wie z. B.

- der Motivation, - der Arbeitsauffassung, - der sozialen Kompetenz, - der Stressbewältigung und - der emotionalen Stabilität.

Am zweiten Testtag führt auch ein Pilot im Offiziersrang mit dem Bewerber ein Gespräch. Das soll einerseits Aufschluss über die berufliche Eignung des Kandidaten geben und andererseits dem Kandidaten die Gelegenheit bieten, selbst mit einem aktiven Piloten zu sprechen und berufsspezifische Fragen zu stellen. Die dafür vorgesehenen Piloten im Offiziersrang erhalten eine kurze Schulung in der Technik des Fragenstellens und dem Extrahieren von Informationen, um auf Basis ihrer eigenen Erfahrung zu einer Beurteilung zu gelangen. Dies ist auch für die Psychologen wichtig, die dadurch während des Auswahlverfahrens über die berufliche Praxis in den Geschwadern und über die Anforderungen, die an Kampfpiloten gestellt werden, auf dem Laufenden gehalten werden.

Der zweite Tag schließt für die Bewerber mit dem "Defence Mechanism Test" (Abwehrmechanismustest - DMT) ab, einer Methode zur Erstellung einer Persönlichkeitsanalyse. Mittels des DMT werden in erster Linie die individuellen Abwehrstrukturen ermittelt, und zwar gemäß der klassischen Lehre vom psychoanalytischen Abwehrverhalten und seiner Manifestation als Folge sequenzieller visueller Stimulation (Bildreize usw.). Bei diesem Test, der von erfahrenen Psychologen durchgeführt wird, muss der Bewerber seine Beobachtungen sowohl verbal als auch mittels einfacher Zeichnungen wiedergeben. Seine Antworten werden an Hand der sequentiellen Abweichungen vom Bildmotiv von der ersten bis zur letzten Darstellung analysiert. Dabei lassen sich einige Abweichungen als Anzeichen für unterbewusste Abwehrreaktionen interpretieren.

Der DMT wurde in den späten fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts von Professor Ulf Krag und seinen Kollegen an der Universität Lund (Schweden) entwickelt. In den sechziger Jahren wurde er von Dr. Thomas Neumann für die Pilotenauswahl der schwedischen Luftstreitkräfte adaptiert. Dort wurde er 1975 eingeführt und wird bis heute verwendet. Derzeit ist er allerdings nur mehr einer von vielen verschiedenen Tests, und bei weitem nicht mehr so bedeutend wie früher.

Nach der Testung findet noch am selben Tag eine Vorauswahlbesprechung von Psychologen und aktiven Piloten statt, bei der alle Daten der Bewerber und die gewonnenen Eindrücke einfließen, um zu einer Beurteilung und Zwischenreihung zu gelangen.

Die Auswahlkommission

An einer von einem aktiven Piloten geleiteten abschließenden Sitzung der Auswahlkommission, in der u. a. alle medizinischen Ergebnisse für die Endreihung zusammengefasst werden, nehmen auch Mediziner der Luftstreitkräfte teil. So kommen medizinisches und militärisches Personal sowie Psychologen zu einer fundierten gemeinsamen Entscheidung über die Pilotenkandidaten. Die erstellte Prognose hat mindestens vier bis fünf Jahre Gültigkeit und bezieht sich nicht allein auf das Potenzial des Bewerbers, die Basisausbildung zu bestehen.

Um mehr über das zukünftige Umfeld und das Ausbildungsklima der Kandidaten zu erfahren, aber auch um sich über die an die Kandidaten gestellten Anforderungen zu informieren, führen Psychologen während der gesamten vier Ausbildungsjahre Folgeuntersuchungen durch. Sie treffen sich mit den Bewerbern sowohl während der Basisausbildung als auch später während des Dienstes im Geschwader. Dies ist ein wichtiger Faktor des Auswahlverfahrens, weil insbesondere "draußen" in den Geschwadern Einsichten hinsichtlich der Eignung jedes Einzelnen gewonnen und damit die (u. a. für eine mögliche Anpassung der Eignungsüberprüfung wichtigen) Rahmenbedingungen festgelegt werden können. Ebenfalls als wichtig hat sich erwiesen, den ständigen Kontakt mit den jungen Auszubildenden zu halten, einerseits, um sie besser kennen zu lernen und andererseits, um ihnen einen Ansprechpartner zu geben, mit dem sie über Angelegenheiten sprechen können, die sie mit ihren Kameraden oder Ausbildern nicht besprechen wollen.

Die Effizienz

Wie treffsicher ist nun das schwedische Auswahlsystem? Traditionell bewertet man die Treffsicherheit/Zuverlässigkeit eines Auswahlverfahrens über das Verhältnis der Anzahl jener, die das Auswahlverfahren bestanden haben, zur Anzahl jener, die die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben (Korrelationsfaktor). Diese Verhältniszahl lässt jedoch nur bedingt eine Bewertung des Auswahlverfahrens zu.

Carlstedt und Widén untersuchten die Effizienz des übergreifenden Auswahl- und Ausbildungssystems der schwedischen Luftstreitkräfte, indem sie bis Ende 1999, also über den Zeitraum von zehn bis 18 Jahren, die Ausfallsrate bei den 17 Pilotengruppen überprüften, die von Mitte 1982 bis Ende 1990 ausgebildet wurden. (Pro Jahr begannen damals zwei Gruppen die Ausbildung.) Hunter und Burke veröffentlichten 1992 eine Analyse der Pilotenauswahl für den Zeitraum von 1920 bis 1990. Sie belegten, dass Ende der achtziger Jahre ein geringerer Prozentsatz der Zugelassenen die Ausbildung bestand als in den Jahren zuvor. Es gibt jedoch keinen einsichtigen Grund anzunehmen, das Auswahlverfahren wäre schlechter geworden. Die Ursache für den geringeren Prozentsatz könnte in der geringeren Auswahlmöglichkeit liegen. (Nehmen wir an, im Jahr X müssen aus 1 000 getesteten Bewerbern die bestgeeigneten 15 ermittelt werden und im Jahr Y ebenso viele aus nur mehr 100 Bewerbern. Obwohl das Auswahlsystem effizient arbeitet, sinkt das Niveau und steigt die Ausscheidungsrate während der Ausbildung.) Auch wenn die Ausbildung in den Schwedischen Luftstreitkräften nicht darauf abzielt, Kandidaten auszuscheiden, ist demnach eine gewisse Ausscheidungsrate unvermeidlich. Der Grund dafür muss aber keineswegs "mangelnde Eignung" sein. Jeder, der z. B. aufgrund eines Unfalls, der nichts mit dem Dienst zu tun hat, die Ausbildung abbrechen muss, "verfälscht" das Vergleichsergebnis. Ebenso jeder, der z. B. aus finanziellen Gründen auf die Zivilpilotenlaufbahn umsteigt.

Weil das Auswahlverfahren während der ersten Ausbildungsphasen fortgesetzt wird, ist es auch unmöglich, die Resultate der Auswahl von jenen der Ausbildung klar zu trennen. Das macht eine zuverlässige Bewertbarkeit der Selektionsmittel nahezu unmöglich.

Deshalb sollte nicht nur das Verhältnis der Test- und Ausbildungsergebnisse als Bewertungsmaßstab herangezogen werden. Zielführender ist es, Auswahl und Ausbildung als einheitliches Produktionssystem zu betrachten.

Dazu ein Beispiel, das die realen Größenordnungen sehr gut widerspiegelt: die Effizienz des Auswahl- und Ausbildungssystems für Kampfpiloten der schwedischen Luftstreitkräfte zwischen 1982 und 1989. Die Gesamtzahl der zur Flugausbildung Zugelassenen betrug 283. Die Ausscheidungsrate während der dreieinhalbjährigen Pilotenausbildung lag bei 16,6 Prozent. Von den 283 zur Grundflugausbildung zugelassenen Bewerbern absolvierten 236 (83 Prozent) auch die Grundausbildung Taktik, die Einführung in Kampfflugzeuge u. ä. und wurden als Piloten auf den Kampfflugzeugen "Viggen" oder "Gripen" ausgebildet. Von diesen Piloten wurden zwei vom Flugdienst suspendiert, vier schieden auf eigenen Wunsch aus, zwei kamen bei Abstürzen ums Leben, einer starb bei einem Unfall am Boden und 51 Piloten wechselten zu zivilen Fluglinien. 176 Piloten (62 Prozent) wurden demnach als Piloten bei den Luftstreitkräften eingesetzt und haben heute elf bis 19 Jahre Einsatzerfahrung.

Zwischen 1982 und 1990 bestanden 92 Prozent der Anwärter, die zur Pilotenausbildung zugelassen wurden, die Grundflugausbildung ohne vorherige Flugerfahrung. Das war nicht immer so.

Von 1975 bis 1977 haben - nach einer ähnlichen Studie - lediglich 48 Prozent der zugelassenen Flugschüler die Ausbildung bestanden. Wäre im Ausbildungszeitraum von 1970 bis 1972 dasselbe Auswahlverfahren angewendet worden wie von 1975 bis 1977, hätten (hochgerechnet) ebenfalls 48 Prozent der Auszubildenden die Ausbildung bestanden. Die entsprechenden Zahlen für den Zeitraum von 1967 bis 1969 liegen bei nur 39 Prozent der zur Ausbildung Zugelassenen.

Demnach ist die Effizienz des schwedischen Pilotenausbildungssystems in den letzten Jahrzehnten ständig gestiegen. Und die Effizienz des Auswahl- und Ausbildungssystems ist derzeit sehr hoch! Mögliche Faktoren dafür sind folgende:

- Die Motivation, den nötigen Voraussetzungen für eine Bewerbung zur Pilotenausbildung zu entsprechen, ist in der Bevölkerung sehr hoch.

- Ein sukzessives Ausscheiden von Bewerbern erfolgt nach den durch validierte psychologische Tests ermittelten Grenzlinien.

- In der Pilotenauswahl sehr erfahrene Psychologen erstellen eine Reihung hinsichtlich der psychologischen Eignung und führen bei den zugelassenen Kandidaten permanent Folgeuntersuchungen durch.

- Die Ausbildungsphilosophie der schwedischen Luftstreitkräfte sieht während der Ausbildung keine Kandidatenausscheidung vor, und der ständige Lehrkader ist bemüht, in der Ausbildung schon frühzeitig ein möglichst stressfreies Umfeld zu schaffen.

Wie wird es weitergehen?

Derzeit zeigen sich im schwedischen Pilotenauswahlverfahren zwei interessante Entwicklungen:

- Es wird anscheinend immer wichtiger, die Ausbildungssituation und die Arbeitsbedingungen der künftigen Piloten mehr an die spezifischen Erfordernisse und Eigenschaften jedes einzelnen Bewerbers anzupassen.

- Vor allem junge, in anderen Bereichen bereits gut ausgebildete Leute wollen als Piloten im Offiziersrang dienen.

Gibt es nun Möglichkeiten, sich besser um diese talentierten Leute zu kümmern, die über hohe Fähigkeiten, Kreativität und Qualifikation verfügen?

Kann Unterforderung, d. h. das Fehlen von Möglichkeiten, das ganze Spektrum der eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, vermieden werden? Auf lange Sicht führt dies nämlich unweigerlich zum Ausstieg aus dem System.

Können die im Auswahlverfahren gesammelten Informationen besser verwertet werden und den Ausbildern Anleitungen zu den spezifischen Bedürfnissen und Profilen der einzelnen Kandidaten in die Hand gegeben werden?

Folgeuntersuchungen werden daher in Zukunft noch wichtiger werden, um regelmäßig Informationen über das System zu erhalten und - umgekehrt - um dem System Informationen zuzuführen.

Ein weiterer interessanter Aspekt für die zukünftige Forschung wäre die klare Festlegung jener Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, die Piloten nicht haben sollten. Offensichtlich werden diese de facto bei Aufnahmeentscheidungen bereits berücksichtigt. Bisher wurden in Schweden bei der Festlegung der Voraussetzungen aber nur Listen der erwünschten Charaktereigenschaften erstellt. Möglicherweise könnten auch Untersuchungen, die sich auf unerwünschte Wesenszüge konzentrieren, erfolgen.

___________________________________ ___________________________________ Quellen:

Carlstedt, L. und Widén, H.; Swedish Air Force Selection and Training Systems. Evaluation of the SAF selection and training system 1982 - 1990. In: International Journal of Aviation Psychology, 2000.

Hogan, R. und Roberts, B. W.; Personality measurement and employment decisions. In: American Psychologist, Nr. 51, S. 469 - 477, 1996.

Hunter, D. R. und Burke, E. F.; Meta-Analysis of Aircraft Pilot Selection Measures, United States Army Research Institute for the Behavioral and Social Sciences. ARI Research Note, S. 91 - 52, 1994.

Kragh, U.; The Defense Mechanism Test: A new method for diagnosis and personnel selection. In: Journal of Applied Psychology, Nr. 44, S. 303 - 309, 1960.

Neuman, T.; Dimensionering och validering av percept-genesens försvarsmekanismer. En hierarkisk analys av pilotens stressbeteende. FOA Rapport C55020-H6, 1978.

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Auf einen Blick

Das Auswahlverfahren für Militärpiloten findet in mehreren Stufen statt und erfolgt vorwiegend im Rekrutierungszentrum. Am ersten Testtag absolvieren die Bewerber mehrere Gruppentests am Computer. Nur wenn die Ergebnisse dieser Tests auf die erforderlichen Fähigkeiten hinweisen, wird der Bewerber zum zweiten Testtag zugelassen. An diesem erfolgen Einzeltests und, am Ende des Tages, Gespräche mit einem Psychologen und einem Piloten im Offiziersrang. Dabei berücksichtigt der Psychologe alle gewonnen Informationen über den Bewerber, fasst sie zusammen und legt sie einer Auswahlkommission vor. Diese erstellt daraus eine Reihung hinsichtlich der psychologischen Eignung.

Die von der Kommission zugelassenen Bewerber werden nun in weiterer Folge medizinischen Tests unterzogen. Einmal jährlich tritt eine Auswahlkommission von Psychologen, medizinischem Personal der Luftstreitkräfte und Piloten im Offiziersrang zusammen. Diese entscheiden gemeinsam über die Jahresreihung. Auswahl und Ausbildung sind eng miteinander verbunden. Psychologen führen in jeder Ausbildungsphase Folgeuntersuchungen durch, um vom System ständig Informationen zu erhalten und vice versa das System zu informieren. So ist man über die Fortschritte jedes Einzelnen und die Anforderungen in der Ausbildung stets im Bilde. Die Ausfallsrate während der Ausbildung ist sehr gering, vor allem aufgrund - des sorgfältigen Auswahlverfahrens der Kandidaten, das den Einzelnen aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln in einer umfassenden Gesamtsicht zeigt, und - der Ausbildungsphilosophie, die auf Unterstützung statt auf Negativauswahl ausgerichtet ist.

___________________________________ ___________________________________ Autoren: Major Björn Sverin, Pilot der schwedischen Luftstreitkräfte seit 1967, fünf Jahre Staffelkommandant, seit 1997 Leiter der Auswahlabteilung des Rekrutierungszentrums der schwedischen Streitkräfte.

Leif Engman, Psychologiediplom 1985, Luftfahrtspezialist, seit 1997 im Personalamt/Rekrutierungszentrum.

Margareta Hjelmqvist, Psychologiediplom 1979, Luftfahrtspezialistin, seit 1987 im Personalamt/Rekrutierungszentrum.

Gunella Sundqvist, Psychologiediplom 1994, seit 1999 im Personalamt/Rekrutierungszentrum.

Die Grundlage dieses Beitrages bildete ein Vortrag von Major Sverin, gehalten bei der Konferenz der "International Military Testing Association" (IMTA) vom 7. bis 9. November 2000 in Edinburgh (Schottland).

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