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Tragtiere im Einsatz

Einsätze von Tragtieren in der heutigen Zeit sind nicht mehr mit jenen im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen. Es wird aber auch in zukünftigen Szenarien einen Bedarf an Tragtieren geben, vor allem, weil mögliche sicherheitspolitische Konfliktzonen auch in gebirgigen Regionen liegen können.

Das Pferd und seine Verwendung im Militärwesen ist eng mit der Geschichte vieler Völker verbunden. In den bedeutenden Kriegen des Altertums und des Mittelalters stellten Pferde zeitweilig den wirksamsten und entscheidenden Waffenträger der Heere dar und entschieden damit das Schicksal von Völkern oder Staaten. Im Zweiten Weltkrieg leisteten Pferde "nur" noch Hilfs- und Versorgungsdienste, wobei rund sieben Millionen Pferde in den Streitkräften der unmittelbar am Kriegsgeschehen beteiligten Staaten eingesetzt waren.

Entwicklung der Kavallerie im 19. und 20. Jahrhundert In den großen europäischen Ländern - Österreich ausgenommen - nahm die Anzahl der Kavallerieregimenter von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zu. Und das, obwohl der Fortschritt in der Produktion, Weiterentwicklung und Verbesserung der Schusswaffen zu einer immer beschränkteren Einsatzmöglichkeit für die Kavallerie führte. Trotzdem blieb die Kavallerie eine brauchbare Waffengattung, vor allem dann, wenn es um die Beweglichkeit im Gefecht ging.

"Als nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Fronten in ständiger Bewegung waren, brachte der Einsatz der Kavallerie anfangs trotzdem noch Erfolge. In dem Maße, wie die Fronten erstarrten und der Stellungskrieg einsetzte, kosteten Kavallerieattacken jedoch zunehmend hohe Verluste", schrieb dazu der DDR-Schriftsteller Karlheinz Gleß in seinem Buch "Das Pferd im Militärwesen" (Militärverlag der DDR, Berlin 1989).

Trotz der weiter fortschreitenden Entwicklung der Waffentechnik und der Einführung von Panzerverbänden gab es auch nach dem Ersten Weltkrieg noch Kavallerieverbände in den verschiedenen Armeen. Selbst das deutsche Heer hatte noch Dragoner, Jäger zu Pferde etc., die etwa ab 1935 unter dem Einheitsbegriff "Reiterei" zusammengefasst wurden. In England, aber auch in den anderen europäischen Heeren, vermischte man zur damaligen Zeit die Kavallerie mit motorisierten Waffengattungen und Panzerverbänden. In Frankreich wurden den Reiterregimentern motorisierte Infanterieverbände beigegeben und in Deutschland wurden der Kavalleriedivision motorisierte Pioniere, reitende Artillerie und Panzer unterstellt. Die polnische Armee verfügte über eine zahlenmäßig starke "reine" Kavallerie. Selbst in der Roten Armee maß man Kavallerieverbänden eine gewisse Bedeutung zu, verwendete diese aber aufgrund der im Bürgerkrieg gesammelten Erfahrungen vorrangig im Grenzdienst.

Karlheinz Gleß meint dazu: "… doch bereits während der ersten Wochen des Zweiten Weltkrieges bestätigte sich, dass Reiterei den in Front vorstoßenden motorisierten und gepanzerten Einheiten sowie der Luftwaffe in keiner Weise gewachsen war. Deshalb begrenzte man den Einsatz der Pferde auf Tragtiere bei den Gebirgstruppen und als Zugkraft für Gespanndienste (Artillerie, Bagage, Sanitätstruppen) sowie auch auf Meldereiter."

Die deutschen Gebirgsverbände und ihre Tragtiere

Bereits während des Ersten Weltkrieges und in der Zwischenkriegszeit hatte sich gezeigt, dass der Gebirgsjäger überall dort auf das Tragtier angewiesen war, wo eine Bewegung mit Fahrzeugen unmöglich wurde. Bereits mit Beginn des Zweiten Weltkrieges waren die drei zuvor aufgestellten Gebirgsdivisionen mit Tragtieren ausgestattet worden, wobei die 1. Gebirgsdivision über Maultiere verfügte und die beiden anderen Divisionen über Tragpferde. Neben den Tragtieren fanden auch Haflinger als Begleitpferde Verwendung, da sie reiterlich besser geeignet waren.

Im August 1942 wurde das Gebirgs-Armeekorps zum Durchstoß durch den Hochkaukasus angesetzt. Dafür wurden 4 000 bis 5 000 Panjepferde mit Behelfssätteln zu Tragtiereinheiten formiert. So konnten die Hochpässe genommen werden. Dass der Durchstoß dennoch scheiterte, lag zumindest nicht an den Tragtieren, sondern an den fehlenden Nachschubeinrichtungen.

Pferde auf den Kriegschauplätzen des 20. und 21. Jahrhunderts

Afghanistan

Der größte Verbündete der Mujaheddin im Kampf gegen die mit ihren Panzern angreifenden sowjetischen Besatzer war die öde, wüste und gebirgige Landschaft Afghanistans. Von ihren Stützpunkten in den Bergen aus griffen sie immer wieder Versorgungslinien und Kommunikationseinrichtungen der sowjetischen Truppen an. Zu diesen Angriffen, Überfällen und Hinterhalten waren sie hauptsächlich dank ihrer Ponys und Pferde in der Lage. Diese ermöglichten es den Freiheitskämpfern, im schwierigen Gelände jene Beweglichkeit zu entfalten, die ihren "gepanzerten" Feinden versagt blieb.

Auch die Truppen der US Special Forces benützten im Zuge der Operation "ENDURING FREEDOM" Tragtiere, um damit ihre Ausrüstung zu transportieren, als sie im November 2001 mit Mitgliedern der Nordallianz zusammenarbeiteten.

Kosovo und Bosnien

In den Gebirgsgegenden des Kosovo und Bosniens spielten Pferde auch in jüngster Zeit eine Rolle. Jede Seite der Kriegsparteien setzte Reit- oder Packpferde ein, um Maschinengewehre, Granatwerfer, Munition und medizinische Versorgungsgüter über die steilen Bergpfade zu transportieren.

Ebenso hat die albanische Freischärlerorganisation UÇK ihren Nachschub aus Nordalbanien in das Kosovo auf Tragtieren organisiert.

Auch britische UNO-Truppen mussten in Bosnien zeitweilig auf Tragtiere zurückgreifen, wenn Fahrzeuge wegen zerstörter Straßen nicht mehr weiter kamen.

Das Tragtierwesen im Österreichischen Bundesheer

Nach der Aufstellung des Bundesheeres wurden im Jahre 1958 in den Garnisonen Saalfelden, Landeck und Spittal an der Drau Tragtierkompanien aufgestellt. In den Jahren 1959 bis 1962 wurden aus diesen Kompanien vier Züge ausgegliedert:

- ein Tragtierzug (TT-Zg) von Saalfelden nach Glasenbach; - ein TT-Zg von Landeck vorerst nach St. Johann/Tirol, später in die Wattener Lizum; - je ein TT-Zg von Spittal nach Villach und nach Lienz.

Aufgabe der Tragtierkompanien und ihrer Teileinheiten war die Versorgung der Hochgebirgsverbände bei Einsätzen und Übungen im Gebirge mit Waffen, Munition, Verpflegung sowie Mengenversorgungsgütern. Neben diesen Transportaufgaben kamen die Tragtierkompanien vor allem auf den hochgelegenen zivilen Baustellen und auch bei der Belieferung von Alpenvereinshütten und Alpengasthöfen zum Zwecke der Hilfeleistung im Rahmen der Ausbildung zum Einsatz.

Ihre hohe Leistungsfähigkeit stellten die Tragtierkompanien immer wieder unter Beweis. 1960 beeindruckte z. B. die Spittaler TT-Kompanie die österreichische Öffentlichkeit mit einem Marsch über das Torjoch in der Wattener Lizum. Zur Schulung von Soldaten und Pferden wurde in den Tragtierkompanien auch eine intensive Reitausbildung betrieben, was sich in einem hohen reiterischen Niveau und ausgezeichneten Leistungen von Bundesheer-Mannschaften bei internationalen Wettkämpfen niederschlug.

Nach der Auflösung der Tragtierkompanien in den Jahren 1971 und 1972 verblieben noch vier Tragtierzüge (heute Tragtierstaffeln) in den Standorten Hochfilzen, Landeck, Lienz und Spittal/Drau. Für die Aufzucht von Jungpferden wurde 1983 in Hochfilzen eine Remontenstation gebildet. (Remonte ist die Bezeichnung für ein Pferd, das sich noch in der Grundausbildung befindet, wobei im ersten Ausbildungsjahr das Longieren, Geradeausreiten und Zirkelreiten im Vordergrund stehen.) Die Tragtierstaffel in Hochfilzen wurde zur Ausbildungsstaffel umstrukturiert und bildet seither für die restlichen drei Staffeln die Jungpferde aus. Mitte August d. J. befanden sich 116 ausgebildete Tragtiere und 47 Remonten und Fohlen im Stand des Bundesheeres.

Einsatz von Tragtieren im Bundesheer heute

"Obwohl es anders scheinen mag, steht der Einsatz von Tragtieren nicht im Widerspruch zum gegenwärtigen Stand der technischen Entwicklung eines Heeres und der Umwelt. Gerade im Bereich der Alpenländer sind Tragtiere eine willkommene Unterstützung überall dort, wo der Technik aufgrund von Gelände, Witterungseinflüssen und anderen Einflüssen Grenzen gesetzt sind. Die Tragtiere übernehmen vielfältige Transportaufgaben und leisten dadurch einen hohen Beitrag zum Erhalten der Kampfkraft der unterstützten Truppen," schrieb Oberstleutnant dG Herbert Bauer 1990 in einem Beitrag für den TRUPPENDIENST.

Aufgaben der Tragtierstaffel im Einsatz

Angriff, Verteidigung, Verzögerungskampf

Die Tragtierstaffel ist in der Lage, die Truppe im Angriff von allen schweren Gerätschaften, die sie im Kampf und in der Bewegungsfreiheit einschränken, zu entlasten. Dadurch ermöglichen Tragtiere das überraschende Wirksamwerden von schweren Waffen im schwierigen Gelände. In der Verteidigung transportiert die Tragtierstaffel neben Waffen, Ausrüstungs- und Versorgungsgütern (z. B. Wasser) vor allem auch Geräte und Baumaterialien für den Stellungsbau. Im Verzögerungskampf unterstützt die Tragtierstaffel frühzeitig beim Abbrechen des Gefechtes im schwierigen Gelände sowie bei der Vorbereitung des Kampfes in der Tiefe.

Grenzraumüberwachung

Auch im Rahmen der Grenzraumüberwachung im Gebirge können Tragtiere eingesetzt werden, um z. B. die Versorgung von Beobachtungspunkten sicherzustellen.

Im Herbst 1994 wurden erstmalig Tragtiere im Rahmen des Assistenzeinsatzes zur berittenen Überwachung der Staatsgrenze eingesetzt. Vom Herbst 1994 bis zum Juni 1999 wurden die Tragtierstaffeln durchschnittlich zwei Mal pro Jahr für mindestens sechs Wochen zum Assistenzeinsatz an der österreichischen Ostgrenze herangezogen. Seit Sommer 2004 versehen die Tragtierstaffeln des Bundesheeres wieder Dienst an der Grenze.

Aufgaben im Frieden

Neben der Ausbildung sowie der Erhaltung der personellen und materiellen Einsatzbereitschaft steht bei den Tragtierstaffeln in Friedenszeiten die Teilnahme an Übungen der eigenen Verbände und Kompanien sowie das Wahrnehmen von Transport- und Versorgungsaufgaben im Vordergrund. Darüber hinaus kommen die Tragtiere auch bei Kaderkursen (z. B. Gebirgskampfkurs an der Jägerschule) regelmäßig zum Einsatz. Aufgrund internationaler Einsatzerfahrungen werden seit dem Jahr 2001 Tragtiere auch bei der Einsatzvorbereitung für die österreichischen KFOR-Kontingente (Force Integration Training) zu Ausbildungszwecken herangezogen, wobei speziell die Soldaten der gepanzerten Jägerkompanien im Umgang mit Tragtieren geschult werden.

Hilfeleistung im Rahmen der Ausbildung

Der modernen Technik zum Trotz erhalten Tragtierstaffeln immer wieder Anträge von zivilen Nutzern für Hilfeleistungen im Rahmen der Ausbildung. Als Antragsteller treten hier vor allem Pächter von Berghütten und Landwirte auf, die aufgrund verschärfter Umweltauflagen nicht mehr im erforderlichen Umfang auf das Transportmittel Hubschrauber zurückgreifen können.

Unterstützung bei Assistenzen

Die orkanartigen Stürme im Herbst 2002 haben im Bundesland Salzburg einen enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet. Zur Aufarbeitung dieser Sturmschäden waren vor allem im Lungau Pioniere des Bundesheeres eingesetzt. Trotzdem konnten bis heute noch nicht alle Schäden beseitigt werden, da sehr viele Gebiete nur schwer zugänglich sind. In einer derartigen Situation würde sich eine Unterstützung mit Tragtieren anbieten. Weiters können bei Katastrophenfällen, bei denen es durch Vermurungen zum Abschneiden einzelner Ortschaften kommt und die Wetterlage eine Versorgung aus der Luft nicht zulässt, Tragtiere rasch die Erstversorgung der isolierten Bevölkerungsteile sicherstellen.

Die Schweiz beschreitet diesen Weg schon seit längerem mit Erfolg. Für solche Einsätze sind dort Trainpferde (Tragtiere) grundsätzlich vorgesehen.

Tragtiere im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit

Bei einer Vielzahl von Veranstaltungen des Bundesheeres sind die Tragtierstaffeln dabei. Egal, wo die Haflinger des Bundesheeres mitwirken, sie sind überall Anziehungspunkt für Jung und Alt. Im Zuge der militärischen Öffentlichkeitsarbeit bilden unsere Tragtierstaffeln mit ihren Haflingerpferden ein Bindeglied zwischen Heer und Bevölkerung und sind damit ein unschätzbarer PR-Träger unseres Bundesheeres.

Einsatz von Tragtieren im vereinten Europa

Tragtiereinsatz und zukünftige Einsatzräume der EU

Möglichkeiten für den Einsatz von Tragtieren ergeben sich im so genannten "unteren Spektrum der Petersberg-Missionen". Tragtiereinsätze sind in Zukunft in Verbindung mit dem Einsatz von Truppen im schwierigen Gelände oder Gebirge zu sehen. Sie werden daher nur zusammen mit einer Mission von Infanterieverbänden im schwierigen oder hochalpinen Gelände bzw. Hochgebirge zustande kommen. Ein Tragtiereinsatz als österreichischer Beitrag zur Unterstützung von im Gebirge eingesetzten Partnernationen kann mithelfen, Kapazitätslücken zu schließen.

Da die EU den Bereich möglicher militärischer Interventionen mit einer definierten Distanz "ab Brüssel" abgesteckt hat (4 000 Kilometer, Einsatz in bzw. um Europa), kommen als potenzielle Einsatzräume neben Südosteuropa die Kaukasusregion, der Nahe Osten und gegebenenfalls der Mittlere Osten sowie der nordafrikanische Raum in Betracht. Hiebei zeichnen sich Gebirgsregionen - auch mit Hochgebirgsanteil - als mögliche Einsatzräume ab. Somit ist ein Einsatz von Jägerverbänden mit Hochgebirgsqualifikationen auch in Zukunft ziemlich wahrscheinlich.

Taktische Verfahren in "Steady State"-Szenarien

Einsätze zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, die unterhalb der Schwelle eines Kampfeinsatzes bleiben, können ein sehr weites Aufgabenfeld beinhalten; dabei ergeben sich bei folgenden taktischen Verfahren Einsatzspektren für Tragtiere:

- Einrichten und Betreiben von Checkpoints und Observation Posts (OPs); - Unterstützung bei der Crowd and Riot Control (CRC); - Schutz von Räumen und Einrichtungen (Lager, internationale Einrichtungen); - Kontrollieren von Grenzen.

Schutz von Räumen und Kontrollieren von Grenzen

Eine der Hauptaufgaben von Infanterieverbänden im Rahmen der "Steady State"-("Gleichgewicht"-)Szenarien wird der Schutz von Räumen sein. Diese werden, abgeleitet von möglichen zukünftigen Einsatzräumen, auch im schwierigen oder hochalpinen Gelände gelegen sein. Die Auftragserfüllung wird daher grundsätzlich durch die Überwachung des zugewiesenen Raumes erfolgen. Bei Bedarf kann der Auftrag auch den Schutz wichtiger Objekte, Transporte und Verbindungslinien beinhalten.

In einer Area of Responsibility (AOR) im Hochgebirge werden daher Lager und OPs festzulegen sein, die durch die Truppe permanent besetzt werden. Bereits beim Beziehen und beim Errichten der Lager und OPs wird es notwendig sein, Tragtiere einzusetzen, um die Ausrüstung und Verpflegung auf die verschiedenen Beobachtungspunkte zu verbringen bzw. die Anschlussversorgung sicherzustellen.

Ausgehend von den OPs werden in der Folge Patrouillen durchgeführt und die Überwachung des Geländes oder von Grenzen sichergestellt. Für diese Tätigkeit können Tragtiere, vor allem bei Tag, für berittene Patrouillen herangezogen werden. Da berittene Patrouillen große Entfernungen zurücklegen können, kann das Überwachungsnetz entsprechend verdichtet werden.

Unterstützung bei Crowd and Riot Control

Die in einem Peace Support Operations- (PSO-)Szenario eingesetzte Truppe muss über umfassende Fähigkeiten verfügen, wozu auch die Unterstützung bei der Kontrolle von Demonstrationen gehört. Hier bietet sich eine weitere Einsatzmöglichkeit für Tragtiere im Rahmen von internationalen Einsätzen an. Jede Task Force hat bei PSO-Einsätzen Bereitschaftszüge zu bilden, die bei Bedarf zu Einheiten formiert werden und die für Einsätze bei Demonstrationen und Großkundgebungen in Bereitschaft gehalten bzw. eingesetzt werden. Solche CRC-Einheiten könnten nach dem Muster von internationalen Polizeikräften mit berittenen Zügen verstärkt werden. Der Einsatz von Pferden bei CRC-Einsätzen hat vor allem eine abschreckende bzw. psychologische Wirkung. Natürlich erfordert ein derartiger Einsatz eine spezielle Ausbildung der Tragtierführer bzw. der Reiter.

Erfahrungen der Deutschen Bundeswehr aus dem Einsatz im Kosovo

Die Hauptaufgabe der 4. Kompanie der Task Force PRIZREN ist die Durchführung von Patrouillen und das Bewachen von wichtigen Objekten im Bistrica-Tal. Darüber hinaus überwacht diese Kompanie mit Teilen die Grenze zu Mazedonien oberhalb der Ortschaft Sredska, um die ungehinderte Nutzung des Grenzraumes durch paramilitärische Kräfte, Schmuggler und illegale Grenzgänger zu unterbinden.

Weil Hubschrauber aufgrund der extremen Witterung in den kosovarischen Bergen oder aus Kapazitätsgründen nicht immer zur Verfügung standen, wurden ab Juli 2002 erstmalig zehn Tragtiere zur Unterstützung eines Grenzraumüberwachungseinsatzes außerhalb Deutschlands eingesetzt. Dabei konnten einige interessante Erfahrungen gesammelt werden:

- Die Tragtiere sind sowohl zum Transport von Versorgungsgütern als auch für Patrouillen im Hochgebirge bestens geeignet. Viele Aufträge hätten ohne diese Tiere nicht oder nur eingeschränkt durchgeführt werden können. Der erhöhte Bedarf an Fachpersonal (Tragtierzugskommandant und Bergführer) muss vorrangig aus der gesamten Gebirgsjägerbrigade 23 abgedeckt werden.

- Tragtiere sollten - wo immer dies möglich ist - im Einsatzland erworben werden.

- Der Einsatz dieser Tiere ist in einigen Bereichen wirtschaftlicher als der eines Hubschraubers.

Der Einsatz wurde in den Wintermonaten 2002/03 weiter durchgeführt. Die Erfahrungen, die dabei gewonnen wurden, fasste der damalige Kommandeur der Multinationalen Brigade Südwest, Brigadegeneral Markus Bentler, in seinem Einsatzbericht folgendermaßen zusammen: "Der Einsatz von Tragtieren im schwierigen Gelände schont Kräfte. Bis zu einer Schneehöhe von einem Meter ist er ohne große Schwierigkeiten durchführbar und überwiegend witterungsunabhängig.

Die Kombination aus Versorgung aus der Luft und Einsatz von Tragtieren hat sich bewährt. Bei schlechtem Wetter oder wenn keine Hubschrauber zur Verfügung stehen, sind Tragtiere neben Trägertrupps das einzige Mittel zur Versorgung.

Zum begleitenden Einsatz von Tragtieren besteht keine Alternative. Um die Versorgung von Soldaten, die in Außenposten im Gebirge eingesetzt sind, sicherzustellen, kann auch im 21. Jahrhundert nicht auf Tragtiere verzichtet werden. Wie die Erfahrungen im Sommer- und Winterversuch gezeigt haben, ist eine vollständige ununterbrochene Versorgung nur so aufrechtzuerhalten. Ohne den Einsatz von Tragtieren wäre die Grenzüberwachung im Hochgebirge während des Winters nicht möglich gewesen. Damit hat sich aus Sicht des Einsatzkontingentes das Tragtier als unverzichtbares Unterstützungsmittel beim Einsatz von Soldaten im schwierigsten Gelände und bei extremen Witterungsbedingungen ausgesprochen bewährt."

Der Einsatz von Tragtieren in der Schweiz und in Deutschland

Die "Armee XXI" und der Train

Die Train-Formationen, wie die Tragtiereinheiten in der Schweiz genannt werden, waren schon immer integraler Bestandteil des Schweizer Heeres. Die Schweizer Armee wurde Ende 2003 in die "Armee XXI" übergeleitet. Dabei handelte es sich um eine drastische Reduktion von Personal und Material, wobei eine Erhöhung der Mobilität, Modularität und somit der Flexibilität der Einsatzverbände erreicht werden sollte. In diesem Zusammenhang wollte man vorerst auf Pferde völlig verzichten. Trotzdem wird es in der eidgenössischen "Armee XXI" weiterhin Pferde geben, nicht zuletzt auch aufgrund eines starken Drucks von Seiten der Politik. In der "Armee XXI" wird ein Kompetenzzentrum für Veterinärdienst und Armeetiere eingerichtet, das für die Ausbildung der Trains, der Veterinär- und Hundeführer-Formationen verantwortlich sein wird. Das Kompetenzzentrum wird aus vier Train-Kolonnen (aktiv) mit 102 Train-Pferden der Freiberger Rasse und fünf Reitpferden bestehen. Darüber hinaus sind zwei Train-Kolonnen in der Reserve vorgesehen. In der "Armee XXI" wird der Gesamtpferdebestand von rund 4 600 (zu Beginn der "Armee 95") auf rund 650 Tragtiere und 60 Reitpferde schrumpfen.

Aufgaben der Train-Formationen

Materialtransporte in allen Lagen:

- Transporte im unwegsamen Gelände und/oder bei unterbrochenen Transportwegen zugunsten der Truppe; - subsidiäre Einsätze im Rahmen der Katastrophenhilfe in einer 2. Staffel zur Unterstützung der bereits eingesetzten Mittel der Armee; - Aufräumen von Sturm-, Überschwemmungs- und Lawinenschäden; - Versorgungstransporte in abgeschnittenen und/oder schwer zugänglichen Gebieten bei jeder Witterung.

Geländeüberwachung:

- Geländeüberwachung durch berittene Patrouillen im Rahmen der Raumsicherung in einem eigenen Abschnitt (z. B. für Grenzüberwachungsaufgaben mit Beobachten und Melden).

Das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Gebirgstragtierwesen 230

Gleich wie in Österreich wurde auch in der Deutschen Bundeswehr im Jahr 1958 mit der Aufstellung von Tragtiereinheiten begonnen. Seine Geburtsstunde in der Bundeswehr erlebte das Tragtierwesen in Mittenwald, wo die Gebirgstragtierkompanie 8 aufgestellt wurde. Seit Oktober 1981 ist die Gebirgstragtierkompanie 230 in Bad Reichenhall die einzige pferdehaltende Einheit der Bundeswehr. Am 1. Oktober 1993 erfolgte die Umbenennung der Kompanie in Einsatz- und Ausbildungszentrum für Gebirgstragtierwesen (EAZ 230).

Das EAZ 230 wird weiterhin in den Strukturen einer Kompanie geführt und besteht aus einem Kompaniekommando und zwei Tragtierzügen mit je 24 Pferden. Die Kompanie hat im Veterinärtrupp zusätzlich sechs Tragtiere, die als Umlaufreserve bereitgehalten werden. Der Kompaniekommandant und sein Stellvertreter sind beide ausgebildete Veterinäre.

In der Bundeswehr verwendet man Haflinger und Maultiere, wobei ein Drittel der Tiere Haflinger und zwei Drittel Maultiere sind.

Die Aufgaben der Zukunft:

Die Hauptaufgabe der Gebirgstragtierkompanie bleibt weiterhin die Unterstützung der Gebirgsjägertruppe bei der Zuführung von Waffen, Munition, Verpflegung und anderen Versorgungsgütern bis in die Stellungen der Gebirgsjäger in nicht befahrbarem Gelände. In Notfällen kann sie beim Transport von Verwundeten unterstützen. Im Rahmen der allgemeinen Aufgaben im Einsatz gehört die Verwendung von Tragtieren in der Funktion als Reittier zur Unterstützung des Auftrages "Schutz von rückwärtigen Gebieten in weniger gefährdeten Räumen" (Erkundung, Verbindung, Streife/Patrouille) zu den Einsatzgrundsätzen der Gebirgsjägertruppe.

Im Rahmen von Operationen gemeinsam mit Kräften des Kommandos Spezialeinsatzkräfte (KSK) ist u. a. der Transport von schweren Waffen, Munition, Verpflegung zum Einsatzort, sowie der Rücktransport von Verwundeten und befreiten Geiseln zur Einsatzbasis erforderlich. Derzeit stehen keine Transportmöglichkeiten zur Verfügung, die ebenso wie die Einsatzkräfte in der Lage sind, lautlos und unauffällig große Entfernungen zu überwinden.

Die Deutsche Bundeswehr sieht in der neuen Dienstvorschrift HDv 342/300, die das Tragtierwesen in der Armee regelt, auch den Einsatz von Tragtieren in Friedensmissionen vor. Hiebei unterscheiden sich die Aufgaben und Aufträge bei - friedenserhaltenden Einsätzen, - friedenserzwingenden Einsätzen, - friedenskonsolidierenden Einsätzen - und humanitären Einsätzen.

Die Deutsche Bundeswehr wird auch weiterhin über Tragtiere verfügen. Aufgrund der im Kosovo gemachten Erfahrungen sowie wegen der (politischen) Forderung an das deutsche Heer, zukünftig zwei Auslandseinsätze gleichzeitig durchführen zu können, ist geplant, die Struktur der Tragtierkomponente zu erweitern.

Zusammenfassung

Der Einsatz von Pferden im Militärwesen war seit dem Ersten Weltkrieg einer ständigen Veränderung unterworfen. Als ehemalige Hauptträger des Gefechtes verloren Pferde aufgrund der rasch voranschreitenden technischen Entwicklung immer mehr an Bedeutung. Als Tragtiere fanden sie aber dennoch auf fast allen Kriegsschauplätzen des Zweiten Weltkrieges Verwendung. Vor allem aber bei den Gebirgstruppen leisteten die Vierbeiner auf allen Seiten der Front wertvolle Dienste.

Wenngleich Einsätze von Tragtieren in der heutigen Zeit nicht mehr mit jenen des Zweiten Weltkrieges zu vergleichen sind, wird es auch im Zuge zukünftiger Einsatzszenarien den Bedarf für den Einsatz von Tragtieren geben, vor allem, weil zahlreiche sicherheitspolitische Konfliktzonen der Zukunft in gebirgigen Regionen liegen.

Im Vergleich zu anderen Gebirgsregionen der Welt sind die Alpen sicherlich das infrastrukturell und verkehrstechnisch am besten erschlossene Gebirgsmassiv. Davon abgeleitet Einsätze von Tragtieren in Zukunft für obsolet zu erklären, würde mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einem Trugschluss beruhen, da mögliche Krisenregionen nicht derart erschlossen sind.

Der Einsatz im Gebirge erfordert die optimale und effiziente Ausnutzung eines breiten Spektrums an Transportmitteln. Dabei ist stets eine Überlagerung bzw. eine Ergänzung der einzelnen Transportmöglichkeiten zu bedenken. Der Einsatz von Tragtieren wird angesichts der Witterungsunsicherheiten, welche die Ausnutzung von technischen Mitteln auch längerfristig beeinträchtigen können, unumgänglich sein.

Die US-Streitkräfte sehen das Tragtier als Erweiterung oder Ersatz anderer Transportmittel, vor allem für Spezialkräfte. Dabei wurden Tragtiere im Rahmen der Operation "ENDURING FREEDOM" in Afghanistan mit Erfolg verwendet. Die Britische Armee musste in Bosnien Pferde zur Versorgung von eingeschlossenen Truppen einsetzen. Neben der Schweizer Armee sieht auch die Deutsche Bundeswehr Einsatzmöglichkeiten für Tragtiere, wobei das Deutsche Heereskontingent/ KFOR seit Juli 2002 an der mazedonischen Grenze ganzjährig Tragtiere für Versorgungstransporte und Patrouillen einsetzt. Selbst das Österreichische Kontingent AUCON 4/KFOR musste im Juni 2001 witterungsbedingt beim Beziehen eines Grenzraumüberwachungsabschnittes im gebirgigen Süden des Kosovo auf den Einsatz von Tragtieren zurückgreifen.

Es wird auch in Zukunft bei österreichischen Hochgebirgsbataillonen ein Bedarf an Tragtieren gegeben sein, wobei man natürlich die Zahl, Stärke und Struktur der Tragtierstaffeln im Hinblick auf das "Bundesheer 2010" einer Prüfung unterziehen und möglichen neuen Aufgaben anpassen muss.

___________________________________ __________________________________ Autor: Major Volkmar Ertl, Jahrgang 1962. Nach der Offiziersausbildung von 1982 bis 1985 an der Theresianischen Militärakademie. Verwendungen als Zugskommandant, Ausbildungsoffizier, Kompaniekommandant, S3 (mob) sowie S1 beim Jägerbataillon 26 in Spittal/Drau. Heeresbergführer und Heeresschilehrer. Zwei Auslandseinsätze als Kompaniekommandant auf Zypern und im Kosovo. Seit 2004 S3 & stellvertretender Bataillonskommandant beim Jägerbataillon 25 in Klagenfurt.

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