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Die Handkarte

Die meisten kennen das Problem: Das (Übungs-) Gefecht tobt, von allen Seiten prasseln Meldungen und Lageinformationen auf den Kommandanten ein. Der übergeordnete Kommandant ist am Funk. Man versucht, dessen Lageinformationen und Befehle auf der Karte mitzuverfolgen und eventuell auch noch etwas einzuzeichnen.

Die Karte ist jedoch mit mehreren Folien beklebt (Plan der Durchführung, Zielpunktplan, verbandseigenen Hilfsmitteln etc.). Der passende Folienstift versteckt sich in der Falte irgendeiner Tasche. Durch den Wind löst sich schon einmal die Zielpunktoleate und fliegt davon, und zu allem Überfluss hängt der Bataillonskommandant seine nächsten Befehle ausgerechnet an den Inhalten der Zielpunktoleate an. Noch schwieriger wird es, wenn all dies auf einem Panzerfahrzeug (oder in einem sonstigen Kraftfahrzeug) während der Fahrt geschieht ... Stress pur!

Sehr viele Leser haben wahrscheinlich eine ähnliche Situation während eines Übungsablaufes schon erlebt.

Eines der wichtigsten Führungsmittel im Gefecht ist eine sorgfältig vorbereitete und aufbereitete Handkarte. Das Problem ist meist nur, dass eine Handkarte zusätzlich zur Darstellung des Geländes sehr viele Zusatzinformationen aufnehmen muss. Dies sind primär die wichtigsten Informationen über den Plan der Durchführung und den Zielpunktplan. Aber auch ein System, um im Gefecht Geländebezeichnungen, den eigenen Standpunkt, Steilfeuerbedarf etc. rasch und mit einem gewissen Schutz des Nachrichteninhaltes über Funk durchgeben zu können, erscheint zweckmäßig.

Natürlich haben sich im Lauf der Zeit im Österreichischen Bundesheer verschiedene, mehr oder weniger praktikable Möglichkeiten herauskristallisiert. Dieser Wildwuchs ergibt sich daraus, dass es im Bundesheer keine einheitliche Regelung zur Erstellung bzw. für die Inhalte einer Handkarte gibt.

Welchen Erfordernissen sollte eine Handkarte gerecht werden?

- Sie sollte klein und handlich sein sowie - trotz vieler Zusatzinformationen - eine gewisse Übersichtlichkeit bieten.

- Vor allem für die Aufklärungstruppe und die Panzergrenadiertruppe sollte sie sowohl für den aufgesessenen als auch für den abgesessenen Kampf tauglich sein.

- Sie muss groß genug sein, um den gesamten Gefechtsstreifen in seiner Breite und Tiefe abdecken zu können, aber sie sollte auch dementsprechend faltbar sein, um sie in die Schenkeltasche stecken zu können.

- Weiters sollte sie die Möglichkeit bieten, rasch und ohne viel Aufwand etwas in die Karte einzuzeichnen (Plan der Durchführung, erkannten Feind, erkannte Sperren etc.). Das Eingezeichnete sollte ohne viel Aufwand wieder entfernt werden können. Die im Österreichischen Bundesheer großteils praktizierte Lösung des Eintragens mit Hilfe von Folienstiften entspricht dabei nicht ganz den Forderungen an ein effizientes Arbeiten.

Auch wenn natürlich jeder Kommandant seinen persönlichen Arbeitsstil hat, so erscheint es doch erstrebenswert, ein einheitliches System für die Erstellung und Führung einer Handkarte zu entwickeln. In diesem Beitrag wird ein System vorgestellt, nach dem in der deutschen Bundeswehr Handkarten für die jeweilige Führungsebene erstellt werden.

Ein Lösungsvorschlag

Benötigtes Material zur Erstellung einer Handkarte:

- Klebeband; - Textmarker (nur gelb und blau); - Taktikschablone; - Bleistift (möglichst weich).

Um die Karte wasserdicht zu machen, empfiehlt es sich, die Karte in eine spezielle Klebefolie einzuschlagen, auf der auch mit Bleistift geschrieben sowie das Geschriebene bei Bedarf auch wieder ausradiert werden kann.

Informationen zu dieser Folie (Bezugsquelle, Muster, Kosten etc.) bietet der Autor.

Sollte so eine Folie nicht zur Verfügung stehen, ist es besser, die Karte nicht in eine herkömmliche Folie einzuschlagen. Die Gefahr, dass die Karte nass wird, muss in Kauf genommen werden.

Fünf Schritte zur Handkarte

1. Schritt

Im ersten Schritt sind die Karten zusammenzukleben und so zu falten, dass die für die Lage relevanten Inhalte sichtbar sind. Durch das Falten ergibt sich natürlich wieder das Problem, dass die Karte zu voluminös wird, um sie auf einem Panzerfahrzeug, in einem Kraftfahrzeug bzw. zu Fuß friktionsfrei handhaben zu können. Dem könnte einfach dadurch begegnet werden, dass der gewünschte bzw. benötigte Kartenausschnitt einfach ausgeschnitten wird.

2. Schritt

Im zweiten Schritt werden die Orts- und Geländebezeichnungen mit einem gelben Textmarker markiert, damit sich diese besser vom Karteninhalt abheben und leichter auffindbar und lesbar sind.

3. Schritt

Als nächstes werden die Nummerierungen der Gitterquadrate ebenfalls mit einem gelben Textmarker markiert.

Die für die Einsatzführung relevanten Gewässerhindernisse werden mit einem blauen Textmarker hervorgehoben. Die Hervorhebung der Gewässer sollte eher "zart" vorgenommen werden, um die Lesbarkeit der Karte nicht nachhaltig zu beeinträchtigen. Weiters wird jetzt die Geländetaufe auf der Karte eingetragen. (Wenn die Karte in eine mit Bleistift beschreibbare Folie eingeschlagen ist, wird die Geländetaufe auf der Folie eingetragen).

4. Schritt

In diesem Schritt werden die Bezugspunkte eingezeichnet. Diese Bezugspunkte dienen dazu, Orts- und Geländeangaben mit einem gewissen Schutz des Nachrichteninhaltes rasch und effizient durchzugeben. Diese Bezugspunkte werden z. B. im Bataillonsbefehl unter Punkt 5 "Führungsunterstützung" befohlen, in einem Abstand von 5 bis 7 Gitterquadraten zueinander.

Der Bezugspunkt selbst dient dann als Nullpunkt eines Koordinatensystems, und alles, was sich rechts und oberhalb befindet, wird als plus und alles was sich links und unterhalb befindet, als minus angesprochen.

Die Lagemeldung eines Kompaniekommandanten könnte beispielsweise lauten: "Donnerschlag von Möwe: Eigener Standpunkt: Alpha plus drei-sieben, plus eins-sieben." (Drei-sieben bedeutet: 3,7 Gitterquadrate nach rechts; Anm.) oder "Donnerschlag von Möwe: Eigener Standpunkt: Alpha plus zwo-acht, minus null-drei." 5. Schritt

Auf Basis der nach Schritt 1 bis 4 erstellten Handkarte können nun die für die Einsatzführung wichtigen Daten eingetragen werden. Dies sind die wichtigsten Elemente des Plans der Durchführung, die Zielpunkte, geplante Gefechtsformen, gegebenenfalls vorhandene bzw. geplante Sperren, Angaben über Feindkräfte, die Planung des Steilfeuers etc.

Schlussbemerkung Was der Kommandant letztlich in seine Handkarte einträgt, bleibt ihm überlassen und ist vorrangig abhängig vom persönlichen Arbeitsstil. Bewährt hat sich jedoch, wenn nicht nur der Kommandant allein seine Handkarte führt, sondern eine zweite Person dies ebenfalls macht, um z. B. in Gefechtspausen ein gegenseitiges Update durchführen zu können. Dies könnte auf Kompanieebene der Kommandogruppenkommandant sein.

___________________________________ ___________________________________ Autor: Hauptmann Bernhard Richter, Jahrgang 1969. Nach der Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie Ausmusterung 1997 zum Panzergrenadierbataillon 13; Verwendung als Zugs- und Kompaniekommandant. Ab 2002 Lehroffizier Panzergrenadier an der Panzertruppenschule. Auslandseinsatz 1989 UNFICYP und 2001 als stellvertretender Kompaniekommandant einer gepanzerten Jägerkompanie bei der Task Force Dulje/KFOR.

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